Umleitung: FDP – Generation Yuppies, Goldstone, Koscherstempel, Roma, Schleichwerbung und mehr.

Unser Buch- und Schreibwarenladen vor Ort (foto: zoom)
Kräling 1000: Unser Buch- und Schreibwarenladen vor Ort (foto: zoom)

Generation Yuppies – Wechsel ohne Wandel in der FDP: Am Wahlabend des 27. Septembers 2009 noch als Held in der Parteigeschichte der FDP gefeiert, wurde Guido Westerwelle kaum eineinhalb Jahre danach von seiner Partei gefeuert … nachdenkseiten

Halbe Sache: Mit Atem beraubender Geschwindigkeit hat die FDP Guido Westerwelle demontiert. Er will nun den Parteivorsitz abgeben. Das reicht nicht … postvonhorn

Es kam, wie es kommen musste: Westerwelles Abgang … WirInNRW

Israel und der Goldstone-Bericht: … und es ist alles ganz anders … ruhrbarone

Gelsenkirchen: Kein „Koscherstempel“ für „pro NRW“ … nrwrechtsaußen

Roma: Abschiebesaison in NRW hat begonnen … taz

Ungarns Roma in Angst: Rechtsradikale marschieren wieder … n-tv

Schleichwerbung bei Zeitungen: Einfluss zu verkaufen … taz

Hagen: Podiumsdiskussion zur Finanzmisere der Städte … doppelwacholder

HSK: Lange Wartezeiten bei der Pflegebegutachtung — Wer kann sie abkürzen? … sbl

Sundern: Geschichte der Hexenverfolgung aufarbeiten … gruenesundern


Aprilscherz im Handelsblatt? Die Stunde der Schatzsucher.

Bald auch Metalle? Steinbruch im Hochsauerland. (archiv: zoom)
Bald auch Metalle? Steinbruch im Hochsauerland. (archiv: zoom)

Goldgräberstimmung macht sich anscheinend in Deutschland breit. Das Handelsblatt hat in der Ausgabe vom 01/02. April 2011 (Fr/Sa-Ausgabe) den Artikel „Die Stunde der Schatzsucher“, Autor Sven Prange, veröffentlicht.

„Erdgas, Öl, Kupfer, Lithium und Silber: In der gesamten Republik entstehen neue Bergwerke. Die hohen Preise versprechen ein Milliardengeschäft – und nähren den Traum der Wirtschaft von einer unabhängigen Rohstoffversorgung.“

Es folgen zwei lange Seiten eines eher unkritischen Berichts mit einer Tabelle über die Vorkommen und der Bergbauregionen:

… Die weißen Monster-Trucks, die Thomas Lautsch an diesem Frühjahrsvormittag durch Spremberg in der Lausitz lotst, bringen die Hoffnung auf ein großes Geschäft … Lautschs Mutterkonzern, die US-Rohstoffholding Minera, vermutet riesige Kupfervorkommen unter der Stadt … von Sven Prange Die weißen Monster-Trucks, die Thomas Lautsch an diesem Frühjahrsvormittag durch Spremberg in der Lausitz lotst, bringen die Hoffnung auf ein großes Geschäft … Lautschs Mutterkonzern, die US-Rohstoffholding Minera, vermutet riesige Kupfervorkommen unter der Stadt … Nach den ersten Auswertungen sagt Lautsch: „Jetzt wissen wir, dass die Vorkommen in so einer Konzentration vorliegen, dass der Abbau klappen kann.“

Vorausgesetzt das ist kein Aprilscherz, können wir vielleicht damit rechnen, dass in oder um Brilon demnächst wieder nach Kupfer, Blei, Zink und Silber gebuddelt wird und zwar nach der sogenannten unkonventionellen Methode.

Der Autor sieht ein Problem: „Vor allem in Westdeutschland protestieren Anwohner sofort los, sobald ein Bergbauprojekt bekannt wird. Die Kommunalpolitik schwankt oftmals zwischen zögern und zugreifen. In NRW etwa denkt die neue Landesregierung derzeit über ein Bohrverbot nach, weil Anwohner Umweltrisiken fürchten, in Sachsen dagegen ermuntert die Staatsregierung Konzerne förmlich, endlich wieder abzubauen.“

Mehr als 50 Prozent aller in Deutschland geförderten Rohstoffe würden Unternehmen aus dem Ausland gehören. „Es war noch nie so leicht, bei deutschen Banken Kapital für Bergbauprojekte zu bekommen“, schreibt Sven Prange vom Handelsblatt.

Umleitung: Religiöse Rechte, Urban Priol, Radfahrer und Juden, Frankfurter Rundschau und mehr.

umleitungReligiöse Rechte – Notizen März 2011: Auch wenn es zurzeit keinen direkten Wahlkampf in den USA gibt, ist die religiöse Rechte rundum aktiv. Nicht nur ihre bekannte Homophobie und die Dreistigkeiten des „Abtreibungsholocaust“ sind ihre beständigen Reizthemen, auch das Seebeben in Japan und Fukushima sind aktuell in ihrem Visier … hpd

Kampagne der Süddeutschen Zeitung gegen Urban Priol: Zwischen 28. und 31. März sind in der Süddeutschen Zeitung und bei süddeutsche.de drei Artikel mit heftiger Kritik an Urban Priol veröffentlicht worden. Siehe Dokumentation am Ende dieses Textes. Bei allen drei Artikeln von drei verschiedenen Autoren geht es um den Auftritt von Priol bei der Anti-Atomkraft-Demonstration in München … nachdenkseiten

Wieso denn die Radfahrer? „An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld“. Das kriege ich einfach nicht in meinen Kopf. Wieso denn die Radfahrer? … ruhrbarone

Aus, kaputt, vorbei: Tschüss Frankfurter Rundschau … ruhrbarone

Hagen: Morgen wieder Anti-Atom-Mahnwache … doppelwacholder

Trend in Meschede geht zum Gymnasium: Einen Schwund erleben dagegen die Hauptschulen in Meschede. Im vergangenen Schuljahr gab es noch 100 Neuanmeldungen an den drei städtischen Bildungseinrichtungen … derwesten

Situation im Kosovo nach wie vor schwierig: Ende März 2011 läuft der Kosovo-Erlass aus, der Abschiebungen in den Kosovo untersagte … sbl

Umleitung: Greenpeace präsentiert Messungen, Auskunftspflicht, Mormonen-Musical, langweilige Parteien, langweilige Lokalzeitung und mehr.

Blühendes Dortmund (foto: zoom)
Blühendes Dortmund (foto: zoom)

Greenpeace präsentiert Ergebnisse der unabhängigen Messungen um Fukushima: Einladung zur Pressekonferenz via Internet-Livestream … na

Auskunftspflicht des Bürgermeisters: “Der Presse Freiheit kann auch schmerzhaft sein.” … heddesheimblog

Mormonen-Musical am Broadway: Gottes Trottel … sueddeutsche

Parteien: Menschen, die sowohl ökologisch als auch sozial engagiert sind, haben heute keine politische Heimat … nachdenkseiten

Gemeindefinanzen: Kommunen warnen vor Steuersenkungen … doppelwacholder

Lesetipp: Islamfeindschaft als Türöffner … nrwrechtsaußen

Lokalzeitung: nur Langeweile im Internet. Vielleicht denken die, dass die Menschen dann aus Verzweiflung den Print kaufen. Beispiel? … WPWinterberg

Meschede und eine „undemokratische“ Petition. Der Bürgermeister ist empört (Wir auch!). Eine Sonntagssatire.

In unserem BriefkastenBürgermeister von Meschede ist empört (Wir auch!)

Woher wir das (vom Bürgermeister) wissen: Na klar, aus der heimischen Tageszeitung!

Der Anlass der Empörung:
Die Petition einer Bürgerinitiative aus Meschede (angeblich die erste in der langen Geschichte Meschedes)

Ein Hauptärgernis: Der Schlichter

Der Sachverhalt in groben Zügen:
In Meschede soll das Gewerbegebiet Enste-Nord entstehen. Der Stadtrat segnete das Vorhaben 2009 ab. Bürgerinnen und Bürger aus Meschede-Enste fühlen sich bei der Planung des Gewerbegebietes übergangen. Sie stellten im März 2010 einen Petitionsantrag beim Landtag. Aus der WP (Artikel vom 22.03.2011) erfahren wir, der Pressesprecher der Stadt Meschede hätte gesagt, das sei in einem Bauleitverfahren erst seit Stuttgart 21 möglich!

Der Schlichtungstermin war vor ein paar Tagen. Zitat aus der WP (vom 22.03.2011): Das Gremium kam zum Entschluss, dass juristisch alles korrekt abgelaufen sei. „Jedoch hat uns ein Abgeordneter gesagt, dass nicht richtig mit uns umgegangen wurde.“

Was positiv auffällt: Die WP informiert am 22.03.2011 strukturiert und neutral über Petition und Schlichtung.

Laut WP-Artikel (vom 26.03.2011) erhielten Petenten und Stadt eine Antwort des Petitionsausschusses. Aus dem Schreiben gehe hervor, die Stadt Meschede hätte im Verfahren Enste-Nord rechtlich einwandfrei gearbeitet. In einem weiteren Absatz sei den Parteien jedoch geraten worden, sich um einen von beiden Seiten akzeptierten Schlichter zu bemühen.

Die WP nennt den Namen des Schlichters: Es ist der Landtagsabgeordnete Gordon Dudas, ein SPD-Mitglied aus dem Märkischen Kreis.

Im Gegensatz zum Bericht vom 22.03. erscheint der WP-Artikel vom 26.03. tendenziös.
Dem Leser wird klar gemacht: Der Bürgermeister hat Recht! Petition und Schlichtung waren überflüssig! Der Schlichter bemüßigt sich falscher Gepflogenheiten! Denn schließlich handelt es sich um eine (unwiderrufliche) Entscheidung des Stadtrates, und, Zitat (mit Zitat des Bürgermeisters): „Was gibt es da noch zu schlichten?  Hierbei handelt es sich um eine Entscheidung des Mescheder Stadtrates. Was ist so eine Entscheidung denn noch wert, wenn jetzt jemand kommt und meint, das wieder aufrollen zu müssen. Pikanterweise soll es sich um einen Alleingang Dudas‘ gehandelt haben. Ohne Absprache mit dem Petitionsausschuss habe er den Satz eingefügt: „Seit Stuttgart 21 gibt es eben eine andere Form von Bürgerbeteiligung“, sagt Hess. Er vermutet, dass der zeitliche Abstand zwischen den eskalierten Bürgerprotesten in Stuttgart und dem Brief aus Düsseldorf kein Zufall war.“

Auch interessant: Der Kommentar der WP zum eigenen Bericht.

Er trägt die Überschrift:
„Keine Hoffnungen wecken“

Die Kommentatorin teilt mit, es wäre nicht in Ordnung, wenn ein Mitglied des Petitionsausschusses suggeriert, dass an einem Ratsbeschluss noch etwas zu rütteln sei. Sie schreibt weiter von dem Ratsbeschluss aus dem Jahr 2009, der von gewählten Vertretern des Volkes und nach den Prinzipien einer parlamentarischen Demokratie usw. usw. ….

Und was will man/Frau uns armen Bürgerlein damit sagen?

Etwa das:
Empörung, die gebührt bestenfalls einem Bürgermeister, nicht dem Volke?

Oder:
Die Presse ist nur so lange frei, so lange der Bürgermeister sich nicht (über dieselbige und/oder andere) empört?

Oder auch:
Ihr lästigen Mescheder Bevölkerungsinitiativen, kommt ja nicht auf die Idee, noch eine Petition zu stellen. Ihr werdet hoffnungslos scheitern?

Petitionen gibt es doch nur bei Wikipedia und nicht im wahren Leben?

Dazu passend:
Alle demokratischen Rechte liegen (fast nur) beim Bürgermeister und (nachgelagert) bei den demokratisch gewählten Vertretern des Volkes?

Und:
Traue keinem Abgeordneten der nicht von der größten Sauerländer Volkspartei gestellt ist?

Wem fällt noch was ein?

Vielleicht:
Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen ….
Die Rente ist sicher ….
Deutsche Atommeiler auch …
Das Wasser ist nass und die Banane krumm ….

Was werden uns Leserreporter und Bürgerjournalisten bescheren? Eine Mahnung aus der Geschichte.

Artikel im neuen Freitag: Leserreporter für die Nazis. (foto: zoom)
Artikel im neuen Freitag: Leserreporter für die Nazis. (foto: zoom)

Jetzt suchen sie wieder Leserreporter, Bürgerjournalisten und überhaupt irgendwen, der ihnen die Spalten und den Themenblock füllt. Ariane Huffington hat mit Umsonst-Bloggern ein Vermögen erwirtschaftet und es beim Verkauf ihrer Huffington Post realisiert. Die Bild saugt wie stets aus dem Schlamm und die lokalen Reklameblätter wollen das Internet nutzen, um mitteilungsbedürftige Menschen für ihren Niedrig-Standard Journalismus auszupressen.

Der Bürgerjournalist ist eigentlich eine alte Geschichte. In den seligen Print-Zeiten haben schon stets Leserreporter die weißen Spalten der Lokalzeitungen gefüllt. Ach was, sie tun es auch heute noch, besteht doch eine Lokalseite neben redaktionellen Beiträgen aus Pressemeldungen, Public-Relationsbeiträgen, Zusendungen der Vereinspressewarte und Zuarbeit von sogenannten freien Mitarbeitern.

Durch die Digitalisierung ist es inzwischen ein Kinderspiel, Bilder und Text zentral in einer Redaktion zu sammeln, zu sichten und zu veröffentlichen.

Der Ramsch auf Papier, gefüllt mit Werbeprospekten, verlagert sich nun immer mehr ins Internet. Längst breitet sich dort der „MyHeimat“ Schrott mit rasender Geschwindigkeit aus.

Qualitativ ansprechende Blogs werden zu einer Minderheit oder lösen sich in der betörend-giftigen Facebook-Soße auf. Die Verlinkung unter progressiven Gleichgesinnten weicht dem „Gefällt-mir“- Button.

Die Verlage wollen Profit sehen und pressen die Lokal-Redaktionen aus. Bei gewerkschaftlichen Gehaltsverhandlungen geht es schon lange nicht mehr darum, ob die Redakteure der Tageszeitungen einen Inflationsausgleich erhalten. Es geht darum, ob ihre Bezüge um 20 oder 25 Prozent gekürzt werden und ob sie 40, 50 oder 60 Stunden die Woche arbeiten.

Der Leserreporter, der Bürgerjournalist, ist, angesichts einbrechender Abonnementen-Zahlen im Print und nicht realisierter Gewinne im Netz, die Hure, die die Beine breit macht, um das System des verlogenen Journalismus nicht nur zu retten, sondern pestartig auf das Internet auszudehnen.

Der Bürgerjournalist ist der geborene Feind des Bloggers.

Im heutigen Freitag ist ein Artikel von Jens-Christian Wagner erschienen*. Wagner ist Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Sein Beitrag trägt die Überschrift „1933 Hetze zum Mitmachen“.  Die Unterzeile lautet:

„Das antisemitische Schmierblatt „Der Stürmer“ war während der NS-Diktatur Zentralorgan des öffentlichen Denunziantentums. Tausende von „Leserreportern“ legten sich dafür ins Zeug.“

Ich empfehle dringendst: lesen! Der Artikel ist einer der besten im aktuellen Freitag. Er wirft ein grelles Licht auf das Konzept des Bürgerbloggers.

Schlussbemerkung I: Den Anstoß zu diesem Eintrag bekam ich durch die Betrachtungen des Wiemeringhausers zur hochsauerländischen Medienlandschaft. Die Zuspitzung dient dazu, das Problem hervorzuheben, nicht, einzelne Journalisten zu denunzieren.

* Leider habe ich den Artikel online noch nicht gefunden. Für Hinweise  bin ich dankbar. So jetzt ist er verlinkt 🙂


Umleitung: Fukushima, Schule, Linken-Spaltung, Nachdenkseiten, Brüderle, Erdgas und mehr.

Am Steinberg. (foto: zoom)
Am Steinberg. (foto: zoom)

Das Volk ist eine Masse, die beruhigt werden will: diesen Eindruck kann man wieder mal gewinnen, wenn man nach Fukushima blickt. Es ist wie bei der Papst-Wahl: Mal heller Rauch, mal dunkler Rauch. In dem Fall weiß man den Rauch allerdings klar zu deuten. Hängt er aber über einem der Reaktoren im japanischen Fukushima, ist das ganz anders: Es beginnt die Deutung, was den Rauch verursacht hat … endoplast

Was wir unseren Kindern in der Schule antun: Es mag ungewöhnlich sein, dass jemand ein nicht fertig gelesenes Buch (240 von 384 Seiten) rezensiert. Aber das Thema ist wichtig und es stehen ein paar wirklich triftige Grundwahrheiten in dem Buch. In die Art, wie es geschrieben ist, konnte ich mich jedoch leider nicht einfinden und das Lesen schleppte sich zäh über die Wochen, bis ich die Lektüre irgendwann abbrach … hpd

Nicht nur im Kreistag Meschede: Fraktionsspaltung bei den Linken in Hattingen … derwesten

Rechtlicher Rat gesucht: Durch eine größere Rechtsanwaltskanzlei wurde gegen die NachDenkSeiten ein Schadensersatzanspruch in beachtlicher Höhe wegen Urheberrechtsverletzungen gegenüber einer als klagefreudig bekannten Nachrichtenagentur geltend gemacht … nachdenkseiten

Rainer Brüderle: Endlich sagt mal einer die Wahrheit … ruhrbarone

Erdgasbohrungen: Noch eine „beherrschbare“ Technologie? … doppelwacholder

Abschiebestopp für Roma und andere ethnische Minderheiten: Was hat der Kosovo-Erlass bewirkt? … sbl

Briloner Anzeiger: Das hochkompetente Team möchte “neue Wege” gehen und sucht dafür “Freie Mitarbeiter”. Diese sollen sich aus Schülern, Hausfrauen und junggebliebenen Rentner mit einer gewissen Lust zum Schreiben rekrutieren, die über ihre Nachbarschaft und die sich dort zutragenden Ereignisse berichten … wiemeringhauser

Umleitung: Israelhasser, Verfassungsrichter versus Kraft, Interesse versus Vernunft, Kreise um unsere AKWs, Sufi-Musik in Hagen und das Sauerland als Arche Noah.

Wird (nicht) gemacht! (foto: zoom)
Wird (nicht) gemacht! (foto: zoom)

Duisburg: SPD und Grüne im Bett mit Israelhasser Dierkes … ruhrbarone

„Iudex non calculat“: Die Verfassungsrichter in NRW als Oberökonomen … nachdenkseiten

Interesse versus Vernunft: Faszinierend, wie immer wieder »Klimaskepsis« mit einem generellen Anti-Umweltschutz-Ressentiment zusammen fällt – und Letzteres mit einem anti-sozialen … sprusko

Wieviele Menschen: wären bei einem Störfall eines deutschen AKW im 20-Kilometer-Umkreis betroffen? … zeitonline

Hagen: Klangkosmos Weltmusik. Sufi-Texte aus Indien … doppelwacholder

Der Blogger im Nachbartal holt weit aus: Arche Noah “Sauerland” – bitte lesen … wiemeringhauser

Korrespondentenbericht: In Taiwan hat die Atomkraft-Diskussion gerade erst begonnen

Rhein-Neckar/Taiwan, 17. März 2011. (kor) Seit zwei Jahren berichtet Klaus Bardenhagen als freier Reporter für deutsche Medien aus Taiwan. Von dort verfolgt der Journalist zur Zeit auch die Ereignisse im Nachbarland Japan. Taiwan hat ungefähr die Größe Baden-Württembergs. Der Pro-Kopf-Stromverbrauch liegt 50 Prozent über dem der Deutschen. Drei Atomkraftwerke hat das Land – weitere sind in Planung. Es gibt auch eine “grüne Bewegung” – doch die hat bislang keinen nennenswerten Einfluss.

Von Klaus Bardenhagen

Natürlich ist die Katastrophe in Japan Thema Nummer Eins in Taiwans Medien. Auf der Insel von der Größe Baden-Württembergs gibt es viele Erdbeben und drei Atomkraftwerke, zu denen bald noch ein viertes kommen soll.

Große Betroffenheit in Taiwan.

Die Frage, wie sicher oder unsicher Atomkraft ist, steht hier aber längst nicht so im Mittelpunkt wie in Deutschland. Die Menschen beschäftigt vor allem das Schicksal der Opfer und die Frage, wie sie helfen können.

Demo von taiwanesischen Umweltaktivisten am 17. März 2011. (Klicken Sie auf das Bild für eine größere Darstellung.) Foto: Klaus Bardenhagen

Taiwan war von 1895 bis 1945 japanische Kolonie. Viele Taiwaner fühlen sich dem Land besonders verbunden, eifern seinem Aufstieg nach, lernen Japanisch als zweite Fremdsprache oder übernehmen angesagte Moden und Trends. Umso größer die Betroffenheit angesichts der Verwüstungen.

Zwischen Taiwans Nordspitze und dem Kernkraftwerk Fukushima liegen 2300 Kilometer. Zum Vergleich: Von Stuttgart nach Tschernobyl sind es 800 Kilometer weniger.

Der Wind weht günstig, es wurden noch keine erhöhten Strahlenwerte gemessen, und die allermeisten Taiwaner fühlen sich nicht unmittelbar bedroht. Da mich einige Anfragen von besorgten Deutschen erreichten, habe ich dazu in meinem Blog gepostet. Es ist dort einer der meist angeklickten Einträge.

Taiwan blieb verschont.

In Taipeh war es Freitag Nachmittag, als ich übers Internet zuerst von dem Erdbeben in Japan erfuhr und kurz darauf von der Tsunami-Warnung, die auch für Taiwan galt. Fast auf die Minute genau wurde vorhergesagt, wann die Welle unsere Nordküste erreicht – in etwa zwei Stunden.

Wir in der Hauptstadt würden nicht betroffen sein, das war sicher. Aber in Küstennähe räumten die Behörden Strände, sperrten Straßen und schickten Schüler nach Hause. In Deutschland war es kurz nach neun Uhr morgens, da klingelte das Telefon und eine Kollegin vom NDR bat mich, für den Fall der Fälle bereit zu stehen, wahrscheinlich gebe es am Abend eine ARD-„Brennpunkt“-Sendung.

Für Journalisten bedeuten Katastrophen ja leider Hochkonjunktur. Ich alarmierte eine Video-Produktionsfirma, mit der ich ab und zu zusammenarbeite, packte Notizblock, Kamera und Handy-Ladegerät ein und machte mich auf den Weg zur U-Bahn.

Wie sicher sind die Atommeiler in Taiwan?

Als ich bei den Kollegen ankam, war schon klar, dass Taiwan zum Glück von Schäden verschont blieb. Es war gerade Niedrigwasser, und statt der erwarteten Ein-Meter-Wellen stieg das Meer nur zwölf Zentimeter höher als üblich. Sofort liefen auf allen Nachrichtensendern wieder die Bilder aus Japan, wir mussten nicht aufbrechen, und die ARD-Kollegen haben ihr Programm ohne mich bestritten. Natürlich hätten wir uns nicht selbst in Gefahr begeben.

Noch ist die Umweltbewegung in Taiwan nicht sehr groß – die Umweltprobleme hingegen wachsen. Foto: Klaus Bardenhagen

Am Samstag ereignete sich dann die Explosion im AKW Fukushima, und damit stellte sich auch für Taiwan die Frage: Wie sicher sind die hiesigen Kernkraftwerke?

Schließlich zittert hier die Erde fast so oft wie in Japan. Erst 1999 gab es bei einem schweren Beben mehr als 2300 Tote. Drei Atomkraftwerke sind in Taiwan am Netz, ein viertes ist fast fertig. Alle stehen an der Küste, wo auch die Tsunami-Warnung galt.

Atomstrom hält Taiwans energiehungrige Industrien in Gang. Der Pro-Kopf-Stromverbrauch ist hier 50% höher als in Deutschland, die Regierung hält die Preise künstlich niedrig. Die Anti-Atombewegung hat kaum Einfluss.

Das liege auch an den oberflächlichen Medien, erklärte mir der Chef der hiesigen Grünen. Seine Partei ist nicht im Parlament vertreten. Schade, dass immer erst das Kind in den Brunnen fallen muss, damit sich etwas ändert, sagte er: „Was wir in Taiwan erreichen können, hängt leider davon ab, wie schlimm es in Japan wird.“ Diese Aussage landete natürlich in meinem Text für die Nachrichtenagentur dapd, den ich noch am Samstag absetzte.

Am nächsten Tag sah ich meinen Gesprächspartner mit einigen Mitstreitern auf einer belebten Einkaufsstraße. Mit „Atomkraft – Willst Du das noch immer?“- Schildern und einem Megaphon wandten sie sich an die Passanten, doch die meisten gingen uninteressiert vorbei.

Später fragte ich eine Taiwanerin, ob die Ereignisse in Japan ihr Sorgen machen. Ja, sagte sie: Die armen Menschen. Und: Ob Taiwan bald wohl kein Obst und Gemüse mehr aus Japan importieren kann?

Würde in Taiwan eine Katastrophe passieren, wäre eine Evakuation nicht möglich.

Am Donnerstag dann hatten die Atomkraftgegner einige hundert Unterstützer zusammengetrommelt und protestierten lautstark vor dem Regierungssitz in der Innenstadt. Viele Anwohner aus Gongliao waren darunter, dem Ort an der Nordküste, wo demnächst das vierte Atomkraftwerk den Betrieb aufnehmen soll.

Eine Kette von Polizisten bewachte den Zugang zum Regierungsgebäude, doch alles blieb friedlich. „Überall auf der Welt sorgen sich die Regierungen um die Sicherheit der Kraftwerke“, sagte mir eine Professorin, die seit 15 Jahren in der Umweltbewegung dabei ist. „Nur in Taiwan heißt es immer, kein Grund zur Sorge.“

Mittlerweile aber hat die Diskussion auch Taiwans Politik erreicht. Parlamentsabgeordnete bohrten den zuständigen Minister mit unangenehmen Fragen, bis der einräumen musste: Sollte eine Katastrophe wie in Fukushima in einem der weniger als 30 Kilometer von Taipeh entfernten Kraftwerken ereignen, gibt es keine Pläne, um die sieben Millionen Einwohner des Großraums rund um die Hauptstadt zu evakuieren.

Und auch die Zuständigkeiten der Behörden bei einem kombinierten Erdbeben-Kernkraft-Unglück seien ungeklärt. Da in weniger als einem Jahr wichtige Wahlen anstehen, wird die Kernkraft-Diskussion uns in Taiwan wohl noch eine Weile begleiten.

Reißerische Meldungen in Deutschland vs. ausgewogene Berichterstattung.

Auf dem Laufenden über die Lage in Japan halte ich mich vor allem über Online-Medien und Twitter, das mehr und mehr zur unverzichtbaren und vor allem blitzschnellen Info-Quelle für Journalisten wird.

Gutes setzt sich dabei durch, so meine Erfahrung. Kaum veröffentlichte etwa die britische Zeitung Guardian einen besonnenen Text, der Strahlungswerte ins Verhältnis setzt, leiteten verschiedene Twitter-Kontakte den Link kommentiert weiter.

Während ich und andere im Ausland tätige Kollegen den Eindruck haben, dass einige deutsche Medien bevorzugt reißerisch berichten und ständig neue Katastrophenmeldungen produzieren müssen, heben sich etwa der Guardian oder die New York Times durch unaufgeregte und fundierte Berichte positiv ab.

Info:

Taiwan-Reporter Klaus Bardenhagen. Foto: KB

Klaus Bardenhagen berichtet als taiwanreporter.de aus Taiwan und anderen Ländern der Region. Er schreibt für Print- und Onlinemedien, arbeitet für Radiosender und dreht Fernsehbeiträge als Videojournalist.

Aus Taiwan berichtet er über Menschen, die Chinesisch sprechen und demokratisch wählen, über eine Gesellschaft, die vor vielen ähnlichen Herausforderungen steht wie Deutschland, und über ein Land, das vom Westen noch zu entdecken ist.

Klaus Bardenhagen, Jahrgang 1976, hat beim Norddeutschen Rundfunk volontiert. Danach war er Autor und Reporter in der Wirtschaftsredaktion des NDR-Fernsehens sowie Nachrichtenredakteur beim ZDF.

Dieser Text ist uns vom http://rheinneckarblog.de zur Verfügung gestellt worden, das wie unser redaktionelles Angebot zum Netzwerk http://istlokal.de gehört.

Aus welchem Grund druckt die Westfalenpost ein inhaltsleeres Interview ab?

Die Westfalenpost(WP) hat für das Hochsauerland verschiedenen Ausgaben. Wenn ich beispielsweise die Winterberger Ausgabe lese, kann ich nicht alles über Bestwig oder Schmallenberg erfahren, obwohl diese Gebiete in MEINEM Wahrnehmungsbereich liegen.

Durch Zufall höre ich dann trotzdem ab und an, dass dieser oder jener Artikel in der und der Ausgabe erschienen seien.

Gestern habe ich mich antizyklisch zur Lesegebietseinteilung der WP nach Meschede bewegt und dort in einem kleinen Eck-Cafe die Mescheder Ausgabe gelesen.

Auf einem halbseitigen Interview mit dem Vositzenden der Jungen Union Bestwig blieb mein Auge ruhen, denn ich bin sehr daran interessiert, wie junge Konservative ihre Politik und ihre Motivation erklären.

Drei Schlucke Kaffee und zwei Bissen in ein wunderbar belegtes Brot später, musste ich leider feststellen, dass das gesamte Interview eine einzige Luftnummer war und gedruckt immer noch ist und bleibt.

In der Einleitung schreibt der Autor großspurig:

„Die Junge Union in Bestwig geht nach langer Pause unter der Führung ihres neuen Vorsitzenden, Christian Péus, wieder ans Werk. Unsere Zeitung sprach mit ihm über seine Motive und die politischen Ziele der JU.“

Ganz abgesehen davon, dass eine Zeitung nicht sprechen kann, wird in dem Interview nichts, aber auch gar nichts über die Motive des Jungpolitikers  und die politischen Ziele der Jungen Union erfragt.

Kostprobe „Motive“:

„Frage: Was hat dich letzen Endes dazu veranlasst, dich für die JU ins Zeug zu legen?

Péus: Ich finde auch die Meinung junger Leute ist in der Kommunalpolitik wichtig. Schließlich geht es um unserer Gemeinde und um unsere Zukunft.“

Kostprobe „politische Ziele“:

„Frage: Welche politischen Ziele habt ihr euch für die politische Arbeit in Bestwig gesetzt?

Péus: Wir sind ja alle noch sehr jung. Daher wollen wir uns erst mal informieren über unsere Gemeinde und die Kommunalpolitik. Dann werden wir uns aber auch zu bestimmten Themen äußern und versuchen mitzugestalten.“

Die Sprechblasen diese Interviews hätte man ebenso gut einem Juso, Juli, Grünen, Roten oder wem auch immer unterschieben können.

Es hätte keinen Unterschied gemacht.

Da steht nix drin, da kommt nix bei raus, das hat keinen Wert.

Frage: Warum druckt die WP derartig nichtssagendes Zeugs ab?

Mögliche Antwort: Manchmal stümpern wir halt herum und manchmal sind es auch Gefälligkeitsübungen.