Voraussetzungen, Strategien und Methoden eines gewaltfreien Widerstands

Vorliegender Beitrag analysiert, wie sich Grönland im hypothetischen Fall einer militärischen Besetzung durch die USA mit Mitteln der gewaltfreien, sozialen Verteidigung widersetzen könnte. Im Zentrum stehen nicht Fragen militärischer Abschreckung und Verteidigung, sondern eine effektive Verteidigungsstrategie, die sich der Fähigkeit und Bereitschaft zum gewaltfreien Widerstand, der Nichtkooperation mit dem Aggressor sowie Aktivitäten mit dem Ziel einer internationalen Delegitimierung des Okkupationsversuches verdankt.
(Von Egon Spiegel)
Aufbauend auf Theorien des zivilen Widerstands und historischen Fallbeispielen wird argumentiert, dass insbesondere kleine, sozial eng vernetzte Gesellschaften mit starker kultureller Identität über spezifische Vorteile für gewaltfreie Verteidigungsformen verfügen. Abschließend werden Voraussetzungen, Risiken und strategische Hindernisse dieser Verteidigungsform diskutiert.
Vorweg ist dieses noch anzumerken: Die Exemplifizierung eines Verteidigungskonzepts, das Verteidigung explizit gewaltfrei denkt, speziell am Beispiel Grönland, darf nicht als eine Art geistiger Kolonialismus verstanden werden. Über eine gewaltfreie Konfliktlösung im Rahmen einer (hypothetischen) Besetzung Grönlands nachzudenken und Resultate der Überlegungen zu publizieren, ist das Angebot eines Friedensforschers, der sich seit gut fünfzig Jahren mit Konzeptionen gewaltfreier, sozialer Verteidigung (unter anderem in einer von der Universität Freiburg i.Br. angenommen Dissertation) beschäftigt und zu seinen Grundlagen häufig publiziert hat. In Zeiten der Globalisierung und vor dem Hintergrund des „human web“ einer weltumspannenden Unity sowie einem Wissenschaftsverständnis, das essentiell durch Universalienforschung geprägt ist, schließlich als eine Stimme im Konzert unzähliger Kommentierungen der Vorgänge um Grönland versteht sich der nachfolgende Versuch und seine Veröffentlichung durchaus legitimiert. Mehr noch: er versteht sich als Ausdruck von Solidarität in der Hoffnung, dass diese nicht als unerbetene, ungewollte, ja sogar übergriffige Einmischung empfunden wird.
1. Sicherheit jenseits militärischer Logik
Traditionelle Sicherheitskonzepte definieren Verteidigung primär militärisch. Hiernach wird ein Territorium durch bewaffnete Kräfte geschützt und staatliche Souveränität durch Abschreckung gesichert. Diese Logik stößt jedoch – insbesondere – in asymmetrischen Konflikten, bei kleinen oder militärisch schwachen Gesellschaften sowie gegenüber überlegenen Großmächten an klare Grenzen. Vor diesem Hintergrund wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Konzept der gewaltfreien, sozialen Verteidigung entwickelt. Dieses begreift Verteidigung nicht als ein militärisches, sondern als ein gesellschaftliches, soziales Projekt.
Die hypothetische Annahme einer militärischen Besetzung Grönlands durch die USA – so unrealistisch sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt (12.01.2026) noch erscheinen mag – eignet sich analytisch besonders gut, um dieses Konzept auf seine Grundlagen und Praktikabilität hin zu untersuchen.
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