HERZBERGMASCHINE

Dokumentarfilmtrilogie von Sven Boeck über die Lyrikerin Gertrud Kolmar in der Kulturschmiede Arnsberg

Veranstaltungsplakat

Der 10. Dezember 1894 war der Geburtstag der Lyrikerin Gertrud Kolmar – und das Jahr 2023 ist ihr 80. Todesjahr.

(Teatron Theater Arnsberg)

Grund genug, an diesem Tag an das Schicksal der jüdischen Dichterin zu erinnern, die von 1941 bis 1943 Zwangsarbeiterin in einer Berliner Pappfabrik war und von dort nach Auschwitz deportiert wurde. Der Berliner Regisseur Sven Boeck hat eine berührende und poetische Dokumentarfilm-Reihe über die letzten Jahre ihres Lebens in Berlin mit Auszügen aus ihrem lyrischen Werk und Briefen geschaffen, die gleichzeitig den Schrecken und die Verzweiflung jener Zeit, aber auch Lebensmut und Hoffnung vermittelt.

Im Anschluss an die Vorstellung wird ein Publikumsgespräch angeboten. Der Regisseur Sven Boeck wird anwesend sein.

Es werden drei Filme gezeigt mit einer jeweils ca. 30 minütigen Pause:

Film 1, Beginn 18 Uhr:  #1 Gertrud Kolmar – Wege durch Berlin  (76 Min)
Film 2, Beginn 20 Uhr:  #2 Das Traumtagebuch von Hilde Wenzel (27 Min)
Film 3, Beginn 21 Uhr:  #3 Sabina Wenzel in Paraty (30 Min)

Weitere Informationen über die Filme und den Regisseur hier.

Die Eintrittskarte ist gültig für alle Filme. Einlass auch in den Pausen.

Karten: Ticketlink reservix.de: https://www.reservix.de/tickets-teatron-netto-herzbergmaschine-dokumentarfilmtrilogie-von-sven-boeck-ueber-die-lyrikerin-gertrud-kolmar-in-arnsberg-kulturschmiede-am-10-12-2023/e2116005
Karten sind außerdem erhältlich in der Buchhandlung Sonja Vieth und allen reservix-Vorverkaufsstellen https://teatron-theater.de/hauptseite/vorverkauf/ oder an der Abendkasse in der Kulturschmiede Arnsberg, Apostelstraße 5, 59821 Arnsberg, Tel.: 0163-4776899 (ab 1 Stunde vor der Vorstellung).

Weitere Informationen unter: www.teatron-theater.de

Raus! Es hat geschneit…

Oben im Ort (foto: zoom)

Es soll Menschen geben, die schon jetzt über den Schnee schimpfen, aber ich sage euch, dass es schön ist, in einer eingeschneiten Nachbarschaft spazieren zu gehen.

So werde ich es ab jetzt in jeder freien Minute halten, solange bis es taut oder die Schneeberge derart hoch sind, dass sich die Haustür nicht mehr öffnen lässt.

Ok, das Schnee schieben bzw. schippen kann nervig werden. Bis jetzt ist es moderater Ausgleichssport und kein Kampfsport. Toi, toi, toi – ich bin dann wieder weg.

Das letzte Licht über der Siedlung am Abendhimmel. (foto: zoom)

NRW: Sterblichkeit im Jahr 2022 höher als im Vorjahr

Mit 13,0 Sterbefällen je 1 000 Einwohner war die Sterblichkeit in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2022 höher als 2021 (12,3). Bei über 60-Jährigen lag die Sterblichkeit 2022 bei 41,3 je 1 000 Gleichaltrige.

Grafik: IT.NRW

Düsseldorf (IT.NRW). Im Jahr 2022 sind in NRW 234 176 Personen gestorben. Umgerechnet auf die Bevölkerung des Landes ergibt sich daraus ein Wert von 13,0 Sterbefällen je 1 000 Einwohner. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, war das fast eine verstorbene Person mehr je 1 000 Einwohner als ein Jahr zuvor (2021: 12,3). Vor der Pandemie – konkret von 2017 bis 2019 – hatte die durchschnittliche Sterbeziffer noch bei 11,6 gelegen.

Betrachtet man das Alter der Gestorbenen, dann zeigt sich, dass die Sterblichkeit in Nordrhein-Westfalen in den höheren Altersgruppen zugenommen hat: Für Personen im Alter ab 60 Jahren lag die Sterblichkeit bei 41,3 Gestorbenen je 1 000 Gleichaltrigen; 2021 hatte dieser Wert noch bei 39,1 gelegen.

Die Sterbeziffer für die unter 60-Jährigen war dagegen in den Jahren von 2021 (1,6) bis 2022 (1,5) rückläufig und lag damit in etwa auf dem Niveau der Vorpandemiejahre 2017 bis 2019 (durchschnittlich 1,5).

Den höchsten Anstieg hat das Statistische Landesamt für die ab 90-Jährigen ermittelt: Hier ist die altersspezifische Sterbeziffer von 235,5 im Jahr 2021 auf 261,6 im Jahr 2022 angestiegen.

Bei den 80 bis unter 90-Jährigen erhöhte sich die Sterbeziffer im selben Zeitraum von 76,8 auf 83,3.

In den Kreisen und kreisfreien Städten des Landes NRWs waren im Jahr 2022 die Sterbefälle je 1 000 Personen im Alter ab 60 Jahren in den Städten Herne (47,4); Duisburg (46,5) und Oberhausen (46,1) am höchsten. Die niedrigste Sterblichkeit in dieser Altersgruppe wurde für Münster (36,7) und die Kreise Coesfeld (37,0) und Paderborn (37,1) ermittelt.

Der Hochsauerlandkreis liegt mit 40,7 Sterbefällen knapp unter dem Durchschnitt von NRW (41,3 bei über 60-Jährigen).

Eine genauere Aufschlüsselung findet sich in dem unten verlinkten PDF.

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Sterbefälle der 60-jährigen und älteren Personen in NRW im Jahr 2022 (Ein Kartogramm für kreisfreie Städte und Kreise) (PDF, 744,87 KB)

CORRECTIV verlässt Onlineplattform Twitter, jetzt X

In den vergangenen Monaten haben die Verbreitung von Desinformation und Hassrede auf der Plattform deutlich zugenommen. Dessen Eigentümer selbst verbreitet rassistische, antisemitische und populistische Inhalte. CORRECTIV nimmt seine Verantwortung als gemeinwohlorientiertes Medienhaus wahr und verlässt den Kurznachrichtendienst. Die CORRECTIV-Faktenchecks bleiben jedoch.

(Pressemitteilung)

Essen/Berlin, 27.November 2023. „Einst war Twitter informativ, gar lustig, später in Protestbewegungen sogar lebenswichtig, um Botschaften an die Öffentlichkeit zu senden. Inzwischen breiten sich Hass und Desinformation unkontrolliert aus, auch weil Elon Musk dies bewusst zulässt und sogar befeuert. Ein konstruktiver Diskurs ist auf der Plattform nicht mehr möglich“, sagt Justus von Daniels, CORRECTIV-Chefredakteur.

Unter Eigentümer Elon Musk und mit der Umbenennung zu X hat sich der Kurznachrichtendienst aus dem freiwilligen EU-Verhaltenskodex zur Bekämpfung von Desinformationen zurückgezogen. Auch der Einsatz von Medien für einen faktenbasierten Diskurs wurde zunehmend erschwert. Die Situation ist ernst. Falschmeldungen und Hassrede gehören zum Alltag. Die Ausrichtung von X ist demokratiegefährdend.

Aufgrund der Verbreitung illegaler Inhalte und Desinformation  im Zusammenhang mit den Ereignissen im Nahen Osten hat die EU eine Untersuchung gegen X eingeleitet. Damit nutzt die EU-Kommission Mittel des im August in Kraft getretenen Digital Services Act, die sehr große Social-Media-Plattformen wie X verpflichtet, unter anderem die Verbreitung von Falschbehauptungen einzudämmen.

CORRECTIV steht für eine starke Demokratie. Das tut das gemeinwohlorientierte Medienhaus auch mit der Entscheidung, X zu verlassen. Das Statement, das die Redaktion nach anhaltenden Bedenken gegen den fragwürdigen Kurs der Plattform setzen kann, ist, die Nutzung zu stoppen.

Nur CORRECTIV.Faktencheck wird weiterhin auf X vertreten sein. Gerade weil sich Desinformation aktuell wieder stärker auf X verbreitet, wird die Faktencheck-Redaktion weiter dort entgegenwirken, wo sich Falschbehauptungen stark verbreiten und ein Millionenpublikum erreichen. Um Desinformation künftig bekämpfen zu können, brauchen wir auch Ihre Unterstützung als Konsumentinnen und Konsumenten auf Social-Media-Plattformen. Haben Sie eine potenzielle Falschmeldung gesehen, schicken Sie uns diese gerne via Whatsapp zu an +49-151-17535184.  

Alle Inhalte lesen Nutzerinnen und Nutzer künftig im täglichen Newsletter CORRECTIV Spotlight oder auf alternativen Kanälen.

Kein schöner Fotomorgen: Hildfeld

Der feuchte Schnee vor der Linse machte das Fotografieren schwer. (foto: zoom)

Es hilft ja nichts. Die 15 Winterberger Orte müssen abgearbeitet werden. Das Wetter war heute für Hildfeld sehr ungünstig.

Alles sah bei plus 1° C und leichtem Schneefall irgendwie pampig aus. Ich hatte Angst um die Elektronik der Kamera. Spoiler: sie ist heil geblieben.

Der Stein vor der Schützenhalle trägt die Aufschrift „800 Jahre Hildfeld 1220 – 2020“. (foto: zoom)

Dies ist die Nummer neun von 15 jeweils anderthalbstündigen Spaziergängen durch sämtliche Winterberger Orte. Die Strecken sind spontan, die Bilder entstehen planlos, ohne Vorüberlegungen. Das Wetter ist, wie es ist. Auf Sonnenschein oder gute Lichtbedingungen wird nicht gewartet.

Sämtliche bislang fotografierten Orte sind unter der Kategorie 1235Winterberg zu finden. Kurzerklärung zum Namen: 12 Bilder mit 35 mm Festbrennweite.

Hausvögel (foto: zoom)
Blick auf Hildfeld (foto: zoom)
Das Heide Hotel (foto: zoom)
Die 60er-Jahre leben fort. (foto: zoom)
Bildstock in der Nähe des Friedhofs (foto: zoom)
Bienenstöcke auf dem Garagendach (foto: zoom)
Personalmangel – nicht nur in Hildfeld ein Problem (foto: zoom)
Ortsmitte (foto: zoom)
Nicht viel zu melden „vomme Bürgermester“ (foto: zoom)
Zur 800-Jahr-Feier (wegen Corona ausgefallen) haben alle Häuser, die einen Namen haben, einheitliche Schilder bekommen. (foto: zoom)
Halb zog es ihn, halb sank er hin. Hier fehlt die Kopfbedeckung. (foto: zoom)

Der erste Schnee – alle ausgeflogen

Ein unbewohntes Vogelhaus am Wegesrand (foto: zoom)

Der erste Schnee sei hiermit dokumentiert. Der Niederschlag war überschaubar, der Bürgersteig schnell freigeschoben.

Ein kleiner Spaziergang. Fahrradspuren auf der dünnen Schneedecke.

Forst- und Wanderweg entlang der Namenlose. Die Fahrradspuren sind gut zu erkennen. (foto: zoom)

Eine Begegnung. Zwei ältere sportlich gekleidete Radfahrer, orangene Trikots, schieben ein steiles Stück Hohlweg hinauf. Verfahren. Eigentlich hätten sie geplant, über die Ennert und dann durch den Wald über Markt- und Minenplätze zum Kahlen Asten zu radeln. Vor ein paar Wochen wollten sie die Tour schon einmal machen wollen, aber damals wäre der Regen zu stark gewesen.

Heute ein neuer Anlauf im Schnee. Warum nicht? Wir haben uns kurz über eine alternative Route für den Hinweg zum Kahlen Asten unterhalten. Ja, die würden sie dann nehmen, den ursprünglich geplanten Weg könnten sie sich für den Rückweg aufsparen.

Dann steigen sie auf ihre Touren-MTBs und treten in die Pedalen. Ein wenig später habe ich nur noch die Spuren im Schnee fotografieren können.

Ob sie gut angekommen sind? Ein wenig Sorgen macht man sich doch, wenn bei diesem lausigen Wetter Radfahrer*innen im Wald unterwegs sind.

Mal eben kurz gucken: Dortmund

Am Eingang des U (foto: zoom)

Gestern bin ich (Maske auf) mit dem Zug nach Dortmund und zurück gefahren. Für irgendetwas muss das Deutschlandticket gut sein.

Eine meiner üblichen Schnell-Exkursionen verläuft vom Bahnhof zur Landesbibliothek und weiter zum Dortmunder U: Bücher ausleihen und ein paar Ausstellungen ansehen.

Ich wollte vor der Dunkelheit wieder im Sauerland sein, also war das Zeitfenster knapp bemessen.

Die Ausstellungen Kulturelle Teilhabe und Heterogenität – Tasten und Sehen im Dialog der TU Dortmund und die Emerging Artists V-Biennale für zeitgenössische Kunst aus Dortmund konnte ich mir nur sehr kurz anschauen. Sie werden allerdings noch bis zum 14. bzw. 28. Januar 2024 gezeigt. Beim nächsten Dortmund-Besuch bringe ich mehr Muße mit und besuche die Werke der acht Künstler*innen auf der zweiten Ebene etwas ausdauernder.

Tastmodell der Stadtkirche St. Reinoldi (foto: zoom)

Teilhabe am Kulturellen Erbe ist Menschenrecht: für alle! ist das Motto der ersten Ausstellung.

„Vorgestellt werden Tastmodelle der Stadtkirche St. Reinoldi, Vermittlungschoreografien für eine inklusive (bau-)kulturelle Bildung und für eine zeitgemäße Lehrer:innenbildung.“

https://dortmunder-u.de/event/tasten-und-sehen/
Im Vordergrund die Innenstadt, im Mittelgrund ein Kirchenfenster und dahinter die St. Reinoldi Kirche (foto: zoom)

Neben den Modellen hängen zahlreiche Informationstafeln, auf denen das Projekt der Technischen Universität (TU) erläutert wird.

Die Zeit – sie lief mir davon. Auf der zweiten Ebene wollte ich unbedingt noch einen kurzen Blick auf die jungen, aufstrebenden Dortmunder Künstler*innen bzw. ihre Werke werfen.

Der Eingangsbereich (foto: zoom)

Beide Ausstellungen sind übrigens kostenlos. Auch wenn man nur kurz verweilt, bleibt kein Loch in der Brieftasche.

Auf dem Bild überschneiden sich zwei Ausstellungen. (foto: zoom)

Die naiv anmutende Malerei gehört zu eine/einem anderen Künstler*in als der Girls, Girls, Girls Teil, in welchem es um Prostitution ging. Die Künstlerin erklärt ihren Ausstellungsbereich auf einer grün umrandeten, im Raum hängenden Tafel.

Das Thema ist aktuell, allgegenwärtig und zugleich liegt ein Schleier des Schweigens über dem sogenannten“ältesten Gewerbe der Welt“. (foto: zoom)

Den roten Vorhang habe ich allerdings nicht zurückgezogen. Ich fand dieses Stück ganz witzig, weil es die sogenannte Warnung vor dem Inhalt / Content Warning (CW) in den sozialen Medien vergegenständlicht.

Hinter dem Vorhang kannst du Kommentare über Sexarbeiter*innen lesen, die verstörend sein können. Lies sie nur durch, wenn du dich dazu bereit fühlst. (foto: zoom)

Für eventuell zu erwartende abwertende, schäbige, ekelhafte Kommentare hatte ich am Donnerstag keine Zeit. Der Zug wartete. Der Vorhang blieb zu.

Tschüss Dortmund! (foto: zoom)

Gelesen: Fotos im Nationalsozialismus

Neue Forschungen zu einer besonderen Quelle

Ein wichtiges Thema wurde beim Dachauer Symposium 2021 behandelt (foto: zoom)

Vor über sieben Jahren fand im Hallenberger Kump die Ausstellung „Mythos Leni Riefenstahl – Fotografie. Film. Dokumentation“ [1] statt. Vor dem ersten Besuch hatte ich damals ein mulmiges Gefühl, Angst von der Riefenstahl’schen Ästhetik überwältigt zu werden.

Die ausgestellten Bilder und einordnenden Texte betrachtete und las ich sehr genau und konnte den antihumanen, gefühllosen, anti-aufklärerischen, todesgeilen und faschistischen Blick Riefenstahls auf die Welt erkennen [3]. Sie zeigen den Nationalsozialismus aus der Täterperspektive.

Im letzten Jahr (2022) ist im Wallstein Verlag der Protokollband des Dachauer Symposiums zur Zeitgeschichte von Oktober 2021 erschienen [4]. Das Thema der Tagung lautete „Fotos im Nationalsozialismus. Neue Forschungen zu einer besonderen Quelle“ [5].

Die knapp 200 Seiten haben mich in den letzten Tage sehr gefesselt, weil sie meinen Blick von der propagandistischen Bilderschau der Nationalsozialisten a là Riefenstahl zum Gesamtbestand sämtlicher Abbildungen gelenkt haben. Der Tagungsband versucht, das Volumen der Fotos zu kategorisieren und stellt die Frage, wie mit der (digitalen) Bilderflut umgegangen werden könne (S. 16 – 19).

Auf der Website des Dachauer Symposiums heißt es:

„Das 20. Jahrhundert ist das „Jahrhundert der Bilder“ (Gerhard Paul) – die Bedeutung von visuellen Medien ist nicht zu übersehen. Insbesondere die Nationalsozialisten haben die politische Relevanz von Bildern für die Propaganda erkannt und sorgfältig auf die visuelle Inszenierung ihrer Macht geachtet. Die Posen und Gesten, die Hitler mit seinem Fotografen Heinrich Hoffmann in den 1920er Jahren einstudierte, oder die Filme von Leni Riefenstahl sind ein beredtes Beispiel dafür.

Zehntausende Knipser haben ihren Alltag, die „Volksgemeinschaft“ und den Krieg fotografiert. Doch gab es im Nationalsozialismus auch Gegen-Bilder von jüdischen Fotografinnen und Fotografen, die ihre Lebenswirklichkeit, Verfolgung wie Selbstbehauptung, dokumentierten. Selbst in den Konzentrationslagern gelang es Häftlingen unter Lebensgefahr, Fotos von den Gewaltverhältnissen aufzunehmen.

Seit vielen Jahren stellen Museen und Gedenkstätten Fotos aus der NS-Zeit aus; in Nottingham, Berlin, London und anderen Orten sind Forschungsprojekte zu Fotografie im Nationalsozialismus verwirklicht worden – Grund genug, um Zwischenbilanz zu ziehen. Welche neuen Fragen werden heute an Fotografien gestellt? Welche Erkenntnisse können aus dem Umgang mit Fotografien sowohl in der Vermittlung wie auch in der Forschung gewonnen werden?

Und nicht zuletzt stellt sich drängend die Frage, wie mit Fotografien aus der NS-Zeit im Internet umgegangen werden soll. Was lässt sich gegen Bildfälschungen und verzerrende Interpretationen tun? Brauchen wir eine Enzyklopädie der Bilder?“

http://www.dachauer-symposium.de/symposium2021.html

Die Antwort auf die letzte Frage vorweggenommen: Eine überblickende, abschließende Anordnung (Enzyklopädie) der Fotobestände sei wegen der immer noch wachsenden Zahl der Bilder u. a. aus Privatsammlungen und Alben nicht möglich, sondern müsse in einer Art digitaler kritischer Edition erfolgen, ähnlich einer Wikipedia.

Da Bilder gerade in der digitalen Welt oft lediglich als Illustration, verändert oder verfälscht verbreitet würden, sei eine sehr genaue Kontextualisierung wichtig. Dazu gehörten Antworten auf die Fragen: Wer hat das Foto, wo und wann und unter welchen Umständen erstellt? Zeigt es die Täter-, Opfer- oder Siegerperspektive? Zeigt es eine private Szene oder ist das Bild eine Auftragsarbeit? Ist es möglich die Abbildung bis zum Negativ zurückzuverfolgen? Wer hat das Foto aus welchen Motiven archiviert und wie ist es an die Öffentlichkeit gelangt? Wie wurden Fotoalben zusammengestellt und möglicherweise im Laufe der Zeit verändert? Wieviel Politik und Zeitgeschichte steckt in einem privaten Foto? Was ist überhaupt auf dem Bild zu sehen?

Anhand von einzelnen Fotos bzw. Fotostrecken aus Alben führen die Referent*innen beispielhaft in ihr jeweiliges Thema ein.

Diese Bildbesprechungen waren und sind für mich ein sehr interessanter Aspekt der verschiedenen Aufsätze. In jedem Foto steckt ein spannender Essay. Bei manchen Seiten habe ich gedacht: Ja, so sollte ein sehr guter Aufsatz, eine Foto-/Bildinterpretation in der Oberstufe geschrieben werden.

Und tatsächlich sind (S. 183) nicht nur Historiker*innen und Medienleute die Zielgruppe einer kritischen Edition, sondern des weiteren auch Lehrer*innen und Schüler*innen.

Beispielgebend wird von Christine Bartlitz (S. 151) die Online-Lernplattform segu mit dem Modul „Auschwitz-Birkenau 1944 | Fotos aus zwei Perspektiven“ (10.2.2022) angeführt. Anhand eines Opfer- und eines Täterbildes vor der Rampe in Auschwitz sollen die Schüler*innen Bildquellen untersuchen und dabei besonders die Perspektive der Fotografierenden in den Blick nehmen.

In der dokumentierten Podiumsdiskussion (S. 161 – 185) hebt Cornelia Brink das RomArchiv als sehr überzeugende virtuelle Ausstellung hervor (S. 167), da Kontexte, Verknüpfungen, Erläuterungen zum Medium Fotografie angeboten werden.

Genau so interessant wie die Inhalte der einzelnen Vorträge, sind die jeweiligen Belege und Anmerkungen, die zum Stöbern im Internet einladen. Viele Ressourcen haben eine Webadresse (URL).

Für wen ist der Tagungsband des Dachauer Symposiums geeignet? Meiner Einschätzung nach reicht das Interesse am Medium Foto und/oder an der Geschichte des Nationalsozialismus vollkommen aus, um die eingängig geschriebenen knapp 200 Seiten gewinnbringend zu lesen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Interesse professionell, privat oder irgendwo dazwischen liegt.

Gliederung der inhaltlichen Schwerpunkte:

  • Von Fotoalben und Bilderrahmen. Private Blicke im NS-Deutschland
  • Gegen-Blicke. Jüdische Fotografinnen und Fotografen
  • Fotografie und Gewalt. Neue Perspektiven
  • Fotografien des Nationalsozialismus im Internet. Chancen und Probleme
  • Podiumsdiskussion

————-

[1] Mythos Leni Riefenstahl – Fotografie. Film. Dokumentation. Ausstellung im Infozentrum Kump vom 31. März bis 29. April 2016
https://www.schiebener.net/wordpress/mythos-leni-riefenstahl-fotografie-film-dokumentation-ausstellung-im-infozentrum-kump-vom-31-maerz-bis-29-april-2016/

[2] Mit Riefenstahl bin ich noch nicht durch … Ausstellung im Kump Hallenberg
https://www.schiebener.net/wordpress/mit-riefenstahl-bin-ich-noch-nicht-durch-austellung-im-kump-hallenberg/

[3] Um zwei Wochen verlängert: „Riefenstahls Blick auf die Welt ist antihuman, gefühllos, anti-aufklärerisch, todesgeil und faschistisch“ (Georg Seeßlen)
https://www.schiebener.net/wordpress/um-zwei-wochen-verlaengert-riefenstahls-blick-auf-die-welt-ist-antihuman-gefuehllos-anti-aufklaererisch-todesgeil-und-faschistisch-georg-seesslen/

[4] Fotos im Nationalsozialismus, Neue Forschungen zu einer besonderen Quelle, Herausgegeben von Michael Wildt und Sybille Steinbacher, Reihe: Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Bd. 20, Göttingen 2022, ISBN 978-3-8353-5318-3

[5] Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte 2021, Fotografie im Nationalsozialismus – eine Zwischenbilanz
http://www.dachauer-symposium.de/symposium2021.html

SBL verlangt vom Landrat mehr Informationen über die Folgen des Ausfalls der SIT

Nun sind es schon 26 Tage, in denen alle Dienstleistungen der Südwestfalen-IT ausgefallen sind. Infolge einer Cyber-Attacke können seit 30.10.2023 im HSK z.B. keine Kfz angemeldet werden, keine Führerscheine ausgestellt werden und keine regulären Personalausweise bestellt werden.

(Der Artikel ist heute auf der Website der Sauerländer Bürgerliste erschienen.)

Mittlerweile gibt es einige Ersatzlösungen. So können seit einigen Tagen Kfz nach mehreren Tagen Bearbeitungszeit Zulassungen mit PB- oder KB-Kennzeichen erhalten. Und EinwohnerInnen können von Brilon nach Bad Wünnenberg oder Willingen fahren und dort Personalausweise beantragen.

Bei vielen Betroffenen herrscht große Unzufriedenheit mit der Informationspolitik der SIT. Diese hat zwar eigens eine Firma für Krisenkommunikation aus Leipzig engagiert, aber das brachte keine sichtbaren Erfolge. So wurde am 06.11. auf der “Notfall-Internetseite” der SIT angekündigt: “Die SIT wird nun täglich über mögliche neue Erkenntnisse informieren.”

Die Realität ist davon weit entfernt, denn in den 18 Tagen danach gab es genau dreimal neue Mitteilungen.

Die SBL-Kreistagsfraktion hat nun für die nächste Kreistagssitzung (am Freitag, 08.12., ab 14 Uhr im Kreishaus in Meschede) folgenden Antrag für die Tagesordnung eingebracht:

“Sehr geehrter Herr Landrat,

für die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Kreistags beantragt die SBL-Kreistagsfraktion den Tagesordnungspunkt (TOP):

Bericht des Landrats über die Folgen des Totalausfalls aller Systeme der SIT

Dabei soll insbesondere auf folgende Punkte eingegangen werden:

  • Auswirkungen auf die von der Kreisverwaltung angebotenen Dienstleistungen
  • Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in der Kreisverwaltung
  • Aktueller Stand der Ersatzlösungen (z.B. durch Kooperation mit Nachbarkreisen)
  • Zeitliche Perspektive für eine Wiederaufnahme des Normalbetriebs
  • Maßnahmen zur Überprüfung der Server und PCs in der Kreisverwaltung (weiter uneingeschränkt nutzbar?)
  • Weiter bestehende Gefährdungen der Datensicherheit
  • Möglicherweise abgeflossene Daten
  • Netzwerksegmentierung
  • Zukunftsstrategie, z.B. Beauftragung anderer IT-Dienstleister und Erstellen von Havarieplänen
  • Finanzielle Auswirkungen für die Kreishaushalte 2023 und 2024?

Im Jahr 2022 sind 21,8 Prozent mehr Menschen in NRW aufgrund von Krankheiten des Atmungssystems gestorben als im Jahr zuvor

Krankheiten des Kreislaufsystems waren auch im vergangenen Jahr mit 28,7 Prozent aller Sterbefälle die häufigste Todesursache im Land.

Grafik IT.NRW

Düsseldorf (IT.NRW). Im Jahr 2022 sind in Nordrhein-Westfalen 234 176 und damit rund 6,4 Prozent mehr Menschen gestorben als ein Jahr zuvor. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, sind Todesfälle aufgrund von Krankheiten des Atmungssystems um 21,8 Prozent gestiegen.

Aber auch die Zahl der aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen Gestorbenen ist gegenüber 2021 überdurchschnittlich (+16,8 Prozent) gestiegen. Etwa die Hälfte (49,7 Prozent) der an Krankheiten des Atmungssystems Gestorbenen entfiel auf die Diagnose chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Bei knapp einem Viertel (24,1 Prozent) wurden Pneumonien (Lungenentzündungen) diagnostiziert. Sterbefälle aufgrund von psychischen und Verhaltensstörungen waren zu rund 90 Prozent auf Demenzerkrankungen zurückzuführen.

Krankheiten des Kreislaufsystems waren mit 28,7 Prozent (67 117 Verstorbene) – wie bereits in den Vorjahren – auch im Jahr 2022 die häufigste Todesursache. 30,6 Prozent der Frauen und 26,7 Prozent der Männer starben an den Folgen einer Kreislauferkrankung. Zweithäufigste Todesursache waren mit einem Anteil von 22,1 Prozent bösartige Neubildungen (51 653 Gestorbene). Es folgten mit jeweils 6,8 Prozent psychische und Verhaltensstörungen (15 903 Fälle) und Krankheiten des Atmungssystems (15 856).

Bei 4,7 Prozent der Sterbefälle (10 967 Gestorbene) wurde laut Todesbescheinigung COVID-19 als Todesursache festgestellt. Damit war die Zahl der an COVID-19-Gestorbenen um 10,4 Prozent niedriger als im Vorjahr (2021: 12 235 Sterbefälle; 5,6 Prozent aller Sterbefälle).

Die Betrachtung der Sterbefälle nach Sterbemonat zeigt einen überdurchschnittlichen Anstieg (+28,9 Prozent) der Todesfälle im Dezember 2022 (25 333 Fälle) gegenüber dem Vormonat (November 2022: 19 653 Fälle). Im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021 hatte dieser Zuwachs bei 10,9 Prozent gelegen. Im Vergleich zu November 2022 sind die Todesfälle im Dezember in allen Todesursachengruppen gestiegen. Den höchsten Anstieg hat das Statistische Landesamt hier bei den Todesfällen aufgrund von Krankheiten des Atmungssystems (+72,8 Prozent; +997 Todesfälle) ermittelt.

Das durchschnittliche Sterbealter der im Jahr 2022 Gestorbenen lag in NRW bei 79,5 Jahren (Frauen: 82,0 Jahre; Männer: 76,9 Jahre) und war damit ein halbes Jahr höher als 2021 (Frauen: +0,4 Jahre; Männer: +0,5 Jahre).

Das Statistische Landesamt weist darauf hin, dass die Zuordnung der Todesursachen in der Todesursachenstatistik ausschließlich auf den Angaben der die Leichenschau durchführenden und den Tod bescheinigenden Ärztinnen und Ärzte in den ausgestellten und an das Statistische Landesamt übermittelten Todesbescheinigungen basiert. Im Jahr 2022 wurde für 2,0 Prozent der Sterbefälle keine Todesbescheinigung an das Landesamt übermittelt. Diese Fälle wurden den ungenau oder nicht näher bezeichneten Todesursachen (ICD-Kapitel R00-R99) zugeordnet. Insgesamt entfielen 8,4 Prozent der Todesfälle auf diese Rubrik.