Umleitung: Reitzenstein reizt @erbloggtes – zu Recht und weitere Lesehinweise sowie Beste Grüße

Pause! Der Ruhrtalradweg zwischen Olsberg und Steinhelle. (foto: zoom)

Zur Causa Reitzenstein: Wissenschaft vor Gericht. Erlaubt es die Verteilung von Rezensionsexemplaren an Zeitungen und Fachzeitschriften, dass der Buchautor auch gleich zu bestimmen hat, was in den Rezensionen steht? Der Historiker Julien Reitzenstein scheint dieser Ansicht zu sein, und das Landgericht Hamburg scheint ihm darin zu folgen. Reitzenstein, Autor einer Düsseldorfer Dissertation über das NS-Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung („Himmlers Forscher“, 2014 bei Schöningh, Paderborn, erschienen), fühlte sich offenbar durch folgenden Satz eines Rezensenten in seiner Ehre verletzt … erbloggtes

Kein Wunder, dass DerWesten immer platter wird: heftig.co-Erfinder Peter Schilling baut virale Erfolge am Fließband … turi2

Rationality Storm: Homöopathie, TK, Twitter und Mainstream-Medien … scilogs

Public History und Geschichtsdidaktik – Ein Austausch: Die Beziehung zwischen Public History – nämlich Geschichte in der Öffentlichkeit zu betreiben – und Geschichtsunterricht ist es wert, diskutiert zu werden, indem sowohl Abgrenzungen wie auch Gemeinsamkeiten zwischen Public History und Geschichtsunterricht gesucht und gefunden werden … publicHistory

Grüne: Eigennutz zählt … doppelwacholder

ÖPNV Im Hochsauerlandkreis: Einnahmen der RLG aus dem Sozialticket bleiben vorerst ein Rätsel … sbl

Viele, liebe, beste, schöne, freundliche, herzliche Grüße: Die etwas unklare Rangordnung der Grußformeln … revierpassagen

UPDATE (2.5.2017) Ein Leserbrief. „Der Stand der Dinge: Qualitätsanalyse – Verbundschule und Sekundarschule in Winterberg“.

Die Verbundschule Siedlinghausen soll geschlossen werden. (archiv: zoom)

Nachfolgend veröffentliche ich einen Leserbrief von Sebastian Vielhaber. Der Autor war maßgeblich an der Siedlinghäuser Bürgerinitiative gegen die Schließung der weiterführenden Schule im Ort beteiligt.

Vorbemerkung: Mit der Gründung der Sekundarschule Medebach-Winterberg läuft die Verbundschule Winterberg-Siedlinghausen aus.

Siehe u.a. hier im Blog.

Viele Bürger des Winterberger Ortsteils Siedlinghausen befürchten einen sozialen, ökonomischen und kulturellen Bedeutungsverlust ihres Ortes, wenn ein wichtiger Baustein, nämlich die weiterführende Schule,  aus dem gewachsenen Orts-Ensemble herausgebrochen wird.

Soweit die kurze Einordnung. Alles Weitere kann in den Kommentaren „ohne Zorn und Eifer“ erweitert und diskutiert werden.

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UPDATE (2.5.2017): Heute hat die in Gründung befindliche Bürgervereinigung „FWG Winterberg und Ortschaften“ die Qualitätsanalysen vom 12. 01. 2017 und vom 29. 03. 2017, sowie die Stellungnahme der Stadt Winterberg  auf ihrer Website veröffentlicht:

http://www.fw-winterberg.de/cms/media/pdf-schule/Qualitaetsanalyse_12.01.2017_1.pdf

http://www.fw-winterberg.de/cms/media/pdf-schule/Qualitaetsanalyse_29.03.2017_1.pdf

http://www.fw-winterberg.de/cms/media/pdf-schule/Stellung_Stadt_Wtbg._14.03.2017.pdf

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Der Leserbrief im Wortlaut:

Leserbrief
„Der Stand der Dinge: Qualitätsanalyse – Verbundschule und Sekundarschule in Winterberg“

Das, was sich hier seit Ende April 2016 in Winterberg -insbesondere zum Thema Sekundarschule und Qualitätsanalyse (QA)- inzwischen abgespielt hat, ist „filmreif“ und wenn es nicht so traurig wäre, könnte man glatt eine Komödie daraus machen.

Was hat sich zwischenzeitlich ereignet:

Wie ich in Erfahrung gebracht habe, liegt der Stadt Winterberg sowie der Verbundschule Winterberg-Siedlinghausen seit dem 16. Dezember 2016 eine sogenannte QA vor.

Seither fordern zahlreiche Eltern und Bürger aus Winterberg und den Dörfern die Veröffentlichung dieser QA, die nach meiner Einschätzung den Charakter eines Gutachtens hat. Erstellt wurde die QA von Qualitätsprüfern des Dezernats 4Q der Bezirksregierung Arnsberg, welches uns seit Anfang des Jahres immer wieder auf Neues ermutigt hat, bei diesem Thema am Ball zu bleiben.

Nach Auffassung der Schulaufsicht des Hochsauerlandkreises ist nach Vorlage eines solchen Gutachtens innerhalb von einer Woche die Schulkonferenz einzuberufen, die darüber abstimmen soll, ob das Gutachten veröffentlicht wird oder nicht. Diese Veröffentlichung ist bis heute nicht erfolgt.

Am Freitagnachmittag den 24.02.2017 erhielt ich eine Nachricht der Bezirksregierung Arnsberg, nach mehrmaliger vorheriger Anfrage, wonach diese QA derzeit noch einmal geprüft und textlich verändert würde.

Bei einer nachträglichen textlichen Veränderung eines Berichtes oder Gutachtens (QA) liegt für mich der Verdacht und die Vermutung nahe, dass hier gerade eine textliche Zensur stattfindet. Werden etwa Textpassagen überarbeitet, wovon die Eltern und Bürger aus Winterberg und seiner Dörfer nichts erfahren dürfen/sollen?

Durch diese Vorgehensweise („Zensur“ der QA) tragen die Verantwortlichen dazu bei, dass der Graben zwischen Winterberg und Siedlinghausen, um ein Vielfaches tiefer und breiter wird. Transparenz und Offenheit sollten in einer Demokratie anders aussehen.

Es gibt im Bundesland NRW ein Informationsfreiheitsgesetz (IFG NRW), das es uns Bürgern (natürliche Personen) erlaubt in alle nicht als geheim eingestuften behördlichen Akten Einsicht (kompletten Verwaltungsvorgang) zu nehmen. Die QA fällt aus meiner Sicht nicht unter die geheim einzustufenden Akten.

Vor diesem Hintergrund habe ich Anträge an die Verbundschule, an den Schulträger (die Stadt Winterberg), an die Schulaufsicht des Hochsauerlandkreises sowie an das Dezernat 4Q der Bezirksregierung Arnsberg gestellt.

Die Bezirksregierung Arnsberg hat mich daraufhin zu einem persönlichen Gespräch am Montag, den 13.03.2017 eingeladen. Begleitet wurde ich von unserem Ortsvorsteher Bruno Körner. Die Bezirksregierung wollte mir Erläuterungen und Hinweise geben, weshalb textliche Änderungen an dem Bericht vom 16. Dezember 2016 notwendig gewesen wären.

Der gestellte Antrag an die Verbundschule wurde an den Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Arnsberg weiter verwiesen.

Die Stadt Winterberg hat meinen Antrag weder abgewiesen, noch an einen anderen Zuständigkeitsbereich verwiesen. Mir wurde allerdings keine dem Gesetz nach entsprechende Akteneinsicht gewährt. Als Begründung wird angeführt, dass erst jetzt ein sog. „Entwurf“ zur QA vorläge und sie nun zwei Wochen Zeit hätten, entsprechende Stellungnahmen abzugeben.

Der Hochsauerlandkreis hat auf meinen Antrag auch keine eindeutige Auskunft gegeben und auf meinen Termin bei der Bezirksregierung Arnsberg verwiesen.

Eine Akteneinsicht wurde uns beim vorgenannten Gespräch bei der Bezirksregierung verwehrt. Vielmehr wurden wir darauf hingewiesen, dass der Bericht vom 16.12.2016 nur eine sogenannte „Entwurfsfassung“ gewesen sei und die Endfassung erst am 18.01.2017 an die Verbundschule und den Schulträger Stadt Winterberg versandt worden wären. Entsprechende Stellungnahmen zum vorgenannten Bericht wurden weder von der Verbundschule noch vom Schulträger abgegeben.

Weiterhin teilte man uns mit, dass die Endfassung vom 18.01.2017 dann noch einmal durch die Bezirksregierung redaktionell überarbeitet werden musste, weil es angeblich irgendwelche Formfehler im Bericht vom 16.12.2016/18.01.2017 gegeben haben soll.

Die Überarbeitung des 1. Berichtes hat bis zum 01.03.2017 gedauert. Hier wurde dann ein sog. 2. Bericht mit Status „Entwurf“ wiederholt an die Verbundschule und Schulträger versandt mit einer Frist zu weiteren Stellungnahmen bis zum 15.03.2017.

Der 2. Bericht soll in einigen Bereichen ausführlicher und kritischer geworden sein und der Bericht hat mehr Seiten als vorher.

Alles etwas eigenartig oder nicht?

Bis zu unserem vorgenannten Gespräch sind anscheinend keine Stellungnahmen von Seiten der Verbundschule sowie dem Schulträger bei der Bezirksregierung Arnsberg eingegangen.

Wir fragen uns auch, warum und weshalb es keine Stellungnahmen bereits zum ersten Bericht gegeben hat? Oder haben hier die Verbundschule und der Schulträger etwa bei der Überarbeitung des 1. Berichtes hinter den Kulissen mitgewirkt?

Die Bezirksregierung sei sich auch nicht sicher darüber, ob wir überhaupt Akteneinsicht gemäß des IFG NRW haben könnten. Begründet wird es von der Bezirksregierung Arnsberg damit, dass man sich nicht sicher ist, ob die Verordnung die für die Qualitätsanalysen (QA-VO) gilt, eine Rechtsvorschrift sei oder nicht. Denn wenn diese Verordnung eine Rechtsvorschrift wäre, hätten wir kein Recht auf Akteneinsicht.

Bemerkenswert ist allerdings im Kontrast zu dieser Aussage der Bezirksregierung Arnsberg, dass es öffentliche Aussagen der Bezirksregierung Detmold von 2014 und 2016 gibt, die damals den Antragstellern eine Akteneinsicht nach datenschutzrechtlicher Überprüfung (150,00 Euro pro Bericht) für QA´s über Bielefelder Schulen gewährt hätte.

In anderen Bundesländern wie u.a. Berlin und Brandenburg gibt es gar keine Diskussion um eine Akteneinsicht, da diese Bundesländer alle QA´s allen Eltern und Bürgern auf entsprechenden Plattformen öffentlich zugänglich machen.

Wir haben gegenüber der Bezirksregierung unsere Position deutlich gemacht, dass wir die gestellten Anträge auf sämtliche Berichte zur QA seit dem 16.12.2016 aufrechterhalten werden.

Daher werden sich meine Mitstreiter und ich weiter dafür einsetzen, dass die Urfassung der QA (12/2016) mittels weiterer Anträge an die entsprechenden öffentlichen Einrichtungen u.a. an die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit in NRW gemäß § 13 des Informationsfreiheitsgesetzes NRW allen Eltern und Bürgern von Winterberg und seinen Dörfern öffentlich zugänglich gemacht wird.

Inzwischen gibt es bereits einen zweiten Antrag nach IFG zu Akteneinsicht zum Thema „QA Verbundschule“ von einem Winterberger Bürger, der der Bezirksregierung Arnsberg am 13.03.2017 postalisch zugegangen ist.

Anscheinend haben die öffentlichen Einrichtungen (u.a. Behörden wie Bezirksregierung Arnsberg als auch die Stadt Winterberg sowie öffentliche Bildungseinrichtungen wie die Verbundschule Winterberg-Siedlinghausen) einiges zu verbergen.

Ich werde für Sie weiter am Ball bleiben und versuchen dazu beizutragen, all diese Umstände möglichst zeitnah aufzudecken und für alle Eltern und Bürger der Stadt Winterberg und seinen Dörfern zugänglich und transparent zu machen.

Sebastian Vielhaber
Winterberg-Siedlinghausen

Neue Zürcher Zeitung: „Werbung“ oder „Rezension“?
Der Anthroposoph David Marc Hoffmann schreibt über Christian Clements „Rudolf Steiner kritische Ausgabe“

Im Februar 2017 erscheint in der Neuen Zürcher Zeitung die dritte Rezension von David Marc Hoffmann, Leiter des „Rudolf-Steiner-Archivs“ in Dornach, zur „Rudolf Steiner kritische Ausgabe“ des Anthroposophen Christian Clement. Hat die NZZ ein neues Ressort „Anthroposophie“? Nein. Aber „Werbung“ für die Anthroposophie im „Feuilleton“? Was ist das? Ich frage die NZZ, schreibe eine E-mail …

Rückblende, Prof. Helmut Zander, Experte für Rudolf Steiner und Autor des Standardwerkes „Anthroposophie in Deutschland“, schreibt 2013 in der Neuen Zürcher Zeitung: „Den politischen Höhepunkt dieser Auseinandersetzung markiert eine Stellungnahme der deutschen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Sie kam 2007 zu dem Ergebnis, dass es Vorstellungen Steiners gebe, die ‘als zum Rassenhass anreizend bzw. als Rassen diskriminierend anzusehen’ seien.“1 Damit war es amtlich: Rudolf Steiner ein Rassist. Von nun an konnte man bei der Verteidigung Steiners nur noch verlieren. Also ging die Anthroposophie in die PR-Offensive, mit Christian Clements „Rudolf Steiner kritische Ausgabe“, „SKA“, die der Humanistische Pressedienst so einordnet: „Die Anthroposophie versucht seit Jahren, Rudolf Steiner ein neues, positives und neutrales Image zu geben: weg vom ‘verstörenden’ Esoteriker Steiner, hin zum bedeutenden Philosophen Steiner. Dass sich ein nach aussen hin renommierter Verlag, der ‘Frommann-Holzboog Verlag’, an dem anthroposophischen Betrug beteiligt, überrascht.“2 Überraschend ist auch die Rolle der NZZ: eine Rezension von David Marc Hoffmann hätte man vielleicht noch als „Versehen“ ansehen können, aber drei?3

Am 17.02.2017 um 10:40 schrieb Andreas Lichte [an die NZZ]:

Sehr geehrte Redaktion,

David Marc Hoffmann, Leiter des „Rudolf-Steiner-Archivs“ in Dornach, ist Autor des Artikels – „Als die Anthroposophie noch «Theosophie» hiess“4 – der Neuen Zürcher Zeitung.

Er rezensiert den 6. Band der „Rudolf Steiner Kritische Ausgabe“, an deren Entstehung er maßgeblich beteiligt war:

David Marc Hoffmann veranlasste laut eigener Aussage die Zusammenarbeit der Verlage „frommann-holzboog Verlag“ und „Rudolf Steiner Verlag“.

David Marc Hoffmann hat also ein persönliches und professionelles Interesse am Erfolg der „Rudolf Steiner Kritische Ausgabe“: seine Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung hat den Charakter von „Werbung“.

Fragen:

– Warum veröffentlicht die Neue Zürcher Zeitung Werbung?

– Warum kennzeichnet die Neue Zürcher Zeitung Werbung nicht als „Werbung“, um sie von einem redaktionellen Beitrag abzugrenzen?

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Lichte

Die Antwort der NZZ:

Am 17.02.2017 um 16:41 schrieb NZZ Hinweise:

Sehr geehrter Herr Lichte,

Danke für Ihre Nachricht. Es handelt sich bei der Rezension nicht um Werbung. Haben zudem eine Angabe zur Person des Autors dem Artikel beigefügt.

Es trifft nicht zu, dass DMH [Anmerkung Lichte: „DMH“ ist „David Marc Hoffmann“] an der Entstehung der von ihm besprochenen Ausgabe „maßgeblich beteiligt war“, er hat erst im Frühjahr 2012 durch Verlagsankündigungen von Frommann-Holzboog von der bereits aufgegleisten und in Fahrt befindlichen Ausgabe erfahren. Dann hat er eine Vertriebszusammenarbeit der beiden Verlage angeregt. Soll heissen: Der Steiner-Verlag hat die Frommann-Holzboog-Bände in seinen Vertrieb mit aufgenommen, ohne an Redaktion, Produktion und Finanzierung irgendwie beteiligt zu sein. Der Steiner-Verlag nimmt also lediglich einen Teil der Auflage ab und vertreibt sie auf eigenes Risiko über seine Kanäle. (So steht es auch im Impressum des besprochenen Bandes.)

Der Steiner-Verlag vertreibt damit eine Steiner-Ausgabe, die eigentlich ein Konkurrenzunternehmen zu seiner eigenen Steiner-Ausgabe ist. Auf den Unterschied der editorischen Intention der beiden Ausgaben ist Hoffmann in seinem Artikel selbstkritisch zu sprechen gekommen. Das macht ja auch den Reiz der Besprechung aus: Deer Verfasser lobt sozusagen die Konkurrenz. (Eine lobende Rezension ist keine «Werbung».)

Weiter ist festzuhalten, dass Hoffmann Leiter des Steiner-Archivs ist, nicht des Steiner-Verlags. Beide sind voneinander unabhängig, sie stehen nur in Bezug auf die Steiner-Gesamtausgabe in einem vertraglichen Verhältnis zueinander. Von einem allfälligen Verkaufserlös aus dem Vertrieb der Clementschen Ausgabe fliesst kein Geld an das Archiv, weder vom Steiner-Verlag noch von Frommann-Holzboog.

Freundliche Grüsse,

Die Redaktion

meine Erwiderung:

Am 17.02.2017 um 17:38 schrieb Andreas Lichte:

Sehr geehrte Redaktion,

Vielen Dank für Ihre Antwort !

Ich würde mich freuen, wenn Sie mir noch mitteilen, mit wem ich mich gerade austausche – mir bitte Ihren Namen nennen – Danke!

Sie schreiben: „Es trifft nicht zu, dass DMH an der Entstehung der von ihm besprochenen Ausgabe „maßgeblich beteiligt war“ …“

Selbstverständlich war David Marc Hoffmann maßgeblich am Zustandekommen der Kooperation der beiden Verlage „frommann-holzboog Verlag“ und „Rudolf Steiner Verlag“ beteiligt, sagt er ja selbst:

http://www.rudolf-steiner.com/downloads/

David Marc Hoffmann: Zur Zusammenarbeit des Verlags frommann-holzboog und des Rudolf Steiner Verlags für die Kritische Ausgabe der Schriften Rudolf Steiners von Christian Clement, Rudolf Steiner Verlag, Verlagsvorschau, Frühjahr 2014.PDF

„(…)

Nach meinem Arbeitsantritt als Archivleiter [Anmerkung Lichte: des „Rudolf Steiner Archivs“] am 1. Oktober habe ich Kontakt gesucht zum Verleger Eckhart Holzboog, den ich von meiner früheren Tätigkeit als Leiter des Schwabe Verlags persönlich kannte.

(…)

Mein Angebot, die Unterlagen zum ersten Band einmal unverbindlich und vertraulich durchzusehen und ein kritisches Feedback zu geben (…), wurde von Herrn Clement und vom frommann-holzboog Verlag dankbar angenommen.

(…)

Aber nach meiner intensiven Durchsicht war ich sehr beeindruckt.

(…)

Deshalb habe ich dem frommann-holzboog Verlag und dem Rudolf Steiner Verlag empfohlen, diese Ausgabe doch gemeinsam zu vertreiben, was denn auch realisiert wurde.

(…)“

Nachdem sich David Marc Hoffmann so intensiv für die „Rudolf Steiner Kritische Ausgabe“ engagiert hat, hat er ein persönliches und professionelles Interesse an ihrem Erfolg,

und deshalb macht er mit seiner „Rezension“ in der Neuen Zürcher Zeitung Werbung:

der Artikel „Als die Anthroposophie noch «Theosophie» hiess“ ist keine NEUTRALE Rezension der Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung, sondern die Werbung eines INTERESSIERTEN.

Sie schreiben: „Der Steiner-Verlag vertreibt damit eine Steiner-Ausgabe, die eigentlich ein Konkurrenzunternehmen zu seiner eigenen Steiner-Ausgabe ist. Auf den Unterschied der editorischen Intention der beiden Ausgaben ist Hoffmann in seinem Artikel selbstkritisch zu sprechen gekommen. Das macht ja auch den Reiz der Besprechung aus: Deer Verfasser lobt sozusagen die Konkurrenz. (Eine lobende Rezension ist keine «Werbung».)“

Es gibt keine „Konkurrenz“: beide Verlage fördern die Anthroposophie. Nur deswegen gibt es auch die Zusammenarbeit.

Sie schreiben: „Weiter ist festzuhalten, dass Hoffmann Leiter des Steiner-Archivs ist, nicht des Steiner-Verlags. Beide sind voneinander unabhängig, sie stehen nur in Bezug auf die Steiner-Gesamtausgabe in einem vertraglichen Verhältnis zueinander. Von einem allfälligen Verkaufserlös aus dem Vertrieb der Clementschen Ausgabe fliesst kein Geld an das Archiv, weder vom Steiner-Verlag noch von Frommann-Holzboog.“

Formal mögen „Rudolf Steiner-Archiv“ und „Rudolf Steiner-Verlag“ voneinander unabhängig sein, beide fördern jedoch die Anthroposophie.

Ganz allgemein stellt sich noch die Frage, warum die Neue Zürcher Zeitung einem Unterstützer der Anthroposophie soviel Raum gibt:

es ist ja nicht die erste „Rezension“ – d.h. Werbung – die David Marc Hoffmann in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlichte.

Warum hat die Neue Zürcher Zeitung damit aufgehört, Rezensionen von Professor Helmut Zander zu veröffentlichen?

Helmut Zander ist der NEUTRALE Experte, Autor des Standardwerkes „Anthroposophie in Deutschland“, wie Sie sicher wissen …

Mit freundlichen Grüssen

Andreas Lichte

Bis zum Erscheinen dieses Artikels gab es keine weitere Antwort der „Redaktion“ der Neuen Zürcher Zeitung.

Zum Schluss noch einmal Prof. Helmut Zander, mit einer Rezension von Christian Clement, die nicht bei der NZZ erschien – Helmut Zanders Fazit zur „Rudolf Steiner kritische Ausgabe“:

„(…) Angesichts der handwerklichen Mängel, namentlich in der partiell großen Forschungsdistanz, und der tief anthroposophiefrommen Einleitung ist man über eine solche Publikation im Verlag Fromann-Holzboog mit seinen hochrenommierten Editionen – sagen wir – irritiert. Ich finde es angebracht, diese Edition grundsätzlich zu überdenken und sie in die scientific community einzubinden.“5

 
 
 
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3 David Marc Hoffmann, „Schulungsschriften Rudolf Steiners in einer kritischen AusgabeDie Freiheit des Erkenntniswegs“, Neue Zürcher Zeitung, 11.3.2015

David Marc Hoffmann, „Rudolf Steiners «Philosophie der Freiheit» neu ediert – Auf dem geheimnisvollen Weg nach innen“, Neue Zürcher Zeitung, 15.3.2016

David Marc Hoffmann, „Rudolf Steiner – Als die Anthroposophie noch «Theosophie» hiess“, Neue Zürcher Zeitung, 15.2.2017

 

4 David Marc Hoffmann, „Als die Anthroposophie noch «Theosophie» hiess“, NZZ, 15.2.2017

 

5 Helmut Zander: Rezension zu: Steiner, Rudolf: „Schriften zur Erkenntnisschulung. Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten. Die Stufen der höheren Erkenntnis, hrsg. u. kommentiert von Christian Clement“. Stuttgart 2015, in: H-Soz-Kult, 21.07.2015, www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-22822

 

Umleitung: vom Ausverkauf der Autobahnen zu George Soros. Alles drin, sogar Klau-Kids.

Obenauf: Der Feldstein bei Olsberg/Bruchhausen im Hochsauerland. Am Schluss musst du klettern. (foto: zoom)

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Anmerkungen zu George Soros: George Soros ist zum liebsten Hassobjekt von Verschwörungstheoretikern, neuer Rechter und Putins Agit-Medien geworden: Ein Jude, der sich für die Demokratie einsetzt, ist wohl einfach zu viel für die internationale der Aluhüte und ihre Einpeitscher … prinzessinnenreporter

„Klau-Kids geraten zunehmend ins Visier der Polizei“: im Subtext dieses Heuel-Elaborats Rassismus … doppelwacholder

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Umleitung: Transparenz in NRW und anderer Fake und dazu ein paar Fakten

Das Oversum in Winterberg mit Sauna (der Holzkasten) (foto: zoom)

NRW-Transparenzgesetz kommt doch nicht: Landesregierung hatte bis 2017 ein Transparenzgesetz versprochen … wdr

Göring-Eckardt wollte den Mindestlohn? Falsch!: Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt will schon 2003 für einen Mindestlohn gekämpft haben. Das jedenfalls sagte sie im „Bericht aus Berlin“. Stimmt nicht … ard

Martin Schulz: Mit dem Thema Gerechtigkeit hat er einen wunden Punkt getroffen, das zeigen die Reaktionen nach öffentlichen Auftritten von Martin Schulz … freitag

Jäger: Mühe gegeben … postvonhorn

Autobahnprivatisierung: „Größte Grundgesetzänderung des Jahrzehnts?“ … GiB

Lenins Zug: Die Russische Revolution und die Schweiz … UniBern

Harburger im Spanischen Bürgerkrieg: 1936/37 machten sich 13 Harburger Antifaschisten auf die Reise … harbuch

Fake News, Alternative Fakten, Historische Bildung: Während die wachsende Verbreitung von “falschen Nachrichten” – oder auf Englisch “Fake News” – verbesserte Werkzeuge zur Erkennung und Beurteilung von Nachrichten im Allgemeinen erfordert, um Fälschungen zu erkennen, ist bei “alternative Fakten” wichtig, genau auf die einzelnen Fakten im Speziellen zu schauen. Beides vermitteln GeschichtslehrerInnen seit langem … publicHistory

Why Facts Don’t Change Our Minds: New discoveries about the human mind show the limitations of reason … TheNewYorker

Wir brauchen mehr Abstreitbarkeit! Smartphone-Kontrollen sind nicht hinnehmbar. Google und Apple könnten helfen … scilogs

Westfalenpost/Westfälische Rundschau dichtet um: Stadt kontrolliert Südosteuropäer … doppelwacholder

#FreeDeniz! Und alle anderen Journalisten auch: Und weil Anwälte viel Geld kosten und überhaupt aus Prinzip: Kauft dieses eBook! … prinzessinnenreporter

Die Bildungsmesse didacta 2017 – ein Maßstab für Bildung? Technik sollte der Pädagogik folgen – nicht umgekehrt!

didacta 2017: Besucher im L-Bank Forum (foto: MESSE STUTTGART)

Jedes Jahr besuche ich die Bildungsmesse „didacta“, die vom 14.-18. Februar wieder einmal in Stuttgart stattfand. Immer schaue ich nach den neuesten Trends. 2017 verlief die nach einer Pressemitteilung des Veranstalters „größte Bildungsfachmesse der Welt“ erneut wirtschaftlich sehr erfolgreich.

Der didacta-Verband gibt sich zufrieden: 75.000 qm Ausstellungsfläche, 860 Aussteller aus 47 Ländern, 1.500 Veranstaltungen im überwiegend fortbildenden Rahmenprogramm, 85.000 Besucherinnen und Besucher. Deren Interesse richtete sich laut Veranstalter zunehmend auf digitale Medien: Mit 34 Prozent lag die Nachfrage hier um sieben Prozent höher als im Vorjahr. Doch ob diese offiziellen Zahlen realistisch sind, lässt sich nicht überprüfen.

Der Eindruck vom Gang durch die Messehallen war für mich jedenfalls ein anderer. Die Massen knubbelten sich nicht in der Halle mit der ganzen hochmodernen Computertechnologie. Gedränge gab es vielmehr an den Verlagsständen mit Sonderangeboten in Lehr- und Unterrichtsmaterialien. Etliche Besucher füllten ihre eigens mitgebrachten Rollkoffer systematisch und gezielt mit günstig erworbenen Büchern, Arbeitsheften und anderen konventionellen Arbeitsmitteln. Allerdings hat sich auf Verlagsseite der Trend der letzten Jahre deutlich verstärkt, digitale Medien ergänzend zu den klassischen Schulbüchern und Arbeitsheften anzubieten.

Wer jedoch viel in unterschiedlichen Schulen herumkommt, so wie ich dank meiner Vortragstätigkeit, der weiß, dass es in Deutschland eine Zweiklassengesellschaft gibt: auf der einen Seite gut situierte und modern ausgestattete Schulen, oft mit finanzkräftigen Sponsoren als Partner, auf der anderen Seite vernachlässigt wirkende Brennpunktschulen mit veraltetem Mobiliar und immer noch genutzten Kreidetafeln.

Doch auch an solchen Schulen interessieren sich Lehrkräte für digitale Bildungsangebote, die ihren Arbeitsaufwand in der Unterrichtsvorbereitung verringern können.

So wirbt „meinUnterricht.de“ für sein Konzept, aus derzeit 22.000 Seiten mit Materialien für alle Fächer und Altersstufen von einer ganzen Reihe von Verlagen auswählen zu können. Wer steckt hinter dieser verlockend klingenden Ansage? Der Prospekt verrät es nicht. Auch auf der Website gibt es kein Impressum. In der Rubrik „Hilfe“ schließlich findet sich ein Hinweis auf „K.lab educmedia GmbH“ mit Sitz in Berlin. Auf deren englischsprachiger Website gibt es das gesuchte Impressum – Kundenfreundlichkeit sieht anders aus! Was der volle Service von „meinUnterricht.de“ den Nutzer kostet, kann man zudem nicht erfahren, so lange man nicht angemeldet ist.

Da finde ich das „Netzwerk für Demokratie und Courage“ (NDC; www.netzwerk-courage.de) viel sympathischer. Dieser Verein, mit Sitz in Dresden und bislang in elf Bundesländern vertreten, beschreibt sein Hauptaufgabenfeld mit der „Durchführung von Projekttagen an Schulen und Ausbildungseinrichtungen“. Dieses unentgeltliche Angebot wird von ehrenamtlich tätigen jungen Leuten realisiert, die nach einem festen und evaluierten Konzept ausgebildet sind. Sie bieten ab Klassenstufe 5 Themen an wie „Alle sind anders… – und ich auch?“ oder „Superwoman trifft auf Barbie und Ken“ u.a.m.

Von den ganzen Verbänden und Initiativen, die früher stets auf der Bildungsmesse zu treffen waren, sind heute nur noch wenige vor Ort. Zum einen sind die Kosten für sie zu hoch, zum anderen ist die Zahl ehrenamtlich mithelfender Unterstützer rückläufig. Für kleine Initiativen ist es nicht leicht, Auf- und Abbau sowie fünf Tage mit zwei Personen am Stand zu bewältigen.

Immerhin – der ADHS Deutschland e.V. war vertreten, sogar mit seiner Geschäftsführerin, Dr. Myriam Bea. Sie überreichte mir die neue Postkarte des Verbandes mit dem Motiv eines bunten ADHS-Zebras inmitten des Mottos: „Wir sind anders, doch höchst sympathisch!“ Drumherum finden sich zahllose Eigenschaftswörter, die auf ADHS-Menschen, aber auch auf jeden anderen zutreffen können. Ein wunderbares Bild und beste Werbung für die Idee der Inklusion!

Eigentlich hätte ich erwartet, dass gerade dieses Thema, die Inklusion, auf der didacta 2017 eine stärkere Rolle spielen würde. Doch nicht einmal in den zahlreichen vorab verschickten Pressemitteilungen des Veranstalters kommt es vor.

Die Messe repräsentiert ganz offensichtlich nicht, was die Menschen bewegt, sondern lediglich, was den Umsatz der Bildungsindustrie ausmacht.

Es wird immer wichtiger, sich der Tatsache bewusst zu werden, dass Bildung weniger von Materialien abhängt als von den Menschen, die sie vermitteln. Insofern lässt sogar die sehr konservative Kultusministerin Baden-Württembergs, Dr. Susanne Eisenmann, aufhorchen, wenn sie in ihrer Eröffnungsansprache vor einer Überbewertung digitaler Medien warnt: „… bei aller Begeisterung sollte die Technik der Pädagogik folgen – nicht umgekehrt!“ Und sie setzt auf die Erziehungspartnerschaft von Schule und Elternhaus: „Die Schule allein wird es nicht schaffen, den Kindern beizubringen, dass digitale Endgeräte einen Ausschaltknopf haben.“

Aber wer erst bringt es dem pädagogischen Fachpublikum bei, dass eine „Bildungsmesse“ nicht den Maßstab für Bildung setzt?

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Dipl.-Päd. Detlef Träbert ist Ehrenvorsitzender der Aktion Humane Schule e.V. Er arbeitet als Autor und Vortragsreferent im pädagogischen Bereich (www.schulberatungsservice.de).

NRW: Zahl der Schüler an Hauptschulen im Schuljahr 2016/17 um 15 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor

Tabelle als Screenshot der Pressemitteilung entnommen. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Düsseldorf (IT.NRW). 87.816 Schülerinnen und Schüler besuchen im laufenden Schuljahr in Nordrhein-Westfalen eine der 403 Hauptschulen. Das sind 15.451 (- 15,0 Prozent) Hauptschüler bzw. 53 Hauptschulen weniger als im Schuljahr 2015/16.

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als amtliche Statistikstelle des Landes mitteilt, stieg die Gesamtzahl der Schüler erstmals seit zwölf Jahren wieder an: Mit 1.930.151 besuchen 5 262 (+0,3 Prozent) mehr Schüler eine allgemeinbildende Schule (ohne Weiterbildungskollegs) in NRW als ein Jahr zuvor.

Von den weiterführenden Schulen haben die Gymnasien im Schuljahr 2016/17 mit 527.499 die meisten Schülerinnen und Schüler, gefolgt von den Gesamtschulen (294.749) und den Realschulen (235.524).

An den Grundschulen hat sich die Schülerzahl im Vergleich zum Schuljahr 2015/16 um 2,1 Prozent auf 632 693 erhöht.

Die Sekundarschulen in Nordrhein-Westfalen werden im laufenden Schuljahr von 50 383 (+29,7 Prozent) Schülerinnen und Schülern besucht.

Karneval in Siedlinghausen: „Doch die Moral von der Geschicht‘ , bleib Querulant wir brauchen dich!“

An dieser Stelle wollte ich ein Video einbetten. Das klappt leider (noch) nicht, daher hier die URL zum Karnevalssketch der Siedlinghäuser Närrinnen und Narren: https://www.facebook.com/700JahreSiedlinghausen/videos/1454839767891045/

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Ich bin kein Jeck und daher meist ein Karnevalsflüchtling, aber die diesjährige Siedlinghäuser Karnevalsfeier hätte ich gerne gesehen.

Der Sketch zur Politik des Winterberger Rates reiht sich ein in die Tradition des Karnevals oder Fasching als „Närrische Herrschaftskritik„.

Hintergrund des närrischen Zorns der Siedlinghäuser „Querulanten“ ist die Schließung des Schulstandorts Siedlinghausen zugunsten einer Sekundarschule Medebach-Winterberg in einem Schulzweckverband mit den Städten Medebach und Hallenberg.

Als politisch gravierende Fehler werden dem Winterberger Bürgermeister und dem Rat unter anderem angekreidet:

1. Die Schulstrukturpläne seien zu lange hinter verschlossenen Türen besprochen worden.

2. Die Ergebnisse der Schulinspektion der jetzigen Verbundschule Winterberg mit den Standorten Siedlinghausen und Kernstadt Winterberg, würden der Öffentlichkeit vorenthalten (Begleittext).

Hier im Blog kann man mehrere Beiträge zum Thema nachlesen. Alles weitere bitte in den Kommentaren.

Erste Naturparkschule in Hallenberg zertifiziert

Urkunde wurde im Rahmen einer kleinen Feierstunde überreicht


Die Offiziellen eingerahmt von den Schülerinnen und Schülern mit Urkunde und Entdeckerwesten. Zum Vergrößern auf das Bild klicken. (fotos: Naturpark Sauerland-Rothaargebirge e. V)

Hallenberg. (pressemeldung) Große Aufregung herrschte heute Morgen bei den Kindern in der städtischen Grundschule Hallenberg, denn Besuch hatte sich angemeldet. Grund war die Zertifizierung zur ersten Naturparkschule des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge.

Naturparkschulen verpflichten sich, wichtige Themen aus der Naturparkregion wie Naturschutz und Landschaft, Kultur und Handwerk sowie Land- und Forstwirtschaft regelmäßig im Unterricht einzubinden.

Und damit der Unterricht draußen auch mit den erforderlichen Utensilien abgehalten werden kann, überreichten der 1. Vorsitzende des Naturparks, Bernd Fuhrmann sowie der Geschäftsführer, Detlef Lins an die Schülerinnen und Schüler insgesamt 50 sogenannte „Entdeckerwesten“. Dies sind robuste Westen mit großen Taschen, damit dort Becherlupe, Kompass, Bestimmungshilfen und andere nützliche Materialien ihren Platz finden.

Zuvor konnte die Schulleiterin Bibiana Nissen im Rahmen einer kleinen Feierstunde zahlreiche Gäste begrüßen. In ihren Begrüßungsworten dankte Nissen den Verantwortlichen des Naturparks für die Möglichkeit, als erste Schule zertifiziert zu werden.

Hallenbergs Bürgermeister Michael Kronauge verwies auf die herrliche Landschaft, welche die Grundschule umgibt und die kurzen Wege, um zukünftig noch stärker spannenden Unterricht draußen in der freien Natur abzuhalten.

Der Abschluss: Start des Luftballonwettbewerbs mit der Teilnahme aller 186 Schülerinnen und Schüler.
Der Abschluss: Start des Luftballonwettbewerbs mit der Teilnahme aller 186 Schülerinnen und Schüler.

Landrat Dr. Karl Schneider betonte in seinem Grußwort, dass der Naturschutz ein wichtiges und aktuelles Thema sei, jedoch ein sinnvoller Ausgleich mit anderen Interessen, wie z.B. der Wirtschaft von Nöten sei. Dies funktioniere in der Region aber sehr zufriedenstellend durch den stetigen Austausch der jeweiligen Akteure.

Nach dem Auftritt des Schulchores plädierte die Schulamtsdirektorin Martina Nolte generell für einen naturnahen Unterricht und freute sich über das Engagement der Grundschule Hallenberg auch bei anderen Förderprojekten: „Ich danke dem gesamten Kollegium für diesen Einsatz“.

Sodann kam die Veranstaltung zum eigentlichen Höhepunkt: Der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes Deutscher Naturparke (VDN), Friedel Heuwinkel, überreichte die Urkunde an die Schulleiterin Nissen, welche die Grundschule Hallenberg für die kommenden fünf Jahre auch offiziell als Naturparkschule ausweist. „Die Urkunde wird einen prominenten Platz im Gebäude erhalten“, betonte Nissen.

Die Urkunde, welche die Grundschule Hallenberg für die kommenden fünf Jahre auch offiziell als Naturparkschule ausweist.
Die Urkunde, welche die Grundschule Hallenberg für die kommenden fünf Jahre auch offiziell als Naturparkschule ausweist.

Zum Abschluss der Feierstunde sangen alle gemeinsam das Hallenberger Kinderlied. Draußen startete dann noch ein von der Schule organisierter Luftballonwettbewerb mit der Teilnahme aller 186 Schülerinnen und Schüler.

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Hintergrund:

  • Der VDN zertifiziert nach Abschluss einer Evaluierungsphase Grundschulen zu Naturparkschulen. In NRW war dies lt. Friedel Heuwinkel die 10. Grundschule, die zertifiziert wurde, in ganz Deutschland sind es ca. 50 Schulen.
  • Die Exkursionen in Hallenberg werden unter anderem von den Umweltpädagogen Volkhard Kunst und Markus Genster durchgeführt.
  • In Deutschland gibt es zur Zeit 103 anerkannte Naturparke.

 

JAHRBUCH für PÄDAGOGIK 2015 – Inklusion als Ideologie?

Titelseite der GE-W163 – Zeitung für alle Beschäftigten an Schulen in Gelsenkirchen und Gladbeck. (screenshot)

Seit einigen Jahren beherrscht das Thema Inklusion Land auf – Land ab die bildungspolitische Diskussion in der Gewerkschaft, in den Parteien, in den Lehrerzimmern. Kritik, die in diesen Diskussionen laut wird, richtet sich zumeist gegen die fehlenden Ressourcen.

(Unser Autor Karl-Heinz Mrosek hat den Artikel zuerst in „GE-W163 – Zeitung für alle Beschäftigten an Schulen in Gelsenkirchen und Gladbeck“ veröffentlicht.)

Da beklagen sich Kommunen, dass sie die zusätzlichen Kosten nicht schultern können, da melden sich Lehrerinnen und Lehrer zu Wort, die auf die große Belastung im Unterricht hinweisen, die sie nun zusätzlich zu leisten haben.

Dabei gerät die wissenschaftliche Diskussion zu dieser Frage in den Hintergrund. Ich hatte in unserer GEW-Zeitung zuletzt im August 2013 (dort S. 5-7) auf den Aufsatz von Professor R. Dollase „Grenzen der Inklusion“ hingewiesen.

JAHRBUCH für PÄDAGOGIK 2015

Nun fiel mir das JAHRBUCH für PÄDAGOGIK 2015 in die Hände.

Titel: Inklusion als Ideologie. Auf 351 Seiten finden wir eine Sammlung von Aufsätzen, die sich aus wissenschaftlicher Sicht kritisch mit der „Inklusionsbewegung“ auseinandersetzt.

So schreiben die Herausgeber Sven Kluge, Andrea Liesner und Edgar Weiß im Editioral:

  •  …„nichts desto weniger lässt die aktuelle Inklusionsrhetorik vermuten, dass durch sie die Umsetzung emanzipatorischer Anliegen de facto erschwert wird, …“
  •  …„die inklusionspädagogischen Konzepte weisen Widersprüche auf, die durch die offizielle Inklusionsrhetorik allenfalls vernebelt werden. Die für die Inklusionspädagogik charakteristischen Forderungen nach ‚Individualisierung‘ und ‚Heterogenitätssensibilität‘ werden vor dem Hintergrund gleichzeitiger Standardisierung und der uneingeschränkten Akzeptanz der Selektionsfunktion der Schule faktisch zur Farce.“
  •  „Die Tatsache, dass sich Inklusion hervorragend zum neoliberalen Sparmodell eignet, bzw. die Einebnung spezifischer Fördereinrichtungen und die umstandslose Überantwortung deren vormaliger Aufgaben an die Regelschulen kostensparend ist, ist geeignet, die humanitären Ansprüche der Inklusionspädagogik als fragwürdig erscheinen zu lassen.“ Die Inklusionsdebatte stilisiert die Inklusion und problematisiert sie im Sinne einer Allumfassungs-Illusion und zum vermeintlichen Wert an sich.
  •  „Die Debatte über Inklusion (würde) im Mainstream auf wenig mehr hinauslaufen, als die Einpassung in das bestehende System bis an die Grenze der Zumutbarkeit für alle Beteiligten.

Auch Karl-Heinz Dammer ist mit einem Aufsatz vertreten:

„Gegensätze ziehen sich an – Gemeinsamkeiten zwischen Inklusion und Neoliberalismus“

Einen Absatz überschreibt er mit „Das Hochamt des Individuums“.

Er spricht von der „neuen Lernkultur“ und formuliert dann wie folgt, dass dieser Erziehungsversuch – sei es schulisch oder durch flächendeckende Propaganda – Früchte trägt belegt u. a. die „Optimized-Self“-Bewegung derer, die ihren Lebenswandel in möglichst jeder Hinsicht selbst digital kontrollieren, um „optimal aufgestellt“ zu sein.

Unabhängig davon, wie bunt Inklusion ihre rhetorischen Girlanden um das Individuum flechten mag, ist sie im Rahmen „neuer Lernkultur“, vorsichtig formuliert, dazu angetan, eben dieses Individuum auf Linie zu bringen.

Sie leistet damit für die Formierung des „unternehmerischen Selbst“ mindestens genauso viel, wenn nicht mehr, als die standardisierte Kompetenzmessung, denn diese kann nur den Grad der Erfüllung bestimmter Vorgaben zu Protokoll geben, während die „neue Lernkultur“ bei der Veränderung der Individuen selbst ansetzt.

PISA dient dazu, von außen künstliche Wettbewerbe (vgl. Binswanger 2010) zu inszenieren und damit das Bildungssystem als Ganzes im Sinne neoliberaler Dauerreform zu mobilisieren, dies kann aber langfristig nur dann gelingen, wenn gleichzeitig auch die einzelnen Menschen durch Erziehung zur Selbststeuerung mobilisiert werden. Knapp gesagt: Die von Foucault vorgedachte und von Deleuze so bezeichnete „Kontrollgesellschaft “, in der Fremdbestimmung sich als Selbstbestimmung artikuliert, braucht Inklusion, was vielleicht auch erklären mag, warum ein theoretisch so schwach begründeter Begriff wie „Inklusion“ in, verglichen mit früheren Bildungsreformprozessen, atemberaubender Geschwindigkeit und Betriebsamkeit in die Praxis umgesetzt wird.

Zum Schluss noch eine Leseprobe aus dem Aufsatz von Edgar Weiß:

Inklusionsideologie und pädagogische Realität.

Vor allem aber ist es für die Inklusionspädagogik kennzeichnend, dass sie die Einsicht: „Die Gesellschaft , die Ausgrenzung bewirkt, muss selbst verändert werden, wenn denn Ausgrenzung überwunden werden soll“ (Kronauer 2010, S. 134) unbeachtet lässt.

Der Umstand, dass soziale Asymmetrien, damit immer auch Formen sozialer Exklusion, dem Kapitalismus wesensgemäß sind und dass sozialstrukturell bzw. klassen- und schichtenbedingte Ungleichheiten nicht durch inklusionspädagogische Innovationen überwunden werden, bleibt zugunsten idealistischer Appelle unreflektiert. Unreflektiert bleibt damit zugleich, dass idealistische Inklusionspädagogik mit den kapitalistischen Bedingungen nicht nur kompatibel bleibt (vgl. Dammer 2011, S. 27; Bernhard 2012, S. 344 ff .), sondern für deren Verschleierung geradezu in Dienst genommen werden kann.

Es ist kein Zufall, dass der neoliberale Kapitalismus sich die „Heterogenität als Chance“-Konjunktur im Zuge von „Management Diversity“ zunutze macht (vgl. Stroot 2007), der Bertelsmann-Konzern „Inklusion“ „zu seinem Anliegen“ erhoben hat (Bernhard 2012, S. 346) und die Vereinbarkeit der Inklusionspädagogik mit der schulischen Selektionsfunktion betont wird, die eben zum „marktwirtschaftlich-demokratischen System“ gehöre, „das in partiell hierarchische Organisationen strukturiert ist“ (Prengel 2011, S. 38).

Darauf, dass die populär gewordene Inklusionsrhetorik unter dem Anspruch der Menschenfreundlichkeit eine wenig menschenfreundlich beschaffene Realität ideologisch kaschiert, verweisen verschiedene Fakten.

Angesichts des Umstandes, dass die bestmögliche Förderung besonders Förderbedürftiger durch inklusive Schulen deren – sich faktisch keineswegs abzeichnende – bessere Ausstattung mit den erforderlichen Ressourcen erforderte, lässt sich der bildungspolitisch verfügte Inklusionszwang als Versuch begreifen, „die Austeritätspolitik im Bildungsbereich unter einem humanen Deckmantel fortzuführen“ (Bernhard 2012, S. 348).

Mithin verschleiert die inklusionskonstitutive Individualisierungs-Euphorie die Tatsache, dass sich das ihr zugrunde liegende Begriffsverständnis einer bestimmten semantischen Zurichtung bedient.

Individualisierung ist insoweit ein „widersprüchlicher Prozeß der Vergesellschaftung“, als sie nicht nur den emanzipatorischen Auf- und Ausbruch aus traditionellen Gegebenheiten bedeuten kann, sondern auch den Umstand benennt, dass Menschen heute „verstärkt auf sich selbst und ihr individuelles Arbeitsmarktschicksal mit allen Risiken, Chancen und Widersprüchen verwiesen“ sind (Beck 1986, S. 119, 116).

Individualisierung heißt insofern, dass Systemprobleme „in persönliches Versagen abgewandelt“ werden (ebd., S. 118).

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Das Buch ist erschienen bei PETER LANG, Edition. Es kostet 20,00 €, die sich lohnen. Für Studenten und Referendare besteht auch die Möglichkeit, dieses Buch beim Stadtverband Gelsenkirchen der GEW auszuleihen.
Das Jahrbuch ist erschienen bei PETER LANG, Edition. Es kostet 20,00 €, die sich lohnen. Für Studenten und Referendare besteht die Möglichkeit, das Buch beim Stadtverband Gelsenkirchen der GEW auszuleihen.