Ohne Netbook auf Reisen – geht das überhaupt noch? Bilder mehr schlecht als recht mit der Tabletkamera, Texte mühsam mit der Zeigefingerspitze. Minimalistisch.
Die Satteltaschen sind leichter als auf den vorherigen Radtouren. Es bleibt Platz für ein gebundenes Buch. Henning Mankell, Die schwedischen Gummistiefel.
Der Plan: Winterberg, Kassel, Fuldatal, Edertal, Allendorf, Hallenberg, Nuhnetal, Winterberg.
Fritzlar haben wir heute locker erreicht, ein Quartier mitten in der Fachwerk-Altstadt. Klein-Lüneburg. Grauer Turm mit Aussicht.
Als Jugendliche machten wir auch hier auf unseren endlosen Radtouren Station – damals in der Jugendherberge, aber die gibt es schon lange nicht mehr. Schade.
Die hessische Landschaft gefällt mir. Berg, Burgen, Städte und Flüsse sind in einer weiten Playmobil-Welt angeordnet, dabei wurde Hessen lange vor dem Spielzeughersteller gegründet.
Ich mag Hessen. Das nächste Kitsch-Level erreiche ich erst wieder in Bayern.
Die Frankfurter Innenstadt ist ein architektonisches Gewusel: alt, neu, pseudo-alt, pseudo neu – alles ist wild durcheinander neben den Main gewürfelt.
Auf der dem Bankenviertel gegenüberliegenden Restaurant-Terrasse einer bekannten kränkelnden Kaufhauskette gab es einen „Selfie-Point“. Dort wechselten sich im Minutentakt die Besucher ab, um sich mit den Bankenhochhäusern im Hintergrund allein oder in der Gruppe zu porträtieren. Schöne Menschen ohne Ende.
Ich habe mich für den Sonnenuntergang entschieden.
Sonnenuntergang hinter dem Bankenturm (foto: zoom)
Als sich die Nacht über Frankfurt senkte, sprang mir aufdringlich der Euro vor die Kamera. Ich musste draufhalten.
Später haben wir uns im Kino „Green Book“ angeschaut. Originalfassung ohne Untertitel. Dafür mag ich die großen Städte.
Der Euro in Frankfurt (foto: zoom)
„Green Book“ war für mich weißen Mann sehr unterhaltsam, obwohl ich die Szene in der Bar der Schwarzen eher rassistisch fand. Ein hochgebildeter klassischer schwarzer Pianist findet unter „seinesgleichen“ spontan von Chopin zum Blues.
Ach! Hätte ich doch ein Stativ dabei gehabt. (foto: zoom)
Frankfurt ist ein architektonisches Kuddelmuddel. Überall standen am späten Abend Fotografen mit Kamera und Stativ im Lichtergewirr herum, um die Reize der Stadt über, unter, auf und neben den Brücken am Main einzufangen.
Statt meines Stativs hatte ich mein Schwimmzeug eingepackt. Eine viertel Sekunde Verschlusszeit aus der Hand ist wackelig. Ein besseres Nachtfoto gibt es daher leider nicht.
Mit dem Schwimmzeug bin ich morgens zum Textorbad geschlendert. Ein Hallenbad ohne Kompromisse: Umkleiden, Duschen, 25 Meter, sonst nix. Voll, wie im Teich nach dem Schlüpfen der Kaulquappen.
Bahnenschwimmen in der Großstadt ist nichts für empfindsame Gemüter. Die latente Aggresssion erhitzt das Becken.
Nächstes Mal packe ich für Frankfurt Stativ und Jogging-Schuhe ein.
Die Zeichner der Neuen Frankfurter (Humor-) Schule in der Caricatura (foto: zoom)
Ich werde alt. Als ich Freunden und Bekannten im Sauerland von unserem Besuch in der Caricatura – „Ihr wisst schon, Neue Frankfurter Schule, dieser Humor, ich lache mich jetzt schon wieder schlapp“ – erzählte, blickte ich in leere Gesichter.
Bernstein, Waechter, Gernhardt? Nie gehört. Pardon? Da war was, ja, aber was.
Gut, bin ich eben alt geworden und habe den Humor meiner Studentenzeit, museal aufbereitet in der Frankfurter Caricatura, besichtigt.
Als große Sonderausstellung wurde auf zwei Etagen Ernst Kahl gezeigt. Ihr wisst schon, das Bestiarium Perversum: Moralkritik, Religionskritik, Kulturkritik, Sexualität. Streckenweise schweinisch genial.
Ernst Kahl hat nicht nur gezeichnet und gemalt. Auch sein Film- und Liedgut ist an den Medienstationen zu konsumieren.
In den Etagen über Kahl die alten Herren der deutschen Humorrevolution. Spaßguerillas waren sie alle. Äußerlich bieder, brannten sie voller subversiver neuer Ideen:
Chlodwig Poth
F.W. Bernstein
F.K. Waechter
Robert Gernhardt
Hans Traxler
Aber halt!
Im ganzen schönen Museum der 68er und Post-68er Karikaturen ist keine einzige Frau ausgestellt. Hatten die Zeichnerinnen damals keinen subversiven Spaß?
War die Neue Frankfurter Schule ein reines Jungen-Internat?
Abendbummel durch die Bonner Innenstadt (foto: zoom)
Das Bild oben ist eine winzige Beute unseres Wochenendausflugs nach Bonn.
Schon zum vierten oder fünften Mal habe ich das Haus der Geschichte besucht und bin immer noch nicht gelangweilt. Es wird also ein nächstes Mal geben. Alles weitere später, dafür heute ein paar Lesehinweise. Es sollte für jede/n etwas dabei sein.
Resonanzraum der Hemmungslosigkeit: Das Web als Hass- und Einsamkeitsmaschine … endoplast
Pfarrer Bernd Mönkebüscher: Außergewöhnlich ehrliche und offene Worte über seine Homosexualität … sauerlandkurier
AfD-„Arbeitnehmer“ in der Krise: Unter den drei Gruppen, die von sich behaupten, Arbeitnehmerinteressen in der AfD zu vertreten, ist sie die kleinste: Nun steckt AidA offenbar tief in der Krise … bnr
Funkes „agile Ticker“: Die Nebelbomben der Verlage. Wenn Verlage Stellen abbauen und sparen, dann traut sich kaum einer, einfach Tacheles zu reden. Stattdessen ist blumig von Fokussierung, Verbesserung, Modernisierung die Rede – so wie diese Woche bei Funke. Zeit für Hans Hoff, sich beim SWR zu entschuldigen … dwdl
Funke-Betriebsräte: Das war zynisch, Frau Becker … charly&friends
Sportgeschichte als bedrohte Public History: „Sportgeschichte ist ein ideales Vehikel, um historische und gesellschaftsrelevante Fragen öffentlich zu vermitteln. Sport begeistert, wird ökonomisch immer bedeutender und ist in den Medien omnipräsent. Sportgeschichte als kulturelles Erbe jedoch fristet zumindest in der Schweiz ein Mauerblümchendasein. Unterfinanzierte oder heroisierende Museen und wenig Präsenz im Schulunterricht bilden jedoch Chancen für neue Formen der Public History“ … publicHistory
Größter Holzhandel weit und breit: Grabstätte führt auf die Spuren einer Dortmunder Wirtschafts-Dynastie … revierpassagen
NPP165 mit Anke Domscheit-Berg zum NetzDG: „Dann mach doch kein Facebook.“ … netzpolitik
Bunt, schrill, witzig und schräg: „The Rocky Horror Show“ zurück auf der Hagener Bühne … doppelwacholder
Zu guter Letzt: Hermes – oder – Es wird wohl nie ankommen … schwenke
Weihnachten kommt immer näher. Es wird langsam ernst. Kaffeehausfoto … (foto: zoom)
AfD-Fraktion setzt Landeschefin vor die Tür: Doris von Sayn-Wittgenstein, Parteichefin in Schleswig-Holstein, fliegt aus der Kieler Landtagsfraktion. Auch in anderen Bundesländern sollen AfD-Mitglieder ausgeschlossen werden … bnr
Stan Lee/Jack Kirby, John Lennon/Paul McCartney, Nile Rodgers/Bernard Edwards – wie kongeniale Teams sich emergent ergänzen: Was ist das Geheimnis erfolgreicher Zwei-Personen-Konstellationen in der Populär-Kultur? Kongeniale Teams sind selten und bilden eine Besonderheit. Deshalb ragen sie heraus und sind einflussreich, wenn sie sich in besonderer Weise ergänzen … endoplast
Sisyphos und das Los: Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman hatte als junger Psychologe bei der israelischen Armee einmal die Aufgabe, den Einstellungstest zu verbessern … operationharakiri
„Investigativer Journalismus“ als Krisenzeichen: Die gegenwärtige Krise des Journalismus besteht in der Aufgabe der Wächterfunktion und im Niedergang des recherchierenden Journalismus. Die handelnden Personen dabei: Verleger, Politiker, Unternehmer und nicht zuletzt: Journalistendarsteller und solche, die es unbedingt werden wollen … welchering
Späte Einsicht, intensives Erinnern: Österreich heute. Der Staat Österreich galt offiziell als das erste Opfer der nationalsozialistischen Aggressionspolitik, womit die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit erschwert wurde … publicHistory
Hagen: Fahrgäste sollen bis zu 37 Minuten im pausierenden Bus warten … doppelwacholder
Die Bahn, der Bund und die Überraschung, die keine ist: Können wir mal aufhören, überrascht zu tun? „Huch? Die Privatisierung von Krankenhaus A verschlechtert die Pflegestandards im Haus? „Huch? Die Privatisierung der Telekommunikation hat gar nicht zu flächenddeckend schnellem Internet geführt?“ „Huch? Die Privatisierung des Öffentlichen Personenverkehrs hat gar nicht zu schneller, besser, günstiger geführt?“ … unkreativ
Große Ernüchterung, doch Freude am Chaos: Enzensberger erzählt „Anekdoten“ aus seiner Kindheit und Jugend … revierpassagen
Passend zur Großen Freiheit um die Ecke: Strangers in the Night (foto: zoom)
Ich habe beschlossen, meinen verschnupften Hamburg-Besuch vom vergangenen Wochenende nach der Sarotti-Methode[1] auszuwerten.
Heute also ein Graffito, das ich auf dem Streifzug durch St. Pauli erbeutet habe: „Strangers in the Night“ mit dem Sidekick „Hip Hop Hooray“ hat mich am trüben und grauen Sonntag Morgen beeindruckt.
Als Kunst-Laie erliege ich leicht dem Charme bunter Wandbilder, aber ich stehe zu meiner Naivität und werde weiterhin auf Graffiti-Jagd gehen.
Ohne, dass ich es selbst bemerkt habe ist (sind?) die Graffiti im öffentlichen Raum zu einem nebenläufigen Hobby geworden. Hier im Blog sind einige Darstellungen unter dem Suchbegriff „Graffiti“ zu finden.
Nicht systematisch, eher wahl- und ziellos zusammengesucht.
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[1] Der Begriff „Sarotti-Methode“ entstammt wahrscheinlich -hier bin ich auf die tiefsten Schichten meines unzuverlässigen Gedächtnisses angewiesen- einem Aufsatz von Uwe Wesel zur Zeit der Blüte der Frauengeschichte an den deutschen Universitäten in den 80er Jahren des letzten Jahrtausends. Viele Historikerinnen und Historiker versuchten damals anhand der Erwähnung von Frauen in beispielsweise Zunfturkunden zu belegen, dass Frauen eine wesentlich größere Rolle im Wirtschaftsleben des Mittelalters und der frühen Neuzeit gespielt hätten, als bislang gedacht.
Wesel wandte sich gegen die seiner Meinung nach Überbewertung dieser Erwähnungen und warf einer Verfasserin oder den Verfasserinnen (wer war das noch einmal?) beim Zusammensuchen der Frauen aus den Urkunden in einer Fußnote die „Sarotti-Methode“ vor.
Diese spielte auf eine noch ältere Werbung für die Sarotti-Schokolade mit dem „Mohrenbild“ an:
Frei aus dem Gedächtnis: „Hier ein Stückchen, da ein Stückchen – Danke schön! sprach man im Chor, danke schön, Sarotti Mohr.“
Startpunkt der Bahntrasse Korbach-Edersee. (foto: zoom)
Um 10 Uhr bin ich heute Morgen am Startpunkt des Bahntrassen-Radwegs Korbach-Buhlen losgefahren. Etwas mehr als zwei Stunden später stand ich auf der Staumauer des Edersees.
Ein grauer Novembertag, 8°C, weder Gegen- noch Rückenwind. Keine guten Fotos, aber exzellentes Radeln.
Alle Informationen und viele Bilder zum 26 Kilometer langen Bahntrassenradweg findet man hier:
Vom Ende der Trasse bei Buhlen muss man noch ein paar Kilometer bergab nach Affoldern zurücklegen, um von dort zur Staumauer zu gelangen.
Graues Wetter und Niedrigwasser am Edersee (foto: zoom)
Habe mir kurz den niedrigen Wasserstand angeschaut und bin dann den selben Weg zurück zum Ausgangspunkt gefahren.
Bei Wendepunktstrecken ist allerdings der Rückweg stets ein anderer als der Hinweg. Auf der Trasse waren viele Radfahrer schnell unterwegs, die meisten unerwartet ohne E-Bike.
Ich habe mich an einen Rennradfahrer -alter italienischer Rahmen- angehängt und kam fix um 14:30 Uhr zum Ausgangspunkt in Korbach zurück.
Ein guter Tag. Müde. Bett. Gute Nacht.
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