Zweieinhalb spannende und interessante Stunden mit dem Winterberger Forstamtsleiter

Auf Einladung der Initiative „Winterberger KlimaZukunft“ fand am vergangenen Mittwoch im Forstgebiet zwischen Minenplatz und dem Nordhang des Kahlen Asten ein Waldbegang mit Forstamtsleiter Max Lange statt.
Forstoberinspektor Lange fesselte die sehr interessierten Bürgerinnen und Bürger mit vielen Einblicken und zahlreichen Details auf dem Spaziergang durch den Winterberger Waldbestand.
In gut zweieinhalb Stunden konnten sowohl in kleinen Vorträgen als auch in zahlreichen Einzelgesprächen viele Fragen rund um das Thema „Wald“ angesprochen und beantwortet werden.
Nach den Stürmen Kyrill (2007) und Friederike (2018) habe eine mehrjährige Dürre dem Wald derart zugesetzt, dass große Teile des Fichtenbestandes dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen seien.
Dies betreffe ca. 600 von 3500 Hektar Stadtwald. Der restliche Wald sei zwar geschwächt, aber laut Max Lange immer noch sehr stabil. Das gelbe Aussehen der Fichten rund um den Minenplatz rühre von der diesjährigen Blüte der Nadelbäume her.
Der Winterberger Forst besteht momentan zu etwa 40 % aus Buchen und zu 60 % aus Fichten. Der bundesweite Waldschadensbericht für 2025 zeigt erstmals eine leichte Erholung. Allerdings gibt es derzeit keine Baumart, die wirklich gesund ist.
Der Klimawandel werde auch in Zukunft den Winterberger Forst belasten. Dabei sind nicht die höheren Temperaturen das Problem, sondern die immer wahrscheinlicher werdenden Trockenperioden. Deshalb richtet das Forstamt den Blick regelmäßig auf den bundesweiten Dürremonitor. Auch der heute junge Wald wird in den kommenden Jahrzehnten Dürren erleben, davon ist Max Lange überzeugt.
Um einem großflächigen Waldsterben zu begegnen, ist „Durchmischung” das Zauberwort. Winterberg setze dabei auf Baumarten wie Douglasie, Ahorn, Eiche und Lärche. Auch die Weißtanne sei interessant. Der Ahorn ist sehr verjüngungsfreudig und die Lärche schnellwachsend. Da sie die einzige Nadelbaumart ist, die im Herbst ihre Blätter abwirft, ist sie im Gegensatz zu anderen Nadelhölzern lichtdurchlässiger und damit geselliger.
Der Wald, so Max Lange, ist ein Wirtschaftsforst. Die Bäume werden regelmäßig geerntet und tragen zur Finanzierung der Stadt Winterberg bei.
Durch die Herabsetzung des Einschlagsalters der Fichte von 120 auf 80 Jahre ist es dem Forstamt gelungen, den Finanzfluss an die Stadtkasse stabil zu halten. Gleichzeitig sind durch die hohe Nachfrage der Sägewerke die Holzpreise von 30 auf 120 Euro pro Kubikmeter gestiegen.
Angesichts des Klimawandels ist es nicht sinnvoll, den Forst in einen Urwald verwandeln zu lassen, denn altes, verrottendes Holz setzt das zuvor durch den Baum gebundene CO2 wieder frei. Der Wald wandelt sich dann von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle. Klimafreundlicher sei hingegen die Verwendung als Bauholz.
Nur durch aktive Waldpflege kann der Mischwald erhalten werden.
Ein großes Problem bei der Aufforstung sei der Verbiss durch das Rehwild. Es habe sich stark vermehrt und müsse nachdrücklicher bejagt werden.
Auch in Winterberg ist die Schweinepest angekommen. Vom Helleplatz bis hinunter zum Radweg Züschen-Hallenberg wurden Schutzzäune errichtet.
Der Mountainbike-Tourismus bereitet in Winterberg kein größeres Problem. Die Radfahrer:innen könnten sich allerdings beliebter machen, wenn sie beim Überholen von Wandernden ihre Klingel oder ein freundliches „Hallo!” einsetzen würden.
Kontakt zur Klimagruppe: KlimaFuture@web.de


„ Angesichts des Klimawandels ist es nicht sinnvoll, den Forst in einen Urwald verwandeln zu lassen, denn altes, verrottendes Holz setzt das zuvor durch den Baum gebundene CO2 wieder frei. Der Wald wandelt sich dann von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle. Klimafreundlicher sei hingegen die Verwendung als Bauholz.“. – das ist natürlich totaler Quatsch, mit Verlaub… es würde natürlich Sinn machen den derzeitigen Wald in einen Urwald umzuwandeln, wenn es um co2 Bindung geht. Buchen und andere Bäume binden mehrere hundert Jahre co2, je älter desto mehr, Ausnahme, er stirbt ab. Im Sauerland gibt es so gut wie keine Bäume, die älter als 120 Jahre sind, eine Buche kann 500 Jahre alt werden, Tannen bis 800 Jahre und Eichen noch älter. In dieser Zeit binden sie mehrere hundert Jahre co2, abgesehen davon erfüllen Altbäume viele andere ökologische Funktionen. Die Aussage des Forstamt Leiters ist ausschließlich Interesse geleitet, er will Holz verwerten und verkaufen, und jeder Fachmann würde ihn in diesem Punkt widersprechen. Gerade wenn Forstflächen großräumig gerodet werden setzt der Boden große Mengen co2 frei. Der Forstamtsleiter vertritt die Interessen der Waldbesitzer, der Forstindustrie und der Sägewerke. Ganz sicher nicht die Interessen der Umwelt und offensichtlich nicht, die eines nachhaltigen Waldumbaus und einer nachhaltigen Waldnutzung.
@Chris
Danke für den Kommentar!
Da hast du einen sehr wichtigen Punkt erwischt. Nach meinen (noch ausbaufähigen) Kenntnissen speichern alte Urwälder tatsächlich wesentlich mehr CO2 als Wirtschaftswälder/Forste.
Der deutsche Forst ist anscheinend nicht deswegen zur CO2-Quelle geworden, weil die Förster faul sind und das Totholz verrotten lassen, sondern weil auf der Waldfläche wegen der Klimakrise (Dürre, Sturm, Borkenkäfer) sowie der wirtschaftlichen Übernutzung (u. a. Interessen der Sägewerke) wesentlich weniger Bäume (CO2-Speicher/CO2-Senke) stehen.
Darüber hinaus spielt wohl auch der Boden als CO2-Speicher eine sehr große Rolle.
Auf die Schnelle ein Spiegel-Artikel zum Thema:
„Urwälder speichern viel mehr Kohlenstoff als gedacht
Schwedische Forscher haben in alten Wäldern nachgemessen: Böden und Pflanzen könnten erhebliche Mengen Kohlenstoff aufnehmen – solange sich die Forstwirtschaft fernhält. “
https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/schweden-urwald-speichert-viel-mehr-kohlenstoff-als-gedacht-a-8165ddf0-375b-4dbc-a002-deab36eeb603