Kommt gut rüber! Irgendwelche Vorsätze? 2018 wird kein gutes Jahr.

Das Dolce Vita sei euch im Jahr 2018 ff. gegönnt. (foto: zoom)

Ich weiß nicht, wem ich das süße Leben wirklich gönnen soll. Das Graffito habe ich an der Wand eines Geschäfts namens „Dolce Vita“ gesehen. Es hat mir gefallen. Ich habe es fotografiert.

Leider glaube ich nicht, dass für alle Menschen das Jahr 2018 besser werden wird als 2017. Der Druck auf der Arbeit steigt. Die Schere zwischen arm und reich wird sich weiter öffnen.

Rechtsradikale und Nazis sind in den Bundestag eingezogen und saugen den Honig aus dieser Verunsicherung.

Sogenannte FakeNews werden inzwischen täglich über Twitter durch einen narzisstischen Clown an der Spitze des wichtigsten kapitalistischen Staates verbreitet.

Ein Clown, der Nebelkerzen wirft, damit sich seine Kumpane die Taschen vollmachen und die Institutionen der USA umbauen können, während sich alle über seine infantilen Tweets aufregen.

Reingefallen!

Mich beunruhigt, wie leicht eine scheinbar stabile Demokratie wie die USA aus den Angeln gehoben werden kann.

Na, ja auch in Deutschland wählen die verarschten Kälber mit der AfD ihren eigenen Schlächter.

Die AfD ist dabei keine Partei des kleinen Leute, sondern die repressive Variante des Kapitals in Zeiten der Krise.

Warnsignale hat es schon lange gegeben: Wer hat „Richter Gnadenlos“ mit seiner Schill-Partei damals groß gemacht? Das schamlose Hamburger Bürgertum.

Ich höre an dieser Stelle auf, denn morgen geht es weiter.

2018 wird kein gutes Jahr.

REWE Meschede: Hausverbot für Presse und Gewerkschafter am Heiligabend

Was ist denn nur in Meschede los? Wovor hat die Geschäftsleitung Angst? (foto: Sebastian Kipp)

Heute Morgen war ich im AquaOlsberg schwimmen. Gut, dass dort andere Sitten herrschen als beim REWE-Markt in Meschede, sonst hätte ich als bloggender Gewerkschafter vor der Tür bleiben müssen.

Trotz intensiven Nachdenkens, kann ich mir immer noch nicht vorstellen, welchen Vorteil REWE von einem Hausverbot für Presse und ver.di-Mitarbeiter im Dienst hat.

Der Tweet von Sebastian hat mich glatt umgehauen:

Kreistagssitzung: Kein neuer Haushalt, teures Gebäude in Winterberg, Resolution nach Düsseldorf

Wie erwartet, konnte der Kreishaushalt 2018 für den Hochsauerlandkreis auf der gestrigen Kreistagssitzung in Meschede nicht beschlossen werden, da alle Einwohnerinnen und Einwohner noch bis zum 03.01.2018 der Kreisverwaltung Bedenken gegen den Haushaltsentwurf mitteilen können.

(Auf ihre Website berichtet die Sauerländer Bürgerliste über wichtige Ergebnisse der Kreistagssitzung vom 15. Dezember.)

Wer überlegt seine Bedenken geltend zu machen, findet hier den kompletten Haushaltsentwurf. Hinweise dazu gibt gerne die Geschäftsstelle der SBL-Kreistagsfraktion, erreichbar unter sbl-fraktion@hochsauerlandkreis.de oder info@sbl-fraktion.de.

Am vergangenen Freitag wurden zwar sieben Haushaltsreden gehalten, aber nur einige wenige haushaltswirksame Anträge eingebracht und davon kein einziger abgestimmt.

Auch die Höhe der von den Städten und Gemeinden zu zahlenden Kreisumlage steht noch nicht fest. Alle dazu erforderlichen Anträge, Beratungen und Beschlüsse erfolgen erst in einer weiteren Sitzung des Kreistags am 12.01.2018.

Da dieser Aufschub absehbar war, hatte die SBL/FW-Kreistagsfraktion zu Beginn der Sitzung den Antrag gestellt, alle den Haushalt betreffenden Tagesordnungspunkte abzusetzen und sie in der nächsten Sitzung, also nur einmal, zu behandeln. Dieser Antrag wurde allerdings nur von der Kreistagsfraktion Die Linke unterstützt, alle anderen Fraktionen wollten nicht auf die doppelte Haushaltsberatung verzichten.

Neues Funktionsgebäude an der Winterberger Bobbahn

Gegen 7 Stimmen wurde bei einer Enthaltung mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP beschlossen, ein neues Funktionsgebäude an der Winterberger Bobbahn zu errichten. Es soll mehr als 2,4 Mio Euro kosten, mit einem Eigenanteil des HSK und der Stadt Winterberg von zusammen ca. 840 TEuro. Damit wird die gerade erst eingeleitete Entschuldung um etwa 8 1/2 Jahre verzögert – falls der Kostenrahmen eingehalten wird, sonst noch länger. Ende 2016 war die Bobbahn-Gesellschaft mit mehr als 3,1 Mio Euro verschuldet. Das Gebäude dient vor allem der Bewirtung von VIPs und Sponsoren bei den (seltenen) Großereignissen an der Bahn. Etwa alle 5 Jahre findet dort eine WM, EM oder DM statt. Sonst wird sich der 250 Personen fassende Hauptraum nur selten nutzen lassen. Ein weiterer Nachteil ist die sehr ungünstige Lage: Das “Funktionsgebäude” liegt etwa 100 Meter unterhalb des vorhandenen Gebäudes der Zielarena und auf der anderen Seite der Bahn, die man schlecht erreicht, wo bisher wenig stattfindet und von wo man eine schlechte Sicht auf die Bahn hat.

Landeszuschuss zum Sozialticket

Einen kleinen Erfolg konnte die SBL/FW-Kreistagsfraktion doch verzeichnen. Mit Unterstützung aller Kreistagsmitglieder außer der FDP wurde beschlossen, dass der Landrat im Auftrag des Kreistags einen Brief an Landesregierung und Landtag schreibt, in dem er dazu auffordert, den Landeszuschuss zum Sozialticket langfristig beizubehalten. Dieser Zuschuss beträgt auf Landesebene bisher jährlich 40 Mio Euro, von denen der HSK ca. 380 TEuro erhält. Landesweit werden damit fast 300.000 Sozialtickets für den ÖPNV unterstützt. Der Landesverkehrsminister hatte geplant, diese Finanzmittel auf den Straßenneubau umzuverteilen. Im Kreistag zögerte die CDU-Fraktion zunächst, ließ sich dann aber vom Landrat überzeugen, unser Anliegen zu unterstützen. Das wünschen wir uns häufiger.

Wichtige sozial- und arbeitsmarktpolitische Verbesserungen zum 1. Januar 2018 und warum die SPD ein Thema ist

Ich packe heute Abend zwei Meldungen bzw. Artikel zusammen. Zum einen eine Pressemitteilung der SPD und zum anderen eine kritische Anmerkung von Ulrich Horn in seinem Blog Post von Horn zur SPD.

Wichtige sozial- und arbeitsmarktpolitische Verbesserungen zum 1. Januar 2018 meldet Dirk Wiese, heimischer SPD-Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium:

„Wie jedes Jahr zum Jahreswechsel treten Regelungen, die im Rahmen eines Gesetzgebungsverfahrens vereinbart wurden, in Kraft bzw. entfalten ihre Wirkung. Nachfolgend finden sich einzelne Neuerungen aus dem Bereich der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die auf das Regierungshandeln der SPD in der zu Ende gegangenen Legislaturperiode zurückgehen“.

Einzelne Regelungen, die wir gesetzgeberisch vereinbart haben, treten nun zum 1. Januar 2018 in Kraft:
• Der Mindestlohn steigt:

Ab Januar 2018 gilt der gesetzliche Mindestlohn ausnahmslos in allen Branchen. Auch Zeitungszusteller erhalten, nachdem eine Übergangsregelung ausläuft, endlich den aktuellen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro pro Stunde.

Gleichzeitig steigt der Mindestlohn Weiterbildung für das pädagogische Personal in der beruflichen Weiterbildung um 4,5 Prozent. Pädagoginnen und Pädagogen in der beruflichen Weiterbildung haben damit ab 1. Januar 2018 Anspruch auf einen Stundenlohn von mindestens 15,26 Euro. Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich hierauf nach sieben Monaten harter Verhandlungen geeinigt.

• Zweite Reformstufe Bundesteilhabegesetzes greift – bessere Leistungen für Menschen mit Behinderungen:

Neben der Einführung eines neuen Teilhabeplanverfahrens und Verbesserungen bei den Leistungen der Frühförderung steht ab 2018 auch das „Budget für Arbeit“ zur Verfügung. Mit dem „Budget für Arbeit“ wird Menschen mit Behinderungen in einer Werkstatt der Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtert. Arbeitgeber erhalten dadurch nicht nur einen Ausgleich für eine dauerhafte Minderleistung des Beschäftigten. Es werden auch die erforderlichen Assistenzleistungen finanziert. Die neue Leistung eröffnet damit eine Alternative zur Beschäftigung in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen.

• Verbesserungen bei der betrieblichen und gesetzlichen Altersvorsorge:

Die Grundzulage der Riester-Förderung steigt von 154 Euro auf 175 Euro jährlich an. Bei Auszahlung von Kleinbetrags-Riesterrenten in einer Summe ist künftig eine günstigere Versteuerung möglich. Der Steuerpflichtige kann bestimmen, dass die Einmalzahlung um ein Jahr verschoben wird. Da er dann in der Regel Rentner ist, kann er von einem niedrigeren Steuersatz profitieren.

Ab 2018 wird durch einen Freibetrag bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung für Einkünfte aus Riester- und Betriebsrenten sichergestellt, dass die ersten 100 Euro und darüber hinaus 30% bis insgesamt zur Hälfte des Regelsatzes für einen alleinstehenden Erwachsenen anrechnungsfrei bleiben.

 

Regieren, opponieren oder beides
Warum die SPD ein Thema ist

Der Leser Dr. Pingel schrieb an Post-von-Horn: „Alle Analysen hier und die Kommentare können mir nicht erklären, wieso eine so gebeutelte Partei wie die SPD, selbst, wenn sie sich selbst gebeutelt hat, verpflichtet wird, in eine Groko zu gehen, in der sie doch schon zwei Mal gescheitert ist. Der zweite Punkt, der mich erstaunt, ist, wie schonend man mit Merkel umgeht und sich lieber auf Schulz stürzt.“ – Hier der Versuch einer Erklärung: http://post-von-horn.de/2017/12/15/warum-die-spd-ein-thema-ist/

Meine persönliche Einschätzung:

Sind 8,84 Euro pro Stunde ein Erfolg? Ich nehme meinen Rechner und überschlage für einen Monat mit durchschnittlich 20 Arbeitstagen: 8,84 * 8 * 20 = 1414,40 Euro im Monat. Und das ist BRUTTO! Ich empfinde das als traurigen Hohn. Die Riester-Rente würde ich als Sozialdemokrat bekämpfen, da sie die Rente kaputt gemacht hat. Als Sozialdemokrat eine Erhöhung der sogenannten „Grundzulage“ zu feiern, ohne Berechnung, was das für die arbeitenden Menschen bedeutet, ist verwegen.

Mir hätte bei den abstrakten Angaben des SPD-Abgeordneten ein konkretes Beispiel geholfen.

Ulrich Horn, sieht die SPD in seinem politisch-taktischem Blogbeitrag eher bei 15%. Ich zaudere noch, seinen Überlegungen zu folgen, glaube aber aus sozialpolitischen Gründen, dass die Marke durchaus gerissen werden kann.

Die Pressemitteilung der SPD ist eine Luftnummer, weil sie nicht die realen Lebensverhältnisse der Menschen am mittleren und unteren Ende der Gesellschaft beschreibt.

Umleitung: Rechtsextreme Naturschützer, Schwarz-grün in Hessen, Geheimnisse des Korans, die Suche nach dem Gral und mehr …

Blick zurück auf dem Weg zum Herkules, der heute unerreichbar blieb (foto: zoom)

Rechtsextreme Naturschützer: Die braune Szene will die Ökologie als Thema vereinnahmen … bnr

China bitten: Die neue Bahnlinie zwischen München und Berlin hat bei der Jungfernfahrt nicht funktioniert. Das ist keine Nachricht. Eine Sensation wäre es gewesen, wenn der Start der Strecke reibungslos gelaufen wäre … postvonhorn

Schwarz-grün in Hessen: will schlechtestes Informationsfreiheitsgesetz Deutschlands … netzpolitik

Selektive Wahrnehmung der Industrielobby: SIHK begrüßt Senkung der Grund- und Gewerbesteuer – in der Millionärshochburg Schalksmühle … doppelwacholder

Wider den Funktionärsgeist: Sozialdemokratien in Europa empfinden allesamt eine Art von Identitätskrise … misik

Geheimnisse des Korans: Die Rückkehr der Juden nach Israel vor dem Ende der Zeiten … scilogs

Kultur, Zivilisation und Geschichtsbewusstsein: Die Überarbeitungen des Lehrplans für Geschichte, die gegenwärtig in British Columbia (Kanada) vorgenommen werden, ersetzen unter anderem einen höheren Lehrgang über “Zivilisationen im Vergleich” durch einen, der mit “Kulturen im Vergleich” betitelt ist … publicHistory

Neues für PlanetHistory: PlanetHistory ist um ein paar weitere Geschichtsblogs gewachsen. Neu hinzugekommen sind folgende Blogs … schmalenstroer

Kunsttagebuch: Der blinde Fleck und die Kunst der Betrachtung … endoplast

Wort des Jahres 2017: Jamaika-Aus … sprachlog

Suche nach dem Gral: Peter Handke (75) und sein neues Werk “Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere” … revierpassagen

“Wichtiger Beitrag zur Mobilität”: Auf Antrag der SBL/FW-Kreistagsfraktion befassten sich in den letzten Tagen der Sozialausschuss und der Wirtschaftsausschuss des HSK mit dem Sozialticket (im HSK “MobiTicket” genannt). Es wurde im Januar 2017 (endlich) auch im HSK eingeführt, nachdem die Sauerländer Bürgerliste es in der Haushaltsdebatte 2016 erneut beantragt hatte … sbl

Die Stadt Schmallenberg verkauft ihr Kanalnetz für 20 Millionen. Win-win oder Ausverkauf mit ungewissem Ende?

Die Stadt Schmallenberg hat ihr Kanalnetz für 20 Millionen Euro an den Ruhrverband verkauft. Dieser Handel sei, so Heinz Krischer in der Welt, ein Pilotprojekt für NRW.

Bürgermeister und Ratsmehrheit sind der Meinung, dass der Verkauf der Stadt Vorteile bringen werde. Krischer beschreibt die Stimmung: „Geld, das in den nächsten Jahren ins Kanalnetz gesteckt werden müsste, könne sie nun für andere Aufgaben ausgeben.“

Der Ruhrverband hingegen könne Investitionen besser steuern und den Personaleinsatz besser auslasten.

Win-win – wie man so schön sagt.

Die Gebühren, die die Bürger künftig zahlen, werden von der Stadt Schmallenberg an den Ruhrverband weitergeleitet. Kritiker des Deals warnen: Erhöhungen seien zwar für die nächsten fünf Jahre vertraglich ausgeschlossen, aber was danach folge, wisse niemand genau.

Den Artikel in der Welt lesen:
https://www.welt.de/regionales/nrw/article171329574/Wenn-die-Provinz-einfach-ihre-Kanalisation-verkauft.html

Umleitung: Braune Gewaltstrukturen in NRW, nützliche Idiotie, erzwungener Verrat, respektlose Bürger und anständige Unternehmer

Ich habe heute das Auto stehen gelassen und bin zu Fuß nach Hause gegangen. (foto: zoom)

Braune Gewaltstrukturen in NRW: Die Neonazi-Partei „Die Rechte“ ist aus Sicht des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes ideologisch wesensverwandt mit dem Nationalsozialismus, tritt aggressiv kämpferisch auf und setzt auf Provokation und Einschüchterung … bnr

Nützliche Idiotie ist eine kluge Sache: Zum 70. Geburtstag von Elfriede Jelinek … misik

Funke-Medien sollen weniger lügen: haben damit aber noch nicht angefangen … übermedien

Wahl-O-Matismus oder Parteiprogramm-Topimierung: Die Würfel sind gefallen. Die Wahl ist getroffen. Die Stimmen verteilen sich bei der Bundestagswahl auf mehrere Parteien, sie dekonzentrieren sich. Die Würfel sind gerollt und gefallen … scilogs

Gebrochenes Leben – Durch die Gestapo erzwungener Verrat: Es gab mindestens 2.500 von den Nazis politisch und rassistisch verfolgte Harburger und Wilhelmsburger, darunter mindestens 350 Ermordete. Und 15.000 Zwangsarbeiter in den örtlichen Betrieben, die Zahl ihrer Toten unbekannt. Untrennbar damit verbunden sind Denunziationen durch politische Gegner, verhetzte Nachbarn und Kollegen, oft auch aus eigennützigen Motiven. Aber auch Verrat aus den eigenen Reihen, zumeist unter Folter erzwungen … harbuch

Bochumer Ausstellung „Umbrüche“: Wie Fotokünstler den stetigen Wandel des Ruhrgebiets gesehen haben … revierpassagen

Brothers in Arms: Es geht um dieses Bild aus dem Fundus der Europeana und die „Aufgabe“ ist ein freies Assoziieren zum Bild … schmalenstroer

Fritz Eckenga: „Frisch von der Halde“ … doppelwacholder

Respektlos? Was sollten Einwohnerinnen und Einwohner erwarten können, wenn sie sich in der Einwohnerfragestunde zu Beginn einer Kreistagssitzung zu Wort melden? Wohl kaum die krasse ablehnende Haltung, wie sie am letzten Freitag in der Kreistagssitzung zu beobachten war … sbl

Dieselaffäre und Co. – Briloner Forum: Ist die Wirtschaft besser als ihr Ruf? Beim Briloner Wirtschaftsforum bricht ein Manager eine Lanze für das deutsche Unternehmertum. Die Zahl der „Foulspieler“ sei insgesamt gering … wpBrilon

Bundestagsabgeordneter Dirk Wiese: Digitale Bildung muss auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen hohe Priorität haben – Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung gibt neue Hilfestellungen.

Dirk Wiese will kleinen und mittelständischen Unternehmen bei der Digitalisierung helfen. (foto: spd)

Meschede. (spd_pm) Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Digitale Fähigkeiten werden in nahezu allen Bereichen erforderlich. Digitale Bildung ist daher nicht nur der Schlüssel, um alle bei der Digitalisierung mitzunehmen.

(Pressemitteilung der SPD Hochsauerlandkreis)

Auch die Fachkräftesicherung hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fit für die Digitalisierung zu machen. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor dieser Herausforderung.

Das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) informiert nun kleine und mittlere Unternehmen über Möglichkeiten wie E-Learning, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fit für die Arbeitswelt von morgen zu machen.

Der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese: „Digitale Bildung muss von der Vorschule bis zur Weiterbildung im Betrieb hohe Priorität haben. Nur so können wir alle fit für die Digitalisierung machen und sicherstellen, dass wir in Zukunft genügend Fachkräfte haben.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen mit ihren jeweils sehr individuellen Anforderungen an die Weiterbildung bietet das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung nun wertvolle Hilfestellung.“

Das KOFA bietet Handlungsempfehlungen, übersichtliche Praxistipps und Selbsttests. Praxisbeispiele zeigen zu dem, welche Lösungsansätze ausgewählte KMU gewählt haben und inspirieren zum Nachmachen. Der Einstieg in die Nutzung digitaler Medien ist dabei auch schon mit geringem Ressourceneinsatz möglich. Weitere Informationen unter: https://www.kofa.de/themen-von-a-z/digitale-bildung.

Wuchergeschäfte auf der A1
GiB-Infobrief, Oktober 2017

Liebe Freundinnen und Freunde der Gemeingüter,

bei welcher Geldanlage auf der Welt gibt es eine Rendite von dreißig Prozent pro Jahr auf das eingesetzte Geld? Bei derart enormen Gewinnspannen denkt man an hoch-riskante Finanzspekulationen, an die Ausbeutung neu aufgefundener Erdölfelder oder an Waffengeschäfte. Aber auch ÖPP-Projekte gehören in diese unsympathische Reihe.

(Anmerkung: Dieser Infobrief von Gemeingut in BürgerInnenhand lag heute in meinem Briefkasten. Ich leite ihn hiermit weiter.)

Einem Bericht von „Spiegel-online“ zum A1-Debakel konnte man entnehmen, dass dreißig Prozent die durchschnittliche jährliche Gewinnerwartung in einem ÖPP-Projekt ist. Das erfolgreiche Bieter-Konsortium aus Bilfinger, John Laing und Johann Bunte spielte 2008 in seinem Angebot drei Szenarien durch: einen schlechten, einen guten und einen durchschnittlichen Verlauf des Projekts. Die Gewinne sollten aus der Maut kommen. Den Szenarien ist zu entnehmen, dass die Anleger beim durchschnittlichen Verlauf, dem sogenannten „base case“ (Basisfall), aus ihren eingesetzten 50 Millionen Euro über einen Zeitraum von 30 Jahren sage und schreibe 460 Millionen Euro machen wollten. Die acht beteiligten Banken sollten im gleichen Zeitraum ihren Einsatz von knapp 500 Millionen Euro auf immerhin rund eine Milliarde Euro verdoppeln dürfen.

Das alles war dem Verkehrsministerium bekannt. Die maßlosen Rendite-Erwartungen standen in den offiziellen Angebotsunterlagen und wurden vom Verkehrsministerium offenbar für berechtigt befunden: Es erteilte dem Konsortium auf dieser Basis den Auftrag.

Jedes der drei Szenarien prognostizierte ein wachsendes Verkehrsaufkommen. Tatsächlich aber blieb der LKW-Verkehr auf der Strecke seit 2008 noch unter der Prognose des niedrigsten Szenarios. Was in Zeiten des Klimawandels eigentlich eine positive Entwicklung ist, führt im Fall des ÖPP-Vertrags der A1 nun zu einer gerichtlichen Klage auf über 800 Millionen Euro an Nachforderungen. Was die Mautgebühren nicht eingebracht haben, soll jetzt aus Steuergeldern ausgeglichen werden.
Beim A1-Projekt wird nun vorgeführt, wer grundsätzlich die Risiken trägt – die öffentliche Hand. In ÖPP-Verträgen werden faktisch gigantische Renditen zu Null-Risiko zugesichert –  quasi eine Sparbuchvariante mit 30 Prozent. Versuchen Sie das mal bei Ihrer Bank!
Wir sind der festen Überzeugung: Mit unseren Steuern und Gebühren dürfen derartige Wuchergeschäfte nicht bezahlt werden. Nicht auf der A1 und auch in keinem anderen ÖPP-Projekt. Deshalb ist unsere Forderung: Schluss mit ÖPP!

Die ÖPP-Lobby spürt mittlerweile auch, dass ihr die Felle davon schwimmen. In Schreiben an Abgeordnete und potentielle Koalitionäre wird versucht, die A1 als Einzelfall darzustellen, um die strukturellen Probleme von ÖPP aus der öffentlichen Diskussion herauszuhalten: die Komplexität des Modells, abhängige Gutachter, die Geheimhaltung der Verträge und die generelle Unmöglichkeit einer demokratischen Steuerung zugunsten von sozialen und ökologischen Zielen. Eine gute Nachricht erreicht uns in diesem Zusammenhang aus dem englischen Mutterland von ÖPP. Dort hat die Debatte um ÖPP eine neue Wendung genommen: Die britische Labour-Partei will keine ÖPP-Verträge mehr abschließen und die bestehenden Verträge zurück unter die öffentliche Verwaltung  bringen.

Jana Mattert und Carl Waßmuth
für das Gemeingut-Team

 

PS: Mit ihrem privatisierungskritischen Programm erhielten die britischen Sozialdemokraten im Mai 40 Prozent der Stimmen – damit stellt Labour noch nicht die Regierung, dennoch  haben sie mehr Zustimmung für ihr Programm als die stärkste Fraktion aus CDU/CSU unter Angela Merkel hierzulande.

*******************************************************

PRESSESCHAU (Auswahl)

Der „SPIEGEL“ berichtet am 23. September, dass der A1-ÖPP-Autobahnbetreiber mit Ackermann-Renditen rechnete. „Das geht aus seiner Klageschrift gegen den Bund hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.“

Am 25. September ist in der englischsprachigen Presse überall vom britischen Labour-Beschluss gegen ÖPP zu lesen. Labour-Schattenkanzler John McDonnell will nicht nur mit künftigem ÖPP brechen. Auch die aktuellen Verträge sollen in die öffentliche Hand zurückgeholt werden (“Labour would bring PFI contracts ‚back in-house’”).

In vielen Presseartikeln war ab dem 20. September von einer drohenden Kostenexplosion beim Bau und Betrieb des Teilstücks der A94 von Pastetten über Dorfen bis Heldenstein zu lesen. Zuletzt war von 122 Millionen Euro Mehrkosten die Rede sowie von einer weiteren Klage. Wallstreet online berichtet am 20.09. dass die Grünen für ein Verbot privater Autobahnprojekte sind: „Es zeige sich, dass Öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) demokratisch nicht zu kontrollieren seien, sagte Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler der „Süddeutschen Zeitung“ […] Autobahnen gehörten zur öffentlichen Daseinsvorsorge und dürfen nicht in die Verfügungsgewalt renditegetriebener Firmen gelangen. Der Bundestag müsse ÖPP im Straßenbau nach der Wahl per Gesetz verbieten.“

Auf den grundsätzlichen Zusammenhang zwischen ÖPP und schwarzer Null weist Sebastian Puschner am 20. September im „Freitag“ hin: „Bröckelnde Brücken und schimmelnde Schultoiletten sind Folge einer Finanzpolitik, für die die Schwarze Null Selbstzweck ist und Investitionen zum Fremdwort geworden sind.“ Schreibt er im Beitrag „Unser Dorf soll schneller werden“.  Gemeingut in BürgerInnenhand wird mit der Kritik an Öffentlich-öffentliche Partnerschaften (ÖÖP)  zitiert. Bei dieser ÖPP-Abwandlung ändert sich kaum mehr als der Name: „Öffentlich-öffentliche Partnerschaften zementierten ebenso den Rückzug des Staates aus der Verantwortung und die Ökonomisierung der Erledigung seiner Aufgaben.“

Der deutsche Wald – Ökonomische Nutzung und ökologische Nachhaltigkeit. Teil 2: Der phantastische Aufstieg der Fichte zum Brotbaum der Forstwirtschaft und ihre Entzauberung durch menschliche Ignoranz und kurzsichtiges Renditedenken

Dunkle Fichten und das helle Grün der Buchen: hier ausnahmsweise in der Mehrzahl (foto: zoom)

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1820, hielt die forstlich attraktive Nadelbaumart Fichte bei uns im Sauerland Einzug. Dies war zugleich auch die Geburtsstunde der forstlichen Plantagenwirtschaft, die auf dem Konzept der so genannten Bodenreinertragslehre gegründet war.

(Den ersten Teil der beiden Artikel kann man hier nachlesen.)

Diese Plantagenwirtschaft hatte eine maximale Verzinsung des Bodenkapitals zum Ziel. Man wollte den Wald wie einen Acker bewirtschaften – mit Kahlschlägen und dem großflächigen Anbau nur einer einzigen Baumart. Der Altersklassenwald war entstanden.

In ihm stehen die unterschiedlich alten Bäume nicht auf einer Fläche, sondern nach Alter räumlich getrennt auf jeweils verschiedenen Flächen. Alles ganz exakt, geometrisch angeordnet und maschinell geerntet. In der Folge wurden die Flächen durch Neupflanzung wieder aufgeforstet.

Schon Heinrich Heine spottete über die Akkuratesse der Deutschen: Zitat: „In jeder Bewegung ein rechter Winkel.“

Nadelholzmonokulturen – wie vom Reißbrett – sind auch nach dem Orkan Kyrill unverändert dominant. Wieder nichts gelernt? (Foto: K. J. Knoppik)

Mit der Zeit häuften sich jedoch die Schäden durch Schnee- und Eisbruch, Sturm und Insektenfraß. Zudem verursacht der sich aus dem Altersklassenwald ergebende Kahlschlagbetrieb radikale Eingriffe in die Lebensgemeinschaften des Waldes.

Die Orkane „Vivien“ und „Wibke“, „Lothar“ und „Kyrill“ sowie verheerende Stürme in Niedersachsen bereits zu Anfang der 1970er Jahre belegen eindeutig und überall sichtbar dieses gescheiterte Waldbaukonzept. Und immer sind die Schäden dort am größten, wo die Waldbestände am wenigsten der Natur entsprechen.

Kurzsichtiges, auf schnellen Profit gerichtetes Denken zahlte sich noch nie aus. Und die Kosten für die Schäden in den labilen Kunstforsten, sog. Kalamitäten, wurden nicht etwa dem Verursacher, sondern dem Steuerzahler aufgebürdet.

Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten … (Foto: K. J. Knoppik)

Vom 18. Auf den 19.1. 2007 knickte der Orkan Kyrill auf einer Fläche von 27.300 ha den Wald in Südwestfalen um. Das entspricht 9 % der Waldfläche der Region, 49 % davon lagen im Hochsauerlandkreis. In ganz NRW betrug der Schaden etwa 15,7 Mio. Festmeter. Das entspricht dem Dreifachen des durchschnittlichen Jahreseinschlags im Land.

Der Privatwald war mit 72 % am stärksten betroffen. Kyrill hat vor allem die Fichte, neben der Waldkiefer der Brotbaum Nr. 1 der Forstleute und Waldbauern, auf riesigen Flächen wie Streichhölzer umgeworfen. Solche „Katastrophen“ haben ihren Ursprung in nicht standortangepaßten – dem kulturellen Prinzip der Nachhaltigkeit widersprechenden – Anbaumethoden.

Dabei lassen sich solche naturwidrigen Nadelholzplantagen mit relativ einfachen und kostengünstigen Maßnahmen in ökologisch hochwertige und stabile Wälder überführen. Gleichaltrige Fichtenbestände mit Wald gleichzusetzen, entbehrt jeder Grundlage, sind sie doch öde Holzproduktionsstätten, die unter dem Einfluß der globalen Erwärmung allgemein immer mehr an Boden verlieren. Das, was aus forstlicher Sicht lange Zeit als richtig erschien, muß also angesichts neuer Herausforderungen komplett neu überdacht werden. Unterdessen nimmt der Druck auf das grüne Drittel unserer Republik zu.

Der begehrte Rohstoff Holz wird knapper – und die Nutzung intensiviert. Dabei hat der Wald zahlreiche Gemeinwohlfunktionen zu erfüllen. Er dient der Bewahrung der heimischen Artenvielfalt; und gleichzeitig muß er auch gegen die Auswirkungen der globalen Erwärmung gerüstet sein. Denn nur vitale Ökosysteme sind in der Lage, den Auswirkungen der hauptsächlich vom Menschen verursachten Klimaveränderung einiges entgegenzusetzen.

Dennoch halten viele Waldbesitzer hier in NRW trotz aller Warnungen und noch so starker finanzieller Anreize zugunsten naturnaher Mischwälder an der Fichte fest. Es zeigt sich, daß man nicht einmal aus dem Orkanereignis Kyrill, geschweige denn aus den Fehlern vergangener Jahrzehnte, viel dazugelernt hat.

Die Häufung extremer Wetterlagen, wie Stürme, Trocken- und Hitzeperioden, ausbleibende Winter und Insektenkalamitäten haben im Sauerland bis heute nach meinem Eindruck zu keinem grundlegenden Umdenken geführt. Eine echte Abkehr vom Nadelholz, das sich auch in entsprechenden Zahlen widerspiegeln würde, ist nicht zu erkennen.

Im Gegenteil: Weihnachtsbaumkulturen breiten sich auf ehemaligen Kyrill-Flächen aus. Diese im Wald angesiedelten Kulturen dürfen noch bis 2028 betrieben werden, sofern sie vor 2013 angepflanzt wurden. Allerdings ist es dem seinerzeit zuständigen grünen Umweltminister Remmel zu „verdanken“, daß Weihnachtsbaumanbieter, die schon heute umweltverträglich produzieren, auch nach dem Jahr 2028 unverändert Nadelholzplantagen in Wäldern anlegen dürfen!

Hier ist Johannes Remmel nach seiner Bauchlandung mit dem NRW-Klimaschutzplan erneut als Umfaller in Erscheinung getreten. Zur Information sei noch erwähnt, daß unser häufigster Weihnachtsbaum, die Nordmanntanne in ihrem Ursprungsgebiet, den höheren Lagen des Kaukasus, durch massiven Holzeinschlag gefährdet ist!

Weihnachtsbaumkulturen haben mit naturnaher Waldwirtschaft nichts zu tun … (Foto: Knoppik)

Und zu allem Überfluß hat man festgestellt, daß im Sauerland Buchenwälder einfach in Fichtenbestände überführt werden, vermutlich immer noch. Überhöhte Reh- und Rotwildpopulationen verschärfen das Problem, indem diese mit ihrem selektiven Verbiß besonders der Edellaubhölzer eine erfolgreiche Begründung von naturnahen Wäldern verhindern. Es gibt in Deutschland zwar ungefähr 90 Milliarden Bäume. Eine Zahl von astronomischer Dimension! Bedenkt man jedoch, welche schädlichen und zerstörerischen Kräfte inclusive Umweltfaktoren auf das Waldökosystem einwirken, geht es dem Wald schnell an die Substanz und gewaltige Ausfallerscheinungen sind die Folge!

Bis heute haben trotz Förderprogrammen des Landes NRW nur wenige Waldbauern bzw. Waldbesitzer die Auswirkungen des Orkans Kyrill als Chance begriffen, eine zukunftsfähige, ökologisch notwendige und zugleich den wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung tragende Waldnutzung in Angriff zu nehmen, oder die betreffenden Flächen sinnvollerweise gleich der Natur zu überlassen. Das wäre die einzig richtige Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft, nämlich Klimaerwärmung und Erhalt der Biodiversität.

Denn auch im Privatwald muß – ebenso wie in den öffentlichen Wäldern – langfristig das 10 Prozent-Ziel gelten. Privatwaldbesitzer, die sich z. B. freiwillig für die Bewahrung alter Bäume mit Höhlen für Fledermäuse, Vögel und Käfer in ihren Wäldern engagieren, sind für ihren Einsatz angemessen zu entlohnen. Im Privatwald sind also Gemeinwohlleistungen, die über die Sozialpflichtigkeit des Eigentums hinausgehen, finanziell auszugleichen, und zwar durch Bund und Land. Zusätzlich ist ein Waldnaturschutzfonds einzurichten.

Es gilt die gute fachliche Praxis. Sie muß als Mindeststandard definiert und in sämtlichen Waldgesetzen verbindlich festgeschrieben werden. Das bedeutet: Verbot von Kahlschlägen, Biozid- bzw. Pestizideinsatz oder Einsatz gentechnisch veränderten Organismen. Lt. Richtlinien muß „die gute fachliche Praxis“ die Grundlage und Mindestanforderung für Planung, Durchführung und Bewertung von Waldnutzungsmaßnahmen bilden. Dazu zählen auch Anreize zur Umstellung auf naturnahe Waldwirtschaft, etwa durch ökologisch anspruchsvolle Zertifizierungen (FSC, Naturland).

Nadelholzplantagen breiten sich im Wald aus. Hauptsache: Sie kosten wenig und bringen viel. Aber die Rechnung geht nicht auf. (Foto: Karl J. Knoppik)

 

Naturnaher Mischwald in der Umgebung des Königssees (Foto: Karl Josef Knoppik)

Waldbauwissenschaftler und Vegetationskundler empfehlen seit langem aus ökologischen und ökonomischen Gründen als auch im Hinblick auf den Klimawandel die Nutzung sämtlicher standortheimischer Baumarten. Dabei sollte, was die Nadelhölzer betrifft, selektiv vorgegangen werden und keinesfalls wieder auf Exoten, wie die zur Invasivität neigende Douglasie zurückgegriffen werden.

Sie gedeiht sehr gut auf bodensauren, lichten und trockenwarmen Waldstandorten. Diese sind zwar forstwirtschaftlich von geringer Bedeutung, zeichnen sich aber durch einen hohen naturschutzfachlichen Wert aus. Lt. Bundesamt für Naturschutz (BfA) verjüngt sich die D. im Vergleich zu den meisten anderen heimischen Baumarten natürlich und dunkelt die oft hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten aus. Das ist der auf diesen Standorten höheren Konkurrenzkraft der Douglasie geschuldet, die dazu führt, daß indigene Pflanzen und darauf angewiesene Tierarten verdrängt werden, da sie in ihrer Anpassungsfähigkeit schlichtweg überfordert sind. Ganze Lebensgemeinschaften verändern sich auf diese Weise!

Aber auch Roteiche, Japanische Lärche, Küstentanne oder Schwarzkiefer bieten unserer heimischen Tierwelt keinen Lebensraum und weisen anbau- und krankheitsbedingte Risiken auf. Interessant ist, was sogar eine vom Hessen-Forst selbst angestellte Untersuchung gezeigt hat, daß nämlich die Douglasie für viele unserer heimischen Vogelarten wertlos ist.

Am Beispiel unserer größten Spechtart, dem Schwarzspecht, läßt sich eindrucksvoll belegen: Diese Vögel sind Schlüsselfiguren im Buchenwald, denn sie zimmern Bruthöhlen, die später von Nachmietern, u.a. Rauhfußkauz, Dohle oder Hohltaube bezogen werden.

Abgesehen davon, daß der Schwarzspecht fast immer Buchen anfliegt, erkannte der Autor der Studie: „Bemerkenswert ist, daß kein Nachweis der Nahrungssuche des Schwarzspechts in den auch im Untersuchungsgebiet vorhandenen Douglasienbeständen gelang.“

Hackspuren vom Schwarzspecht (Quelle: Naturfoto Heinz Tuschl)

Auch für andere Spechtarten ist nach den Erfahrungen des Verfassers Michael Hoffmann die Douglas-Tanne eine „zur Höhlenanlage äußerst unattraktive Baumart.“

Hinzu kommt, daß rindenbrütende „Schadinsekten“ in zunehmendem Maße auf dieser fremdländischen Baumart gesichtet werden und damit dieselben Probleme auftreten, die wir schon seit Jahrzehnten von der Fichte kennen.

Auch die immer ins Feld geführte Klimatoleranz der Douglasie, die ursprünglich an der Westküste der USA beheimatet ist, wird weit überschätzt. In Wirklichkeit geht es der Forst- und Holzlobby allein darum noch mehr Rendite aus dem Wald herauszuholen.

Nordamerikanische Douglasien und andere fremdländische Nadelbaumarten bergen erhebliche ökologische Risiken (Foto: Karl Josef Knoppik).

Nach Meinung von Experten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wie auch nach meiner eigenen Auffassung sind die standortheimischen Laubbaumarten selbst bei steigenden Temperaturen in der Lage stabile Wälder zu bilden. Sie lassen sich auch wirtschaftlich nutzen.

Bezüglich der in Frage kommenden Nadelhölzer kann die schnell wachsende Weißtanne eine entscheidende Rolle im Wald von morgen spielen. Sie ist die von Natur aus am weitesten verbreitete, ökologisch und ökonomisch wertvollste heimische Nadelbaumart. Im Wesentlichen auf Süddeutschland beschränkt, erstreckt sich ihr Vorkommen bis hinauf zum Thüringer Wald. Die Tanne wäre sehr gut für ein wärmeres Klima geeignet. Sie gedeiht auf basischen Böden ebenso wie auf sauren und verjüngt sich auf den unterschiedlichsten Humusformen – vom Mull bis zum Rohhumus. Ihre flachen, gescheitelten Nadeln enthalten mehr Blattgrün als die der Buche und 6 mal so viele Reservestoffe wie jene der Fichte.

Außerdem verträgt die Weißtanne (auch Edeltanne genannt) in ihrer Jugend anhaltende Beschattung, mehr als alle anderen Wirtschaftsbaumarten. Deshalb ist sie geradezu prädestiniert für den Aufbau ungleichaltriger, stufiger Dauerwaldstrukturen. Zudem verjüngen sich Tannen von Natur nach Ausfall von Einzelbäumen oder Trupps – also keine flächigen Katastrophen durch Sturm, Insektengradation oder Feuer. Dank ihrer großen Sturmfestigkeit konnte sie – eingebunden in ungleichaltrige Buchenumgebung – damals selbst jenem über dem Schwarzwald tobenden Orkan „Lothar“ (1999) in dessen Zentrum widerstehen.

Rückkehrer auf leisen Sohlen: Der Luchs ist in einigen Waldgebieten Deutschlands wieder heimisch geworden. Die Kehrseiten dieser erfreulichen Entwicklung: Zerschneidung seiner Lebensräume. Außerdem werden immer wieder Tiere illegal getötet oder werden Opfer des Straßenverkehrs. Effekte, die große Beutegreifer, wie Luchs oder Wolf, auf das Schalenwild, oder auch kleinere Beutegreifer ausüben, können durch Jagd nicht von Menschen ersetzt werden (Foto: Heinz Tuschl).

 

Jungtannen sind besonders verbißgefährdet (Foto: K. J. Knoppik)

Vor einigen Jahrzehnten fand man im Bayerischen und Böhmerwald Tannenexemplare bis zu einer Höhe von 60 Metern und darüber und einem Stammumfang von 3 – 5 Metern am Stock.


Weißtannen sind die mächtigsten Bäume Europas. Sie erreichen eine Höhe von bis zu 65 m. (Foto: K. J. Knoppik)

Wegen ihrer überragenden ökologischen und auch ökonomischen Bedeutung plädieren Wissenschaftler schon seit vielen Jahren dafür, den Baum des Jahres 2004 außerhalb der Tannenverbreitungsgrenze überall dort in vergleichbaren Anteilen zu beteiligen, wo nach wie vor die Fichte oder Douglasie geplant sind.

Die Wiederbegründung tannenreicher Wälder macht jedoch nur dann Sinn, wenn zuvor die Schalenwildpopulationen in einem Maße reduziert werden, daß der Tannennachwuchs verbißfrei aufwachsen kann. Hier steht die mächtige Lobby der „Grünröcke“ in der Pflicht, ihre Verantwortung für gesunde und artenreiche Wälder von hoher Ästhetik endlich wahrzunehmen.

Der Rotwildbestand muß auf ein waldverträgliches Niveau abgesenkt werden. Nur dann können artenreiche Mischwälder ungehindert aufwachsen (Foto: H. Tuschl)

Entgegen anderslautender Darstellung scheitert der Aufbau naturnaher Wälder hierzulande bis auf wenige Ausnahmen an der uneinsichtigen, auf puren Eigennutz bedachten Blockadehaltung der Jäger. Dabei wäre nach Dr. Georg Meister, einem bedeutenden Vordenker des naturnahen Waldbaus, dieses Ziel mit einfachen und relativ kostengünstigen Maßnahmen bequem zu erreichen.

Sündhaft teure Abzäunungen und weitere katastrophale Einbußen durch selektiven Wildverbiß sowie Schälschäden können wir uns nicht länger leisten. Immer noch besteht ein Großteil der bundesweit vorhandenen Waldflächen aus öden Fichten- und Kiefern-Monokulturen, die in erster Linie einer irrationalen Jagdleidenschaft geschuldet sind.

Offenbar ist von Seiten der Jäger bis heute kein echter Wille vorhanden, gemäß dem Grundsatz Wald vor Wild als unabdingbare Voraussetzung für naturnahe Wälder einen ökologisch motivierten Strategiewechsel zu vollziehen.

Festzustellen ist aber auch, daß es mittlerweile Jäger gibt, die sich ihrer Verantwortung für stabile Wälder mit reicher Artenvielfalt bewußt sind und mit der Anpassung der Schalenwildpopulationen an die Waldvegetation durch eine rigide Bejagung Ernst machen.

Das selten gewordene Haselhuhn ist auf strukturreiche Laub- und Mischwälder mit reichlich Unterholz angewiesen. Mittlerweile ist es in großen Teilen seines früheren Verbreitungsgebietes verschwunden. Verbreitungsschwerpunkt sind die Alpen, Bayerischer und Böhmerwald. (Foto: Heinz Tuschl)

 


Für Reh- und Rotwild sind die kostbaren, nährstoffreichen, wohlschmeckenden und weichen Nadeln der Tanne eine Delikatesse. (Foto: Karl Josef Knoppik)

Die Vorteile der heimischen Weißtanne als Alternative zur Fichte liegen auf der Hand. Sie kommt – ähnlich wie die Stieleiche – mit nassen, schweren Böden sehr gut zurecht und ist im Gegensatz zur Fichte nicht von Rotfäule, z. B. auf staunassen Standorten oder nach Schälschäden, betroffen. Sie gilt neben der breiten Palette einheimischer Laubholzarten als wichtiger Indikator für intakte naturnahe und natürliche Waldökosysteme und ist zudem mit ihrem tiefreichenden Herz-Pfahlwurzelsystem ein unverzichtbarer Stabilitätsfaktor in unseren Wirtschaftswäldern.

Das „Tannensterben“ Ende der 70er Jahre, das aber schon seit Beginn der Industrialisierung örtlich durch Rauchschäden auftrat, sowie spätere Kalamitäten durch Lausbefall, Tannenborkenkäfer usw. wurden gerne als Anlaß hochgespielt, um von den eigentlichen Ursachen des dramatischen landesweiten Tannenrückgangs abzulenken, nämlich Wildverbiß.

Unter dem fadenscheinigen Vorwand, die Tanne sei wegen ihrer Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen und Gefährdung durch viel zu hohe Reh- und Rotwildbestände eine „Mimose“, setzte sich der Alterklassenwald immer mehr durch, ganz im Sinne der mächtigen und einflußreichen Holz- und Jagdlobby. Denn die Fichte mit ihren spitzen, stacheligen Nadeln schmeckt dem Schalenwild nicht. Nur notgedrungen macht es sich einmal über diese Baumart her.

Weißtanne im Nordschwarzwald: Eine heimische Baumart mit guten Zukunftsaussichten in einem wärmeren Klima (Foto: Knoppik)

Doch auch der Baum des Jahres, die Fichte, hat ihre unbestreitbaren ökonomischen und ökologischen Vorzüge. Und zwar dann, wenn man sie nicht in widernatürlichen Monokulturen anpflanzt, sondern mit Augenmaß im Rahmen der naturgemäßen Waldwirtschaft, wo man vornehmlich die Naturkräfte für sich arbeiten läßt und auf standortgerechte Naturverjüngung, naturnahe Baumartenmischungen und eine schonende Aufzucht junger Bäume im Halbschatten des alten Waldes setzt. Entnommen werden nur einzelne Bäume zur optimalen Ausnutzung des Wertzuwachses alter Exemplare.

Bergfichte im Nationalpark Berchtesgaden (Foto: Karl J. Knoppik)

Daß Fichte nicht gleich Fichte ist, haben die bitteren Erfahrungen der letzten Jahrzehnte gezeigt. Dort, wo sie nämlich zum extremen Flachwurzler wird, also auf verdichteten oder staunassen Böden, fällt sie quadratkilometerweise Stürmen zum Opfer. Nicht so auf ihren natürlichen Standorten, wie im oberen Waldgürtel der Alpen oder in den Kammlagen des Bayerischen Waldes.

Hier erweist sich der „Brotbaum“ der Forstwirtschaft extremen Witterungseinflüssen gegenüber als außerordentlich stabil. Und das ist gerade dort der Fall, wo es sich um besonders sturmexponierte Lagen handelt. Die Fichte kann dort ihr Senkerwurzelsystem voll ausbilden, sie kann sich mit langen Haltewurzeln an Blöcken anbinden und in Klüften verankern. Auch haben solche stattlichen Baumindividuen, um Schneebruch so gut wie auszuschließen, spezielle Anpassungen an die rauhen Bedingungen des Hochgebirges vollzogen.

Dazu hat die Natur in einem über viele Jahrhunderte währenden Ausleseprozeß alle nicht standortgemäßen breitkronigen Fichten, die im Rahmen früherer forstlicher Nutzung eingebracht wurden, ausgemerzt, so daß daraus im Ergebnis schmalkronige Exemplare entstanden. Diese spitzkronigen Fichten, die auch am Polarkreis zu bewundern sind, bieten dem Schnee kaum eine Auflagemöglichkeit. Äste und Zweige liegen dem Stamm relativ eng an.

Solche ehrwürdigen Fichten, oder Rottannen, wie sie in der Schweiz genannt werden, gewachsen nach den Gesetzen der Natur, haben im Laufe der Zeit eine statisch belastbare, mehr kegelförmige Stammform entwickelt. Oft sind die Bäume völlig vom Schnee eingehüllt ohne zu brechen.

Darüber hinaus bietet die schmale Kronenform dem Wind nur eine geringe Angriffsfläche, wodurch auch die Windwurfgefahr deutlich herabgesetzt ist. Solche wunderbaren Baumindividuen flößen dem Betrachter Respekt ein und lassen ihn in Ehrfurcht erstarren – im Gegensatz zu den Fichtenexemplaren der Monokulturen, die – gezogen wie Zündhölzer – „meistens aus Bretterreihen bestehen, die oben mit Grün verputzt sind“, so der österreichische Schriftsteller Robert Musil.