Der beste Beruf der Welt

LehrerIn, der beste Beruf der Welt – und das als Mann in der Grundschule? (bild: träbert)

Erst seit 1903 dürfen Frauen in Deutschland studieren. Und erst seit den 50er Jahren darf eine Lehrerin verheiratet sein. Doch schon Ende der 60er Jahre gab es in Deutschland mehr weibliche als männliche Lehrkräfte. Heute (Stand 2014/15) haben sie an den Grundschulen einen Anteil von 89 Prozent. Da fühlt Mann sich im Kollegium durchaus einsam, wenn er niemanden hat, mit dem er über Fußball diskutieren kann. Das ist die Ausgangslage für Martin Beer und sein Buch „Lebenslang Morgenkreis“ *).

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Lektüre beansprucht das Zwerchfell erheblich, denn „Der ultimative Ratgeber für Grundschullehrer/innen“, so der Untertitel, kann durchaus Lachmuskelkater erzeugen. Beer beschreibt das Klassenzimmer in seinem ersten Schulpraktikum als einen „Ort, der so lebendig war wie ein Basar im fernen Orient, ein Freibad im Hochsommer, spannungsgeladen wie die Verhandlungen auf einem osteuropäischen Gebrauchtwagenmarkt“ (S. 22). Er stellt fest: „Die Grundschule ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Und nicht immer schauen schöne Menschen in diesen Spiegel“ (S. 73). Oder er philosophiert: „Gemeinhin bedeuten Wörter, die mit der Vorsilbe Un- beginnen, nur selten etwas Gutes. Arbeiten wir gemeinsam daran, dass es dem Unterricht anders ergeht“ (S. 112).

Das letzte Beispiel ist nicht der einzige Beleg dafür, dass dieses Buch bei allem Humor ein ernsthaftes Anliegen vertritt: Es wirbt um einen wachsenden Anteil von Männern in Grundschulkollegien. „Junge Männer, strömt in die Schulen!“, heißt es auf S. 8 zu Beginn des ersten Teils. Kein Wunder bei einem einst traumatischen Start des Autors ins Lehramtsstudium mit drei männlichen unter 110 weiblichen Erstsemestern! Beer erzählt von der eher zufälligen Entscheidung für diesen Weg und von guten Gründen, warum „Mann trotzdem Grundschullehramt studieren sollte“ (S. 25 f.). Die Zeit des Referendariats und der ersten Stelle danach sind mit all ihren kleinen Katastrophen wie auch den positiven Erfahrungen eine überzeugende Begründung für die Berufswahl. Die Beschreibung dreier Anfängerfehler schließt den ersten Teil in der Hoffnung ab, dass die Leser/innen sie vermeiden mögen.

Der zweite Teil von „Lebenslang Morgenkreis“ ist am Alphabet orientiert. Von „A wie Anlauttabelle“ über „E wir Elternabend“ oder „N wie Noten“ führt er bis zu „Z wie Zappelphilip“. Jeder Buchstabe repräsentiert ein Thema, teils hochrelevant wie „Buchstaben“ oder „Sexualkunde“, teils eher der alphabetischen Vollständigkeit geschuldet wie „Comic Sans MS“ oder „Ordnung“. Doch aus all diesen kleinen Kapiteln sprechen Erfahrungen, die nicht nur für Menschen hilfreich sind, die vor der Berufswahl stehen. Auch aktive Lehrkräfte profitieren von Erkenntnissen wie: „Aufgeräumte und saubere Schulranzen scheitern ähnlich dem Weltfrieden an der Natur des Menschen“ (S. 91). Das Buch schließt mit der Aufforderung: „Alle Leserinnen und Leser kommen im Kreis zusammen, fassen sich an den Händen und dann zählen wir noch einmal gemeinsam die Vorteile des besten Berufs der Welt auf“ (S. 126). Diese Vorteile sind „Abwechslung, Nachhaltigkeit, Sicherheit, Freiheit und Solidarität. Mehr kann man von seinem Beruf wirklich nicht erwarten“ (S. 127).

„Lebenslang Morgenkreis“ ist der originellste Versuch, zum Lehramtsstudium zu motivieren, den ich je gelesen habe. Das Buch geht von der persönlichen Erfahrung mit der Praxis aus. Dazu ist es bewusst subjektiv geschrieben, so humorvoll wie informativ und macht einfach Lust auf Schule – übrigens auch Menschen, die bereits im Schuldienst stehen.

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*) Martin Beer: Lebenslang Morgenkreis. Der ultimative Ratgeber für Grundschullehrer/innen, Weinheim (Beltz) 2018, 128 S., € 16,95 (als eBook € 15,99)

Umleitung: Bigfoot Family komplett … Polizeigesetze, allgemeine Dienstpflicht, Hitze und Klimawandel, der Dunkle Wald und mehr …

Der Chef der Bigfoot Familie am Kreisverkehr in Le Touquet (foto: zoom)

Mit „Bigfoot“ habe ich jetzt das fünfte und letzte der Familienmitglieder der „Bigfoot Family“ von Idan Zareski im Blog veröffentlicht.

Das Mädchen:
https://www.schiebener.net/wordpress/das-maedchen-aus-der-bigfoot-familie-in-le-touquet-la-nena/

Le Siffleur:
https://www.schiebener.net/wordpress/umleitung-le-siffleur-sowie-die-spd-facebook-radfahren-und-nachts-kein-taxi/

Ladyfoot:
https://www.schiebener.net/wordpress/kleine-buergeranfrage-an-den-rat-der-stadt-winterberg-ist-dem-rat-der-stadt-winterberg-und-dem-tourismusbuero-bekannt-dass-das-staatsoberhaupt-frankreichs-einen-zweitwohnsitz-in-winterbergs-partners/

Babyfoot:
https://www.schiebener.net/wordpress/auf-der-suche-nach-der-bigfoot-family-in-le-touquet-babyfoot/

Damit soll es vorerst gut sein.

Vorverlagerung von Eingriffsbefugnissen: Die „drohende Gefahr“ in Polizeigesetzen … netzpolitik

Die große Gefahr einer allgemeinen Dienstpflicht: In der Führungsetage von Hilfsorganisationen, die im Übrigen mit ihren sozialen Einrichtungen ganz gut verdienen, sowie im Katastrophenschutz haben es sich rechte bis rechtsextreme Kräfte gemütlich gemacht und profitieren von den nicht gerade geringen Steuermitteln, die in diesen Bereich gehen … welchering

Hitze ohne Ende: Die extrem anhaltende stabile Wettersituation mit Hitze und Trockenheit ist überwiegend auf den von uns verursachten Klimawandel zurückzuführen … scilogs

Dümmer geht’s nimmer: Hagens Politik bekämpft Stadtbäume … doppelwacholder

Ärgerlich: Der Wettbewerb um die „Vestische Literatur-Eule 2018“ als Symptom verfehlter Literaturförderung … revierpassagen

Der Dunkle Wald: Wer Geschichten mag, die den Leser mitnehmen auf eine lange und tiefgründige Reise, wer gerne wissen möchte wie zum Teufel es nun am Doomsday aussehen wird und wer das erste Buch geschafft hat, der sollte unbedingt zum Dunklen Wald greifen … unkreativ

„Geduldete“: Im HSK ist eine „statistische Auswertung nicht möglich“ … sbl

„Sauerländisch-münsterländische Völkerverständigung“
Paul Baumann hat Christine Kochs Mundartgedichte in Münsterländer Platt übertragen

Paul Baumann hat die sauerländische Mundartlyrik Christine Kochs ins Münsterländer Platt übersetzt (bild: sauerlandmundart)

Die sauerländische Mundartklassikerin Christine Koch (1869-1951) wurde zur Zeit der Weimarer Republik vom berühmten Münsterländer Augustin Wibbelt als Dichterin sehr geschätzt. Jetzt gibt es seit kurzem eine repräsentative Auswahl ihrer Gedichte für münsterländische Leserinnen und Leser in Buchform.

(Eine Pressemitteilung von Peter Bürger)

Über diese Fassungen können Christine Kochs Gedichte auch in anderen niederdeutschen Sprachlandschaften viel leichter vermittelt werden. Denn die Mundart des Sauerlandes wirkt aufgrund der zahlreichen Doppelselbstlaute und anderer Eigentümlichkeiten auf viele Liebhaber des Plattdeutschen zunächst fremd.

Die Übertragungen in das sogenannte „Klaiplatt“ des Kernmünsterlandes stammen von Paul Baumann aus Greven. Er hat seit 2008 schon sechszehn Werke mit Mundarttexten herausgegeben, u.a. eigene plattdeutsche Übersetzungen der Psalmen und des Neuen Testaments.

Am 14. Oktober 2017 nahm der pensionierten Handwerksmeister an einem Tagesausflug der Augustin Wibbelt-Gesellschaft ins Sauerland teil und zeigte beim Vortrag am Dichter-Pavillon in Schmallenberg-Bracht ein ausgeprägtes Interesse am Werk Christine Kochs. In der Folgezeit begann er, Gedichte der sauerländischen Mundartlyrikerin in seine münsterländische Mundart zu übertragen.

Die Ergebnisse dieses Unternehmens hat P. Baumann jetzt in Kooperation mit dem Christine-Koch-Mundartarchiv am Museum Eslohe (www.sauerlandmundart.de) als preiswertes Taschenbuch veröffentlicht. Der Band enthält farbige Illustrationen und ein ausführliches Wörterverzeichnis. Dank dieses Unternehmens können Münsterländer und Sauerländer die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer landschaftsbezogenen Mundarten sehr anschaulich erkunden.

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Das Buch
Christine Koch: Ausgewählte Gedichte, übersetzt in Münsterländer Mundart – von Paul Baumann.
(132 Seiten; Paperback; 8,00 Euro; ISBN-13: 9783752879780)

Überall im Buchhandel zu bestellen oder direkt hier (auch Buchbeschreibung & Vorschau):
https://www.bod.de/buchshop/ausgewaehlte-gedichte-uebersetzt-in-muensterlaender-mundart-christine-koch-9783752879780

Umschlag KOCH-Gedichte BAUMANN (bild: sauerlandmundart)

Die sauerländischen Originalfassungen nebst hochdeutschen Übersetzungen enthält der folgende Nyland-Band:

Christine Koch Lesebuch. Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Peter Bürger. (= Nylands Kleine Westfälische Bibliothek, hg. im Auftrag der Nyland-Stiftung Köln, von Walter Gödden Bd. 65). Bielefeld: Aisthesis Verlag 2017. (ISBN 978-3-8498-1239-3)

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Über den Münsterländer Paul Baumann und seine plattdeutsche Kulturarbeit

Paul Baumann, Mitglied der Augustin Wibbelt-Gesellschaft und Herausgeber zahlreicher Bücher in münsterländischer Mundart, wurde am 18. März 1944 in Greven geboren und besuchte dort 1950-1958 die Volksschule. Eine dreijährige Lehrzeit am Ort bei der Firma Albert Schweifel schloss P. Baumann 1961 mit der Gesellenprüfung zum Elektromonteur ab. Bis 2009 war er als Elektriker, Monteur und Handwerks­meister im In- und Ausland tätig. (1961-1964: Fernmeldehandwerker bei der Deutschen Bundespost; 1964-1967: Elektromonteur in Baden Baden; 1967-1968: Grundausbildung und Tätigkeit als Fernsprechmechaniker bei der Bundeswehr; 1969-1976: Betriebselektriker bei einer Firma in Südafrika; 1976-1980: Handwerker bei einer Firma in Münster-Wolbeck; 1980-1984: Auslandsmonteur eines Düsseldorfer Industriebetriebs; 1984-1985: Ausbildung zum Elektroinstallateur-Meister in Oldenburg und anschließend erneute Anstellung in Münster-Wolbeck; 1988-2009: tätig im Außendienst für eine Maschinenfabrik.)

In den 1970er Jahren entwickelte sich bei ihm ein zunehmend stärkeres Interesse an der plattdeutschen Sprache. Aus kontinuierlichen Ankäufen von Büchern entstand eine beachtliche private Mundartbibliothek. Eigene plattdeutsche Texte erscheinen u.a. im Jahrbuch „Unser Kreis Steinfurt“.

Der pensionierte Handwerksmeister als „Büchermacher“

Seit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben verwirklicht Paul Baumann Buchprojekte mit regionalen Sprachzeugnissen (die meisten Veröffentlichungen bislang unter dem Pseudonym Gerhard Schütte).

Zur „Plattdeutschen Bibliographie“ der von ihm herausgegebenen Werke gehören folgende Titel (detaillierte Nachweise im Internet: www.niederdeutsche-literatur.de): Vetällsels und Riemsels uut Olt Graiwen (2008); 1000 Jaore Plattdüütsk (2008, neu 2013); Ne Muul vull Platt (2009, neu 2015); Rund üm dän Martinikiärktaon (2009); Twiärs düör’n Gaorn (2010); Mönsterlänsk Sammelsurium (2011); Schnur­rige Geschichten in plattdeutschen Gedichten (4. Ausgabe, 2013); Geschichten un Gedichte in Mönsterlannsk Platt (2. Auflage, 2013); Plattdeutsches Liederbuch (2013); Plattdütske Rieme (2014); Plattdeutsche Kriegsgedichte aus Westfalen 1914-1918 (2016); Een bunten Blomenstruuk (2017).

Neben diesen Neu-Editionen und Sammlungen sind aus der Bücherwerkstatt von Paul Baumann auch folgende Übertragungen in die münsterländische Mundart hervorgegangen: De Psalmen (2010); Dat Nie Testament, üöwersett’t in mönsterlänsk Platt (2015); Till Ulenspaigel – 50 Vetälsels up Mönsterlänsk Platt (2011); Mönkhusen (2016). – Im Sommer 2018 ist von ihm ein Band zur bedeutendsten Mundartdichterin des Sauerlandes erschienen (Christine Koch: Ausgewählte Gedichte, übersetzt in Münsterländer Mundart – von Paul Baumann. ISBN-13: 9783752879780).

Die eigene Sprachbiographie

Zur eigenen Sprachbiographie teilt Paul Baumann im Interview mit: „Unsere Eltern sprachen [untereinander] grundsätzlich nur Platt. Meine Mutter wurde 1901 in Nordwalde geboren, unweit Greven. Die Familie zog kurz darauf nach Greven, da der Großvater eine Arbeit in den Fabriken bekam. Mein Vater wurde zwar in Gelsenkirchen geboren, kam aber als junger Knecht zu den hiesigen Bauern und lernte dort das Platt. […] Es lässt sich denken, dass die Bauern im Regelfalle nicht Hochdeutsch sprechen konnten und auch nicht wollten. So verhielt es sich auch in meiner Familie. Den Generationen, so darf ich es ruhig behaupten, stand der Mund nicht zum Hochdeutschen. – An meinen Vater habe ich nicht mehr die meisten Erinnerungen, […] glaube [aber] zu wissen, dass man meinem Vater nicht die Position einräumte, die er hätte haben sollen. Da war noch der Großvater mutterseits im Hause. Diese Generation hatte in dieser Zeit noch immer das Heft in der Hand. Das Wenige, was mein Vater mit uns gesprochen hat, war nach meiner Erinnerung mehr in Hochdeutsch. […] Die Gespräche innerhalb der Familie, Verwandtschaft liefen natürlich nur in Platt ab. Die Leute waren ja alle um die Jahrhundertwende geboren. […] Die Kinder mussten für sich bleiben und hatten nichts zu suchen bei den Gesprächen der Alten. – Greven hatte ja eine ganze Reihe von Textilfabriken und war ein sehr aufstrebender Ort […]. Meine Mutter arbeitete ebenfalls in einer der Fabriken. Von ihr weiß ich, dass die Besitzer, wie auch die Chefs, alle mit den Untergebenen Platt sprachen. Das schaffte Verbindung. Hochdeutsch war ja in den Bauerschaften noch lange Fremdsprache, und viele Kinder mussten in den Schulen erst mühsam Hochdeutsch lernen.

[P.B.: Sprachen in eurer Familie die Kinder ihrerseits mit den Eltern im Alltag Platt: als übliche, vorrangige Sprache?] Nein, wir Kinder sprachen mit den Eltern kein Platt. Meine Mutter dagegen sprach mit uns nur die Muttersprache. Meine ältere Schwester regte sich wohl manchmal auf und sagte zu meiner Mutter, sie solle doch hochdeutsch sprechen. Da kam sie aber an die verkehrte Stelle. Meine Mutter sagte dann: ‚Wenn du’t nich vüörstaohn kanns, dann gaoh der vüör liggen.‘ – Man betrachte: ‚vüörstaohn‘ und ‚vüör liggen‘. – Aber dann war das Gespräch meistens beendet. [P.B.: War das münsterländische Platt am Ort zu deiner Kinder-/Jugendzeit noch die vorherrschende Sprechsprache – also auch auf der Straße, auf dem Kirchplatz, auf dem Schulhof usw.?] Die Kinder sprachen, soweit mir bekannt ist, in den 1950er Jahren wohl nicht mehr Platt mit den Eltern. Das konnte in den Bauerschaften wohl noch eine Weile angehalten habe. Aber im Dorf Greven selbst war das wohl nicht der Fall. […] Aber die älteren Generationen, die einheimischen Bewohner, sprachen in den 1950er, 1960er Jahren und bis in die 1970er Jahre noch sehr viel Platt. – Nein, die vorherrschende Sprache war Hochdeutsch. Ich könnte mich auch nicht daran erinnern, dass die Kinder noch bei irgendeiner Gelegenheit Platt gesprochen haben. Die Sprache war ja in den Elternhäusern durchweg verpönt, und die Kinder sollten es auch nicht lernen, selbst wenn die Eltern noch Platt untereinander sprachen. Man betrachtete die Sprache als Hindernis […] auf dem Wege zu einer [‚höheren‘] Bildung.“

Paul Baumanns frühe Lebensjahre fallen also bereits in eine Zeit des Sprechsprachen-Wechsels am Geburtsort. Ein solcher sprachbiographischer Hintergrund ist nicht untypisch für Männer und Frauen in Westfalen, die sich in den letzten Jahrzehnten für ein plattdeutsches Kulturgedächtnis engagiert haben.

(Text: Peter Bürger)

Umleitung: Versuchsläufe für den Faschismus? Außerdem Datenschutz, rechtsextremer Terror, eine erodierende CDU/CSU, künstliche Dummheit und mehr …

Blick aus dem Fenster. Keine Angst, das war vor Tagen.
Blick aus dem Fenster. Keine Angst, das war vor Tagen. (foto: zoom)

Fintan O’Toole: Trial runs for fascism are in full flow. Babies in cages were no ‘mistake’ by Trump but test-marketing for barbarism … irishtimes

Datenschutzkonferenz: Herzlich willkommen auf dem offiziellen Webauftritt der Datenschutzkonferenz (DSK), dem Gremium der unabhängigen deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder … dsk

NSU-Prozess: Weiter Risiko von rechtsextremem Terror … bnr

CDU und CSU erodieren: Die Union streitet sich zugrunde … postvonhorn

Gesucht: Eine Opposition mit Schwung und Selbstbewußtsein … misik

Ein Zweifel: Kann man Religionswissenschaft im Internet fair diskutieren? … scilogs

(Vor-)Wissenschaftlich Recherchieren mit Wikipedia? Aufgabe von Lehrenden in der Schule, spätestens aber an der Universität, sollte es sein, die alltäglich gewordene Verwendung der geschilderten Kombination Google/Wikipedia/YouTube nicht zu verdammen oder gar zu verbieten, wie es vielleicht manchmal noch geschieht, sondern auf die Beschränkungen dieses Zugangs hinzuweisen … publicHistory

Die Wikipedia-Sperre in der Türkei zensiert unser aller Wissen: Wohin wir auch schauen, die Zensurmaßnahmen werden häufiger und perfider. Vielfach findet sie im Verborgenen statt. In den letzten Monaten haben sowohl die russische als auch die iranische Regierung Versuche unternommen, den Messenger-Dienst Telegram zu blockieren … netzpolitik

Zeit des Stillstands: Andreas Maiers Roman „Die Universität” … revierpassagen

Künstliche Dummheit: „Cortana, mach‘ endlich hin“, drängelte Alexa, „die nächsten Kurznachrichten müssen raus. Die ersten fragen schon nach“. Cortana schnippte: „Spiel‘ Dich nicht so auf. Das Wetter ist längst abrufbar. Und die Nachrichten-Aufhänger sind doch sowieso dieselben wie die von Siri“ … charly&friends

Masterplan Mobilität: Die angebliche „Verkehrswende“ ist nur vorgeschoben – es sollen „Fördertöpfe“ abgegrast werden … doppelwacholder

Schulpolitik: Überall in NRW gibt es Gesamtschulen, nur im „prägallischen Dorf“ namens Hochsauerlandkreis nicht … sbl

Stichwort: Fake News

„Fake-News“ wirft die BBL[1] der Westfalenpost zu deren Berichterstattung[2] über einen beleidigenden Userkommentar auf einer SBL-Seite vor, die daraufhin kontert: „Dass sich die BBL mit dem Begriff „Fake News“ dem trumpschen Vokabular und dem Vokabular der Rechtspopulisten bedient finde ich bemerkenswert.“[3]

Und da haben wir den Salat, denn sowohl der Kommentator der BBL als auch der Kommentator der Westfalenpost verwenden den Begriff „Fake News“ mit verschiedenen Bedeutungen, die sich in der Facebook-Auseinandersetzung nicht treffen.

Der BBL-Kommentator (Reinhard Loos?) versteht in der Situation „Fake News“ als sogenannten Hybrid-Fake, also eine ideologisch geprägte Meldung, die zwar eine Kernwahrheit enthält, aber manipulativ oder nicht korrekt ist.

Der Westfalenpost-Kommentator (Boris Schopper?) hat den wesentlich von Rechtspopulisten und auch Donald Trump geprägten Kampfbegriff von Fake News als abwertendes Label für missliebige Medien vor Augen.

So können die beiden natürlich argumentativ nicht zusammenkommen.

In dem 2018 erschienen Buch „Fake News“, welches ich hier im Blog vorgestellt habe, unterscheiden Armin Himmelrath und Julia Egberts nicht weniger als sechs/sieben Oberbegriffe von „Fake News“:

  1. Gezielte Falschmeldungen
  2. Urban Legends
  3. Parodien
  4. Hybrid-Fakes
  5. Kampfbegriff
  6. Köder
  7. Keine Fake-News (Recherche-Fehler)

Siehe dazu auch die Leseprobe:
https://www.hep-verlag.ch/pub/media/import/public/7130/fakenews.pdf

Meiner Meinung nach ist der schillernde Begriff  „Fake News“ nicht geeignet eine ernsthafte Diskussion über beispielsweise die Berichterstattung in den Lokalmedien zu eröffnen.

Besser wäre es, sich auf die Kritikpunkte zu konzentrieren, die dann vom Gegenüber angenommen oder widerlegt werden können.

Auf der Ebene von Schlagworten wie „Fake News“ kann jede Auseinandersetzung schnell zur Schaumschlägerei werden.

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[1] https://www.facebook.com/WestfalenpostBrilon/posts/2179528385423144?comment_id=2179730812069568&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R6%22%7D

[2] https://www.wp.de/staedte/altkreis-brilon/cdu-ratsfrau-aus-brilon-als-abschaum-beschimpft-id214822549.html

[3] https://www.facebook.com/WestfalenpostBrilon/posts/2179528385423144?comment_id=2179730812069568&reply_comment_id=2179743105401672&comment_tracking=%7B%22tn%22%3A%22R7%22%7D

R.I.P. Christine Nöstlinger – *13.10.1936 · †28.06.2018

Da ist man den ganzen Tag medial (TV, Funk, Web) abstinent, macht am Abend den PC an … – und erfährt vom Tod der großartigen Christine Nöstlinger.

Neben vielen mit den Kindern gelesenen Büchern kommen in diesen seltsamen Zeiten unwillkürlich das Gedicht „Vergleiche“ sowie die Gedenkrede (5. Mai 2015) von Christine Nöstlinger zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Mauthausen in Erinnerung.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=q9z0AqLHzug

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Ein Mensch mit „geradem Rücken“ lebt nicht mehr. Irgendwie doch „Freitag, der 13.“ … 🙁

Gute Nacht aus Winterberg …

Die Abende im Hochsauerland sind zur Zeit nicht schlecht. (foto: zoom)

Gute Nacht!

Ich nehme mir jetzt das Buch von Katharina Stegelmann, Bleib immer ein Mensch, Heinz Drossel – Ein Stiller Held – 1916 – 2008, aus dem Regal und bin dann mal weg.

 

„Krieg im Wald“ – Ein Buch über Jagdgeschichte, Wilddiebe und tödliche Konflikte im Sauerland

„Die Gartenlaube“ 1867; commons.wikimedia.org

Das soeben erschienene Buch „Krieg im Wald“ vermittelt einen geschichtlichen Überblick zu Wilderei und Waldkonflikten in Südwestfalen.

Mit „Heimat“ verbinden manche Kreise nur wohlige Gefühle, Harmonie und Zusammenhalt. In Wirklichkeit ist aber auch die Geschichte der Kleinräume von Verteilungskämpfen durchzogen. Beim „Krieg im Wald“ ging es um Brennholz und Fleisch. Wildschütz-Abenteuer blieben eher die Ausnahme. Weil bei Zusammenstößen stets eine Waffe zuhanden war, mussten immer wieder Menschen ihr Leben lassen. Es gab auf beiden Seiten der „Waldfront“ gefährlichen Gruppenzwang und Akteure, die keine Skrupel kannten. Meistens jedoch waren Angst und Panik die Auslöser von tödlichen Schüssen.

Zu den Opfern zählten arme Schlucker oder Forstbedienstete, die zumeist auch nicht dem Kreis der Privilegierten angehörten. Auf beiden Seiten wurden Tränen vergossen. Wer den Standort der Menschlichkeit einnimmt, wird jenseits von einseitigen Parteinahmen die Perspektive aller Beteiligten würdigen. Der „Krieg im Wald“ wird in dem neuen Band der „edition leutekirche sauerland“ nicht romantisch verklärt oder moralisiert, sondern als ein Kapitel der regionalen Sozialgeschichte beleuchtet.

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Leseprobe:

Wie viel Blut ist im „Waldkrieg“ vergossen worden?
(Abschnitt aus dem Sauerland-Buch „Krieg im Wald“)

Wer die regionale Geschichte des illegalen Jagens oder Holzfrevels erkunden möchte, stößt in den Staatsarchiven oder amtlichen Chroniken vermutlich nur auf Ausschnitte. Die Förster waren zur Berichterstattung geradezu verpflichtet. Ihre Perspektive ist vergleichsweise gut dokumentiert. Die Gesetzesübertreter oder auch ihre Angehörigen schwiegen aus naheliegenden Gründen lieber von unerfreulichen Dingen.

Je tiefer man in die Sache eindringt, desto drängender stellt sich die Frage: Wie viel Blut ist im „Waldkrieg“ vergossen worden, nicht nur auf Seiten der amtlichen Hüter des Waldes, sondern auch unter den oftmals ärmlichen Wilderern? Ein Kirchenbucheintrag aus dem Jahr 1889 hat die Voßwinkeler Heimatforscher vor einigen Jahren bewegt, die Leser ihrer „Rückblicke“ an den Namen eines beim Wildern erschossenen Fabrikarbeiters zu erinnern, der nach dem Tod seiner Eltern für den Lebensunterhalt der Geschwister gesorgt hatte. Es kommt in den Quellen auch ein sehr junger Wilddiebhelfer zum Vorschein, der 1923 nach einem Schuss in den Rücken sein Leben lässt. Wie lauteten eigentlich genau die Dienst­vorschriften der Förster? Gab es so etwas wie einen obligaten Schießbefehl? War hierbei eine Kampfunfähigkeit der Wilderer das vorrangige Ziel? Wie eng oder weit wurde der Begriff der Notwehr ausgelegt?

Rechtsempfinden und Praxis konnten sich im Verlauf der Jahrzehnte durchaus verändern. 1898 erfolgte z.B. eine rechtliche Ausweitung des „Notwehr-Begriffes“, durch welche das unbedingte Verbot des Waffengebrauchs gegen fliehende Wilderer aufgeweicht wurde; in manchen Jägerkreisen soll es zu freudigen, z.T. menschenverachtenden Reaktionen gekommen sein. Bisweilen empfahlen sich stellungssuchende Jagdaufseher in Annoncen ausdrücklich als „Schrecken der Wilddiebe“.

Zu anderer Stunde beschäftigt man sich mit jenem Feld, das der wegen seines späteren Überlaufens von der SPD zu den Nazis nicht gut beleumundete Berliner Kriminalkommissar Otto Busdorf (1878-1957) als ein eifriger Pionier zwischen 1929 und 1931 in drei Bänden über „Wilddieberei und Förstermorde“ dokumentiert hat.

Angesichts der hier eröffneten Einblicke in das organisierte Verbrechen wird sich auch der größte Freund der ‚kleinen Leute‘ unweigerlich mit Forstbediensteten solidarisieren, die mehrheitlich keineswegs besonders privilegiert leben, oft zwischen allen Stühlen sitzen und sich im Fall der eigenen Tötung durch kaltblütige Kriminelle für ihre Hinterbliebenen manchmal nur eine geringe Anteilnahme der Umgebung erhoffen dürfen. – Es gab auf beiden Seiten der ‚Waldfront‘ gefährlichen Gruppenzwang und Akteure, die keine Skrupel kannten. Meistens jedoch waren wohl Angst und Panik die Auslöser von tödlichen Schüssen.

Der Historiker Werner Neuhaus aus Sundern verweist mit seinem Beitrag „Krieg um den Wald“, der in diesem Buch erneut zugänglich gemacht wird, auf die richtige Überschrift für jene erschreckenden Gewalterscheinungen, die bei einer Beschäftigung mit unserem Thema über kurz oder lang zwangsläufig zutage treten: „Krieg!“

Über ausgewählte Daten, Stationen und Momentaufnahmen wird im Überblick zur Wilddieberei im Sauerland und in angrenzenden Gebieten zunächst der geschichtliche Rahmen markiert werden. Sodann folgen in zwei Durchgängen die Ergebnisse einer Recherche zu den Opfern auf beiden Seiten. In Erwartung gründlicher Arbeiten von anderen Forschern möchte ich betonen, dass das hierbei Vorgelegte nur ein erstes, noch keineswegs vollständiges Bild vermitteln kann.

Schließlich kommen die literarischen Bearbeitungen des Themas zur Darstellung. Auch das kann in einigen Fällen – unter Vorbehalten – zur Rekonstruktion historischer Sachverhalte etwas beitragen. Amtliche Archivquellen oder zeitgenössische Reportagen hinterlassen beim Leser oft trügerische Gewissheiten. Doch selbst wenn wir Videoaufzeichnungen von bestimmten Ereignissen besäßen, wüssten wir keineswegs sicher, „wie es wirklich war“. Denn in die Seelen und Motivkomplexe der Beteiligten kann letztlich nur noch der liebe Gott hineinschauen.

Andererseits: In den literarischen Zeugnissen spiegeln sich lokale Erinnerungen, Standorte, Mentalitäten, Stimmungen und Deutungen, was in jedem Fall ja mit Wirklichkeitsschichten der Vergangenheit zu tun hat. Wenn das ernste Thema „Wilddieberei“ in der Literatur bisweilen ausgesprochen humoristisch zur Sprache kommt, so ist auch das eine Stellungnahme. Die tödlichen Geschicke, die so viel Traurigkeit verbreitet haben, werden in vielen Anekdoten bagatellisiert oder verdrängt.

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Peter Bürger (Hg.): Krieg im Wald
Forstfrevel, Wilddiebe und tödliche Konflikte in Südwestfalen.
Norderstedt 2018.
ISBN: 978-3-7460-1911-6; 308 Seiten (25 davon in Farbdruck); Preis: 18,90 Euro
Inhaltsverzeichnis; Leseprobe:
https://www.bod.de/buchshop/krieg-im-wald-peter-buerger-9783746019116
Das Buch kann überall vor Ort im Buchhandel bestellt werden.

Umleitung: vom rechtspopulistischen Stil über Söder zu seltenen Fresken in der gräflichen Gruft und mehr …

Da wird Söder blass vor Neid: Blick vom Kreuzberg in Winterberg am Sonntag Abend (foto: zoom)

Über rechtspopulistischen Stil: In den USA ist – mit zumeist schreckgeweiteten Augen – zu besichtigen, dass es für einen gewissen rechtspopulistischen Politikstil nicht auf Ergebnisse und Problemlösungen ankommt, sondern allein darauf, die Wutschreie ihrer Gegner aufzupeitschen … erbloggtes

Die Datenschutzgrundverordnung und das schwarze Loch: „Seit der Datenschutzgrundverordnung dürfen wir keine Auskünfte über Halter von Kraftfahrzeugen mehr herausgeben“, meinte die nicht sehr motiviert wirkende Mitarbeiterin der Stadt Stuttgart … welchering

Die Definition von Rassismus – inklusive Kulturalismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – von Achim Bühl: „Am Dienstag hatte ich die Freude einer Lesung aus “Islam in der Krise” in der evangelischen Lukasgemeinde Stuttgart, zu der neben der Kirchengemeinde auch der CCT (CDU Cultur Treff) Stuttgart eingeladen hatte. Auch eine Gruppe von Studierenden der islamischen Religionspädagogik an der PH Ludwigsburg war gekommen und es wurde ein intensiver, wissenschaftlicher und auch “dialogischer” Abend“ … scilogs

Geschichtssorten” und Public History: Geschichte wird gemacht. Eine forschungsorientierte Public History muss sich deshalb grundsätzlich mit den produktorientierten Praktiken des Geschichte-Machens beschäftigen. Dabei sollte sie sich nicht auf die Gegenwart oder die Zeitgeschichte beschränken … publicHistory

Der Jüdische Nationalfonds JNF-KKL: Eine wichtige Säule des Zionismus … prinzessinnenreporter

Folgenschwere Abstimmung: EU-Parlament entscheidet über Zukunft des Urheberrechts … netzpolitik

Söder: Ein Scheiternder schlägt um sich … postvonhorn

„Die SPD muss weiter denken“: Aufrechte Sozialdemokraten werden in Hagen nicht mehr fündig, wenn es um eine kritische Bewertung der GroKo geht. Während sich der hiesige Bundestagsabgeordnete René Röspel weitgehend bedeckt hält, bevorzugt sein Dortmunder Kollege Marco Bülow die klare Sprache. Seine Erklärung zu 100 Tagen GroKo im Wortlaut … doppelwacholder

Einfach nur 14 Tweets, in denen die SPD gegen „Transitzonen“ wettert: Liebe SPD, wir wissen, was ihr im Herbst 2015 getan habt: Ihr Sozialdemokraten hattet sogenannte „Transitzentren“ an deutschen Grenzen abgelehnt. Vehement und immer wieder. Ihr konntet euch damals sogar gegen CSU und CDU durchsetzen … bento

AfD – Tiefe Gräben: strukturell wird die AfD den verhassten „Altparteien“ immer ähnlicher. Inhaltlich setzt die Partei auf Nationalismus. Geht es nach dem Rechtsaußen-Flügel der Partei, soll dieser Nationalismus durch „soziale“ Töne angereichert werden … bnr

„Herausforderungen“ eines Großaktionärs: Kreistagsfraktionen von SBL/FW und DIE LINKE bringen die RWE wieder auf die Tagesordnung … sbl

Kleine Hauptamtler-Mannschaft und ganz viele Ehrenamtler – DJV: Ehrenamt vom Feinsten … und ehrlich, macht Spaß … charly&friends

Seltene Fresken in der gräflichen Gruft: ein überraschender Fund im Arnsberger Kloster … revierpassagen

Friedenslandschaft Sauerland – Peter Bürger im gemeinsamen Kirchenzentrum Meschede

Der Publizist und Historiker Peter Bürger umreißt vor 50 ZuhörerInnen im gemeinsamen Kirchenzentrum Meschede die „Friedenslandschaft Sauerland“. (foto: zoom)

Zum Auftakt ihres 50-jährigen Jubiläums hatten die „Freunde der Völkerbegegnung“ (FdV) am vergangenen Donnerstag zu einem außergewöhnlichen heimatgeschichtlichen Vortrag in das Gemeinsame Kirchenzentrum in Meschede eingeladen. Der Theologe und Publizist Peter Bürger stellte Strömungen und Persönlichkeiten der „Friedenslandschaft Sauerland“ vor.

Vor dem historischen Hintergrund von Weimar, Weltkrieg und Nachkriegsszeit entwickelte Bürger die Vision einer offenen Gesellschaft, die heute von alten und neuen Nazis sowie Rechtspopulisten bedroht sei.

Bürger: „Das neue rechte Heimatgerede ist hohl und leer. Heimat ist kein Besitz, Heimat ist ein Geschenk: Heimat ist Offenheit!“

Die Rechte heute wolle nur kaputtmachen, statt zivilgesellschaftliche Kleinräume zu gestalten.

Glaubwürdige Beheimatung, so Peter Bürger, könne ein Mensch nur in der Begegnung zeigen, oder wie es Meister Eckhart schon vor 700 Jahren sinngemäß formuliert habe: Wenn du dich selber liebst, wird auch ein entfernter Mensch dir nahe sein.

Die Menschheit sei eine Familie, die heute vor großen ökologischen Problemen und Kriegsgefahren stehe. Die Probleme könnten nur gemeinsam und nicht gegeneinander gelöst werden.

Humanisten und Christen müssten sich offensiv in die Heimatdiskussion einbringen. Heimat sei immer eine Interpretationsangelegenheit: Blut und Boden oder friedensbewegt.

Mit dem Projekt „Friedenslandschaft Sauerland“, will Peter Bürger das Schöne zeigen, Beispiele pazifistischer und humanistischer Sauerländer Persönlichkeiten, die sich in ihrer Zeit (Weimar/Nationalsozialismus) gegen Militarismus, Faschismus und Antisemitismus wandten und sich nach 1945 in der Arbeit mit Flüchtlingen aus dem Osten engagierten.

Nazi-Straßennamen abschaffen, aber auch das Schöne zeigen – die Friedenslandschaft Sauerland (foto: zoom)

Das Sauerland habe eine pazifistische Tradition. Als die Region vor 200 Jahren hessisch und dann preußisch wurde, so Bürger, behagte den Leuten die Pflicht zum Kriegsdienst überhaupt nicht. Es kam zu massenhaften Desertationen. Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Sauerland eine Hochburg des Friedensbundes deutscher Katholiken. In diesem Verband glaubte keiner, man könne „Heimat“ mit massenmörderischen Kriegswaffen und rassistischer Hetze verteidigen.

In seinem Vortrag voller biografischer und historischer Details stellte Peter Bürger sauerländische Frauen und Männer vor, die sich den Wahngebilden der Gewalt mutig entgegengestellt haben.

Dazu gehörten: Irmgard Rode aus Meschede, Georg Heidingsfelder aus Meschede, Josef und Theodor Rüther aus Assinghausen, Pfarrer Peter Grebe aus dem Kreis Olpe und viele mehr …

Wenn ich die Geschichte dieser herausragenden Menschen hier hier auch nur knapp wiedergeben sollte, würde der Bericht den Rahmen des Blogs sprengen. „Mir schwirrt der Kopf“, sagte Maria Hüser, Vorsitzende der FdV nach Vortrag und Diskussion.

Doch zum Glück gibt es die „Friedenslandschaft Sauerland“ mit ihren Beiträgen auch als Buch oder PDF zum Nachlesen:

Bürger, Peter (Hg.): Friedenslandschaft Sauerland –cBeiträge zur Geschichte von Pazifismus undcAntimilitarismus in einer katholischen Region. = daunlots. internetbeiträge des christine-koch-mundartarchivs am museum eslohe. nr. 77. Eslohe 2015. www.sauerlandmundart.de

http://www.sauerlandmundart.de/pdfs/daunlots%2077.pdf