Ein Sonnenuntergang und vier Blütenpflanzen

Sonnenuntergang in Siedlinghausen (foto: zoom)

Nach dem kleinen Hamburg-Ausflug habe ich mich heute wieder im Sauerland akklimatisiert. Dazu gehörte es, eine Menge Löwenzahn und Moos aus den Pflasterritzen zu kratzen; aber nicht zuviel, damit morgen noch etwas zu tun ist.

Unser Auto habe ich aus der Inspektion geholt, und weil ich nicht zwei Autos gleichzeitig fahren kann, bin ich auf dem Hinweg die sieben Kilometer über den Berg ins Nachbartal zu Fuß gegangen.

Am Wegrand blühten die üblichen Verdächtigen. Vier Blüten bzw. Blütenstände habe ich mit dem Smartphone aufgenommen.

Wer mag, darf raten, um welche Arten es sich handelt.

Wer sind wir? (fotos: zoom)

Was sonst noch geschah, bleibt unter uns; bis auf den Sonnenuntergang. Der war mal wieder ganz ansehnlich.

Und damit bin ich wieder im Hochsauerland angekommen. Ihr findet mich morgen beim Pflasterritzenkratzen.

Kleine Fluchten: der Odenberg

Am Morgen war der Himmel noch grau. Der Odenberg liegt harmlos gewölbt hinter dem Rapsfeld. (foto: zoom)

Gestern Morgen war der Himmel noch milchig und trüb. Der 381 Meter hohe Odenberg bei Gudensberg wölbte sich hinter einem Rapsfeld. Ich wollte eine seit zwei Jahren geplante Exkursion endlich abhaken.

Der Odenberg ist wie die vielen anderen Basaltkuppen in der Nähe von Kassel ein Überbleibsel vulkanischer Aktivitäten aus dem Erdzeitalter des Tertiär. Die verwitterten vulkanischen Gesteine sind mit fruchtbarer Asche überdeckt und damit ein idealer Nährboden für Frühlingswaldpflanzen.

Schon zu Hause hatte ich eine Liste derjenigen Blütenpflanzen studiert, die mich auf dem Odenberg erwarten sollten. Von Allium ursinum (Bär-Lauch) – dazu später mehr – bis Viola reichenbachiana (Waldveilchen) habe ich an die zwanzig Pflanzenarten beim Blühen erwischt.

Wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich hier um das Echte Lungenkraut, Unterart Dunkles Lungenkraut. (foto: zoom)

Es gibt einen sehr (!) steilen Weg hinauf zum hölzernen Turm auf der Bergkuppe und einen angenehmen längeren Weg, der einen Bogen über die flache Flanke des Odenbergs schlägt. Letzteren würde ich allen empfehlen, die auch nur eine Spur von Arthrose in den Knien haben. Der steile kurze Abstieg ist übrigens noch höllischer als der Anstieg. Von wegen, runter kommen sie immer.

Augen zu und hoch. Er könnte wackeln. (foto: zoom)

Es schnauften viele Leute mit leeren Händen den Berg hinauf und kamen mir mit gefüllten Papiertüten zufrieden lächelnd wieder entgegen. Ich musste gar nicht fragen, was in den Tüten war. Der Bärlauch war auch so zu riechen. Die Sammelwut hat mich allerdings nicht ergriffen, da wir hier oben im Hochsauerland selber genug von der bärigen Zwiebelpflanze haben. Guckt in die feuchten Mulden der Buchenwälder – solange es sie noch gibt.

Links wird die Blüte der Knoblauchsrauke angezapft, rechts ist der Wegweiser zu sehen. (fotos: zoom)

Ich habe den langen, flachen Panoramaweg genossen und den schnellen Abstieg gehasst. Dazwischen gute Laune, bunte Blumen und ein schöner Blick vom Turm.

Die Handstraußregelung wurde von den Bärlauchsammler:innen sehr großzügig ausgelegt. (foto: zoom)

Die vielen Blütenbilder vom Odenberg erspare ich euch. Geht selber gucken, bevor sich der Wald durch den Laubaustrieb der Bäume verdunkelt. Dann endet die Zeit vieler krautiger Blütenpflanzen im Laubwald. Die Kälte des Winters und die Dunkelheit des Sommers sind die beiden Hauptfeinde der sogenannten Geophyten.

Der Bärlauch wird sich bis zum nächsten Frühjahr von der Erntewut der Menschen erholen. Lasst es euch schmecken und genießt den Knoblauchersatz.

Für mich ging es danach zur Dönche und zur UB in Kassel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gegen Mittag hatte die Sonne den Dunst (fast) abgeräumt. Blickrichtung Kassel.



Pausenbild: Landwirtschaft

Es liegt was in der Luft – ein ganz besonderer Duft. (foto: zoom)

Das Wetter ist zu schön, um vor dem Computer zu sitzen. Zur Zeit fahren die Traktoren kreuz und quer über die Felder. An den Gülle-Geruch habe ich mich gewöhnt. Was soll ich auch machen? Nur nicht die Wäsche in den Garten hängen.

Die Blütenpflanzen an meinen Spazierwegen lassen sich trotz Sonne und Wärme Zeit. Huflattich, Gänseblümchen und Scharbockskraut. Viel mehr ist hier noch nicht los. Es fehlt der Magerrasen. Die gedüngten Fettwiesen sind nicht für ihre Artenvielfalt bekannt. Warten auf Wiesenschaumkraut und Löwenzahn.

In den nächsten Wochen werde ich mich noch ein wenig mit der Programmiersprache „R“ beschäftigen. Vielleicht wird daraus ein Datenprojekt oder es bleibt bei weiterem unnützen Zusatzwissen. Aber das weiß man vorher nie.

Gestern Nacht hatte ich einen Alptraum mit dem Thema „Ukraine-Krieg“. Beunruhigend.

Auf dem Nachttisch liegen jetzt „Amerikas Gotteskrieger“ von Annika Brockschmidt. Auch kein Thema für ruhige Nächte. Irgendwann lande ich noch bei Ludwig Ganghofer.

Holt mich hier raus! Und wie geht es euch?

Umleitung: Zwischen den Schauern … NSU 2.0, QuatschJura, Wissenschaftler als Gegner von Corona-Massnahmen und mehr.

Mai 2021: Die Tulpenzeit scheint vorbei. (foto: zoom)

NSU 2.0 – der mutmaßliche Täter und sein politischer Kontext … blicknachrechts

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Wissenschaftler als Gegner von Corona-Massnahmen: Der Grat zwischen gesunder wissenschaftlicher Skepsis und Unterstützung der absurden Querdenker-Bewegung … scilogs

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Der Krokus blüht.

Endlich blühen bei uns die Krokusse.

Ich bin in der Pandemie bescheiden geworden. Ein Spaziergang, ein guter Artikel, ein nettes Gespräch und jetzt auch noch ein blühender Krokus. Was will ich mehr?

An die anderen Freuden denke ich nur noch in der Vergangenheitsform. Weißt du noch an der Ostsee? Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg? Der Wein an der Mosel? Der Blick vom Mt. Ventoux? Hamlet im Schauspielhaus Bochum? Unsere Freund*innen? Die Besuche? Die Kirschblüte in Bonn und die Klavierkonzerte im Poppelsdorfer Schloss? … weiter, weiter, weiter. So vieles, das man gerade nicht unternehmen kann, und die Zahl der Neuinfektionen steigt erneut, gerade so wie das Gerede über Lockerungen anschwillt. Was kann da schon nicht schief gehen?

Egal, ich freue mich auf den Sommer. Der Krokus ist ein Zeichen, danach Huflattich, Buschwindröschen und die Pestwurz nicht zu vergessen.

Wenn nötig, Maske auf, spazieren gehen und auf die Impfung hoffen, außerdem fotografieren. Hier noch ein Blick von heute auf Bad Fredeburg:

Ein wenig Weite tut gut. Blick auf Bad Fredeburg.

Moin! Schneeglöckchen…

Die ersten Blütenpflanzen im Umfeld.

Ich bin mir sicher, dass in anderen Teilen Deutschlands die Schneeglöckchen schon längst von anderen Frühblühern abgelöst worden sind, aber im hohen Hochsauerland sind wir noch nicht so weit.

Da sich die Pandemie Dank der Lockerungsversprechen und falschen Hoffnungen noch hinziehen wird – wir steigen gerade wieder ins exponentielle Wachstum der Neuinfektionen ein -, suche ich mir eine Beschäftigung, die es mir ermöglicht den Menschen aus dem Weg zu gehen: Spazieren gehen und die Abfolge der Blütenpflanzen im Verlauf der Vegetationsperiode beobachten, dabei ab und an einen Vogel anhand des Gesangs bestimmen.

Raus, in den Wald, in die Wiesen und Parks …

Chaos im Vorgarten

Bis Ende Juni wird nur außen herum gemäht. (foto: zoom)

Ich bin ein fauler Gärtner. Das ganze Gewuchere rund um unseren Teil des Hauses habe ich stets als Zumutung empfunden. Rasen mähen, Unkraut zupfen, Sträucher schneiden – wo ist der Sinn?

Hinterher ist der Rasen gemäht und das Unkraut ist halbwegs entfernt; aber kaum hast du dich ein paar Tage umgedreht, auf der Arbeit Stress gehabt, einen kleinen Urlaub gemacht, bei Regen lieber nicht in den Garten geguckt – schwuppdiwupp, da ist das ganze Zeug schon wieder auf dem Vormarsch.

Sisyphos fühlte sich als glücklicher Mensch, zugegebenermaßen in der Interpretation von Camus, der bei seiner Geschichte wahrscheinlich an den deutschen Kleingärtner gedacht hatte, oder an meinen Vater, den glücklichen Schrebergartenpächter.

Militärisch ausgerichtete Gemüsebeete, Obstbäume und Obststräucher, die meine Mutter monatelang mit Einkochen beschäftigten. Glücklich die Stunden, in denen die Mutter sich mit den Nachbarn zum Verkosten des Aufgesetzten zusammen hockte.

Salat, Rhabarber, Stachelbeeren, Kartoffeln, Möhren, Johannisbeeren, Äpfel, Birnen, Kohlrabi, Wasser aus der eigenen Pumpe … wir waren nahezu autonom.

Der Garten war picobello. Wege mit Kantsteinen gesäumt, veredelte Apfelbäume, kein Zipfelchen Unkraut. Es wurde regelmäßig E 605 gesprüht. Beim Streichen des Jägerzauns mit Xylomon waren wir high, während links und rechts vom Pinsel die Insekten tot zu Boden fielen. In regelmäßigen Abständen fanden sogenannte „Begehungen“ statt. Der Garten Nr. 46 erhielt regelmäßig ein „sehr gut mit Auszeichnung“.

Rein gartengenetisch bin ich also aus der Art geschlagen. Gartenarbeit macht mir keinen Spaß.

In diesem Jahr wird alles anders. Ich mache aus meiner Faulheit eine Tugend. Der Rasen darf bis Ende Juni wachsen, wie er will. Nur außen herum mähe ich regelmäßig einen schmalen Streifen. Dieser leicht zu pflegende Saum signalisiert den Nachbarn, dass hier etwas Ernsthaftes vor sich geht.

Seit Beginn der Vegetationsperiode sitze ich nun am Küchenfenster und staune, was sich auf meiner wilden Wiese entwickelt.

Den Löwenzahn (=Feind des Sauerländers) habe ich ganz stark ausgehalten, weil da ja auch noch das Wiesenschaumkraut wuchs. Dann kam und blieb der kriechende Günsel, Gänseblümchen, Wucherblume und verschiedene Sorten Habichtskraut.

Jeden Tag entdecke ich eine neue blühende Pflanze. Gestern war da etwas Blasiges, das sich heute zu einer Mohnblume entfaltet hat.

Hinter dem ganzen Chaos steckt aber doch ein Plan. Und der geht so:

Die letzten zwei Jahre hatte ich Wildwiesensamen ausgestreut. Den haben die Vögel dankbar weggepickt und die Wiese blieb langweilig grün.

Im vergangenen Winter habe ich mich dann schlau gemacht und habe gelernt: Du musst keine Samen ausstreuen und irgendwelche Mischungen, von denen du nicht weißt, was drin ist, im Baumarkt oder Internet kaufen.

Alles, was du brauchst, befindet sich schon in deiner Wiese. Mähe sie vom Beginn der Vegetationsperiode bis Ende Juni nicht und staune. Dann nur noch jeden Monat bis zum Ende der Vegetationsperiode mähen/sicheln.

Wir haben Juni, und wie ihr merkt, staune ich, was seit 15 Jahren in meiner Wiese gesteckt hat.

Langsam beginnt mir das Grünzeug um unsere Wohnung herum Spaß zu machen.

Das andere Unkraut, welches Richtung Nachbarschaft wuchert, werde ich in den nächsten Tagen raus rupfen. Versprochen!

Aus mir wird nie ein vernünftiger Gärtner.