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Die Presse ist frei. Bericht über eine Kulturausschusssitzung in Meschede.

Samstag, 4. September 2010 | Autor: zoom

WP in Meschede, die WR ist hier inzwischen abgewickelt (archiv: zoom)

WP in Meschede, die WR ist hier inzwischen abgewickelt (archiv: zoom)

Meschede. (sauerland) Die Presse ist frei,  und zwar so frei, dass sie schreiben kann, was sie will. So ungefähr argumentierte ein CDU-Mitglied in der Sitzung des Kulturausschusses am 01.09.2010 im Kreishaus in Meschede.

Der gemeinsame Antrag „Medienvielfalt/Pressefreiheit“ der Fraktion die Linke und des Kreistagsmitglieds der Sauerländer Bürgerliste (SBL), Reinhard Loos, löste erwartungsgemäß zwar eine knappe Debatte aus; aber richtig auf das Thema einlassen wollten sich Kreisverwaltung und CDU nicht. Die Verwaltung hatte ja bereits im Vorfeld der Sitzung zu einem „Kniff“ in Form einer Beschlussempfehlung gegriffen. Die Empfehlung lautete:

„Das Angebot, die Qualität und die Zukunft der Lokalmedien sind keine Angelegenheit des Hochsauerlandkreises….“ „Die Verwaltung empfiehlt daher dem Kulturausschuss und dem Kreistag, den Tagesordnungspunkt durch Geschäftsordnungsbeschluss von der Tagesordnung abzusetzen.“

Das SBL-Kreistagsmitglied Reinhard Loos war in die Sitzung des Kulturausschusses (dem er nicht angehört) gekommen, um zu erläutern, warum Qualität und Zukunft der Lokalmedien durchaus eine Angelegenheit des Hochsauerlandkreises sei. Schließlich sei der Kreis ein Medienunternehmer gemeinsam mit der WAZ, als Gesellschafter von Radio Sauerland. Er müsse sich sogar mit dem Mitgesellschafter WAZ und dessen Medienpolitik beschäftigen. Der Ausschuss sollte sich mit einer bestmöglichen Informationsversorgung befassen.

Doch da das Wohl und der Wille der Verwaltung bzw. des Landrats anscheinend oberste Priorität bei den Entscheidungen der CDU-Fraktion und ihres „Koalitionspartners“ FDP haben, kam es wie es kommen musste. CDU und FDP sahen keinerlei Informations- und Diskussionsbedarf. Mit dem Angebot und der Qualität unserer Lokalmedien scheinen sie also zufrieden zu sein.

Anders sah es die SPD-Fraktion. Ihr Sprecher meinte, es wäre interessant zu erfahren, wie die Medien sich selbst sehen. Die Grüne Fraktion hatte dazu irgendwie gar keine Meinung. Ihr Vertreter enthielt sich bei der Abstimmung. Das Ausschussmitglied der Fraktion Die Linke stimmte dann gemeinsam mit der SPD gegen die Beschlussempfehlung der Verwaltung. Die SBL konnte nicht abstimmen. Sie ist im Kulturausschuss leider nicht vertreten. Müßig ist es zu erwähnen, dass CDU und FDP dafür stimmten, den gemeinsamen Antrag der Linken und der SBL von der Tagesordnung zu kegeln. Sie haben die Mehrheit!

So werden wir wohl noch lange Zeit weiter rätseln, wieso Westfalenpost und Rundschau meinen, ihre stets schrumpfende Leserschaft sei in erster Linie an Fotos von Schützenfestkleidern, Sonnenuntergängen und Erstklässern interessiert. Aber wie sagte der Herr von der CDU so nett: „Die Presse ist frei…“!

Thema: Allgemein | Ein Kommentar

Umleitung: Medien-Tristesse, Bild saugt Leserfotos, Arnsberger RP, A40, Verwandlungen der REPs und mehr.

Sonntag, 18. Juli 2010 | Autor: zoom

Medien-Tristesse: fehlende Konkurrenz schadet … medienmoral

Bildzeitung: saugt Leserfotos … meedia

Arnsberger RP Diegel: muss er gehen? … doppelwacholder

Adam Smith: Vorlesungen mit (Zwangs-) Gebet … hpd

Fußball-WM: eine unsportliche Nachbetrachtung … nrhz

A40-Stillleben: kommt ihr auch bei uns vorbei? … ruhrbarone

Metamorphosen: aus REPs werden “Unabhängige Bürger” … NRWrechtsaußen

Thema: Kultur, Lokales, Politik, Sport, Umleitung, Wirtschaft | Beitrag kommentieren

Lesenswerter Print: “Die Qualitäts-Lüge”

Dienstag, 8. Dezember 2009 | Autor: zoom

Foto der WAZ-Zentralredaktion im "Spiegel" 50/09

Foto der WAZ-Zentralredaktion im "Spiegel" 50/09 (Printausgabe S. 106)

Auf drei lesenwerten Seiten (106-108) beschäftigen sich Markus Brauck und Isabell Hülsen im “Spiegel”  dieser Woche mit der Krise des Tageszeitungsjournalismus. Ihre These im Vorspann:

“Die Krise hat die deutschen Tageszeitungen voll erwischt. Weil die Werbung einbricht, werden die Redaktionen ausgedünnt und gleichzeitig die Preise erhöht. Doch die Leser sollen nicht merken, dass sie immer mehr für immer weniger bezahlen.”

Mir hat an dem Artikel ausgesprochen gut gefallen, dass er sich auf das Wesentliche, nämlich die gedruckten Tageszeitungen konzentriert und dadurch in der Lage ist, die Misere und Verwerfungen lokalen Zeitungsjournalismus genauer herauszuarbeiten.

In dieser Sache dankenswerterweiser wird also einmal nicht über “Online” oder “Blogger” räsoniert.

Zwei Trends machen die beiden Autoren fest:

Einerseits die Deregionalisierung des Lokalen durch News- und Contentdesks, die lokal fast beliebig verschiebbaren Inhalt produzieren sollen (“Der Leser mag den Verlust der Vielfalt nicht merken, wohl aber, dass die Zeitung nicht mehr für ihn gemacht ist” )und andererseits das  Verharren bzw. die Rückbesinnung einiger Verleger auf das echte unverfälschte  Lokalkolerit ihres Produkts (“Der Leser muss sich mit der Zeitung identifizieren können. Das setzt voraus, dass sich der Redakteur mit der Region identifiziert”).

Bezahlter Jubeljournalismus

Bezahlter Jubeljournalismus

Sehr gefreut hat es mich, dass sich Brauck und Hülsen auf zwei Spalten mit dem mir so verhassten PR-Journalismus  auseinander setzen.

Siehe dazu auch die Beiträge hier und hier im Blog, die ich vor sechs bzw. drei Wochen geschrieben hatte.

Die Spiegel-Autoren zeigen an Beispielen auf, wie die Geschäfte für PR-Agenturen, Zeitung und Auftraggeber der Agenturen laufen und alle dabei profitieren, nur nicht die Leserinnen und Leser und bestätigen über weite Strecken meine eigenen Belege und Mutmaßungen.

Wer es wirklich wissen will, sollte den Artikel selbst lesen. Empfehlenswert. Für Lokaljournalisten ein Muss.  Die WAZ kommt auch vor, wenngleich wenig ;-)

Thema: Medien | Ein Kommentar

Umleitung: Tagesschau mit Schaubildern, Ruhrgebietsbilder, Kirche, Grüne, Klima und Hertie in Meschede

Sonntag, 29. November 2009 | Autor: zoom

Tagesschau: Politik mit Schaubildern? … carta

Ruhrgebiet: Eine Reise ins Nirwana der Allgemeinplätze … endoplast

Kirchensteuer: Wer finanziert die Jesus GmbH? … jungleworld

Grüne NRW: Realos und Linke im Schmelztiegel des Pragmatismus? … ruhrbarone

Medien: Mit dem Zweiten sieht man schwärzer … spiegelfechter

Nachbarschaft: Klimaschutz aus der Frosch-Perspektive … bieseveih

Heimatzeitung: Hertie-Pleite spaltet Meschede … wpmeschede

Thema: Lokales, Medien, Politik, Religion, Umleitung, Unirdisches | Beitrag kommentieren

Umleitung: Linke in Mühlheim, Kinderrechte, Qualität im Journalismus, WAZ schreibt ab und mehr …

Samstag, 21. November 2009 | Autor: zoom

Linke I: wählen Landesliste in Mühlheim … ruhrbarone

Linke II: Radikalinskis, Linke Spinner und Fantasten? … wdr

Linke III: Wahlprogramm(pdf) … linkeprogramm

Zwanzig Jahre Kinderrechte: Geschichte eines politischen Versagens … freitag

Medien I: WAZ schreibt bei wikipedia ab … pottblog

Medien II: Warum die Qualität im Journalismus abnimmt - wer recherchiert ist ein Vollidiot … dradio

Kreistag Hochsauerland: Ein Ausschussvorsitzender auf Abwegen … sbl

Parteien im Hochsauerland: Internet Agonie - SPD-HSK - letzter Eintrag unter “Aktuelles” am 28. September 2009 … spdhsk

Aktuelles von der HSK-SPD (screenshot vom 21. November 2009)

Aktuelles von der HSK-SPD (screenshot vom 21. November 2009)

Thema: Allgemein | Beitrag kommentieren

Lokalpresse: Die Absahner - Gedanken beim Laufen.

Mittwoch, 18. November 2009 | Autor: zoom

Hier können die Gedanken schweifen. Links Neger- und rechts das Ruhrtal

Hier können die Gedanken schweifen. Links das Neger- und rechts das Ruhrtal mit Blick Richtung Olsberg (foto: zoom)

Bevor ich zu den Absahnern, den Reklamepublikationen,  komme, möchte ich kurz auf das Bild oben eingehen.

Der Bergrücken in der Mitte teilt das Negertal(links) vom Ruhrtal(rechts). Am Ende, hinter der Fichten bestandenen Kuppe fließen die beiden Gewässer in Steinhelle zusammen.

Die weißen Gebäude ganz hinten gehören zum Schulzentrum der Stadt Olsberg. Bei dem “länglichen Streifen” handelt es sich sehr wahrscheinlich um das Berufskolleg.

Der Standpunkt von dem das Foto aufgenommen wurde, liegt fast 700 Meter hoch über den Tälern. Der freie Blick wurde vom Sturm Kyrill geschaffen.

Für ein gutes Foto ist ein sehr gutes Weitwinkel-Objektiv nötig, welches mehr als 90° Blickwinkel abbilden kann, dazu entweder Morgen-oder Abendstunden mit transparenten Luft- und Lichtverhältnissen.

Mit der kleinen Exilim war einfach nicht mehr drin.

Zum Thema:

Inzwischen gibt es hier im Hochsauerland im Raum Brilon und Olsberg neben dem Sauerlandkurier und dem Briloner Anzeiger eine dritte durch Werbung finanzierte lokale Zeitung, den “Städtespiegel“.

Die “Macher” des neuen Städtespiegel haben, soweit mir bekannt, vorher beim Briloner Anzeiger gearbeitet.

Erstaunlich ist, dass in Zeiten der Medien- und insbesondere Printmedienkrise im lokalen Raum neue reklamefinanzierte Printprojekte entstehen.

Ich folgere zunächst, dass es einen Markt für diese Art von Printprodukten geben muss.

Die Eigenleistung der Herausgeber besteht zum größten Teil in der Verwertung nicht selbst produzierter Inhalte.

Wer produziert diese Inhalte?

Die Pressewarte der Vereine, die öffentlichen Einrichtungen, PR-Agenturen, private Institutionen und Einzelpersonen, sowie einige freie und bei entsprechender Größe des Reklame-Verlags feste Mitarbeiter, denn die ganzen Einzelteile müssen Woche für Woche kompiliert und publiziert werden. Sehr gerne werden auch Artikel von eigenen Leuten über Firmen und Institutionen geschrieben, wenn diese damit gekoppelt Anzeigen schalten.

Irgendwie muss man ja auch Geld verdienen. Es reicht nicht kostendeckend zu arbeiten. Gewinne müssen sein.

Wo bleibt der Journalismus?

In der Regel auf der Strecke.

Natürlich freuen sich die Mitarbeiter der Werbeblätter, wenn sie dem Platzhirschen Westfalenpost mal eins auswischen können, aber in der Regel erreichen sie nur punktuell journalistisches Niveau.

Muss die Westfalenpost diese Blätter und Blättchen dann überhaupt ernst nehmen?

Klar doch! Sie fischt nämlich selber in den Gewässern der Werbung und Reklame. Die Leserinnen und Leser bezahlen die Kosten der Zeitung nur zu einem Teil, mindestens die Hälfte wird durch Reklame finanziert. Damit hängt die Zeitung nicht nur am Tropf der Leserabos, sondern auch an der Infusion der Werbekunden.

Diese Überlegungen im Hinterkopf ist es verständlich, dass die Westfalenpost nicht über diejenigen Bereiche objektiv berichten kann, aus denen mächtige und einflußreiche Werbekunden kommen. Die können dann mit Anzeigenentzug und Abwanderung zu den Reklameblättern drohen.

Die Westfalenpost kann darüber hinaus auch nicht über Bereiche objektiv berichten, in denen die mächtigen Reklamekunden Einfluss haben. Das können Vereine sein, in denen zum Beispiel der Kunde selbst auch als Bürger seine Fäden zieht, das kann die öffentliche Verwaltung sein, deren Mitarbeiter und Repräsentanten gelegentlich mit den Werbekunden, familiär oder über die lokalen Strukturen verbunden ist.

Der einzelne Leser zählt in dieser Kosten-Nutzenrechnung nicht viel.

Hier allerdings beginnt das Problem der Bezahl-Zeitung.

Da die Redakteure aus oben genannten Gründen PR-Artikel in der Bezahl-Zeitung verarbeiten, nähert sich das Niveau dieser Zeitungen in Teilbereichen den Reklamezeitungen an.

Der normale Leser nimmt die, meiner Meinung nach noch vorhandenen, Qualitätsunterschiede nicht angemessen wahr und sagt sich: Sauerlandkurier und Westfalenpost sind beides Zeitungen und wenn ich die eine umsonst haben kann, dann kündige ich doch die andere und spare mir das Geld für die angenehmen Dinge des Lebens.

Die Gleichungen für die Konkurrenz zwischen der Abo-Zeitung Westfalenpost und den Reklameblättern lauten:

Ein schlechter Artikel bei der Westfalenpost zählt beim Leser zehnfach negativ, bei der Reklamezeitung nur einfach, denn da wird Nix erwartet.

Ein guter Artikel bei der Westfalenpost zählt maximal zweifach, denn er wird erwartet.

Ein schlechter Artikel bei der Reklamezeitung zählt höchstens einfach, denn schlechte Artikel sind die Regel.

Ein guter Artikel in der Reklamezeitung zählt hundertfach, denn es wird eigentlich die Regel plus Reklame erwartet.

Die Reklameblätter erreichen jeden Bürger im lokalen Bereich, denn sie werden jedem in den Briefkasten geworfen. Abdeckung 100%. Leser können kaum kündigen.

Abdeckung der Abo-Zeitung Westfalenpost: Abos plus Mitleser. Leser können kündigen und damit die Abdeckung und den Wert für die Werbekunden verringern.

Fazit:

Die Abo-Zeitungen stecken richtig in der Klemme. Wenn sie das Alleinstellungsmerkmal “Qualität” verlieren, gehen sie den Bach ab, was nicht weiter schlimm wäre, wenn die Zeitungen nur aus Holzprodukten bestehen würden.

Es hängen Menschen dran. Arbeitnehmer. Und Leser.

Der Ausweg aus dieser anscheinenden Zwickmühle kann nur über die journalistische Qualität gehen, sonst gehen die Leser - und die Arbeitsplätze.

Den Zeitungsbesitzern geht es derweil nicht schlecht.

Nein, sondern prächtig:

Auf den Milliardärs-Listen von Forbes finde ich neben Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch, neben Schlecker und Thurn und Taxis weiterhin auch Hubert Burda, Friede Springer, Heinz Bauer, Anneliese Brost (WAZ), drei Holtzbrincks sowie die Familie des im Oktober verstorbenen Reinhard Mohn. Wir müssen also vielleicht doch nicht sofort sammeln. weiter zu einem sehr guten Artikel

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Einbruch im Anzeigengeschäft und hohe Mietpreise: Süddeutsche Zeitung baut Stellen ab.

Freitag, 30. Oktober 2009 | Autor: zoom

Nun geht es bei meiner Frühstückszeitung den Redakteuren und Verlagsmitarbeitern zum zweiten Mal in diesem Jahr, siehe auch hier im Blog, an den Kragen(Hervorhebungen von mir):

“Der Süddeutsche Verlag (SV) reagiert auf Anzeigenkrise und Umsatzeinbrüche mit betriebsbedingten Kündigungen. Bei einer Betriebsversammlung in München kündigte Geschäftsführer Detlef Haaks am Dienstag neben weiteren Sparmaßnahmen bei den Sachkosten auch den Abbau von 30 Arbeitsplätzen in Verlagsabteilungen an; das entspricht etwa fünf Prozent der betreffenden Belegschaft” … sz

” … Es sind nicht die ersten krisenbedingten Streichungen beim traditionsreichen Süddeutschen Verlag: Nachdem das Medienhaus im März 2008 von seinem Minderheitsgesellschafter, der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH), mehrheitlich übernommen worden war, verließen rund 70 Angestellte im Frühjahr gegen eine Abfindung das Unternehmen, etwa ein Drittel davon aus der Redaktion. Insgesamt fielen 90 Stellen weg. Pürzel zufolge rechnet der Verlag in diesem Jahr mit einem Minus von acht bis zehn Millionen Euro … Weitere Ursache für die prekäre wirtschaftliche Lage sollen früheren Berichten von “Berliner Zeitung” und “Frankfurter Rundschau” zufolge die hohen Mietkosten des Redaktionsgebäudes sein. Anfang des Jahres hatte die “Süddeutsche Zeitung” einen Neubau am Stadtrand von München bezogen, der jedoch vor der Übernahme durch die SWMH verkauft worden war. spiegel

Thema: Medien | Ein Kommentar

Journalismus zwischen Meinungsmache und Moral

Montag, 26. Oktober 2009 | Autor: zoom

Westfälische Rundschau - Hochhauswerbung in Dortmund

Zeitung aus dem WAZ-Konzern: Hochhaus-Werbung in Dortmund (foto: zoom)

Ein interessanter Beitrag vom 24. Oktober in Markt und Medien(Deutschlandfunk, Hervorhebungen von mir):

Während Verlagshäuser Redaktionen eindampfen, predigen die dafür verantwortlichen Kürzungsmanager wie WAZ-Chef Bodo Hombach eine “Moral der Medien”. Während die Landesmedienanstalten beim privaten Rundfunk kaum journalistische Ansprüche durchsetzen, wollen sie diese noch belohnen mit einem Qualitätsförderbonus aus den Gebührengeldern … “Wir haben so einen Zirkel von Manipulation und rückwirkendem Bedürfnis. Die Medien haben ihr Publikum lange Zeit unterschätzt. Haben dem Publikum nicht mehr das Bessere angeboten. Und dann gewöhnt sich ein Publikum auch daran, erwartet von der Tageszeitung, der Lokalzeitung nicht mehr den kritischen, investigativen Enthüllungsbericht. Wenn ich das nicht gewöhnlicherweise geliefert bekomme, erwarte ich es nicht von der Zeitung. Und insofern hat sich das Qualitätsbewusstsein des Publikums, seine Erwartungen leider etwas zurückentwickelt. Das heißt aber nicht, dass wir das nicht revitalisieren können.” … alles lesen

Thema: Medien | 3 Kommentare

Die Not der freien Journalisten

Donnerstag, 15. Oktober 2009 | Autor: zoom

Das ZAPP-Magazin berichtete gestern abend  über das Schicksal freier Journalisten.

Zum Zähneknirschen: Das ZAPP-Magazin berichtete gestern abend über das Schicksal freier Journalisten (screenshot: zoom)

In der Sendung ZAPP des NDR wurde gestern Abend ein Beitrag von Josy Wübben über die Lebens- und Arbeitsumstände freier Journalisten gesendet:

In Deutschland bangen viele Journalisten um ihre Existenz. Auflagen und Werbeeinnahmen sinken, Titel werden eingestellt, Mitarbeiter gekündigt. Die Krise trifft die Freien Journalisten allerdings mehr als alle anderen. Sie können von ihrer Arbeit kaum noch leben. Laut einer neuen Studie des Deutschen Journalisten Verbandes müssen knapp 40 Prozent der Freien mit weniger als 1.000 Euro im Monat klarkommen. Und trotzdem bleiben sie Überzeugungstäter.

Es treten auf:

  • Ein Journalist, der nach 24 Jahren als fest angestellter Redakteur von seinem Verlag in die “Freiheit entlassen” wurde. Er schlägt sich jetzt materiell schlechter gestellt als Online-Journalist durch.
  • Ein betriebswirtschaftlich denkender Journalist, der sich und seine Arbeit auf vielen Vertriebswegen vermarktet.
  • Eine Journalistin, die mit viel Idealismus und sehr guten Artikeln sehr wenig Geld verdient.

Im Blog zur Sendung kommentiert einer der dargestellten Journalisten:

… Gleichzeitig müssen die Redaktionen mit immer weniger Angestellten immer mehr produzieren. So hat dort kaum noch jemand Zeit, sich die Themenvorschläge der „Freien“ anzusehen und darauf zu reagieren. Ich verschicke Angebote, telefoniere hinterher, erreiche die Redakteurin oder den Redakteur mit viel Glück beim 10. oder 15. Versuche um dann zu erfahren, dass er oder sie „noch keine Zeit hatte, den Themenvorschlag zu lesen“. Das geht so oft über Wochen, manchmal über Monate bis das Thema vielleicht gar nicht mehr aktuell ist. Viele Redaktionen wollen gar keine Angebote mehr, weil sie kein Budget dafür haben oder weil niemand die Zeit findet, sich mit den Vorschlägen zu beschäftigen.

Warum das alles? Das Mediengeschäft wandert ins Internet ab. Die Leute lesen, gucken und hören online. Deshalb kaufen sie immer weniger Zeitungen und Zeitschriften. Die Anzeigenkunden folgen den Leser/innen ins Netz. Aber im Internet verdienen nur sehr wenige Verlage Geld. So versuchen sie, ihre Kosten zu verringern, indem sie Redakteure entlassen und Stellen streichen. Dazu kommt der Shareholder-Value-Druck auf die Verlagsmanager. Die meisten Verlage sind an der Börse notiert. Wenn die Rendite sinkt, fällt der Aktienkurs und der Manager zittert um seinen Job. Oft reicht es schon, die Erwartungen der Anleger nicht zu erfüllen. Selbst satte Gewinne lassen die Aktienkurse sinken, weil „Anleger mehr erwartet hatten“ …

Insgesamt hat mich die Sendung ziemlich ratlos zurückgelassen. Das Elend ist geschildert, doch was sollen und können freie Journalisten tun, um mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen?

Gleichzeitig bildet das Heer der “Hartz-IV-Journalisten” ein willkommenes Drohpotential der Verleger und Geschäftsführer gegenüber ihren festangestellten Redakteuren.

Die Zukunft des Journalistenberufs scheint ungewiss und die Kräfte, die gegensteuern könnten sehe ich zur Zeit nicht.

Thema: Medien, Politik | Beitrag kommentieren

Süddeutsche Zeitung: Einbrechende Erlöse. Kündigung von Redakteuren?

Montag, 12. Oktober 2009 | Autor: zoom

Jetzt scheint es meiner Frühstückszeitung an den Kragen zu gehen.

Der Süddeutschen Zeitung(SZ) drohten harte Sparmaßnahmen, schreibt Ulrike Simon sowohl  in der Berliner Zeitung als auch in der Frankfurter Rundschau:

Wie aus dem Verlagsumfeld zu erfahren ist, soll der Herausgeberrat der Süddeutschen am Dienstag Sparmaßnahmen beschließen. Für das Wochenende danach ist eine Klausur der Führungskräfte geplant. Grund für die Maßnahmen sind die Verluste, die die SZ in diesem Jahr dem Vernehmen nach erstmals in ihrer Geschichte schreiben könnte. Von im schlimmsten Fall zehn Millionen Euro ist die Rede.

Die Redakteure der SZ müssten mit betriebsbedingten Kündigungen rechnen.

Die Ursachen für die Verluste seien vielfältig:

Zum einen sind im Zuge der Finanzkrise die Erlöse eingebrochen. Die Süddeutsche, mit 442.159 verkauften Exemplaren die führende überregionale Qualitätszeitung in Deutschland, wird 2009 erstmals höhere Vertriebs- als Anzeigenumsätze erwirtschaften. Der zweite Grund sind die hohen Mietpreise für den Anfang des Jahres bezogenen Neubau am Stadtrand Münchens. Bevor die früheren Gesellschafter des Süddeutschen Verlags 2008 ihre Anteile an die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) verkauft haben, wurde dieser Neubau veräußert. Nun muss der Verlag die Mieten zahlen und sitzt auf einem langfristigen Mietvertrag.

Sollte die Qualität der Zeitung unter den Beschlüssen von morgen und vom kommenden Wochenende leiden, würde ich das Abonnement kündigen.

Ich will es vorher gesagt haben und nicht erst im Nachhinein herummaulen.

Vorsichtshalber werde ich in den nächsten Wochen die Alternativen auf dem Zeitungsmarkt begutachten.

Thema: Medien | Beitrag kommentieren