Auf der Höhe zwischen Ramsbeck, Wasserfall und Heinrichsdorf (foto: zoom)
Mit Ausnahme des letzten Jahres habe ich seit 2022 stets beim dreiwöchigen Stadtradeln in Winterberg mitgemacht. Ich bin jeweils über 1000 km geradelt, um möglichst viele Straßenradtouren zu absolvieren: Nebenstraßen, asphaltierte Wirtschaftswege und gut zu befahrene Forstwege.
Für das Freizeitradeln habe ich mir inzwischen viele entspannte Runden rund um Winterberg und darüber hinaus zusammengebastelt. Allein bei den Alltagsradwegen hapert es noch. So vermisse ich seit über zwei Jahrzehnten einen Radweg zwischen Siedlinghausen und Olsberg. Die Bahnstrecke führt durch das sogenannte Negertal, die Landstraße 742 schlängelt sich nebenher durch eine wunderschöne Landschaft. Leider herrscht auf der Straße im Alltag viel Verkehr.
Hinter dem Astenturm türmen sich am Horizont die Wolken auf. (foto: zoom)
Die beiden letzten Tage des Stadtradelns wären fast ins Wasser gefallen, aber irgendwie hatte ich Glück und die größeren Schauer haben mich verschont.
Die Runde am Mittwoch war von bescheidener Länge und brachte mich zum Kahlen Asten und zurückt. Die Augen blieben zwar voller Sorgen auf den Himmel und den Regenradar geheftet, aber letztendlich störten nur die Schlaglöcher auf der L 742 vom Jagdschloss drei Kilometer bergab meine ansonsten entspannte Fahrt.
Der mutmaßliche Unfallort. Zusammenprall einer Radfahrer*in mit einem Waschbären. Resultat: mehrere Knochenbrüche u.a. ein Trümmerbruch (foto: zoom)
Die Geschichte ist mir am Dienstag beim Zwischenstopp in Ostwig erzählt worden. Eine Radfahrer*in sei auf dem Ruhrtalradweg in der Nähe des Autobahnzubringers auf dem Radweg Richtung Bigge mit einem Waschbären zusammengestoßen. Ein übler Unfall mit mehreren Knochenbrüchen.
Dass die Waschbärenpoplation im Hochsauerland zunimmt, hatte ich schon erfahren, aber ein Zusammenstoß mit dem Rad war mir neu.
Wir sind, liebe Mitradelnde, nun also mit einer weiteren Gefahr neben Schlaglöchern, Motorrädern, PKW, LKW, u.a. konfrontiert: kreuzende Waschbären.
Winterberg ist mit bislang 56 aktiven Radler*innen gestartet.
Hineingeschaut: Vor der Pilgerkirche in Altastenberg habe ich das Rad geparkt. (foto: zoom)
Das Stadtradeln findet deutschlandweit statt. Die Gemeinden des Hochsauerlandkreises sind mit dem heutigen Tag gemeinsam in die drei sportlichen Wchen vom 1. bis zum 21. Juni gestartet.
STADTRADELN ist ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, 21 Tage lang möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzulegen. Dabei ist es egal, ob man bereits jeden Tag fährt oder bisher eher selten mit dem Rad unterwegs ist. Jeder Kilometer zählt – erst recht wenn man ihn sonst mit dem Auto zurückgelegt hätte.
Der Kahle Asten war eines der ersten Ziele meines heutigen Stadtradel-Ausflugs. (foto: zoom)
Die Stadt Winterberg ist mit 167 bislang registrierten Radler*innen dabei. 56 von ihnen haben heute schon 1.818 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt.
Ruhig liegt heute Morgen das Freibad in Siedlinghausen zwischen Bäumen und Bergen. (foto: zoom)
Heute bin ich kurz beim Freibad Siedlinghausen vorbeigeradelt. Das Tor stand offen. Es wurde noch in den Duschen gewerkelt. 22,1 °C ohne zu heizen, sagte mir N., in der einen Hand die Werkzeuge, in der anderen das Smartphone mit der Daten-App: pH-Wert, Chlor, alles in Ordnung.
Das Hygieneamt müsse noch prüfen, dann könne das Bad geöffnet werden. Geplanter Saisonbeginn sei der 6. Juni.
Heute Morgen um kurz nach 7 am Großen Bildchen (foto: zoom)
Gestern habe ich auf Mastodon meinen Gefühlen freien Lauf gelassen:
Der permanente Lärm, dem ich hier in Siedlinghausen ausgesetzt bin, kommt übrigens nicht von den Windrädern, sondern vom stetigen Fluss der Motorradkolonnen auf den Landstraßen.
Ich lokalisiere Hassgefühle tief in meinem Inneren.
Üble Gemengelage beobachtet: Autos, Motorradgruppen, Rennradfahrende, Familien mit kleinen Kindern. Alle auf der L742.
Nun ja, die feine englische (Ausdrucks-)Art und Weise ist das nicht, aber mir war der Tourist*innen-Rummel und vor allem der Motorradlärm einfach zu viel.
Statt mich heute weiter zu ärgern, bin ich früh aufgestanden und saß um 7 Uhr bereits auf dem Rad. Die Motorradfahrer*innen und Autofahrer*innen schliefen noch und auf der Straße hoch zum Kahlen Asten war es schön ruhig und angenehm zu fahren.
Der Kahle Asten ist bei den Menschen mit Wohnmobilen und Campern sehr beliebt. Der untere Parkplatz ist inzwischen zum Übernachtungsstellplatz mutiert.
Bester Platz mit Aussicht für die Übernachtung auf dem Kahlen Asten (foto: zoom)
Ich „freue“ mich schon heute auf die anschwellende Blechlawine, wenn wie geplant mehr als 1000 neue Parkplätze rund um den Bremberg entstehen sollten.
Dann stehe ich halt noch ein paar Stunden früher auf, um in Ruhe das Sauerland zu genießen.
Aus dem Urlaub zurückkehren, das ist kein Problem. Schwieriger ist es, wieder zu Hause anzukommen.
Mindestens eine Woche dauert die Zeit des melancholischen Nachklangs: die Dünen, das Meer, die Schiffe im Hafen, das Eis, die Radtouren, das Essen, Lesen und die fremdsprachigen Zeitungen in der kleinen Bibliothek; und dazu Zeit ohne Ende.
„Ist es nicht langweilig in Dänemark?“, haben mich mehrere Bekannte gefragt.
Dem will ich keinesfalls widersprechen. Fahrt woanders hin. Dänemark ist langweilig, insbesondere in der Vorsaison.
Ich habe allerdings einen kleinen Tick: was für andere als öde Langeweile erscheint, sehe und fühle ich als Mußezeit.
Im Sauerland bin ich erst nach dem ersten Abendspaziergang auf dem Kahlen Asten angekommen – also heute.
Die Bäume standen erhaben im Abendlicht und die Tourist*innen schienen den Berg zu meiden. Kaum jemand zu sehen. Nichts los. Langweilig.
Mußezeit auf dem Kahlen Asten. Wieder im Lande. Tschüss Sjælland. Hallo Sauerland!
Lesen und Medienausleihe in Nykøbing und Rørvig: Jeg elsker de danske biblioteker.
Blick aus dem Sessel in den Lesesaal der öffentlichen Bücherei in Nykøbing/Sjælland (foto: zoom)
Seit vielen Jahren habe ich die Angewohnheit, mir am Urlaubsort in Dänemark einen Bibliotheksausweis zu besorgen. Damit kann ich Medien wie Bücher, Musik und Filme ausleihen.
Selbst ohne Ausweis könnte ich die großen regionalen und überregionalen dänischen Tageszeitungen in den bequemen roten Sesseln lesen. Meist bleibt es beim Studium der Überschriften von Politiken, Information oder Berlinske Tidene. Zu mehr reichen meine Sprachkenntnisse (noch) nicht.
Bücher kann ich mir aus dem Regal holen und selbstständig digital auschecken, wie das inzwischen auch in Deutschland bei größeren und modernen Bibliotheken möglich ist.
In Nykøbing/Sjælland sind die Öffnungszeiten fix, bspw. Mo, Di, Mi 9 – 17 Uhr, Do 9 – 18 Uhr, Fr 9 – 15 Uhr, Samstag 10 – 13 Uhr und Sonntag geschlossen.
Dieses Jahr habe ich herausgefunden, dass mein Ausweis auch für die Bibliothek in Rørvig gilt und dass diese Zweigstelle etwas Besonderes ist. Sie ist täglich von 6 Uhr bis Mitternacht geöffnet. Personal kommt, soweit ich es gesehen habe, nur zum Einsortieren der abgegebenen Medien und zum Austausch der Tageszeitungen ein (?) Mal täglich vorbei.
Fantastische Öffnungszeiten, die ich fleißig ausgenutzt habe. (foto: zoom)
Als Leser*in mache ich den Rest. Die Tür zur Bibliothek öffne ich mit Karte und Geheimzahl. Der Rest läuft wie in Nykøbing: Ausleihe und Rückgabe erfolgen automatisch digital. Eine Quittung über die Vorgänge erhält man auf Papier oder per E-Mail.
Der Eingang zur 6 bis 24 Uhr-Bibliothek in Rørvig. Rechts neben der Tür sind der Ausweis-Scanner und die PIN-Code Eingabe.
Was habe ich als deutscher Urlauber benötigt? Meinen Personalausweis und eine gültige E-Mail Adresse. Nachdem die Bibliothekarin in Nykøbing meine Daten in ihren Computer eingegeben hatte, schob sie mir die Plastikkarte = Ausweis über den Tisch.
Das „Kinderzimmer“ der Bibliothek in Rørvig. (foto: zoom)
Kosten: für mich unglaubliche 0,00 Euro/Kronen.
Zum Testen und Lesen habe ich, wie gestern erwähnt, ein Kinderbuch ausgeliehen. Es geht voran.
K2 titscht Steine beim Sonnenuntergang am Strand von Rørvig/Sjælland (foto: zoom)
Der Urlaub ist zu Ende. Schade eigentlich. Die Zeit war zu kurz, um meine rudimentären Dänisch-Kenntnisse weiter zu entwickeln.
Außerdem: Dansk er et meget svært sprog.
Kein Wort wird gesprochen, wie es geschrieben steht. Laute werden geschliffen. Buchstaben, Silben und ganze Lautgruppen fallen einfach weg. Gefühlt 70 Prozent des Dänischen bestehen aus verlorener Sprache, die nicht gesprochen wird. Tricky.
Immerhin sprechen weltweit 5 bis 6 Millionen Menschen Dänisch als Muttersprache. Andererseits beherrschen die meisten Däninnen und Dänen ein vorzügliches Englisch.
Aber was hilft’s. Zu Hause werden demnächst die Ärmel hochgekrempelt, der Bleistift gespitzt und das Lehrbuch Vi snakkes ved! unerbittlich weiter bearbeitet.
Ein methodischer Kniff hat mich hier in Dänemark ein wenig weiter gebracht: Kinderbücher aus der Bibliothek ausleihen. Dänisch buchstabieren und lesen.
Aus dem Buch: TOVE, EN LILLE DIGTER (foto: zoom)
Jetzt kenne ich immerhin die Biografien von Tove Ditlevsen, H.C Andersen und Astrid Lindgren in kindgerechter Sprache.
Über die dänischen Bibliotheken werde ich in einem anderen Beitrag erzählen, denn die Sonne ist schon lange untergegangen. Seeluft macht müde.
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