Die Zeichner der Neuen Frankfurter (Humor-) Schule in der Caricatura (foto: zoom)
Ich werde alt. Als ich Freunden und Bekannten im Sauerland von unserem Besuch in der Caricatura – „Ihr wisst schon, Neue Frankfurter Schule, dieser Humor, ich lache mich jetzt schon wieder schlapp“ – erzählte, blickte ich in leere Gesichter.
Bernstein, Waechter, Gernhardt? Nie gehört. Pardon? Da war was, ja, aber was.
Gut, bin ich eben alt geworden und habe den Humor meiner Studentenzeit, museal aufbereitet in der Frankfurter Caricatura, besichtigt.
Als große Sonderausstellung wurde auf zwei Etagen Ernst Kahl gezeigt. Ihr wisst schon, das Bestiarium Perversum: Moralkritik, Religionskritik, Kulturkritik, Sexualität. Streckenweise schweinisch genial.
Ernst Kahl hat nicht nur gezeichnet und gemalt. Auch sein Film- und Liedgut ist an den Medienstationen zu konsumieren.
In den Etagen über Kahl die alten Herren der deutschen Humorrevolution. Spaßguerillas waren sie alle. Äußerlich bieder, brannten sie voller subversiver neuer Ideen:
Chlodwig Poth
F.W. Bernstein
F.K. Waechter
Robert Gernhardt
Hans Traxler
Aber halt!
Im ganzen schönen Museum der 68er und Post-68er Karikaturen ist keine einzige Frau ausgestellt. Hatten die Zeichnerinnen damals keinen subversiven Spaß?
War die Neue Frankfurter Schule ein reines Jungen-Internat?
Das zweite Goetheanum in Dornach (1928 bis heute), Südansicht (foto: „Wladyslaw“, wikimedia, (CC BY-SA 3.0))
Wie kann es sein, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der den Auftrag hat, die Interessen aller zu vertreten, für eine Privatschule wirbt, die nur einer Elite offen steht? Nach einer Jubel-Intro läßt die Sendung des Deutschlandfunks „100 Jahre Waldorf: Namentanzen oder sinnvolle Alternative?“ Waldorfschüler, -Lehrer, und -Funktionäre wie Henning Kullak-Ublick ihre Werbesprüche aufsagen (höre DLF-Mediathek). Erstaunlich kritisch ist hingegen der Erziehungswissenschaftler Heiner Ullrich, aber: kann ein mit der „Anthroposophie“ Rudolf Steiners nicht vertrautes Laienpublikum überhaupt verstehen, was Ullrich kritisiert? Hier eine während der Sendung spontan erstellte „Mitschrift“ – „salvo errore et omissione“ – mit garantiert subjektiver, weil extra schneller Kommentierung:
Namentanzen / Eurythmie
„… nach 5 Minuten im Eurythmie-Unterricht war ich SO BERÜHRT …“, sagt die ehemalige Philosophie-Studentin …
am Stand der Waldorfschulen auf der „Didacta“ …
ja, ich bin wohl „Masochist“, ich höre den DLF-Beitrag …
die Eltern
„… eine Bildungs-erfolgreiche (sic!) Elternschaft, die die Waldorfschule bewußt wählt …“, sagt Heiner Ullrich.
Vergleiche:
Nur das deutsche Bürgertum ist bis heute von Rudolf Steiner begeistert. Die von Steiner begründeten „Waldorfschulen“ sind erste Wahl, wenn Besserverdienende eine Schule ohne Kinder aus „sozial schwachen Verhältnissen“ und ohne Ausländer suchen: „Man bleibt gern unter sich“
„ich bin ja auch selbst Waldorfschülerin gewesen – mein Sohn war auch auf der Waldorfschule …“, Nele Auschra, Vorstand im Bund der Freien Waldorfschule:
einmal Sekte, immer Sekte …
die Lehre Rudolf Steiners
„… eine Waldorflehrer-Ausbildung ohne die Schriften von Rudolf Steiner kann ich mir nicht vorstellen …“, Heiner Ullrich, weiter: „.. die Lehre Rudolf Steiners ist in einem Maße bestimmend, die Aussenstehende nicht sehen …“
na, immerhin –
fragt sich, ob Heiner Ullrich den „Aussenstehenden“ noch erklärt, was mit der „Lehre Rudolf Steiners“ eigentlich gemeint ist …
dogmatisch
„Vieles ist in der Waldorfpädagogik DOGMATISCH …“, Heiner Ullrich, auf die Frage, warum eine Kooperation von Waldorfschule und öffentlicher Schule gescheitert ist:
„… es ist keine Esoterik mehr, aber es KOMMT AUS DER ESOTERIK …“, Heiner Ullrich, über den „Dreischritt“ als waldorfpädagogische Methode:
Der Lehrer soll im Unterricht bewusst Fragen offen lassen (erster Schritt), weil das „Ich“ und der „astralische Leib“ des Kindes im Schlaf die körperliche Hülle verlassen und diese Fragen außerhalb des „physischen Leibes“ im Schlaf verhandelt werden (zweiter Schritt).
Im dritten Schritt – am Tag danach – holt der Lehrer die Antworten aus dem „Unterbewussten“ und bringt sie in das Wachbewusstsein.
Dazu schrieb der Anthroposophen-Gründer-Guru Rudolf Steiner:
„Das Kind geht aus der Schule, schläft; sein Ich und sein astralischer Leib sind im Schlafe AUSSERHALB DES PHYSISCHEN LEIBES und des Ätherleibes.
Dasjenige, was Sie da [im Unterricht] mit dem Kinde vollbracht haben auf dem Umweg durch den physischen Leib, auch den Ätherleib meinetwillen, das setzt sich fort im astralischen Leib und im Ich.
Diese beiden letzteren sind aber während des Schlafes IN EINER GANZ ANDEREN UMGEBUNG. Sie machen etwas durch, was sie nur während des Schlafes durchmachen, und dasjenige, was Sie dem Kinde beigebracht haben, macht die Sache mit; macht sie mit eben in denjenigen Wirkungen, die in dem astralischen Leib und dem Ich geblieben sind.
Sie müssen daran denken, daß Sie dasjenige, was Sie dem Kinde auf dem Umweg über das Physische beibringen, hineinleiten in den astralischen Leib, in das Ich; und daß Sie dadurch eine Wirkung ausüben auf die Art und Weise, wie das Kind VOM EINSCHLAFEN BIS ZUM AUFWACHEN LEBT, und daß Ihnen am nächsten Tag das Kind dasjenige mitbringt, was es da zwischen Einschlafen und dem Aufwachen DURCHGEMACHT HAT.“
„… der Waldorfklassenlehrer, der 8 Jahre lang, in 8 Fächern unterrichtet … ist ein Waldorf-Unikat …“, Heiner Ullrich
vergleiche:
„Lichte: Ist es nicht eine Überforderung des Klassenlehrers, 8 Jahre lang alle Fächer unterrichten zu müssen? Welche Qualität kann so ein Unterricht noch haben?
Prof. Hopmann: Natürlich hat die Konstruktion, eine einzelne Lehrkraft allzuständig sein zu lassen, zwei entscheidende Risiken: Zum einen gibt es keine Lehrkraft, die tatsächlich sämtliche Schulinhalte auf einem so hohen fachlichen Niveau beherrscht, dass sie die unterschiedlichen Lernbedürfnisse und Lernschwierigkeiten angemessen berücksichtigen kann. Die Schulforschung ist sich da ziemlich einig: Spezialisierung ist notwendig. Zum andern öffnet die Verwiesenheit auf eine einzige Bezugsperson natürlich die Möglichkeit, für psychischen (und ggf. physischen) Missbrauch.“
Da ich in dieser Woche kaum etwas für das Blog geschrieben habe, versuche ich, mich mit einem kleinen Wochenrückblick wieder ins Spiel zu bringen.
Es begann in Bonn mit einem Gartenzwerg. Ich empfehle die Ausstellung „Deutsche Angst“ im Haus der Geschichte in Bonn. Den Gartenzwerg habe ich am Ende der Dauerausstellung geerntet.
Dieser Zwerg am Ende der deutschen Geschichte hat mir sehr gefallen. (foto: zoom)
Auf der Arbeit gab es ziemlich viel Stress. Trotzdem habe ich am Mittwoch gestreikt und bin zum Demonstrieren nach Dortmund gefahren.
Streik-Demo in Dortmund so la la mit 500 Leuten (foto: zoom)
Die Gewerkschaft fordert 6% mehr Lohn und Gehalt und hat es geschafft, die „6“ auf den Friedensplatz zu bringen. Um die Aufnahme zu machen, bin ich kreativ in die Höhe gekrabbelt.
Immerhin ist es den Lehrerinnen und Lehrern gelungen eine „6“ auf den Friedensplatz zu stellen. (foto: zoom)
Am Donnerstag habe ich das WDR 5 Stadtgespräch im Oversum in Winterberg besucht: „Schneekanonen gegen Klimawandel“. Ihr solltet euch die Aufzeichnung anhören. Meine Meinung zu der Veranstaltung werde ich (hoffentlich) demnächst im Blog veröffentlichen.
Da sind sie von links nach rechts: Judith Schulte-Loh (Moderation), Michael Beckmann (Tourismusdirektor), Karsten Schwanke (Meteorologe), Ralf Roth (Natursport-Experte), Dirk Jansen (BUND). (foto: zoom)
Abendbummel durch die Bonner Innenstadt (foto: zoom)
Das Bild oben ist eine winzige Beute unseres Wochenendausflugs nach Bonn.
Schon zum vierten oder fünften Mal habe ich das Haus der Geschichte besucht und bin immer noch nicht gelangweilt. Es wird also ein nächstes Mal geben. Alles weitere später, dafür heute ein paar Lesehinweise. Es sollte für jede/n etwas dabei sein.
Resonanzraum der Hemmungslosigkeit: Das Web als Hass- und Einsamkeitsmaschine … endoplast
Pfarrer Bernd Mönkebüscher: Außergewöhnlich ehrliche und offene Worte über seine Homosexualität … sauerlandkurier
AfD-„Arbeitnehmer“ in der Krise: Unter den drei Gruppen, die von sich behaupten, Arbeitnehmerinteressen in der AfD zu vertreten, ist sie die kleinste: Nun steckt AidA offenbar tief in der Krise … bnr
Funkes „agile Ticker“: Die Nebelbomben der Verlage. Wenn Verlage Stellen abbauen und sparen, dann traut sich kaum einer, einfach Tacheles zu reden. Stattdessen ist blumig von Fokussierung, Verbesserung, Modernisierung die Rede – so wie diese Woche bei Funke. Zeit für Hans Hoff, sich beim SWR zu entschuldigen … dwdl
Funke-Betriebsräte: Das war zynisch, Frau Becker … charly&friends
Sportgeschichte als bedrohte Public History: „Sportgeschichte ist ein ideales Vehikel, um historische und gesellschaftsrelevante Fragen öffentlich zu vermitteln. Sport begeistert, wird ökonomisch immer bedeutender und ist in den Medien omnipräsent. Sportgeschichte als kulturelles Erbe jedoch fristet zumindest in der Schweiz ein Mauerblümchendasein. Unterfinanzierte oder heroisierende Museen und wenig Präsenz im Schulunterricht bilden jedoch Chancen für neue Formen der Public History“ … publicHistory
Größter Holzhandel weit und breit: Grabstätte führt auf die Spuren einer Dortmunder Wirtschafts-Dynastie … revierpassagen
NPP165 mit Anke Domscheit-Berg zum NetzDG: „Dann mach doch kein Facebook.“ … netzpolitik
Bunt, schrill, witzig und schräg: „The Rocky Horror Show“ zurück auf der Hagener Bühne … doppelwacholder
Zu guter Letzt: Hermes – oder – Es wird wohl nie ankommen … schwenke
Das war vor Jahren, der WAZ-Axt zum Opfer gefallen: Westfälische Rundschau – Hochhauswerbung in Dortmund. (archiv: zoom)
Die Funke Mediengruppe, zu der auch unsere heimische Westfalenpost gehört, hat erneut die Axt aus der Folterkammer der Betriebswirtschaft geholt: die Druckerei in Essen (120 Mitarbeiter) wird geschlossen, in NRW soll die Warsteiner Lokalausgabe (Fünf feste Mitarbeiter) der „Westfalenpost“ wegfallen.
„Dahinter steckt blinde Profitgier. Um ihre Renditeziele zu erreichen, werden reihenweise Menschen auf die Straße gesetzt. Der Schein des Aufbruchs in Wertschätzung der Mitarbeiter durch die Geschäftsführung in der neuen Firmenzentrale in Essen trügt.“ Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes NRW (DJV-NRW) Frank Stach hat die Geschäftsführung der Funke Mediengruppe mit scharfen Worten für die heute bekannt gegebenen Abbaupläne kritisiert[1].
Das heute von der Funke Mediengruppe vorgelegte Sparprogramm sehe vor, in NRW erneut 10 Prozent der Stellen an den drei Funke Titeln in NRW einzusparen. Die Redaktion der Westfalenpost in Warstein mit fünf fest angestellten Mitarbeitern solle ganz geschlossen werden. Die Ausbildung der Volontäre in der Medienakademie-Ruhr wird für ein Jahr ausgesetzt. Komplett schließen will der Konzern das Essener Druckhaus mit 120 Mitarbeitern.
„Damit setzt der Konzern die alte, verhängnisvolle Politik des Personalabbaus fort, die bereits hunderte Arbeitsplätze gekostet hat“, betont DJV-NRW Geschäftsführer Volkmar Kah. Die Konzentration auf Sparmaßnahmen als Geschäftsmodell konterkariere Funkes Anspruch, sich im digitalen Zukunftsmarkt einen guten Platz zu sichern. „Der kontinuierliche Abbau der Belegschaft und der Aufbau neuer, personalintensiver Online- Projekte schließen sich gegenseitig aus.“
„Wir erkennen, dass das Print-Geschäftsfeld weniger profitabel geworden ist“, so Kah. Die Funke Manager handelten ohne Konzept. Weiterer Personalabbau sei keine Lösung. Funke müsse jetzt schnell die angekündigte Neuausrichtung auf digitale Medien umsetzen. „Dieses Ziel kann nur mit einer ausreichenden Zahl an hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erreicht werden. Der Stellenplan der Funke Mediengruppe ist aber schon jetzt auf Kante genäht, die Redaktionen sind am Limit.“
Kah fordert die Gesellschafter und Geschäftsführer der Funke Mediengruppe auf, ihrer sozialen Verpflichtung gerecht zu werden und dafür Sorge zu tragen, dass der angekündigte Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolge.
Die Funke Mediengruppe hatte bereits 2008 ca. 300 von 900 redaktionellen Stellen in NRW abgebaut, 2013 wurden alle 120 Stellen der Westfälischen Rundschau gestrichen. Die Westfälische Rundschau rangiert seitdem in der Kategorie „Zombie-Blätter“, d.h. eine Zeitung ohne eigene Redaktion. Während die Mediengruppe am Personal spart, kauft sie fleißig weitere Zeitungen und Zeitschriften ein, alleine 2013 für insgesamt 920 Millionen Euro. Weitere Käufe sind aktuell angekündigt.
Betroffene DJV-Mitglieder der Funke-Titel in NRW können sich mit Fragen jederzeit an den DJV wenden.
Kolpinghaus Siedlinghausen: seit dem 14. Dezember betreiben Pedro Lopes und sein Team das Restaurant „RitmuS“. (foto: zoom)
Seit Mitte Dezember hat das Kolpinghaus in Siedlinghausen einen neuen Pächter für den Gastronomiebetrieb gefunden. „RitmuS“ heißt das neue portugiesische Restaurant im Herzen meines Wohnorts.
Da ich dort bislang erst ein Mal zum Kegeln war und ein zweites Mal an einer Geburtstagsgesellschaft teilgenommen habe, kann ich noch nichts über das Restaurant im „Alltagsbetrieb“ sagen. Sobald wir den „Stresstest“ gemacht haben, folgt die Rezension.
Jetzt zu den Lesehinweisen, wie stets eklektisch und ad hoc ausgewählt.
Klimawandel – Greta Thunberg in eigener Sache: Recently I’ve seen many rumors circulating about me and enormous amounts of hate. This is no surprise to me. I know that since most people are not aware of the full meaning of the climate crisis (which is understandable since it has never been treated as a crisis) a school strike for the climate would seem very strange to people in general.
So let me make some things clear about my school strike … Greta Thunberg auf Facebook
Der Hass in unserer Gesellschaft: Ich würde gerne wissen, woher er kommt. Dieser Haß auf alles und jeden, diese mangelnde Toleranz, dieses sich beißwütig auf die Schwachen stürzen. Am Beispiel von Greta sieht man sehr schön, wie kaputt unsere Gesellschaft ist … unkreativ
Rechtsextremismus: AfD-„Flügel“ wähnt sich im Aufwind … bnr
Demokratie: Wir veröffentlichen das Verfassungsschutz-Gutachten zur AfD … netzpolitik
Neue Broschüre „Terror in Hohenlimburg: der Pogrom am 10.11. 1938“ … doppelwacholder
Korruption in Europa: Noch eine hässliche Seite der EU … postvonhorn
Gegen Selfie-Journalismus und für Recherche: Laudatio auf Henning Steiner, Journalistenpreis Informatik … welchering
Historische Identität und Migration: Welche Rolle spielt Geschichte für die Identität von Kindern mit Migrationshintergrund? Im Oktober 2018 führte ich zu dieser Frage eine quantitative Vorstudie unter den Schüler*innen zweier Wiener Mittelschulen mit außergewöhnlich hohem Migrant*innenanteil (über 90 Prozent) durch … publicHistory
Alte Produktkataloge: Alte Produktkataloge sind nicht nur spannend durchzuschauen, sondern sind auch ein immenser Datenschatz: Welche Produkte waren verfügbar? Wie teuer waren diese? Was war gerade neu und aufregend? Und was wollten die Leute haben? Was war aufregend? … schmalenstroer
Warum man Burn-out nicht als Modeerscheinung abtun sollte: Kritik an einer Aufklärungsinitiative der Daimler und Benz Stiftung … scilogs
Kunsttagebuch: Die Überforderung. Ist der, der ein Kunstwerk erschafft, der, der er im Augenblick ist oder könnte er bereits der sein, der er erst zukünftig werden würde, um seine Kunst schaffen und ihr Ausdruck verleihen zu können? … endoplast
Geld, Produktionen und Zeit – von allem etwas weniger: Intendant Olaf Kröck stellt Programm der Ruhrfestspiele vor … revierpassagen
Laudatio zum Anglizismus des Jahres 2018: Gendersternchen … sprachlog
Alte Heimat: Dinslakens Menschen bewegte – Ein wenig Schnee…, Wolf GW954f, … andreashaab
Hier gibt es nicht nur Getränke, sondern seit neuestem auch Lesestoff. (foto: zoom)
Als ich vor x Jahren im Blog erwähnte, dass ich die neue „konkret“ (Ihr wisst schon diese „linksradikale“ Zeitung) am Dortmunder Hauptbahnhof gekauft hätte, da war was los in Siedlinghausen.
Bernd Kräling, Inhaber des Zeitschriftenladens „Kräling1000“, zog mich fast empört über die Ladentheke. Wie ich denn dazu käme, mein Lesegut in Dortmund zu erwerben. Bernd, seines Zeichens FDP-Ratsherr in Winterberg, setzte mir die Pistole auf die Brust. Ab sofort solle ich die „konkret“ bei ihm abholen.
Und so kam es dann. Bernd führte fortan die „konkret“ in seinem Sortiment und am Ende des Monats erhielt ich über Facebook oder Email eine Nachricht der Art: „Komm vorbei. Deine konkret ist da.“
Zum 31. Dezember 2018 hat „Kräling1000“ geschlossen. Feierabend. Rente nach vielen Jahrzehnten als Kaufmann.
Ein Verlust für den Ort, nicht nur wegen „meiner“ konkret.
Aber wie es im Kapitalismus so ist, eine Marktlücke bleibt nicht lange offen. Eines schönen Tages sah ich die Inhaberin von „Ute’s Getränke*Star“ Zeitschriften in ein Regal neben den Weinflaschen einsortieren.
Die Geschichte von Bernd und mir und der konkret erzählt. Ob sie wohl auch? Ja, kein Problem. Sei notiert.
Ich habe gestaunt, wie sich auch an einem kleinen Ort wie Siedlinghausen der lokale Markt diversifizieren kann.
Die „Februar-konkret“ habe ich vor ein paar Tagen bei Ute’s Getränke*Star für 5,90 € plus ’n Bier über die Theke bekommen.
Nach Hause gefahren, aufgeschlagen, geblättert, gelesen:
Die Auszüge aus dem Mailwechsel zwischen Wolfgang Pohrt und Hermann L. Gremliza (S.20/21) haben mich sehr berührt. Den Pohrt hatte ich bislang für einen ziemlich verschrobenen rigoristischen Intellektuellen gehalten.
Pohrt halte ich immer noch für abgedreht und verschroben, aber er erscheint im Briefwechsel menschlicher.
Das allerdings ist ein anderes Thema.
Am 22. Februar erscheint die nächste „konkret“. Kein Abo, kein Dortmund – bleibt alles im Dorf. Hoffe ich doch.
Gestern lief der hervorragende Film „Nebel im August“ von Kai Wessel im Fernsehen, den es schon lange als DVD zu kaufen gibt.
DVD mit Begleitheft (fotos: thelen-khoder)
Der DVD liegt ein Begleitheft bei.
Zeittafel 1933 – 1945
Gedreht wurden die Szenen in Schlaf- und Speisesaal in der „Westfälischen Klinik für Psychiatrie“ in Warstein, kurz LWL-Klinik, der ehemaligen ,Provinzialheilanstalt Warstein“ und „Provinzialheilstätte Stillenberg“.[1]
Von Warstein aus wurden 1575 Menschen u.a. nach Weilmünster und Hadamar deportiert, von denen die ersten 21 Juden waren.[2]
Es folgten u.a. Ernst Putzki aus Hagen und Natalia Tarutina („Ostarbeiterin“)[3].
Andere „Ostarbeiter“, die bereits selbst an Tuberkulose erkrankt waren, wurden an die „Provinzialheilstätte Stillenberg“ über Arbeitsämter (z.B. in Lüdenscheid und Siegen)vermittelt, um dort mit dieser hochinfektiösen Krankheit als „Küchenhilfe“ oder „Putzhilfe“ zu arbeiten. Einige von Ihnen liegen auf dem „Russischen Ehrenfriedhof des Anstaltsfriedhofes“[4].
Michail Woronin, der ebenfalls dort liegt, gehört auch zum „Franzosenfriedhof“ in Meschede, wo seine Frau Nina und seine Tochter Valentina liegen.[5]
„Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat bei einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus des Bayerischen Landtags die AfD als verfassungsfeindlich kritisiert. Daraufhin verließ am Mittwoch ein Großteil der AfD-Landtagsabgeordneten den Plenarsaal.“
Soweit die übliche provozierende „beleidigte Leberwurst Show“ der sogenannten „Alternative“ für Deutschland.
Im Interview mit Domradio spricht Charlotte Knobloch nachdrücklich die (Katholische) Kirche an.
„Bei der AfD ist die größtmögliche Opposition nötig! Und das gilt natürlich auch für die Kirchen. Und da ist eine deutliche Anweisung von oben nach unten nötig, Stellung zu beziehen gegen antidemokratische und antisemitische Bewegungen. Das fehlt mir in dieser Deutlichkeit bislang noch des Öfteren.
DOMRADIO.DE: Also sollen die Kirchen noch deutlicher werden?
Knobloch: Die Kirche hat ja die Möglichkeit, die Menschen zu informieren und das erwarte ich von den Kirchen.“
Als „bekennender Agnostiker“ und Antifaschist gebe ich die Botschaft gern weiter.
Die Westfalenpost Meschede/Brilon/Warstein hat mehr als 5% ihrer AbonnentInnen verloren. (screenshot ivw: zoom)
Die Verkaufszahlen der Westfalenpost, auch in unserem Einzugsbereich, zeigen weiterhin nach unten.
Die heute veröffentlichten Daten der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw) bestätigen den seit Jahren anhaltenden AbonnentInnen-Schwund unserer lokalen Tageszeitung Westfalenpost, hier im Raum Brilon/Meschede/Warstein.
Die steigende Zahl von ePapern konnte den Abwärtstrend, der mehr oder weniger konstant um die 5% liegt, nicht stoppen. Der Verlustsaldo beträgt vom 4. Quartal 2017 zum 4. Quartal 2018 5,32%.
Die Zahl der AbonnentInnen liegt nun weit unter 25.000. Bei gleichbleibenden Verlusten im 5-Prozent Bereich würde die AbonnentInnenzahl in den nächsten fünf Jahren auf unter 19.000 sinken.
Die Frage ist allerdings, ob es in der Zukunft Kipp-Punkte geben könnte, an denen sich der Abschwung beschleunigt.
Die Versorgung mit Lokalnachrichten, so schlecht oder gut sie im Einzelfall sein mögen, ist gefährdet. Medien, die das Vakuum füllen, sehe ich zur Zeit noch nicht, und das ist meiner Meinung nach eine Gefahr für die öffentliche Meinungsbildung.
Die Uhr tickt für die klassische Lokalzeitung. Was erwartet uns in der Zukunft?
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