Gefährliche Sperren an Radwegen

Umlaufsperre am Radweg in Arnsberg (alle Fotos: SBL)

Bereits ihr Name klingt gefährlich: “Umlaufsperren”. Sie stehen am Beginn und bei Kreuzungen mit Straßen diverser Radwege auch im HSK, wie unsere Bildbeispiele zeigen. Ihr offizieller Zweck ist es zu verhindern, dass Kfz auf den Radwegen fahren. Dafür sind sie aber in dieser Form nicht nötig.

(Der Artikel ist heute auf der Website der Sauerländer Bürgerliste erschienen.)

Diese engen Umlaufsperren (auch Umlaufschranken oder „Drängelgitter“ genannt) verhindern, dass Radwege mit Fahrradanhängern oder mit Lastenrädern befahren werden können. Auch für alle anderen Radfahrerinnen und Radfahrer stellen sie eine Gefahr dar, die in keinem angemessenen Verhältnis zum Zweck dieser Umlaufsperren stehen.

Beispiel Brilon

Der ADFC fordert daher, auf derartige Umlaufsperren ganz zu verzichten.

Eine Grundlage bilden die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA), die 2010 von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) herausgegeben wurden. Laut ERA ist „für die Verkehrssicherheit des Radverkehrs […] das Freihalten des lichten Raumes von grundlegender Bedeutung.“1 Die Installation von Pollern, Umlaufsperren oder ähnlichen Einbauten ist […] „nur gerechtfertigt, wenn der angestrebte Zweck mit anderen Mitteln nicht erreichbar ist und die Folgen eines Verzichtes die Nachteile für die Radverkehrssicherheit übertreffen: Poller sind unzulässig, wo Verkehrsteilnehmer gefährdet oder der Verkehr erschwert werden kann.“

Die Begründung des ADFC für seine Empfehlungen:

  • Die genannten Einbauten führen zu einer Verengung der Fahrbahn, erschweren somit die Durchfahrt der betroffenen Stelle und stören die Fahrdynamik. Durch die zusätzlich meist mangelnde Sichtbarkeit entsteht ein Gefahrenpotenzial.
  • Speziell für in Gruppen fahrende Radfahrer oder bei der Begegnung von Radfahrern und Fußgängern entsteht ein Unfallrisiko, z.B. durch Kollisionsgefahr.
  • Umlaufsperren, die im Bereich von Straßenkreuzungen installiert wurden, lenken die Aufmerksamkeit des Radfahrers vom Autoverkehr ab.
  • Umlaufschranken an Bahnübergängen beeinträchtigen das zügige Räumen des Gefahrenpunktes. Dies gilt speziell für Radfahrergruppen oder Radfahrer mit Anhängern.
  • Durch die entstandene Verengung ist eine barrierefreie Nutzung des Weges nicht gewährleistet. Verschiedene Nutzergruppen (z.B. Handbikefahrer, Radfahrer mit Gepäck oder Kinderanhänger) werden behindert oder ausgeschlossen.
Ein weiteres Beispiel aus Brilon

Der ADFC spricht sich stattdessen aus für den Einsatz von StVO-Zeichen (z.B. Verkehrsschild Nr. 260 („Verbot für Krafträder, auch mit Beiwagen, Kleinkrafträder und Mofas sowie für Kraftwagen und sonstige mehrspurige Kraftfahrzeuge“) und für bauliche (seitliche) Verengung des Radweges auf mindestens 2 m.

https://www.adfc.de/artikel/umgang-mit-pollern-und-umlaufsperren

https://www.adfc.de/fileadmin/user_upload/Expertenbereich/Touristik_und_Hotellerie/Positionspapiere/ADFC_Positionspapier_Umgang_Poller_Umlaufsperren.pdf

Als „milderes“ Mittel können ersatzweise an beiden Seiten Halbschranken errichtet werden, die eine Durchfahrbreite von ca. knapp 2 m frei lassen und daher ungeöffnet ein Befahren dieser Radwege mit Kraftfahrzeugen verhindern. Unser Beispielbild stammt aus Warnemünde:

Die „mildere“ Variante in Warnemünde

Die Bürgerliste ist bereits in den Stadträten von Arnsberg und Brilon initiativ geworden, damit diese Hindernisse beseitigt werden. Vor einigen Tagen hat der Briloner Rat den Umbau beschlossen.

Es schneit im Hochsauerland und die Lokalzeitung eskaliert.

Spaziergang zum Friedhof Siedlinghausen (foto: zoom)

Endlich hat es nach einer ungewöhnlich langen Wärmeperiode im Hochsauerland geschneit. Wir mussten den Schnee vom Bürgersteig schippen.

In den Monaten Dezember, Januar und Februar ist das hier oben nicht außergewöhnlich. Die Schneemenge habe ich ebenfalls nicht als besonders groß empfunden. Da gab es schon ganz andere Jahre.

Den Redakteur*innen der Lokalzeitung sind nach den vielen trüben Wochen die Gäule durchgegangen. Die Schlagzeilen mutierten zu Schlachtzeilen:

„Polartief über Sauerland sorgt für Schneebombe in Winterberg“ [1]

So, so – 20 cm Neuschnee rund um Winterberg sind also gleich eine Bombe. Ich bin auf die Spracheskalationen gespannt, sollte es wirklich viel schneien.

Wo eine Bombe fällt, muss es ordentlich scheppern. Endlich können die vielen Skilifte, die bisher mangels Schnee geschlossen waren, öffnen. Ach, was heißt hier öffnen:

„Zahl der geöffneten Lifte explodiert“ [2]

Vielleicht geht es in Zukunft eine Nummer kleiner.

Das Wetter heute war übrigens bombig. Beim Spaziergang mit Sonne, Schnee und blauem Himmel explodierte meine Gute Laune. Peng!

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[1] https://www.wp.de/staedte/altkreis-brilon/polartief-ueber-sauerland-sorgt-fuer-schneebombe-in-winterberg-id237411779.html

[2] https://www.wp.de/region/sauer-und-siegerland/winter-im-sauerland-zahl-der-geoeffneten-skilifte-explodiert-id237416197.html

Newsletter der Arolsen Archives: everynamecounts: 1 Woche – 30.000 Namen

Wir veröffentlichen an dieser Stelle den Aufruf der Arolsen Archives, sich an der everynamecounts (jeder Name zählt) – Challenge 2023 rund um den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar zu beteiligen. Alle Informationen befinden sich im folgenden Text und unter den weiterführenden Links.

Liebe Leserinnen und Leser,

rund um den internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, laden wir Sie herzlich ein, mit uns und vielen Freiwilligen weltweit 30.000 Häftlingskarten aus dem KZ Stutthof zu erfassen. Machen Sie mit bei unserer #everynamecounts-Challenge 2023 und bauen Sie mit am weltweit größten digitalen Denkmal für die Opfer und Überlebenden des Nationalsozialismus.

#everynamecounts: 1 Woche – 30.000 Namen

In diesem Jahr stehen bei der #everynamecounts-Challenge das KZ Stutthof und die dort geführten Häftlings-Personal-Karten im Zentrum. Anders als beispielsweise das KZ Dachau oder das KZ Auschwitz kennen heute nur Wenige das KZ Stutthof und das Schicksal der dort inhaftierten Menschen. Ende 2022 war das KZ Stutthof in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem mit dem Prozess um die 95-jährige frühere Sekretärin Irmgard F. verbunden, die wegen Beihilfe zum Mord in über 11.000 Fällen angeklagt war.

Bei #everynamecounts sollen dagegen nun die Menschen im Zentrum stehen, die im KZ Stutthof inhaftiert und ermordet wurden. Jeder erfasste Name einer Häftlings-Personal-Karte sorgt dafür, dass das Dokument im Online-Archiv der Arolsen Archives durchsuchbar ist. So erinnern wir an den Menschen und seine Geschichte.

»Viele Freiwillige erzählen uns, dass sie beim Mitmachen einen unmittelbaren Bezug zu der Person fühlen, deren Namen sie erfassen. Sie empfinden das große Unrecht und schlagen selbst die Brücke zu heute. Die Gründe für Verfolgung sind nicht Geschichte!« sagt Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives.

So können auch Sie vom 23. bis 29. Januar mitmachen: Schreiben Sie die Namen von KZ-Häftlingen von Original-Dokumenten ab. So bauen Sie mit am weltweit größten digitalen Denkmal für die Opfer und Überlebenden des Nationalsozialismus.

Um eine Karte digital zu erfassen, brauchen Sie nur wenige Minuten. Spenden Sie uns so viel Zeit wie möglich. Und bitte erzählen Sie vielen anderen von der Challenge, damit auch sie uns bei dieser wichtigen Aufgabe helfen.

Erinnern Sie aktiv an die Opfer – und setzen Sie ein Zeichen für Respekt, Vielfalt und Demokratie. Denn die Gründe für Verfolgung sind nicht Geschichte. 

Sie haben noch Fragen? Dann seien Sie am Dienstag, 24. Januar um 18 Uhr online live bei unserem Info-Event mit dabei. Melden Sie sich hier kostenfrei an.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Save the Date: Ruhrtriennale 2023
vom 10. August bis 23. September in Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen

Jahrhunderthalle Bochum bei Nacht (© Jahrhunderthalle Bochum)

Der Festivalzeitraum der Ruhrtriennale 2023 steht fest: Von Donnerstag, 10. August bis Samstag, 23. September bespielt das Festival der Künste eine Vielzahl von ehemaligen Industriemonumenten der Metropole Ruhr in den Städten Bochum, Dortmund, Duisburg und Essen.

(Pressemitteilung Ruhrtriennale)

Das jährliche Festival feiert die Kunst an den Schnittstellen von Schauspiel, Musiktheater, Konzert, Tanz, Performance, Installation, Literatur und Dialog. Die diesjährige Ruhrtriennale ist die dritte Ausgabe unter der auf drei Jahre angelegten Intendanz der Schweizer Regisseurin Barbara Frey.

Der Kartenvorverkauf startet mit der Programmveröffentlichung am Donnerstag, 27. April 2023.

Zusatzinfo:

WDR 3 strahlt am Mittwoch, 25. Januar, um 20.04 Uhr bei „WDR 3 Konzert“ mit „Vergessene Opfer“ der Duisburger Philharmoniker unter Leitung von Elena Schwarz den ersten Audio-Mitschnitt von Konzerten der vergangenen Ruhrtriennale aus.

Am Dienstag, 07. März, um 20.04 Uhr folgt mit der Ausstrahlung von „Schwerkraft und Gnade“ mit Chorwerk Ruhr und den Bochumer Symphonikern unter Leitung von Florian Helgath ein weiterer Höhepunkt der Ruhrtriennale 2022. Werke von Franz Liszt, Oliver Messiaen, Luigi Nono und Galina Ustwolskaja sind bei „Vergessene Opfer“ zu hören, bei „Schwerkraft und Gnade“ Werke von Lili Boulanger, Francis Poulenc und Igor Strawinsky.

Moin! Blick aus dem Fenster…

Ein blaustichiger Blick aus dem Fenster. Ja, es ist Schnee. (foto: zoom)

Der Winter hat sich im neuen Jahr Zeit gelassen, doch seit gestern ist er im Hochsauerland angekommen. Das Außentemperatur zeigt Minusgrade, eine dünne Wolkendecke verdeckt die Sonne.

Ich richte mich darauf ein, die Kernstadt Winterberg und alle höher gelegenen Ortsteile am Wochenende großräumig zu umfahren. Die Touristenströme werden fließen.

Wenn man nicht am Tourismus verdient, bleiben Spaziergänge in abseitigen Gebieten des Hochsauerlandes und gemütliche Lesestunden am Esszimmertisch. Ich empfehle Sarah Kendzior, They Knew, als einen möglichen Einstieg in die Gegenwartspolitik der USA. Mir hatte schon Hiding in Plain Sight sehr gut gefallen.

Cetero censo, dass der Frühling kommen möge, weil ich gerne wieder mit dem Rad unterwegs sein möchte, denn an mir ist kein Skisportler verloren gegangen.

Umleitung: Rechter Sumpf, Klimakrise, Lützerath, der 10. Todestag der Westfälischen Rundschau sowie die RSA-Verschlüsselung

Haben jetzt schon Geschichte geschrieben: Lützerath und die Klimabewegung im Oktober 2021 (archivfoto: zoom)

Moderner Opferkult der »Vertriebenen«: Das neue »Sudetendeutsche Museum« in München bietet keine Überraschungen. Eine Analyse der Exponate und ihrer Arrangements offenbart jedoch mehr als die Objektbeschreibungen … derrechterand

Wie viele SS-Männer leben noch? Irgendwann demnächst kommt der Tag, an dem der letzte SS-Scherge das zeitliche segnet und keiner wird es mitbekommen. Aber wie viele leben eigentlich aktuell noch? … schmalenstroer

Klimaleugner und Lügner: Zeit daran zu erinnern, wie der RWE-Konzern 2010 einen seiner Topmanager (Fritz Vahrenholt, damals Vorstandsvorsitzender einer RWE-Tochter) haarsträubende Klimaleugnerthesen verbreiten ließ, mit Tatsachenverdrehungen, falschen Zitaten & allen Tricks … spektrum

Der globale CO2-Anstieg: die Fakten und die Bauernfängertricks … spektrum

Klimakrise und Lützerath: Warum RWE jeden Argwohn verdient hat … spiegel

„Lützi geht!“: Die ideale Projektionsfläche für Agitation von Rechtsaußen … endstationrechts

„Die Welt schaut auf Lützerath“: Polizist:innen gehen in Lützerath gegen Demonstrierende vor, sie stecken im Schlamm fest und räumen Baumhäuser. Dank der sozialen Medien sind wir bei alledem mittendrin. Welche Rolle spielen Twitter, Instagram und Co. in diesem Konflikt? … netzpolitik

Vor zehn Jahren starb die „Rundschau“ – ohne Rettungsversuch: Beängstigend rasende Zeit: Zehn Jahre soll das schon wieder her sein, dass am 15. Januar 2013 die damalige WAZ-Gruppe (heute Funke-Mediengruppe) das faktische „Aus“ für die Westfälische Rundschau (WR) verkündet hat? … revierpassagen

IT-Security: Ist RSA gebrochen? … unkreativ

Immer mehr ältere Erwerbstätige in NRW

2021 waren in NRW etwa 260 000 Menschen im Alter von 65 bis 79 Jahren erwerbstätig. Das war etwa jede(r) Zehnte; bei Männern lag der Anteil bei
13,4 Prozent und bei Frauen bei 7,5 Prozent.

Düsseldorf (IT.NRW). Etwa jede(r) zehnte (10,2 Prozent) der 2,55 Millionen Menschen im Alter von 65 bis 79 Jahren in Nordrhein-Westfalen war im Jahr 2021 erwerbstätig. Männer waren in dieser Altersgruppe mit einem Anteil von 13,4 Prozent häufiger erwerbstätig als Frauen (7,5 Prozent).

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt auf Basis von ersten Ergebnissen des Mikrozensus mitteilt, hatte der Anteil der älteren Erwerbstätigen im Jahr 2005 bei 3,5 Prozent gelegen.

42,8 Prozent der älteren Erwerbstätigen waren im Jahr 2021 geringfügig beschäftigt. Im Jahr 2005 hatte dieser Anteil mit 44,1 Prozent noch höher gelegen. Bei den Frauen war 2021 mehr als die Hälfte (54,1 Prozent) in geringfügiger Erwerbstätigkeit; bei Männern traf dies nur auf etwa ein Drittel (35,3 Prozent) zu. Im Vergleich zum Jahr 2005 waren Frauen weniger häufig geringfügig beschäftigt (62,7 Prozent) während dieser Anteil bei Männern mit 34,8 Prozent auf ähnlichem Niveau lag.

31,5 Prozent der älteren Erwerbstätigen in NRW waren im Jahr 2021 selbstständig. Bei den 15- bis 64-jährigen Erwerbstätigen lag dieser Anteil bei 7,3 Prozent. Bei 65- bis 79-jährigen erwerbstätigen Männern war der Anteil der Selbstständigen mehr als doppelt so hoch (39,8 Prozent) wie bei den Frauen in dieser Altersgruppe (18,9 Prozent).

Die hier vorgestellten Ergebnisse basieren auf dem Mikrozensus, einer seit 1957 jährlich bei einem Prozent der Bevölkerung durchgeführten Befragung der amtlichen Statistik. Dank der Selbstauskünfte der Befragten liegen aussagekräftige statistische Daten zu den Arbeits- und Lebensverhältnissen der Bevölkerung vor. Die befragten Haushalte übernehmen mit ihren Angaben einen verantwortungsvollen Beitrag für unsere informierte demokratische Gesellschaft. Die Ergebnisse des Mikrozensus dienen als Grundlage für politische, wirtschaftliche und soziale Entscheidungen, stehen aber auch der Wissenschaft, der Presse und allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung.

Der Mikrozensus wurde 2020 methodisch neu gestaltet. Die Ergebnisse für die Jahre 2020 und 2021 sind deshalb nur eingeschränkt mit denen der Vorjahre vergleichbar.

Weitere Informationen zu diesen methodischen Änderungen und den Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf den Mikrozensus 2020 und 2021.

Auf Achse…

Hamburg: Blick von den Landungsbrücken Richtung Elbphilharmonie (foto: zoom)

Und dann stehe ich zum zweiten Mal innerhalb eines Monats an den Landungsbrücken in Hamburg. Es weht ein kalter Wind. Regen fällt schräg und die Feuchtigkeit kriecht unter die Winterjacke.

Hochzeiten, Geburtstage, Krankheiten, Familienangelegenheiten, – es gibt viele Gründe, die Enge des Hochsauerlandes zu verlassen und wieder auf Achse zu sein.

Neben allem Unangenehmen herrscht kein Fotowetter. Nur ab und zu ziehe ich ruckzuck das Smartphone zum Knipsen aus der Manteltasche.

Und der Himmel ist grau.

Der komplette Bauzaun ist voller Graffiti (foto: zoom)

Der komplette Bauzaun um das Bismark-Denkmal mit Graffiti besprüht. Spontan oder Auftragsarbeit? Keine Zeit für Antworten. Der Wind treibt uns weiter.

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen besuche ich das Museum für Hamburgische Geschichte: Eine Stadt wird bunt. Ich schaue mir diesmal besonders die tristen Bilder der frühen 1980er Jahre an.

Ausstellungsbild des St. Pauli Archivs: Marktstraße, Ecke Grabenstraße im Karolinenviertel um 1981.

War das die Stadt, in die ich zum Studieren gekommen war? An dieser Ecke habe ich gestanden und das gleiche Bild gesehen. Erstaunlich: hätte mich jemand gefragt, wie es Anfang der 80er Jahre in Hamburg ausgesehen hat, ich hätte ein anderes, schöneres Bild gezeichnet. Das Gedächtnis ist längst überformt von den Eindrücken des heutigen Hamburg.

Und dann begann die Zeit der Graffiti, der Sprayer und S-Bahn-Surfer, alles wunderbar nachzuvollziehen in der musealen Aufbereitung.

Etwa nach der Hälfte der Exponate bemerkte die Frau ganz trocken: Alles nur Jungs!?

Tatsächlich eine Leerstelle der ansonsten sehenwerten Ausstellung.

Vortrag „Krieg gegen das eigene Volk“ – „Arbeitskreis Dorfgeschichte Voßwinkel“ zu Gast im Sauerland-Museum

Unter dem Motto „Brennpunkt Heimat“ lädt das Sauerland-Museum die verschiedenen Heimatvereine aus dem Hochsauerlandkreis ein, ihre Arbeit in einer Vortragsreihe vorzustellen. In der nächsten Folge gastiert der „Arbeitskreis Dorfgeschichte Voßwinkel“ im Blauen Haus des Museums.

(Pressemitteilung HSK)

Mord und Zwangssterilisationen hat es in der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur in größeren Städten, sondern auch im ländlichen Sauerland gegeben. So auch in Arnsberg-Voßwinkel. Diese Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, die im Rahmen der „Euthanasie“ ermordet wurden oder denen durch Zwangssterilisation großes Leid zugefügt wurde, werden meistens vergessen. In vielen Familien war das auch lange Zeit ein Tabu-Thema, in manchen Familien wirkt dieses Trauma bis heute nach.

Durch die Übergabe der „Euthanasieakte“ durch Angehörige einer betroffenen Familie fanden sich Ansatzpunkte für umfangreiche Recherchen. Erstaunt waren die Mitarbeiter des Arbeitskreises, wie viele Familien im Ort von den wahnsinnigen Vorstellungen der Nazis zu „Erbgesundheit und Rassenhygiene“ betroffen waren. 

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dies führte zu einer rücksichtslosen Aushöhlung des demokratischen Systems und der diktatorischen Machtübernahme durch die NSDAP im Zuge der bereits unfreien Reichstagswahlen vom 5. März 1933 und des Ermächtigungsgesetzes vom 23. März 1933, das die verfassungsmäßig garantierten Freiheiten aufhob, führte.

Zeitlich passend zu diesem 90. Jahrestag präsentiert der Arbeitskreis seine Forschungsergebnisse im Sauerland-Museum.

Für diese umfangreiche Arbeit haben die Ehrenamtlichen aus Voßwinkel den ersten Platz beim Heimatpreis 2022 der Stadt Arnsberg belegt. Bürgermeister Ralf Paul Bittner hat die Schirmherrschaft übernommen und wird im Blauen Haus eine Einführung in das Projekt geben.

Der Vortrag findet am Dienstag, den 31. Januar 2023 um 18 Uhr im Blauen Haus des Sauerland-Museums (Alter Markt 30) statt. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen und Anmeldungen telefonisch unter 02931/94-4444, per E-Mail an sauerlandmuseum(at)hochsauerlandkreis.de oder auf der Homepage www.sauerland-museum.de

Kunst im Rathaus Hallenberg: Der Traum der Erde

Figurenfries (oben) und Gazellenjagd (unten), 2008, Öl, Papier, Leinen, je 50 x 150 cm (alle Fotos: zoom)

Am vergangenen Dienstag Abend ist im Rathaus Hallenberg Der Traum der Erde eröffnet worden. Ab nun werden dort ein Jahr lang in vielen Fluren, Stockwerken und Büros über 30 Arbeiten des Briloner Künstlers Pitt Moog ausgestellt bleiben.

Mit dem Thema Mythos und archaische Kulturen hatte sich Pitt Moog mehr als 60 Jahre beschäftigt und bis zu seinem Tod im Jahre 2017 ein vielfältiges Werk zwischen Vernunft und Naivität geschaffen.

Bürgermeister Enrico Eppner begrüßte Gäste, Sponsoren und Kuratoren der Ausstellung, sein Vorgänger Michael Kronauge, neuer Vorsitzender des Fördervereins Hallenberg, hielt den Einführungsvortrag.

Sie haben die Ausstellung möglich gemacht: Jürgen Hillebrand (SPK HSK), Michael Kronauge (Förderverein Hallenberg), Gisela Margraf (Lebensgefährtin von Pitt Moog), Peter Wagner (SPK HSK), Carsten Schlömer (Haus Hövener), Carlo Sintermann ( langjähriger Weggefährte von Pitt Moog), Enrico Eppner (Bürgermeister der Stadt Hallenberg)

Enrico Eppner und Michael Kronauge freuten sich, dass es mit der Kunst im Rathaus weitergehe. Es gebe nichts Langweiligeres als Behördenflure. Oft billige Kunstdrucke an den Wänden, gerahmte Kalenderblätter, Wappenteller, Luftbilder und Bürgermeisterfotos.

Mit den Grundthemen Mythos und dem Urgrund des Seins hatte sich Pitt Moog über 60 Jahre beschäftigt und ein Werk geschaffen, das zu einer faszinierenden Begegnung mit prähistorischen Kulturen geworden ist.

Seine Bilder sind aber nicht nur ein Blick in die Vergangenheit. Nein, gleichzeitig erscheinen seine Werke höchst aktuell und spiegeln das heutige Sein mit all den Sorgen und Ängsten, aber auch der Sehnsucht nach Freude, Liebe und Frieden wider.

Die Auserwählten, 2008, Öl, Leinen, 90 x 63 cm kann man im Büro der Stadtkasse finden.

Sie spiegeln aber auch das Leben des Künstlers Pitt Moog wider.

Schon die ersten Studienjahre prägten Pitt Moog. Er studierte von 1952 bis 1958 an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Anschließend war er als Assistent von Arnold Bode, dem Begründer der Weltausstellung Documenta, tätig und in die Vorbereitungen der Documenta I und II eingebunden.

Weitere wichtige Meilensteine seines Lebens waren die Teilnahme an der III. Bienale in Paris und Tokio und im Jahre 1964 an der Documenta III in Kassel, diesmal als Künstler.

Typische Motive in dieser Zeit waren Tiere, Herolde und Märchen- und Fantasiegestalten. Es dominieren erdige Farben in Braun- und Olivtönen, die teilweise in Wischtechnik neben- und übereinandergesetzt waren und an Höhlenmalerei erinnern.

1971 zog Pitt Moog in eine Wassermühle im Aatal nach Brilon. Er verlagerte seinen Arbeitsschwerpunkt auf Zeichnungen und Druckgrafiken. Es entstanden poppig anmutende Grafikserien in ausdrucksstarken hellen Farben. Ein Teil dieser Werkphase ist jetzt im Rathaus Hallenberg ausgestellt.

Der Blick von oben auf Besucher:innen im Foyer des Rathauses Hallenberg

Im Jahr 1973 erfolgte die Ernennung zum Professor. Bis 2003 führte er diese Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Dortmund aus.

Seine Kunst fand internationale Beachtung. So erhielt er z.B. im Jahr 1961 den Preis des Kulturkreises der deutschen Industrie und 1962 den Premio Marzotto in Rom. Viele weitere Ehrungen folgten.

In den 1980er Jahren kehrte Pitt Moog zu Malerei der früheren Jahre zurück. Die neue und letzte Werkphase verband die beiden vorangegangenen miteinander. Die Braun- und Olivtöne befanden sich jetzt im Einklang mit bunten und hellen Akzenten.

Autruche et Buffle, 1990, Öl, Papier, Leinen, 120 x 105 cm

Von 2003 bis 2012 fand das Pausia-Projekt mit wechselnden Ausstellungen seines Lebenswerkes in der Sparkasse Hochsauerland und im Rathaus Brilon statt. Mit diesem Ausstellungszyklus öffnete sich Pitt Moog den Sauerländerinnen und Sauerländern.

In dieser Zeit habe er, so Michael Kronauge, Pitt Moog kennen gelernt. Ein Künstler mit einer charismatischen Ausstrahlung und einem politischen Anspruch: „Wir haben ein paar Bierchen getrunken und natürlich über eine Ausstellung im Kump gesprochen.“

„Wenn das Projekt in Brilon abgschlossen ist, komme ich“, habe Moog versprochen.

Zu Ehren des Bierliebhabers Pitt Moog gab es zum ersten Mal keinen Sekt zum Empfang im Rathaus: Braumeister Peter Mesters kredenzte die Produkte des Brauhofs Hallenberg. Im Bild die praktischen Tragebügelflaschen.

Dazu ist es nicht mehr gekommen, denn im Jahre 2017 verstarb Pitt Moog im Alter von 85 Jahren.

Durch seine Malerei lebt er weiter. Im Jahr 2019 wurde die Dauerausstellung Paloma im Museum Haus Hövener in Brilon eröffnet, und seit diesem Dienstag gibt es die Gelegenheit, einen Querschnitt des künstlerischen Schaffens von Pitt Moog in Hallenberg zu betrachten.

Michael Kronauge: „Die Bilder passen mit ihren Farben ins Rathaus und zu den Bruchsteinwänden. Man hat das Gefühl, Pitt Moog habe sie für unser Rathaus gemalt.“

Ausstellungsdauer: 10.01.23 – 05.01.2024
Öffnungszeiten: Mo – Fr 8.30 – 12.00 Uhr
Mo 14.00 – 17.30 Uhr
Di – Do 14.00 – 15.30 Uhr

Der Eintritt ist frei

Alle ausgestellten Werke sind käuflich zu erwerben. Weitere Informationen: Peter Wagner (Kuratorenteam) +49 171 23 99 900 oder spkwagner1207@gmail.com


Anmerkung: Beim Verfassen des Blogeintrags habe ich mich stark an der Laudatio von Michael Kronauge orientiert. Die guten Formulierungen gehen auf seine Kappe, die schlechten auf meine.