Ein Lesebuch über die Friedensliebe der Rabbiner

Sei von den Schülern Aarons. Ein Lesebuch über die Friedensliebe der Rabbiner. Herausgegeben von Peter Bürger. (edition pace ? Regal: Pazifisten & Antimilitaristen aus jüdischen Familien, 15). Hamburg: BoD 2026. (ISBN: 978-3-8192-2601-4; Paperback; 312 Seiten; 13,99 Euro).
https://buchshop.bod.de/sei-von-den-schuelern-aarons-9783819226014

Umschlagbild

„Hillel lehrte: Sei ein Anhänger Aarons – der den Frieden liebt und ihn verfolgt, der Gottes Geschöpfe liebt und sie der Thora näher bringt.“ (Sprüche der Väter I, 12)

(Von: Redaktion Schalom-Bibliothek.org)

Frühe Quellen zur Friedensliebe der Rabbiner erschließt der erste Hauptteil dieses zu Jahresanfang 2026 in Kooperation mit dem Lebenshaus Schwäbische vorgelegten Lesebuches. Das Imperium Romanum zerstört im Jahr 70 nach Christus den Tempel zu Jerusalem. Die jüdischen Weisheitslehrer antworten auf diese Katastrophe nicht mit einer Angleichung an das aggressive Programm Roms. Sie folgen vielmehr jener Wegspur, in der die Zivilisation der Gewalt als sicherer Erweis von Gottlosigkeit gilt. Das rabbinische Judentum imponiert als eine biophile Religion des Friedens: Gehörst du zu jenen, die das Leben lieben und bessere Tage zu sehen wünschen? Achte darauf, wo die Boten der Freude wirken und leuchtende Augen anzutreffen sind. Suche den Frieden und jage ihm nach . . .

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Frohe Fest- und Feiertage

Dazu ein paar spontane und eklektische Gedanken

Drei Weihnachtsmänner – drei Wünsche frei (archivfoto: zoom)

Ich wünsche allen Leser*innen geruhsame Fest- und Feiertage. Welches Fest ihr auch immer feiert oder auch nicht, bleibt bzw. werdet gesund und stabil.

Mögen eure drei Wünsche in Erfüllung gehen.

Unsere Gesellschaft ist multireligiös und in vielen Teilen auch agnostisch/atheistisch.

Hauptsache, wir schlagen uns die Köpfe nicht ein und bleiben friedlich. Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit wären eine gute Grundlage. Die Realität aus Rassimus, sozialer Ungleichheit, Fossilismus und Krieg in Europa sieht leider anders aus.

Nun denn – ob Weihnachten, Chanukka, Ida-Ezi, Zardusht-no Diso, oder was auch immer, genießt die Tage. Viele müssen arbeiten. Es gibt Welten außerhalb von uns selbst. Seid empathisch. Krokodilstränen machen die Hungernden nicht satt und die Armen nicht reich.

Als Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde, habe ich eine Wette mit mir selbst abgeschlossen: Wird Trump das Jahr 2025 überstehen?

Er hat noch acht Tage. Ein bösartiger Narziss mit psychopathischen Zügen – in einer funktionierenden Demokratie säße Trump schon lange hinter Gittern. An den Schalthebeln der Macht kann er allerdings noch viel Unheil anrichten. Möge er lautlos und schadstofffrei implodieren und die US-amerikanische Gesellschaft rechtzeitig zur Besinnung kommen.

BTW: wenn wir mit dem Finger auf die USA zeigen, zeigen drei Finger auf uns zurück.

Eine Inschrift über dem Eingang des jüdischen Stammhauses – Kirchenbuchfunde – früher Antisemitismus – Beiträge aus Portugal, Frankreich und den USA

Dokumentation: Einleitung zum neuen Band über die Geschichte der Juden in Eslohe

Umschlagbild des zweiten Bandes der Beiträge zur Geschichte der Esloher Juden

„Warum schuf Gott nur einen Menschen? Damit sich niemand auf seine Abstammung berufe und zu seinen Mitmenschen spreche: Ich bin etwas Besseres als der andere.“ (Mischna Sanhedrin IV, 5)
„Es sind die aus Ägypten Befreiten, die der Menschheit das verlorene Bewußtsein von dem einen Vater aller Menschen, und dem gleichen Rechte und der gleichen Ebenbildlichkeit und Gotteskindschaft aller Men­schen wieder gebracht. Es sind die aus Ägypten Befreiten, aus deren Händen sie das Buch hingenommen, das das Recht und die Freiheit und die göttliche Würde jeder Menschenseele verbrieft und versiegelt.“ (Rabbiner Samson Raphael Hirsch, 1808-1888)

Mit dem vorliegenden Band wird das zweiteilige Werk „Beiträge zur Geschichte der Esloher Juden“ abgeschlossen. (https://buchshop.bod.de/gott-fuer-uns-alle-9783695142156) Die im Buchtitel übernommene Botschaft „Gott für uns alle“ steht als Balkeninschrift über dem Eingang des Fachwerkhauses in der Esloher Kupferstraße 3, d. h. des örtlichen Stammhauses der jüdischen Familie Goldschmidt.

(Gastbeitrag Peter Bürger)

„Jacob Goldschmidt muss vor 1819 das sogenannte ‚Judenhaus‘ an der Ecke Kupferstraße/Rochusweg erworben haben. Selbst gebaut hat er es indes nicht, denn [eine] wieder sichtbar gemachte Balkeninschrift nennt Casimir Hallmann und Maria Sophia Kropff am 31. Juli 1798 als Erbauer dieses Hauses. Da Casimir 1808 und seine Frau Maria Sophia 1809 starb, wird Jacob Goldschmidt das Haus um diese Zeit erworben haben“ (Dierk W. Stoetzel). Viel mehr können wir im Rahmen dessen, was uns die überlieferten Daten vorgeben, nicht vortragen. Jakob Sander/Goldschmidt (1753–1827), dessen Vater Sander Laiser sich vor Mitte des 18. Jahrhunderts im Esloher Land niedergelassen hatte, könnte natürlich schon um 1800 (Mit-)Bewoh­ner des Gebäudes in der ‚Kupferstraße 3‘ gewesen sein oder das Haus noch zu Lebzeiten der Erbauer von diesen erworben haben. Doch solches bleibt Spekulation. Jedenfalls erwog der ‚Handelsjude Jakob‘ (ab 1814 bezeugter Nachname: Goldschmidt) schon um 1800, seine Unterkunft in Eslohe mit einem Ritualbad zu versehen.

Das jüdische Textilhaus Jonas Goldschmidt Eslohe (Bild: Museumsarchiv)
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An den Frieden glauben

Überlegungen des niederländischen Bischofs Joris Vercammen zu Glaube, Gewalt und Frieden

Umschlagbild Joris Vercammen

Das privilegierte deutsche Kirchentum dieser Tage tritt öffentlich vor allem mit staatstragenden und militärfreundlichen Voten in Erscheinung. Derweil vermeldet die Redaktion der Reihe „edition pace“ mit Dankbarkeit, dass soeben die Übersetzung des niederländischen Werkes „Geloof in vrede“ erschienen ist. Sie erschließt einen bemerkenswerten Beitrag zu kirchlichen Friedensdiskursen auch für die deutschsprachige Leserschaft. „In diesem Buch entfaltet der alt-katholische Erzbischof em. Joris Vercammen von Utrecht einen Ansatz, der an die Wurzel von Unfrieden und Gewalt geht.“ (Franz Segbers)

(Pressemitteilung Redaktion „edition pace“)

Wie bewahren wir die Perspektive des Friedens in Zeiten des Krieges? Der Traum vom Frieden darf nicht im Meer der Gewaltnachrichten untergehen. Kirchen und Christen müssen sich Gehör verschaffen. Doch wie ist das möglich? Sie müssen ihre Friedensmission aktiv aufnehmen. Umso mehr, als gerade die Religion – wenn auch nicht nur die christliche – in manchen Konflikten eine fragwürdige Rolle zu spielen scheint. Sollte nicht die Religion selbst entwaffnet werden? Aber wie funktioniert das? Und welche Rolle spielen die Gläubigen und ihre Gemeinden?

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„Gott für uns alle“

Ein Zweiter Band der Beiträge zur Geschichte der Esloher Juden – Spurensuche und Forschungen in dreieinhalb Jahrzehnten

Stammhaus der ersten niedergelassenen Juden im Sauerlanddorf Eslohe (Foto:Peter Bürger)

Über dem Eingang des Stammhauses der ersten niedergelassenen Juden im Sauerlanddorf Eslohe kann man heute die Balken-Inschrift „Gott für uns alle“ lesen. Diese Botschaft ist titelgebend für den Zweiten Band der „Beiträge zur Geschichte der Esloher Juden“ (unter Einschluss von Cobbenrode, Reiste, Salwey und Wenholthausen). Herausgegeben haben das Werk Peter Bürger und Hans Jürgen Rade – in Kooperation mit dem Dampf-Land-Leute-Museum Eslohe.

(Pressemitteilung Redaktion der „edition leutekirche sauerland“)

Dargeboten werden in sechs Abteilungen neue Forschungsbeiträge und umfangreiche Quellendokumentationen: 1. Aus Kirchenbüchern – 2. Sozialgeschichtliches, Erwerbsleben – 3. Judenbilder und Judenfeindschaft – 4. Nachfahrinnen der Esloher Juden schreiben für die Chronik – 5. Aus dem Esselboten – 6. Museumsarchiv: Akten & Aufzeichnungen.

Umschlagabbildungen der beiden Beiträge zur Geschichte der Esloher Juden (Pressebild)

Das jetzt vollständige Werk vermittelt in einzigartiger Weise den gesamten Weg der „Spurenlese zur jüdischen Geschichte“ einer Kommune von den 1980er Jahren bis hin zur Gegenwart – auch die Umwege, Irrtümer und Revisionen. Leuteüberlieferungen und Dokumente, populäre und wissenschaftliche Texte sind gleichermaßen vertreten. Der Themenkreis übersteigt bei weitem den üblichen Kanon von Ortschroniken. Immer wieder tauchen Überraschungen auf und setzen die Beteiligten in Erstaunen:

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Offener Brief eines sauerländischen Franziskaners an die CDU

…doch wenn (ein Polítiker) es zu tun wagt (Verantwortung zu übernehmen, die nicht der auf Effizienz und Unmittelbarkeit ausgerichteten Logik der aktuellen Wirtschaft und Politik entspricht), wird er wieder die Würde erkennen,
die Gott ihm als Menschen verliehen hat,
und nach seinem Weg durch diese Geschichte
ein Zeugnis großzügiger Verantwortlichkeit hinterlassen.“
(Enzyklika Laudato sí, 181)

An die
Christlich Demokratische Union (CDU)
und an alle interessierten BürgerInnen
in Deutschland

OFFENER BRIEF

Betreff: 2 Sauerländer in Brasilien
Über den “erfolgreichen” Besuch des Deutschen Bundeskanzlers bei der COP 30

Der eine Sauerländer (70) kam nach Brasilien, noch bevor die COP 30 am 10. November offiziell in Belém begann, blieb “knapp 20 Stunden“, um mit Präsident Lula freundschaftlich zu sprechen und sich über den Beitrag Deutschlands zum TFFF, dem Milliarden schweren Tropical Forest Forever Facility, zu äussern.

Der andere Sauerländer (65) kam 1990 nach Brasilien, um als Franziskaner – wie viele andere vor ihm – die Armen im armen Nordosten zu „evangelisieren“; nein, nicht im Sinne, dass er ihnen Gott bringen oder erklären müsste – an den glauben sie, seitdem die Portugiesen hier im Jahr 1500 mit Schwert und Kreuz angekommen sind, sondern um Christus in den Gekreuzigten von heute zu dienen und sie vom Kreuz zu holen.

Am Montag (16/11) schickte mir ein Brasilianer ein Video, in dem Friedrich Merz beim Handelskongress Deutschland (12.-13. Nov. 2025) seine und die der Journalisten Erleichterung ausdrückt, „aus jenem Ort, wo sie waren“ raus und in „eines der schönsten Länder der Welt“ zurück zu sein (ICL Notícias). Seine Rede ist in brasilianischer Sprache legendiert.Dem Video ist eine Bildunterschrift angefügt, die unter anderem sagt: „Deutsche Journalisten sagten auf der COP 30, dass der Bundeskanzler dafür bekannt sei, Fehler zu machen, hauptsächlich fremdenfeindlicher Natur“. Der Bekannte, der mir das Video geschickt hatte, fragte dann noch: „Bruder Johannes, was ist mit Deutschland los?“

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Kassel – Siedlinghausen

Test, Test, Test: neues gebrauchtes Objektiv

Das Café im Fridericianum – eine Art Hundertwasser-Höhle (foto: zoom)

Nun fahre ich schon sehr viele Jahre nach Kassel, kenne die Freibäder, Graffiti und Parks; habe einige Museen besucht, aber im Fridericianum bin ich bislang noch nicht gewesen.

Am Sonnabend haben wir uns dem Museum vorsichtig genähert, wir haben uns ins Museumscafé gesetzt, und dort war es sehr bunt. Das Ambiente ließ mich an eine Art Hundertwasser-Höhle denken, aber es handelt sich um die Installation Mimikry von Kerstin Brätsch: „Die komplexe, raumgreifende Installation wurde von der in Hamburg geborenen Künstlerin eigens für die Rotunde im Zentrum der Kunsthalle entwickelt und bildet den neuen Rahmen des dort befindlichen Cafés.“

Den Rest lest ihr bitte auf der Seite des Museums: https://fridericianum.org/de/interventionx/kerstin-braetsch-mimikry/

Leider blieb uns keine Zeit, die weiteren Ausstellungen von Portia Zvavahera und Robert Grosvenor anzuschauen. Das wird hoffentlich sobald als möglich nachgeholt.

Zurück im Hochsauerland ist es weniger spannend. Auf dem Spaziergang warten die üblichen religiösen Wegmarken. Woran merke ich, dass ich zwischen Hillershausen und Medebach die Grenze von Hessen nach NRW passiere? Der Straßenbelag ändert sich und ein großes hölzernes Kreuz ist links am Wegrand aufgepflanzt.

Die Kreuze wird man dann auch nicht mehr los. Zurück in Winterberg recken sie sich allerorten in die Höhe.

Dieses Kreuz habe ich schon häufiger fotografiert. Links geht es zum Bergsee, rechts hinunter nach Silbach (foto: zoom)

Wie dem auch sei, das Ersatzobjektiv aus Kassel funktioniert anscheinend. Die Kapelle „Oh Maria Hilf“ auf dem Weg hinunter nach Silbach habe ich als heute als letztes Test-Motiv fotografiert. Wackelt nicht, steht fest und leuchtet in der Sonne.

Licht und Schatten auf der Wand der Marienkapelle (foto: zoom)

Der Ausflug nach Kassel hat sich gelohnt.

Vortrag „Jenseits des Nutzens“ im Sauerland-Museum

Mittwoch, den 29. Oktober 2025 um 18 Uhr im Blauen Haus des Sauerland-Museums

Im ersten Ausstellungsraum des Sauerlandmuseums werden die Säulen der Demokratie erklärt (Foto: Alexandra Zander)

Das Sauerland-Museum in Arnsberg und der Lions-Club Arnsberg-Sundern laden im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Mit Herz, Hand und Verstand. Demokratisches Leben im Sauerland“ zu einem kostenfreien Vortrag von Dr. Carsten Lotz ein.

(Pressemitteilung HSK)  

Die Demokratie sehen zurzeit viele Menschen in Gefahr. Es gibt viele Aufrufe, für die Demokratie zu kämpfen, sich um sie zu bemühen oder sie zu stärken. Es ist dabei aber immer nur abstrakt vom Begriff der „Demokratie“ die Rede. Kaum jemand redet darüber, was Demokratie eigentlich ist, was sie ausmacht oder was genau an ihr geschützt werden muss. 

Im Zentrum dieses Abends wird der Einfluss einer fast alles beherrschenden Wirtschaftswelt auf unseren alltäglichen Sprachgebrauch und unseren Alltag stehen. In der Wirtschaft wird das Handeln grundsätzlich danach ausgerichtet, wie ein kurz- oder langfristiger Gewinn erzielt werden kann. Gewinne zu machen, ist selbstverständliches Ziel der Wirtschaftsbetriebe, nicht nur um Betriebe und Arbeitsplätze zu erhalten.

Die Übertragung dieses dominierenden Strebens nach Gewinnen infiltriert zunehmend unsere Gesellschaft und führt in unserem Lebensalltag beispielsweise zu häufig gestellten Fragen: „Was habe ich davon?“ – „Was kriege ich dafür?“ oder „Lohnt sich das?“

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War Tolstoi „antijüdisch“ oder ein Freund der Juden?

Der russische Friedensbote stellte die Botschaft der Propheten in den Geschwisterkreis einer universellen Wahrheit – ein anregendes Lesebuch beleuchtet jetzt sein Verhältnis zum Judentum

Buchcover (Bild: Tolstoi-Friedensbibliothek)

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Leo N. Tolstoi: Begegnung mit dem Judentum. Briefe und andere Zeugnisse des Dichters, nebst Darstellungen von jüdischen Zeitgenossen. Ausgewählt und eingeleitet von Peter Bürger. (= Tolstoi-Friedensbibliothek: Reihe B, Band 13). Hamburg: BoD 2025.
Hardcover-Version: ISBN: 978-3-8192-3389-0 (660 Seiten; 34 Euro; fester Einband;
https://buchshop.bod.de/begegnung-mit-dem-judentum-leo-n-tolstoi-9783819233890)
Paperback-Ausgabe: ISBN: 978-3-8192-2387-7 (660 Seiten; 24,99 Euro;
https://buchshop.bod.de/begegnung-mit-dem-judentum-leo-n-tolstoi-9783819223877)

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Schon zu Lebzeiten Leo N. Tolstois, so schreibt die Literaturwissenschaftlerin Inessa Medzhibovskaya, kursierten zur Frage, wie sich der Dichter denn zu Juden, Judentum oder „Judenfrage“ stelle, Mythen, Legenden und polarisierende Schilderungen: „Man verdächtigte ihn entweder eines versteckten Antisemitismus oder einer übertriebenen Judeophilie“; dem rechten Lager galt der Graf als „satanischer Trommler, der mit den Juden im Bunde stand und mit Kräften, die sich gegen Russland verschworen“. Unter der jüdischen Anhängerschaft gab es die verständliche Neigung, die Anwaltschaft des großen Vorbildes für die Sache der Bedrückten zu idealisieren, während einige jüdische Kritiker dem Dichter Untätigkeit bzw. Gleichgültigkeit vorwarfen.

(Gastbeitrag der Redaktion Tolstoi-Friedensbibliothek)

Geradezu gegensätzlich klingen die Zeugnisse aus unterschiedlichen Zeiten: „Das alte Testament lese ich nicht, denn die Frage besteht nicht darin, wie der Glaube der Juden war, sondern worin der Glaube Christi besteht“ (Vereinigung und Übersetzung der vier Evangelien, 1879-1881). Im März 1890 heißt es hingegen in einem Brief an den Philosophen Wladimir S. Solowjow: „Der Grund unseres Entsetzens über die Unterdrückung der jüdischen Nation ist bei uns beiden derselbe: Die Erkenntnis der Brüderschaft der Völker und im besonderen die Freundschaftsbande mit den Juden, aus deren Mitte der Nazarener hervorgegangen ist und die von der Dummheit der sich Christen nennenden Götzendiener so viel zu leiden hatten und noch immer zu leiden haben.“

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„Was ist projüdisch?“

Mariam Said (Leiterin der Barenboim-Said Foundation in New York) und der vom Verfasser dieses Beitrages verehrte argentinisch-israelische Musiker Daniel Barenboim, der auch palästinensischer Staatsbürger ist. (Commons.wikimedia.org – CC-BY-SA-4.0,3.0,2.5,2.0,1.0)

Rechte Israel-Verbündete, deutsche Staatsdoktrin, Theologenpolizei und Liebhaber der jüdischen Religion geben höchst unterschiedliche Antworten. – Persönliche Vorbemerkungen zum Aufbau einer Schalom-Bibliothek, die Pazifisten und Antimilitaristinnen aus jüdischen Familien wieder sichtbarer machen soll.

(Ein Gastbeitrag von Peter Bürger)

In der römisch-katholischen Karfreitags-Liturgie gab es vor dem letzten Konzil (1962-1965) eine Fürbitte „Pro Judaeis“. Die Sache (https://www.friedensbilder.de/projudaeis/buerger-pro-judaeis2009.pdf) war aber mitnichten „projüdisch“, sondern nur eine weitere Gelegenheit, „die Juden“ als „treulos“ und „verblendet“ auf der Bühne vorzuführen. Die ehrende Verbeugung bei den Fürbitten für alle anderen Mitglieder der menschlichen Familie unterblieb einzig an dieser Stelle.

Auch heute ist nicht alles, wo „pro Juden“ draufsteht, wirklich „projüdisch“. Extrem rechte Politiker (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1190343.rechte-allianzen-rechtsextreme-die-israel-lieben.html) aus aller Welt und Fundamentalisten aus sogenannten „Christentümern“ erweisen der gegenwärtigen Regierung in Israel die Ehre. Gott bewahre uns vor dem Irrglauben, dass das, was diese Leute vertreten und loben, in irgendeiner Weise mit der Botschaft des Judentums zu tun hat! Evangelikale Komplexe aus den USA und anderen Ländern haben die Verbundenheit mit dem Staat Israel gleichsam in ihren Katechismus hineingeschrieben; aber sie verschweigen, was ihrer Lehre zufolge dereinst beim Jüngsten Gericht mit jenen Juden geschehen soll, die sich auch angesichts des Weltuntergangs nicht zum „wahren Christus“ bekennen. (Vorgesehen ist ein großes Abschlachten.)

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