Umleitung: Das geheime Leben der Smartphones, Hitlers Hoden, Flüchtlinge, Drogenpolitik, das Klima und mehr …

When I was young, it was more important Pain more painful, laughter much louder, yeah ... (foto: zoom)
Steinhelle, 22. Dezember 2015:
„When I was young, it was more important
Pain more painful, laughter much louder, yeah …“ (foto: zoom)

Das geheime Leben der Smartphones: Gratis-Apps werden mit persönlichen Daten bezahlt – das ist hinlänglich bekannt. Neue Studien zeigen nun allerdings, wie weit die Sammelwut mancher Programme geht … tagesanzeiger

Flüchtlinge in Deutschland: Medien an der Grenze zur Hetze … tagesspiegel

„Flüchtlinge“ – Das Wort des Jahres? Wir blicken kritisch auf die Entscheidung. Podcast bei … freie-radios

Ausweitung des Abgas-Skandals: Konzerne drohen, Politik schweigt … taz

Atomausstieg, Fracking, Klimaabgabe: Mit diesen Energielobbyisten traf sich die Bundesregierung … abgeordnetenwatch

Klimakonferenz Paris: die große Illusion … scilogs

Fischer im Recht / Drogenpolitik: Legalize it! Alkohol ist eine psychogene Droge mit hohem Suchtpotenzial. Es ist nicht so groß wie bei Nikotin oder Opiaten, aber immerhin bringt es – je nach Kultur – zwischen zwei und zehn Prozent der Konsumenten in die bedrückende Lage eines Abhängigkeitssyndroms oder dauerhaft grenzwertigen Missbrauchs mit psychosozialer Auffälligkeit. In Deutschland sind das etwa 2,5 Millionen Menschen … zeitonline

Arne R. kann es nicht lassen: Ihre Einsendung zu unserem Literaturwettbewerb V … erbloggtes

Allein im psychologischen Kern: Festschrift für A.S. (aber sagen Sie es nicht weiter) … causaschavan

Hitlers Hoden: Es ist selten, dass sich überhaupt jemand für Hoden interessiert. Sie sind da. Und erledigen ihren Job. Im Gegensatz zu Brüsten oder der Penislänge lösen sie selten wilde Debatten und Streitgespräche hervor … schmalenstroer

Vier Teufel aus dem Luftschacht: Faust I am Düsseldorfer Schauspielhaus … revierpassagen

Wir sind weltoffen: Appell für einen Gütersloher Flüchtlingsgipfel … mehr

Dortmund – Refugees Welcome: Benefiz-Konzert im Dietrich-Keuning-Haus – Haluk Levent singt am Samstag für Flüchtlinge … nordstadtblogger

Unfassbar! Zimmer sollen Türen haben: Ministerium benennt Mindeststandards für Flüchtlings-Wohnungen … doppelwacholder

Weihnachtsgrüße aus dem Ruhrgebiet: Wahlheimat.Ruhr wünscht Euch allen ein schönes, geruhsames Weihnachtsfest! … wahlheimatruhr

Hallo liebe Musikfreunde! Benefizsingle der Tommy Schneller Band … neheimsnetz

Umleitung: Kunterbunt vom Bahnstreik über das Volk der Dichter und Denker zu den Toten in Ohio

Graffito am Goldbekkanal in Hamburg Winterhude. (foto: zoom)
Graffito an der Wand eines Bootshauses am Goldbekkanal in Hamburg Winterhude. (foto: zoom)

Bahnstreik: Durchhalten, Bahn, Bürger, GDL! Dieser Streik ist der wichtigste der Berliner Republik … krautreporter

Ludger Humbert: Das Volk der Dichter und Denker und die Informatik … d-64

Schule, Universität und Co: Machen soziale Medien das Lernen sozialer? … dunkelmunkel

Rechtsextremismus und Kirche: „Ein internes Problem, nicht nur gesellschaftliches“ … dradiokultur

BND-Skandal: Was bisher geschah … netzpolitik

Machtkampf bei VW: Zum Erfolg verdammt … postvonhorn

Hans-Jochen Luhmann: Die Rolle-rückwärts des Westens … wiesaussieht

Neuer Chef für Zombie-Blatt WR: Der Chefredakteur der Westfalenpost, Jost Lübben, hat zum Monatswechsel auch die redaktionelle Verantwortung der Westfälischen Rundschau übernommen … doppelwacholder

Blog-Renovierung: Fortschritt durch Veränderung … threepastnine

Geschichte studieren: Übungen in Genealogie … charlottejahnz

Falken erinnern an verfolgte Sauerländer: Aus Anlass des 70. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz haben die Falken im April 2015 eine Gedenkstättenfahrt durchgeführt, an der 550 junge Menschen teilgenommen haben … hskfalken

Fiktion und Realität der Geschlechterrollen: Siri Hustvedts “Die gleißende Welt” … revierpassagen

25 Jahre verschollen im Nirgendwo – eine ‘Drogenkarriere’: Das Leben ohne Drogen zu erlernen war eine echte Herausforderung und zum Teil sehr frustrierend. Rückblickend war es das wert. Ohne Einschränkungen … gedankensplitter

04.05.1970: Kent-State-Massaker (Ohio / USA) … neheimsnetz

Umleitung: Von Bismarck über Haltern nach Griechenland und dann ins Freibad Neheim

Bismarck am Ende des Jahres 2014 in Hamburg am Stintfang. (archiv: zoom)
Bismarck Ende 2014 in Hamburg am Stintfang. (archiv: zoom)

Bismarck: Der Eiffelturm, der Schiefe Turm von Pisa, der Dom von Florenz – sie können einpacken angesichts der Bismarcktürme … archivtoday

Hitler – Personalisierung in der historischen Darstellung und kein Ende: Wer handelt eigentlich in der Vergangenheit und in der Geschichte? Sind es die HerrscherInnen alleine oder ist Bert Brechts literarisch vorgebrachte Kritik im Gedicht “Frage eines lesenden Arbeiters” heute genauso notwendig wie im Jahr 1935? … PublicHistory

Umgang der Medien mit Schülern und Angehörigen in Haltern I: „Zu Beginn ein kleiner Hinweis: Ich selbst bin Schüler am Joseph-König-Gymnasium, kannte beide Lehrerinnen sowie einige der SchülerInnen, die bei dem Flugzeugabsturz am 24. März in Südfrankreich ums Leben kamen. Im Folgenden versuche ich, die Gedanken vieler Schüler sowie der Angehörigen einiger Familien mit eigenen Erfahrungen zusammenzufassen“ … meistergedanke

Umgang der Medien mit Schülern und Angehörigen in Haltern II: Wie der Vizechef von Spiegel-TV einen Halterner Schüler einschüchtert … niggemeier

Umgang der Medien mit Schülern und Angehörigen in Haltern III: The Germanwings crash was a tragedy for our school. Then the press descended. Mika Baumeister … guardian

Der neue Spiegel ist – Ausgeliefert: Die Titelseite des neuen Spiegel zeigt einen Blick aus dem Flugzeug auf ein Gebirge. Der Gipfelkamm befindet sich dummerweise auf Augenhöhe, und im Fenster steht in fetten Lettern „Ausgeliefert“ … jurga

In eigener Sache: Oberpfalznetz und „Krautreporter“ … oberpfalznet

Journalismus und der Aufstieg des Lesers: „Nachrichten sind das, was jemand irgendwo nicht veröffentlicht haben will. Alles andere ist Reklame“ … freitag

Noch ein Projekt: NDR und NachDenkSeiten starten gemeinsamen Zuschauerrat … nachdenkseiten

Einführung in den Fefismus: es ist mehr als nur ein geflügeltes Wort, dass Fefe die Bildzeitung der Nerds ist. Der Vergleich trifft es auf vielen Ebenen, auch und gerade auf den Unangenehmen … mspr0

Facebook trackt euch alle! Facebook kriegt Euch alle – nein: hat Euch bereits alle erfasst. Das hat der Guardian in einer Recherche offengelegt … ruhrnalist

Verlorener „Krieg gegen die Drogen“: Former Blackwater gets rich as Afghan drug production hits record high … guardian

Griechenland vor der Pleite: Tsipras legt Europas Schwäche bloß … postvonhorn

GRIECHENLAND – Eine Frage der Moral: Es geht nicht um Reparationen. Wichtig ist eine Geste der Versöhnung mit den Opfern und ihren Nachkommen … juedischeallgemeine

Was bei der Maut noch fehlt? Der Rücktritt von Alexander Dobrindt! … wiesaussieht

Fracking: Methan im Trinkwasser und Fracking – Besteht ein Zusammenhang? Fracking ist hierzulande ja so etwas wie der Gottseibeiuns, und fast alle kennen den Film „Gasland“, in dem Wasser, das aus einem Wasserhahn tritt, entflammt wird … scilogs

H. malt eine Landschaft: Ermöglicht es nun einen vertieften Blick auf das Schaffen des Freizeitmalers H … erbloggtes

Zum Tod von Helmut Dietl: “Kir Royal” – ein Gipfelglück der deutschen Fernsehgeschichte … revierpassagen

Sprachlog – BLOGSPEKTROGRAMM 14/2015: Im heutige Spektrogramm gehts um Deutsch als Fremd– und Zweitsprache, das Wort anstelle, noch einmal um den Unterschied zwischen expats und immigrants, darum, ob fließende Sprachbeherrschung möglich ist und darum, was can’t even so im Englischen macht … sprachlog

TV-Tipp: Die Anstalt … doppelwacholder

Kein schöner Samstag: Es wurde im Vorfeld viel geplant, für ihn geworben und viel über ihn geschrieben. Über den Samstag, den 28. März, den 10. Todestag von Thomas “Schmuddel” Schulz, der brutal von dem Neonazi Sven Kahlin in der U-Bahn Station Kampstraße ermordet wurde … gedankensplitter

Freibad Neheim: Saisonvorbereitung 2015 … neheimsnetz

Anfrage der SBL/FW: Weit über 1000 junge Menschen im HSK unter gesetzlicher Betreuung … sbl

Das Elend der Raucher

Zigarette
Entspanntes Rauchen. (foto: privat)

Rauchen ist gesundheitsschädlich, Rauchen verkürzt das Leben. Wer in geschlossenen Räumen raucht, schädigt nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

Das ist schlecht, und deshalb werden öffentliche Räume für Raucher immer enger.

Rauch stinkt, Raucher stinken, alles, was in einem Raum mit einem Raucher war, stinkt.

Ich rauche seit vielen Jahren nicht mehr, ich fühle mich gesünder, huste nicht mehr und bin fit. Klamotten, Wohnung und Atem stinken nicht mehr nach Zigarettenrauch. Alles ist gut.

Ich habe mich über arrogante Vorgesetzte geärgert, die selbstverständlich und ungefragt in Besprechungen geraucht haben. Ich ärgerte mich über Qualm in Eisdielen, wenn kleine Kinder dort saßen. Und genervt hat es mich, nach jeder Party und jedem Kneipenbesuch alle Klamotten komplett in die Waschmaschine packen zu müssen. Alles wahr, alles richtig. Und dennoch:

Kürzlich ging ich bei einer Feier vor die Tür, um mitten in der Gruppe von Rauchern ein wenig „passiv zu rauchen“. Es war wie früher, als die vermeintlich netteren und interessanteren Gespräche unter Rauchern stattfanden, zuerst in den kleinen Pausen zwischen den Unterrichtsstunden, später in den kurzen Pausen, die die Arbeit unterbrachen.

In diesen sieben Minuten, die es dauert eine Zigarette zu rauchen, konnten wir politisieren, debattieren, quatschen, tratschen und labern. Es war nicht nur die Zigarette, es war soziales Miteinander, ein Zusammentreffen unter Gleichgesinnten. Wir waren Raucher, wir hatten sieben Minuten Zeit und in dieser Zeit stand nichts anderes an: keine Arbeit, kein Unterricht, keine Pflichten, nichts.

Inzwischen ist alles anders: Rauchen ist an vielen öffentlichen Orten verboten, Raucher müssen sich Schlupflöcher suchen. Rauchen hat heute etwas Subversives. Während der Arbeit suchen sich Raucher versteckte Ecken in Kellerräumen, auf Dächern oder Balkonen. Heimlich schleichen sie sich an die Orte ihres sündigen Tuns und häufig frönen sie allein und einsam ihrer Sucht. Während in den Ländern der Peripherie das Rauchen noch immer ein soziales Ereignis ist, an dem viele gemeinsam teilnehmen, haben wir das Rauchen als gesellschaftlich verbindende Droge abgeschafft.

Was haben wir dafür bekommen? Ein gesünderes, längeres Leben, damit wir gesünder, länger und intensiver arbeiten können? Dient die ganze, seit Jahren andauernde Anti-Raucherkampagne letztendlich nicht dazu, uns noch dienstbarer, noch produktiver zu machen?

Ich habe darüber nachgedacht, ob ich nicht wieder mit dem Rauchen anfangen soll. Aber dann müsste ich mich ja auch in Kellerräumen verkriechen und im Winter mit klammen Fingern auf den Balkonen von Freunden sitzen oder vor den Türen von Kneipen stehen. Was für ein freudloser Genuss, was für eine freudlose Zeit.

Marion bei den Mexis, Teil 24: durch den Barranca del Cobre über Creel nach Chihuahua

Hola a todos!

Zum Beginn eine Zahl: 27 199. Diese Zahl gab vor ein paar Tagen das Nationale Statistik- und Geografie-Institut in Mexiko heraus. Im Jahre 2011 sind 27 199 Morde in Mexiko registriert worden – in einem Jahr. Das heißt durchschnittlich sterben pro Tag 74 Menschen durch Gewalteinwirkung. Alle 20 Minuten wird durchschnittlich ein Mensch in Mexiko ermordet. Bei den 15- bis 29jährigen steht ermordet zu werden bei den Todesursachen an erster Stelle. Noch vor Verkehrsunfällen.

Mais statt Drogen

Ob dieses Schicksal auch den Bauern im Tal von Batopilas im Süden des Bundesstaates Chihuahua widerfährt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls überkam mich der Gedanke, ob sie das überleben werden, als ich kürzlich folgenden Artikel las.

img_6408web
Blick auf den Kupfercanyon vom Aussichtspunkt Divisadero. Das zerklüftete Gebirge ist flächenmäßig viermal so groß wie der Grand Canyon – und dafür um einiges unbekannter. (Fotos: Marion Koerdt)

In diesem Artikel wurde beschrieben, dass vor einem Jahr ein Regierungsprogramm des Bundesstaates für die Bauern dieser Region gestartet wurde. Es geht darum, dass die Felder anders bewirtschaftet werden sollen. Plakativ könnte man sagen: Mais statt Marihuana. Die Regierung verteilte umsonst Samen für Avocados, Bohnen, Birnen, Pfirsiche, Zucchini und eben für Mais, das Lebenskorn der Mexikaner. Nun sollen die ersten Ernten eingefahren werden von den Feldern, auf denen seit über 50 Jahren Marihuana angebaut worden ist.

Rafael Hernández, ein 60jähriger Bauer aus Batopilas, wird in dem Artikel zitiert. Er fände es schon in Ordnung zu den alten Zeiten davor zurückzukehren, seit 45 Jahren lebe er vom Drogenanbau. Doch ob das seine ehemaligen Abnehmer auch so locker sehen? Zuversichtlich zeigt sich jedenfalls das Entwicklungsministerium des Bundesstaates, das dieses Projekt angeschoben hat: Die Voraussetzungen – sei es der Boden oder das Klima- seien in dieser Region hervorragend.

Touristische Eisenbahnstrecke durch den Barranca del Cobre

Dass diese Region tatsächlich etwas ganz Besonderes ist, davon konnte ich mich persönlich vor einem Monat überzeugen: Es gibt eine Eisenbahnlinie, die ursprünglich mal als Transportlinie zwischen den südlichen USA bis zum Atlantik gedacht war. So wurde unter unvorstellbaren Strapazen der Landschaft eine einspurige Eisenbahnspur von Chihuahua nach Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa abgestrotzt, die sich aber ökonomisch nie richtig ausgezahlt hat.

Insgesamt 80 Jahre hat der Bau der 650 Kilometer langen Linie gedauert, die einen Höhenunterschied von 2400 Metern überwindet. Mal kam eine Revolution dazwischen, mal war kein Geld war und als 1961 die erste Bahn die komplette Strecke fuhr, war das Flugzeug längst das Transportmittel Nummer Eins.

Heute wird die Linie fast nur noch touristisch genutzt und nur noch ab und an wird noch eine Lieferung Holz verladen. 11 Stunden lang schaukelt man von Los Mochis nach Creel, einem Dörfchen auf 2300 Meter Höhe und rund 300 Kilometer von Chihuahua entfernt. Und die Landschaft wird stündlich spektakulärer. Es werden zahlreiche Tunnel passiert (in einem macht der Zug eine Wendung um 180 Grad), die so eng sind, dass man meint jeden Moment schrammt die Bahn an den Felsen. Man passiert die Sierra Tarahumara mit ihren steilen Schluchten und bizarren Felsformationen.

img_6418web
De Zoch kütt – Zweimal am Tag hält die Bahn in Creel. Einmal aus dem Norden kommend, einmal aus Süden. Das Großereignis des Tages im Ort. Schon lange vorher positionieren sich die Händler und Hotelschlepper. In der Hoffnung auf mögliche Kundschaft.

Der Kupferfelsen (Barranca del Cobre) ist das Herzstück der Sierra Tarahumara – der Zug hält hier zum schnellen Fotoshooting. Der Río Urique hat sich hier seinen Weg gesucht, der Tourist blickt 1200 Meter tief in die Schlucht und auf ein unglaubliches Felspanorama. Das einen unwillkürlich an den Grand Canyon denken lässt. Dort kann man am South Rim zwar noch 200 Meter tiefer blicken und die rötliche Färbung des Gesteins ist kontrastreicher, hier ist man aber am größten Schluchtensystem Nordamerikas. Es breitet sich über 1500 Kilometer aus.

Creel – ein bisschen Schweiz und ein wenig USA in Mexiko

img_6439web
Das ist kein kleines US-Städtchen, sondern die Hauptstraße in Creel. Die Männer hier tragen mit Vorliebe Cowboyhüte und -stiefel, so dass man sich öfter mal fragt, ob man sich noch in Mexiko befinde.

Wenn der mitteleuropäische Tourist dann die Bahn in Creel verlässt und nicht bis zu ihrem Endziel Chihuahua weiterfährt, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen:

Das hier soll noch Mexiko sein? Saftige Wiesen, bewaldete Hügel, schroffes Gestein. Ist das nicht die Schweiz? Auch das Örtchen selbst erweckt nicht den Eindruck, dass es sich noch in Mexiko befindet: Es sieht zwar nicht aus wie in der Schweiz, aber auch nicht mexikanisch. Eher wie ein saubergefegtes US-Provinznest in Utah oder Arizona.

img_6404web
Eine Tarahumara-Frau an der Bahnlinie. Die Frauen tragen bunte, prachtvolle Gewänder. Dafür, dass behauptet wird, die Tarahumara seien nicht an materielle Werte interessiert, sieht man auffallend oft Frauen, die alle möglichen Formen von Kunsthandwerk anbieten.

Die Tarahumara – eine Indigena-Gruppe

Nur die Menschen hier erinnern einen daran, dass man sich doch nicht weiter nördlich befindet. Es gibt hier eine Indigena-Gruppe, die das Straßenbild bestimmt: die Tarahumara. Die nicht nur ihre eigene Sprache, sondern auch ihre Bräuche pflegen. Einst zogen sie sich immer weiter vor den spanischen Eroberern in die Schluchten der Sierra Tarahumara zurück. Und konnten sich vieles ihrer ursprünglichen Lebensformen bewahren:

Rarámuris nennen sie sich selbst und das bedeutet so viel wie „die Leichtfüßigen“. Laufen nimmt nach wie vor eine zentrale Rolle in ihrem Leben ein, oft legen sie – teils als Halbnomaden in Familienverbänden lebend – Strecken bis 100 Kilometer zu Fuß zurück. Ritualisiert wird das Laufen in Stammeswettbewerben, bei denen die Männer bis zu 2 Tage lang Holzbälle durchs Gelände schießen. Daneben gibt es noch Trinkgelage, so dass die anderen Einwohner von Creel dem Touristen kurz erklären, warum eine Gruppe Männer schwer betrunken unter einem Baum liegt.

Einige Familien leben noch in Höhlen, aber der Großteil der Tarahumara lebt in einfachen Holzhäusern. Was wahrscheinlich schon deswegen etwas angenehmer sein wird, da es im Winter hier bis zu minus 20 Grad kalt werden und der Schnee bis zu 70 cm hoch sein kann. Der Schnee sei allerdings zu leicht, um hier Wintersport zu machen, erklärt Jesús, der, wenn er nicht gerade auf dem Hauptplatz von Creel mit seinen Freunden abhängt, mit seiner Camioneta Taxidienste anbietet. Der Schnee pappe nicht und sei deswegen nicht zum Skilaufen geeignet. Dennoch kämen auch im Winter häufig Leute aus den großen mexikanischen Städten: Um das erste Mal im Leben Schnee zu sehen.

Im Sommer gibt es hier eine angenehme Bergluft, die sich mit dem Duft der Pinienwälder vermischt. Und die einem regelrecht Lust auf längere Wanderungen macht. Man denkt sich noch, man kann sie verstehen, die Tarahumara mit ihrem Laufen. Doch eigentlich hat man mal wieder nichts verstanden – da man sich doch nicht vorstellen kann, wie es ist, in so festen Stammesstrukturen zu leben. Vom Leben der anderen Mexikanern grenzen sie sich ab – ihre Kinder besuchen nicht die staatlichen Schulen, sondern ihre eigenen. Die Bundesstaatregierung lässt sie gewähren.

img_6427web1
Diese drei netten Herren sammelten mich bei einer Wanderung mit ihrem Tourguide und Pick-Up auf, als die Gewitterwolken bedrohlich näher kamen. Im Hintergrund die kleine Kirche von San Joaquin, einem Dörfchen, das ausschließlich von Tarahumara bewohnt wird. Bis heute sollen sie eine eigene Auslegung des Katholizismus haben.

Dennoch: Richtig herzlich erscheint einem nicht das Verhältnis der Einwohner Creels mit den Tarahumara. Sie hätten keinen Ehrgeiz, etwas aus ihrem Leben zu machen, erklärt die Frau im kleinen Dorfmuseum. Es reicht ihnen, wenn sie genug zum Essen hätten. Mehr wollen sie eigentlich nicht. Geld oder andere materielle Werte interessiere sie nicht. Ob das so stimmt? Auf dem Hauptplatz versuchen jedenfalls Tarahumara-Frauen ihr Kunsthandwerk an den Touristen zu bringen. Und auch im Museumsladen wird ihr Kunsthandwerk angeboten: Allerdings fiel dort bei einem Schal das Etikett „Made in China“ auf.

Einige der Tarahumara sollen vom Drogenanbau in den Tälern ringsherum profitiert haben. Und nicht nur für den Eigenbedarf Felder bestellt haben. Auch sie sollen in den Felder-Umstrukturierungsplan der Regierung aufgenommen worden sein. Die schöne heile Tarahumara-Welt gibt es natürlich nicht. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie wie auch die anderen Bauern in der Umgebung von möglichen Rachefeldzügen der ehemaligen Abnehmer verschont bleiben. Und nicht in der Mordstatistik des Jahres 2012 enden.

Chihuahua war 2011 der Bundesstaat mit der höchsten Mordrate. Hier wurden offiziell 17 699 Menschen im Jahre 2011 ermordet. Denn im Norden des Staates liegt Ciudad de Juárez. Im Süden hingegen wirkt das Land wie eine Idylle aus einem Johanna-Spyri-Roman. Aber leider täuscht das – und lässt einen wieder einmal ratlos zurück, in welche Richtung dieses Land gehen wird. Vorgestern ist der neue Präsident vereidet worden – doch davon demnächst mehr.

Ich hoffe, euch allen geht es gut!
Muchos saludos,
Marion

Über 100 000 Patienten in Nordrhein-Westfalen wegen Missbrauchs berauschender Substanzen im Krankenhaus behandelt. Überdurchschnittlicher Anstieg bei Jugendlichen.

Sekt oder Selters. Vitus aut virtus.  (archiv: zoom)
Sekt oder Selters? Immer mehr Jugend- liche entscheiden sich für den Alkohol. (archiv: zoom)

Düsseldorf (IT.NRW). Nahezu 102 000 Patientinnen und Patienten aus Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2010 stationär wegen des Missbrauchs einer berauschenden Substanz im Krankenhaus behandelt.

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, waren das zwar 1,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, aber 10,9 Prozent mehr als im Jahr 2005. Nahezu drei Viertel (74 525) der mit der Diagnose „Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen“ Behandelten waren Männer, das waren 10,4 Prozent mehr als 2005.

Die Zahl der mit dieser Diagnose behandelten Frauen war 2010 mit 27 364 um 12,4 Prozent höher als fünf Jahre zuvor. Damit wurde bei etwa jedem 116. Mann und jeder 334. Frau im Lande eine auf die Einnahme von psychoaktiven Substanzen zurückzuführende Gesundheitsstörung diagnostiziert.

80 Prozent der Behandelten waren zur Zeit des Krankenhausaufenthaltes zwischen 25 und 65 Jahre alt, 14 Prozent waren jünger als 25 Jahre und 6 Prozent waren 65 Jahre oder älter.

Gemessen an der Bevölkerung wiesen Patientinnen und Patienten aus Bielefeld (0,93 Prozent) und Dortmund (0,90 Prozent) landesweit die höchsten Quoten bei dieser Diagnose aus. Die niedrigsten Behandlungsquoten haben die Statistiker für die in den Kreisen Olpe (0,29 Prozent) und Borken (0,34 Prozent) gemeldeten Einwohner ermittelt.

In 72 Prozent der Fälle waren die festgestellten 102 000 psychischen und Verhaltensstörungen im Jahr 2010 auf Alkohol zurückzuführen. Auch hier war die Zahl der Patientinnen und Patienten mit 73 841 zwar um 2,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, aber um 11,4 Prozent höher als 2005.

Überdurchschnittlich zugenommen hat dabei die Zahl der Jugendlichen, die aufgrund von Alkoholmissbrauch im Krankenhaus behandelt werden mussten: Die Zahl der unter 18-Jährigen war mit 4 415 um 52,6 Prozent, die der 18 bis 25-Jährigen mit 4 992 um 60,0 Prozent höher als 2005.

Die Statisktik für den Hochsauerlandkreis
Die Statistik für den Hochsauerlandkreis und mehr. (auf das Bild klicken)

Gezählt werden in dieser Statistik alle stationär in einem Krankenhaus behandelten Kranken mit Wohnsitz in NRW einschließlich sog. Stundenfälle (Patienten, die bereits am Aufnahmetag wieder entlassen oder in ein anderes Krankenhaus verlegt wurden). Die regionale Zuordnung wird nach dem Wohnort der Patienten vorgenommen.

Umleitung: Von „Legalize it?“ über Verschwörungstheorien bis zur Briloner Feuerwehr und die Positionsflexibilität von Wagner.

Die Marktplätze, eine Kreuzung im Wald (foto: zoom)
Die Marktplätze, eine Kreuzung im Wald (foto: zoom)

Drogenpolitik: Legalize it? … hpd

Helmut Schmidt und Peer Steinbrück: Die Günther-Jauch-Show durchschaut gar nichts … nachdenkseiten

Unser Geld: Ein Nachruf von Robert Misik … misik

Euro-Krise: Hurra! Wir kriegen 374.013.636.363,64 Euro … wiesaussieht

Chaostage in Berlin: Hätten sie alle bloß geschwiegen, die Schäubles, Röslers und Merkels! Wieder einmal wollten sie Steuern senken und wieder einmal haben sie nichts als Chaos verbreitet … WirInNRW

Wie Verschwörungstheorien funktionieren: Das Buch von Thomas Grüter … scilogs

“WIR oder Scharia”: In ihrem Buch “WIR oder die Scharia” analysieren Thomas Pfeiffer und Wolfgang Benz islamfeindliche Kampagnen im Rechtsextremismus … ruhrbarone

Anti-Ideal zur höheren Geigen-Tochter: „An Patricia Kopatchinskaja scheiden sich die Geister. Die moldawische Geigerin pflegt einen radikalen Stil. Ihr Spiel geht an die Grenzen, die intensiven Ausdruck von schierer Brutalität scheiden. Die Kritik sagt ihr nach, den „Schmutz“ in der Musik zu lieben – das Geräuschhafte, den bis zur Schmerzgrenze aufgerauten Ton“ … revierpassagen

Sparkasse Bottrop: Handeln wie die Profis … bottblog

Hagen: Angriff auf kurdisches Zentrum … doppelwacholder

Technik 2.0: Android Tablets und das Apple iPad vergleicht Martin Herbst bei … brisoft

Wenn es brennt: Gemeinsame Herbstabschlußübung der Briloner Feuerwehren … fwbrilon

Zu guter Letzt zeigen wir Positionsflexibilität: Gaddafi, Bin Laden – und Wagner, ja der von der BILD, erwischt von … heikerost

Ciudad Mexixo: erinnert sich noch jemand an die Fußball-WM? Außerdem drei Schüsse in den Rücken und die mexikanische Unternehmenskultur.

Solche Mondlandschaften liegen direkt vor der Haustür: der Nevado de Toluca, ein erloschener Vulkan. (foto: koerdt)
Solche Mondlandschaften liegen direkt vor der Haustür: der Nevado de Toluca, ein erloschener Vulkan. (foto: koerdt)

Dieser Artikel ist der fünfte Teil einer persönlichen Serie über das Leben in Mexico-City im Jahr 2010. Sämtliche bisher erschienen Artikel sind hier zu finden.  Wir folgen dem Jahresverlauf und nehmen Anteil an der Fußball-WM in Südafrika. Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir die Gegenwart erreichen. Viel Spaß beim Lesen.

Hola a todos!

Tja, während in Deutschland die erneute Stärke von Miroslav Klose als „innerer Reichsparteitag“ und „Erlösung“ (zum Glück nicht als „Endlösung“) kommentiert wird, kommen auch Mexi-Fußballkommentatoren nicht so ganz um geschichtliche Parallelen herum.

Heute schießen die Polen für Deutschland
Nachdem Poldoski und Klose den Ball ins Netz geschossen hatten, bemerkte der Sprecher in seiner Euphorie: „Ja, das war ja nicht nett, was die Deutschen da einmal den Polen angetan hat. Aber es ist vergessen: heute schießen die Polen die Tore für Deutschland!“

Leider habe ich den Satz danach nicht mehr verstanden, aber in ihm kam auf jeden Fall das Wort „Konzentrationslager“ vor. Wir haben den deutschen WM-Auftakt standesgemäß in der deutschen Botschaft bei Würstchen, Sauerkraut und Bier verbracht. Die Stimmung war bombastisch, lustigerweise waren die anwesenden Mexikaner viel lauter als die Deutschen. Nun gut, am Freitag hatten sie auch nicht soviel Grund zum Jubeln. Dafür hat der Trikotabsatz der mexikanischen Mannschaft einen astronomischen Absatz gefunden: also es gibt so gut wie niemanden hier, der kein Trikot trägt (die Geschäftsleute tragen es anstatt eines Hemdes und darüber das Sakko).

Drei Schüsse in den Rücken. Ein Toter in der Touri-Falle.
Schön, dann gibt es in den nächsten Wochen ein schönes Smalltalk-Thema und hoffentlich nicht viele Tote in Südafrika. Na ja, eigentlich könnte man den letzten Hoffnungswunsch auf dieses Land übertragen. Vor einer Woche war ich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Da ich aber bereits anderweitig verabredet war, musste ich die Einladung leider absagen. Am Montag fragte ich dann das Geburtstagskind, wie denn die Feier war und sie wurde etwas wortkarg.

Die Geburtstagsgesellschaft hat eine Bootstour auf den Kanälen in Xochimilco im Süden der Stadt unternommen (übrigens einer der größten Touri-Fallen, in die ich bislang hier reingetappt bin). Als sie vom Bootsanleger wieder zum Hauptplatz bummeln wollten, hörten sie Knallgeräusche und dachten zunächst an ein Feuerwerk. Doch als sie um die Ecke bogen, sahen sie, dass dort gerade jemand erschossen worden war. Drei Schüsse in den Rücken; vom Täter natürlich keine Spur.

Drogenkriminalität nicht nur an der Grenze
Um jetzt nicht den Eindruck zu erwecken, dass das hier Alltag sei: ich habe in der letzten Woche einigen Mexikanern diese Geschichte erzählt und sie waren alle geschockt. Niemand von ihnen (und sie sind in dieser Stadt aufgewachsen) hat jemals eine Leiche in der Straße gesehen. Aber die (Drogen-)Kriminalität spielt sich natürlich nicht nur im Norden des Landes an der Grenze zur USA ab.

Eine Beförderung und fristlos gefeuert – mexikanische Unternehmenskultur
Ansonsten ist es nach wie vor ein friedliches Leben für mich. Ob es so bleibt, wird es sich in den nächsten Wochen zeigen. Meine Kollegin in der Bibliothek hat gekündigt und hört zum Ende der nächsten Woche auf. Ich bin davon total überrumpelt worden; auf einmal habe ich die Leitung inne. Was mir aufgrund meiner natürlichen Faulheit überhaupt nicht passt. Was mir aber abgesehen von dieser Tatsache widerstrebt, ist, dass ich in diesem Zusammenhang kennen lernen durfte, wie mexikanische Unternehmenskultur funktioniert. Wenn die Verwaltung dich auf dem Kicker hat, bist du absolut chanchenlos. Und Fristen gibt es auch nicht: zum Beispiel bekommen die angestellten Lehrer am 30. Juni gesagt, dass sie morgen nicht wiederkommen brauchen. Sie können sich nicht mehr von ihren Kollegen verabschieden und ein Gespräch über die Gründe gibt es auch nicht. Oder sie sind so absurd, dass man damit auch nichts anfangen kann. So hat man im letzten Jahr einem Lehrer gekündigt mit der Begründung, er sähe immer so müde aus.

Ein ein paar Dinge wollen heute abend noch erledigt werden. Ich hoffe, in Deutschland ist alles“ todo bien“.

Bald mehr und hasta luego!

Ciudad Mexico: Desillusionierungen. Beobachtungen und Impressionen aus einem faszinierenden Land.

Bekannter ist der hier und seinen Namen musste fast jeder im Erdkundeunterricht auswendig lernen: der Popocatepetl im Abendlicht. (foto: koerdt)
Ein alter Bekannter. Seinen Namen musste fast jeder im Erdkundeunterricht auswendig lernen: der Popocatepetl im Abendlicht. (foto: koerdt)

Dieser Artikel ist Teil einer persönlichen Serie über das Leben in Mexico-City. Heute knüpfen wir an die Osterzeit an. Die vorhergenden Teile der Serie sind hier zu finden.

Hola a todos,

zunächst einmal etwas Trauriges: Belde* hat hingeschmissen und somit werde ich wohl keine weiteren Einblicke in das Welt- und Geschichtsbild einer türkischen Oberschichten-Tochter gewinnen können. Sorry, aber mit einem Exklusiv-Interview wird es wohl nichts mehr.

Auszug aus dem Wolkenkuckucksheim
Dafür bin ich wohl in der letzten Woche aus meinem flauschigen Wolkenkuckucksheim rausgeschmissen worden: während wohl alle Welt denkt –ich war da keine Ausnahme-, der Drogenkrieg tobe im Norden des Landes an der Grenze zur USA wurde ich eines Besseren belehrt. Nur 100 Meter Luftlinie von der Schule entfernt –und die Schule liegt wirklich in einem der betuchten Viertel, dort werden ganze Straßen gesperrt und bewacht, damit die Oberschicht dort in Ruhe ihre Angestellten schikanieren kann- wurden in einer Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Banden (es ging, na klar, um Drogen) zwei Männer erschossen. Zwei der Beteiligten wollten vom Tatort fliehen, dafür rissen sie eine Frau aus ihrem Wagen und verschwanden damit. Diese Frau ist eine Mutter von zwei Schülerinnen der Deutschen Schule und war gerade auf dem Weg dorthin, um die Kinder abzuholen.

Schießereien
Am nächsten Tag erfuhr ich dann von einer weiteren Schießerei, die auf dem Heimweg meiner Kollegin stattgefunden hat. Sie wusste, dass ihre Tochter gerade nach Hause wollte und es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich meine Kollegin gefühlt hat. Wahrscheinlich wäre ich an ihrer Stelle vor Angst fast ausgeflippt, aber sie hat wirklich sehr besonnen reagiert. Dennoch war ihre Erleichterung mehr als groß, als sie ihre Tochter endlich telefonisch erreichen konnte.

Drogen – auf dem Schulhof angefixt
Passend dazu las ich dann auch noch einen Artikel, aus dem hervorging, dass die meisten Drogen gar nicht in die Vereinigten Staaten geschmuggelt werden, sondern in die Hauptstadt. Hier ist wohl die Anzahl der Abhängigen in den letzten Jahren rapide angestiegen und es gibt keine richtigen, politischen Programme, die das angehen. Und wo werden die Leute ‚angefixt’? Auf dem Schulhof. Die Deutsche Schule versteckt sich ja hinter Eisentüren und Mauern und wird darüber hinaus von einem Wachdienst kontrolliert. Aber ich möchte nicht wissen, was hier an staatlichen Schulen los ist.

Der Alltag und die Diskriminierung – die Wellblechhütte auf dem Dach
Nach und nach werde ich hier doch auf die kleinen Unterschiede gestoßen, die ich mich teils schon sprachlos zurück lassen. Gestern war ich auf einer „Jewelry Rock Party“: meine US-amerikanische Mitstreiterin im Spanisch-Kurs, Cindy*, entwirft selbst Schmuck und hatte zu einer Art ‚Tupper-Party’ mit Schmuckverkauf geladen. Natürlich war ich neugierig auf die Wohnung, die sich als riesiges Penthouse oberhalb der Dächer von Polanco entpuppte, das sie sich mit einer anderen US-Amerikanerin teilt. Als ich auf die Terrasse trat, stand dort eine kleine Wellblechhütte und ich fragte, ob das so eine Art Abstellkammer sei. Nein, dort würde ihr Hausmädchen mit noch einer Freundin wohnen und sie öffnete kurz die Tür und ich starrte auf eine 90 cm breite Matratze, die auf dem Boden lag.

Die Schönheit mit der falschen Hautfarbe
Nagia* aus dem Kurs wiederum macht ihre Erfahrungen fast von der anderen Seite aus: die Brasilianerin, die wohl unter das Stereotyp milchkaffeebraune Schönheit fallen würde, wird von ihren Nachbarn im Haus nicht gegrüßt. Als sie mal eine Frau nach dem Grund fragte, wurde ihr klargemacht, dass ‚empleadas’, also Dienstmädchen, generell nicht gegrüßt werden.

Wir verleihen nicht an Ausländer
Dagegen wurde mir am letzten Wochenende erst hinterher deutlich, dass ein kleiner Hinweis auch eher diskriminierend gemeint war: wir wollten uns Räder ausleihen und der Typ an der Radstation sagte sehr bestimmend, dass er nur an Mexikaner ausleihe und nicht an Ausländer. Das sei generell so. Auf unseren Einwand, wir hätten uns doch schon einmal an einer anderen Station Räder geliehen, meinte er, sein Kollege dürfe das eigentlich nicht und könnte auch Konsequenzen für denjenigen haben. Wir dackelten davon, um dann zu sehen, dass zahlreiche Ausländer auf Leihrädern unterwegs waren. Tja, solche Feinheiten gibt es auch …

… hasta luego!

* Namen geändert

Umleitung: Drogen und Onanie im Sommerloch

Drogen: Heroin – Velvet Underground … ruhrbarone

Onanie: schöner mit bild.de … coffee&tv

Sommerloch: gestopft – zum Beispiel als Bär in Bayern … weltonline

Alles weitere wäre zu ernst ;-)

Update: Nee – doch nicht. Es geht noch einer.

Vor den Wahlen: Der Westen (i.e. „Vierte Gewalt“) packt ein ganz heißes Eisen an … screenshot von heute:

Fragen, die die Menscheit voran bringen
Fragen, die die Menscheit voran bringen

Für die nächste Umfrage schlage ich angesichts der feuchten Witterung vor:

Was finden Sie besser?

O Fußpilz

O Fliegenpilz

O Pilzköpfe

O König Pils

Danke bis heute und morgen mehr … oder auch besser nicht.