Zwei Buchempfehlungen der Mescheder Falken zum Kapp-Putsch (Umschlagfotos)
Die Mescheder Falken gedenken am 22. März des 100. Jahrestages des Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch und der Gründung der Roten Ruhrarmee. Das Motto: „Bleibt wachsam gegen die Feinde der Republik!“
Vor genau 100 Jahren, im März 1920, scheiterte innerhalb von vier Tagen am organisierten Widerstand der Arbeiterinnen und Arbeiter der erste Versuch einer faschistischen Machtübernahme nach der Novemberrevolution von 1918. Wir wollen der mutigen Männer, Frauen und Jugendlichen gedenken, die damals die junge Republik verteidigt haben.
Eigentlich wollten wir unser diesjähriges Frühlingsfeuer diesem Thema widmen, einen Filmausschnitt zeigen und am Mahnmal in Meschede Blumen niederlegen. Wegen der gegenwärtigen Krise des Gesundheitssystems wird das Treffen aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Wir werden aber zwei neu erschienene Bücher zum Thema in unsere Bücherei aufnehmen, die auch bestellt werden können. Und wir wollen zum geplanten Zeitpunkt, Sonntag um 16 Uhr, auf unserer Internetseite Spielfilme und Dokumentationen zum Thema empfehlen[1]. So können Interessierte die Zeit der Isolation nutzen, um sich auch zu Hause mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Die Falken mahnen, gegenüber neofaschistischen Tendenzen wachsam zu bleiben. Wir setzen uns schon in der Junghelferausbildung damit auseinander, wie rechtlos und unwürdig gerade auch die arbeitende Jugend zu Zeiten des Deutschen Reiches gelebt hat. Dass sich manche Menschen, Gruppen und Parteien einen solchen autoritären Ständestaat und Obrigkeitsstaat zurückwünschen, ist für uns nicht nachvollziehbar. Aus unserer Sicht gilt es vielmehr, die Freiheitsrechte, die Gleichheitsrechte und Solidaritätsverpflichtungen der modernen Gesellschaft zu verteidigen und weiterzuentwickeln.
Léon Chadirac ist einer der Ermordeten, derer am Karsamstag gedacht wird. (Bild: Nadja-Thelen Khoder)
Mehr über ihn, seine sechs französischen
Edouard Abejean-Uguen
Robert Geoffroy
Robert Deyredk
Paul Deleforge-Burette
Léon Deloor
Robert Vanderyssen
und sechs deutschen Kollegen
Friedrich Sprink
Stefan Freitag
Franz Schultenjohann
Franz Engelhardt
Johann Liebner
Albert Klar
in
„Der Gedenkstein – Erinnerung an die ermordeten Lippstädter Arbeiter und ihre französischen Kollegen“, herausgegeben vom DGB Kreisverband Soest und der IG Metall Hamm-Lippstadt, Neuauflage 2019 (oberes Bild auf S. 22) auf http://www.so-az.net/PopUp-Galerie/WebPage/page.pdf
Pressemitteilung des DGB Kreis Soest, 17.3.2020:
„Gedenkveranstaltung am Karsamstag abgesagt
Lippstadt. In der Karwoche 1945 wurden sechs Arbeiter und sieben französische Zwangsarbeiter der Union-Werke in Lippstadt Opfer des Naziregimes: Die sechs deutschen Arbeiter und sieben französischen Zwangsarbeiter wurden in der Nacht auf Karfreitag 1945 erschossen.
Dieser Nazi-Opfer gedenken seit Jahren der DGB, die IG Metall, die Stadt Lippstadt und das internationale Rombergpark-Komitee am Gedenkstein an der St. Josephkirche. In diesem Jahr allerdings nicht wie traditionell am Karsamstag. Das haben die Veranstalter gemeinsam beschlossen: Der diesjährige Karsamstag am 11. April liegt in dem Zeitraum, in dem öffentliche Veranstaltungen wegen des Coronavirus nicht stattfinden sollen. Deshalb wird die Gedenkfeier auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. ,Wir wollen und werden die Toten würdig ehren und an sie erinnern, ohne die Lebenden dabei zu gefährden’, so DGB Kreisvorsitzender Holger Schild. Dazu soll die Gedenkfeier an einem anderen Termin nachgeholt werden: ,Dafür bieten sich Gedenktage wie beispielsweise der 8. Mai oder der 1. September an’, so DGB Kreisvorsitzender Holger Schild.“
„… klage ich der Feindbegünstigung sowie mit Ausnahme des Angeschuldigten Deyredk auch der Vorbereitung zum Hochverrat, der Wehrkraftzersetzung und des Rundfunkverbrechens an. …“
Franz Schultenjohann. „Mein Vater … war ein überzeugter, aktiver katholischer Christ mit gutem Kontakt zur damaligen Pfarrei.“ (seine Tochter Edeltraut 1989)
Eine Abschrift der Anklageschrift des Oberreichsanwalts beim Volksgerichtshof in Berlin vom 22.3.1945 (am Tag des Massakers von Eversberg, am Tag, als das „Ostarbeiterlager Herrenberg“ in Warstein abbrannte, aus dem die französischen Zwangsarbeiter ihre sowjetischen Kameraden retten konnten), Photos und Reden der Gedenkfeier am Karsamstag 2019 siehe Datei Nr. 212 auf hpgrumpe.de > NS-Verbrechen oder hier:
Friedrich Sprink
Stefan Freitag
Franz Schultenjohann
Franz Engelhardt
Johann Liebner
Albert Klar
Edouard Abejean-Uguen
Robert Geoffroy
Léon Chadirac
Robert Deyredk
Paul Deleforge-Burette
Léon Deloor
Robert Vanderyssen
Wir gedenken ihrer, weil sie fehlen.
Zu weiteren Zwangsarbeitern der Union-Werke in Lippstadt siehe „ ,Westfälische Union’. Dmitrij Daniltschenko, 18, ,Todesursache’ ,Herzinsuffizienz’ und ,Russin 27’ “ auf https://www.schiebener.net/wordpress/wp-content/uploads/2018/10/115.-Westf%C3%A4lische-Union.-Dmitrij-Daniltschenko-18-Todesursache-Herzinsuffizienz-und-Russin-27.pdf
Auch diese „Opfer“[1] „des Nazi-Regimes“[2] fehlen!
[2] Wer oder was war dieses „Nazi-Regime“? Wie viele Polizeibeamte (um Häuser zu räumen), Staatsanwälte (um Anklagen zu vertreten), Richter (um entsprechende Urteile zu verkünden), Gefängniswärter (um diese Urteile zu vollstrecken), KZ-Wächter (um Menschen zu versklaven, zu foltern und/oder zu töten), Journalisten (um Meinungen zu verbreiten und Tatsachen so oder so darzustellen bzw. zu verschweigen), Lokomotivführer (um Menschen wie Vieh in Güterwaggons zu transportieren), Beamte in Einwohnermeldeämtern (um Menschen durch ein „Z“ oder ein „J“ im wahrsten Sinne des Wortes abzustempeln), Grundbuchbeamte (um Grundstücke zu „arisieren“), Lehrer (um Kindern das „Aussondern“ zu lehren bzw. zu ermöglichen), Ärzte (um Menschen „kriegstauglich“ zu schreiben, wieder gesund zu flicken und andere Menschen gar nicht oder schlecht zu behandeln), Pfarrer (um Waffen zu segnen), Schuster (um Soldatenstiefel zu machen), Fabrikarbeiter (um Bomben und Granaten herzustellen), Soldaten (zum Schluß standen 17 Millionen Deutsche unter Waffen; das nannte man „Volkssturm“), Schneider (um Uniformen zu nähen), Krankenschwestern (um Verletzte zu versorgen) und und und brauchte Deutschland von 1933-45, um den Tod von 55 Millionen Menschen zu verantworten? (aus „Zum 27. Januar – Zwei Jahrestage und zwei Tagebücher. Für Anne Frank, Tanja Sawitschewa und all die Anderen“ auf http://www.nachdenkseiten.de/?p=15970)
„ein ausdruckstarkes Zeugnis der Industriegeschichte der Stadt“ (Photo von Dr. Martin Bach vom 22.2.2020)Die ursprünglich Tafel wurde 1995 enthüllt, Anfang 2007 gestohlen und 2015 durch die aktuelle ersetzt. [1] (Photo von Dr. Martin Bach vom 22.2.2020)
Die ehemalige „Lampenbude“ der „Westfälischen Metall-Industrie AG (WMI)“
Mehr zur ehemaligen „Lampenbude“ der „Westfälischen Metall-Industrie AG (WMI)“, dem geplanten Depot für das Stadtmuseum, zu Vida Levy, zur „Hella KG Hueck und Co.“[2] und zu „Hella“, also Helene Windmüller, geborene Sternberg, Witwe des Firmengründers Sally Windmüller, er gestorben 1930 in Berlin, sie 1954 in Portugal [3] in
[2] siehe auch Dateien Nr. 104 und 157 auf der Liste bei hpgrumpe.de > NS-Verbrechen
[3] „We dedicate this book to the memory of Fred Walter Windmueller … and to the 120 family members who perished in the Holocaust.“ (Inge Windmueller Horowitz, Rita Janet Horowitz und Ida Stein Windmueller: „Windmueller Family Chronicle: Second Edition“, Richmond, Virginia, USA 1981 (Windmill Press Associates)
Bevor Fred Walter Windmüller, geb. 20.7.1908 in Beckum, gest. am 14.8.1977 in Richmond, USA, 1938 Deutschland verlassen mußte, schrieb er die „Chronik der Familie Windmüller“, eine 147-seitige Familienchronik seit 1680.
Manchmal denke ich, daß ich einfach zu blöd für diese Welt bin, weil ich so vieles einfach nicht verstehe. Das liegt unter anderem daran, daß täglich neue Wörter in meine geliebte deutsche Sprache hineingestanzt werden, die ich vorher noch nie gehört habe, aber plötzlich wie mit nassen Lappen täglich um die Ohren geschlagen bekomme. Zur Zeit sind es die Wörter „Äqui-Distanz“ (oder „Äquidistanz“) und „Hufeisentheorie“.
Früher dachte ich immer, Theorien seien etwas Kompliziertes, aber heutzutage kann manches noch so platte Bild mit dem Wort „Theorie“ belegt werden, und beinahe täglich wird ein neues Unwort in unseren Sprachschatz gestanzt.
Johann Wolfgang Goethe, der sich einen Adelstitel verleihen ließ, um als Bürgerlicher mit den Herrschaften mit am Tisch sitzen zu dürfen – daher für viele lieber Johann Wolfgang von Goethe (Lutz Görner: „Goethe für alle“) – kam mit etwa 23 000 Wörtern aus; heute sollen es etwa 1,8 Millionen sein. Natürlich mußte er viele Vokabeln gar nicht lernen; „Atommülldeponien“ und „Neonazis“ gab es zu seiner Zeit noch nicht (noch nicht einmal „Nazis“, was eine Kurzform für „Nationalsozialisten“ ist). Aber was hätte er wohl zu „Entsorgungspark“ und „Wutbürger“ gesagt – zwei Wörtern, die für mich zu einer besonderen Kategorie gehören: zu den Wörtern, die ich immer nur in Medien gehört habe, niemals von einem Menschen aus Fleisch und Blut?
Zu den heutzutage in beinahe jeder „Talk-Show“ (mit Anne Will, Markus Lanz, Margret Illner und wie sie alle heißen) benutzten Vokabeln „Äqui-Distanz“ und „Hufeisentheorie“ fallen mir drei Bücher aus drei Jahrzehnten ein:
Mit zweierlei Maß. Die deutsche Reaktion auf den Terror von rechts.
Hermann Vinke: „Mit zweierlei Maß. Die deutsche Reaktion auf den Terror von rechts. Eine Dokumentation“, Reinbek bei Hamburg 1981 (rororo aktuell 4822)
Auf dem Weg zum Bürgerkrieg? Rechtsextremismus und Gewalt gegen Fremde in Deutschland
Wolfgang Benz (Hrsg.): „Auf dem Weg zum Bürgerkrieg? Rechtsextremismus und Gewalt gegen Fremde in Deutschland“, Frankfurt am Main 2001 (Fischer Taschenbuch)
Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU
Stefan Aust und DirkLaabs: „Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU“, München 2014 (Pantheon Verlag)
Und immer wieder die Frage: „Wie konnte das passieren?“
„Als 1909 der Oberhundemer Waldarbeiter Anton Dörrenbach von einem Jagdaufseher erschossen wurde, hielt die Bevölkerung zu ihren wildernden Dorfinsassen.“ (Buchumschlag)
Über Jahrhunderte wurde aufgrund exklusiver Jagd- und Forstprivilegien ein „Krieg im Wald“ ausgetragen. In vielen Phasen der Geschichte gehörten Wilderei und Holzfrevel zum Alltag.
(Pressemitteilung)
Mit Harmonie, Idylle und Romantik hatte das wenig zu tun. Es flossen Blut und viele Tränen. Zwei neue Bücher erhellen historische Waldkonflikte für das Gebiet der benachbarten Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe.
Amtliche Dokumente, Zeitungsberichte, Forschungsarbeiten, heimatkundliche Texte und Hinweise auf noch unbearbeitete Quellen vermitteln den Rahmen für eine Gesamtdarstellung der Auseinandersetzungen eines halben Jahrtausends.
Die wittgensteinischen Landesherren beanspruchten für sich ein Monopol auf Waldbesitz und Jagdausübung. Doch die bäuerlichen Untertanen wollten mitnichten nur Frondienste für den adeligen Jagdkult leisten und erprobten lange vor der 1848er Revolution den Aufstand.
Zuletzt erregten brutale Förstermorde und die Hinrichtung des berüchtigten Wilddiebes Johann Wagebach die öffentliche Aufmerksamkeit. Verwundete oder getötete Wilderer aus der ärmeren Klasse handelte die Tagespresse zumeist anonym in Kurzmeldungen ab. Wie im Absolutismus plädierte man für Schüsse auch auf fliehende Frevler …
Auf dem Gebiet des Kreises Olpe gab es beim Waldbesitz eine größere Vielfalt der Eigentumsformen. In kurkölnischer Zeit war dieses Territorium für den Jagdkult des höchsten Landesherrn auch nur bedingt von Bedeutung. Adel und Stadtbürgertum beriefen sich auf verbriefte Jagdrechte, manchmal unter Gewaltandrohung. Lokale Konflikte um Raumnutzung, Wildbret und Holz zeitigten eine lange Wirkungsgeschichte.
Als 1909 der Oberhundemer Waldarbeiter Anton Dörrenbach von einem Jagdaufseher erschossen wurde, hielt die Bevölkerung zu ihren wildernden Dorfinsassen.
Es folgte ein Racheakt mit Dynamit. Nach dem 1. Weltkrieg war die Wilderer-Szene mit neuen Waffen ausgestattet. Fischfrevler in Olpe setzten Sprengkörper ein. G. R. aus Marmecke fand den Tod durch eine Försterkugel.
Das Kreisblatt brachte Alarmmeldungen zur Wilderei und Vorgaben zum Schusswaffengebrauch der Ordnungskräfte.
Die Dokumentationen, erschienen in der Reihe „edition leutekirche sauerland“, ermöglichen eine vergleichende Betrachtung der beiden Nachbarkreise und sollen Lokalforscher dazu anregen, einen lange tabuisierten Schauplatz der nahen Sozialgeschichte zur erhellen.
Beide Neuerscheinungen sind zugleich ein wichtiger Beitrag zur regionalen Jagdgeschichte. Sie können überall im nahen Buchhandel bestellt werden:
D. Bald, P. Bürger, H. Haumann, K. Homrighausen u.a.:
Wo Wild ist, da wird auch gewildert
Historische Waldkonflikte im Wittgensteiner Land und Siegerland
ISBN: 978-3-7528-8090-8 (492 Seiten; 19,80 €; Paperback).
P. Bürger, O. Höffer, W. Scherer, M. Vormberg u.a.
Heimliche Jagd
Historische Waldkonflikte im Kreisgebiet Olpe
ISBN 978-3-7504-0903-3 (264 Seiten; 14,90 €; Paperback).
Dieter Bald, Heiko Haumann, Klaus Homrighausen u.a.:
Wo Wild ist, da wird auch gewildert
Historische Waldkonflikte im Wittgensteiner Land und Siegerland
ISBN: 978-3-7528-8090-8 (492 Seiten; 19,80 €; Paperback);
edition leutekirche sauerland (BoD): Norderstedt 2020
P. Bürger, O. Höffer, W. Scherer, M. Vormberg u.a.
Heimliche Jagd
Historische Waldkonflikte im Kreisgebiet Olpe
ISBN 978-3-7504-0903-3 (264 Seiten; 14,90 €; Paperback)
edition leutekirche sauerland (BoD): Norderstedt 2020
Daniela Kluckert (* 22. Dezember 1980 in Nürnberg) ist eine deutsche Politikerin (FDP) und Diplom-Volkswirtin. Seit 2017 ist sie Mitglied des 19. Deutschen Bundestages.
Für die Bundestagswahl 2017 trat Kluckert als FDP-Kandidatin im Wahlkreis Berlin-Pankow an und zog über den zweiten Platz der FDP-Landesliste in den 19. Deutschen Bundestag ein. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie ordentliches Mitglied der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potentiale“.
Frau Kluckert zitiert am Nachmittag via Twitter aus einem Beitrag von Ulf Poschardt:
„Die Vernichtungsfantasien nach Erfurt haben verraten, wie viele Bundesbürger von einem Deutschland ohne Liberale träumen. Wer die Geschichte unseres Landes kennt, weiß: Das ist der absolute Albtraum.“
Einige Stunden später äußert sich Frau Kluckert ebenfalls via Twitter zur Gästeliste bei Anne Will:
Heute bei #AnneWill spricht #Soeder mit Linken. Für die #FDP konnte ich bisher niemanden entdecken #ARD
Nur mal so, Frau Kluckert: Gerhart Baum ist/war Teilnehmer der Talkrunde …
Verweise auf Segment des Poschardt-Zitats: Wer die Geschichte unseres Landes kennt … ???
Demo-Randnotiz nach der „AfD-Wahl“ des FDPlers Kemmerich. (Foto: Reinhard Loos)
Vor zwei Tagen, am 5. Februar, hat der Thüringer Landtag den Präsidenten der Erfurter Carnelvals-Gesellschaft Thomas Kemmerich zum neuen Ministerpräsidenten (MP) gewählt. Er erhielt 45 Stimmen, sein seit fünf Jahren amtierender Amtsvorgänger Bodo Ramelow erhielt 44 Stimmen.
Die Partei des neuen MP, die FDP, hatte zuvor mit 5,0066 % am 27.10.2019 nur äußerst knapp den Wiedereinzug in den Landtag geschafft und hat dort jetzt 5 von 90 Sitzen. Herr Kemmerich trat erst zum dritten Wahlgang an (in dem die einfache Mehrheit ausreicht). Er ist außerdem noch Inhaber einer Friseurladen-Kette mit 20 Geschäften.
Die Wahl kam offensichtlich nur dadurch zustande, dass die AfD-Fraktion (22 Sitze) seit November 2019 mit der CDU-Fraktion (21 Sitze) und mit der FDP-Fraktion Vorbereitungen getroffen hatte und für ihren eigenen Kandidaten im 3. Wahlgang keine einzige Stimme mehr abgab. Die Thüringer AfD mit ihrem Vorsitzenden Höcke (“Flügel”) steht zudem besonders weit rechts außen.
Der Karnevals-Präsident hatte weder Kandidaten für ein Kabinett noch hätte er ohne die AfD-Stimmen im Landtag regieren können. Unmittelbar nach seiner Wahl wurde im Landtag in Erfurt bereits ein Antrag gemeinsam von AfD, CDU und FdP beschlossen.
Diese MP-Wahl stieß wegen der Kollaboration mit der AfD sogar in den Berliner Parteizentralen von CDU und FDP auf massive Kritik. Aus der CDU äußerten z.B. die Bundesvorsitzende, die Bundeskanzlerin, der Generalsekretär (bezeichnete die AfD als Nazis) und der Bundeswirtschaftsminister ihre Ablehnung ungwewohnt deutlich, ebenso wie der Parteivorsitzende der CSU. Die Bundesvorsitzenden von CDU und FDP fuhren prompt am Tag nach der Wahl nach Erfurt, um mit ihren ParteikollegInnen vor Ort zu “reden”. Das führte u.a. dazu, dass Herr Kemmerich nur 25 Stunden nach seiner Wahl seinen Rückzug ankündigte (aber noch nicht vollzog). Er gestand ein, dass seine Kandidatur und die Annahme der Wahl Fehler waren. In Erfurt gingen derweil tausende Demonstranten gegen die drohende Abhängigkeit der Landespolitik von Faschisten auf die Straße.
In Erfurt gingen tausende Demonstranten gegen die drohende Abhängigkeit der Landespolitik von Faschisten auf die Straße. (Foto: Reinhard Loos)
Dem Kurzzeit-Ministerpräsidenten winkt übrigens für seine herausfordernde Tätigkeit eine Vergütung von mindestens 93.000 Euro, wie heute auf der Titelseite der “Thüringer Allgemeine” nachzulesen war.
Was aber geschah im HSK?
Hier postete der FDP-Kreisvorsitzende, der auch dem Bundestag angehört, öffentlich einen Glückwunsch besonderer Art.
“Sensationell! Unser Freund @thomasl.kemmerich ist neuer Ministerpräsident des Freistaats Thüringen. Herzlichen Glückwunsch, Thomas. Das war ein mutiger und wichtiger Schritt. Ich wünsche dir für die anstehenden Verhandlungen viel Kraft und liberale Zuversicht.” Dazu ein gemeinsames Foto.
Das bedeutet im Klartext, dass der FDP-Kreisvorsitzende Carl-Julius Cronenberg aka Carlo Cronenberg diese besondere Form der Zusammenarbeit mit der AfD und der Abhängigkeit von der AfD bejubelt. Haben wir nach der Kommunalwahl im September 2020 eine ähnliche Zusammenarbeit als angeblich “mutigen und wichtigen Schritt” der HSK-FDP mit der AfD auch im HSK zu erwarten (falls sich dazu eine Gelegenheit ergeben sollte)?
Der FDP-Kreisverband im HSK sollte schleunigst klarstellen, wofür er und sein Vorsitzender stehen!
Nun ja, nächtens nach Erholung vom Thüringen-Schock noch etwas bzgl. „Stichwort FDP Thüringen“ rumgesurft …
Fand bei F-Book (nur Leser, kein Jünger) einen Beitrag des heimischen FDP Bundestagsabgeordneten Carl-Julius Cronenberg aka Carlo Cronenberg bzgl. MP-Wahl von Th. Kemmerich.
Zitat:
„Sensationell! Unser Freund @thomasl.kemmerich ist neuer Ministerpräsident des Freistaats Thüringen. Herzlichen Glückwunsch, Thomas. Das war ein mutiger und wichtiger Schritt. Ich wünsche dir für die anstehenden Verhandlungen viel Kraft und liberale Zuversicht. Wichtig ist und bleibt die grundsätzliche Feststellung, dass es keine Zusammenarbeit egal in welcher Form mit politischen Extremistin in Thüringen gibt. Gut, dass du dies von Anfang an heute klar gestellt hast.“
Mit Verlaub, Herr Cronenberg … – Sie irritieren nicht ganz wenig.
Zeichner Moebius als Meister des surrealen Traums: Ausstellung zur Comic-Zeichenkunst im Max Ernst Museum … endoplast
Die Macht der Stimmen: Radio in der Wissenschaftskommunikation … scilogs
Kommt das Coronavirus aus dem Labor? Während der aktuellen Coronavirus-Epidemie ist ja die Theorie aufgetaucht, der neue Erreger hätte etwas mit dem neu eingerichteten Hochsicherheitslabor in Wuhan zu tun … fischblog
Jahrestag einer Befreiung – #75Befreiung: Vor 75 Jahren begann das (hoffentlich für immer) letzte der düsteren Kapitel des deutschen Nazireiches, als die Alliierten im Westen und die Sowjets im Osten erstmals bis auf das deutsche Staatsgebiet von vor 1937 einrückten … texperimentales
„Die ausreichende Produktion ist gesichert“: Das Tolle an der Arbeit an @die_reklame ist, dass man manchmal auf wirklich faszinierende Werbungen stolpert. Über den Inhalt dieser Werbung könnte man eine ganze Bachelorarbeit schreiben … schmalenstroer
In diesen Zeiten Journalist werden? Tja, mh, äh… Der Dortmunder Journalist Bernd Berke gehört zu den wenigen Menschen, die mich Banausen hin und wieder zur Kultur locken. Genauer: zu seinem Blog Revierpassagen … charly&friends
Laudatio zum Anglizismus des Jahres 2019: … for Future: Anglizismus des Jahres 2019 ist der Phraseologismus [… for future], der die Grundlage für den Namen der von Jugendlichen in vielen Ländern getragenen Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ bildet, aber der auch produktiv verwendet wird, um allgemein die Klimafreundlichkeit bestimmter Verhaltensweisen anzudeuten – zum Beispiel, wenn Umweltschutzorganisationen ein böllerfreies Silvester for Future anmahnen oder unter Feiern for Future Tipps für ein nachhaltiges Weihnachten geben, über eine klimaneutrale Wohngemeinschaft mit dem Begriff WG for future berichtet oder unter dem Begriff Grundgesetz for Future ein Verfassungsstatus für Nachhaltigkeit gefordert wird … sprachlog
Becketts Klassiker in Dortmund: Das „Warten auf Godot“ könnte ein schwerer Fehler sein … revierpassagen
Als Bettvorleger gelandet: GWG scheitert mit Einschüchterungsversuch gegen DOPPELWACHOLDER.DE … doppelwacholder
Verwaltungsgericht Arnsberg: Polizeieinsatz war rechtswidrig … sbl
„Am 27. Januar 1945 befreien russische Soldaten die Konzentrationslager von Auschwitz.
Nur noch 7.000 Gefangene sind am Leben – mindestens 1,1 Millionen Menschen hatten die Nazis dort zuvor ermordet. Seit 1996 ist der 27. Januar Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – gilt Auschwitz mit seiner grauenhaften Tötungsmaschinerie doch als Symbol für den Holocaust schlechthin.“
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