Die Gefahr des orthographisch interessanten Schildes besteht in seiner Einprägsamkeit.
Wir müssen damit rechnen, dass die rot auf gelbe Schreibweise von „Abstur(t)z“ Einzug in das Hochsauerländer Schriftdeutsch hält. Es sei denn, wir halten die Menschen von diesem sprachgefährdenden Ort am Bergsee zwischen Siedlinghausen und Silbach fern.
Heute war ein Hauch von Frühling zu spüren. Blauer Himmel, milde Temperaturen, schmilzender Schnee. Trump ist Geschichte, Biden der 46. Präsident der USA.
Ich sehe und höre die Antrittsrede des neuen Präsidenten. Er spricht wichtige Punkte an. Rassismus, Ungleichheit, fabrizierte Lügen, politische Korruption und die 400.000 Covid-19-Toten.
Aber vielleicht das Wichtigste:
„Kamala Harris became the first woman — and the first woman of color — sworn in as vice president. The history-making moment is a milestone for Americans who have fought tirelessly to see faces that resemble their own in the government’s executive branch.“
Ein grauer Abend kurz vor Sonnenuntergang. Der Himmel bedeckt, der Schnee weiß, die Bäume vereist. (foto: zoom)
Pause auf dem Kahlen Asten.
Unter der Woche stapfen nur wenige Besucher*innen durch den Schnee. Fast alle mit Kamera, häufig Smartphone auf Selfie-Stick. Junge Frauen in Instagram-Posen, die vereisten Bäume als Kulisse. Ein grauer, kalter Abend. Zu Hause wartet der heiße Tee.
Jetzt, wo in der Pandemie der Friseurbesuch zur Utopie geworden ist, bleiben eigentlich nur wenige Strategien, das Kopfhaar zu bändigen oder einzuhegen.
Am enfachsten ist es, die Haare wachsen zu lassen.
Größere Anforderungen stellt die Heimarbeit, wobei man sich entweder selbst die Haare schneidet oder ein Familienmitglied hat eine Begabung, Sonderfall: Jemand in der Familie ist selbst Friseur*in.
Grenzwertig: eine Friseur*in kommt ins Haus und verdient sich ein paar Euro nebenbei oder macht ein Bartergeschäft.
Die letzten Sonnenstrahlen des alten Jahres fransen den Himmel über Siedlinghausen aus.
Bevor sich das alte Jahr vom Acker macht, zeigt sich die Sonne zum letzten Mal über Siedlinghausen.
Auf Twitter habe ich eine Redewendung gefunden, die meine Stimmung ganz gut beschreibt. Ob das Sprichwort wirklich aus dem Russischen stammt, habe ich nicht überprüft.
Last night, I was talking to my dad and telling him I was concerned that 2021 would make us miss 2020. He responded with a Russian saying I’d never heard before: “On average, we live pretty well: worse than last year, but definitely better than next year.”
Was mache ich als Bewohner eines Winterberger Ortsteils, wenn es im Hochsauerland schneit?
Ich gehe/fahre auf keinen Fall in die überfüllte Kernstadt Winterberg, sondern suche mir eine andere Beschäftigung. Es gibt genug Platz auf dieser Welt und Beschäftigungen, die die Orte der exzessiv gelebten Winter-Euphorie vermeiden.
Man könnte beispielsweise Gelsenkirchener Vorgärten fotografieren oder nette Graffiti suchen, während sich die Ruhrpöttler*innen auf den Pisten vergnügen.
Oder man bleibt schön zu Hause und liest ein gutes Buch. Momentan reise ich virtuell mit Olga Tokarczuks Unrast durch die Weltgeschichte.
Ich verrate jetzt, was ich im kommenden Lockdown anders mache als in den vorangegangenen Wochen und Monaten: Nichts.
Nach wie vor gehöre ich zu den „Drosten-Ultras“ (Vorsicht, grobschlächtige Ironie!), führe ein sozial verarmtes Leben und treffe auf meinen Spaziergängen meist Fichten, lebendig (grün) oder tot (braun).
Trotz aller Unkenrufe in den Lebensberatungsspalten funktioniert unser Familienleben weiterhin gut. Klar, ich vermisse Cafés, Großstädte, Reisen, Restaurants, Musseen, Theater, Konzerte, Freunde und das Schwimmbad. Klar, ich ärgere mich über die Politiker*innen, die den Menschen Lockerungen über die Weihnachtsfeiertage versprochen hatten, wenn sie nur ihren sogenannten „Lockdown Light“ mitmachten. Klar, die Kultusminister*innen habe es verstanden, den Föderalismus ins Lächerliche zu ziehen.
Der faschistoide Charakter der sogenannten „Querdenker-Bewegung“ zeigt erschreckend, wie viel Dummheit und Hass in Deutschland wieder möglich sind. Wir brauchen gar nicht mit dem Finger auf Trump zu zeigen und uns über „die USA“ lustig zu machen.
Ich leide unter Covid-19-Lockdown-Ermüdung und muss doch noch ein paar Monate durchhalten und alles dafür tun, aber auch hoffen, dass das Virus mich nicht erwischt. Wie viel Glücksspiel ist dabei? Risiko-Gruppe, kein gutes Gefühl.
Derweil lege ich Scheiben aus der Studentenzeit auf, Brandenburgische Konzerte, Tago Mago kunterbunt durcheinander. Wer hat eigentlich die Unterscheidung zwischen E- und U-Musik erfunden?
In Amos Oz Autobiografie und Familiengeschichte, A Tale of Love and Darkness, lerne ich einiges über die Kultur und (Vor-)Geschichte Israels, jüdische Geschichte, Shoa, Holocaust. Es hat gedauert, bis ich mich hineingelesen hatte. Viele Namen, Familienmitglieder, Generationen, Länder und Kulturen, aber mit der Gründung des Staates Israel hat es mich jetzt auch emotional gepackt. Amos Oz‘ Buch – eines der Freunde, die jahrelang geduldig auf dich im Bücherregal warten, bis ihr Augenblick gekommen ist. Habt ihr auch solche Bücher?
„Aumgn“ singt Kenji ‚Damo‘ Suzuki auf der dritten Seite der Doppel-LP. Das Schlagzeug-Solo setzt ein. Ich bin dann mal weg.