JAHRBUCH für PÄDAGOGIK 2015 – Inklusion als Ideologie?

Titelseite der GE-W163 – Zeitung für alle Beschäftigten an Schulen in Gelsenkirchen und Gladbeck. (screenshot)

Seit einigen Jahren beherrscht das Thema Inklusion Land auf – Land ab die bildungspolitische Diskussion in der Gewerkschaft, in den Parteien, in den Lehrerzimmern. Kritik, die in diesen Diskussionen laut wird, richtet sich zumeist gegen die fehlenden Ressourcen.

(Unser Autor Karl-Heinz Mrosek hat den Artikel zuerst in „GE-W163 – Zeitung für alle Beschäftigten an Schulen in Gelsenkirchen und Gladbeck“ veröffentlicht.)

Da beklagen sich Kommunen, dass sie die zusätzlichen Kosten nicht schultern können, da melden sich Lehrerinnen und Lehrer zu Wort, die auf die große Belastung im Unterricht hinweisen, die sie nun zusätzlich zu leisten haben.

Dabei gerät die wissenschaftliche Diskussion zu dieser Frage in den Hintergrund. Ich hatte in unserer GEW-Zeitung zuletzt im August 2013 (dort S. 5-7) auf den Aufsatz von Professor R. Dollase „Grenzen der Inklusion“ hingewiesen.

JAHRBUCH für PÄDAGOGIK 2015

Nun fiel mir das JAHRBUCH für PÄDAGOGIK 2015 in die Hände.

Titel: Inklusion als Ideologie. Auf 351 Seiten finden wir eine Sammlung von Aufsätzen, die sich aus wissenschaftlicher Sicht kritisch mit der „Inklusionsbewegung“ auseinandersetzt.

So schreiben die Herausgeber Sven Kluge, Andrea Liesner und Edgar Weiß im Editioral:

  •  …„nichts desto weniger lässt die aktuelle Inklusionsrhetorik vermuten, dass durch sie die Umsetzung emanzipatorischer Anliegen de facto erschwert wird, …“
  •  …„die inklusionspädagogischen Konzepte weisen Widersprüche auf, die durch die offizielle Inklusionsrhetorik allenfalls vernebelt werden. Die für die Inklusionspädagogik charakteristischen Forderungen nach ‚Individualisierung‘ und ‚Heterogenitätssensibilität‘ werden vor dem Hintergrund gleichzeitiger Standardisierung und der uneingeschränkten Akzeptanz der Selektionsfunktion der Schule faktisch zur Farce.“
  •  „Die Tatsache, dass sich Inklusion hervorragend zum neoliberalen Sparmodell eignet, bzw. die Einebnung spezifischer Fördereinrichtungen und die umstandslose Überantwortung deren vormaliger Aufgaben an die Regelschulen kostensparend ist, ist geeignet, die humanitären Ansprüche der Inklusionspädagogik als fragwürdig erscheinen zu lassen.“ Die Inklusionsdebatte stilisiert die Inklusion und problematisiert sie im Sinne einer Allumfassungs-Illusion und zum vermeintlichen Wert an sich.
  •  „Die Debatte über Inklusion (würde) im Mainstream auf wenig mehr hinauslaufen, als die Einpassung in das bestehende System bis an die Grenze der Zumutbarkeit für alle Beteiligten.

Auch Karl-Heinz Dammer ist mit einem Aufsatz vertreten:

„Gegensätze ziehen sich an – Gemeinsamkeiten zwischen Inklusion und Neoliberalismus“

Einen Absatz überschreibt er mit „Das Hochamt des Individuums“.

Er spricht von der „neuen Lernkultur“ und formuliert dann wie folgt, dass dieser Erziehungsversuch – sei es schulisch oder durch flächendeckende Propaganda – Früchte trägt belegt u. a. die „Optimized-Self“-Bewegung derer, die ihren Lebenswandel in möglichst jeder Hinsicht selbst digital kontrollieren, um „optimal aufgestellt“ zu sein.

Unabhängig davon, wie bunt Inklusion ihre rhetorischen Girlanden um das Individuum flechten mag, ist sie im Rahmen „neuer Lernkultur“, vorsichtig formuliert, dazu angetan, eben dieses Individuum auf Linie zu bringen.

Sie leistet damit für die Formierung des „unternehmerischen Selbst“ mindestens genauso viel, wenn nicht mehr, als die standardisierte Kompetenzmessung, denn diese kann nur den Grad der Erfüllung bestimmter Vorgaben zu Protokoll geben, während die „neue Lernkultur“ bei der Veränderung der Individuen selbst ansetzt.

PISA dient dazu, von außen künstliche Wettbewerbe (vgl. Binswanger 2010) zu inszenieren und damit das Bildungssystem als Ganzes im Sinne neoliberaler Dauerreform zu mobilisieren, dies kann aber langfristig nur dann gelingen, wenn gleichzeitig auch die einzelnen Menschen durch Erziehung zur Selbststeuerung mobilisiert werden. Knapp gesagt: Die von Foucault vorgedachte und von Deleuze so bezeichnete „Kontrollgesellschaft “, in der Fremdbestimmung sich als Selbstbestimmung artikuliert, braucht Inklusion, was vielleicht auch erklären mag, warum ein theoretisch so schwach begründeter Begriff wie „Inklusion“ in, verglichen mit früheren Bildungsreformprozessen, atemberaubender Geschwindigkeit und Betriebsamkeit in die Praxis umgesetzt wird.

Zum Schluss noch eine Leseprobe aus dem Aufsatz von Edgar Weiß:

Inklusionsideologie und pädagogische Realität.

Vor allem aber ist es für die Inklusionspädagogik kennzeichnend, dass sie die Einsicht: „Die Gesellschaft , die Ausgrenzung bewirkt, muss selbst verändert werden, wenn denn Ausgrenzung überwunden werden soll“ (Kronauer 2010, S. 134) unbeachtet lässt.

Der Umstand, dass soziale Asymmetrien, damit immer auch Formen sozialer Exklusion, dem Kapitalismus wesensgemäß sind und dass sozialstrukturell bzw. klassen- und schichtenbedingte Ungleichheiten nicht durch inklusionspädagogische Innovationen überwunden werden, bleibt zugunsten idealistischer Appelle unreflektiert. Unreflektiert bleibt damit zugleich, dass idealistische Inklusionspädagogik mit den kapitalistischen Bedingungen nicht nur kompatibel bleibt (vgl. Dammer 2011, S. 27; Bernhard 2012, S. 344 ff .), sondern für deren Verschleierung geradezu in Dienst genommen werden kann.

Es ist kein Zufall, dass der neoliberale Kapitalismus sich die „Heterogenität als Chance“-Konjunktur im Zuge von „Management Diversity“ zunutze macht (vgl. Stroot 2007), der Bertelsmann-Konzern „Inklusion“ „zu seinem Anliegen“ erhoben hat (Bernhard 2012, S. 346) und die Vereinbarkeit der Inklusionspädagogik mit der schulischen Selektionsfunktion betont wird, die eben zum „marktwirtschaftlich-demokratischen System“ gehöre, „das in partiell hierarchische Organisationen strukturiert ist“ (Prengel 2011, S. 38).

Darauf, dass die populär gewordene Inklusionsrhetorik unter dem Anspruch der Menschenfreundlichkeit eine wenig menschenfreundlich beschaffene Realität ideologisch kaschiert, verweisen verschiedene Fakten.

Angesichts des Umstandes, dass die bestmögliche Förderung besonders Förderbedürftiger durch inklusive Schulen deren – sich faktisch keineswegs abzeichnende – bessere Ausstattung mit den erforderlichen Ressourcen erforderte, lässt sich der bildungspolitisch verfügte Inklusionszwang als Versuch begreifen, „die Austeritätspolitik im Bildungsbereich unter einem humanen Deckmantel fortzuführen“ (Bernhard 2012, S. 348).

Mithin verschleiert die inklusionskonstitutive Individualisierungs-Euphorie die Tatsache, dass sich das ihr zugrunde liegende Begriffsverständnis einer bestimmten semantischen Zurichtung bedient.

Individualisierung ist insoweit ein „widersprüchlicher Prozeß der Vergesellschaftung“, als sie nicht nur den emanzipatorischen Auf- und Ausbruch aus traditionellen Gegebenheiten bedeuten kann, sondern auch den Umstand benennt, dass Menschen heute „verstärkt auf sich selbst und ihr individuelles Arbeitsmarktschicksal mit allen Risiken, Chancen und Widersprüchen verwiesen“ sind (Beck 1986, S. 119, 116).

Individualisierung heißt insofern, dass Systemprobleme „in persönliches Versagen abgewandelt“ werden (ebd., S. 118).

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Das Buch ist erschienen bei PETER LANG, Edition. Es kostet 20,00 €, die sich lohnen. Für Studenten und Referendare besteht auch die Möglichkeit, dieses Buch beim Stadtverband Gelsenkirchen der GEW auszuleihen.
Das Jahrbuch ist erschienen bei PETER LANG, Edition. Es kostet 20,00 €, die sich lohnen. Für Studenten und Referendare besteht die Möglichkeit, das Buch beim Stadtverband Gelsenkirchen der GEW auszuleihen.

Rezension: Mehr Freude am Lernen!

Kein dicker Schinken, sondern 140 Seiten kreative Kost für Eltern. Auch für Lehrerinnen und Lehrer geeignet. (foto: zoom)

Eigentlich ist es seltsam: Geklagt wird viel über die geringe Anstrengungsbereitschaft bei einem Großteil der Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Fehlende Leistungsmotivation, kaum Lust, null Bock – Begriffe für das Phänomen gibt es massenhaft.

Bücher, die Eltern und Lehrkräften konkrete und praktikable Hilfestellungen für dieses Phänomen anbieten, existieren nur wenige. Doch jetzt ist „Mehr Freude am Lernen! So motivieren Sie Ihr Kind“ (MEDU Verlag Dreieich) erschienen. Es wurde von Detlef Träbert verfasst, einem Diplom-Pädagogen mit großer Erfahrung in der Elternarbeit.

Träbert wird einigen Leserinnen und Leser ein Begriff sein. Einige Bücher und Aphorismen von Detlef Träbert haben wir hier besprochen. Detlef Träbert ist darüber hinaus auch Autor dieses Blogs.

Seit Jahren stehe ich in regem Austausch dem Autoren vieler Ratgeber-Bücher rund um die Schule. Mir selbst hat er auch schon bei pädagogischen Fragen persönlich mit Tipps und Anregungen zur Seite gestanden.

Sprachlich klar und sehr anschaulich erklärt der Autor in seinem neuen Buch, was Leistungsmotivation ausmacht und warum es zu Motivationsproblemen kommen kann. Wichtig sind ihm die Einbeziehung der Eltern und Lehrer.

Einen großen Raum nehmen die Problem rund um die Hausaufgaben ein. Ein Thema, welches bei uns in Nordrhein-Westfalen an Ganztagsschulen, wo Hausaufgaben mehr und mehr durch schulische Lernzeiten ersetzt werden, nicht mehr die bestimmende Rolle spielen sollte.

Viele Tipps für die Gestaltung der häuslichen Lernumgebung können allerdings von Lehrerinnen und Lehrern an Schulen mit Lernzeiten kreativ auf den Unterricht umgemünzt werden.

So sind beispielsweise Leistungsmotivation, Selbstwertgefühl und Frustrationstoleranz auch in der Schule nicht zu unterschätzende Faktoren, die den täglichen Unterricht beeinflussen.

Dialoge und Situationen, die Träbert im Elternhaus beschreibt, lassen sich -hier seien die Ritualisierung der Arbeitssituation und emotionale positive Zuwendung genannt- vielfach auf Schulsituationen übertragen.

In den letzten Kapiteln des Ratgebers findet man Fragebögen zum Schulleben, zur Schulangst und zur Selbstbeobachtung, die sich mit wenigen Anpassungen auf den eigenen Schulalltag und/oder den Alltag des eigenen Kindes anpassen lassen.

Ein Teil des vierseitigen Fragebogens mit dem Motto „Wie macht Schule Spaß?“

„Kinder und Jugendliche mit Motivationsproblemen brauchen kraftvolle und lebendige Erwachsene“, heißt es am Ende des Buches. Die Lektüre weckt hoffentlich bei allen Leserinnen und Lesern frische Energie und Kreativität im Umgang mit Problemen rund um die Schule.

„Mehr Freude am Lernen!“ will dazu motivieren, unmotivierte Schulkinder nicht aufzugeben, sondern sie fantasievoll und tatkräftig zu unterstützen.

Die Chancen stehen gut.

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Detlef Träbert: Mehr Freude am Lernen! So motivieren Sie Ihr Kind, Dreieich (MEDU Verlag) 2016, 148 S., € 12,95

Ein kurzer Tag in Kassel und warum ich nicht mehr zu Thalia gehen werde.

Die Haltestelle am Rathaus in Kassel. Ich mag die Straßenbahnen sehr. (foto: zoom)

Ein Tag, an dem ich das Sauerland verlasse und irgendwohin fahre, bringt meine ganze Ordnung durcheinander. Heute war es Kassel, und da ist mir erneut und schmerzhaft einiges an der deutschen Kultur aufgefallen.

Ich hole etwas weiter aus und spreche über die Toilettenkultur. Alle müssen pinkeln, aber nur wenige reden darüber.

Auf dem ganzen Weg nach Kassel, besonders an der Autobahn, gab es keine öffentliche Toilette. An genau zwei Rastplätzen hätte ich gegen Gebühr das Wasser abschlagen (Thomas Mann) können.

An den Parkplätzen sind die Umzäunungen inzwischen so nah an den Parkstreifen gerückt, dass man/frau nicht mehr „hinter die Büsche“ kann. Ist ja auch ekelhaft und verwerflich, aber Toiletten sind dort im Gegenzug nicht vorhanden.

Exkurs: In den USA hatte ich diese Probleme nie. Jedes Geschäft, jede Raststätte, jeder öffentliche Ort hatte eine Toilette, deren Benutzung kostenlos war. Die Sauberkeit war im Vergleich zu deutschen Klos außerirdisch gut.

In jedem Geschäft, in JEDEM!!! Geschäft konnte man höflich fragen: „Excuse me, may I use your restrooms?“ und voila, kein Problem, geräumig und sauber.

Ich gebe zu, dass ich etwas gehetzt in Kassel eintraf. Mein zweites Ziel war die Thalia Buchhandlung in der Innenstadt. Café im ersten Stock. Viele Bücher und anderes Zeug.

Auf die Bücher konnte ich mich nicht konzentrieren, weil …,  ihr wisst jetzt schon. Also suchte ich die Toilette (Restrooms). Alle Türen die zum „Örtchen“ hätten führen können, waren durch Alarmriegel gesichert.

Toilette? Null!

Ich habe dann den Hipster hinter dem Tresen des Cafés gefragt: „Entschuldigung, gibt es hier eine Kundentoilette?“

„Nur für die Kunden des Cafés!“, war die Antwort. „Ich darf Sie als normaler Thalia-Kunde da nicht hinein lassen.“

Keine Kundentoilette, und die Bücher, die ich suchte, hatten sie nicht vorrätig. Soviel konnte ich noch mit zusammengekniffenen Knien herausfinden.

Dann bin ich raus aus „Thalia Kassel“, und ich verspreche NIE mehr dort einzukaufen.

Wie ich das Pinkelproblem gelöst habe -und ich habe es gelöst- geht niemanden etwas an.

Die Bücher werde ich in Siedlinghausen bei Kräling1000 bestellen.

Beim Lesen getroffen: Arbeitszombies

Geht es euch auch manchmal, öfter oder selten so, dass ihr beim Lesen eines Buches plötzlich auf eine Stelle trefft, die ohne Umweg direkt in der Magengrube wirkt?

Bei einem Abschnitt aus Juli Zehs Roman „Unterleuten“ ist mir genau das kurz vor dem Einschlafen passiert, und mir gingen die Sätze auch in den nächsten Tagen nicht aus dem Kopf.

Jetzt schreibe ich sie einfach auf:

„Die jungen Leute von heute besaßen erstaunliche Talente. Zum Beispiel ungeheure Effizienz bei vollständiger Abwesenheit von Humor. Einem wie Pilz ging es nicht mehr ums gute Leben, es ging nicht einmal um Geld. Was diese Generation antrieb, war der unbedingte Wunsch, alles richtig zu machen. Keine Fehler zu begehen und dadurch unangreifbar zu werden. Das kapitalistische System pflanzte einen Angstkern in die Seelen seiner Kinder, die sich im Laufe ihres Lebens mit immer neuen Schichten aus Leistungsbereitschaft panzerten. Heraus kamen Arbeitszombies, die keine Angst davor hatten, von einem Dorfmob aufgemischt zu werden. Was waren ein paar gebrochene Rippen gegen den Horror, die Erwartungen der Firma nicht zu erfüllen?“

In den Tagen „danach“, also nach dem Lesen, bin ich durch mein Leben gewandelt und habe die Zombies gesucht. Menschen die ihre Seelen mit Schichten von Leistungsbereitschaft panzern.

Habe ich sie gefunden? Das verrate ich nicht. Die Zeilen von Juli Zeh verfolgen mich auch heute Abend noch.

„Armes Würstchen, dachte Arne, hielt aber den Mund.“

Prosa und Dichtung. Verdichtung. Eine ganze Generation? Horror.

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Juli Zeh, Unterleuten, München 2016, Kapitel 10 „Seidel“, Lizenzausgabe Büchergilde S. 151f.

Rudolf Steiner und kein Ende? Ich quäle mich jetzt doch noch einmal in die Lektüre.

Neben mir stehen die beiden Steiner Biografien von Gebhardt und Zander. (foto: zoom)

Rudolf Steiner ist für mich seit vier Jahrzehnten erledigt. Eigentlich hat er in meinem Leben nie eine Rolle gespielt.

Wer mich immer wieder mal nervte, das waren die AnhängerInnen irgendeiner der Steiner-Lehren, die in unsrer Gesellschaft herumschwirren. Steiner hatte ich in meiner philosophischen Phase, die in der Oberstufe begann, als Spinner abgehakt. Homöopathie, Anthroposophie – lächerlich.

Wie es das Leben will, läuft man zwangsläufig den Steiner-JüngerInnen doch wieder über den Weg. Nun bin ich ein offener Mensch und habe mit Kindern Gottes, Buddhisten, Evangelikalen, Gurus, Bhagwan-Folgern, Wünschelrutengängern, Bachblütentherapeutinnen und dem ganzen Rest immer gerne diskutiert. Man lernt, aus welchen Gründen Menschen den Weg der Esoterik gehen. Engelglauben, Kräuterhexen. links- und rechtsdrehendes Wasser. Lasst mal.

Die blödesten Diskussionen gab es allerdings immer mit Steiner-Anhängern, weil es mit denen keine rationale Basis gab. Wenn sie in der Ecke stehen und du bewiesen hast, dass 1+1=2 und nicht 1+1=3 ist, sagen sie einfach:

„Du bist viel zu verkrampft und musst das erst mal an dich heran lassen. Atme die DREI. Dein Rücken ist völlig verspannt. Du bist kein schlechter Mensch, aber so wie du leidest. Das ist nicht gut für dich.“

Kein Problem hatte und habe ich damit, Artikel und Beiträge zu veröffentlichen, deren AutorInnen die Unwissenschaftlichkeit der Esoterik im Detail nachweisen.

Es sind inzwischen viele Artikel und noch mehr, teilweise sehr lange, Kommentare in diesem Blog veröffentlicht worden, die Steiner und die Waldorfpädagogik detailliert widerlegen.

Ich habe etwas gelernt, das ich vor vier Jahrzehnten noch nicht wusste. Die Steiner-Jünger sind nicht einfach nur esoterische Spinner, sie sind, zumindest in Deutschland, eine ökonomische, politische und gesellschaftliche Macht, die tief im deutschen Denken verwurzelt ist.

Ich bin beunruhigt. Mich befremdet, dass ein großer Teil meiner Mitmenschen sich von unwissenschaftlichem Hokuspokus lenken lässt. Ich befürchte, dass dies ein Einfallstor für gefährliche Verführer sein kann.

Jetzt an die Lektüre. Na ja – morgen. Heute ist es schon zu spät.

Fast eine Umleitung, aber dann doch mehr Aqua Olsberg und Theraphy?

Nach einer langen hartnäckigen Erkältung mal wieder den Zeh ins Schwimmbecken getunkt. (foto: zoom)

Wenn es das AquaOlsberg nicht gäbe, wäre ich wahrscheinlich schon längst ausgewandert. Die Tage sind trüb, feucht und kurz.

Die Touristiker und Touristen warten auf den Schnee. Der Wetterbericht verspricht für die nächsten Tage Regen. Solange bis irgendwann der echte, wahre Schnee fällt, hält sich der Kunstschnee hartnäckig auf den Pisten.

Das Olsberger Schwimmbad hat wie stets bis 21 Uhr geöffnet, die Sole und Sauna noch ein paar Stunden länger. Aber das ist ja nichts für BahnenschwimmerInnen.

Die Erkältungsviren, die mir diese Woche übel zugesetzt hatten, scheinen jedenfalls vom Bad im Chlor endgültig geschwächt worden zu sein.

Die restlichen Erreger bekämpfe ich „ohral“ mit einer Mischung aus Therapy?, Bad Religion und Faith no More. Den Haufen CDs habe ich Anfang der Woche gebraucht bei andrä in Dortmund gekauft. Nicht schlecht der Laden, der im Untergeschoss auch eine anscheinend wachsende Vinyl-Sammlung hat.

Ansonsten wälze ich mich durch die knapp 500 Seiten „Das Ende der Demokratie“ von Yvonne Hofstetter.  Im letzten Viertel angelangt, weiß ich manchmal nicht, warum das Buch so dick ist. Mir scheint, ein Essay von 80 Seiten hätte die Message „Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt“, so meine bescheidene Meinung, ebenfalls transportieren können. Jetzt aber kneife ich die Augen zusammen und fliege heute Abend und eventuell noch morgen durch die letzten 100 Seiten.

Die Funke Mediengruppe, die unsere Westfalenpost herausgibt,  hatte vor drei Jahren das Hamburger Abendblatt von Springer gekauft. Die Zeit hat in dem lesenswerten Beitrag „Silvesterübergriffe: Wie das „Hamburger Abendblatt“ mit der Wahrheit umgeht“ das Funke Blatt ganz schön gerupft.

Gleich ein bisschen Therapy? und ab ins Bett. „Das Ende der Demokratie“ liegt auf dem Nachttisch.

Telekom … Router … Firmware … Gute Nacht!

Kein DSL, kein WLAN: Abgeschlossen von der Welt. (archivfoto: zoom)
Kein DSL, kein WLAN: Abgeschlossen von der Welt. (archivfoto: zoom)
In der weiten Welt des Internet hat es in den letzten Tagen große Probleme, insbesondere bei den Telekom-Kunden, gegeben.

Wenn ich es richtig verstanden habe, waren Telekom-Router angegriffen worden, um sie einem Bot-Netz einzuverleiben. Auch wir waren anscheinend betroffen.

Siehe:

http://www.zeit.de/digital/internet/2016-11/netzstoerung-deutsche-telekom-router-mirai-botnetz

Nachdem die Verbindungen von und zu unserem WLAN-Router sich nicht gebessert hatten, sondern sich bis heute zu einem Fast-Totalausfall gesteigert hatten, bin ich dann doch mal auf die Idee gekommen, die Firmware des Routers zu aktualisieren.

Das war leider nicht trivial, weil die Router-Adresse im WLAN nicht immer ansprechbar war. Ein paar Stunden später hat es dann geklappt. Das Update war drauf, die Konfigurationsdaten waren dafür weg.

Zum Glück besitze ich einen Aktenordner, in dem sich vergilbte Zettel mit Routerdaten aus fast zwei Jahrzehnten befinden. Einige Daten und Zeichenketten sind durchgestrichen, andere mit Pfeilen verbunden. Irgendwann, ich brauche meine Zeit, fällt mir wieder ein, was der Sinn der ganzen Aktionen war.

Kurz und gut: das WLAN Symbol unten rechts am Bildschirm ist seit einer Viertelstunde stabil. Dafür bin ich jetzt labil, genervt und müde.

Mit dem Bloggen wird das heute nichts mehr.

Stattdessen werde ich lesen. Nachttisch-Lektüre. Nach der „Abwicklung“ von George Packer ist jetzt Yvonne Hofstetter mit „Das Ende der Demokratie“ an der Reihe.

Auch nicht gerade erheiternd.

Trotzdem „Gute Nacht!“

Neue Bücher für heimat- und friedensbewegte Leser/innen.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen & Freunde,

ich möchte auf zwei Neuerscheinungen der „edition leutekirche sauerland“ zur >Friedenslandschaft< hinweisen (siehe die beiden Umschlagbilder). Die beiden Titel können mit menschenfreundlichen Preisen im allgemeinen Buchhandel, am günstigsten ohne Porto im Buchgeschäft vor Ort, bestellt werden. – Das Mescheder Buch (SÜHNEKREUZ) ist in Meschede selbst auch schon vor Ort in „Evas Bücherstube“ am Bahnhof erhältlich.

Falls die Titel gefallen: Weiterempfehlen oder Verschenken, das wäre willkommen (im anderen Fall: Kritik ebenso). Wer im Internet etwas zu den Neuerscheinungen berichten möchte, kann Fotos & eine ausführlichere Vorstellung anfordern.

Mit guten Grüßen zum Advent
peter bürger

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friedensboten20161202
Bürger, Peter (Hg.): SAUERLÄNDISCHE FRIEDENSBOTEN. = Friedensarbeiter, Antifaschisten und Märtyrer des kurkölnischen Sauerlandes: Erster Band. Norderstedt: BoD 2016. [ISBN: 978-3-7431-2852-1; Paperback; 524 Seiten; € 15,99]

Dieser Band zur „Friedenslandschaft Sauerland“ erschließt über 20 Biographien von Frauen und Männern, die sich für Menschenrechte und Frieden eingesetzt haben. Die Botschaft der nahen Vorbilder lautet: „Versagt euch den völkischen Hetzern und der Kriegsmaschinerie! Sagt NEIN!“ Die Geschichten über Mut und Menschlichkeit handeln mehrheitlich von „katholischen Lebenswegen“. Der Umschlag zeigt jedoch den israelischen Friedensarbeiter Gabriel Stern (1913-1983). Er ist im Sauerland aufgewachsen, lebte ab 1936 in Israel und wurde Mitarbeiter des bedeutenden jüdischen Philosophen Martin Buber.

Das Buch vereinigt Arbeiten von Peter Bürger, Dr. Ilse Eberhardt, Karl Föster (1915-2010), Paul Lauerwald, Werner Neuhaus, Dr. Wolfgang Regeniter, Dr. Erika Richter, Werner Saure, Dr. Reinhard J. Voß (Geleitwort) und Joachim Wrede ofm cap. In mehreren Kapiteln werden außerdem historische Quellentexte dokumentiert.

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suehnekreuz20161202
Bürger, Peter / Hahnwald, Jens / Heidingsfelder, Georg D.: SÜHNEKREUZ MESCHEDE. Die Massenmorde an sowjetischen und polnischen Zwangsarbeitern im Sauerland während der Endphase des 2. Weltkrieges und die Geschichte eines schwierigen Gedenkens. Norderstedt: BoD 2016. [ISBN: 978-3-7431-0267-5; Paperback; 440 Seiten;  € 14,90]

Kurzvorstellung:
Im kurkölnischen Sauerland wurden 208 unschuldige Menschen aus „Russland“ und Polen zwischen dem 20. und 22. März 1945 von deutschen Soldaten ermordet. Die willkürlich ausgewählten Opfer dieses Kriegsendphase-Verbrechens waren weibliche und männliche Zwangsarbeiter sowie zwei Kinder. Entlang des erst Ende 1957 eröffneten Gerichtsverfahrens gegen beteiligte Täter rekonstruiert Jens Hahnwald die grausamen Ereignisse und beleuchtet Reaktionen der Nachkriegsgesellschaft.

Anders als bei den Mordschauplätzen Warstein und Suttrop wurde das dritte Massengrab nahe Eversberg erst 1947 entdeckt. Ein kath. Männerkreis richtete zum Gedenken an die Opfer des Faschismus ein hohes „Sühnekreuz“ auf. Dieses geweihte Gedenkkreuz wurde mit Axt und Feuer geschändet. Es musste aufgrund großer Feindseligkeit in der Kleinstadt Meschede für Jahrzehnte in ein geheimes Erdgrab versenkt werden. Peter Bürger zeichnet die lange Geschichte eines „schwierigen Gedenkens“ nach.

Der Dokumentarteil dieses Buches enthält den frühesten Bericht von Georg D. Heidingsfelder, Originalquellen und Zeitzeugenberichten. Ohne Kenntnis der Geschichte fehlt uns eine wichtige Orientierungshilfe zur Gestaltung von Gegenwart und Zukunft.

Rundbrief Christine-Koch-Mundartarchiv SAUERLAND

Zur PDF-Datei bitte auf das Bild klicken. (quelle: peter buerger)
Zur PDF-Datei bitte auf das Bild klicken. (quelle: peter buerger)

Sehr geehrte Damen und Herren,
laiwe Frönne – Mannsluie un Frauluie,

zum „neuen Kirchenjahr“ hier ein Rundbrief des Christine-Koch-Mundartarchivs am Museum Eslohe.

a) Im Anhang finden Sie als PDF eine Übersicht zu den in diesem Jahr erschienenen „Quellen-Büchern“ zur Sauerländischen Mundartartliteratur (Text vorab aus: Esloher Museumsnachrichten 2016): gefördert je mit 500,- € durch die Rottendorf-Stiftung (bislang 2 Bände), die Nyland-Stiftung (1 Bd.), die Carl-Toepfer-Stiftung – Hamburg (1 Bd.) und den Heimatbund Sundern (Gesamtausgabe Franz Nolte). Eine breite Weitergabe des PDF per Email oder auch die Einstellung auf Internetseiten ist sehr erwünscht.

b) Als Eigenwerbung, die mir natürlich „etwas peinlich“ ist, sei auf die Radiosendung „Sauerlandporträt“ an diesem Sonntag hingewiesen (unten nach dem Strich). Ich nehme an, dass der liebenswürdige Moderator Markus Hiegemann aus dem sehr langen und kurzweiligen Radiogespräch nicht alle widerborstigen Passagen – es ging nur nachrangig um die plattdeutsche Arbeit – herausnehmen musste.

c) Vor Weihnachten können wir alle EmpfängerInnen dieses Rundbriefes noch mit einem plattdeutschen daunlot-Beitrag aus dem Kreis Olpe überraschen, die dank Albert Stahl zustande kommt. – Bei dieser Gelegenheit wird aber angesichts der Militarisierung der Weltverhältnisse auch Werbung erfolgen für zwei aktuelle Buch-Neuerscheinungen zum Projekt „Friedenslandschaft Sauerland“, die eine Gabe von Prof. Josef Wiesehöfer (Kiel) und eine durch den Rottendorfpreis ermöglichte „Atempause“ möglich gemacht haben.

d) Hinweise auf Neuerscheinungen und plattdeutschen Initiativen in der Region sind bis dahin – und später – noch sehr erwünscht. Das neue plattdeutsche Wörterbuch für Brilon-Alme (Caspar C. Lahme; in Zusammenarbeit mit Dr. Werner Beckmann von dem uns befreundeten Mundartarchiv Sauerland) wird in der Zeitschrift Sauerland Nr. 4/2016 besprochen:

Caspar Lahme, in Zusammenarbeit mit Dr. Werner Beckmann: Plattdeutsches Wörterbuch für Alme. Brilon: Podszun Verlag 2016. [267 Seiten; fester Einband; Preis 24,90 €; ISBN 978-3-86133-832-1]

Wer die Zeitschrift nicht bezieht, kann die Rezension per Email anfordern (info@sauerlandmundart.de).

Aufgrund meiner „anti-völkischen“ – katholisch-weltkirchlich ausgerichteten – Publikationen zur Regionalgeschichte bekomme ich bisweilen sehr gehässige Rückmeldungen. Für die vielen freundlichen Zuschriften der letzten Wochen möchte ich mich umso mehr herzlich bedanken. Menschen werden ermutigt durch andere Menschen …

guettgohn

peter bürger
(christine-koch-mundartarchiv am museum eslohe)
www.sauerlandmundart.de

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RADIO AM SONNTAG
Sauerländer Köpfe: Peter Bürger

Hochsauerlandkreis / Eslohe. Er ist jüngst mit dem landesweiten Rottendorf-Preis für niederdeutsche Sprache im „Westfälischen Literaturmuseum – Haus Nottbeck“ in Oelde-Stromberg ausgezeichnet worden. Peter Bürger ist Theologe, Publizist und Mundartforscher. Er begründete das Christine-Koch-Mundartarchiv und prägt es bis heute. Grund genug für den Radio-Moderator Markus Hiegemann in der Radio-Reihe „Hiegemann unterwegs…“ diesen „Sauerländer Kopf“ zu interviewen. Während der zweistündigen Radiosendung der Hochsauerlandwelle berichtet Bürger nicht nur über sein Leben als Mundartforscher. Auch der Kreisheimatpfleger des Hochsauerlandkreises, Hans-Jürgen Friedrichs, ist mit von der Partie und kommt in der Radiosendung zu Wort. Sie geht im Bürgerfunk von Radio Sauerland am Sonntag, dem 27.11.2016 von 19 bis 21 Uhr auf Äther – und ist in Marsberg und Umgebung über die UKW-Antennen-Frequenzen 94,8, 96,2 oder 106,5 MhZ bzw. über die Kabel-Frequenz 107,4 MhZ zu hören. Alternativ und weltweit kann sie am Sonntag Abend über das Webradio von www.RadioSauerland.de mitverfolgt werden (Menü rechts oben: „Sie hören“, ab 19 Uhr).
[NACH: pressemeldung http://www.marsberger-geschichten.de/]

Umleitung: Polit-Theater Autobahn? SPD im Revier wählen? Maskulinismus an der Macht, Snowden, USB-Killer, soziale Schieflage bei der AfD und mehr …

Manchmal muss man wieder aufpumpen. Hier am Hennesee bei Meschede. (foto: zoom)
Manchmal muss man wieder aufpumpen. Hier am Hennesee bei Meschede. (foto: zoom)

Privatisierung der Autobahnen: „Das ist Polit-Theater“. Carl Waßmuth im Gespräch mit Anke Schaefer … dradiokultur

Privatisierung von Infrastruktur: Gabriel trickst bei Autobahnen … taz

Debatte: Warum es sich lohnt, die SPD im Revier zu wählen … correctivruhr

Gegenrede: Lohnt es sich WIRKLICH, im #Ruhrgebiet die .@NRWSPD @SPDde zu wählen??? Meine Antwort auf Sarah Phillip`s Meinung! … littledevil

Maskulinismus an der Macht: Mit Donald Trump hat eine Kultur des Rassismus und der Frauenverachtung gewonnen … derstandard

Soziale Schieflage bei der AfD: Die rechtspopulistische AfD holt bei Landtagswahlen überproportionale Stimmenanteile bei Arbeitern und Arbeitslosen – tatsächlich hat sie für die so genannten „kleinen Leute“ nichts zu bieten, „soziale Gerechtigkeit“ steht nicht mal im Programm … bnr

Die AfD und die „Volksfront von rechts“: In der neuen Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung stellen die beteiligten Forscher fest: Die AfD habe sich zu einem parteipolitischen Dach neurechter und rassistischer Protestmilieus entwickelt. Eine Entwicklung, die sich längst abgezeichnet hat – und die zur Bedrohung der Demokratie geworden ist … PatrickGensing

Klimakonferenz in Marrakesch: im Rausch der guten Vorsätze … gedankenwerkstatt

Bundesgerichtshof: NSA-Untersuchungsausschuss muss Snowden persönlich einladen … netzpolitik

Journalismus, Überwachung: USB Killer zerstört Geräte in Sekunden … ruhrnalist

Geschichte: Zur Diagnose und Behebung von narrativen Untugenden … publicHistory

Couragierter Einsatz für die Pressefreiheit: Kesten-Preis an türkische Journalisten … revierpassagen

Nordrhein-Westfalen: Tausende Flüchtlingskinder warten auf Unterrichtsplatz … zeitonline

Inklusion: Brilon und Olsberg verklagen Land NRW … wpbrilon

„Ein Buch zur rechten Zeit“: Historische Kommission für Westfalen des LWL vollendet Handbuch zur jüdischen Geschichte … doppelwacholder