Kormorane zum Abschuss frei

Kormoransiedlung auf der Kurischen Nehrung in Litauen (foto: joch-eren)

Gute Lobbyarbeit
Dem Sportfischerverein „Gut Wasserwaid“ für das Gewässer Möhne,
dem Anglerverein „Ruhrwellen“ für das Gewässer Ruhr,
der Fischereigenossenschaft Diemel für die Gewässer Diemel, Hoppecke und Nebenflüsse,
dem Angelsportverein „Äsche Freienohl e.V.“ für das Gewässer Ruhr und
dem Angelverein „Wennetal e.V.“ für die Gewässer Wenne und Salwey
sollen allesamt wieder Ausnahmegenehmigungen sowie „Befreiungen für den Vergrämungsabschuss“ von Kormoranen erteilt werden. So jedenfalls sieht das die Kreisverwaltung des Hochsauerlandkreises vor.

60 Vögel (und mehr?)
In der betreffenden Verwaltungsvorlage 9/1070 für den am 18.09.2018 um 14.30 Uhr öffentlich im Kreishaus in Meschede tagenden Naturschutzbeirat ist die Rede davon, dass 60 Vögel für den Vergrämungsabschuss zugelassenen werden. Die Genehmigung betrifft zunächst die Zeit vom 16.08.2018 bis zum 01.03.2019 und wird für drei Jahre befristet erteilt. Zitat: „Darüber hinaus wird für die übrige Jahreszeit der letalen Vergrämung von fünf Jungkormoranen pro Antragsteller sowie einer nicht letalen Verhinderung von Brutkolonien an den Gewässern zugestimmt.“

Neue NRW-Verordnung
Gerechtfertigt wird die Dezimierung der schützenswerten Vögel, die in Europa um 1920 schon einmal kurz vor der Ausrottung gestandenen hatten, mit der „Verordnung zum Schutz der natürlich vorkommenden Tierwelt und zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden durch Kormorane des Landes Nordrhein-Westfalen (Kormoranverordnung Nordrhein-Westfalen – Kormoran VO-NRW)“.

Abschuss auch in Naturschutzgebieten
Obwohl der Hochsauerlandkreis in Vorlage 9/1070 von dem Kormoran als eine besonders geschützte europäische Vogelart schreibt, rechtfertigt er den Abschuss der Vögel mit dem Erlass des Landes NRW und mit entsprechenden Rechtsverordnungen. Demnach ist in Ausnahmefällen der Abschuss der Vögel sogar innerhalb vor Naturschutzgebieten zulässig. Und auch den ganzjährigen Vergrämungsabschuss von Jungvögeln könne die Behörde aufgrund der Kormoranverordnung zulassen. Das Szenario geht noch weiter. Zitat: „Zudem lässt die Kormoranverordnung die nicht letale Vergrämung von Kormoranen beim Brutgeschäft vor.“

Interessenlage
Des Weiteren argumentiert der HSK mit dem öffentlichen Interesse, das immer dann vorliege, wenn die heimische Fischpopulation gefährdet sei und konkret mit dem schlechten Äschenbestand. Es sei beabsichtigt, „in Abhängigkeit von der Gewässerlänge und auch von der Gewässergröße wie bisher dem Sportfischerverein „Gut Wasserwald“ 20 Kormorane, der Fischereigenossenschaft Diemel 15 Kormorane und dem Angelverein „Wennetal e.V.“ 5 Kormorane sowie den übrigen beiden Antragstellern 10 Kormorane zum Abschuss freizugeben.“ Wegen der angeführten Gründe sei es gerechtfertigt, von dem grundsätzlichen Verbot von Vergrämungsmaßnahmen in FFH- und Naturschutzgebieten im HSK eine Ausnahme zuzulassen.

Der Preis sind 60 Vögel (und wie viele mehr?)
Zusätzlich hätten auch der Fischereiverein Meschede und der ASV Wennemen Genehmigungen / Befreiungen für die letale (letal = tödlich) Vergrämung von Kormoranen beantragt. Da diese Strecken in keinem FFH-Gebiet oder Naturschutzgebiet liegen, sei eine Ausnahmeregelung nach § 8 der Kormoranverordnung nicht mehr erforderlich.

Mehr dazu in der Verwaltungsvorlage 9/1070 des Hochsauerlandkreises.

Kritische Haltung des NABU …
Der Naturschutzbund Deutschland kritisiert die Verfolgung der gefährdeten Vogelart scharf. Er spricht von „Kormorantod auf Verordnung“.

Klick:
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/vogel-des-jahres/11609.html

Was von der Woche blieb … der Jüdische Friedhof in Winterberg sieht wieder passabel aus

Das üppige Unkraut ist weg und die Hecke ist geschnitten (foto: zoom)

Anfang August hatte ich mich hier im Blog über den Zustand des Jüdischen Friedhofs in Winterberg echauffiert. Der Buschfunk hat mir gemeldet, dass sich Lokalpolitiker über den Beitrag empört hätten. Ich könne, wenn es mich denn störe, selber mit anpacken.

Das ist ziemlich albern, denn die Lokalpolitiker sollten nicht die Überbringer der schlechten Nachricht beschimpfen, sondern dafür sorgen, dass der Mangel abgestellt wird.

Nach meinen Informationen kümmern sich Bauhof und Junge Union Winterberg um den Friedhof. Ich finde das gut, aber wenn es zuviel Arbeit sein sollte, könnten die Beteiligten überlegen, ob man das Engagement nicht verbreitern sollte.

Was ist mit dem Heimat- und Geschichtsverein? Könnten Geschichtsprojekte von Sekundarschule und Geschwister-Scholl-Gymasium nicht unterstützend tätig werden? Die anderen Parteien?

Geschichte geht uns alle an.

Was von der Woche bleibt … Schwimmen im Oversum

Halb zog es ihn, halb schwamm er hin … das Oversum mit Schwimmbad in Winterberg (foto: zoom)

Das Bloggen wäre so schön, wenn man nicht „nebenbei“ noch sein Geld mit dem bürgerlichen Brotberuf verdienen müsste.

Als Entspannung von der Arbeit habe ich mir neben dem Radfahren das Schwimmen erwählt: 1000 Meter im Wasser hin und her und der Kopf ist wieder frei. Neustart.

Leider haben sich im Aqua Olsberg seit zehn Jahren die Bausünden durch das Gebäude gezogen. Jetzt wird die Anlage grundsaniert und der Schwimmbereich bleibt bis voraussichtlich Ende Oktober geschlossen.

Das große Plus des Aqua Olsberg ist das von Frühjahr bis Herbst geöffnete Freibadbecken. Ist natürlich jetzt auch zu. 🙁

Daher fahre ich jetzt immer öfter direkt nach der Arbeit von Olsberg nach Winterberg und tauche ins 25-Meter Becken des Oversum  ein. Der Eintritt kostet mich als Winterberger Bürger am Nachmittag 4 Euro. Das sind zwar mehr als die 2,20 Euro, die ich mit meinem 50er-Chip im Aqua bezahle, aber wer hat eigentlich noch ein leicht zugängliches Schwimmbad in seiner Gemeinde?

Die Winterberger Halle gefällt mir besser als das Olsberger Innenbecken; sie ist heller, mit großen Fenstern, Aussicht auf den Dumel. Der Beckenüberlauf sorgt für eine glatte Wasserfläche.

Damit ich nicht mit irgendwelchen Vereinen und Aqua-Power-Kursen kollidiere – dann kann es nämlich sehr voll sein – habe ich mir den Belegungsplan des Schwimmbads Winterberg heruntergeladen.

Sparfüchse gehen besser zum Früh- oder Spätschwimmen. Dann kostet der Schwimmspaß nur 2,50 Euro.

Ansichtssache: Guter Ziegenhof? Schlechter Ziegenhof? – SBL/FW schickt wieder Fragen

Die Welt dreht sich schnell. Schlechte und gute Nachrichten überschlagen sich. Beachtung finden eher die schlechten. Sie geraten aber oft genauso schnell in Vergessenheit wie die guten. Was schlecht ist und was gut, was richtig und was falsch liegt gewöhnlich im Auge des Betrachters und hat nicht selten was mit Interessenlagen zu tun.

Zu den schlechten (traurigen) Nachrichten gehören unserer Meinung nach die Meldungen über die unhaltbaren Zustände auf zwei Ziegenhöfen im Hochsauerlandkreis. Der eine (bei Medebach) ist mittlerweile geschlossen. Den anderen (bei Brilon) gibt es noch.

Klick:
https://www.focus.de/regional/nordrhein-westfalen/tierquaeler-skandal-in-medebach-peta-begruesst-gerichtsurteil-gegen-ehemaligen-ziegenhof-betreiber_id_8658767.html

Tatsache
Die Kreistagsfraktion Sauerländer Bürgerliste nahm die Vorkommnisse in diesen Betrieben zum Anlass, sich mehrfach mit umfangreichen Fragenkatalogen bezüglich der offenbar tierquälerischen Zustände auf den Ziegenhöfen an die Kreisverwaltung zu wenden. Auf der Homepage der SBL/FW sind viele Fragen und Antworten dazu dokumentiert.

Klack:
http://sbl-fraktion.de/?s=Ziegen

Fragen
Aus Sicht der SBL/FW ist das Thema immer „noch nicht gegessen“. Am 07.08.2018 schickte die Kreistagsfraktion dem Landrat diese 20 Fragen:

  1. Wie viele Ziegen und wie viele Lämmer werden aktuell auf dem Hof B. bei Brilon gehalten?
  2. Wie häufig, wie intensiv und durch wen (Kreisveterinäramt? Hoftierarzt?) wurde der Hof B. im Laufe der letzten 12 Monate kontrolliert?
  3. Erfolgten auf dem Hof B. in den letzten 12 Monaten seitens Ihres Veterinäramtes ausschließlich angemeldete Kontrollen oder ist der Betrieb auch unangemeldet überprüft worden?
  4. Sind in diesem Zeitraum auch andere Fachdienste und Fachleute hinzugezogen worden, wie beispielsweise Mitarbeiter des LANUV?
  5. Wie sind die Ergebnisse Ihrer und aller anderen Überprüfungen?
  6. Ist die schrittweise „Merzung“ der durchseuchten Herde jetzt vollständig erfolgt oder leben noch Tiere aus dem alten, erkrankten Bestand auf dem Hof B. oder auf anderen Höfen?
  7. Erfolgte in den letzten 12 Monaten ein Zukauf gesunder Ziegen in den Bestand? Wenn ja, aus welchen Haltungen und in welchem Zustand sind die Tiere nach Brilon gekommen?
  8. Wurden sowohl bei den Abgängen wie bei den Neuzugängen im Betrieb B. die Nummern der Ohrmarken nachvollziehbar registriert?
  9. Ergab sich dabei eine Diskrepanz zu der Zahl der lebenden, getöteten und verendeten Ziegen? Wurde und wird eventuellen Unregelmäßigkeiten (gemeint ist die Diskrepanz Ohrmarken/Ziegen) nachgegangen, sofern sie denn auffallen?
  10. Wie ist der Zustand der Herde? Leidet auch derzeit ein Teil der Ziegen auf dem Hof B. an Pseudotuberkulose, an Listeriose oder an anderen Krankheiten? (Im Februar 2017 sollen etwa 90% der Tiere mit dem Erreger einer „Chronischen Infektionskrankheit“ infiziert gewesen sein. Eine Ziege war laut Ihren Angaben an Listeriose verendet.)
  11. Erfolgt eine konsequente Separierung der nicht erkrankten von den erkrankten Tieren? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wie und wie oft wird das kontrolliert und mit welchen Ergebnissen?
  12. Gibt es zwischenzeitlich ein oder mehrere Behandlungs- und Sanierungskonzepte? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?
  13. Wurden die Tiere in den letzten 12 Monaten regelmäßig auf verschiedene Krankheiten hin untersucht und vorbeugend geimpft, z.B. auch gegen Pseudotuberkulose, was ja möglich sein soll? (Dazu schreibt die Landwirtschaftskammer NRW: „Zur Sanierung einer betroffenen Herde sollte eine regelmäßige Untersuchung erfolgen, wobei Tiere mit eindeutigen Knoten möglichst gemerzt werden sollten. In manchen Herden können jedoch wertvolle Milchziegen nicht einfach abgeschafft werden, wobei die Alternative ein striktes Sanierungsprogramm darstellt. Dazu gehört die räumliche Separation der betroffenen von – augenscheinlich – nicht befallenen Tieren, die sofortige Trennung der Lämmer von den Muttertieren nach der Geburt mit sorgfältiger Nabeldesinfektion, um eine omphalogene Infektion zu vermeiden, idealerweise das Einrichten eines zweiten Melkstandes sowie eine Impfung der Herde mit einem bestandsspezifischen Impfstoff. Durch den Impfstoff werden die Symptome gemildert, nicht eliminiert!“)
  14. Leiden einige Ziegen immer noch unter Verletzungen (offene Wunden, humpeln, lahmen)? Wie war und ist der Zustand der Klauen? Wann und wie oft wurden seit August 2017 die Klauen der Tiere durch einen fachkundigen Klauenpfleger gereinigt und geschnitten?
  15. Haben alle Ziegen regelmäßig Weidegang? Wenn nein, warum nicht? Wie oft und wie lange bedeutet in diesem Fall „regelmäßig“?
  16. Wie hoch ist auf dem Hof B. in den letzten 12 Monaten die „offizielle“ Sterberate der Ziegen, wie hoch die der Lämmer?
  17. Wie und unter welchem Label wurde und wird die Ziegenmilch vom Hof B. vermarktet? Gibt es Absatzprobleme?
  18. Handelt es sich bei den Mitarbeitern des Ziegenhofs B. ausschließlich um geschultes und korrekt entlohntes Personal (Sozialversicherungspflicht!), das mit den Ziegen art- und fachgerecht und mitfühlend umgeht und auf Misshandlungen vollständig verzichtet?
  19. Hat der Hof B. auch im Fokus der Stabsstelle für Umweltkriminalität gestanden?
  20. Sind hinsichtlich der Ziegenhöfe bei Brilon und Medebach weitere bzw. neue Verfahren anhängig?

Bericht
Folgt …

Jugendliche aus dem Sauerland verbrachten Ferien in Italien – Ziel für nächstes Jahr steht schon fest

Zeltlager der Falken nahe Rimini/Italien – Gruppenbild (foto: falken hsk)

Die Falken HSK haben zwei Wochen der Sommerferien in Italien verbracht. Auf dem Platz an der Adria in der Nähe von Rimini konnten die Jugendlichen aus mehreren Städten im Sauerland an einem bald entspannten, bald actionreichen Angebot teilnehmen.

(Pressemitteilung der Falken HSK)

Kurze Unterweisungen in italienischer Sprache, Sport-, Spiel- und Kreativangebote, Fahrradtouren mit dem E-Bike, ein Ausflug ins Nachtleben von Rimini, eine nächtliche Fahrt mit dem Partyboot aufs Mittelmeer und die Besichtigung einer Bohrinsel weit draußen auf See standen auf dem Programm. Und natürlich ganz viel Chillen am Pool und am Sandstrand, um sich wirklich gründlich vom stressigen Schulalltag zu erholen.

Bei einem Ausflug nach Venedig waren die Jugendlichen aufgefordert, auch einen kritischen Blick auf die berühmte Lagunenstadt zu werfen:

„Als Arbeiterjugendverband ist es nicht unsere Sache, feudale und sakrale Prachtbauten undifferenziert zu bewundern“, erklärte der Jugendgruppenleiter der Falken. „Wir halten es mit den Fragen des lesenden Arbeiters bei Brecht: Wer hat die Felsbrocken herbeigeschleppt, und unter welchen Lebens- und Arbeitsbedingungen? Wer hat in den Kriegen der damals herrschenden Adelsklasse deren Reichtum mit seinem Leben bezahlt?“

Von einem Ortskundigen erfuhren die Teilnehmer außerdem, dass Venedig – wie viele andere berühmte Städte – heute überaus hart von Gentrifizierung betroffen ist und viele Einheimische die Mieten nicht mehr bezahlen können. „Eine Stadt ist aber eigentlich nur dann wirklich schön, wenn sich auch normal arbeitende Menschen eine Wohnung leisten können.“

Inhaltlich haben sich die Jugendlichen außerdem mit den Themen Liebe und Partnerschaft, Offene Jugendarbeit im Sauerland und 100 Jahre Novemberrevolution auseinandergesetzt. Die Interessierten erfuhren, dass auch bei uns im Sauerland vor genau 100 Jahren in der Novemberrevolution von 1918 um die demokratische Republik gerungen wurde; dass auch in den Städten und Dörfern des Sauerlandes die roten Fahnen wehten, gewählte Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte die militärische und politische Verantwortung übernahmen und bis nach den ersten freien Wahlen in Händen hielten. Mit dem historischen Thema werden sich die Falken 2018/2019 noch weiter beschäftigen.

Übrigens: Bei den Falken heißt es „Nach dem Zeltlager ist vor dem Zeltlager!“ Das Ziel für nächstes Jahr steht bereits fest: Es geht vom 16. bis 27. Juli 2019 nach Spanien, an die Costa Brava.

„Wir kennen die Ecke schon“, freuen sich die Helfer. „Wir haben dort einen schönen Sandstrand und klares Meerwasser, Zelte mit Holzboden und richtigen Betten und einen Pool auf dem Platz. Wir wollen mit einem Speedboat übers Meer flitzen, mit einer Gummibanane durch die Wellen reiten und mit dem Flying Fish vom Wasser abheben. Ganz in der Nähe befindet sich der Aquapark von Lloret de Mar mit vielen krassen Wasserrutschen, wir wollen das Nachtleben von Lloret kennenlernen und einen Ausflug nach Barcelona unternehmen.“

Interessierte können ab sofort eine Mail schicken an falkenhsk@gmail.com und für sich und ihre Freunde einen Platz reservieren. Mitfahren können Jugendliche von 14 bis 18 Jahren, Auszubildende auch bis zum Alter von 21 Jahren.

der himmel ist blau (über opfern und tätern)
Zwei Holzschnitte für eine Ausstellung im Dortmunder .kunstbetrieb.

Am Anfang standen .derkunstbetrieb. und seine Einladung zu einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt. Zum Thema „der himmel ist blau“ konnten bis zu drei Werke im Format 50 x 50 cm eingereicht werden. So entstanden die beiden Holzschnitte „der himmel ist blau über opfern und tätern“.

(Der Artikel ist zuerst auf Harbuch.de erschienen. Text und Bilder: Angela Jansen. Informationen zur Autorin siehe unten.)

Das Projekt

So beschrieb kunstbetriebs-Macherin Sabine Spieckermann die Projektidee:

Das Gedicht „Andererseits“ von Alfred Andersch




 

Die Umsetzung

Sofort beim Lesen des Andersch-Gedichtes kam mir die Idee, Holzschnitte nach zwei Fotos zu machen, die in meinem Familienarchiv vorhanden sind. Der Titel stand auch gleich fest: der himmel ist blau über opfern und tätern.

Das Schneiden war eine Herausforderung – sowohl darstellerisch, als auch technisch.

Zur Darstellung: Ich wollte ganz nah bei der Fotorealität bleiben. Denn da beide Situationen mir nur als Foto überliefert wurden, konnte ich nur das wiedergeben, was dort zu sehen war. Das bedeutete bei der Darstellung des Kriegsgefangenen, die Würde der Person trotz ihrer Nacktheit zu transportieren und die Lagersituation anzudeuten. Beim Nachkriegsurlauber Schmitt erlaubte ich mir größere Freiheiten, indem ich z.B. das Meer und die Dünen frei nachempfunden habe.

Zur Technik: Ich hatte noch nie so einen großen Holzschnitt gemacht und als Handabzug gedruckt. Das bedeutete, den Druckstock einzufärben, das Papier darauf zu legen und dann manuell mit dem Rücken eines Holzlöffels die Farbe auf das Papier zu übertragen. Das musste fix gehen, denn bei der Druckstockgröße drohte die Farbe in den zuletzt durchgeriebenen Bereichen schon zu trocknen.

Bis zuletzt war ich nicht entschieden, was die Farbe Blau in den Bildern anging. Sollte ich für den blauen Himmel eine zweite Druckform anlegen? Die vielleicht in beiden Bildern identisch wäre? Letztendlich entschied ich mich dagegen, weil die Bilder durch den grellen Lichteinfall und die klaren Schatten eindeutig auf Sonnenlicht – und damit auch auf blauen Himmel – verweisen. Und die Aussage in schwarz-weiß klarer und direkter ist.

angela jansen

der himmel ist blau über opfern und tätern (1)
Rotarmist im Kriegsgefangenenlager Zeithain/Sachsen, 1942

Holzschnitt nach einem Foto von Karl Schmitt

Karl Schmitt war 1941–1943 im Auftrag von Wehrmacht und deutscher Industrie verantwortlich für den Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener im belgischen Steinkohlebergbau. Im Sommer 1942 reiste er nach Zeithain. Aus dem dortigen „Russenlager“ wurden im September des Jahres ca. 10.000 sowjetische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in belgische Bergwerke verschleppt. Mehr zum Thema auf unserer harbuch-Website in dem Artikel: Onkel Karl und die gefangenen Rotarmisten.

angela jansen

der himmel ist blau über opfern und tätern (2)
Mein Großonkel Karl Schmitt im Urlaub auf Sylt, 1950

Holzschnitt nach einem Foto von Lulu Schmitt

1946 wurde Karl Schmitt verhaftet und in Belgien angeklagt wegen der Deportation belgischer Zwangsarbeiter in deutsche Konzentrationslager. Im Frühjahr 1948 kam er frei und arbeitete wieder für den Bergbau, zunächst als  Schriftleiter der bergmännischen Zeitschrift „Glückauf“ in Essen.

Die Ausstellung

Am Samstag, dem 1. September 2018, wurde im Rahmen des Hafenspaziergangs die Ausstellung „der himmel ist blau.“ im kunstbetrieb eröffnet. In die Ausstellung führte ein Simone Rikeit, Kunsthistorikerin aus Dortmund.

Sabine Spieckermann: „der himmel ist blau. Ob als Empörung gemeint – wie bei dem Schriftsteller Alfred Andersch – oder als bloße Feststellung, als Begeisterung oder als Aufforderung, sich mit der Farbe Blau auseinanderzusetzen, der Blick richtet sich bei diesem Kunstprojekt auf die Vielfalt der Reaktionen und der dabei zum Ausdruck gebrachten Auffassungen und Deutungen. 21 Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei, Installation, Film und Urbanart stellen aus.“

Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler sind: Almut Rybarsch-Tarry, Ana Maria Aviles Toro, Angela Jansen, Anke Droste, Annelie Sonntag, Artur Aleksander Wojtczak, Brigitte Siebrecht, Egon Huneke, Hendrik Müller, Horst Herz, Kirian, Klaus Pfeiffer, Mathes Schweinberger, Mohammad Taghi Ghorbanali, Paola Manzur, Susanne Grytzka, Suse Solbach, Udo Unkel, Ute Brüggemann, Vanessa von Wendt und Wolfgang Kienast

Dauer der Ausstellung: 1. September 2018 bis 6. Oktober 2018
Ein Katalog erscheint im Rahmen der Ausstellung.

Adresse: Gneisenaustr. 30, 44147 Dortmund, Tel.: 0231 53 48 205, info@derkunstbetrieb.de | www.derkunstbetrieb.de
Öffnungszeiten: mo–do: 11.00 Uhr–13.00 Uhr, mo– fr: 15.00 Uhr–18.00 Uhr, sa: 11.00 Uhr–13.00 Uhr, sowie nach Vereinbarung

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Quellen

(1) Alfred Andersch, empört euch, der himmel ist blau, Zürich 1977, S. 103 ff.


Angela Jansen, Jahrgang 1958, geboren in Düsseldorf, aber zuhause im Norden (Witzwort und Harburg), ist Dipl.-Designerin und seit vielen Jahren Inhaberin der kleinen Werbeagentur fraujansen kommunikation. Nebenher malt und holzschneidet sie. Zu Harbuch.de hat sie ein enges familiäres Verhältnis. So erscheinen dort gelegentlich auch Artikel von ihr, z.B. über die Logos von Harburger Firmen oder  über kleine bänke. e-Mail: aj@fraujansen.de

Hochsauerlandkreis: Kreistagsfraktion von DIE LINKE für schnelle Reaktivierung der Röhrtalbahn

Parteiübergreifend wird in „Sonntagsreden“ gern von einer Schadstoffreduzierung zum Wohle der Umwelt gesprochen, damit unsere nächsten Generationen noch saubere und gesunde Lebensbedingungen vorfinden.

(Stellungnahme der Kreistagsfraktion von DIE LINKE Hochsauerlandkreis)

In dieser Schein-Einigkeit prescht die CDU-Kreistagsfraktion nun ganz plötzlich vor und verlangt eine schnelle Entscheidung über die Zukunft der Röhrtalbahn.

Eigentlich auch aus der Sicht der Linksfraktion eine gute Forderung, da ein Warten bis zum „St. Nimmerleinstag“ unserer Umwelt nicht weiterhilft.

Wir als Linke nehmen aber ökologische Themen ernst und machen daher auch konkrete Vorschläge, wie die Reaktivierung der Bahnstrecke von Hüsten nach Sundern schnell zu einem Erfolg werden könnte.

Natürlich wissen wir, dass man dafür größere Summen investieren müsste. Das wäre aber zugleich auch etwas Positives für unsere heimischen Betriebe, die ja z. B. von den nötigen Bauaufträgen profitieren könnten.

Das Zugangebot sollte dann schon von Anfang an mutig sein und nicht wie bei anderen Strecken mit einem ausgedünnten Fahrplan beginnen. Der Stundentakt in beide Richtungen wäre ein Minimum.

Schrankenschließzeiten können heute mit moderner Technik auf eine kurze Dauer reduziert werden, sodass nur wenig Autoabgase beim Warten entstehen. Ein verantwortungsvoller Mensch schaltet den Motor allerdings beim Warten sowieso ab.

Und warum soll es kein Busangebot parallel zur Bahn geben? Vielleicht dann nicht mehr im Halbstundentakt, aber dafür mit Linien, die z. B., so wie in Müschede, von der Hauptstrecke aus im Bogen durch größere Wohngebiete führen. Mit etwas ernstgemeintem Willen könnten auch andere kreative Bus- und Bahnkombinationen entstehen.

Gerade jetzt aktuell wird im Bahnhof Neheim-Hüsten der neue Bahnsteig 4 angelegt. Wenn nicht für die künftige Anbindung der Stichstrecke nach Sundern, wofür dann? Etwas anderes wäre glatte Steuerverschwendung.

Wir glauben, dass eine stündliche 3-teilige Zugeinheit aus Dortmund und zurück, die nach Brilon Stadt, Winterberg und Sundern geht, und ein eine halbe Stunde später fahrender Zug von Warburg nach Hagen und zurück ein sehr gutes ÖPNV-Angebot für den Hochsauerlandkreis ist. Für die letztgenannte Linie könnte es ja in Neheim-Hüsten, Bestwig und Brilon Wald Busanschlüsse in die Dörfer geben, die kein Zugangebot haben.

Die Bahn hat ja im Hochsauerlandkreis schon einmal eine Renaissance erlebt. Von den Plänen eines Endbahnhofs in Neheim- Hüsten ist man seinerzeit abgerückt und hat neben der Erhaltung der Ruhrtalbahn auch die Stichstrecke zwischen Brilon-Wald und Brilon-Stadt mit großem Erfolg reaktiviert. Ebenso wurden nach Jahren die Volmetal-Strecke und die Strecke Burgsteinfurt – Münster wieder in Betrieb genommen. Bei der letztgenannten soll mittlerweile über einen 20-Minuten-Takt nachgedacht werden, wofür aber die Strecke zweigleisig ausgebaut werden müsste.

Es geht also!

Zum Schluss noch kurz zu dem CDU-Argument, dass wir auf der Bahntrasse einen Radweg benötigten. Aus unserer Sicht brauchte der vorhandene Radweg nur an 3 Stellen auf der vorhandenen Route ausgebaut zu werden, damit wirklich jeder mit dem Rad nach Sundern oder zum Sorpesee fahren kann.

Einmal abgerissen und überbaut ist die Strecke für alle Zeiten verloren, das sollten wir nicht vergessen!

Deshalb fordert unsere Fraktion eine schnelle Entscheidung, die aber zugunsten einer Reaktivierung der Röhrtalbahn.

Arnsberg, 05.09.2018

Dietmar Schwalm

(Fraktionsvorsitzender)

Im Kump geht es Schlag auf Schlag
Ausstellung von Disney-Zeichner Ulrich Schröder beginnt am Donnerstag

Ulrich Schröder kommt morgen in den Hallenberger Kump. (foto: Kirsten Breustedt)

Kaum ist die „Panische Malerei“ von Udo Lindenberg beendet, warten über 100 Werke von Enten und Mäusen darauf im Kump ausgepackt und aufgehängt zu werden.

(Pressemeldung der Stadt Hallenberg)

Am kommenden Donnerstag, 6. September beginnt die Ausstellung „Duckworks“ mit Werken von Ulrich Schröder.

Ulrich Schröder ist in Hallenberg kein Unbekannter. Bereits im letzten Jahr war er Gast bei der Ausstellung „Disneys große Zeichner“. Er begeisterte die Kinder beim Zeichenunterricht in der Grundschule und die Gäste bei der Ausstellungseröffnung mit seinen spontanen Disney-Zeichnungen.

Nun stellt er seine eigenen Werke im Kump aus.

Die Comicwelt von Duck & Co (bild: pressemappe)

Nach dem Abitur begann Ulrich Schröder 1983 seine Karriere als Grafiker. In Frankfurt war er von 1984 bis 1987 für die deutsche Zentrale der Disney Corporation als Comic-Zeichner tätig. Anschließend arbeitete er als selbständiger Werbegrafiker. Im Jahr 1989 ging er als Artdirector zu Disney nach Paris. Neben Illustrationen für die Disney Comic-Bücher in verschiedenen Ländern gestaltete er unter anderem die Werbematerialien der Marke Disney.

Im November 2006 verließ Ulrich Schröder Disney und gründete das Studio Duckworks, in dem er mit zahlreichen Künstlern, Designern und Textern der europäischen Disneyzentrale zusammenarbeitet und als Artdirector auch Disney-Zeichner aus- und weiterbildet.

Darüber hinaus gestaltete er 2010 unter anderem auch eine Comic-Mode-Story für die französische Elle und karikierte zahlreiche Modedesigner wie Karl Lagerfeld (als böser Wolf) und Donatella Versace (als Daisy Duck). Im Jahr 2011 entwarf er eine Disney-T-Shirtkollektion für das Textilunternehmen C&A.

Donald („Ommm“) Duck handgezeichnet von Ulrich Schröder (foto: pressemappe)

Ulrich Schröder lebt und arbeitet in Paris und Barcelona. Er zeichnet die Disney-Figuren auch heute nicht digital, sondern mit alten Federn auf Papier. Ulrich Schröder zeichnet inzwischen vor allem die Cover der weltweiten Disney-Ausgaben. Er ist gefragter Gast auf Kunst- und Comicmessen und gibt im Disney-Channel Prominenten Zeichenkurse.

Am Donnerstag wird er um 19.00 Uhr im Kump seine Ausstellung vorstellen und natürlich wird er auch dort für die Besucher zeichnen. Zur Ausstellungseröffnung sind alle herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

  • Die Ausstellung läuft bis zum 7. Oktober 2018 im Infozentrum Kump, Petrusstr. 2 in Hallenberg.
  • Öffnungszeiten Montag bis Samstag 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr, Montag, Donnerstag, Freitag und Sonntag von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr

Meschede im Bild: Eröffnung des Henne-Ruhr-Markts im Herbst?

Eröffnung noch im Herbst? Das ehemalige Hertie-/Karstadtkaufhaus in Meschede (foto: zoom)

Als Laie mag ich kaum glauben, dass da, wo heute der ehemalige „Hertie“-Klotz umgebaut wird, schon im Herbst der neue Henne Ruhr Markt eröffnen soll.

In meiner alten Heimat stand ein ähnliches Kaufhaus. Das wurde allerdings komplett und ratzfatz abgerissen. Zügig erstand eine neue Galeria und auch der umliegende Platz wurde völlig neu gestaltet.

In Meschede zog sich das Hickhack mit teils großspurigen Investoren jahrelang hin, bis schließlich mit dem letzten Investor Bewegung in den Bau gekommen ist.

Abreißen ging wohl nicht, weil die aufgesetzte Stadthalle erhalten werden sollte.

Sei’s drum. Das Bild habe ich am Samstag während einer Radtour aufgenommen. Nach der Eröffnung schaue ich wieder vorbei. Interessant werden die Auswirkungen des Henne-Ruhr-Markts auf die Mescheder Innenstadt als Einkaufszentrum sein.

Belebung oder weiteres Ladensterben?

Pausenfüller … von Chemnitz zu Stefan Heym

Abendspaziergang am Hillebachsee (foto: zoom)

Die Blogpause -sie wird noch ein bisschen andauern- nutze ich um ein paar Dinge zu tun, die mir in letzter Zeit gefehlt haben: Lesen, Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen, Arbeiten, Ausruhen, Nichtstun.

Die Politik habe ich von „hinter den Sauerländer Fichten“ auf Twitter und anderen sozialen Medien verfolgt. Twitter ist momentan mein Hauptstartpunkt zur Rezeption anderer Medien und natürlich auch der Gedanken einzelner kluger Mitmenschen.

Facebook spielt kaum noch eine Rolle, und von vielen anderen sogenannten sozialen Medien habe ich mich schon lange verabschiedet. An erster Stelle sei hier (obwohl schon etwas länger her) der Rauswurf von WhatsApp genannt, der von einer Sekunde auf die andere mehr Ruhe und Gelassenheit in meinen Tag gebracht hatte.

Der Nazi-Aufmarsch in Chemnitz an diesem Wochenende erscheint mir als Verdichtung einer Diskussionskultur, die auch hier im Hochsauerland in den sozialen Medien und Teilen der Einheitslokalzeitung zu beobachten war und ist. Hass auf Angela Merkel, Emotionalisierung mit Hilfe von Lügen, Trollen und gezielten Versuchen, sogenannte „Angsträume“ zu erzeugen.

Warum Chemnitz?

Absurd, dass Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gerade dort blühen, wo die wenigsten Flüchtlinge und MigrantInnen leben. Wie viel Selbsthass und Selbstzweifel hausen in den Köpfen der Nazis?

Zur Zeit lese ich die Memoiren von Stefan Heym. Ein Twitterfreund hatte geschrieben: „Zur Geschichte des politischen Klimas in #Chemnitz empfehle ich übrigens die Lektüre der ersten Kapitel aus Stefan Heyms „Nachruf“.“

Da ich das Buch mit seinen über achthundert Seiten schon vor vielen Jahren gelesen hatte, bin ich jetzt dabei es zu „re-readen“. Allein dafür benötige ich Zeit, die ich mir über die „Blogpause“ hereinhole.

Nach den ersten Seiten ist mir übrigens aufgefallen, dass ich erstens nichts mehr vom Inhalt erinnere und zweitens Stefan Heym ein großartiger Stilist ist. Also wird statt lediglich der ersten empfohlenen Kapitel das Buch zu Ende gelesen.

Jetzt bin ich schon am Ende meines kleinen Eintrags. Die anderen Gedanken müssen in die Warteschleife …