Siedlinghausen: „Griffbereit“-Gruppe lädt Eltern und Familien ein.

Winterberg/Siedlinghausen. Eltern sind am Donnerstag, 04. November 2021, zur wöchentlichen “Griffbereit”-Gruppe eingeladen.

“Griffbereit” ist ein Sprach- und Familienbildungsprogramm für Eltern/Familien mit und ohne internationale Familiengeschichte und ihre Kinder zwischen einem und drei Jahren. Im Fokus steht die Eltern-Kind-Interaktion zur Stärkung der (mehr)sprachigen Entwicklung.

Die Gruppe findet in Kooperation zwischen dem Kommunalen Integrationszentrum Hochsauerlandkreis und der Kath. Kindertageseinrichtung St. Marien einmal wöchentlich für zwei Stunden in den Räumlichkeiten der ehemaligen Verbundschule Winterberg Siedlinghausen im Zeitraum von 9:30 bis 11:30 Uhr statt.

Anmeldungen nimmt die Leitung der Kath. Kindertageseinrichtungen St. Marien, Anja Dollberg unter der Mail Adresse: st-marien-siedlinghausen@kath-kitas-hsk.de oder der Telefonnummer: 02983 – 493, bis zum 03. November 2021 an.

Pausenbild: Nehmen Sie Platz!

Bank am “oberen Sonnenweg” in Siedlinghausen (foto: zoom)

Ein Birke, ein mit Gras bewachsener Weg, eine Bank. Die mit Flechten bedeckten Bretter lösen sich. Nehmen Sie Platz! Wer sich dort hinsetzt, kann seinen Blick über Siedlinghausen schweifen lassen.

Kirchturm, Hömberg, Meisterstein. Das Haus, in dem wir wohnen. Unten im Tal die Bahnlinie. Ein roter Zug schiebt sich von links ins Bild. Er kommt von Winterberg und fährt nach Bestwig. Am unbeschrankten Bahnübergang oberhalb der Firma Leiße stößt er ein nervtötendes Warnsignal aus. Die neuen polnischen Züge sind lauter und schriller geworden.

In der Pandemie habe ich die Bahn kein einziges Mal genutzt. Weder nach Dortmund, noch nach Kassel oder Hamburg. Schade, denn ich liebe das Bahnfahren. Nach der Pandemie werde ich mir eine Fahrkarte nach irgendwo kaufen. Bis dahin mache ich Phantasiereisen an die See, nach England, in die Alpen, nach Berlin, Paris und Texas.

Das größte Problem ist die aufziehende Klimakatastrophe, der notwendige Umbau der Wirtschaft gegen die Interessen der “reaktionären Teile des Kapitals”.

Aus dem Maschinenraum des modernen Kapitalismus: „Was bringt mir deine Wissenschaft für meine Zukunft?“ Um dieser Frage nachzugehen, trifft Science Reporterin Laura an der Universität Kassel Prof. Dr. Christian Klein. Das Thema heute: Nachhaltige Finanzwirtschaft.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=rr-WQrAcDac

 

Auf dem Tisch zu Hause liegt ein Buch der Bundeszentrale für politische Bildung: Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz. Herausgegeben von Matthias Meisner und Heike Kleffner: https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/337143/extreme-sicherheit

Als politische Verfügungsmasse stehen den Brandstiftern die sogenannten Klimaleugner, Covidioten und offen rechtsradikale Netzwerke zur Verfügung.

Es wird kühler auf der Bank. Heute Abend um 21.21 Uhr (MEZ) beginnt der kalendarische Herbst.

Am kommenden Freitag demonstrieren überall in Deutschland junge, ältere und alte Menschen: Fridays For Future. Wir sollten dort teilnehmen:
https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/

Neue Grabsteine für die sowjetischen Zwangsarbeiter auch in Siedlinghausen. Ein Plädoyer zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion.

Grabstein für Andrej Sergejew, geboren 1912,
gestorben laut „obd.memorial“ am 7.11.1941 (1)

Dieser Grabstein kann allein schon wegen des Datums nicht so bleiben; der Überfall deutscher Soldaten auf die Sowjetunion begann am 22. Juni 1941, und ich meine, daß der heutige 80. Jahrestag gutes Datum wäre, um den sowjetischen Zwangsarbeitern würdige Grabsteine zu geben – mit ihren Vornamen und ihren Geburtstagen. Ich denke am Geburtstag meiner toten Mutter an sie, und am Todestag zünde ich eine Kerze an; beides gilt auch für meinen Vater. Und genau das sollte man auch an den Gräbern der 29 tun können!

(Datei als PDF)

Andrej Sergeew einer der fünf „Unbekannten“ der sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Friedhof in Siedlinghausen, die Zwangsarbeiter von „Dietrich Krämer & Co.“ in Siedlinghausen und der „Firma Josef Hütemann“ in Bigge waren. Auf seiner „Personalkarte I: Personelle Angaben“ (2) vom „Kriegsgefangenen-Stammlager: Stalag 326 Forellkrug“, also Stukenbrock, sieht sein Todesdatum wie „17.XI.41“ aus, und es wird vermerkt: „Gem. m. Abg. Liste No v. 10.11.-20.11.41“. Leider habe ich diese „Abgangsliste“ nicht gefunden, aber Andrej Sergejew trägt die „Erkennungsmarke Nr. 16190“, und mit dieser Nummer steht er auf der Skizze zu „Grabstätten russ. Kriegsgefangener in Siedlinghausen – kath. Friedhof“ (3), wo nur die ersten fünf Toten von Dietrich Krämer & Co. (4) noch begraben wurden. Alle weiteren verschwanden auf dem Viehfriedhof „Am Röbbecken“(5), und weil Andrej Sergeew unter den ersten Fünf war, muß er bis zum 15.11.1944 gestorben sein (6).

Die Skizze zum Katholischen Friedhof gibt zu den fünf Gräbern an: „Montschuk“, „Schur“, „Tschainikow“, „10913“ und „16190“. ??????? ????????, dem Kriegsgefangenen Nr. 7242 (7), hatte man wenigstens noch seinen Nachnamen „Tschainikow“ gelassen; er wurde am 26.9.1941 „auf der Flucht erschossen“ und am 31.1.1950 beurkundet.

Auch ????? ???, Kriegsgefangener Nr. 10921 (8), steht noch mit seinem Nachnamen „Schur“ auf der Skizze, ebenso wie ??????? ??????, der Kriegsgefangene Nr. 10817 (9), der noch mit „Montschuk“ verzeichnet wird. Die nächsten beiden aber sind völlig entmenschlicht, völlig entpersonifiziert; sie sind nur Nummern: „10913“ und „16190“ auf der Skizze.

„10913“ ist „Peter“ Glasurenko (10), geboren 25.11.1915 in Lwow, gestorben am 3.10.41. Als „Todesursache“ wird im „Nachweis über Sterbefall eines russischen Kriegsgefangenen“ (11) „Ruhr“ angegeben. Für diese vier liegen Steine mit ihren Nachnamen und ihren Todestagen. Aber nicht für Andrej Sergejew; der 29jährige blieb entpersonifiziert und namenlos begraben mit definitiv falschem Todestag.

„Hier ruhen 6 russische Bürger, gestorben
in der schweren Zeit von 1943-1945“ (12)

Es gibt viele Gräber, auf denen Namen fehlen, wo „Unbekannte“ liegen. In Warstein auf dem Friedhof an der Bilsteinstraße liegen Gregoriy Jakowlew – 1893 bis 2.8.1943 -, Michael Pamasenko – 27.7.1912 bis 2.9.1944 -, Nikolai Karpenko – 20.8.1927 bis 13.2.1944 -, Jan Sadowski – 1.5.1894 bis 9.1.1945 -, Iwan Popow – 1923 oder 1924 (21 Jahre) bis 2.3.1945 – und Nikolei Pezimachow – 3.3.1912 bis 31.12.1944. Alle wurden regulär beurkundet, und seit 1949 (13) wurden immer wieder Grabsteine verlangt. Aber erst am 7. Juni 2021, nach einer Zeitungsveröffentlichung (14) und zahlreichen Anschreiben (15), bekamen diese Sechs ihre Namen zurück.

Es gibt viele Grabsteine, auf denen die Geburts- und Sterbetage fehlen, wie sie vom „Gräbergesetz“ vorgeschrieben sind. Dort steht in Paragraph 2 Absatz 6: „ … Auf dem Grabzeichen sollen in gut lesbarer, dauerhafter Schrift mindestens Vor- und Familienname, Geburts- und Todestag des Bestatteten, bei Ausländern auch die Staatsangehörigkeit angegeben sein.“ (16) Jeder, der schon einmal in einem Archiv oder einer Datenbank nach einem Toten gesucht hat, weiß um die Wichtigkeit des Geburts- und Sterbedatums – sowohl, um schneller fündig zu werden als auch, um Verwechslungen auszuschließen zu können.

Grabstein für Twitalka Stadnik und Anna Tscherewko
auf Meschedes Waldfriedhof, Oktober 2020 (17)

Und es gibt Grabsteine, die widersprechen so dermaßen allen Vorschriften des „Gräbergesetzes“, daß ich mich als Deutsche in Grund und Boden schäme, daß so etwas in meiner Republik möglich sein konnte. In Paragraph 2 Absatz 7 steht: „Die Gräber sind gegen Beschädigung und Verfall zu schützen. Sie sind so zu pflegen, daß die Grabflächen als solche erkennbar und von Unkraut frei bleiben. Die Bepflanzung und die Grabzeichen sind in gutem Zustand zu erhalten. Die Beschriftung der Grabzeichen muß leserlich bleiben.“ (16)

Kein Geburts- oder Todestag, unleserliche Beschriftungen, Kissensteine
und keine Wege im Winter 2018 und Herbst 2020 in Meschede

Was bedeuten solche Grabsteine?

„Neue Grabsteine für die sowjetischen Zwangsarbeiter auch in Siedlinghausen. Ein Plädoyer zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion.“ weiterlesen

Neue Grabsteine für die Toten in Siedlinghausen – Ein Plädoyer zum 8. bzw. 9. Mai 1945+76

In Siedlinghausen “Unbekannt”?

Hiermit fasse ich die Informationen zu den 29 sowjetischen Zwangsarbeitern zusammen, die auf dem Friedhof in Siedlinghausen liegen. Fast alle verdanke ich Frau Marmontowa, die auch die Namensliste von 1945 der in Suttrop und Warstein Ermordeten gefunden hat.

Die Tabelle (siehe PDF unten) soll Grundlage für weitere Recherchen sein und erfordert m.E. neue Grabsteine, da die jetzigen – bis auf zwei – keine Vornamen und keine Geburtsdaten aufweisen, die laut „Bekanntmachung der Neufassung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz. Vom 21. Mai 1969“ in §2 (6) gefordert sind: „Auf dem Grabzeichen sollen in gut lesbarer, dauerhafter Schrift mindestens Vor- und Familienname, Geburts- und Todestag des Bestatteten, bei Ausländern auch die Staatsangehörigkeit angegeben sein.“

Grabstein von Wassilij Sergejew. 1903 – 23.04.1942

Von den sechs „Unbekannten“ stehen fünf mit Namen und Daten auf dieser Liste; nur der 1965 aus Madfeld Hinzugelegte steht noch aus.

Und so bitte ich mit dieser Datei sowohl um Grabsteine für die nun nicht mehr „Unbekannten“ als auch um die Ergänzung der Vornamen und Geburtsdaten sowie um Korrekturen einiger Nachnamen und um eine Informationstafel, die auch darüber berichtet, wie viele russische Kriegsgefangene „Auf der Flucht“ erschossen wurden. Die beiden „Gedenktafeln“, die zudem nur auf Russisch sind, reichen m.E. nicht aus.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Dieser wunderschöne erste Satz unseres Grundgesetzes ist mir ewige Verpflichtung und gebietet mir, mich auch für die Würde der Toten auf dem Friedhof in Siedlinghausen einzusetzen.

Möge diese Liste dafür dienlich sein, ebenso wie die Dateien 241 bis 250 auf der Liste meiner Arbeiten!

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Ausführlich mit Tabelle:

Neue Grabsteine für die Toten in Siedlinghausen. Ein Plädoyer

Graffiti für Siedlinghausen?

Besprühtes “VEW-Häuschen”. Das müsste doch besser gehen.

Siedlinghausen ist aus dem Dorfentwicklungsprozess als “Künstlerdorf” hervorgegangen. “Nomen est Omen”, und sollte der Name ein Zeichen oder Programm sein, könnte sich die Dorfgemeinschaft überlegen, ob das “VEW-Häuschen” am Ortsende nicht bessere Graffiti verdient hätte.

Der Gedanke ist mir auf einem meiner Corona-Spaziergänge, die mich schon mehrmals an dem grünen Gebäude vorbei geführt haben, gekommen. Die jetzige Graffiti entspricht imho nicht dem Anspruch, den ein “Künstlerdorf” haben sollte.

In vielen Städten gibt es inzwischen Amateur- oder auch Profi-Graffiti, die nicht nur schön anzuschauen ist, sondern oft auch etwas “zu sagen” hat.

Spontan fallen mir Leipzig und Kassel ein.

Einige Einträge zu Kassel finden sich hier im Blog, zu Leipzig siehe hier.

Nur eine Idee, vielleicht erbarmt sich jemand sie fortzuentwickeln.

Kein Pausenbild: Wer ist das?

Grabsteine von Alexej Tschainiko und – na? (Photo von Hans Schiebener vom 2.1.2021)

„Wo ist Sensen-Willi?“ heißt ein Spiel in den Siedlinghauser Heimatstuben, und ich beginne hiermit mit einem neuen Spiel:

Wo ist Petr Glasurenko, geboren am 25.11.1915 in Lwow, gestorben am 3.10.1941 in Siedlinghausen, „Erkennungsmarke Nr. Stalag 326 Nr. 10913“, beigesetzt am 4.10.1941 auf dem Katholischen Friedhof?

Zu einfach?
Ist die Frage zu einfach oder braucht ihr einen Hinweis?

https://collections.arolsen-archives.org/archive/2-2-2-2_02020202-oS/?p=1&doc_id=76747240

https://collections.arolsen-archives.org/archive/76747239/?p=1&s=Glasurenko%20Petr&doc_id=76747239

https://obd-memorial.ru/html/info.htm?id=300144705

Weitere Informationen auf

https://www.schiebener.net/wordpress/siedlinghausen/

(http://www.hpgrumpe.de/ns_verbrechen_an_zwangsarbeitern_suttrop,_warstein,_meschede/Artikel_von_Nadja_Thelen-Khoder.pdf, Datei 241-250)

Nadja Thelen-Khoder
Jugend forscht im ITS (siehe Datei 182)

Zum „Volkstrauertag“ – Der Prozeß in der Siedlinghausener Schützenhalle

Beschriftung in einer Sauerländer Schützenhalle: “Glaube. Sitte. Heimat.”
Diesem Leitspruch folgt der Sauerländer Schützenbund. (foto: zoom)

„Die Zwangsarbeiter/innen wurden in allen notwendigen Bereichen eingesetzt, in der Waffenproduktion, in der Landwirtschaft und – wie in Siedlinghausen – auch in Steinbrüchen.

(Auszug aus dem aktuellen Recherchebericht, insgesamt 28 Seiten.)

In einem der beiden Steinbrüche behandelte man die jungen Menschen laut mehrerer Zeugenaussagen so schlecht, dass sie an den Strapazen früh verstarben oder auf der Flucht erschossen wurden. Die Menschenverachtung ging sogar so weit, dass man sie außerhalb des Dorfes in der Nähe der Müllkippe verscharrte. Ihre sterblichen Überreste wurden erst später auf dem Friedhof in einem eigenen Gräberfeld beigesetzt.“

Zunächst war ich nicht sicher, ob er vielleicht einen anderen Friedhof meinte und habe ihn gefragt. Aber mit „außerhalb des Dorfes in der Nähe der Müllkippe“ meinte er den „Friedhof Röbbecken“.

„Laut mehrerer Zeugenaussagen“ – was mögen das für „Zeugen“ gewesen sein? Wo haben Menschen „Aussagen“ zum Steinbruch der „Fa. Krämer & Co.“ gemacht?

Carl Caspari schreibt in „Unser Dorf Siedlinghausen“: „Im Jahr 1948 fand ein großer Prozeß gegen Dietrich Krämer, wohnhaft in Dortmund, in unserer Schützenhalle statt. Die Gerichtsverhandlung gegen ihn und noch einige andere Männer war am 20.6.1948 in der Schützenhalle. Die Verhandlung wurde von dem englischen Militärgericht aus Arolsen geleitet. Aber wie dieser Prozeß endete, konnte ich leider nicht mehr in Erfahrung bringen.“

Nun muß natürlich nicht alles stimmen, was geschrieben steht. So schreibt Carl Caspari in „Unser Dorf Siedlinghausen“ auch: „Auf dem Viehfriedhof wurde bei 4 russischen Soldaten kein Name auf die Holztafel geschrieben, auch der Sterbetag ist unbekannt. Die Toten hatte man wohl, kurz bevor die beiden Gefangenenlager aufgelöst wurden, dort eingegraben. Den Verantwortlichen blieb sicher keine Zeit mehr, die Gräber zu registrieren und eine Holztafel mit Namen aufzustellen.“

Und diese vier „Unbekannt“ sind es ja nun nicht mehr – waren es eigentlich nie -, und sie starben am 4.12.1941 (Stepan Üschakow, geb. 28.3.1914), am 2.2.1942 (Andrej Borodanow, geb. 30.4.1918), am 16.5.1942 (Kiril Nowikow, geb. 26.4.1920, gestorben am gleichen Tag im gleichen „Arbeitskommando“ „tot aufgefunden“, an dem Iwan Safronow „auf der Flucht erschossen“ wurde) und am 8.12. (oder – laut Sterbeurkunde – am 24.12.) 1942 (Karapet Tschuwadjan, geboren 1904).

Aber auch Franz Mickus spricht von „Zeugenaussagen“, und „ein großer Prozeß gegen Dietrich Krämer … in unserer Schützenhalle … am 20.6.1948 … von dem englischen Militärgericht aus Arolsen geleitet“ ist eine sehr konkrete Spur, zu der manche Dokumente der „Arolsen Archive“ passen, in denen von „Murder and mistreatment of forced laborers and Allied POW’s in Germany“ and „Place of Offence: Siedlinghausen, Germany. Date: 1941-1944. Offence: Murder of Russian Ps/W.“ geschrieben ist.

In einem Dokument stehen besondere Hinweise auf die Anzahl und die Namen der Toten:

„He remembers five Russians buried in the town-cementery and some twenty-four buried in the field, two of which were sent up from a firm Huttemann in Olsberg. (An actual count of the graves on the field gave a total of twenty-six or twenty-seven, therefore thirty-one or thirty-two graves altogether.) The names of the buried PW’s and the dates of their death can be ascertained at the Police Administration in Bigge.“

Und so stellt sich mir wieder die Frage: Was bedeutet die 26. Angabe in der Friedhofsliste zum „Friedhof Röbbhecken“ von 1970, die vorne „25 Gräber“ angibt, und was ist mit diese Lücke zwischen den Grabsteinen von „Sabronow“ und „Boltutschow“?

Und so ist es für mich höchst wahrscheinlich, daß es stimmt, was Carl Caspari in „Unser Dorf Siedlinghausen“ schrieb:

„Im Jahr 1948 fand ein großer Prozeß gegen Dietrich Krämer, wohnhaft in Dortmund, in unserer Schützenhalle statt. Die Gerichtsverhandlung gegen ihn und noch einige andere Männer war am 20.6.1948 in der Schützenhalle. Die Verhandlung wurde von dem englischen Militärgericht aus Arolsen geleitet. Aber wie dieser Prozeß endete, konnte ich leider nicht mehr in Erfahrung bringen.“

Zwar ist sein Buch ja von 1999 und unter den o.a. Dokumenen ID 120848333 120848335 der „Arolsen Archigves“ steht „Declassified per Executive Order 12356, Section 3.3, NND 775032 by RB/Brust NARA, Date Jan. 21, 1993“. Aber erst seit wenigen Monaten werden die Dokumente online gestellt, und so konnte Carl Caspari vieles wohl noch nicht „in Erfahrung bringen“.

Heute ist vieles anders als noch bis vor ein paar Jahren. Am schönsten und kürzesten sagt es die Direktorin Floriane Azoulay: „Es kann doch nicht sein, dass nach 75 Jahren immer noch so viele Namen nicht digital erfasst sind. Die Archive gehören uns nicht, die Namen müssen raus in die Welt!“

[…]

Alles lesen, mit Bildern, Anmerkungen und Quellenverweisen (28 Seiten PDF)

Siedlinghausen: Die Kerze für die fünf „Unbekannten“ und die Sprache der Toten Andrej und Wasilij Sergeew („Serkow“)

Gedenkstein, Kranz und Licht auf dem Gräberfeld der sowjetischen Zwangsarbeiter in Siedlinghausen. (fotoarchiv: zoom)

Auf dem Friedhof in Siedlinghausen liegen sechs Grabsteine mit der Angabe „UNBEKANNT“, davon zwei mit den Daten „7.11.1940“ und „April 1945“.

1. „UNBEKANNT + April 1945“
Hier wurde jemand 1965 „aus Madfeld (inmitten der Feldflur)“ zu den anderen 24 auf dem Viehfriedhof, dem späteren „Ehrenfriedhof“ „Am Röbbecken“ ohne Zugang, gelegt – und jedes Mal, wenn ich an diesen Grabstein denke, fällt mir auch Jagos Ze?evi? ein; am 16.10.1980 stellte die Gemeinde Meschede für den „Waldfriedhof Fulmecke“ eine „Ergänzungs-Meldung zur Kriegsgräberliste (§ 6 des Kriegsgräbergesetzes vom 27. Mai 1952 – Bundesgesetzbl. I Seite 320)“ auf.

In dieser fünften Ausfertigung der Gräberliste für den Waldfriedhof steht zur lfd. Nr.56: „JAGOS ZE?EVI?, geboren 10.08.1902 in Vinicka, Jugoslawien. Umgebettet von einer Weide in Schederberge lt. Erlaß des IM NW vom 13.02.79, I C 4/ 18 – 86.12“. Er ist der einzige Jugoslawe auf Meschedes Waldfriedhof und hat den einzigen Grabstein mit Geburtsdatum und Sterbedatum.

Aber auf seiner Sterbeurkunde mit dem „Nur gültig zum amtlichen Gebrauch“- Stempel in der Zentralen Namenskartei (ZNK) des ITS steht, von wo genau er umgebettet wurde: „Der jugoslawische Kriegsgefangene Jagos Zecevic, wohnhaft in Schederberge, ist am 8. April 1945 in Schederberge verstorben. Der Verstorbene war geboren am 20. August 1902 in Vinicka in Jugoslawien. Meschede, den 17. November 1950. Der Standesbeamte [Stempel und Unterschrift]“ Und auf der Rückseite: „Bezeichnung der Grabstelle: Ortschaft Schederberge in einer Weide des Gutspächters H. Meschede, den 23. November 1950. Der Amtsdirektor“ [Stempel und Unterschrift]. Ob es solch eine Sterbeurkunde auch für den „UNBEKANNT“ aus Madfeld gibt?

2. „UNBEKANNT + 7.11.1940“
Dieser „Unbekannte“ war es nie. Denn auf der Skizze zum Katholischen Friedhof in Siedlinghausen stehen die Namen „Montschuk“, „Schur“ und „Tschainikow“ und die Zahlen „10913“ und „16190“. „10913“ ist „Peter“, also Petr Glasurenko, geboren 25.11.1915 in Lwow, und „16190“ ist Andrej Sergeew, dessen „Personalkarte I: Personelle Angaben“ des „Kriegsgefangenen-Stammlagers Stalag 326 Forellkrug“ die „Beschriftung der Erkennungsmarke“ mit „Nr. 16190“ angibt – und den Vornamen und den des Vaters und der Mutter und und und.

  • „Montschuk“ bekam einen Eintrag ins Sterbebuch und einen Grabstein.
  • „Schur“ bekam einen Eintrag ins Sterbebuch und einen Grabstein.
  • „Tschainikow“ bekam einen Eintrag ins Sterbebuch und einen Grabstein.
  • „Glasurenko“ bekam einen Eintrag ins Sterbebuch und einen Grabstein.

Nur Andrej Sergeew bekam keinen Grabstein mit seinem Namen, und hier ist sie wieder, die Sprache der Toten! Denn daß dieser Grabstein ein so offen-sichtlich falsches Datum enthält, ist so auffällig, daß ich sicher war, daß mehr dahintersteckt als ein „einfacher“ Fehler…

[…]

Alles lesen, mit Quellen und Anmerkungen:

https://www.schiebener.net/wordpress/wp-content/uploads/2020/11/247.-Die-UNBEKANNT-der-30-auf-dem-Friedhof-in-Siedlinghausen.pdf

„Das Magere, das man über sie weiß“ (Westfalenpost, 4. November 2020)
Drei Grabsteine und die Eintragungen 12-14 im Sterbebuch Bigge von 1950

Gedenkstein, Kranz und Licht auf dem Gräberfeld der sowjetischen Zwangsarbeiter in Siedlinghausen. (foto: zoom)

Auf dem Friedhof in Siedlinghausen liegen 30 Bürger der Sowjetunion: die ersten fünf aus dem „Lager Krämer & Co. in Siedlinghausen, die noch auf dem Katholischen Friedhof begraben wurden, und die weiteren 24 aus den Lagern der Firmen Krämer & Co. und Josef Hüttemann in Bigge, die ab November 1941 auf dem Viehfriedhof „Am Röbbecken“ „verschwanden“ – und der eine vom „April 1945“, der 1965 zu ihnen gelegt wurde, „umgebettet“ „aus Madfeld (inmitten der Feldflur)“.

(Die komplette Recherche samt Anmerkungen und Quellenverweisen hier lesen.)

30 Tote, 30 Grabsteine –und nur auf zweien stehen Vor-und Zuname sowie Geburts-und Sterbedatum.

[…]

Am 4. November 2020 erschien in der „Westfalenpost“ der Artikel „Zweiter Weltkrieg. Winterberg: Erinnerung an grausame Zeiten“ von Stefanie Bald. Unter einem Photo mit einem aufrecht stehenden Grabstein in Form eines Kreuzes mit der Aufschrift „In perpetuam memoriam 1939-1945“ steht: „Seit der Umgestaltung 2016 steht auf dem kleinen Gräberfeld der deutschen Gefallenen auch dieser Gedenkstein.“

Und im Artikel lese ich, daß auf dem Friedhof „30 tote sowjetische Kriegsgefangene und 19 deutsche Gefallene“ liegen. … „Alle, die dort liegen, kamen irgendwo im Umkreis von Siedlinghausen zu Tode. Durch Kämpfe, Krankheiten oder aus anderen Gründen. So sollen in dem Steinbruch, in dem die sowjetischen Gefangenen arbeiten mussten, grausame Zustände geherrscht haben.

Auf beiden Grabfeldern liegen überwiegend junge Burschen, manche erst in den 1920ern geboren. Auf den Grabsteinen steht das Magere, was man über sie weiß: Mal ein kompletter Name, mal nur ein Nachname, ein Todes-oder Geburtsdatum, manchmal auch nur ,Unbekannt’ und nichts weiter.“ [Hervorhebungen, durch die Autorin]

Das „Magere, was man über sie weiß“. Durch die Sterbeurkunden wissen wir jetzt schon einmal, daß die sowjetischen Kriegsgefangenen nicht alle im Steinbruch Krämer in Siedlinghausen Zwangsarbeiter waren, sondern auch bei Josef Hüttemann in Bigge.

  • Nr. 12. … Der russische KriegsgefangeneAlex Bobkow, Kriegsgefangener Nr. 62750, … ist am 17. November 1942in Bigge im Kriegsgefangenenlager der Firma Josef Hüttemann verstorben … Todesursache: unbekannt“
  • „Nr. 13… Der russische Kriegsgefangene Palw Hawri, Kriegsgefangenen Nr. 55165, …ist am 19. Dezember 1942 in Bigge im Kriegsgefangenenlager der Firma Josef Hüttemann verstorben. … Todesursache: unbekannt“
  • „Nr. 14… Der russische Kriegsgefangene Tschuwoelltschow, Kriegsgefangenen Nr. 73611, … ist am 24. Dezember 1942 in Bigge im Kriegsgefangenenlager der Firma Josef Hüttemann verstorben. … Todesursache: unbekannt“

Alle drei „Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Gemeindebehörde in Bigge … am 14. Februar 1950“.

Und so sieht diese Liste des Arbeitsamtes Meschede-Brilon über „Fremdarbeiterlager und sanitäre Betreuung von Fremdarbeitern während des Krieges“ vom Oktober 1948 heute für mich anders aus als „damals“, als ich anfing, nach den Toten auf dem „Franzosenfriedhof“ in Meschede zu suchen:

[…]

Alles lesen, Text, Anmerkungen, Quellen (PDF, 17 Seiten)