Charlotte Knobloch: „Größtmögliche Opposition nötig“ – AfD spielt auf beleidigt.

Die katholische Pfarrkirche St. Martin in Bigge im Hochsauerländer Winter. (foto: zoom)

Anfang der Woche fotografierte ich auf einem Spaziergang die katholische Pfarrkirche St. Martin in Bigge. Heute habe ich ein Interview mit Charlotte Knobloch auf der Website des katholischen Domradio gelesen.

Bringen wir das mal zusammen.

„Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat bei einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus des Bayerischen Landtags die AfD als verfassungsfeindlich kritisiert. Daraufhin verließ am Mittwoch ein Großteil der AfD-Landtagsabgeordneten den Plenarsaal.“

Soweit die übliche provozierende „beleidigte Leberwurst Show“ der sogenannten „Alternative“ für Deutschland.

Im Interview mit Domradio spricht Charlotte Knobloch nachdrücklich die (Katholische) Kirche an.

„Bei der AfD ist die größtmögliche Opposition nötig! Und das gilt natürlich auch für die Kirchen. Und da ist eine deutliche Anweisung von oben nach unten nötig, Stellung zu beziehen gegen antidemokratische und antisemitische Bewegungen. Das fehlt mir in dieser Deutlichkeit bislang noch des Öfteren.

DOMRADIO.DE: Also sollen die Kirchen noch deutlicher werden?

Knobloch: Die Kirche hat ja die Möglichkeit, die Menschen zu informieren und das erwarte ich von den Kirchen.“

Als „bekennender Agnostiker“ und Antifaschist gebe ich die Botschaft gern weiter.

Anmerkungen zu Luther: Aus Fritz Bauers „Die Wurzeln faschistischen und nationalsozialistischen Handelns“, Frankfurt am Main 1965

Ein kleines, aber wichtiges Werk (bild: thelen-khoder)

Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer[1] hat sich zu Martin Luther geäußert. Im Folgenden ein kleiner Text zur Kölner Luther-Ausstellung. Siehe auch hier im Blog.

„Ganz im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern war der deutsche Protestantismus im Zeichen eines Bündnisses von Thron und Altar dem Thron gehorsam. Luther hat einen berühmten Bibeltext – abweichend von dem, was in England und Frankreich geschah – mit den Worten übersetzt: ,Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat; denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott, wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet; wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung.’ (Römer 13, 1ff.) Das ist die Weltanschauung und politische Sittenlehre, die man die Deutschen seit dem 16. Jahrhundert bis zum Nazismus gelehrt hat. Höchstes Gut der Erdenkinder ist die Obrigkeit.

Ganz ähnlich wie Luther dachten unsere Philosophen. …“

Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, über den Ilona Ziok ihren Film „Fritz Bauer. Tod auf Raten“ drehte – das Meisterwerk, das an alle Schulen gehört, ebenso wie Fritz Bauers kleines 37seitiges Büchlein „Die Wurzeln faschistischen und nationalsozialistischen Handelns“ – sagte:

„Das, was die Leute nicht hören wollen: daß es in unserem Leben eine Grenze gibt, wo wir nicht mehr mitmachen dürfen.“

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[1] „Fritz Bauer. Tod auf Raten“ – Ein Film von Ilona Ziok

 

NS-Dokumentationszentrum Köln: „Überall Luthers Worte …“

Diese Ausstellung in Köln interessiert mich: Martin Luther im Nationalsozialismus (foto: zoom)

Als wir am völlig verregneten Neujahrstag, Schutz suchend in fast jedem Geschäftseingang, durch die Kalker Hauptstraße spazierten, fiel mir das Austellungsplakat des NS-Dokumentationszentrums auf.

Ich habe mich in die Ecke gedrückt, das Bild geknipst und mir „Wiedervorlage“ in den Hinterkopf gepflanzt.

Heute also die Wiedervorlage und der Hinweis auf die Sonderausstellung „„Überall Luthers Worte…“ Martin Luther im Nationalsozialismus“ im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, die dort noch bis zum 24. Februar zu sehen ist.

Im Ankündigungstext lese ich:

„Wie standen die Nationalsozialisten zu Religion und Kirche – und im Besonderen zu Martin Luther? Wie verhielten sich Christen in Deutschland zum Reformator und seinem „Erbe” in der NS-Zeit? Und wie entwickelte sich das Verhältnis zwischen Staat und Kirchen in jenen zwölf Jahren?

Die Ausstellung geht diesen Fragen nach. In das Jahr 1933 fielen die Feierlichkeiten zu Luthers 450. Geburtstag, aber auch die Konflikte zwischen „Bekennender Kirche” und „Deutschen Christen”. Bis 1938 nahmen die Bezüge auf Luthers antijüdische Spätschriften deutlich zu. Und auch während des Zweiten Weltkriegs wurde Luther von verschiedenen Akteuren „vereinnahmt”: Zur Legitimation des Kriegs – aber auch, um ein „Widerstandsrecht” gegen das Unrechtsregime herzuleiten.“

Ich würde mir diese Ausstellung gerne anschauen, da ich in einer protestantisch-katholisch-säkularen Familie aufgewachsen bin und mein eigenes Lutherbild einen Wandel vom leuchtenden Gegenspieler des Papstes, zum Verräter der Bauern, vom Sprachgenie zum flammenden Antisemiten durchmachte. Und dann bleibt noch die Frage nach seiner posthumen Rolle im Nationalsozialismus.

Auf sein vorgebliches „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ habe ich mich in Revoluzzerlaune gern bezogen. Allerdings hat Luther dies so nie gesagt, es wurde ihm hinterhergedruckt.

„Was bleibt von Luther?“ wurde im Lutherjahr 2017 gefragt. Luther im Nationalsozialismus  ist das Thema in Köln.

In Winterberg und anderswo außerhalb kann man sich die Ausstellung als 360°-Rundgang anschauen. Oder einen Museumsbesuch planen, und/oder eine Führung durch die Ausstellung miteinbeziehen. Die nächste ist am Sonntag, dem 20. Januar, um 14 Uhr.

Kurz gebloggt: Der Trafikant im Filmtheater Winterberg

Nach dem Film, es war 22:30 Uhr, habe ich noch schnell ein Foto gemacht. (foto: zoom)

Ohne den Tourismus könnte in Winterberg kein Kino existieren. Das Filmtheater Winterberg kann man nicht wert genug schätzen, zumal neben den Blockbustern auch sogenannte „besondere Filme“ gezeigt werden, die nicht unbedingt das große Publikum anziehen.

Heute Abend habe ich mir „Der Trafikant“ angeschaut und war entgegen der durchwachsenen Filmkritiken sehr zufrieden, berührt, angeregt. Der Film basiert auf einem Roman des österreichischen Autors Robert Seethaler aus dem Jahr 2012.

Die Handlung wird bei Wikipedia folgendermaßen beschrieben:

„Der 17-jährige Franz Huchel verlässt kurze Zeit vor dem Anschluss Österreichs 1938 sein Heimatdorf, um in Wien bei dem Trafikanten Otto Trsnjek, einem Kriegsinvaliden aus dem Ersten Weltkrieg, in die Lehre zu gehen. Zu dessen Stammkunden zählt der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud. Franz ist in die junge böhmische Varietétänzerin Anezka verliebt und sucht Rat bei Freud. Dem ist das weibliche Geschlecht allerdings ebenfalls ein Rätsel. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem jungen Franz und dem 82-jährigen Freud, der Österreich am 4. Juni 1938 verlässt und nach London emigriert. Franz wird Zeitzeuge zum Nationalsozialismus in Wien.

Otto Trsnjek wird von dem benachbarten Fleischer bei der Gestapo denunziert, sein Laden verwüstet und er selbst von der Geheimpolizei abgeholt. Franz spricht im Gestapo-Hauptquartier vor, erhält jedoch keine Auskunft und wird vor die Tür geworfen. Später erhält er eine Nachricht, dass der Trafikant an Herzinfarkt gestorben sei, und ein Paket mit den persönlichen Sachen Trsnjeks wird ihm zugeschickt.

Da „seine“ Anezka mit einem SS-Offizier liiert ist, Freud emigriert und Trsnjek in den Kellern der Gestapo umgebracht wurde, setzt Franz nachts die Hose des (einbeinigen) Trafikanten als Flagge vor dem Gestapo-Hauptquartier. Am Tag darauf wird Franz von der Gestapo abgeholt.

Geraume Zeit später steht Anezka vor der verlassenen und geschlossenen Trafik. Außen am Fenster hatte Franz seine Traumschilderungen angeklebt. Anezka nimmt die mit, in der ein böhmisches Mädchen aus der Schaukel springt.“

Die Kurzbeschreibung passt, auch wenn der Erzählstrang während der 113 Minuten weit mehr Elemente enthält.

Der Hauptvorwurf der Kritik ist, der Film sei „ein Dekorations- und Kulissenfilm, in dem nichts glaubhaft erscheint: die Trafik eine Theaterbude, der Fleischerladen nebenan nur eine Fassade. Wien 1938 als synthetisches, hochdruckgereinigtes Bühnenbild.“

Kann man so sehen und ja, der Film ist einerseits eine große Bühnenverfilmung mit Darstellern, die jeweils in ihrer Rolle für das Ganze stehen: ein Kommunist, ein Denunziant, eine schillernde Frauenrolle, ein Jude, usw. sowie rundherum einige Statisten, andererseits hat mir gerade diese Reduktion gut gefallen.

Dazwischen immer wieder phantastische Traumszenen -Freud lässt grüßen- und umspannend der Gegensatz zwischen Land und Stadt, in dem der 17-jährige Franz das Bindeglied verkörpert.

Es geht um Libido, Liebe und das sexuelle Coming of Age des Jungen vom Lande in den Kulissen der Weltstadt Wien, welches schlussendlich auch zu einem politischen Reifeprozess wird.

Gut und Böse sind klar zu unterscheiden, der politische Opportunismus der Varietétänzerin Anezka von  links nach rechts wird unzweideutig nachgezeichnet.

Spontanurteil: 4,5 von 6 Sternen.

Alles muss raus! Muss alles raus? Was von 2018 bleibt …

Muss alles wirklich raus? (foto: zoom)
Vor ein paar Tagen hatte ich mir vorgenommen, eine Jahresbilanz zu erstellen und ein paar Vorsätze für das neue Jahr aufzuschreiben.

Jetzt sitze ich hier und streiche erst einmal die Vorsätze, bis auf: mehr lesen!

Das war es auch schon – Vorsätze abgehakt.

Die Bilanz erstelle ich grobschlächtig ohne Belege, wurstig und aus dem Bauch.

„Aus dem Bauch“ ist das Credo aller Wissenschaftsleugner, Narzissten und sonstiger Arschlöcher von AfD bis Trump.

Eigentlich braucht man sich nur Trump anzusehen und auf das deutsche Dorf hinunterzubrechen. Bei Trump ist alles drin: Faschismus, Lügen, dreiste Verführung der gesellschaftlich Abgehängten, schamlose Bereicherung. Wer Trump kennt, kennt von Storch.

Was ist ein Atomkraftwerk gegen das Windrad vor der Haustür?

Klimawandel? Hejo, da glauben wir doch lieber den Lobbyisten vom sogenannten E.I.K.E.- Institut und deren Wurmfortsätzen als wissenschaftlichen Beobachtungen und Schlussfolgerungen.

Alles muss raus?

Verschwörungstheorien gab es schon immer und zu allen Zeiten. Das Böse, das Böse ist überall.

Facebook ist böse. Die sozialen Medien sind böse, weil sie den gesellschaftlichen Diskurs verzerrt widerspiegeln und negativ beschleunigen.

Die Minderheit der unverschämten Lautsprecher, Leugner, Ankläger und Verzerrer spielt sich als Mehrheit auf, während ein (wie großer?) Teil der Mehrheit staunend am Rande steht und nicht weiß, wie mit den hoffärtigen Banden umzugehen sei.

Mit Rechten reden? Eher nicht. Da bin ich ganz bei Ralf Sotscheck.

Was aber tun in 2019 nach diesem Jahr der Irrationalität 2018?

Meine bescheidene Meinung: geduldig diskutieren, wo es sinnvoll ist; sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Fakten, Zusammenhänge, Ursache Wirkung, Quellen, Belege …

… auf die Straße gehen und vom Demonstrationsrecht Gebrauch machen. Die Grundrechte und das Grundgesetz verteidigen.

Lesen!

Die Guten, die Guten sind überall …

Umleitung: Das Auto ist bald vorbei, Windows 10 ist auch bald vorbei, Friedrich Merz ist sowieso vorbei, Funkes Sparrunden sind nicht vorbei, aber das Pariser Kilogramm ist vorbei und Heino wird 80.

Vor dem Stadion in Hamburg. Vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr hinein. (foto: zoom)

Jeremy Rifkin: «Das Auto ist doch vorbei!» Der Ökonom und Zukunftsforscher sagt, wir stünden vor der nächsten industriellen Revolution. Aber im Weg stehe die grösste Blase aller Zeiten … handelszeitung

Datenschnüffler: Windows 10 ignoriert Privacy-Einstellungen sammelt Daten, selbst wenn alle Punkte zur Speicherung des Aktivitätsverlaufs abgeschaltet sind … derstandard

Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Verbrechen in Deutschland rufen auf zur Verteidigung der Demokratie: Immer offener etablieren sich in der Gesellschaft Haltungen, Meinungen und Sprechgewohnheiten, die eine Abkehr von den grundlegenden Lehren aus der NS-Vergangenheit befürchten lassen. Wir stellen mit Sorge fest …kzGedenkstaetteNeuengamme

Moritat vom Eigennutz: Erträgt es diese Gesellschaft lange, wenn die Geister der Vergangenheit auf ihrer Ordnung lasten? Aber klar, die gesellschaftliche Ordnung, das ist die Manifestation der Vergangenheit. Nur die SPD, die weiß das nicht, schließlich geht es ihr genau so … erbloggtes

Friedrich Merz: Bruchlandung statt Höhenflug. Die CDU-Konservativen und die Merkel-Nachfolge … postvonhorn

„Wann waren Sie zum letzten Mal in einer Zeitungsredaktion?“: Betriebsrat ist sauer auf Funke-Manager Schoo und fürchtet neue Sparrunde … meedia

Einheiten – eine kleine Revolution: Einzelne Primärstandards, die irgendwo im Safe gelagert werden müssen, haben dann ausgedient. Das gilt insbesondere für das Ur-Kilogramm in Paris, das bisher noch als Standard für jede Kilogramm-Messung herhalten muss und von dem bekannt ist, dass es immer leichter wird … scilogs

Weshalb Public History?: Der 9. November – ernsthaft? Ausgerechnet an einem solchen Tag will ich verdeutlichen, weshalb Public History wichtig sein könnte? Ein noch einfacheres, offensichtlicheres Datum kann es ja wohl kaum geben … publicHistory

Heino wird 80: Sind denn alle Geschmäcker nivelliert? … revierpassagen

107.7 radio eriwan: Hagener Dudelfunk erfindet eine „Nachricht“ … doppelwacholder

Der Tod und die Medien: Die Sozialen Medien entwickeln sich mit dem Fortschreiten der Zeit notwendigerweise auch zu digitalen Friedhöfen. Walls werden zu neuartigen Grabsteinen … paralipomena

Hochsauerland: Teure Notärzte … sbl

Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland …

Photo: Helmut Monzlinger, Warstein

„Dies sind ein paar Bilder, die ich mit dem Sauerland verbinde. Wald, Bier, Berge und Heißluftballons sind für mich die Sachen, die das Sauerland auszeichnen. Kurz und knapp. Das Sauerland ist einfach nur geil. Die Lied im Hintergrund ist ,Sauerland – mein Herz schlägt für das Sauerland’ von der Kultband Zoff aus dem Sauerland.“

So las ich zu einem Video zu Warstein (1), und seit den Grabungen der Archäologen im Langenbachtal (2) kann ich die Anfangszeile des Refrains nur mitsingen:

„Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland, …“

Die 71 erschossenen „Ostarbeiter“ (3) des Massakers im Langenbachtal, von denen jetzt weitere Habseligkeiten (4) gefunden wurden, liegen alle auf Meschedes Waldfriedhof, den viele „Franzosenfriedhof“ nennen, und wo bisher nur die Stele

Photo vom Oktober 2018. Wann wird die Stele restauriert?

die Wahrheit sagt. Wie dankbar bin ich dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dessen Archäologen nach dieser Wahrheit graben – und allen, die mir so viele Zeitungsausschnitte zugeschickt haben!

„Hier ruhen 27 sowjetische Bürger“ – der Massaker in Warstein und Suttrop am 20. bzw. 21.3.1945 im Langenbachtal bzw. im Körtlinghausener Forst.

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Anmerkungen:

  1.  https://www.youtube.com/watch?v=uAi7qJQELvQ
  2.  https://www.siegerlandkurier.de/siegen/fremdarbeiter-1945-warstein-erschossen-habseligkeiten-geborgen-arbeitet-10818520.html
  3.  siehe „Merkblatt für die Behandlung und den Arbeitseinsatz der Arbeitskräfte aus dem altsowjetrussischen Gebiet (Stempel: Geheime Staatspolizei, Staatspolizeistelle Dortmund)“ in „Der ,Franzosenfriedhof’ in Meschede“, Norderstedt 2018 (im ITS-Bibliothek-online-Katalog unter https://its-libcat.iserver-online2.de/objekt_start.fau?prj=its&dm=Bibliothekskatalog&ref=36145)
  4.  siehe „Eine ,verschwundene’ Stele ruft. ,Ein Fund größeren Ausmaßes’“ auf https://www.schiebener.net/wordpress/wp-content/uploads/2018/12/130.-Habseligkeiten.pdf

Umleitung: von ganz Rechts zu kongenialen Teams, Sisyphos, der Krise des investigativen Journalismus hin zur großen Ernüchterung.

Weihnachten kommt immer näher. Es wird langsam ernst.  Kaffeehausfoto … (foto: zoom)

AfD-Fraktion setzt Landeschefin vor die Tür: Doris von Sayn-Wittgenstein, Parteichefin in Schleswig-Holstein, fliegt aus der Kieler Landtagsfraktion. Auch in anderen Bundesländern sollen AfD-Mitglieder ausgeschlossen werden … bnr

Stan Lee/Jack Kirby, John Lennon/Paul McCartney, Nile Rodgers/Bernard Edwards – wie kongeniale Teams sich emergent ergänzen: Was ist das Geheimnis erfolgreicher Zwei-Personen-Konstellationen in der Populär-Kultur? Kongeniale Teams sind selten und bilden eine Besonderheit. Deshalb ragen sie heraus und sind einflussreich, wenn sie sich in besonderer Weise ergänzen … endoplast

Sisyphos und das Los: Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman hatte als junger Psychologe bei der israelischen Armee einmal die Aufgabe, den Einstellungstest zu verbessern … operationharakiri

„Investigativer Journalismus“ als Krisenzeichen: Die gegenwärtige Krise des Journalismus besteht in der Aufgabe der Wächterfunktion und im Niedergang des recherchierenden Journalismus. Die handelnden Personen dabei: Verleger, Politiker, Unternehmer und nicht zuletzt: Journalistendarsteller und solche, die es unbedingt werden wollen … welchering

Späte Einsicht, intensives Erinnern: Österreich heute. Der Staat Österreich galt offiziell als das erste Opfer der nationalsozialistischen Aggressionspolitik, womit die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit erschwert wurde … publicHistory

Hagen: Fahrgäste sollen bis zu 37 Minuten im pausierenden Bus warten … doppelwacholder

Die Bahn, der Bund und die Überraschung, die keine ist: Können wir mal aufhören, überrascht zu tun? „Huch? Die Privatisierung von Krankenhaus A verschlechtert die Pflegestandards im Haus? „Huch? Die Privatisierung der Telekommunikation hat gar nicht zu flächenddeckend schnellem Internet geführt?“ „Huch? Die Privatisierung des Öffentlichen Personenverkehrs hat gar nicht zu schneller, besser, günstiger geführt?“ … unkreativ

Große Ernüchterung, doch Freude am Chaos: Enzensberger erzählt „Anekdoten“ aus seiner Kindheit und Jugend … revierpassagen

Hochsauerland: Soziale Kälte im Kreishaus … sbl

Wenn Nazis auf der Tribüne johlen und ein Vater laut betet
Der NSU-Prozeß – ein Feature und ein Literaturhinweis

„Diesen Prozeß schüttelt man nicht ab. Der frißt sich nach einiger Zeit wirklich so in die Seele. Das ist so, als wenn sich das Gift Tröpfchen für Tröpfchen in die Haut brennt.“ (2)

Seit am 6.5.2013 der Prozeß gegen „den“ „Nationalsozialistischen Untergrund“ in der Bundesrepublik Deutschland begann, protokollierten ihn Annette Ramelsberger, Wiebke Ramm, Tanjev Schultz und Rainer Stadler – bis zur Urteilsverkündung am 438. Verhandlungstag am 11.7.2018.

„Dieser Prozeß hat so gezehrt. Er hat einem die Seele aus dem Leib gezehrt.“ (2)

Diese Protokolle sind als Buch erschienen: „Der NSU Prozeß. Das Protokoll“. WDR 5 sendete dazu in „Neugier genügt“ am 22.11.2018 (1) ein Feature, das auf der Seite heruntergeladen werden kann (2) – und sollte.

„In diesem Prozeß haben am Schluß Neonazis auf der Tribüne gejohlt. Und sie wurden kurz ermahnt vom Richter: ,Seien Sie still. Nicht, daß ich Sie am Ende noch ’rausschmeißen muß.’

Aber sie wurden nicht ’rausgeschmissen. Sie wurden nicht ’rausgeschmissen. Sie saßen da und johlten. Und unten saßen die Angehörigen.“ (2)

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Anmerkungen:

(1) https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/fuenf-jahre-nsu-prozess-100.html
(2) https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/podcast/weltweit/fsk0/178/1782542/wdr5neugiergenuegtdasfeature_2018-11-22_fuenfjahrensuprozess_wdr5.mp3
 
 

Annette Ramelsberger, Wiebke Ramm, Tanjev Schultz und Rainer Stadler
„Der NSU Prozess. Das Protokoll“
München 2018 (Verlag Antje Kunstmann, 2000 Seiten, 80 Euro)

Anmerkungen anlässlich des Pogroms vom 9./10. November 1938

Die Sicht von außen auf das Eingangstor zum Konzentrationslager Buchenwald, heute Gedenkstätte. (foto: zoom)

Nach dem hervorragenden Beitrag von Gabi Joch-Eren über die jüdische Familie Löwenstein in Assinghausen (Ortsteil von Olsberg), möchte ich anlässlich der  Novemberpogrome von 1938 lediglich einige Bemerkungen machen.

Die Geschichte der Juden in Winterberg ist bislang nur unzureichend aufgearbeitet. Es gibt  in Winterberg, im Gegensatz zu den umliegenden Städten, keine Stolpersteine vor den ehemals „jüdischen“ Häusern und Häusern, in den Juden wohnten.

Ich finde das peinlich für eine Stadt, in der das örtliche Gymnasium nach den Geschwistern Scholl benannt ist.

Hier im Blog wurde schon seit Jahren auf diese Erinnerungslücke der Stadt Winterberg hingewiesen, beispielsweise hier: „Verbrechen an den jüdischen Mitbürgern: Winterberg will sich anscheinend seiner historischen Verantwortung stellen„.

Als ich vor ein paar Wochen das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald besuchte, hat mich nicht die Pforte mit der Inschrift „JEDEM DAS SEINE“ am meisten betroffen, vielleicht noch nicht einmal die teuflisch hintertückische Genickschussanlage vor dem angeschlossenen Krematorium.

Chris Klein hat dazu vor über fünf Jahren einen immer noch aktuellen Beitrag geschrieben:

https://www.schiebener.net/wordpress/weimar-eindrucke-aus-einer-stadt-zwischen-kultur-und-barbarei/

Voll getroffen hat mich im Jahr 2018 die Installation am Anfang des Museumsrundgangs, die sich um ein Zitat von Victor Klemperer dreht: „Wieder ist es erstaunlich, wie wehrlos alles zusammenbricht.“

Angesichts der alten und neuen Nazis in der Bundesrepublik, angesichts der Lügen der AfD und ihrer Anhänger, angesichts des weltweiten Aufstiegs von Despoten und Autokraten, angesichts des Niedergangs der US-amerikanischen Demokratie, frage ich mich, wie stabil unsere Demokratie ist.

„Wieder ist es erstaunlich, wie wehrlos alles zusammenbricht.“

Der Satz beunruhigt mich.