Blick vom Balkon. Die Tage werden kürzer. Melancholie schleicht sich ein. (foto: zoom)
Der Sommer dreht noch einmal auf. Die Abende auf dem Balkon werden erneut milder.
Eine gute Zeit, um beim Sonnenuntergang still den eigenen Gedanken nachzuspüren oder sich in Gesprächen zu verlieren.
Heute sind wir bei Quentin Tarantino hängen geblieben. Filme, Schauspieler, kreuz und quer zu anderen Regisseuren. Die Bedeutung von Ironie. Hinter der Gewalt. „The Hateful Eight“ war mein letzter Tarantino – „Pulp Fiction“ mein erster.
Eigentlich wollte ich nicht, aber jetzt werde ich doch „Once Upon A Time In Hollywood“ gucken. Winterberg, Hamburg, Kassel, Marburg oder Köln. Irgendwo in dieser Nähe. Whatever comes first.
Zuerst hat mich das Bild links der Skulptur interessiert, dann haben mich die Disproportionen von Adam und Eva verstört. (foto: zoom)
Die Hamburger Kunsthalle habe ich viele Jahre lang nicht besucht. Mich hat stets das benachbarte (Projekt-)Museum für Kunst & Gewerbe mehr interessiert und gefesselt als die Gemäldesammlung der Kunsthalle.
Der Grund muss in meiner Bildungsgeschichte verborgen sein, aber in diesem Jahr habe ich mich getraut und es nicht bereut.
Es kostet ein paar Euronen, die Kunsthalle betreten zu dürfen. Im Normalfall 14 € plus 4 € für den Audioguide, den ich mir dieses Mal gegönnt habe; also insgesamt soviel wie eine Langspielplatte oder ein Buch oder ein Essen ohne Trinken.
Der Raum mit den Bildern und der Skulptur von Max Beckmann hat mich etwas länger beschäftigt. Warum ist diese Eva so klein in der Hand von Adam? Und die Schlange?
Auf der Museumswebsite lese ich: „Das Motiv Adam und Eva hatte er bereits 1907, 1917 und 1932 in drei Ölbildern behandelt. Während darin die ersten Menschen als gleichwertige Partner erscheinen, zeigt die Plastik einen massigen, merkwürdig starren Adam auf einem schmalen Hocker sitzend. Er hält die kindliche Frau schützend in einer Hand, während die Schlange sich zwischen den Schenkeln hindurch um seinen Körper schlingt und von der Schulter herab auf Eva blickt. Beckmann zeigt die Akteure in rätselhafter Verstrickung, und wie so häufig verbindet er die Beziehung zwischen den Geschlechtern mit den Themen Eros, Schuld und Abhängigkeit.“
„Das in der Malerei selten dargestellte Thema beschäftigte Beckmann im langjährigen Exil in Amsterdam, wohin er sich 1937 aus Berlin begeben hatte. Homer schildert, wie der Held Odysseus auf seiner Rückfahrt von Troja Schiffbruch erleidet und auf einer Insel strandet. Hier verliebt sich die Nymphe Kalypso in ihn und verspricht ihm Unsterblichkeit, wenn er bei ihr bleibe. Odysseus schlägt das Angebot aus, da er zurück in die Heimat will. Erst nach sieben Jahren kann er mit Hilfe von Zeus den Ort verlassen. Gleich einer Fessel windet sich die Schlange um Odysseus’ Bein und hindert ihn ebenso am Fortgehen wie die schöne Frau, die ihn umfängt und deren üppige Weiblichkeit symbolhaft durch die Katze noch verstärkt wird. Doch bleibt die Darstellung ambivalent, denn der Held scheint sich in die Situation zu fügen, seine Haltung wirkt entspannt. Im Kleid des antiken Epos thematisiert Beckmann die Verführungskraft der Frau und die Beziehung zwischen den Geschlechtern.“
Man kann sich auf der Hochheide verirren. Lesen hilft. (foto: zoom)
Gestern war ein angenehmer Spätsommertag. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Die Blaubeeren auf der Hochheide sind reif. Zeit für einen 10-Kilometer-Spaziergang von der Hochheide Hütte oberhalb von Niedersfeld zum Ettelsbergturm in Willingen und zurück.
Die Hochheide ist ein angenehmer Ort. Das empfanden anscheinend zahlreiche Blaubeersammler*innen, Mountainbiker*innen sowie Menschen genauso wie wir, die wir einfach nur gingen.
In und um Siggis Hütte tranken sich die Willinger Partywütigen mit Schnaps, Wein und Bier in Feierlaune oder was sie dafür hielten. Unter Absingen deutscher Volkslieder („Wir lagen vor Madagaskar …“) schleppten sich Splittergruppen auf die Rundwege um den Ettelsberg.
Trotzdem oder gerade deswegen waren die restlichen 4,7 Heide-Kilometer zwischen Niedersfeld und Willingen ruhig und entspannend. Wer sich bei Siggi abschießt, schafft es nicht mehr in die Blaubeeren.
Wir haben den Ettelsbergturm erklommen – wahlweise Aufzug oder Treppen – , die Aussicht über Hessen und Nordrhein-Westfalen genossen und ein Eis gegessen.
Für 15 Euro kann man den Ettelsbergturm sogar hochklettern. Abseilen kostet 20 Euro. (foto: zoom)
Im Gegensatz zum Astenturm in Winterberg waren die Toiletten und der Aufzug am Ettelsbergturm kostenlos.
Im späten Nachmittagslicht sind wir zurück zur Hochheidehütte gewandert. Komischerweise hatten wir in beide Richtungen das Gefühl, es ginge vornehmlich bergauf.
Die große Enttäuschung kam zum Schluss: „wegen renovierungsarbeiten [sic!]“ geschlossen. Kein Kaffee und kein Kuchen.
Die Hütte sah überhaupt nicht renovierungsbedürftig aus, und welcher Betreiber schließt während der Sommerferien- Blaubeer- Hochsaison?
Ich habe am späten Abend „herumgefragt“ aka „recherchiert“.
Fakt scheint zu sein, dass der Pächter wegen Unstimmigkeiten mit dem Besitzer aufgehört hat. Kein Pächter, keine Bewirtschaftung. Die weiteren Details gehören in den Bereich Dorfklatsch.
Der Maler hatte die mit Eisschollen bedeckte Elbe sehr genau studiert. (foto: zoom)Als ich am Dienstag meinen bildungsbürgerlichen Horizont in der Hamburger Kunsthalle zwischen Alten Meistern und Moderne erweiterte, sah ich das Cover einer meiner Langspielplatten an der Wand hängen.
Gut geklaut. Der Mann ist also auch heute noch, nicht nur mit diesem Bild, anschlussfähig.
Frage: Wer hat die Cover-Illustration für welche Band geliefert? Ok, anders herum: Wer hat sich das Bild für sein Postpunk-Album geklaut?
Tipp: Im Blog habe ich ca. 2015 die Musikgruppe mit einem Bild aus Travemünde in Verbindung gebracht.
In der Ausstellung „Social Design“ ist mir dieses Bild mit dem ironischen Spruch aufgefallen. (foto: zoom)
Wenn ich in Hamburg bin, ist der Besuch des Museums für Kunst und Gewerbe Pflicht. Unter dem Dach des MKG werden fortlaufend parallele Einzelausstellungen kuratiert.
Da ich zur Zeit nur das Mäuseklavier meines Tablets zur Verfügung habe, halte ich mich mit längeren Beschreibungen stark zurück. Klickt auf die verlinkten Museums-Seiten.
Nur zwei Bemerkungen: beim Social Design haben mich am meisten die Zukunftskonzepte für die heutigen und kommenden Mega-Citys interessiert, denn der Trend zur Urbanisierung wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter verstärken.
Was Wolfgang Schulz und die von ihm 1977 bis 1985 herausgegebene Zeitschrift „Fotografie“ angeht, bin ich teilweise ratlos, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich die „Fotografie“ damals wahrgenommen habe.
Die Fotografien und Fotografen, leider nur wenige Fotografinnen, sollte man sich in Ruhe anschauen.
Heute in der Rückschau ist die „Fotografie“ DAS interessante Projekt, was sie damals schon war.
Mehr, wenn ich das Mäuseklavier durch eine ordentliche Tastatur ersetzt habe.
Dieses glückliche Paar begrüßte mich gestern an der L 742 in Brunskappel. (foto: zoom)
Gestern ist mir auf meiner kleinen Sonntagsradtour nach Meschede dieses glückliche Strohpärchen in Brunskappel begegnet.
Ich sauste gerade mit sehr viel Schwung durch unseren Nachbarort und zögerte mehr als einen Moment bevor ich bremste. Fahrrad abgestellt, Kamera aus der Satteltasche gezogen und auf die „Schlossseite“ der Straße gegangen, um zu fotografieren.
Ein Mann und eine Frau aus Strohballen. Die Frau trägt eine goldene Krone, der Mann eine rote Krawatte.
Vielleicht hat die Installation mit dem diesjährigen Schützenfest zu tun? Aber warum hat der Schützenkönig keine Krone?
Weder auf der Facebookseite noch auf der Website des Schützenvereins habe ich ein ähnliches Bild gefunden.
Bis mir jemand das Gegenteil beweist, behaupte ich einfach: Die beiden stehen vor dem Haus der neuen Schützenkönigin.
Die rechte Flanke des Winterberger Rathauses im Abendlicht (foto: zoom)
Da saßen wir heute zufällig zusammengewürfelt und unterhielten uns über Dit und Dat, wir Experten vom Dorfe. Alles war gut, bis ein weiterer Experte hinzu kam und eine beiläufige Frage in die Runde warf: „Kennt ihr schon die Bürgermeisterkandidaten?“
Werner Eickler (CDU) wolle nicht noch einmal kandidieren, und wer könnte der nächste CDU-Kandidat sein? Ob es einen gebe, dem man es zutrauen würde?
Und die SPD? Wer soll es machen? Vielleicht holen die jemanden von außen, so wie den Brodel in Sundern.
Keine Ahnung – wir Experten; ganz abgesehen von der Tatsache, dass wir ganz selbstverständlich eines nicht in Betracht zogen: eine Bürgermeisterin.
Erweitern wir also unseren männlichen Blick und stellen die Frage, ob es eine oder gar zwei Kandidatinnen aus beiden Parteien geben könnte, die das Zeug hätten, die Wählerinnen und Wähler zu begeistern?
Es wird bei der BürgermeisterInnen-Wahl im Herbst 2020 keine Stichwahl mehr geben. Der Kandidat oder die Kandidatin mit der einfachen Mehrheit der Stimmen wird gewonnen haben. Die jetzige CDU/FDP-Landesregierung hat das Wahlgesetz entsprechend geändert.
Parteiübergreifend konnten wir für die CDU den Idealkandidaten aus der Tasche ziehen: Thomas Grosche. Bedauerlicherweise ist er schon Bürgermeister von Medebach.
Wie dem auch sei, wir sind nicht weitergekommen. Also schreibe ich als erstes einen spekulativen Blog-Artikel. Erledigt.
Der Abendhimmel von der Allenbergstraße aus gesehen (foto: zoom)
Gute Nacht und nur kurz angemerkt. Bin heute mit dem alten Tamron Zoom (18-200) auf der Kamera durch den Ort geschlendert, um zu sehen, ob es wirklich so viel schlechter ist als meine Nikon Objektive.
Nun ja, es kommt darauf an, was man fotografiert. Manchmal reicht es, manchmal nicht.
Gleich will ich vor allen Dingen „1984“ zu Ende bringen. Ich habe diese Dystopie von George Orwell schon mehrmals gelesen. Das erste Mal als Jugendlicher schnell an einem Abend. Danach habe ich immer länger gebraucht und jetzt sind es schon mehrere Wochen, die ich Seite für Seite kurz vor dem Einschlafen mit Winston Smith verbringe.
Ein bis zwei Seiten haben gereicht, um mich bis in die Träume zu beschäftigen. Heute Abend geht es dem Ende zu, und das werde ich „wie früher“ in einem Rutsch lesen.
Ich finde „1984“ hart zu ertragen, weil der Roman seit seiner Erstveröffentlichung vor 70 Jahren nichts von seiner „Aktualität“ und Schärfe verloren hat.
Doublethink, Newspeak, Ignorance is Strength, War is Peace … später (vielleicht) mehr.
Ich höre an dieser Stelle auf, denn gleich muss Smith im dritten und letzten Teil in den „Room 101“.
Tauberbischofsheim gilt als romantisch, mir gefällt die Pflastersteinwüste nicht. (foto: zoom) Unsere skizzenhaft geplante Radtour hat sich zu einer Kombination von Flussauf- und -abfahrten entwickelt.
Namenlose, Orke, Eder, Fulda, Sinn, Main, Tauber … mal runter, mal hoch.
Als sich heute die Tour de France von Limoux nach Prat d’Albis bei Foix quälte, rollten wir gemütlich mit Rückenwind das Taubertal nach Bad Mergentheim hinauf. Die Windrichtung ist wichtiger als die Frage, ob es hoch oder runter geht.
Gestern mainabwärts mit Gegenwind – eine Quälerei.
Der Kompass zeigt grob Richtung Nördlingen, aber wir sind zu spontanen Planwechseln bereit, zumal, wenn wir den Wetterberichten trauen, eine neue „Horrorhitzewelle“ auf uns zurollt.
Vielleicht vegetieren wir dann tagelang in einem bayerischen oder schwäbischen Freibad vor uns hin: 1000 m schwimmen, Kaffee, 1000 m schwimmen, Eis, schwimmen, Schatten und am Ende Weißbier.
Bad Mergentheim hat uns ein wenig verstört. Wo immer wir auch saßen, unterhielten sich zwei oder drei Kurschatten über ihre körperlichen und psychischen Macken.
Der Kurpark ist riesig und lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Die Kurkapelle spielte schluchzende Weisen – „morgens Fango abends Tango“.
Wir hörten und schauten uns im Publikum um, und wir alterten binnen fünf Minuten um 20 Jahre.
Morgen früh allerdings sind wir wieder jung und treten in die Pedalen. Tauberaufwärts, der Hitze trotzen.