Studie zu Corona 2020: La­den­schlie­ßun­gen hat­ten ge­rin­gen Ef­fekt, Mas­ken ei­nen gro­ßen.

Leiter der Studie ist der Statistiker Prof. Dr. Reinhold Kosfeld (foto: uni kassel)

Eine statistische Studie der Universität Kassel hat die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Covid-19-Eindämmung in der ersten Welle 2020 untersucht. Ergebnis: Die Schließung von Restaurants und Geschäften im Frühjahr hatte nur einen geringen Effekt, die Masken-Pflicht und die Kontaktbeschränkungen hingegen waren sehr wirkungsvoll. Ermöglicht hat die Untersuchung der sonst oft gescholtene föderale „Flickenteppich“.

(Pressemitteilung Universität Kassel)

Die Untersuchung ist auf einem Preprint-Server veröffentlicht, hat danach einen Peer Review-Prozess durchlaufen und ist bereits zur Veröffentlichung angenommen. Demnach reduzierten die Kontaktbeschränkungen den Anstieg der Infektionen mit dem Corona-Virus um fast 14 Prozentpunkte. Das heißt: Hätte es in einer Region in einer bestimmten Zeitspanne ohne diese Maßnahme einen Anstieg der kumulierten Infektionen um beispielsweise 30 Prozent gegeben, so stiegen die Infektionen dank Abstandsgebot und anderen Kontaktbeschränkungen tatsächlich nur um rund 16 Prozent. Auch die Maskenpflicht in Bussen, Bahnen, Supermärkten und an anderen öffentlichen Orten erwies sich als wirkungsvoll, um die Kurve abzuflachen und eine exponentielle Verbreitung der Seuche zu verhindern: Die Pflicht reduzierte den Anstieg um weitere 13,5 Prozentpunkte.

Einen geringeren, aber immer noch nennenswerten Anteil hatte die Schließung von Schulen und Kindertagesstätten mit etwa 5,5 Prozentpunkten. Die Restaurantschließungen hatten eine Wirkung von etwa 2 Prozentpunkten, einen kaum feststellbaren Effekt hatten die Schließung von Parks, Zoos, Museen oder Wellness-Einrichtungen – aber auch von Geschäften. „Der Effekt der Geschäftsschließungen war kaum nachweisbar“, stellt der Leiter der Studie fest, der Kasseler Statistiker Prof. Dr. Reinhold Kosfeld. Ein Grund könne sein, dass in den geschlossenen Geschäften üblicherweise viel mehr Fläche zur Verfügung steht als in den systemrelevanten Geschäften, die weiterhin geöffnet waren, bspw. den Supermärkten.

Kosfeld weiter: „Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht waren die Säulen des Erfolges, um die Pandemie einzudämmen. Die Wirkung der Schließung von Schulen und Kitas war signifikant, aber deutlich geringer. Der ermittelte Effekt macht einen Anteil von 14 Prozent am Gesamteffekt aus, also etwa ein Siebtel des gesamten Erfolges. Der Anteil fällt für Schließungen von Restaurants, Cafés und Bars auf 6 Prozent ab. Der Shutdown des nicht lebensnotwendigen Einzelhandels ist mit 4,5 Prozent anteilsmäßig noch geringer und statistisch auch nicht mehr gesichert. Grundsätzlich sollte man berücksichtigen, dass die Effekte von der Chronologie der Schließungen in der Krise beeinflusst werden. Relativ spät ergriffene zusätzliche Maßnahmen haben häufig einen geringeren Effekt als die ersten Maßnahmen.“

Kosfeld betont außerdem, dass er in der Studie den statistischen Effekt berechnet hat, aber keine Aussagen zu politischen Gründen für bestimmte Maßnahmen trifft, etwa zur Schließung und Öffnung von Bildungseinrichtungen, und auch keine medizinischen oder epidemiologischen Kausalitäten beschreibt. Und: Untersucht wurden die Maßnahmen Frühjahr 2020, als manche Rahmenbedingungen noch andere gewesen sein mögen, etwa die Ansteckungsrate des Virus oder die Verfügbarkeit von Schnelltests und Impfungen. „Dennoch lohnt es sich, über die Wirkung von Schul-, Geschäfts- und Restaurantschließungen beziehungsweise über deren Öffnung nicht nur zu spekulieren, sondern belastbare Erfahrungen aus der ersten Welle heranzuziehen“, appelliert der Statistiker.

Die Forschungsgruppe um Kosfeld nutzte für die Analyse einen sogenannten „Difference-in-differences-Ansatz“: Sie werteten die Daten für 401 deutsche Landkreise und kreisfreie Städte aus. Da die Maßnahmen in den Bundesländern jeweils zeitlich versetzt eingeführt wurden, konnten sie für bestimmte Zeitspannen je Gruppen von Städten und Kreisen bilden, in denen die Maßnahmen schon galten, und Kontrollgruppen, in denen sie (noch) nicht galten. Zudem projizierten sie für jede Gebietseinheit Verlaufskurven der Seuche anhand von Daten des RKI. Dabei berechneten sie ein, dass sich die Kreise und Städte in unterschiedlichen Phasen der Pandemie befanden, also die Ausbreitungsgeschwindigkeit in einer bayerischen Stadt höher gewesen sein kann als in einem mecklenburgischen Landkreis. Untersuchungszeitraum war Mitte März bis Ende April, als erste Lockerungen in Kraft traten.

Kosfeld ist außerplanmäßiger Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Kassel. Bis vergangenen Herbst leitete er das Fachgebiet Statistik. Neben dem Kasseler Statistiker waren Wissenschaftler der Universitäten Mainz, Darmstadt und Süd-Dänemark beteiligt. Die Studie wurde auf dem „Preprint Server for Health Sciences“ medrxiv.org veröffentlicht. Sie ist zur Publikation für die Special Issue „Covid-19 und the Regional Economy“ im Journal of Regional Science angenommen, einer der international führenden regionalwissenschaftlichen Zeitschriften.

Link zur Studie auf dem Preprint-Server (Peer-Review-Prozess hat inzwischen stattgefunden):

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.12.15.20248173v2

https://doi.org/10.1101/2020.12.15.20248173

Entscheidung für Wechselunterricht riskant
Ministerium verordnet Rückkehr in die Schulen trotz deutlich steigender Inzidenz.

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Video-Link: https://youtu.be/lLz9jRORMfQ?t=286

 
Zur Information: Die heutige Pressekonferenz von Ministerin Yvonne Gebauer zum weiteren Schulbetrieb ab 19. April in NRW.
 
Trotz steigender Infektionszahlen plant die Landesregierung ab dem kommenden Montag eine Rückkehr aller Schüler*innen zum Wechselunterricht. Die GEW NRW hält die am heutigen Mittwoch von Schulministerin Yvonne Gebauer verkündete Entscheidung für nicht nachvollziehbar.

(Pressemitteilung GEW)

Die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern erklärte dazu in einer ersten Reaktion: „Während die Ministerin in der letzten Woche wegen des „diffusen Infektionsgeschehens“ noch auf Nummer sicher ging, geht sie jetzt bei steigenden Zahlen ins Risiko. Das ist aus Sicht der GEW NRW verkehrt. Die Einschätzung der Ministerin, dass die Voraussetzungen für den Wechselunterricht gegeben seien, ist Wunschdenken.“

Die Bildungsgewerkschaft, so ihre Vorsitzende, knüpfe nach wie vor Schulöffnungen mit Wechselunterricht an drei Bedingungen. Finnern wörtlich: „Die Inzidenz muss unter 100 liegen. Wir brauchen eine solide Teststrategie mit kindgerechtem Testmaterial, das funktioniert und von geschulten und entsprechend geschützten Kräften wirksam eingesetzt werden kann. Außerdem verlangen wir, dass alle Lehrkräfte schnellstmöglich geimpft werden und somit geschützt in den Präsenzunterricht gehen können. Das ist der Schlüssel zur Rückkehr in die schulische Normalität.“

GEW-Chefin Finnern begrüßte die Klarstellung Gebauers, dass es keinen Anspruch auf Distanzunterricht ohne negativen Corona-Test für Schüler*innen gebe: „Das ist gar nicht anders machbar.“

Grundsätzlich bräuchten Schulen Planungssicherheit für den Rest des Schuljahres. Dazu gehörte eine Reduzierung der Anzahl der Klassenarbeiten in der Sekundarstufe I und ein Aussetzen der zentralen Prüfungen in Klasse 10.

Es ist zudem erforderlich, dass das Ministerium bereits das kommende Schuljahr in den Blick nimmt. Dringend geboten ist es, jetzt Konzepte zu entwickeln und Ressourcen dafür bereit zu stellen, damit Schulen in den nächsten Jahren mehr Möglichkeiten für individuelle Förderung und Unterstützung haben.

Olsberg: Abschlussprüfung an der Lehranstalt für PTA

13 Schülerinnen und Schüler haben die Abschlussprüfung an der Lehranstalt für Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTA) in Olsberg bestanden. (foto: hsk)
Mitte März fanden an der Lehranstalt für Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTA) in Olsberg die jährlichen Abschlussprüfungen im Fach Apothekenpraxis statt. 13 Prüflinge waren erfolgreich, obwohl auch in diesem Jahr Corona den Prüfungsplan kurzfristig beeinflusst hatte und ein Teil der Prüfung vom 12. auf den 17. März verschoben werden musste.

(Pressemitteilung des HSK)

Neben gewohnten Themen wie Heuschnupfen, Diabetes oder rechtliche Grundlagen in der Apotheke, standen diesmal auch FFP 2 Masken, Testungen oder die Abgrenzung von Erkältungskrankheiten zu Covid 19 im Prüfungsplan. Apotheken in Olsberg, Meschede, Arnsberg, Menden und Warstein freuen sich nun über neue Kollegen und Kolleginnen. Vier der neuen PTA haben einen Studienplatz. Eine PTA möchte sich beim Impfzentrum einbringen.

Ein großes Dankeschön geht an die Fachprüfer und Fachprüferinnen aus den öffentlichen Apotheken im Hochsauerlandkreis. Durch die Unterstützung der Apothekerinnen und Apotheker war über den gesamten Ausbildungszeitraum stets eine qualifizierte Ausbildung gewährleistet. Auf diese Weise konnte die Prüfung ermöglicht werden – und dies in einer Zeit, in der Apotheken in besonders hohem Maße in die Beratung und Testung von verunsicherten Patienten und Angehörigen eingebunden sind.

——–

Informationen Ausbildung und Beruf der PTA bei der Lehranstalt für PTA, Paul-Oventrop-Strasse 6a in 59939 Olsberg, Telefon 0291 – 945390 oder unter www.pta.hochsauerlandkreis.de.

Umleitung: AfD auf Schrumpfkurs, Union mit Schwindsucht, Schulen von der Politik im Stich gelassen, Desinformation zu Corona-Impfungen, Cees Noteboom und Polizei unter Verdacht

Corona-Spaziergang um den Schmantel in Winterberg

AfD nach ersten Landtagswahlen: Auf Schrumpfkurs … bnr

Der Union droht die Schwindsucht: Die Union sieht sich von zwei Skandalen belastet. Dabei sind es eigentlich drei … postvonhorn

Kinder sind nicht geschützt: Von der Landespolitik im Stich gelassen – Aufruf zum Schulboykott … dradio (Interview)

Corona-Impfungen: Desinformation und Verschwörungsideologien nur schwer einzudämmen … netzpolitik

Finsteres Fazit: Cees Nootebooms „Abschied. Gedicht aus der Zeit des Virus“ … revierpassagen

Polizei unter Verdacht: Alles nur Einzelfälle oder gibt es rechtsextreme Netzwerke? … sbl

GEW, GSV und VBE fordern: Neue Grundschullehrpläne – NICHT JETZT!

In unserem BriefkastenLiebe Kolleg*innen,

ja, diese Mail ist Absicht, kein Versehen.

Wir bitten unsere Kolleg*innen, die nicht an den Grundschulen arbeiten, um Unterstützung einer Aktion, die die Verschiebung der Einführung neuer Lehrpläne an den Grundschulen fordert. Warum?

Zum einen als Ausdruck der Solidarität mit den Kolleg*innen an den Grundschulen.

Zudem aber, weil das Beharren des MSB, die Grundschullehrpläne unbedingt im Corona-Schuljahr 2020/21 einführen zu wollen, exemplarisch dafür ist, dass Politik und Verwaltung in Düsseldorf die enormen Belastungen in den Schulen durch die Pandemie nicht sehen wollen. Lobenden Worten der Wertschätzung in Schulmails folgen aus unserer Sicht unsinnige Entscheidungen den Infektionsschutz und die schulischen Aufgaben betreffend.

Worum geht es konkret:

GEW, Grundschulverband und VBE lehnen umfassende Lehrplanarbeit zum aktuellen Zeitpunkt ab. Das Schulministerium ist gefordert, die Arbeit der Grundschulen zu unterstützen, neue Arbeitsaufträge gehen in die völlig falsche Richtung und verschärfen die angespannten Situationen vor Ort.

Wir stellen fest:
1. Die Grund- und Förderschulen brauchen die vorhandene Zeit für die Kinder, ihre individuelle Förderung und den Unterricht.
2. Die hohe Arbeitsbelastung der Kolleg*innen muss endlich anerkannt werden.

Unsere gemeinsame Forderung lautet: Neue Grundschullehrpläne – Nicht JETZT! GEW, GSV und VBE erwarten von der Landesregierung, in dieser Ausnahmesituation nicht auf diesem Vorhaben zu beharren.

Hier können Sie diie Petition schnell online unterschreiben:
https://www.openpetition.de/petition/online/gew-gsv-und-vbe-fordern-neue-grundschullehrplaene-nicht-jetzt

Bitte helfen Sie mit. Eine Unterschrift ist noch vier Tage möglich.

Mit freundlichem Gruß
Michael Schulte
GEW NRW – Geschäftsführer

Umleitung: Schulen 2021 brauchen keinen Brockhaus, ein Kabinett zum Gruseln, Journalismus mit Lungern und Hecheln und mehr …

Ausruhen auf der Ennert zwischen Silbach und Siedlinghausen

Schulen 2021 brauchen keinen Brockhaus: Der Erwerb einer Online-Lizenz für den Brockhaus an den Schulen von Nordrhein-Westfalen hat eine öffentliche Debatte ausgelöst – besonders angesichts der Kosten von 1,6 Mio. Euro für eine dreijährig befristete Nutzung … historischdenken

Trotz Pandemie: mehr extrem rechte Veranstaltungen … bnr

Ein Kabinett zum Gruseln: Mit der Pandemie sind die Defizite des schwarz-roten Bundeskabinetts sichtbar geworden. Sie zeigen sich vor allem in dessen Unionsteil, ausgerechnet im Wahljahr 2021 … postvonhorn

Facebook News: Beredtes Schweigen der deutschen Medien … netzpolitik

Beschluss über Beteiligung am Flughafen verschoben: Einen Teil-Erfolg erzielte die SBL-Fraktion am Freitag im Kreisausschuss beim Thema Flughafen Paderborn/Lippstadt … sbl

Film- und Serienkritik: „Tribes of Europa“ ist, zusammengefasst, die schlechteste Serie seit langem … unkreativ

Lungern und hecheln: „Journalismus“, der entgeistert … revierpassagen

NRW: Zahl der Schüler an Hauptschulen im Schuljahr 2020/21 um 8,4 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor

52 410 Schülerinnen und Schüler besuchen im laufenden Schuljahr in
Nordrhein-Westfalen eine Hauptschule.

Düsseldorf (IT.NRW). 52 410 Schülerinnen und Schüler besuchen im laufenden Schuljahr in Nordrhein-Westfalen eine Hauptschule. Das sind 4 795 (?8,4 Prozent) weniger Hauptschüler als im Schuljahr 2019/20.

(Pressemitteilung IT.NRW)

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, besuchen insgesamt 1,9 Millionen Schülerinnen und Schüler eine allgemeinbildende Schule (ohne Weiterbildungskollegs) in NRW. Das sind etwa so viel wie ein Jahr zuvor (+0,2 Prozent).

Zuwächse verzeichneten vor allem die Gesamtschulen: Mit 335 805 besuchen im laufenden Schuljahr 3,0 Prozent mehr Schülerinnen und Schüler diese Schulform als im letzten Schuljahr: Auch an den Grundschulen werden aktuell mehr Kinder unterrichtet. (+0,9 Prozent). Von den weiterführenden Schulen haben die Gymnasien – wie in den Vorjahren – mit 501 395 die meisten Schüler.

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Weitere Informationen:
Schulen, Klassen und Schüler/-innen an allgemeinbildenden Schulen in NRW im Schuljahr 2020/21
https://www.it.nrw/atom/11757/direct

Weitere Ergebnisse finden Sie in der Landesdatenbank [1]

[1] http://url.nrw/Schuldaten

Umleitung: Hanau, Covid-19, die Tänzerin Lola Montez, eine Brockhaus-Lizenz, der Flughafen Paderborn und ein tödlicher Unfall in Winterberg.

Auf dem Kreuzberg in Winterberg.

Nach dem Anschlag: So rückten die Menschen in Hanau zusammen … bnr

Hanau – Eine Nacht und ihre Folgen: Doku & Reportage ? hr-fernsehen … hr

Wie wir heute leben: Über die neue Mikrobiologie unserer pandemischen Existenz … misik

Laschet: Mal so, mal so. Oder auch nicht … postvonhorn

ZeroCovid: eine philosophische Verteidigung … scilogs

Über alle Regeln hinweg: Als die Tänzerin Lola Montez Bayernkönig Ludwig I. den Thron kostete … revierpassagen

Statt Wikipedia und Klexikon: NRW zahlt 2,6 Millionen für drei Jahre Online-Brockhaus an Schulen … netzpolitik

Verzockt mit dem Flughafen: Bekanntlich steckt der Flughafen Paderborn/Lippstadt in einer großen Krise. Wegen gravierender finanzieller Probleme wurde im September ein Insolvenzverfahren eingeleitet … sbl

Winterberg: Tödlicher Unfall mit Schneemobil … polizei

Lockdown ohne Lock-in: „Chaos Macht Schule“ (CMS) fordert nachhaltige Lernplattformen.

Der Lockdown zwang viele Schulen, hastig Lernplattformen und Konferenzsysteme bereitzustellen. Oft wurde dabei auf kommerzielle Angebote mit hohen Kosten gesetzt. Jetzt ist es an der Zeit, diese durch nachhaltige Lösungen zu ersetzten. Die Initiative „Chaos Macht Schule“ fasst die Lehren der vergangenen Monate zusammen: Wir brauchen nachhaltige Lernplattformen.

(Presseartikel des Chaos Computer Club)

Um gute Bildung auch im Lockdown zu ermöglichen, sind Schulen auf verschiedene Lernplattformen und Konferenzsysteme angewiesen. Für schnelle und pragmatische Lösungen wurden in vielen Bundesländern leider auch Entscheidungen getroffen, die die digitale Souveränität unserer Bildunggslandschaft gefährden.

Auch nach der Pandemie werden die jetzt beschafften Systeme weiter in den Schulen genutzt werden und somit an Bedeutung gewinnen. Das CCC-Bildungsprojekt Chaos macht Schule (CMS) fordert, bereits nachhaltig umgesetzte, nicht von kommerziellen Anbietern abhängige Lösungen zu übernehmen, statt unüberlegte Schnellschuss-Entscheidungen zu verfestigen.

Rechtssicherheit für alle am Schulleben Beteiligten herstellen

Viele der eingesetzten Software-Lösungen verursachen nicht nur finanzielle Lasten. Sie beinhalten auch hohe rechtliche Risiken, da sie laut Datenschutzkonferenz des Bundes und der Länder nicht rechtskonform betreibbar sind.

Eltern stimmen trotz Sorge um die Daten ihrer Kinder einer Nutzung zu, da sonst ihre Kinder effektiv vom Unterricht ausgeschlossen sind. Trotz eigener Bedenken müssen viele Lehrkräfte die vorgegebenen Lösungen in Ermangelung von Alternativen mittragen. Die rechtlich unklare Situation sorgte in der jüngeren Vergangenheit dafür, dass Software mehrfach und spontan auf Kosten aller Beteiligten gewechselt werden musste, nachdem den datenschutzrechtlich verantwortlichen Schulleitungen deren Betrieb zu heikel wurde.

Lock-in-Effekt vermeiden

Gerade große Hersteller setzen bewusst auf sogenannte Lock-In-Effekte: Nicht nur werden die Lehrenden und Lernenden an die Nutzung eines bestimmten Ökosystems gewöhnt – das System ist gleichzeitig so gestaltet, dass ein späterer Wechsel zu anderen Systemen maximal erschwert wird: Dateien können z. B. nicht gebündelt und strukturiert exportiert werden oder Funktionalitäten sind bewusst inkompatibel zu anderen Systemen implementiert.

In nachhaltige Lerninfrastruktur investieren

Die für das Distanzlernen eingeführte Software wird auch nach der Corona-Pandemie weiter eine große Rolle spielen. Schulen haben auch Vorteile im E-Learning erkannt, die im Sinne einer zeitgemäßen Bildung nicht mehr wegzudenken sind, um beispielsweise besser auf individuelle Lerngeschwindigkeiten eingehen zu können und andere neue Konzepte umzusetzen.

Umso wichtiger sind zielgruppengerechte Lösungen und nachhaltige Konzepte. Deren technische Umsetzung muss auf transparenter Software basieren und überregional vorbereitet werden. Lehrer Steffen Haschler, der sich ehrenamtlich bei Chaos macht Schule engagiert, fordert: „Wir brauchen offene Schnittstellen nicht zuletzt auch, um Lernenden und Lehrenden bei einem Schulwechsel einen einfachen Umzug ihrer Daten zu ermöglichen und neue Lernwerkzeuge einfach integrieren zu können. All dies ist mit freier Software möglich.“

Public Money? Public Code!

Software sollte an die Bedürfnisse des hiesigen Unterrichts und der deutschen Bildungspolitik anpassbar sein und nicht einen passenden Business Case des Herstellers erfordern.

Entwicklungen sollten länderübergreifend stattfinden, nicht nur um Kosten sparen. Ein solches Vorgehen eröffnet nicht nur die Möglichkeit, lokale Weiterentwicklungen überregional zu übernehmen, sondern hilft auch beim Beheben von Sicherheitslücken und anderer Softwarefehler. Darüber hinaus ermöglicht transparente Software Interessierten, diese zu verstehen, zu bewerten und zu hinterfragen.

Über viele Jahre wurde freie Software von der öffentlichen Hand vernachlässigt. Millionen an Steuergeldern wurden für Lizenzkosten für intransparente Software verwendet, statt bestehende Gemeinschaftslösungen besser zu integrieren und in der Bedienbarkeit zu vereinheitlichen. „Wenn wir uns dieser Herausforderung jetzt nicht stellen, verlieren wir perspektivisch jede Chance auf digitale Souveränität – nicht nur in der Bildung, sondern als Gesamtgesellschaft.“ stellt Steffen Haschler klar.

Infrastruktur muss dezentral betrieben werden

Die Planung der Infrastruktur sollte aus Effizienz- und Kostengründen überregional erfolgen. Die Umsetzung jedoch muss dezentral stattfinden. So lassen sich nicht nur bundes- oder landesweite Datenschutzpannen verhindern, sondern auch großflächige Ausfälle vermeiden, wenn lokale Installationen überlastet werden.

Praxiserprobte Lösungen müssen ausgebaut werden

Dass Bildung auch mit freier Software erfolgreich ist, sobald der politische Wille dies zulässt, zeigt das Beispiel des BelWü Hochschulnetzes, welches schon jahrelang betrieben wird und in kurzer Zeit von wenigen Freiwilligen um ein Videokonferenzsystem für Schulen erweitert wurde. Der cyber4EDU e.V. hat eine ähnliche Lösung für einzelne Schulen aufgebaut und anschließend das Angebot für viele hundert Berliner Schulen hochskaliert. Ähnliche Konzepte gibt es auch vielerorts in kleinerem Maßstab. „Dass jeder Schulträger seine eigenen Brötchen backen muss oder die erstbeste Tiefkühlpizza aus dem Regal nimmt, ist weder sinnvoll/gesund noch nachhaltig.“ sagt Steffen Haschler. „Aufgabe der Politik ist es jetzt, die bereits existierenden, funktionierenden Lösungen zusammenzubringen, um die digitale Souveränität zu sichern.“

Über „Chaos macht Schule

Chaos macht Schule ist eine seit 2007 bestehende Bildungsinitiative des Chaos Computer Clubs. Diese hat das Ziel, Medienkompetenz und Technikverständnis bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.

Online-Konferenz: Digitalisierung an unseren Schulen

Dirk Wiese lädt zur Online-Diskussion. (Foto: Götz Schleser)

Am 15. Februar 2021 um 18:00 Uhr lädt der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete und Fraktionsvize, Dirk Wiese, gemeinsam mit seiner Kollegin und Marja-Liisa Völlers, Mitglied im Ausschuss Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung, zum virtuellen Austausch mit dem Thema „Digitalisierung an unseren Schulen“, eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe SPD-Bundestagsfraktion im digitalen Dialog.

(Pressemitteilung SPD)

„Alle Kinder brauchen die gleichen Bildungschancen, unabhängig vom Wohnort oder Einkommen der Eltern. Dies macht gerade die aktuelle Corona-Situation mehr als deutlich. Digitale Bildung ist dabei in aller Munde. Unsere Lehrer*innen leisten beeindruckende Arbeit in diesen Zeiten. Und dies, obwohl die Digitalisierung an vielen Schulen nur bruchstückhaft umgesetzt ist. Viele Eltern balancieren gerade zwischen Home-Office und Home-Schooling“, so Wiese

Bund und Länder sollten wieder enger zusammenarbeiten, um Bildung besser zu machen:
Bundestag und Bundesrat haben dafür gesorgt, dass der Bund die Länder mit finanziellen Mitteln dabei unterstützen kann, die Digitalisierung an unseren Schulen voranzutreiben. Denn: Schüler*innen sollen überall in Deutschland gut unterrichtet werden können – unabhängig vom Wohnort oder dem Geldbeutel der Eltern.

Viele behaupten, dass die Landespolitik zur Verunsicherung in dieser Sache beiträgt. Dabei wurde mit der Abschaffung des Kooperationsverbotes der Weg frei für den Digitalpakt: Die SPD-Bundestagsfraktion hat sich in einem ersten Schritt dafür eingesetzt, dass fünf Milliarden Euro bereitgestellt werden, um die digitale Ausstattung von allgemein- und berufsbildenden Schulen in ganz Deutschland aufzuwerten – sei es beim WLAN, Schulserver, elektronischen Tafeln oder durch Tablets.

Dazu erklärt Wiese: „Im Zuge der Corona-Pandemie haben wir den Digitalpakt um weitere 1,5 Milliarden Euro aufgestockt. Damit sollen unter anderem Laptops für Schüler*innen aus einkommens-schwachen Haushalten angeschafft werden. Das erklärte Ziel der SPD-Bundestagsfraktion ist: Alle Schüler*innen sollen mit der neuesten Technik lernen und optimal auf das Leben und Arbeiten in der digitalen Welt vorbereitet werden.

Wie stellt sich die Situation aktuell in Deutschlands Regionen dar? Was kann der Bund zusätzlich auf den Weg bringen? Hierüber wollen wir informieren, ins Gespräch kommen und uns mit den Teilnehmer*innen austauschen,“ so Wiese

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Interessierte können sich bis zum 13.02.2021 anmelden unter dirk.wiese.wk@bundestag.de und erhalten die Einwahldaten dann nach Ablauf der Anmeldefrist.