Umleitung: Scheinblüte SPD, Landnahme von Verschwörungsgläubigen, Krieg in Europa, Windkraft-Akzeptanz im Sauerland und sechs Lesetipps

Keine Scheinblüten in Battenberg. Den kleinen Flieger habe ich erst im Nachhinein bemerkt. (foto: zoom)

Schwindende Scheinblüte: Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg … postvonhorn

Landnahme-Objekt Immenhof: Ein Anwesen in der Lüneburger Heide steht vor der Versteigerung. Corona-Leugner und Verschwörungsgläubige treffen sich auf dem Gelände um ihr visionäres Dorf zu planen … endstationrechts

Krieg in Europa? Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht: Ein großer Krieg in Europa ist nicht ausgeschlossen, auch wenn ihn niemand will. Die Gründe liegen eher in der Psychologie als in der Politik … scilogs

Windkraft-Akzeptanzstudie: Gäste und Tagesausflügler akzeptieren Windkraft-Ausbau im Sauerland … ihkarnsberg

Zwischen Seelentrost und Menschheitsdämmerung: sechs Bücher über beinahe alles … revierpassagen

… aber die Windräder.

Am Großen Bildchen, Blickrichtung Siedlinghausen. Der Wald wird abgefahren (foto: zoom)

Gestern bin ich über das Große Bildchen nach Winterberg gefahren. Die L 740 am Ortsausgang von Siedlinghausen ist wegen der Straßenrenovierung gesperrt. Auf die Umleitung über die Ennert samt ihrer Ampelanlage hatte ich keine Lust.

Durch Stürme, Klimawandel und Borkenkäfer, haben sich viele „Bilder“ der Landschaft des Hochsauerlandes inzwischen radikal verändert.

Blickrichtung Großes Bildchen. Links hinter den Holzstößen verläuft die L 742. (foto: zoom)

Das Waldsterben im Hochsauerlandkreis ist sehr real. Wie es weitergehen wird, kann ich mir zur Zeit kaum vorstellen. Den Wald sich selbst überlassen, wird wahrscheinlich nur für ausgewählte Flächen mit Zuschüssen (Ausgleichszahlungen) für die Waldbesitzer:innen funktionieren.

Noch mehr Weihnachtsbaumflächen? Bewahre uns vor diesen Monokulturen!

Neue Baumarten? Das ist die große Preisfrage, denn der Vorteil der Fichte war und ist ihre kurze Generationsfolge.

Will man den Wald erhalten, werden Mischwälder das Mittel der Vernunft sein. Wer wird sie anbauen?

Übernachtungserlebnis unter freiem Himmel

Sechs Trekkingplätze rund um Hallenberg ab sofort online buchbar

Der erste Vorsitzende des Naturparks Sauerland Rothaargebirge, Bernd Fuhrmann (r.) sowie Hallenbergs Bürgermeister Enrico Eppner auf einer der neuen Trekkingplattformen. (Foto: Naturpark Sauerland Rothaargebirge e.V.)

Übernachten unter freiem Himmel in der heimischen Natur – das ist ab sofort auf insgesamt sechs Trekkingplätzen rund um Hallenberg im Naturpark Sauerland Rothaargebirge möglich. „Es ist toll, dass dieses nachhaltige Naturerlebnis nun an den Start geht – dafür gebührt allen Beteiligten mein herzlicher Dank“, erklärte Bernd Fuhrmann.

(Pressemitteilung Naturpark Sauerland-Rothaargebirge)

Der Vorsitzende des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge besichtigte kürzlich einen von insgesamt sechs dieser Plätze im Hallenberger Stadtgebiet – gemeinsam mit Bürgermeister Enrico Eppner.

„Das Resultat kann sich sehen lassen – nach vielen Gesprächen im Vorfeld haben wir gemeinsam ein attraktives Angebot geschaffen“, war auch der Hallenberger Bürgermeister begeistert. Die Trekkingplätze sind ein Pilotprojekt für den Naturpark. „Wir wollen die Idee nun innerhalb unseres Gebietes in die Fläche tragen“, erklärte Bernd Fuhrmann.

Die Plätze liegen zum Teil im Einzugsbereich des Qualitätswanderweges Sauerland-Höhenflug und des Hallenberger Wanderrauschs, der als verbindendes Element gilt – und damit auch in direkter Nähe zu den Weitwanderwegen im Sauerland und in Siegen-Wittgenstein liegt. Dort steht nun eine naturnahe Übernachtungsalternative für Wandernde zur Verfügung. Denn alle Trekkingplätze sind mit einer Holzplattform zur Aufstellung der Zelte und einer Komposttoilette ausgestattet. Buchbar sind sie von April bis Oktober im Internet unter www.naturpark-trekking.de. Von November bis März stehen sie nicht zur Verfügung, um in der Zeit der Winterruhe die heimischen Wildtiere nicht zu stören.

Um diesen außergewöhnlichen Naturgenuss möglich zu machen, war die Beteiligung und Abstimmung unter vielen Partnern erforderlich. Der Naturpark Sauerland Rothaargebirge war dabei Initiator. Vorsitzender Bernd Fuhrmann verwies auf den verabschiedeten Naturparkplan, in dem das Projekt bereits 2019 verankert wurde. Die Stadt Hallenberg stand als Partner zur Erstumsetzung zur Verfügung – eine große waldbesitzende Kommune. Bürgermeister Enrico Eppner hatte darüber hinaus großes Interesse an der Umsetzung dieses Angebotes im Stadtwald. Er hat das Projekt daher von Beginn an aktiv begleitet und forciert.

Von Seiten der Partner wurden mehrere Standortvorschläge gemacht, die dann mit den anderen Landnutzern – etwa der Landwirtschaft, dem ehrenamtlichen Naturschutz und den Jagdausübungsberechtigten – abgestimmt wurden. Der Hochsauerlandkreis und das zuständige Forstamt erteilten hernach die Genehmigungen. Das Projekt stieß und stößt auf breite Zustimmung bei allen Interessengruppen – entsprechend haben der Naturpark Sauerland Rothaargebirge und die Stadt Hallenberg gemeinsam in den Bau der sechs Trekkingplätze investiert.

Die Resonanz auf die Plätze ist bereits in der Startphase positiv – erste Rückmeldungen und Buchungen sind bereits eingegangen. Ein weiteres Signal dafür, den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben – und die Idee weiter in die Breite zu tragen. Um Nutzungskonflikte direkt zu vermeiden, geben der Naturpark und die Stadt Hallenberg ihre gesammelten Erfahrungen an andere Kommunen weiter – der Wissenstransfer soll das Angebot dabei zugleich dauerhaft noch attraktiver gestalten. Die Buchungsplattform kann ab sofort unter www.naturpark-trekking.de aufgerufen werden. Eine Trekkingplattform kostet 15 Euro pro Nacht – und bietet dann ungestörten Genuss. Die Plattformen reichen für bis zu zwei kleine Zelte aus.

Weitere Informationen zur Nutzung und hilfreiche Tipps und Infos gibt es auch im Internet unter www.npsr.de.

RWE will Lützerath weiterhin wegbaggern?

Demo zum Erhalt von Lützerath im letzten Herbst in Lützerath (archiv: zoom)

Der kleine Ort Lützerath am Niederrhein war in der letzten Sitzung des Kreistags im HSK am 10. Juni ein Thema.

(Der Artikel ist in ähnlicher Form zuerst auf der Website der Sauerländer Bürgerliste erschienen.)

Das hing damit zusammen, dass der Finanzvorstand der RWE im Kreistag über die künftige Ausrichtung der RWE vortrug: „Wo steht die RWE AG und wie sieht die Zeitschiene des Ausstiegs aus fossilen Energieträgern aus?“. Immerhin hält der HSK etwa 5,9 Mio Aktien an der RWE und ist damit einer der größten Aktionäre.

Finanzvorstand Müller wies im Kreistag zwar darauf hin, dass „Growing Green“ (grünes Wachstum) das Schlagwort der Energiewirtschaft werde. Der Energiemarkt stehe vor einer Zeitenwende. „Klimaneutralität bis 2040“ – so laute eines der Ziele des weltweit agierenden Energieriesen. Bis 2030 soll der Ausstieg aus der Braunkohle erfolgen. Dies sei notwendig, um die Pariser Klimaziele zu erfüllen. Für die nächsten 10 Jahre seien etwa 30 Mrd Euro Netto-Investitionen für “Grünes Wachstum” vorgesehen. RWE sei “für die grüne Energiewelt bestens aufgestellt”.

Dazu passt aber nicht, dass der RWE-Konzern daran festhält, das Braunkohletagebau Garzweiler am Niederrhein zu erweitern. Auf Nachfrage der SBL und trotz des Hinweises auf die unternehmerische Verantwortung des Energieriesen bestätigte Herr Müller, dass der symbolträchtige Ort Lützerath weggbegaggert werden soll.

https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCtzerath#/media/Datei:Karte_Tagebau_Garzweiler_deutsch.png

Dabei geht es nicht nur um den kleinen Ort, sondern um eine gigantische Erweiterung dieses Braunkohlereviers, die zur Freisetzung von zusätzlich etwa 600 Mio Tonnen CO2 führen wird. Für die Übergangsphase bis zum Vollzug des Kohleausstiegs wäre diese Erweiterung nicht erforderlich, weil in den vorhandenen Braunkohlerevieren in NRW, in Sachsen-Anhalt und in Sachsen ausreichend Abbaumöglichkeiten zur Verfügung stehen. So entstehen Zweifel, ob es sich bei der RWE wirklich um “Growing Green” oder nur um „Green Washing“ handelt.

Auffällig bei diesem Thema war die Zurückhaltung einiger Parteien, die sich Hoffnung machen, der neuen Landesregierung in Düsseldorf anzugehören. Dafür scheint Voraussetzung zu sein, nicht den Erhalt von Lützerath zu fordern.

https://luetzerathlebt.info/

Nach der großen Hitze: Willkommen in den Nuhnewiesen.

Informationstafel Parkplatz „Am Friedhof“ Hallenberg. Informative Broschüren stecken im kleinen Kasten rechts. (foto: zoom)

Wenn die große Hitze vorbei ist, könnt ihr auf einer kleinen Naturentdeckerrunde von drei Kilometern in den Nuhnewiesen bei Hallenberg herumstöbern, möglichst bevor die Wiesen gemäht werden.

Der Einstieg ist gegenüber dem Parkplatz „Am Friedhof“, Ortsausgang Hallenberg Richtung Bromskirchen. Vorsicht beim Überqueren der Bundesstraße!

Ich hatte das Naturschutzgebiet schon länger auf dem Schirm, denn der erste Teil des Weges führt über den Radweg Richtung Fledermaustunnel. Der weite Blick über das Tal der Nuhne mit dem dahinterliegenden flachen Bergrücken („Wache“) hatte mich jedesmal angenehm berührt, aber Radfahren verträgt sich nicht mit einer detailverliebten Exkursion durch das größte zusammenhängende Mähwiesengebiet Nordrhein-Westfalens.

Wer gerne Gräser bestimmen mag, ist in den Nuhnewiesen bis zur Sommermahd goldrichtig. (foto: zoom)

Es hat dann mehrere Jahre (!) gedauert, bis ich den Plan endlich umsetzte.

Zur Zeit findet ihr auf den Nuhnewiesen auch meine alte Bekannte, die Schwarze Teufelskralle, die ich schon auf den Winterberger Bergwiesen bewundert hatte:

https://www.schiebener.net/wordpress/die-schwarze-teufelskralle/

Am Rand des Naturschutzgebiets fraß sich eine Schafherde durch die Weide.

Schäfer, Hund und Herde (foto: zoom)

Wenn man nach etwas mehr als einem Kilometer den asphaltierten Radweg verlässt, um im Zickzack und in weiten Bögen die eigentliche Wiesenlandschaft zu erkunden, beginnt die kleine Wanderung entspannend und spannend zu werden.

Die Feldlerchen zwitschern, die Wiesenblumen leuchten, Schmetterlinge flattern, die Gräser wiegen sich im Wind und in den Bäumen verpuppen sich die Pflaumen-Gespinstmotten in ihren weißen Netzen.

Nehmt Lupe, Fotoapperat sowie Bestimmungsliteratur bzw. Apps mit und ihr werdet für die drei Kilometer mindestens zwei, wenn nicht drei Stunden benötigen. Die Zeit wird trotzdem wie im Fluge vergehen.

Der Kleine Fuchs speist. (foto: zoom)

Auf dem Rundweg sind insgesamt 10 Stationen ausgeschildert, jeweils auch mit QR-Code. Wir haben es vorgezogen, uns aus der kleinen Broschüre vorzulesen, die es (hoffentlich stets!) an der Info-Tafel am Parkplatz in einer kleinen Box zum Mitnehmen gab.

Den Flyer kann man sich auch auf der Website der Biologischen Station Hochsauerland als PDF herunterladen:

https://biostation-hsk.de/images/Flyer_Naturweg_Nuhnewiesen.PDF

Wer es ländlich-romantisch und rostig rot mag, für den steht auch was am Wegrand. (foto: zoom)

Sollte die Sonne scheinen, was ich euch wünsche, nehmt eine Kopfbedeckung mit, denn gerade in der offenen Wiesenlandschaft wird der Schädel doch arg bestrahlt. Außerdem: Trinken nicht vergessen!

Senkrecht an der Wand: reife Erbeeren an der alten Eisenbahnbrücke. (foto: zoom)

Unsere Tour hatte gestern am späten Nachmittag begonnen und endete am frühen Abend vor den wilden Erdbeeren an der Mauer der alten Eisenbahnbrücke.

Wir haben die Früchte hängen lassen – für euch. Viel Spaß auf der Runde!

Die Schwarze Teufelskralle

Schwarze Teufelkralle auf den Winterberger Bergwiesen (foto: zoom)

„Die Schwarze Teufelskralle“ könnte der Titel einer dieser 60er-Jahre Edgar-Wallace-Filme sein, ist er aber nicht.

Phyteuma nigrum ist eine wissenschaftliche botanische Bezeichnung, wobei Phyteuma der griechische Name für Pflanze und nigrum das lateinische Adjektiv für schwarz ist. Die Teufelskrallenarten gehören zur Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

Die Blüten sind meist schwarzblau. Teufelskralle heißt sie wegen der krallenartig gebogenen Einzelblüten mit Griffeln im eiförmigen Blütenstand.

Sie wächst auf kalkarmen Standorten, vor allem in Mittelgebirgen, fehlt allerdings in den Höhenlagen der Alpen.

Man kann sie zur Zeit auf den Winterberger Bergwiesen oberhalb des Schmantel-Rundwegs blühen sehen.

Soweit ich es der botanischen Literatur entnehmen kann, ist die schwarze Teufelkralle verbreitet und nicht geschützt. Bestäubt wird Phyteuma nigrum durch bienenartige Insekten und Schwebfliegen.

Die noch weiter verbreitete Art der Ährigen Teufelskralle (Phyteuma spicatum) sehe ich zur Zeit besonders um das Kriegerdenkmal in Siedlinghausen blühen. Kein Wunder, denn der Hügel liegt auf meinem Fußweg zum Freibad. Auch auf dem Weg von der Schnickemühle zum Silbacher Sportplatz entlang der Namenlose sind sehr viele Ährige Teufelkrallen in Blüte.

Ährige Teufelkralle unterhalb des Kriegerdenkmals in Siedlinghausen (foto: zoom)

Die Ährige Teufelskralle wird gemeinsam mit Campanula ranunculus (Rapunzel-Glockenblume) und Velerianella (Feldsalat) wegen ihrer Nutzung als Wurzelgemüse Rapunzel (rapunculus lat. = kleine Rübe) bezeichnet.

Man findet sie in krautreichen Wäldern, auf Bergwiesen, auf lockeren nährstoffreichen Lehmböden.

Im Gegensatz zur Schwarzen Teufelskralle kommt sie auch in den deutschen Alpen bis 2100 m vor. Sie ist in fast ganz Europa verbreitet.

Die jungen Blätter kann man roh als Brotbelag oder gekocht als Wildgemüse essen, daher der Name Waldspinat. Die Wurzelrüben sind essbar (s.o. Rapunzel), während die alten Edgar-Wallace Krimis für mich ungenießbar sind. Aber das ist ein anderes Thema.


Ich habe in folgenden Büchern geblättert:

Düll/Kutzelnigg, Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Wälder, Wiebelsheim, 8. Auflage 2016

Schauer/Caspari, Der große BLV Pflanzenführer, München 1996

Aribert Jung, Die Pflanzenwelt im Sauerland und Siegerland, Fredeburg 1978, antiquarisch

Schmeil – Fitschen, FLORA von Deutschland und angrenzender Länder, Wiesbaden 1996, 90. Auflage

Hochsauerlandkreis: Naturschutzgegner CDU

Als extremer Feind des Naturschutzes erwies sich die CDU-Kreistagsfraktion in der Sitzung des Kreistags am 10. Juni.

(Der Artikel ist zuerst auf der Website der Sauerländer Bürgerliste erschienen.)

Es ging noch einmal um die alte wertvolle Eiche bei Meschede-Enste, die auf Wunsch der “Baumkontrolleure” der Kreisverwaltung und der Mescheder Stadtverwaltung gefällt worden war. Die Eiche stand zuvor auf der Liste der Naturdenkmale, wie nur etwa 100 weitere Bäume im gesamten Kreisgebiet. Wir hatten mehrfach darüber berichtet:

http://sbl-fraktion.de/?p=10482
http://sbl-fraktion.de/?p=10575
http://sbl-fraktion.de/?p=10591

In der Sitzung des Umweltausschusses am 18. Mai stand dieses Thema auf Antrag der SBL auf der Tagesordnung. Es bestand weitgehende Einigkeit, dass dieser wertvolle Baum nicht hätte gefällt werden dürfen. So unterblieb z.B. eine Untersuchung der Wurzeln, und es wurde nicht geprüft, ob – falls überhaupt irgendeine Gefährdung bestanden hätte – nicht eine Kürzung der Krone als “milderes Mittel” erfolgen konnte. Der Ausschuss beschloss einstimmig, dass künftig Naturdenkmale erst dann gefällt werden dürfen, wenn zuvor ein vereidigter Baumsachverständiger dies in einem Gutachten bestätigt hatte. Dafü stimmten auch alle im Ausschuss anwesenden Mitglieder der CDU-Fraktion.

Im Kreistag wurde auf Wunsch des Fraktionsvorsitzenden der CDU der Beschluss des Ausschusses gekippt. Damit stellte sich die CDU-Fraktion sogar gegen den Vorschlag ihres Landrats, der kein Problem darin sah, in den etwa 2 bis 3 relevanten Fällen pro Jahr einen Gutachter zu beauftragen.

Der Kreistag entschied mit 26:23 Stimmen gegen den Natur- und Baumschutz. Unterstützung erhielt die dabei CDU nur von ihrem treuen Partner FDP, aber das reichte leider für eine knappe Mehrheit.

Alle anderen Fraktionen äußerten sich sehr kritisch über das Vorgehen der CDU. Es wird Zeit, dass es im HSK andere Mehrheiten gibt. Und diese CDU ist für alle naturverbundenen Menschen als Koalitionspartner ungeeignet.

Der Kleine Fuchs mag Schnittlauch

Kleiner Fuchs auf Schnittlauch (foto: zoom)

Eigentlich habe ich nur kurz vor der Tür auf den Handwerker gewartet. Es kam der Kleine Fuchs, setzte sich auf die Schnittlauchblüten und wartete geduldig, bis ich meine Kamera bereit hatte.

Normalerweise sind Schmetterlinge viel flatterhafter.

Kaum hatte es Klick gemacht, fuhr der Handwerker vor und Aglais urticae blieb einfach sitzen und verharrte, bis ich herausgefunden hatte, woher sein komischer Name kommt.

Die Urticaceae sind nichts anderes als die Brennnesselgewächse. Soviel weiß ich auch ohne Google. Die Raupen des Kleinen Fuchs‘ leben gern gesellig auf eben diesen Brennnesseln.

Ist es so einfach?

Urtica kommt aus dem Lateinischen und heißt Brennnessel. Allerdings werden auch die Begriffe Seenessel (Tier) und Geilheit vorgeschlagen, was um die Ecke gedacht zusammenpassen könnte.

Bei Wikipedia lese ich:

Der Name Aglais urticae leitet sich ab von lat. Aglaie, oder gr. Aglaia […] („Glanz“, „Pracht“), der jüngsten der drei Grazien und lat. urtica, die Nessel und beschreibt die grazile Gestalt sowie die Brennnessel als Futterpflanze. Daher wird er auch häufig „Nesselfalter“ genannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kleiner_Fuchs

Im Nu des Flügelschlags eines Schmetterlings etwas gelernt. Danke Kleiner Fuchs.

Hummeln, Bienen und Co melden: Aufruf für den Bioblitz 2022 – pflanzenbestäubende Insekten

Kaum zu übersehen: Der Goldlaubkäfer. (Foto: Marie Mohr)

Die Biologische Station HSK und Observation.org rufen zum Bioblitz2022 auf. Alle Interessierten werden gebeten über das gesamte Jahr hinweg die Pflanzen, Pilze und Tiere innerhalb des Hochsauerlandkreises zu erforschen und sie online über Observation.org zu melden.

(Pressemitteilung Hochsauerlandkreis)

Siehe auch hier im Blog:

https://www.schiebener.net/wordpress/fuer-naturbegeisterte-deutschlandweiter-wettbewerb-zur-artenvielfalt-im-jahr-2022/

https://www.schiebener.net/wordpress/die-kleine-welt/

Im Juni sollen vor allem die pflanzenbestäubenden Insekten wie Hummeln, Bienen, Schwebflieger oder Tagfalter näher betrachtet werden, da sie gerade in dieser Jahreszeit besonders aktiv sind. Die Bestäuber sind von großer Bedeutung für die biologische Vielfalt und auch von großem Nutzen für uns Menschen. In Europa werden 85 Prozent der über 260 angebauten Feldfrüchte durch Insekten bestäubt. Bedeutend sind dabei Wild- und Honigbienen, aber auch Schmetterlinge, Schwebfliegen, Wespen oder Käfer.

Rückgang der Biodiversität

Da rund 50 Prozent der Fläche in Deutschland landwirtschaftlich genutzt werden, kommt der Landwirtschaft eine bedeutende Rolle für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu, von der sie selbst enorm profitiert. Man weiß jedoch, dass der hohe Pestizid- und Düngereinsatz und das Verschwinden von wertvollen Strukturen wie Hecken, Graswegen, Feldrändern und Baumreihen in der intensiven Agrarlandschaft für einen Rückgang der biologischen Vielfalt verantwortlich sind. In Europa sind bereits neun Prozent aller Schmetterlinge und Wildbienen bedroht, ihre Populationen weisen Bestandsrückgänge von über 30 Prozent auf, in Deutschland sind sogar über 50 Prozent dieser Arten im Bestand gefährdet.  

Dr. Petra Dieker vom Thünen-Institut erklärt: „Der weltweit zunehmende Druck auf Agrarökosysteme, Lebens- und Futtermittel zu produzieren, hat zu einem Rückgang der Biodiversität in Agrarlandschaften geführt. Es ist wichtig, zielorientierte und effiziente Managementmaßnahmen zu entwickeln, um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken.“

Jetzt mithelfen und Artenvielfalt erhalten

Das zeigt, wie wichtig die Erforschung der Bestäuber ist. Durch die Beteiligung an dem Bioblitz 2022 können alle naturkundlich interessierten Laien durch das bürgerwissenschaftliche Portal Observation.org zur Erforschung der biologischen Vielfalt beitragen, indem sie ihre Beobachtungen auf der internationalen Plattform speichern. Die gesammelten Daten werden für die Forschung und den Naturschutz genutzt. Dazu kann man seine Beobachtungen ganz einfach bei Observation.org speichern oder die App ObsIdentify benutzen. Durch die automatische Foto-Bestimmungsfunktion der App, kann jeder teilnehmen, auch ohne Artenkenntnis.

Weitere Informationen unter: www.bioblitze.lwl.org oder observation.org

Interessierte finden die Ergebnisse der Bioblitze 2022 hier:
observation.org/bioblitz/categories/d-landkreise-und-kreisfreie-stadte-2022

Back in Town: Fauna und Flora

Die Große Eintagsfliege (foto: zoom)

Zurück im Sauerland kann ich mich wieder der heimischen Fauna und Flora widmen. Enzian ist auf Dauer auch ermüdend.

Die Große Eintagsfliege spiegelt sich im Fenster und wartet auf eine Lebenspartnerin. Das sieht eitel aus, aber welche Gefühle kann eine Eintagsfliege schon haben? Immerhin war sie Insekt des Jahres 2021.

Mit nur einem Unfallstau haben wir es zurück ins Sauerland geschafft. Ein Auffahrunfall auf der A7 bei Malsfeld. Der Grund ist noch unklar.

Im Urlaub hatte ich einen Alptraum, in welchem die Gräser und krautigen Blütenpflanzen, oft abschätzig Unkraut genannt, den Balkon überwucherten.

Glücklicherweise ist es trotz hoher Gräser und der prächtigen Wucherblumen nicht zum Alleräußersten gekommen. Dem Löwenzahn in den Pflasterritzen werde ich an den Kragen gehen, aber die Margeriten bleiben stehen. Die Gräser will ich auch noch bestimmen, obwohl das nicht zu meinen Lieblingstätigkeiten in der Pflanzenwelt gehört. Aber Blüte ist Blüte. Und gemäht wird erst später im Juni.

Es sind nicht die einzigen Margeriten in der wuchernden Wiese. (foto: zoom)

Soweit die ersten atemberaubenden Eindrücke. Es wird sicherlich demnächst wieder spannender.