Am Wegrand: ein halbnackter Hömberg

Siedlinghausen: der Hömberg, ein halber Skalp (foto: zoom)

Wird das Sauerland bald aussehen wie die englischen Pennines? Baumlos kahl, mit weiten Heiden, auf denen Schafherden weiden? Wofür die Inselbewohner Jahrtausende benötigt haben, schaffen wir vielleicht in ein paar Jahren.

Klimawandel, Waldsterben, und alles was sich noch an Bäumen und Holz vermarkten lässt, wird geschlagen und nach China verkauft. Die Gelegenheit ist günstig. Wer weiß, ob sich die guten Preise noch lange halten.

Die Erde der baumlosen Hänge könnte bei den zu erwartenden Starkregen als Schlamm in die Täler rutschen, die Maisfelder gleich hinterher, denn sie sind besonders erosionsanfällig.

Das ist nun viel dunkle Phantasie und Extrapolation. Aber dabei fällt mir ein: Gibt es Karten für das Hochsauerland auf denen Risikogebiete verzeichnet sind, mit Szenarien für zu erwartende Veränderungen durch den Klimawandel?

Woher wissen wir, dass unser Haus nicht eines Tages durch Unwetter abrutscht oder uns die Wassermassen durch Erdgeschoss und Keller laufen?

Ich bin ein ängstlicher Mensch.

IT.NRW: Waldfläche Nordrhein-Westfalens ist mehr als doppelt so groß wie Mallorca.
Anteil von Schadholz am Nadelholzeinschlag lag 2019 mit 95,2 Prozent auf Rekordniveau.

Düsseldorf (IT.NRW). 8 471 Quadratkilometer (km2) und damit 24,8 Prozent der gesamten Fläche Nordrhein-Westfalens (34 112 km2) waren Ende 2019 Waldflächen. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, ist die Waldfläche NRWs damit mehr als doppelt so groß wie Mallorca (3 640 km2).

(Pressemitteilung IT.NRW)

Mit 3 265 Quadratkilometern liegen 38,5 Prozent der Waldflächen des Landes im Regierungsbezirk Arnsberg – allein im Hochsauerlandkreis gibt es 1 071 Quadratkilometer Wald. Den höchsten Anteil der Waldfläche an der Gesamtfläche hat mit 72,8 Prozent die Gemeinde Kirchhundem im Kreis Olpe.

Auf nahezu einem Drittel der Waldfläche (31,7 Prozent) steht Nadelwald (2 686 km2). Mehr als die Hälfte der Nadelwälder befindet sich im Regierungsbezirk Arnsberg (1 546 km2); hier ist auch der Anteil des Nadelwaldes an der gesamten Waldfläche mit 47,3 Prozent am höchsten. Den höchsten Anteil der Nadelwaldfläche an der Waldfläche hat Kirchhundem (Kreis Olpe) mit 84,4 Prozent.

Im Jahr 2019 wurden in Nordrhein-Westfalen 6,5 Millionen Kubikmeter (m3) Nadelholz eingeschlagen; das waren 86,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bereits 2018 hatte der Holzeinschlag mit 3,5 Millionen Kubikmetern um 64,3 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres (2017) gelegen. Von 2010 bis 2017 hatte der Holzeinschlag im Schnitt bei 2,5 Millionen Kubikmetern gelegen.

Der Anteil von Schadholz (6,2 Mill. m3) am Nadelholzeinschlag lag 2019 mit 95,2 Prozent auf Rekordniveau. Damit wurde das bisherige Spitzenergebnis aus dem Jahr 2018 (2,7 Mill. m3; 78,1 Prozent) nochmals übertroffen. In den Jahren von 2011 bis 2017 hatte der Schadholzanteil durchgängig bei unter 20 Prozent gelegen.

In Nordrhein-Westfalen gab es 2016 laut Agrarstrukturerhebung 2 800 Forstbetriebe (mit mindestens zehn Hektar Waldfläche) die zusammen eine Waldfläche von 5 985 Quadratkilometern bewirtschafteten. Mit 2 461 Quadratkilometern befanden sich gut zwei Fünftel (41,1 Prozent) der Waldflächen in privatem Besitz. Bei 1 362 Quadratkilometern handelte es sich um Staatsforsten und bei 2 161 Quadratkilometern um Körperschaftsforsten.

file type icon Waldflächen in Nordrhein-Westfalen am 31.12.2019 (Gemeindeergebnisse)

Klima- und naturschutzgerechter Waldumbau müssen angesichts zunehmender Witterungsextreme oberste Priorität haben

“Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, daß sich die Wälder von selbst stabilisieren können.”

Die prekäre Lage der Wälder, bezeichnenderweise muß man ja von Forsten sprechen, hat tiefer liegende Ursachen: Eine Überfrachtung der Wälder mit Schadstoffen aus den Bereichen Verkehr und Landwirtschaft, Überdüngung, auch durch Stickstoffverbindungen ( z. B. Ammoniak), weiterhin Monokulturen und Trophäenjagd.

(Der Beitrag von Karl Josef Knoppik ist auch als Leserbrief an den Sauerlandkurier versandt worden.)

Einem ganzen Cocktail von Umwelteinflüssen ist unsere „grüne Lunge“ ausgesetzt. Man macht es sich aber zu einfach, die Schäden bzw. Ausfallerscheinungen in unseren Wäldern allein dem Klimawandel zuzuschreiben. Dessen Auswirkungen sind infolge der genannten massiven Eingriffe (direkt oder indirekt) natürlich umso schlimmer.

Nun rächt sich eine über Jahre und Jahrzehnte hinweg praktizierte naturwidrige Waldbehandlung durch eine am Renditedenken orientierte Forstwirtschaft.

Zwar sind auch Schäden in Laubholzbeständen zu beklagen. Diese sind jedoch darauf zurückzuführen, daß auch solche Wälder mit ihrer einheitlichen, undifferenzierten Struktur, etwa monokulturelle Eichenplantagen, häufig nicht als naturnah oder gar naturgemäß anzusprechen sind. Dadurch wird es „Schädlingen“, wie z. B. dem Schwammspinner, enorm erleichtert, sich explosionsartig auszubreiten.

Ökologisch intakte, natürlichen Prinzipien entsprechende Eichenwälder, vergesellschaftet mit Hainbuchen im Unterstand, die den Boden beschatten, entziehen den „Schädlingen von morgen“ ihre Lebensmöglichkeiten. Unentbehrlich sind auch Begleitbaumarten, wie Birke, Espe, Salweide oder Vogelbeere.

Als erstes müssen naturferne Fichten- und Kiefernforste unverzüglich in naturnahe Laubmischwälder umgewandelt werden. „Vorhandene Erfolge wie in den Wäldern um Berlin, dem brandenburgischen Stadtwald Treuenbrietzen oder dem Nürnberger Stadtwald zeigen lt. BUND, daß solche Waldumbaumaßnahmen die Waldbrandgefahr verringern.“ Damit der Umbau gelingt, sind die Schalenwildpopulationen (Reh- und Rotwild) auf ein für die Verjüngung des Waldes erforderliches Maß zu reduzieren.

Nadelbäume sollten nur noch in Beimischung oder gruppenweise angepflanzt werden, wobei die schattentolerante Weißtanne, die im Vergleich zur Fichte Wetterextremen, wie Stürmen, Trockenheit und Hitze weitaus mehr entgegenzusetzen hat, besonders zu fördern ist.

Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, daß sich die Wälder von selbst stabilisieren können. Deshalb heißt das Gebot der Stunde: Ökologisch verträgliche Bewirtschaftung. Sie ist auch deshalb nötig, weil so mehr Feuchtigkeit im Wald verbleiben kann. Entwässerungen müssen ab sofort tabu sein. Dichtes Unterholz schützt den Waldboden vor dem Austrocknen.

Ein Wald kann nur dann viel Wasser speichern, wenn tief wurzelnde Bäume und Bodenlebewesen ein weit verzweigtes Hohlraumsystem schaffen, das dem Waldboden die Eigenschaften eines Schwamms verleiht. Er kann Wasser aufsaugen und gefiltert wieder abgeben.

Außerdem muß der bei der Holzernte viel rücksichtsvoller vorgegangen werden. Insbesondere große Erntemaschinen, wie Harvester, welche den empfindlichen Waldböden enorm zusetzen und zu Verdichtungserscheinungen führen, die das Bodenleben verarmen lassen und eine Infiltration des Waldbodens verhindern, dürfen nicht mehr zum Einsatz kommen. Im Interesse einer bodenschonenden Bewirtschaftung, die angesichts der dramatischen Situation in unseren Wäldern dringend erforderlich ist, sollten in verstärktem Maße auch so genannte Rückepferde diese Aufgabe übernehmen. Eine entsprechende finanzielle Förderung durch die Länder ist unabdingbar.

Parallel dazu ist auch mehr qualifiziertes Personal bereitzustellen, was allerdings voraussetzt, daß die infolge der Zusammenlegung bzw. Ausweitung der Forstreviere entstanden ineffizienten Strukturen rückgängig gemacht und wieder in kleinere, überschaubare Einheiten überführt werden.

Von der Forst- und Holzlobby wird quasi als Wunderwaffe gegen die zunehmenden Witterungsextreme die Einbringung exotischer, vermeintlich klimaresistenter Baumarten (Douglasie, Roteiche, Schwarzkiefer usw.) angepriesen. Das wäre aber aus Naturschutzgründen nicht zu verantworten und würde der ohnehin stark gefährdeten Biodiversität in unseren Wäldern endgültig den Garaus machen.

Karl Josef Knoppik, Meschede

Der deutsche Wald – Ökonomische Nutzung und ökologische Nachhaltigkeit. Teil 2: Der phantastische Aufstieg der Fichte zum Brotbaum der Forstwirtschaft und ihre Entzauberung durch menschliche Ignoranz und kurzsichtiges Renditedenken

Dunkle Fichten und das helle Grün der Buchen: hier ausnahmsweise in der Mehrzahl (foto: zoom)

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts, im Jahre 1820, hielt die forstlich attraktive Nadelbaumart Fichte bei uns im Sauerland Einzug. Dies war zugleich auch die Geburtsstunde der forstlichen Plantagenwirtschaft, die auf dem Konzept der so genannten Bodenreinertragslehre gegründet war.

(Den ersten Teil der beiden Artikel kann man hier nachlesen.)

Diese Plantagenwirtschaft hatte eine maximale Verzinsung des Bodenkapitals zum Ziel. Man wollte den Wald wie einen Acker bewirtschaften – mit Kahlschlägen und dem großflächigen Anbau nur einer einzigen Baumart. Der Altersklassenwald war entstanden.

In ihm stehen die unterschiedlich alten Bäume nicht auf einer Fläche, sondern nach Alter räumlich getrennt auf jeweils verschiedenen Flächen. Alles ganz exakt, geometrisch angeordnet und maschinell geerntet. In der Folge wurden die Flächen durch Neupflanzung wieder aufgeforstet.

Schon Heinrich Heine spottete über die Akkuratesse der Deutschen: Zitat: „In jeder Bewegung ein rechter Winkel.“

Nadelholzmonokulturen – wie vom Reißbrett – sind auch nach dem Orkan Kyrill unverändert dominant. Wieder nichts gelernt? (Foto: K. J. Knoppik)

Mit der Zeit häuften sich jedoch die Schäden durch Schnee- und Eisbruch, Sturm und Insektenfraß. Zudem verursacht der sich aus dem Altersklassenwald ergebende Kahlschlagbetrieb radikale Eingriffe in die Lebensgemeinschaften des Waldes.

Die Orkane „Vivien“ und „Wibke“, „Lothar“ und „Kyrill“ sowie verheerende Stürme in Niedersachsen bereits zu Anfang der 1970er Jahre belegen eindeutig und überall sichtbar dieses gescheiterte Waldbaukonzept. Und immer sind die Schäden dort am größten, wo die Waldbestände am wenigsten der Natur entsprechen.

Kurzsichtiges, auf schnellen Profit gerichtetes Denken zahlte sich noch nie aus. Und die Kosten für die Schäden in den labilen Kunstforsten, sog. Kalamitäten, wurden nicht etwa dem Verursacher, sondern dem Steuerzahler aufgebürdet.

Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten … (Foto: K. J. Knoppik)

Vom 18. Auf den 19.1. 2007 knickte der Orkan Kyrill auf einer Fläche von 27.300 ha den Wald in Südwestfalen um. Das entspricht 9 % der Waldfläche der Region, 49 % davon lagen im Hochsauerlandkreis. In ganz NRW betrug der Schaden etwa 15,7 Mio. Festmeter. Das entspricht dem Dreifachen des durchschnittlichen Jahreseinschlags im Land.

Der Privatwald war mit 72 % am stärksten betroffen. Kyrill hat vor allem die Fichte, neben der Waldkiefer der Brotbaum Nr. 1 der Forstleute und Waldbauern, auf riesigen Flächen wie Streichhölzer umgeworfen. Solche „Katastrophen“ haben ihren Ursprung in nicht standortangepaßten – dem kulturellen Prinzip der Nachhaltigkeit widersprechenden – Anbaumethoden.

Dabei lassen sich solche naturwidrigen Nadelholzplantagen mit relativ einfachen und kostengünstigen Maßnahmen in ökologisch hochwertige und stabile Wälder überführen. Gleichaltrige Fichtenbestände mit Wald gleichzusetzen, entbehrt jeder Grundlage, sind sie doch öde Holzproduktionsstätten, die unter dem Einfluß der globalen Erwärmung allgemein immer mehr an Boden verlieren. Das, was aus forstlicher Sicht lange Zeit als richtig erschien, muß also angesichts neuer Herausforderungen komplett neu überdacht werden. Unterdessen nimmt der Druck auf das grüne Drittel unserer Republik zu.

Der begehrte Rohstoff Holz wird knapper – und die Nutzung intensiviert. Dabei hat der Wald zahlreiche Gemeinwohlfunktionen zu erfüllen. Er dient der Bewahrung der heimischen Artenvielfalt; und gleichzeitig muß er auch gegen die Auswirkungen der globalen Erwärmung gerüstet sein. Denn nur vitale Ökosysteme sind in der Lage, den Auswirkungen der hauptsächlich vom Menschen verursachten Klimaveränderung einiges entgegenzusetzen.

Dennoch halten viele Waldbesitzer hier in NRW trotz aller Warnungen und noch so starker finanzieller Anreize zugunsten naturnaher Mischwälder an der Fichte fest. Es zeigt sich, daß man nicht einmal aus dem Orkanereignis Kyrill, geschweige denn aus den Fehlern vergangener Jahrzehnte, viel dazugelernt hat.

Die Häufung extremer Wetterlagen, wie Stürme, Trocken- und Hitzeperioden, ausbleibende Winter und Insektenkalamitäten haben im Sauerland bis heute nach meinem Eindruck zu keinem grundlegenden Umdenken geführt. Eine echte Abkehr vom Nadelholz, das sich auch in entsprechenden Zahlen widerspiegeln würde, ist nicht zu erkennen.

Im Gegenteil: Weihnachtsbaumkulturen breiten sich auf ehemaligen Kyrill-Flächen aus. Diese im Wald angesiedelten Kulturen dürfen noch bis 2028 betrieben werden, sofern sie vor 2013 angepflanzt wurden. Allerdings ist es dem seinerzeit zuständigen grünen Umweltminister Remmel zu „verdanken“, daß Weihnachtsbaumanbieter, die schon heute umweltverträglich produzieren, auch nach dem Jahr 2028 unverändert Nadelholzplantagen in Wäldern anlegen dürfen!

Hier ist Johannes Remmel nach seiner Bauchlandung mit dem NRW-Klimaschutzplan erneut als Umfaller in Erscheinung getreten. Zur Information sei noch erwähnt, daß unser häufigster Weihnachtsbaum, die Nordmanntanne in ihrem Ursprungsgebiet, den höheren Lagen des Kaukasus, durch massiven Holzeinschlag gefährdet ist!

Weihnachtsbaumkulturen haben mit naturnaher Waldwirtschaft nichts zu tun … (Foto: Knoppik)

Und zu allem Überfluß hat man festgestellt, daß im Sauerland Buchenwälder einfach in Fichtenbestände überführt werden, vermutlich immer noch. Überhöhte Reh- und Rotwildpopulationen verschärfen das Problem, indem diese mit ihrem selektiven Verbiß besonders der Edellaubhölzer eine erfolgreiche Begründung von naturnahen Wäldern verhindern. Es gibt in Deutschland zwar ungefähr 90 Milliarden Bäume. Eine Zahl von astronomischer Dimension! Bedenkt man jedoch, welche schädlichen und zerstörerischen Kräfte inclusive Umweltfaktoren auf das Waldökosystem einwirken, geht es dem Wald schnell an die Substanz und gewaltige Ausfallerscheinungen sind die Folge!

Bis heute haben trotz Förderprogrammen des Landes NRW nur wenige Waldbauern bzw. Waldbesitzer die Auswirkungen des Orkans Kyrill als Chance begriffen, eine zukunftsfähige, ökologisch notwendige und zugleich den wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung tragende Waldnutzung in Angriff zu nehmen, oder die betreffenden Flächen sinnvollerweise gleich der Natur zu überlassen. Das wäre die einzig richtige Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft, nämlich Klimaerwärmung und Erhalt der Biodiversität.

Denn auch im Privatwald muß – ebenso wie in den öffentlichen Wäldern – langfristig das 10 Prozent-Ziel gelten. Privatwaldbesitzer, die sich z. B. freiwillig für die Bewahrung alter Bäume mit Höhlen für Fledermäuse, Vögel und Käfer in ihren Wäldern engagieren, sind für ihren Einsatz angemessen zu entlohnen. Im Privatwald sind also Gemeinwohlleistungen, die über die Sozialpflichtigkeit des Eigentums hinausgehen, finanziell auszugleichen, und zwar durch Bund und Land. Zusätzlich ist ein Waldnaturschutzfonds einzurichten.

Es gilt die gute fachliche Praxis. Sie muß als Mindeststandard definiert und in sämtlichen Waldgesetzen verbindlich festgeschrieben werden. Das bedeutet: Verbot von Kahlschlägen, Biozid- bzw. Pestizideinsatz oder Einsatz gentechnisch veränderten Organismen. Lt. Richtlinien muß „die gute fachliche Praxis“ die Grundlage und Mindestanforderung für Planung, Durchführung und Bewertung von Waldnutzungsmaßnahmen bilden. Dazu zählen auch Anreize zur Umstellung auf naturnahe Waldwirtschaft, etwa durch ökologisch anspruchsvolle Zertifizierungen (FSC, Naturland).

Nadelholzplantagen breiten sich im Wald aus. Hauptsache: Sie kosten wenig und bringen viel. Aber die Rechnung geht nicht auf. (Foto: Karl J. Knoppik)

 

Naturnaher Mischwald in der Umgebung des Königssees (Foto: Karl Josef Knoppik)

Waldbauwissenschaftler und Vegetationskundler empfehlen seit langem aus ökologischen und ökonomischen Gründen als auch im Hinblick auf den Klimawandel die Nutzung sämtlicher standortheimischer Baumarten. Dabei sollte, was die Nadelhölzer betrifft, selektiv vorgegangen werden und keinesfalls wieder auf Exoten, wie die zur Invasivität neigende Douglasie zurückgegriffen werden.

Sie gedeiht sehr gut auf bodensauren, lichten und trockenwarmen Waldstandorten. Diese sind zwar forstwirtschaftlich von geringer Bedeutung, zeichnen sich aber durch einen hohen naturschutzfachlichen Wert aus. Lt. Bundesamt für Naturschutz (BfA) verjüngt sich die D. im Vergleich zu den meisten anderen heimischen Baumarten natürlich und dunkelt die oft hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten aus. Das ist der auf diesen Standorten höheren Konkurrenzkraft der Douglasie geschuldet, die dazu führt, daß indigene Pflanzen und darauf angewiesene Tierarten verdrängt werden, da sie in ihrer Anpassungsfähigkeit schlichtweg überfordert sind. Ganze Lebensgemeinschaften verändern sich auf diese Weise!

Aber auch Roteiche, Japanische Lärche, Küstentanne oder Schwarzkiefer bieten unserer heimischen Tierwelt keinen Lebensraum und weisen anbau- und krankheitsbedingte Risiken auf. Interessant ist, was sogar eine vom Hessen-Forst selbst angestellte Untersuchung gezeigt hat, daß nämlich die Douglasie für viele unserer heimischen Vogelarten wertlos ist.

Am Beispiel unserer größten Spechtart, dem Schwarzspecht, läßt sich eindrucksvoll belegen: Diese Vögel sind Schlüsselfiguren im Buchenwald, denn sie zimmern Bruthöhlen, die später von Nachmietern, u.a. Rauhfußkauz, Dohle oder Hohltaube bezogen werden.

Abgesehen davon, daß der Schwarzspecht fast immer Buchen anfliegt, erkannte der Autor der Studie: „Bemerkenswert ist, daß kein Nachweis der Nahrungssuche des Schwarzspechts in den auch im Untersuchungsgebiet vorhandenen Douglasienbeständen gelang.“

Hackspuren vom Schwarzspecht (Quelle: Naturfoto Heinz Tuschl)

Auch für andere Spechtarten ist nach den Erfahrungen des Verfassers Michael Hoffmann die Douglas-Tanne eine „zur Höhlenanlage äußerst unattraktive Baumart.“

Hinzu kommt, daß rindenbrütende „Schadinsekten“ in zunehmendem Maße auf dieser fremdländischen Baumart gesichtet werden und damit dieselben Probleme auftreten, die wir schon seit Jahrzehnten von der Fichte kennen.

Auch die immer ins Feld geführte Klimatoleranz der Douglasie, die ursprünglich an der Westküste der USA beheimatet ist, wird weit überschätzt. In Wirklichkeit geht es der Forst- und Holzlobby allein darum noch mehr Rendite aus dem Wald herauszuholen.

Nordamerikanische Douglasien und andere fremdländische Nadelbaumarten bergen erhebliche ökologische Risiken (Foto: Karl Josef Knoppik).

Nach Meinung von Experten des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wie auch nach meiner eigenen Auffassung sind die standortheimischen Laubbaumarten selbst bei steigenden Temperaturen in der Lage stabile Wälder zu bilden. Sie lassen sich auch wirtschaftlich nutzen.

Bezüglich der in Frage kommenden Nadelhölzer kann die schnell wachsende Weißtanne eine entscheidende Rolle im Wald von morgen spielen. Sie ist die von Natur aus am weitesten verbreitete, ökologisch und ökonomisch wertvollste heimische Nadelbaumart. Im Wesentlichen auf Süddeutschland beschränkt, erstreckt sich ihr Vorkommen bis hinauf zum Thüringer Wald. Die Tanne wäre sehr gut für ein wärmeres Klima geeignet. Sie gedeiht auf basischen Böden ebenso wie auf sauren und verjüngt sich auf den unterschiedlichsten Humusformen – vom Mull bis zum Rohhumus. Ihre flachen, gescheitelten Nadeln enthalten mehr Blattgrün als die der Buche und 6 mal so viele Reservestoffe wie jene der Fichte.

Außerdem verträgt die Weißtanne (auch Edeltanne genannt) in ihrer Jugend anhaltende Beschattung, mehr als alle anderen Wirtschaftsbaumarten. Deshalb ist sie geradezu prädestiniert für den Aufbau ungleichaltriger, stufiger Dauerwaldstrukturen. Zudem verjüngen sich Tannen von Natur nach Ausfall von Einzelbäumen oder Trupps – also keine flächigen Katastrophen durch Sturm, Insektengradation oder Feuer. Dank ihrer großen Sturmfestigkeit konnte sie – eingebunden in ungleichaltrige Buchenumgebung – damals selbst jenem über dem Schwarzwald tobenden Orkan „Lothar“ (1999) in dessen Zentrum widerstehen.

Rückkehrer auf leisen Sohlen: Der Luchs ist in einigen Waldgebieten Deutschlands wieder heimisch geworden. Die Kehrseiten dieser erfreulichen Entwicklung: Zerschneidung seiner Lebensräume. Außerdem werden immer wieder Tiere illegal getötet oder werden Opfer des Straßenverkehrs. Effekte, die große Beutegreifer, wie Luchs oder Wolf, auf das Schalenwild, oder auch kleinere Beutegreifer ausüben, können durch Jagd nicht von Menschen ersetzt werden (Foto: Heinz Tuschl).

 

Jungtannen sind besonders verbißgefährdet (Foto: K. J. Knoppik)

Vor einigen Jahrzehnten fand man im Bayerischen und Böhmerwald Tannenexemplare bis zu einer Höhe von 60 Metern und darüber und einem Stammumfang von 3 – 5 Metern am Stock.


Weißtannen sind die mächtigsten Bäume Europas. Sie erreichen eine Höhe von bis zu 65 m. (Foto: K. J. Knoppik)

Wegen ihrer überragenden ökologischen und auch ökonomischen Bedeutung plädieren Wissenschaftler schon seit vielen Jahren dafür, den Baum des Jahres 2004 außerhalb der Tannenverbreitungsgrenze überall dort in vergleichbaren Anteilen zu beteiligen, wo nach wie vor die Fichte oder Douglasie geplant sind.

Die Wiederbegründung tannenreicher Wälder macht jedoch nur dann Sinn, wenn zuvor die Schalenwildpopulationen in einem Maße reduziert werden, daß der Tannennachwuchs verbißfrei aufwachsen kann. Hier steht die mächtige Lobby der „Grünröcke“ in der Pflicht, ihre Verantwortung für gesunde und artenreiche Wälder von hoher Ästhetik endlich wahrzunehmen.

Der Rotwildbestand muß auf ein waldverträgliches Niveau abgesenkt werden. Nur dann können artenreiche Mischwälder ungehindert aufwachsen (Foto: H. Tuschl)

Entgegen anderslautender Darstellung scheitert der Aufbau naturnaher Wälder hierzulande bis auf wenige Ausnahmen an der uneinsichtigen, auf puren Eigennutz bedachten Blockadehaltung der Jäger. Dabei wäre nach Dr. Georg Meister, einem bedeutenden Vordenker des naturnahen Waldbaus, dieses Ziel mit einfachen und relativ kostengünstigen Maßnahmen bequem zu erreichen.

Sündhaft teure Abzäunungen und weitere katastrophale Einbußen durch selektiven Wildverbiß sowie Schälschäden können wir uns nicht länger leisten. Immer noch besteht ein Großteil der bundesweit vorhandenen Waldflächen aus öden Fichten- und Kiefern-Monokulturen, die in erster Linie einer irrationalen Jagdleidenschaft geschuldet sind.

Offenbar ist von Seiten der Jäger bis heute kein echter Wille vorhanden, gemäß dem Grundsatz Wald vor Wild als unabdingbare Voraussetzung für naturnahe Wälder einen ökologisch motivierten Strategiewechsel zu vollziehen.

Festzustellen ist aber auch, daß es mittlerweile Jäger gibt, die sich ihrer Verantwortung für stabile Wälder mit reicher Artenvielfalt bewußt sind und mit der Anpassung der Schalenwildpopulationen an die Waldvegetation durch eine rigide Bejagung Ernst machen.

Das selten gewordene Haselhuhn ist auf strukturreiche Laub- und Mischwälder mit reichlich Unterholz angewiesen. Mittlerweile ist es in großen Teilen seines früheren Verbreitungsgebietes verschwunden. Verbreitungsschwerpunkt sind die Alpen, Bayerischer und Böhmerwald. (Foto: Heinz Tuschl)

 


Für Reh- und Rotwild sind die kostbaren, nährstoffreichen, wohlschmeckenden und weichen Nadeln der Tanne eine Delikatesse. (Foto: Karl Josef Knoppik)

Die Vorteile der heimischen Weißtanne als Alternative zur Fichte liegen auf der Hand. Sie kommt – ähnlich wie die Stieleiche – mit nassen, schweren Böden sehr gut zurecht und ist im Gegensatz zur Fichte nicht von Rotfäule, z. B. auf staunassen Standorten oder nach Schälschäden, betroffen. Sie gilt neben der breiten Palette einheimischer Laubholzarten als wichtiger Indikator für intakte naturnahe und natürliche Waldökosysteme und ist zudem mit ihrem tiefreichenden Herz-Pfahlwurzelsystem ein unverzichtbarer Stabilitätsfaktor in unseren Wirtschaftswäldern.

Das „Tannensterben“ Ende der 70er Jahre, das aber schon seit Beginn der Industrialisierung örtlich durch Rauchschäden auftrat, sowie spätere Kalamitäten durch Lausbefall, Tannenborkenkäfer usw. wurden gerne als Anlaß hochgespielt, um von den eigentlichen Ursachen des dramatischen landesweiten Tannenrückgangs abzulenken, nämlich Wildverbiß.

Unter dem fadenscheinigen Vorwand, die Tanne sei wegen ihrer Empfindlichkeit gegenüber Umwelteinflüssen und Gefährdung durch viel zu hohe Reh- und Rotwildbestände eine „Mimose“, setzte sich der Alterklassenwald immer mehr durch, ganz im Sinne der mächtigen und einflußreichen Holz- und Jagdlobby. Denn die Fichte mit ihren spitzen, stacheligen Nadeln schmeckt dem Schalenwild nicht. Nur notgedrungen macht es sich einmal über diese Baumart her.

Weißtanne im Nordschwarzwald: Eine heimische Baumart mit guten Zukunftsaussichten in einem wärmeren Klima (Foto: Knoppik)

Doch auch der Baum des Jahres, die Fichte, hat ihre unbestreitbaren ökonomischen und ökologischen Vorzüge. Und zwar dann, wenn man sie nicht in widernatürlichen Monokulturen anpflanzt, sondern mit Augenmaß im Rahmen der naturgemäßen Waldwirtschaft, wo man vornehmlich die Naturkräfte für sich arbeiten läßt und auf standortgerechte Naturverjüngung, naturnahe Baumartenmischungen und eine schonende Aufzucht junger Bäume im Halbschatten des alten Waldes setzt. Entnommen werden nur einzelne Bäume zur optimalen Ausnutzung des Wertzuwachses alter Exemplare.

Bergfichte im Nationalpark Berchtesgaden (Foto: Karl J. Knoppik)

Daß Fichte nicht gleich Fichte ist, haben die bitteren Erfahrungen der letzten Jahrzehnte gezeigt. Dort, wo sie nämlich zum extremen Flachwurzler wird, also auf verdichteten oder staunassen Böden, fällt sie quadratkilometerweise Stürmen zum Opfer. Nicht so auf ihren natürlichen Standorten, wie im oberen Waldgürtel der Alpen oder in den Kammlagen des Bayerischen Waldes.

Hier erweist sich der „Brotbaum“ der Forstwirtschaft extremen Witterungseinflüssen gegenüber als außerordentlich stabil. Und das ist gerade dort der Fall, wo es sich um besonders sturmexponierte Lagen handelt. Die Fichte kann dort ihr Senkerwurzelsystem voll ausbilden, sie kann sich mit langen Haltewurzeln an Blöcken anbinden und in Klüften verankern. Auch haben solche stattlichen Baumindividuen, um Schneebruch so gut wie auszuschließen, spezielle Anpassungen an die rauhen Bedingungen des Hochgebirges vollzogen.

Dazu hat die Natur in einem über viele Jahrhunderte währenden Ausleseprozeß alle nicht standortgemäßen breitkronigen Fichten, die im Rahmen früherer forstlicher Nutzung eingebracht wurden, ausgemerzt, so daß daraus im Ergebnis schmalkronige Exemplare entstanden. Diese spitzkronigen Fichten, die auch am Polarkreis zu bewundern sind, bieten dem Schnee kaum eine Auflagemöglichkeit. Äste und Zweige liegen dem Stamm relativ eng an.

Solche ehrwürdigen Fichten, oder Rottannen, wie sie in der Schweiz genannt werden, gewachsen nach den Gesetzen der Natur, haben im Laufe der Zeit eine statisch belastbare, mehr kegelförmige Stammform entwickelt. Oft sind die Bäume völlig vom Schnee eingehüllt ohne zu brechen.

Darüber hinaus bietet die schmale Kronenform dem Wind nur eine geringe Angriffsfläche, wodurch auch die Windwurfgefahr deutlich herabgesetzt ist. Solche wunderbaren Baumindividuen flößen dem Betrachter Respekt ein und lassen ihn in Ehrfurcht erstarren – im Gegensatz zu den Fichtenexemplaren der Monokulturen, die – gezogen wie Zündhölzer – „meistens aus Bretterreihen bestehen, die oben mit Grün verputzt sind“, so der österreichische Schriftsteller Robert Musil.

Der deutsche Wald: ökonomische Nutzung und ökologische Nachhaltigkeit – Eine Reise durch die wechselvolle Geschichte des grünen Drittels unserer Republik – Teil 1

Natürlicher Bergfichtenwald im Nationalpark Bayerischer Wald, Aufnahme vom Oktober 1978 (Foto: Karl Josef Knoppik)

„Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume. Mehr noch als die Atemluft, die er uns kühlt und säubert, das Wasser, das er uns filtert und bewahrt, die Stille, die er schafft, und den Boden, den er festhält, brauchen wir seine geistigen Wohlfahrtswirkungen: den Wald nämlich nicht nur als grüne Menschenfreude, sondern als den Ort, an dem das uns verlorengegangene Naturmaß bewahrt wird“.

So anschaulich und zutreffend formulierte es Horst Stern in seinem 1979 erschienenen umfangreichen und aufklärerischen Sachbuch über unsere „grüne Lunge“ oder – anders gesagt – das grüne Drittel unserer Republik, welches damals nicht nur in den Medien große Aufmerksamkeit erzeugte, sondern auch eine sehr lebhafte Diskussion in Politik und Gesellschaft hervorrief.

Die Deutschen haben von alters her eine traditionell innige Beziehung zum Wald, so hat es jedenfalls den Anschein. Das kann man vielen überlieferten Schriften und Publikationen entnehmen. Aber stimmt das so – auf die Gegenwart bezogen – wirklich?

In früherer Zeit hatte diese Aussage zweifellos ihre Berechtigung. Doch heute wird beinahe jeder Nutzungsverzicht auch im Wald mit Freiheitsentzug gleichgesetzt. So stößt etwa die Forderung nach Ausweisung neuer Nationalparks bei Teilen der Bevölkerung, der Holz- und Forstlobby, auf heftige Ablehnung und ruft wütende Reaktionen hervor. Ein engagierter Befürworter des heiß umkämpften Nationalparks Steigerwald etwa mußte vor Jahren im Anschluß an eine öffentliche Diskussionsveranstaltung unter Polizeischutz durch den Notausgang in Sicherheit gebracht werden.

Das ist – wie ich glaube – einer Industrienation, die sich damit brüstet, zu den angeblich wohlhabendsten Ländern der Welt zu gehören, in höchstem Maße unwürdig – und zeigt außerdem, auf welch geistigem Niveau diese Republik inzwischen angekommen ist, wo offenbar  Egoisten zunehmend die Oberhand gewinnen. Diese haben keineswegs den nachhaltigen, monetär nicht zu beziffernden Wert von aus der Nutzung genommenen Waldflächen im Blick. Solchen Leuten sei einmal dringend dazu geraten, andere Länder, z. B. im überseeischen Raum, ins Visier zu nehmen, die weitaus ärmer sind als wir. Dort leistet man sich zur Erhaltung der Biodiversität unter oft schwierigen Umständen viel mehr und großräumigere Nationalparks, wobei Verstöße gegen bestehende Schutzvorschriften auch noch härter geahndet werden.

Etliche Heimatdichter, Maler und Schriftsteller erlagen der Faszination des Waldes und ließen sich von seiner natürlichen Schönheit inspirieren. Adalbert Stifter, Ludwig Uhland, Caspar David Friedrich, Hermann Löns oder Joseph Freiherr von Eichendorff, von dem das Gedicht bzw. Lied stammt: „Wer hat Dich, du schöner Wald aufgebaut, so hoch da droben“, zählen zu den bekanntesten Persönlichkeiten jener Zeit.

„Vor 300 Jahren formulierte der deutsche Kammerrat und Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz das Prinzip der Nachhaltigkeit. Nur so viel Holz kann entnommen werden, wie tatsächlich nachwachsen kann. Kurz nach der Entdeckung Amerikas durch Chr. Kolumbus und dem Beginn des Raubbaus vieler wertvoller Rohstoffe in Europa um 1500 wurde durch einen „Waldmeister“ im bayerischen Bad Reichenhall der Begriff des Ewigen Waldes geprägt. Er sollte klarstellen, daß man immer nur so viel Wald wegschlagen kann, wie an anderer Stelle nachwächst.

Daraus hat sich der forstliche Begriff der Nachhaltigkeit entwickelt, der besagt, daß man einem Wald nur so viel an Rohstoffen entnehmen darf, daß auch künftige Generationen mindestens gleichviel und gleichwertige Güter nutzen können. Die Forstwirtschaft bemüht sich seit dem 19. Jahrhundert überall um N. Dabei handelt es sich nicht nur um Holz. Einem Wasserschutzwald muß nachhaltig mindestens dieselbe Menge und dieselbe Qualität an Wasser entnommen werden können; ein Lawinenschutzwald in den Alpen muß nachhaltig denselben Schutz vor Lawinen bieten wie der Wald zuvor. So stand es bereits 1984 in dem GEO-Sachbuch „Die Lage des Waldes“.

Zeugen längst vergangener Zeit: Meiler zur Holzkohlegewinnung. Die Köhlerei wurde bei uns noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Niederwaldbewirtschaftung praktiziert. (Die Aufnahme entstand nahe Föckinghausen bei Bestwig-Velmede) (Foto: Karl Josef Knoppik)

Zu Beginn der industriellen Revolution wurde die erneuerbare Ressource Holz nur dadurch vor der endgültigen Vernichtung bewahrt, die nachhaltige Nutzung des Waldes also nur dadurch möglich, daß Stein- und Braunkohle die Holzkohle ersetzten. Hieraus folgt die Erkenntnis, daß derjenige, der im Wald wirtschaftlichen Erfolg anstrebt, zunächst einmal den übergeordneten Aspekt der ökologischen Nachhaltigkeit respektieren muß. Denn ökonomische Nutzung kann nur im Einklang mit den ökologischen Waldbauzielen erfolgversprechend sein.

Sündhaft teure wildabweisende Zäune garantieren dem schießfreudigen Jagdpächter kontinuierlich hohe Reh- und Rotwildbestände. Nur hinter dem Zaun kann sich eine paradiesische Vielfalt an Pionierpflanzen und Mischbaumarten breitmachen. (Foto: Karl Josef Knoppik)

Es gab im Laufe der langen Waldgeschichte immer wieder hoffnungsvolle Ansätze und Bestrebungen in Richtung einer naturgemäßen Waldwirtschaft. Diese scheiterten jedoch wiederholt an den Interessen der Holz- und Jagdlobby. Fortschrittliche Waldbaupioniere, wie Carl Gayer (Waldbauprofessor aus Wien) oder Alfred Möller (Begründer der Idee des Dauerwaldes und Vordenker einer ökologischen Wende in der deutschen Waldwirtschaft), konnten die Fehlentwicklungen aber nicht aufhalten. Die Waldwende fand nicht statt. Die „moderne“ Forstwirtschaft betrachtete sich ausschließlich als Holz- und Rohstoffversorger.

Weihnachtsbaumplantagen mit Nordmanntannen, Blaufichten und anderen Exoten prägen nach wie vor maßgeblich die Landschaft. (Foto: Karl Josef Knoppik)

Heute nutzen immer mehr Menschen dieses Großökosystem, das für etliche Tier- und Pflanzenarten Heimstätte und Rückzugsraum ist, zur Erholung und für Freizeitaktivitäten. Sie überziehen ihn – oft mehr als er verkraften kann – mit immer neuen Forderungen und Ansprüchen.

Und entgegen der offiziellen Verlautbarung ist der Zustand des Waldes nach wie vor höchst beklagenswert. Er stirbt vor sich hin, heimlich, still und leise, und zwar in seiner Gesamtheit, wenn auch je nach Baumart mehr oder weniger schnell. Mehr als 2/3 der Bäume in deutschen Wäldern sind nach der neuesten Waldinventur geschädigt, bei den Buchen sind es sogar 90 Prozent.

Eine der Hauptursachen für die katastrophale Situation bilden die den Stickstoffverbindungen zugehörigen Ammoniak-Emissionen aus der industriellen Landwirtschaft, Stichwort Gülle!

Geballte Schadstoff-Cocktails aus Ammoniak, das mit 65 % für den weitaus größten Anteil der Nährstoffüberfrachtung unserer Wälder verantwortlich ist, und den übrigen Stickstoffquellen aus den Bereichen Straßenverkehr und Kraftwerken nebst Feuerungsanlagen setzen das Ökosystem unter Dauerstreß und nehmen ihm sprichwörtlich die Luft zum Atmen.

Doch von der Politik kommt zu all dem nichts. Man verharmlost die Situation in gewohnter Manier und stellt – wie der zuständige Agrarminister Minister Schmidt von der CSU – den Waldschadensbericht lediglich auf seine Homepage. Eine Bundespressekonferenz wurde erst gar nicht mehr anberaumt und somit die Tradition seiner Vorgänger abrupt beendet. Offenbar scheut man davor zurück, unangenehme Wahrheiten an die große Glocke zu hängen. Dabei müßten Herrn Schmidt gerade die besorgniserregend hohen Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft zutiefst beunruhigen und ihn schnell zur Tat schreiten lassen. Aber es tut sich nichts.

Dabei sind nur ¼ der Eichen und nur jede 10. Buche gesund. Doch gerade Buchenwälder sind als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie für die Stabilisierung des Klimas von unschätzbarem Wert! Das Ökosystem Wald mit seinen lebenswichtigen Funktionen, seiner ihm innewohnenden Vielfalt an Beziehungen und Abhängigkeiten untereinander ist durch allerlei Umwelteinflüsse devitalisiert. Von einer durchgreifenden Besserung kann bis heute also nicht die Rede sein. Im Boden tickt eine Zeitbombe. Es liegt an uns Menschen hier entschieden gegenzusteuern.

Steht für Wildnis und Urnatur: Canis lupus. Langsam breitet sich die Art in Mitteleuropa wieder aus. Aber der Wolf hat nur dann eine gesicherte Zukunft, wenn ihn die Menschen im Grundsatz akzeptieren und geeignete Lebensräume nicht noch weiter zerstört werden. Gegenüber ausgerotteten Tierarten, wie dem Wolf, der durch die Berner Artenschutzkonvention streng geschützt ist, haben wir eine moralische Pflicht zur Wiedergutmachung. (Foto: Tuschl)

Früher bestand der allergrößte Teil Deutschlands aus Wäldern. Rodungen für Siedlungsbau, Landwirtschaft und Holznutzung drängten die „grüne Lunge“ auf heute nur noch 1/3 der Landesfläche zurück. Urwälder – völlig unbeeinflußt vom Menschen – sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Nur in Niederösterreich (Rothwald – ein seit der Bronzezeit nicht mehr genutzter Wald im Privatbesitz) und im Schweizer Wallis (Derborence) findet man noch Relikte. Kleine Bestände gibt es auch noch in Tschechien, der Slowakei, Rußland, der Ukraine und vor allem in den Karpaten.

Das Auerwild ist ursprünglich ein Vogel der Taiga und ähnlicher Waldformen. Gleichaltrige, undifferenzierte und aufgeräumte Wälder ohne Unterholz, Jungwuchs und Beerenkräutern machen ihm den Garaus, deshalb im Sauerland längst ausgestorben. Wiedereinbürgerungsversuche in den 80er Jahren scheiterten. (Foto: Heinz Tuschl)

Letztgenanntes Hochgebirge weist bis heute die größten Flächen an Urwäldern auf. Noch lassen sich dort unbeeinflußte Waldstrukturen beobachten und studieren, außerdem im nördlichen Iran sowie in Japan. Leider sind aber auch diese noch verbliebenen Urwälder oder urwaldähnlichen Bestände akut von der Zerstörung bedroht oder sind bereits Opfer des Raubbaus durch illegalen Holzeinschlag geworden. Etwa in Rumänien, wo in den letzten 20 Jahren ca. 400.000 ha unersetzliche, als Nationalparks geschützte Waldareale der Motorsäge zum Opfer fielen, darunter Urwälder. Gleiches ist in den Nationalparken bzw. Wildnisgebieten der Ukraine zu beobachten.

Vergraste, eintönige Fichtenforste: Von einer “Waldwende” kann bisher nicht die Rede sein. (Foto: Karl Josef Knoppik)

Wie so oft sind Korruption und ein eklatantes Vollzugsdefizit bei der Einhaltung der Schutzvorschriften für dieses Massaker verantwortlich. Aber zum Glück wächst auch der Widerstand gegen den skrupellosen Kahlschlag durch multinational operierende Holzkonzerne – und zwar sowohl auf Seiten heimischer Umweltaktivisten als auch von befreundeten Umweltorganisationen aus den westlichen Nachbarländern. Z. B. unterstützen die Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur) sowie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt die Nationalparks dabei, ihre ökologisch hoch bewerteten Wälder zu erhalten. Worin unterscheiden sich nun Urwälder von Naturwäldern?

Der Begriff Urwald bezieht sich auf ausgedehnte Waldkomplexe, deren Standorte, Vegetation, Baumartenmischung und Aufbau seit jeher durch natürliche Standortfaktoren bestimmt wurden. Er besteht somit aus einem in jeder Hinsicht natürlichen Waldbeziehungsgefüge.

Neben einer nach Arten und Anzahl natürlichen Pflanzen- und Tierwelt ist eine derart große Flächenausdehnung erforderlich, daß sich die Einflüsse der durch den Menschen geprägten Umwelt im Innern des Waldes verlieren.

Bergurwald – Wir brauchen in Deutschland und Mitteleuropa unbedingt mehr Wildnisgebiete. Regulierende Eingriffe, wie Jagd, finden dort nicht statt (Foto: Heinz Tuschl).

Urwälder, die all jene Voraussetzungen erfüllen, gibt es in Mitteleuropa nicht mehr. Im Urwald wirken Kräfte der Reorganisation und Regeneration. Diese, wie auch die unterschiedlichen Lebensraumansprüche der verschiedenen Baumarten führen eine ungeheure Strukturvielfalt und deren ständigen Wechsel herbei. Zahlreiche seltene, z. T. vom Aussterben bedrohte Tierarten sind an diese Strukturen angepaßt. Am so genannten Totholz lebt in den einzelnen Entwicklungsstadien eine große Fülle von Insekten, Käfern und Pilzen. Allein in Urwäldern läßt sich feststellen, wie das Ökosystem Wald ohne menschliche Eingriffe funktioniert.

Im Gegensatz dazu steht der Begriff des Naturwaldes. Das sind Wälder, die nach Aufgabe der forstwirtschaftlichen Nutzung der natürlichen Entwicklung überlassen bleiben. So ein Wald ist ausschließlich aus einer rein natürlichen Vegetationsfolge hervorgegangen, der zumeist noch Merkmale früherer menschlicher Einwirkung erkennen läßt, oder der auf Neuland, Brachland oder nicht mehr genutzten Flächen entstanden ist (Prozeßschutz, Klimaxwald, d.h. womit ein bestimmter Endzustand angestrebt wird.

Der Hirschkäfer ist stark gefährdet (Kategorie 2). Er besiedelt alte Eichenwälder. Seine Larven benötigen durch Pilzbefall zermürbtes Totholz, besonders von Eichen. (Foto: Heinz Tuschl)

Gerade die vom Menschen unbeeinflußten Wälder sind es ja, in denen der Artenreichtum am größten ist. Solche Waldkomplexe machen gerade einmal 2 Prozent der Waldfläche aus (Nationalparke, Bannwälder, Naturreservate, Naturdenkmäler). Weniger als 1 Prozent des Waldes ist derzeit in Deutschland gesetzlich geschützt. Ein beschämendes Zeugnis, wie ich meine. Im internationalen Vergleich bilden wir damit als eines der reichsten Länder das Schlußlicht bei den sich selbst überlassenen Waldarealen. Das ist auch der Grund dafür, daß so unscheinbare Lebewesen, wie Pilze, holzbewohnende Käfer, Moose und Flechten stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht sind.

Baum- oder Edelmarder: Je urwüchsiger der Wald, desto wohler fühlt er sich und je zahlreicher sein Vorkommen. (Foto: Heinz Tuschl)

Für den Schutz der biologischen Vielfalt benötigen wir deshalb auf mindestens 10 Prozent der öffentlichen Waldflächen Naturwälder (die Urwälder von morgen), wie bereits im Jahre 2007 von der Bundesregierung beschlossen. Mindestens die Hälfte davon müßte bis 2020 ausgewiesen werden. Der Wert des Waldes, nicht der des Holzes, muß also weitaus stärker in den Fokus gerückt werden. Leider sieht es z. Zt. aber nicht danach aus, als würde genug unternommen, um das von der Bundesregierung angestrebte Ziel zur nationalen Biodiversitätsstrategie zu erreichen, nämlich 5 Prozent der gesamten Waldfläche bis 2020 für natürliche Waldentwicklung bereitzustellen. Im Gegenteil: Nach Erkenntnissen des BUND werde dieses (ohnehin nicht sehr anspruchsvolle) Ziel auch mit dem neuen Naturschutzgesetz verfehlt.

Der giftigen Rote Fingerhut gedeiht in Massen: Er wird vom Schalenwild verschmäht. (Foto: Karl Josef Knoppik)

Der Landesbetrieb Wald und Holz, Forstbehörden und staatliche Forstverwaltungen machen permanent Front gegen die Ausweisung neuer Wildnisgebiete, Nationalparks und anderer aus der Nutzung genommener Areale. Dabei wird völlig ignoriert, daß der Eigenwert der Natur längst im Grundgesetz festgeschrieben ist.

Die Natur ist der beste Baumeister schöner und zugleich stabiler Wälder. (Foto: Karl Josef Knoppik)

Darüber hinaus wurde der wissenschaftliche Beweis erbracht, daß Naturwälder, läßt man sie wachsen, mindestens doppelt so viele Holzvorräte anreichern als Wirtschaftsforste. In Naturwäldern werden die Bäume 400 bis 600 Jahre alt. Das Durchschnittsalter in deutschen Wäldern liegt bei 77 Jahren. Borkenkäfern und Stürmen erliegt die Hälfte der Kunstforste. “Würde auf 5 Prozent der Fläche keine Nutzung stattfinden, so der langjährige Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Dr. H. Bibelriether, ergäbe das eine viel höhere CO²-Bindung als in Wirtschaftsforsten”. Von der überreichen Arten- und Strukturvielfalt ganz zu schweigen.

Nirgendwo läßt sich der ewige Kreislauf der Natur so gut beobachten wie einem Nationalpark. Fremd und mystisch wirkt die Landschaft. Wind und Wetter zeigen immer neue stimmungsvolle Bilder. Aus dem ständigen Wechselspiel von Licht und Schatten, aus Wachstum, Altern und Zusammenbruch und dem Nebeneinander von Lichtung, Jungwald und Altbestand entsteht die Vielfalt des Naturwaldes. Je artenreicher und damit naturnäher ein Wald ist, desto stabiler erweist er sich gegenüber „Schädlingen“ und Umwelteinflüssen.

Mischbestand im Hochsauerland mit Waldkiefern und Rotbuchen. (Foto: Karl Josef Knoppik)

Von Natur aus würde im Nadelholz dominierten Sauerland – wie anderswo auch – die Rotbuche auf großen Flächen das Waldbild prägen, entweder im Reinbestand oder mit anderen Laubhölzern vergesellschaftet. Unsere ehemals waldreiche Landschaft, bestehend aus dichten Urwäldern (um 800 v. Chr.) wurde durch den Einfluß des Menschen zu Moor und Heide umgewandelt, während ein wesentlich größerer Teil als Niederwald bewirtschaftet wurde. Diese historische Nutzung der Waldbewirtschaftung diente vorwiegend der Brennholzgewinnung, aber auch der Rindennutzung sowie der Produktion von Getreide. Sie war somit eine klassische Kombination von Wald- und Feldbau. Im Siegerland war die Niederwaldwirtschaft mit der daran gekoppelten Holzkohlegewinnung unter dem Begriff „Haubergwirtschaft“ bekannt.

Verschneiter Fichtenforst im Vogelsanggebiet bei Meschede in den 80er Jahren. Durch reichlich anfallenden Naßschnee infolge der Klimaerwärmung sind heute auch die Hochlagen des Sauerlandes vermehrt von Schneebruch betroffen. (Foto: Knoppik)

Wo Eichen u.a. Baumarten vertreten waren, die nicht zu viel Schatten erzeugen, sprach man von Mittelwald. Sie wuchsen zu Bauholz heran und lieferten Eicheln für die Viehmast (Schweine). Ferner wurde auch Eichenrinde produziert, die als Gerbmittel für die Lederverarbeitung Verwendung fand, vor allem in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein.

Bevor sich mit einer drastischen Klimaverschlechterung vor etwa 7.000 Jahren die Rotbuche bei uns durchsetzen konnte, dominierten in der nacheiszeitlichen Warmzeit Eichenmischwälder. Die erwähnte Haubergwirtschaft gab es noch bis ca. um das Jahr 1920. Danach entstand der aus Samen hervorgehende Hochwald – im Wesentlichen mit der forstlich interessanten, vielseitig verwendbaren Fichte bestockt. Hier bei uns hielt diese begehrte Nadelholzart erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts Einzug. Sie wurde im Jahre 1820 – aus Skandinavien eingebracht – im Sauerland heimisch.

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Teil 2 folgt hier.

WALDGESPINSTE – Malen, Zeichnen, Illustrieren zum Thema Wald innerhalb des Kunstsommers Arnsberg

Geheimnisvoller und/oder skurriler Wald? (bild: daniel almagor)
Geheimnisvoller und/oder skurriler Wald? (bild: daniel almagor)
Was verbirgt sich im Gehölz und Geäst der Bäume im Arnsberger Wald? Was haben besonders die alten Bäume als stille Beobachter in der Vergangenheit miterlebt?

(Pressemitteilung von Daniel Almagor)

Was geschieht, wenn es dunkel wird im Wald? Und wie funktioniert der Wald eigentlich als Ökosystem?

Indem wir uns diese Fragen stellen, nähern wir uns mit einer inhaltlichen Herangehensweise dem Thema Wald malerisch oder zeichnerisch an.

Wir werden zeichnen und auch erzählen. Die Teilnehmer können wählen, ob sie ihre Ideen in Form von Bilderreihen oder Comics umsetzen, sich selber Geschichten ausdenken, Impressionen des Waldes zeigen oder zu vorhandenen Texten arbeiten.

Erleichtert wird die Ideenfindung durch Zeichen- und Kreativübungen und einer Exkursion mit Skizzenbüchern und Stiften im Arnsberger Wald. In der Gruppe besteht Gelegenheit zum Austausch und dem Gespräch über die einzelnen Arbeiten.

Daniel Almagor

Mariengymnasium, Kunstraum

Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag

Mo. 15.08.2016 – Fr. 19.08.2016

5 Termine

11:00 – 17:00

79,00 € Ermäßigung aus sozialen Gründen sind in Einzelfällen möglich.

Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene

Sprecht bitte direkt Ulrike Stratmann vom Kulturbüro Arnsberg unter Tel. 02931-8931116 oder u.stratmann@arnsberg.de an.

Die Materialwahl ist frei: Ob Pinsel, Stift, oder Computer. Alles ist möglich und sinnvoll.

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Der Dozent Daniel Almagor ist Student der Illustration an der HAW Hamburg und gestaltet mit seinen Illustrationen seit einigen Jahren die Plakate, Flyer und Programmhefte des TEATRON THEATERs. Kostproben sind auf der Internetseite unter www.teatron-theater.de oder unter www.danielalmagor.tumblr.com zu sehen!

Anmeldungen bitte direkt unter: http://www.kulturnetzwerk.arnsberg.de/index.php?id=85&kathaupt=1&katid=56&katvaterid=53&katname=Malerei

Buchvorstellung: “Die Zukunft des Waldes” von Georg Meister

Wirtschaftswald im Hochsauerland. (foto: zoom)
Wirtschaftswald im Hochsauerland. (foto: zoom)

Dr. Georg Meister war in den 1970er Jahren von der Bayerischen Staatsregierung mit der Planung des 1978 offiziell gegründeten Nationalparks Berchtesgaden beauftragt worden.

Doch riefen seine Vorstellungen von einem Schutzgebiet dieser Kategorie gemäß internationalem Standard und die damit verbundene konsequente und kompromißlose Haltung zu jener Zeit heftige Proteste auf Seiten des nutzungsorientierten Lobbyismus aus Jagdsportlern, Tourismusspekulanten, Forstwirtschaftlern und Baulöwen hervor.

In den 1980er Jahren bis in die 90er Jahre leitete Herr Dr. Meister dann das Forstamt Bad Reichenhall. Mit seinem unermüdlichen Einsatz, seiner großen Leidenschaft und Beharrlichkeit gelang es ihm schließlich, die Idee des naturnahen Waldbaues gegen massive Widerstände durchzusetzen.

Georg Meister saß stets zwischen allen Stühlen. Er ließ sich vor keinen Karren spannen, sondern blieb seinen Überzeugungen stets treu. Das ist bewundernswert. Als dann die Zeit gekommen war, wo er sich in den verdienten Ruhestand begab, wurde er nicht einmal offiziell verabschiedet.

Wald vor Wild

„Die Natur kann uns helfen, anspruchsvolle Ziele mit geringstmöglichem Aufwand zu verwirklichen – vieles schenkt uns die Natur kostenlos“.

Buchansicht. Die Zukunft des Waldes. (bild: knoppik)
Buchansicht. Die Zukunft des Waldes. (bild: knoppik)

So schreibt Georg Meister in der Einleitung seines neuen Buches „Die Zukunft des Waldes“. Der ehemalige Forstamtsleiter setzt sich seit langem (auch im Namen des BUND) für mehr Natur im Wald ein. Am Beispiel der Wälder von gestern zeigt er, wie die Wälder von morgen aussehen können.

Der bis heute schwelende Streit zwischen Förstern und (Trophäen-)Jägern – Wald vor Wild oder Wild vor Wald? – sei hauptverantwortlich für den schlechten Zustand unserer Wälder. Wildverbiß mache den Umbau von Fichtenmonokulturen zu stabilen und artenreichen „Urwäldern von morgen“ zu einem ruinösen Unterfangen.

Mit vielen Beispielen skizziert Meister, wie eine wirklich nachhaltige Forstwirtschaft mit der Höhe der Wildbestände steht und fällt. Und betont: Nur mit naturnahen Wäldern wird die Forstwirtschaft dem Klimawandel trotzen können.

Georg Meister beschreibt, was er von der Natur gelernt hat. Seine Erfahrungen münden in die Aufforderung, für eine grundlegend andere, ökologischere Wald- und Jagdpolitik zu streiten. Damit uns artenreiche und naturnahe Mischwälder auch in Zukunft nicht nur zur Erholung dienen, sondern auch als Lebensraum für biologische Vielfalt, Wasserspeicher, Kohlenstoffsenke und Schutz vor Lawinen.” (nachzulesen im BUNDmagazin)

Georg Meister: Die Zukunft des Waldes – Warum wir ihn brauchen – wie wir ihn retten, 2015, 240 Seiten, 29,99 €, Westend-Verlag

Das wichtigste Lehrbuch über unseren Wald

Ich gratuliere dem Autor, Herrn Dr. Georg Meister, zu seinem neuesten Buch, in dem schonungslos und detailliert beschrieben ist, woran unsere „grüne Lunge“ krankt, und wer für den beklagenswerten Zustand der Wälder, bei denen es sich ja immer noch größtenteils um intensiv genutzte Forste handelt, in der Hauptsache verantwortlich ist.

Zwar gibt es mittlerweile auch schon viele positive Beispiele im Hinblick auf die Begründung naturnaher Wälder mit angepaßten Schalenwildbeständen. Doch selbst im Zeitalter einer rasant fortschreitenden globalen Erwärmung, die den Aufbau standortheimischer und klimagerechter Wälder dringend erforderlich macht, setzt sich unter den Jägern nur sehr langsam die Einsicht durch, daß der Schlüssel für eine ungestörte Entwicklung hin zu artenreichen und naturnahen Mischbeständen in der Lösung des Wildproblems liegt.

Bedauerlicherweise trifft man heute nur noch auf wenige Menschen, ganz egal ob Politiker, Forstleute oder Wissenschaftler anderer Coleur, die sich durch Gradlinigkeit und Standfestigkeit auszeichnen, die ungeachtet von Mehrheitsmeinungen konsequent ihren Weg beschreiten und sich auch gegen starke Widerstände nicht von ihrem einmal als richtig erkannten Kurs abbringen lassen. Dazu zählt auch Dr. Georg Meister mit seinem Grundsatz: Von der Natur lernen, kämpfen und dadurch sehr viel Geld für den Aufbau naturnaher Wälder sparen. Dann kann man mit den vorhandenen Geldmitteln um ein Mehrfaches der artenarmen und instabilen Fichtenforste in artenreiche und klimatolerante Mischwälder umbauen.

Umleitung: von der Weltwirtschaft bis zum Wald in Sundern …

WP Meschede
WP Leserservice in Meschede (foto: zoom)

Weltwirtschaft – Handelt jetzt! Der Titel eines von Heiner Flassbeck initiierten Manifestes von fünf Ökonomen aus aller Welt trifft den Nagel auf den Kopf … nachdenkseiten

Mafia-Kontakte in den Bundestag? Bushido und Christian von Stetten – Wenn Politiker vor kritischen Fragen davonlaufen … abgeordnetenwatch

Studie zur Medienselbstkontrolle: Deutsche Journalisten sind wenig selbstkritisch … sz

Rauchen oder Homöopathie? Voll am Tresen:  “Das Nichtraucherschutz-Gesetz in NRW tritt also in Kraft und Steffens. Ich muss sagen: Ich rauche gerne draußen vor der Tür” … charly&friends

Kristina Schröder und das Gott der Germanen: “Zunächst ist zu erfahren, dass Unionspolitiker*innen die Herkunft von Unnormalem immer links vermuten: “Das Gott? – Das haben sich doch Kommunisten ausgedacht, die unsere guða alten deutschen Bräuche zerstören wollen!”” … erbloggtes

Merkel und die Bild-Zeitung: Auf dem Weg zur Kanzlerin-Dämmerung … postvonhorn

Zeit für eine neue Sozialdemokratie: Europas Tragödie besteht nicht darin, dass Konservative und Neoliberale eine konservative und neoliberale Politik betreiben. Europas Tragödie besteht darin, dass das weitgehend oppositionslos passiert … misik

Quote Quote: Man muss dieses Wort nur oft genug wiederholen, bis hinter dem Sinn, den wir ihm zuschreiben, der Abgrund hörbar wird … wiesaussieht

Hagen: CDU-Buchhalterin verknackt … doppelwacholder

Zeitgeist auf der Bühne: “Kinder der Revolution” in Bochum … revierpassagen

Monolog eines alten Schauspielers: “Ich war immer ein Schauspieler, der Angst hatte den Einsatz zu verpassen. Und oft tastete ich mich geradezu an die Sätze heran, als müsste ich jedes Wort überprüfen” … neheimsnetz

Fracking und kein Ende? Die Pressemeldungen überschlagen sich regelrecht. Und die Energie-Multis machen anscheinend vor Nichts und Niemandem halt. Jetzt „untergraben“ sie auch Tunesien … sbl

Wald in Sundern: Die Historische Kommision Westfalen hatte zu ihrer Jahresversammlung die *Senioren* der Sauerländer Politik Dieter Julius Cronenberg , Franz Münterfering und Ferdi Tillmann eingeladen … gruenesundern

Radfahren: Verwirrt zwischen Bochum und Dortmund … ruhrbarone

Autofahren: der neue Oktavia-Kombi – ein Erfahrungsbericht … schwenke

Umleitung: Von Adolf Sauerland bis zum Einbruch in die Verbundschule Winterberg-Siedlinghausen.

Angermünde, Kunst am Seeufer 1993
Angermünde, Kunst am Seeufer 1993 (foto: chris)

Adolf Sauerland (CDU): der Oberbürgermeister von Duisburg ist meiner Meinung nach ein Heuchler, meint … pottblog

DGB Hagen: Tariftreue- und Vergabegesetz ist ein wichtiger Schritt … doppelwacholder

Gefahrgutunfall auf dem zen­tra­len Umschlag­platz der euro­pa­weit agie­ren­den Online Sys­tem­lo­gis­tik: Das Lager des in Pader­born ansäs­si­gen Unter­neh­mens liegt in der Vogels­berg­stadt Schlitz, die zum Regie­rungs­prä­si­dium Gie­ßen (Mit­tel­hes­sen) gehört. 2006 hatte es das mit 8600 Qua­drat­me­ter grö­ßere Lager im Orts­teil Frau­rom­bach getrof­fen … mittelhessenblog

Jahresrückblick 2011: Extreme Rechte in NRW setzt auf Islamfeindschaft und Gewalt … nrwrechtsaussen

Glaubt an Gott: Ein Komet ist gekommen … ruhrbarone

Von der Schönheit zum Schrecken – Die Deutschen und ihr Wald: “Seit Heinrich von Kleist die „Hermannsschlacht“ im Teutoburger Wald zur Geburtsstunde deutscher Größe und Widerstandskraft stilisierte, seit die feingeistigen Romantiker mit des „Knaben Wunderhorn“ sehnsuchtsvoll seufzten und unter grünen Bäumen Geborgenheit suchten, hat der deutsche Wald symbolische und spirituelle Kraft” … revierpassagen

Vestische nach Brand im Depot Bottrop: Busse werden “weitestgehend planmäßig verkehren” … bottblog

Einbrüche in Winterberg-Siedlinghausen: Hohen Sachschaden verursachten Einbrecher, die in der Nacht zu Samstag in die Verbundschule in der Senge-Platten-Straße in Siedlinghausen einbrachen … polizeipresse

Sie dürfen hier nicht laufen, woll!

Schneer-Reste am Kahlenberg in der Abenddämmerung
Schnee-Reste am Kahlenberg in der Abenddämmerung (foto: zoom)

“Sie dürfen hier nicht laufen, woll!”, der junge Jagdhelfer im kleinen grünen Vierrad-getriebenen Jägerauto, will seinem Herrn und Meister offensichtlich die Pacht für die Jagd von Joggern freihalten. Warum denn nicht, das sei doch ein Weg. “Nein, das ist kein Weg, das ist eine Kehrung!”

Der Abend dämmerte bereits und ich wollte noch eben den Schnee auf 700 Meter Höhe fotografieren und zu einem prima Aussichtspunkt weiterlaufen, den ich erst vor zwei Tagen entdeckt hatte.

Die Aussicht war leider: Nebel. Den Schnee konnte ich knapp vor der Leistungsuntergrenze der Casio Exilim aufnehmen.

Es ist nicht so einfach, durch den deutschen Wald zu laufen, vor allem dann nicht, wenn man durch die Pacht wohlhabender Männer joggt, die dort ihrem Hobby frönen wollen.

Um die gesetzlichen Bestimmungen zur “Waldbetretung” kümmere ich mich bei anderer Gelegenheit.

Update:

Im Landesforstgesetz von Nordrhein-Westfalen habe ich keinen Paragraphen gefunden, der mir das Laufen auf meinen Strecken hier im Wald verbietet:

Zweiter Abschnitt: Betreten des Waldes

§ 2 Betreten des Waldes (Zu § 14 Bundeswaldgesetz)

(1) Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist auf eigene Gefahr gestattet, soweit sich nicht aus den Bestimmungen dieses Gesetzes oder aus anderen Rechtsvorschriften Abweichungen ergeben. Das Betreten des Waldes geschieht insbesondere im Hinblick auf natur- und waldtypische Gefahren auf eigene Gefahr. Zu den natur- und waldtypischen Gefahren zählen vornehmlich solche, die von lebenden und toten Bäumen, sonstigem Aufwuchs oder natürlichem Bodenzustand ausgehen oder aus der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des Waldes entstehen.

(2) Absatz 1 gilt sinngemäß auch für das Radfahren, ausgenommen die Benutzung motorgetriebener Fahrzeuge, und das Fahren mit Krankenfahrstühlen auf Straßen und festen Wegen.

(3) Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, daß die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie andere schutzwürdige Interessen der Waldbesitzer und die Erholung anderer nicht unzumutbar beeinträchtigt werden. Im Wald dürfen Hunde außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden; dies gilt nicht für Jagdhunde im Rahmen jagdlicher Tätigkeiten sowie für Polizeihunde.

(4) Organisierte Veranstaltungen im Wald sind der Forstbehörde vor Beginn der beabsichtigten Maßnahme rechtzeitig anzuzeigen, sofern sie nicht mit geringer Teilnehmerzahl zum Zwecke der Umweltbildung durchgeführt werden. Die Forstbehörde kann die Veranstaltung von bestimmten Auflagen abhängig machen oder verbieten, wenn zu erwarten ist, dass durch die Veranstaltung eine Gefahr für den Wald, seine Funktionen oder die dem Wald und seinen Funktionen dienenden Einrichtungen besteht …