Leben in diesen Zeiten – eine Anleitung in 90 Minuten
Lebensphilosophie Live: Referent Norbert Kremser vermittelte in Winterberg viele kluge Gedanken, Anstöße und Einsichten zum Thema „Zuversicht“. (foto: zoom)
Die Kulturgruppe KuKuK hatte am Donnerstag, 20. August, zu einem Vortrag zum Thema „Zuversicht! – Wie leben in Zeiten wie diesen?“ eingeladen.
Referent Norbert Kremser gab den mehr als 30 Zuhörer*innen philosophische, psychologische und auch theologische Hinweise, um das eigene Leben zuversichtlicher zu gestalten. Es ginge, so Norbert Kremser, an diesem Abend darum, einen anderen Blick auf das Leben zu bekommen und in die Lage versetzt zu werden, danach zu handeln.
Als Bildungsreferent und Krankenhausseelsorger verfügt der studierte Theologe über viele Zugänge zu lebenspraktischen und philosophischen Fragen.
Persönlich habe ich Norbert über die Winterberger Klima-Initiative kennengelernt. Ehrenamtlich engagiert er sich als Bürgerbusfahrer und ist auch im Ruhestand vor allem in der kirchlichen Bildungsarbeit (St. Bonifatius, Elkeringhausen) tätig. Ein wacher, warmherziger, aber auch analytischer Geist, der mich oft mit seinem Lesepensum überrascht.
Soweit die Vorrede.
Wir fürchten immer noch den Säbelzahntiger, evolutionär seien wir auf Negatives fixiert. „Machen Sie sich nicht zum Steinzeitmenschen!“, mahnt Norbert Kremser.
Die Kulturgruppe KuKuK lädt am Donnerstag, 20. August zu einem Vortrag zum Thema „Zuversicht! – Wie leben in Zeiten wie diesen?“ ein. Um 19.00 Uhr beginnt die Veranstaltung in den Räumen des Pflegekollegs (Am Kurpark 4, Winterberg).
Ungläubiges Staunen setzt ein, wenn gegenwärtig von Zuversicht gesprochen wird. Dabei ist gerade diese notwendig.
Der Referent Norbert Kremser wird konkrete Hinweise geben, um das eigene Leben zuversichtlicher zu gestalten. Zuvor wird Zuversicht gegenüber einem bloß positiven Denken oder einer naiven Hoffnung abgegrenzt. Insgesamt geht es darum, einen anderen Blick auf das Leben zu bekommen und danach zu handeln.
An diesem Abend erfahren die Teilnehmer*innen
dass Zuversicht etwas anderes ist als bloßes positives Denken und naive Hoffnung
wie es möglich ist, einen anderen Blick auf das Leben zu bekommen
dass Zuversicht auch „Sinn macht“
warum es gut ist, das ‚Wir‚ wieder stärker zu betonen
was jede und jeder selber konkret dafür tun kann, um zuversichtlicher durchs Leben zu gehen
wieso Zuversicht viel mit Humor zu tun hat.
Was das Ganze mit einer Sonnenblume verbindet, wird der Referent an diesem Abend ebenfalls verraten.
„Über den Sinn der Politik und das Glück des Menschen“
Der Referent Dr. Christoph Quarch (Foto: privat)
Das Sauerland-Museum in Arnsberg und der Lions-Club Arnsberg-Sundern laden im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Mit Herz, Hand und Verstand. Demokratisches Leben im Sauerland“ zu einem kostenfreien Vortrag von Dr. Christoph Quarch ein.
Mittwoch, den 29. Oktober 2025 um 18 Uhr im Blauen Haus des Sauerland-Museums
Im ersten Ausstellungsraum des Sauerlandmuseums werden die Säulen der Demokratie erklärt (Foto: Alexandra Zander)
Das Sauerland-Museum in Arnsberg und der Lions-Club Arnsberg-Sundern laden im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Mit Herz, Hand und Verstand. Demokratisches Leben im Sauerland“ zu einem kostenfreien Vortrag von Dr. Carsten Lotz ein.
(Pressemitteilung HSK)
Die Demokratie sehen zurzeit viele Menschen in Gefahr. Es gibt viele Aufrufe, für die Demokratie zu kämpfen, sich um sie zu bemühen oder sie zu stärken. Es ist dabei aber immer nur abstrakt vom Begriff der „Demokratie“ die Rede. Kaum jemand redet darüber, was Demokratie eigentlich ist, was sie ausmacht oder was genau an ihr geschützt werden muss.
Im Zentrum dieses Abends wird der Einfluss einer fast alles beherrschenden Wirtschaftswelt auf unseren alltäglichen Sprachgebrauch und unseren Alltag stehen. In der Wirtschaft wird das Handeln grundsätzlich danach ausgerichtet, wie ein kurz- oder langfristiger Gewinn erzielt werden kann. Gewinne zu machen, ist selbstverständliches Ziel der Wirtschaftsbetriebe, nicht nur um Betriebe und Arbeitsplätze zu erhalten.
Die Übertragung dieses dominierenden Strebens nach Gewinnen infiltriert zunehmend unsere Gesellschaft und führt in unserem Lebensalltag beispielsweise zu häufig gestellten Fragen: „Was habe ich davon?“ – „Was kriege ich dafür?“ oder „Lohnt sich das?“
Jürgen Wiebicke, Moderator der einzigen interaktiven Philosophie-Sendung im deutschen Radio, geht für WDR 5 vom 7. bis 11. Oktober auf große Tour durch Nordrhein-Westfalen. An jedem der fünf Abende findet eine öffentliche philosophische Diskussion an einem neuen Standort mit einem neuen Gast sowie Thema statt.
(Pressemitteilung WDR)
Bereits seit 2007 wird bei WDR 5 munter über gesprächswertige Thesen philosophiert, um dem Wunsch nach Austausch mit anderen nachdenklichen Menschen gerecht zu werden. Dabei werden immer Antworten auf existenzielle Fragen gesucht und zur Diskussion gestellt.
Mit seinen Tour-Gästen aus der Philosophie spricht Jürgen Wiebicke in diesem Jahr über Weisheit, Außenseiter, Selbsterkenntnis, das verletzliche Kind sowie Glück und Glückseligkeit. Der Eintritt für alle Tour-Veranstaltungen ist frei, langjährige Hörerinnen und Hörer sind genauso willkommen wie interessierte Philosophie-Einsteigende.
Der russische Friedensbote stellte die Botschaft der Propheten in den Geschwisterkreis einer universellen Wahrheit – ein anregendes Lesebuch beleuchtet jetzt sein Verhältnis zum Judentum
Schon zu Lebzeiten Leo N. Tolstois, so schreibt die Literaturwissenschaftlerin Inessa Medzhibovskaya, kursierten zur Frage, wie sich der Dichter denn zu Juden, Judentum oder „Judenfrage“ stelle, Mythen, Legenden und polarisierende Schilderungen: „Man verdächtigte ihn entweder eines versteckten Antisemitismus oder einer übertriebenen Judeophilie“; dem rechten Lager galt der Graf als „satanischer Trommler, der mit den Juden im Bunde stand und mit Kräften, die sich gegen Russland verschworen“. Unter der jüdischen Anhängerschaft gab es die verständliche Neigung, die Anwaltschaft des großen Vorbildes für die Sache der Bedrückten zu idealisieren, während einige jüdische Kritiker dem Dichter Untätigkeit bzw. Gleichgültigkeit vorwarfen.
(Gastbeitrag der Redaktion Tolstoi-Friedensbibliothek)
Geradezu gegensätzlich klingen die Zeugnisse aus unterschiedlichen Zeiten: „Das alte Testament lese ich nicht, denn die Frage besteht nicht darin, wie der Glaube der Juden war, sondern worin der Glaube Christi besteht“ (Vereinigung und Übersetzung der vier Evangelien, 1879-1881). Im März 1890 heißt es hingegen in einem Brief an den Philosophen Wladimir S. Solowjow: „Der Grund unseres Entsetzens über die Unterdrückung der jüdischen Nation ist bei uns beiden derselbe: Die Erkenntnis der Brüderschaft der Völker und im besonderen die Freundschaftsbande mit den Juden, aus deren Mitte der Nazarener hervorgegangen ist und die von der Dummheit der sich Christen nennenden Götzendiener so viel zu leiden hatten und noch immer zu leiden haben.“
Ein Film von Andrea Isa, die im Sauerland geboren ist
„Für mich ist die Essenz des Strebens nach Frieden der Satz: „Ich spüre deinen Schmerz trotz meines eigenen.“ –, den ich zum ersten Mal bei einer Veranstaltung der Initiative „Jews and Palestinians for Peace“ hörte, und den im Film verschiedene Frauen in verschiedenen Sprachen sagen.“
Das Video beginnt mit dem Klagelied an den Gott des Krieges. Es ist ein Gedicht der En-hedu-anna, Tochter von Sargon von Akkad. Sie bekleidete das Amt der Hohepriesterin des Mondgottes Nanna in der südmesopotamischen Stadt Ur ca. 2300 vor unserer Zeitrechnung und ist die erste namentlich bekannte Autorin der Geschichte.
Abendveranstaltung der vhs Hochsauerlandkreis am 5. März in Meschede
Sammelt wertvolle Momente und gibt sie weiter: Christof Jauernig (Pressefoto)
Es ist eine Aufbruchsgeschichte – in Worten, Fotografien und Pianoklängen und erlebt, erzählt, fotografiert und eingespielt von Christof Jauernig. In einer Abendveranstaltung der vhs Hochsauerlandkreis am 5. März in Meschede erzählt der frühere Betriebswirt Jauernig, der viele Jahre in Frankfurt am Main als Analyst in einer Unternehmensberatung für Banken arbeitete, vom Mut, sich von seinem ihm fremd gewordenen Beruf und dem täglichen Lauf im Hamsterrad zu verabschieden.
(Pressemitteilung HSK)
Christof Jauernig bricht zu einer sechsmonatigen Rucksackreise durch Südostasien auf – ohne Plan für danach. Die Reise führt ihn, entlang zauberhafter Natur und eindrucksvoller Begegnungen, in eine neue Verbindung mit der Welt, zurück zu sich selbst, und immer weiter hinaus aus dem Gedankenkarussell, hinein in die Fülle des jetzigen Augenblicks.
Der Abend verspricht eine Collage aus Reisefotografien, Texten und Pianoimprovistionen, hier der Fluss Nam Ou, Laos. (Pressefoto)
Nachdem der Referent vor zweieinhalb Jahren bereits mit seinem Programm „Eintausendmal Lebensglück“ in der Alten Synagoge in Meschede zu Gast war, kehrt er nun für einen Abend zurück, um seine Gäste mit auf diese Rucksacktour zu nehmen, aber auch auf seinen inneren Weg, heraus aus der Sinnkrise.
Zu einer großen Auswahl projizierter Reisefotografien rezitiert er Texte, die unterwegs entstanden sind. Sie erzählen von seiner Reise, aber ebenso vom Hören auf die innere Stimme, dem Ausbrechen aus ungesunden Routinen, der Entmachtung von Intellekt und Wertung, der Wiederentdeckung der von Analyse und Bewertung ungetrübten Schönheit der Welt, und davon, jeden Moment zu würdigen. Es entfaltet sich ein Mix aus Fotografien, erzählten Reiseszenen und lyrischen Stimmungsbildern, untermalt von seinen eigens hierfür eingespielten Piano-Improvisationen: ein stimmungsvoller, höchstpersönlicher Abend, der zum Innehalten einlädt und von einer ausführlichen Fragerunde abgerundet wird.
Zeit: Mittwoch, 5. März 2025, um 19:00 Uhr Ort: Bürgerzentrum / Alte Synagoge Meschede Gebühr: 8,00 Euro
Anmeldung bei der Volkshochschule Hochsauerlandkreis telefonisch unter 0291 94-1100 oder über www.vhs-hsk.de
Leitgedanken eines Impulsvortrags zum „Spirituellen Sommer – Sauerland“ im Saal des Esloher Museums am 1. September 2024
Kinder schützen und gestalten die Welt (Foto: Peter Bürger)
Die Geschichte des Lebens auf dieser wunderbaren Erde umfasst 4 Milliarden Jahre. Seit angenommen 300 Millionen Jahren entwickeln sich die Säugetiere, und vielleicht vor 7 Millionen Jahren gab es bei den Primaten einen Scheideweg, der hin zu unserer Spezies, zum Menschen führt. Seit 300.000 Jahren, so der gegenwärtige Forschungsstand, ist der homo sapiens in seiner heutigen Gestalt auf der Bildfläche sichtbar.
(Ein Gastbeitrag von Peter Bürger)
Eine Aufrüstung hin zu aggressiven, sehr zerstörerischen Großgebilden der Menschenwelt hat unter dem Vorzeichen einer männlich dominierten Zivilisationsentwicklung aber erst vor weniger als zehntausend Jahren eingesetzt (Stadtstaaten als Folgeerscheinung der landwirtschaftlichen Revolution; später die Großreiche mit ihrem „Turmbau zu Babel“: Münze – Macht – Militär). Noch nicht einmal 300 Jahre jung ist schließlich die tiefgreifende Umwälzung (in einem Teil der Menschenwelt) aufgrund einer neuartigen Ausbeutung der in kürzester Zeit verpulverten fossilen Energieträger (Kohle, Öl, Gas) im Industrialismus – mit dramatischen Auswirkungen für den ganzen Lebensraum Erde und alle seine Bewohner, auch für die Tiere.
Der qualitativ und quantitativ völlig neuartige „Industrielle Krieg“ der Moderne mit schließlich Abermillionen Toten in zwei Weltkriegen ist ebenfalls kein ewiges Naturphänomen, sondern gehört erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts zur bedrückenden Last des Menschengeschlechts. Förmlich erst seit gestern (1945) gibt es sodann die Methode der atomaren Massenvernichtung, durch welche die Menschheit – und fast alles Lebendige – erstmalig als Ganzes tötbar geworden ist (Günther Anders).
Zuletzt hat die Revolution der elektronischen Datenverarbeitung (bis hin zur „Künstlichen Intelligenz“) für eine Beschleunigung aller die Erde beeinträchtigenden Prozesse gesorgt – eine Beschleunigung, der niemand mehr mit ruhiger Überlegung folgen und gerecht werden kann. Obwohl (oder weil) der Mensch im Vergleich zu allen anderen Lebewesen mit der größten Großhirnrinde ausgestattet ist, zeigt er sich unfähig, die Kurswende zur Abwendung oder Linderung der Erderhitzung einzuleiten. Ausgerechnet wir befinden uns heute auf jenem winzigen, kaum sichtbaren Punkt einer unermesslich langen Zeitleiste des Lebens auf diesem Planeten, der den Ernstfall markiert.
Im Jahr 2014 ließ Papst Franziskus in seinem nach hochkarätiger wissenschaftlicher Expertise ausgearbeiteten Umwelt-Rundschreiben „Laudato Si“ den Erdkreis wissen, wir seien nunmehr die letzte Generation, die durch Handeln den Nachkommenden unvorstellbare Leiden ersparen könne. Das „Gemeinsame Haus“, die Erde, brauche dringend Austausch und Zusammenarbeit der Einen Menschheit jenseits aller Grenzmauern. – Als ein halbes Jahrzehnt später überall die „Fridays for Future“ auf die Straße gingen, wurde den jungen Leuten eine ganz großartige „ökologische Transformation“ versprochen. Trotz alledem: Die Erde wird jetzt nicht etwa im Sinne des Papstes auf Kooperation hin organisiert, sondern unverdrossen nach Maßgabe eines hochgerüsteten Programms Konkurrenz und Konfrontation. (Die militärische Heilslehre hat auch in den letzten Jahrzehnten nur Traurigkeit produziert und auf diese Weise den Konzernen der Todesindustrie Milliardenprofite beschert. Nahezu auf allen Parteitagen und Medienkanälen wird die Kriegsreligion wieder beworben.)
Doch wir – die Heutigen und alle Kinder und Kindeskinder – haben nur diesen einen Heimatplaneten: „Nach dieser Erde wäre da keine, die eines Menschen Wohnung wär.“ Vor knapp 250 Jahren konnte der Dichter Matthias Claudius (1740-1815) seine Leserschaft noch dazu ermuntern, täglich die Freude am eigenen Menschsein zu besingen: „Ich danke Gott, und freue mich / Wie ’s Kind zur Weihnachtsgabe, / Dass ich bin, bin! Und dass ich dich, / Schön menschlich Antlitz! habe.“ Jeder von uns kennt Menschen, die in sich Güte tragen und schön sind. An die Schönheit der GattungMenschals Ganzes vermag aber heute ein Großteil des Publikums nicht mehr zu glauben. Zu offenkundig ist die Übermacht der zerstörerischen und selbstmörderischen Potenzen unserer Spezies geworden.
Es scheint für viele schon ausgemacht zu sein, dass es dereinst kein „gutes Ende“ geben kann und der Mensch schlussendlich ob seiner Hässlichkeit als der große „Erdzerstörer“ abtreten muss – in Schande: „Leben, dieses Wunder unseres Universums, entstand vor vier Milliarden Jahren. Der Mensch … hat es in ganz kurzen Zeit geschafft, das Gleichgewicht der Natur zu gefährden“ (Yann Arthus-Bertrand: Dokumentarfilm „Home“, 2009). Allen Ernstes überlegen sich aberwitzige Zukunftswissenschaftler schon jetzt, wo der homo sapiens im Universum neu ansiedeln könnte, um dann den nächsten Planeten ins Unglück zu stürzen …
Eine Frömmigkeit, die dieses Drama heute nicht in den Mittelpunkt stellt, betreibt Quacksalberei und überzeugt nicht. Jede wahre Religion ist daran zu erkennen, dass sie die Menschen an allen Orten der Erde zusammenbringt (nicht spaltet), eine Befreiung zur Gewaltfreiheit ermöglicht und angetrieben wird nicht von einem Kult des Todesanbetung, sondern von der Liebe zum Leben und zu allem Lebendigen (Erich Fromm).
So bestünde also der Auftrag der Religionen darin, den Traum von einer Menschwerdung des Menschen – der Einzelnen wie auch der Gattung, im Nahen wie im Großmaßstab – unter die Leute zu bringen. Nur zusammen mit anderen können wir die Parole „Es ist ohnehin zu spät“ verlernen und uns einreihen in eine kulturelle Revolte für das Leben.
Der Wegweiser Jesus aus Galiläa hat vor 2000 Jahren die Leute eingeladen zur Kraft der Gewaltfreiheit, zur Festlichkeit und zu einem Gemeinsam-Gewinnspiel ohne Verlierer. Das war sein Widerspruch zum Römischen Imperium, zur damaligen Besatzungsmacht in Palästina. Heute kann es im Großmaßstab nur gute Aussichten für die Menschen und alle Lebewesen geben durch Frauen und Männer, die bezogen auf den ganzen Erdkreis wissen, wie das geht: ein Gemeinsam-Gewinnspiel ohne Verlierer … Es sitzen über kurz oder lang alle im gleichen Boot, das entweder sinkt oder über Wasser bleibt (Leonardo Boff). Wir müssen uns also heute auf ganzer Linie für eine Ökonomie, Ökologie und Kultur des Friedens entscheiden …
Noch mehr Sündenpredigten und womöglich scharfe Umweltgebote im Erwachsenenkatechismus werden die Welt nicht retten. Ja, die menschliche Zivilisation hat sich auf zerstörerische Weise zum Turm von Babel aufgerüstet. Das geschah jedoch nicht aus bösartiger Überheblichkeit, sondern weil das einzige „denkende Säugetier“ auch kollektiv von Angst getrieben wird (Bedeutungslosigkeit, Hunger, Ohnmacht, Verwundbarkeit, Sterblichkeit). Überlebensfähig wäre am Ende aber nur eine Zivilisation von Geliebten, die sich auf Erfahrungen eines rein geschenkten – nicht gekauften – Lebens gründet. Es geht also nicht um „Moral“, sondern um Überwindung der Angst, um ein anderes, schöneres Leben.
Dem Papst liegt es in seiner Umweltenzyklika daran, die Lage auf dem Heimatplaneten klar zu sehen, ohne in starre Trauer zu verfallen. Allein dafür brauchen wir schon Trost und Kräftigung – im Bild der Bibel: die Fähigkeit, Giftschlangen anfassen zu können, ohne selbst vergiftet zu werden. Der oben angerissene Ernstfall der Zivilisation gehört auch deshalb in die Liturgie. Nichts wäre dringlicher in der „Kirchenreform“ als eine Messe für das Leben im dritten Jahrtausend.
Die abschließende Bitte des „Vaterunsers“ soll uns davor bewahren, in ein dunkles Gefühl der Vergeblichkeit zu fallen. Neue Prozessionen könnten uns in Bewegung setzten, um endlich „die nötigen Schritte zu tun“ als Menschen, die die Erde, das Wunder der Geburt und alle Wesen lieben. Wer sonst, wenn nicht die Frommen, sollte der Welt zeigen, dass auch solch ein politisch-wirtschaftliches Handeln möglich ist, bei dem wir über den eigenen Sargdeckel hinaus zu denken vermögen. Die Erde ist – samt all der Gaben auf dem Altar der Erde – ja nicht unser Besitz, sondern Heimat auch für die nach uns Geborenen – und alle Lebewesen.
Der pazifistische Klassiker des Erasmus von Rotterdam liegt als Neuausgabe vor – nebst einem aktuellen Vorwort von Eugen Drewermann
Umschlagbild edition pace
„Alle müssen sich gegen den Krieg verschwören und ihn gemeinsam verlästern“, so ruft uns der Christ und Humanist Erasmus von Rotterdam (gest. 1536) in seiner pazifistischen Hauptschrift „Die Klage des Friedens“ (1517) zu. Der antimilitaristische Schweizer Pfarrer, Theologe und religiöse Sozialist Rudolf Liechtenhan (1875-1947) legte fünf Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg in banger Sorge seine jetzt neu edierte Übersetzung der „Querela Pacis“ vor.
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