Straßenrestaurant Eberts: In Kassel kann man gut leben. Der Vordere Westen erinnert mich an Hamburg-Winterhude. (foto: zoom)
Ein paar Tage war das Blog verwaist. Die Gewitterzellen krochen über’s Land, aber eigentlich überwog das schöne Wetter. Wir haben uns -aus Gründen- in Kassel herumgetrieben.
Das Grundthema lautete „Zimmer streichen und einrichten“, und wer arbeitet, darf auch ein wenig abhängen. Das Straßen-Café und Restaurant Eberts haben wir sehr entspannt genossen.
Irgendwas mit Nudeln, Weizenbier und Grauburgunder, Abendsonne und Wärme. Draußen sitzen, Leute gucken und in der Anonymität der Stadt aufgehoben sein.
Der Vordere Westen hat mich an meine Zeit in Hamburg und vor allem an Winterhude (damals) erinnert. Die Turbo_Gentrifizierung wird schon noch kommen, aber bis dahin: genießt es.
Kasseler Ansichten en passant fotografiert. (fotocollage: zoom)
Die Bilder vom renovierten Zimmer (wir sind ja so stolz!) interessieren kein Schwein. Das kennt man ja. Mussten viele von uns durch.
Stattdessen habe ich in den Hinterhof geguckt, eine Tasse Nescafé in der Hand. Ich wollte sofort wieder Student werden, in einer Altbauwohnung im Vorderen Westen beim Blick auf …
Beim Blick in den Hinterhof konnte ich sofort einige Studienrichtungen auspendeln. (foto: zoom)Würde man das wirklich noch einmal wollen? Alles zurück auf die Null? Mmhhh … klar, wenn es denn das Wissen von heute gratis dazu gäbe.
Ist aber nicht. Leider. Keine Null.
Das Leben verläuft in Spiralen und an manchen Krümmungen begegnet man seinen Kinder oder sieht sie aus der Ferne, mit Freude und mit Melancholie, und ich freue mich zum Schluss über das Graffito in der Nähe des Bebel[sic!]-Platzes. Ein Graffito, das ich mögen muss. Kassel – auch eine Liebe. (foto: zoom)
Der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese (foto: SPD)
Die SPD hat eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte in den Sprach- und Integrationskursen durchsetzen können. Ein Schritt der längst überfällig war, erklärt der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese.
(Pressemitteilung der SPD im Hochsauerlandkreis)
Die Lehrkräfte in den Sprach- und Integrationskursen leisten einen elementaren Beitrag zum Gelingen der Integration von Flüchtlingen. Nur wenn diese angemessen bezahlen werden, wird es ausreichend qualifiziertes und interessiertes Personal geben. Deshalb hat die SPD-Bundestagsfraktion jetzt mit einem Beschluss im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages eine Mindestvergütung von 35 Euro pro Stunde sicherstellen können.
In diesem Jahr werden wir mehr als doppelt so viele Sprach- und Integrationskurse bereitstellen. Dazu brauchen wir ausreichend Lehrer, die einen fairen, gerechten und auch motivierenden Lohn für ihre Arbeit erhalten. Mit einer Verbesserung der Lehrkräftevergütung haben wir einem potenziellen Lehrkräftemangel frühzeitig entgegengewirkt, erklärt Dirk Wiese, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Hochsauerlandkreis. Die bislang in dem Bereich gezahlten Gehälter reichen bei Weitem nicht aus, um genügend qualifiziertes Personal anzuwerben. Bereits seit Langem weist die SPD auf diesen Umstand hin. Endlich haben wir jetzt eine deutliche Verbesserung stark machen können, freut sich der Abgeordnete Wiese.
Der Einsatz der SPD zahlt sich jetzt aus. Die SPD konnte mit dem Koalitionspartner einen Beschluss im Haushaltsauschuss herbeiführen, der das Bundesinnenministerium ermächtigt, den Kostenerstattungssatz für die Integrationskurse auf bis zu 4,00 Euro pro Teilnehmer und Unterrichtseinheit zu erhöhen. Mit diesem erhöhtem Kostenerstattungssatz soll eine Mindestvergütung der Lehrer von 35 Euro pro Unterrichtseinheit garantiert werden.
Der heimische SPD-Abgeordnete, Dirk Wiese, erklärt dazu: „Das Innenministerium muss in Zukunft sicherstellen, dass die entsprechenden Anbieter der Kurse diese Mindestvergütung auch an die Lehrkräfte auszahlen. Um eine effiziente und effektive Aufgabenerledigung in diesem wichtigen Teilbereich der Integration zu erreichen, fordern wir die Bundesregierung auf, eine wirkungsvolle Gesamtstrategie für die verschiedenen Maßnahmen der Sprachförderung zu entwickeln und fortlaufend deren Wirksamkeit zu überprüfen“. Und er fügt hinzu: „Integration fängt beim Erlernen der Sprache an und kann nur gelingen, wenn dafür gute Lehrerinnen und Lehrer bereitstehen“.
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Aktuelle Informationen vom Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese sowie über die SPD im Hochsauerland befinden sich im Internet unter www.dirkwiese.de und unter www.hsk-spd.de
Mülheim. (gew_pm) Die Kritik an der Umsetzung der Inklusion an den Schulen in NRW reißt nicht ab. Mit der „Mülheimer Erklärung“ wenden sich jetzt die Bildungsgewerkschaft GEW und die Lehrerverbände VBE, Philologenverband und der Verband Sonderpädagogik NRW e.V. an die Öffentlichkeit und fordern zu „einer modifizierten Umsetzung des begonnenen Weges“ auf.
Stein des Anstoßes sind die unzureichenden aktuellen Rahmenbedingungen: „Die Unzufriedenheit bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften aller Schulformen nimmt zu“, heißt es in der Erklärung.
„Es bleibt dabei. Die Schulen brauchen mehr Lehrerstellen für die sonderpädagogische Förderung, kleinere Klassen, ein erweitertes Angebot für Fortbildungen und Supervision und mehr und bessere Räumlichkeiten für ein differenziertes pädagogisches Arbeiten. Nur so können die Qualität des gemeinsamen Lernens und die Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte verbessert werden“, forderte Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, und verweist auf die zentrale Botschaft der „Mülheimer Erklärung“: „Qualitätssicherung und notwendige Ressourcenausstattung sind unverzichtbar für eine gelingende inklusive Schulentwicklung.“
Die GEW fordert seit Beginn des Inklusionsprozesses eine verlässliche Doppelbesetzung aus Regelschul- und Förderschullehrkraft für die Klassen des gemeinsamen Lernens. Keine Klasse solle mehr als 20 Schüler umfassen, davon maximal fünf mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf.
GEW-Onlineumfrage zur Inklusion
In einer von der GEW in Auftrag gegebenen repräsentativen Onlineumfrage unter Schulleitungen aller Schulen in NRW forderten 75 Prozent der befragten Schulleitungen der allgemeinen Schulen mehr Stellen für sonderpädagogische Unterstützung. 53 Prozent dieser Schulleitungen halten eine zusätzliche Stelle und weitere 28 Prozent zwei zusätzliche Stellen für notwendig, um gute Arbeit im Gemeinsamen Lernen leisten zu können.
80 Prozent der Schulleitungen hatten sich für eine zentrale Anlaufstelle für Inklusionsfragen vor Ort ausgesprochen, immerhin 64 Prozent der Befragten vermissten praxisorientierte Fortbildungen.
Ergebnisse der Onlinebefragung und weitere Informationen finden Sie hier: www.inklusion.gew-nrw.de
Die geplanten Schulschließungen von drei Standorten in den Stadtgebieten Winterberg (Verbundschule Siedlinghausen), Medebach (Gymnasialstandort) und Hallenberg (Verbundschule) hätten die Emotionen in der Winterberger Ratssitzung „hochkochen“ lassen.
Bürgermeister Werner Eickler habe ganz ausdrücklich betont:
„Nicht die Ratspolitik entscheidet über diese Schließungen, sondern die Gesellschaft und die zurückgehenden Geburtenraten. Wer diese Tatsache negiert, handelt populistisch.“[2]
Die Diskussion sei, so Eickler laut WP, von der Bezirksregierung angestoßen worden, nicht von den Städten.
Brauchen wir dann eigentlich noch einen Rat oder politische Gremien oder gar einen Bürgermeister, wenn „die Gesellschaft“ und „die „Geburtenraten“ sowieso alles entscheiden?
Wie schaffen das diese Chimären namens „die Gesellschaft“ und „die Geburtenraten“, Entscheidungen zu treffen? Ich kann mich nicht daran erinnern, sie je gewählt zu haben.
Der demokratisch gewählte Bürgermeister baut einen Popanz auf, gewissermaßen einen Zeitgeist, der mit unsichtbarer Hand die kommunale Politik lenkt.
Welche Rolle spielt in solch einem Szenario der Bürgermeister? Welche Rolle spielt der demokratisch gewählte Rat, wenn er nicht entscheiden kann?
Im Übrigen ist es doch egal, von wem die Diskussion über die Schullandschaft in Winterberg, Medebach und Hallenberg angestoßen wurde. Die Öffentlichkeit und die demokratischen Gremien müssen diese Diskussion aufnehmen.
Dafür benötigen die Bürgerinnen und Bürger allerdings Informationen darüber, welche Möglichkeiten der Gestaltung der Schullandschaft es gäbe.
Winterberg ist nicht die einzige Stadt, die sich der Dynamik der Schulentwicklung stellen muss. Das passiert zur Zeit allerorten.
In meiner alten Heimat am Niederrhein hat beispielsweise ein Gutachter vier Varianten vorgelegt. Die werden jetzt heiß und innig diskutiert, aber „Entscheiden wird am Ende die Politik.“[3]
Climate change: April breaks global temperature record, marking seven months of new highs … guardian
Michael Blume in Natur des Glaubens: Deutsch, atheistisch, türkeistämmig – Web-Interview mit Cem Erkisi … scilogs
Die langsame Rückkehr des Diktators: Porfirio Díaz ist ein Bösewicht der Geschichte,[2] dessen Erscheinungsbild in der Gegenwart äußerst erfolgreich rehabilitiert wurde. Díaz war ein Diktator … publicHistory
Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft: Erinnerung und Verdrängung zugleich … Geschichte ist
Masterarbeit von Charlotte Jahnz, Kapitel I, Einleitung: Ich hatte ja etwas versprochen und da ich in nicht allzu ferner Zukunft mit Moritz zur MA podcasten werde, gibt es heute schon mal die Einleitung (bei der die Quelle mir einen wunderbaren Scherz erlaubte) … CharlotteJahnz
Ethische Säuberung: Dass eine deutsche Staatsbürgerin mit kurdischem Migrationshintergrund dem Landtag von Baden-Württemberg als Präsidentin vorsteht, nennt die AfD-Abgeordnete Christina Baum einen Beweis für die Islamisierung des Abendlandes und den Genozid am deutschen Volk … zynaesthesie
NSA-Skandal: „The Intercept“ öffnet das Snowden-Archiv … zeit
Interview zu Störerhaftung und Abmahnungen: „Wir haben ein Problem mit der Anwendung des Gesetzes durch unsere Gerichte“ … netzpolitik
Rechte Talkshowgäste: Wie Pyromanen in der Streichholzfabrik … spiegel
Dinslakens Menschen: bewegte in der 19. Woche 2016: Schatzkammer-Bau, Stadthalle, Bauzaun, WLAN gestartet, Asphalt am Sonntag, Lohberg100, Mein Tipp, Rückblick … andreashaab
63. Volksradfahren in Mülheim an der Ruhr: eine Collage aus Bildern der 25km-Tour beim 63. Volksradfahren in Mülheim an der Ruhr zu Christi Himmelfahrt 2016 … wahlheimat.ruhr
Filmfestival zur Zukunft der Arbeit im Dortmunder U: Zur Eröffnung kommt Bundesministerin Andrea Nahles … nordstadtblogger
Spannender Vortrag zu Hagens Nachkriegsgeschichte: Warum gab es viele alte Nazi-Seilschaften in Hagen nach dem Krieg? Eine der spannenden Fragen, die am Mittwoch in einer Diskussion zur Nachkriegszeit in Hagen beleuchtet werden … doppelwacholder
Rechtsruck auch in der HSK-CDU? Was für die SPD der “Seeheimer Kreis”, ist für die CDU/CSU der “Berliner Kreis”. Aus beiden (noch) großen Bundestagsfraktionen haben sich jeweils als konservativ bekennende Abgeordnete zu solch einem “Kreis” zusammengeschlossen … sbl
Siedlinghausen – „Schließung ohne Not“: Offener Brief von ehemaligen Lehrerinnen und Lehrern zur befürchteten Schulschließung … derwesten
Der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese lädt zum Besuch nach Berlin ein. (foto: spd)
Meschede/Berlin. (spd_pm) Nachwuchspolitikerinnern und Nachwuchspolitiker gesucht! SPD-Bundestag lädt Jugendliche zum Zukunftsdialog in den Bundestag ein.
Wer Politik macht, hat die Chance etwas zu verändern! Verändere auch du was und nimm am Wettbewerb zum Planspiel 2016 der SPD-Bundestagsfraktion teil. Beantworte folgende Frage in einem kurzen Artikel und werde zum Nachwuchspolitiker:
„Wie soll das Sauerland im Jahr 2030 aussehen? Was muss vor Ort besser bzw. anders werden?“
Dem Autor oder der Autorin mit dem besten Essay winkt die Teilnahme am Planspiel Zukunftsdialog 2016 in Berlin. Dirk Wiese bittet daher alle Interessierte aus dem Hochsauerlandkreis ihren Beitrag an das Wahlkreisbüro Meschede, Winziger Platz 12 zu schicken (per Post oder via Email).
Seit 2012 lädt die SPD-Bundestagsfraktion politikinteressierte Jugendliche ein, sich für das Planspiel in Berlin zu bewerben. „Auch dieses Jahr bietet das Planspiel jungen Menschen eine einmalige Chance an, den Politikbetrieb hautnah zu erleben und eigene Ideen einzubringen, “ sagt der SPD-Abgeordnete Dirk Wiese aus Brilon. Die SPD zeigt mit ihrem Angebot, wie Politik funktioniert und wie eine Fraktion im Deutschen Bundestag arbeitet: Wie läuft eine Fraktionssitzung ab, wie entsteht ein Antrag in einer Arbeitsgruppe, wie kann ich meine Positionen in der Fraktion durchsetzen?
Das Planspiel Zukunftsdialog ist eine spielerische und zugleich realistische Simulation der Arbeit der SPD-Bundestagsfraktion. „Ziel ist es, jungen Menschen einen Eindruck von der Arbeit einer Fraktion im Deutschen Bundestag zu vermitteln.“, so Dirk Wiese. Drei Tage lang werden rund 100 Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende aus ganz Deutschland in die Rolle der Abgeordneten schlüpfen und über politische Zukunftsfragen diskutieren.
Die Nachwuchspolitiker tagen Mitte Oktober in den Gebäuden des Deutschen Bundestages. Hier entwickeln sie gemeinsame Konzepte zu verschiedenen Politikbereichen wie Wirtschaft, Integration oder Familie. In eigenen Fraktions- und Arbeitsgruppensitzungen erarbeiten, debattieren und verabschieden die Jugendlichen eigene Anträge zu aktuellen politischen Themen wie Bildung, Familien- oder Arbeitsmarktpolitik. Die erarbeiteten Ergebnisse werden anschließend den „echten“ Abgeordneten der Fraktion vorgestellt und gemeinsam diskutiert.
Abgerundet wird das viertägige Programm durch eine Stadtführung, eine Führung durch den Deutschen Bundestag und natürlich viele Möglichkeiten zu Treffen und Gesprächen mit den Abgeordneten der SPD.
Wenn du Lust hast an dem Planspiel teilzunehmen, zwischen 16 und 20 Jahre alt bist und vom 16. bis 18. Oktober 2016 Zeit hast drei Tage nach Berlin zu kommen, dann bewirb dich jetzt um einen Platz! Die Wettbewerbsfrist endet am 31. Juli 2016
Deine Anmeldung erfolgt über das Wahlkreisbüro in Meschede. Das Wahlkreisbüro kann entweder via Email dirk.wiese.ma02@bundestag.de oder auch telefonisch unter 0291-99 67 13 erreicht werden. Hier kannst du auch Fragen bezüglich des Planspiels Zukunftsdialog 2016 stellen. Weitere Informationen sind unter www.spdfraktion.de/planspiel abrufbar.
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Aktuelle Informationen vom Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese sowie über die SPD im Hochsauerland befinden sich im Internet unter www.dirkwiese.de und unter www.hsk-spd.de
Buchautor Georg Milzner: Bitte keine digitale Hysterie. (foto: detlef traebert)
Das Interview mit Georg Milzner wurde anlässlich der didacta 2016 geführt. Wie die Rezension des Buchs ist es bereits in der Mai-Ausgabe von „Humane Schule“ erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber.
Das Interview gehört mit zur unten veröffentlichten Rezension. Einfach Scrollen oder hier klicken.
(GM = Georg Milzner, DT = Detlef Träbert)
DT: Herr Milzner, Ihr Buch „Digitale Hysterie“ erklärt, warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen. Ist das eine Reaktion auf die Veröffentlichungen von Prof. Manfred Spitzer?
GM: Da in der heutigen Zeit die Tendenz besteht, Dinge in Ecken zu stellen, besteht schon die Gefahr, als Anti-Spitzer wahrgenom-men zu werden. Aber das ist nicht meine Ab-sicht. Ich finde nur, dass Spitzer eine generell ablehnende Position repräsentiert, die sich we-nig mit dem auseinandergesetzt hat, was die Heranwachsenden so faszinierend finden.
DT: Spitzer hat die psychologische Ebene gar nicht berührt. Er argumentiert nur als Hirnforscher und technologisch.
GM: Er argumentiert, man könne naturwissenschaftlich belegen, dass die Digitalisierung nur schadet. Das wäre das erste Mal in der Evo-lution, dass eine Sache ausschließlich schadet. Er lässt außer Acht, dass wir zweifellos Dinge verlieren würden, wenn wir nur noch digital unterwegs wären, wie das bei jeder Kompetenzausbildung ist, wenn man andere Dinge dafür vernachlässigt. Aber von einem Intelligenz-verlust kann man nicht sprechen, denn die Intelligenz der Gamer ver-lagert sich ja nur und verschwindet nicht. Spitzer negiert völlig, dass die ganze Hirnforschung und ihre bildgebenden Verfahren ohne Digitali-sierung überhaupt nicht funktionieren könnten. Insofern hat das ein bisschen was davon, als ob man eine Anti-Alkohol-Veranstaltung mit Freibier aufwertet.
DT: Was hat Sie neben Spitzer eigentlich dazu gebracht, „Digitale Hysterie“ zu schreiben. Waren es Ihre Kinder?
GM: Genau die! Meine Kinder liegen altersmäßig ungefähr ein Jahrzehnt auseinander. Bei den Größeren, die jetzt zu studieren begonnen haben, war das noch eine eher zurückhaltend geführte Diskussion. Der Kleinere, der jetzt elf ist, der wurde mitten in diese hysterisierte Debatte und gleichzeitig in faszinierende neue Räume hinein geboren.
Als Bewusstseinsforscher bin ich gewohnt, nichts zu kritisieren, was ich nicht vorher ausprobiert habe. Also wollte ich Computerspiele lernen. Das war zunächst sehr frustrierend. Man ist auf seinen Gebieten ganz gut, hat seine neuronalen Auslesen zu Kompetenzen entwickelt. Aber wenn wir jetzt da beginnen, wo die Zehn-, Elfjährigen anfangen, dann müssen wir feststellen, dass die das viel besser können als wir. Das fühlt sich für einen Erwachsenen gar nicht toll an. Das Kind hat rasend schnell die Tastenkombination raus, mit der man eine Figur weiterbewegt, während wir dabei herumkrampfen, als würden wir ganz neu Klavier spielen lernen. Wenn man aber durch diese Phase durch ist, stellt man fest, dass man da ein Beziehungsangebot gemacht hat, das super gerne angenommen wird. Und jetzt kann man anfangen, Erfahrungen zu teilen. Das war meine zweite Motivation, dieses Buch zu schreiben. Ich hatte den Eindruck, da tut sich ein Graben zwischen der älteren Generation und der der Heranwachsenden auf, der immer breiter wird. Wenn die Älteren zu wissen glauben, dass alles schlecht ist, verhindern sie Kommunikation.
DT: Im Begleittext habe ich den Begriff „Ratgeber“ gelesen. Aber ihr Buch liest sich gar nicht so.
GM: Der Verlag hat es wohl eher zwischen Ratgeber und Debattenbuch positioniert. Es hat durchaus einen Ratgeberanteil, der nur nicht so technisch zu verstehen ist. Es versucht eher, eine Haltung zu kultivie-ren und zum Nachdenken und Verstehen einzuladen. Dann entwickelt sich nämlich eine Haltung der Auseinandersetzung, die sich von bloß technisch orientierten Kniffen á la „Ich muss mich mal fünf Minuten mit dem beschäftigen, was mein Kind tut“, weit entfernt, dafür aber auch weiter reicht.
DT: Was mir auffiel, war, dass Schule in Ihrem Buch kaum vorkommt. Ist das Absicht?
GM: Ja, genau. Die Schulen haben ja sehr unterschiedliche Praktiken. Die Spanne reicht von jenen, die Smartphones verbieten, bis zu denen, die sich von Apple sponsern lassen und allen Kindern ein iPad in die Hand drücken. Im Moment ist die Gratwanderung zwischen dem Vermeiden früher Kundenbindung einerseits und andererseits dem Bemühen, den Anschluss nicht zu verpassen, sehr schwierig. Und dann müsste man auch von den Altersstufen sprechen. Die Früh-pädagogik ist mir im Moment viel zu verkopft, und bei den Grund-schülern braucht man in den ersten zwei Klassen auch nicht viel Elektronik. Da sind mir die reformpädagogischen Ansätze lieber.
DT: Haben Sie eigentlich bereits Pläne für ein nächstes Buch?
GM: Ein „Plan“, das wäre zu viel gesagt. Ich bin dabei weiterzuent-wickeln, was wir an mentalen Kompetenzen brauchen, um die Digitali-sierung möglichst gut mit uns geschehen zu lassen. Das wäre im Grunde ein Buch, das an die „Digitale Hysterie“ anknüpft, aber sich nicht mehr so sehr auf die Kinder bezieht, sondern auf alle. Es geht mir darum, deutlich zu machen, dass Selbstkompetenz wichtiger als Medienkompetenz ist.
DT: Sie arbeiten neben dem Schreiben auch mit Patienten. Haben Sie sich da eine feste Zeiteinteilung für die verschiedenen Arbeitsbereiche gegeben?
GM: Ich habe zwei Felder, wo ich mit Patienten arbeite, nämlich meine eigene Praxis in Münster und das Institut für Hypnotherapie in Düssel-dorf. Seit einigen Jahren habe ich mein Arbeitsfeld gedrittelt: ein Drittel Therapie, ein Drittel Weiter- und Ausbildungstätigkeit sowie ein Drittel Publizistik. Das passt eigentlich ganz gut. Meine Freiheitsgrade sind immer groß genug, um ein Projekt eine Weile weiterverfolgen oder mal einen Tag opfern zu können, um nur Interviews zu geben oder Radio-diskussionen mitzumachen. Das geht ab und zu.
DT: Also gut organisierte Vielfalt? Das klingt nicht nach Langeweile.
GM: Nein, langweilig wird es nicht. Es muss schließlich immer genug Zeit bleiben, die Liebsten auch noch wahrzunehmen. Familie ist ein sehr wichtiger Punkt, denn das primäre Lebensgefühl wird immer von den wichtigsten Personen mitbestimmt. Über Außenerfolge freut man sich zwar, aber das kann in keiner Weise diese Tiefe familiärer Beziehungen ersetzen.
DT: Herr Milzner, herzlichen Dank für das Gespräch!
Rezensent Detlef Träbert: Computer müssen Kindern nicht schaden. (foto: traebert)
Georg Milzner (siehe auch das Interview hier im Blog) ist nicht nur Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut, sondern auch ein beeindruckend vielseitiger Autor. Aus seiner Feder stammen psychologische Fachpublikationen genauso wie biografische Essays und Lyrikbände.
(Detlef Träbert, Referent und erfolgreicher Autor von pädagogischen Ratgeberbüchern und Autor unseres Blogs, hat diese Rezension zuerst in der Mai-Ausgabe[1] von „Humane Schule“, der nicht-kommerziellen Zeitschrift des Bundesverbandes Aktion Humane Schule e.V., veröffentlicht. Nachdruck hier mit Genehmigung der Herausgeber.)
Georg Milzners jüngstes Buch jedoch wendet sich gezielt an alle, die sich für die Auswirkungen der Computerwelt auf unsere Kinder interessieren, und trägt den Titel „Digitale Hysterie“. Darin erklärt er laut Untertitel: „Warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen“.
Damit stellt Milzner sich gegen den Mainstream. Während zahlreiche Autoren, darunter so prominente wie Manfred Spitzer, vor der „Computerisierung der Kindheit“ (S. 19) warnen und Medienabstinanz für die Kleinen fordern, stellt er einen Widerspruch in der öffentlichen Haltung fest. Im Gegensatz zur Medienkritik steht nämlich die immer intensivere Forderung nach Internetnutzung auch in der Schule. Diese Widersprüchlichkeit findet sich dann bei Eltern, die selber den ganzen Tag an elektronischen Medien arbeiten, aber ihre Kinder aus Sorge vor schädigenden Wirkungen möglichst fern davon halten wollen.
„Digitale Hysterie“ enthysterisiert diesen Widerspruch ganz sachlich. Leitmotiv von Milzners Buch und dem Text vorangestellt ist ein Zitat aus „Die Zeitmaschine“ von H. G. Wells: „Wir übersehen oft, dass geistige Beweglichkeit der Lohn für dauernde Veränderungen, Gefahren und Sorgen ist.“ In zehn Kapiteln macht der Autor Mut zur geistigen Beweglichkeit und vor allem dazu, sich den technologischen Veränderungen unserer Zeit zu stellen und die Kinder angemessen beim Umgehen damit zu begleiten.
Bei aller Sachlichkeit im Anliegen ist der neue Milzner großartig zu lesen. Schließlich ist der Autor auch Therapeut und bringt immer wieder konkrete Beispiele aus seiner Praxis ein. Außerdem schreibt er einen herrlich lockeren, leicht lesbaren Stil, ohne den Lesefluss mit Fachsprache zu behindern. Gleichzeitig schafft Georg Milzner es, die umfangreiche Thematik übersichtlich zu gliedern. Jede Kapitelüberschrift macht neugierig: „Machen Computer uns dümmer?“ – „Wie gefährlich sind Computerspiele?“ – „Wie gefährlich sind Facebook & Co.?“ Und im Schlusskapitel erklärt er: „Was Kinder im digitalen Zeitalter von uns brauchen“.
Die Absicht einer ernsthaften, konstruktiv beratenden Haltung wird also gleichzeitig locker umgesetzt. Dazu trägt auch bei, dass der Autor eigene Erfahrungen mit etlichen Spielen für dieses Buch gesammelt hat. So kann er nachvollziehen, was daran faszinierend wirkt, und er kann vor allem sachlich begründet beurteilen, welche Einflüsse von Ihnen ausgehen. Am Ende weist Georg Milzner darauf hin, „ … dass die Balance zwischen medialer Kompetenz und Selbstkompetenz die große Herausforderung des kommenden Jahrzehnts werden wird“ (S. 242). Hysterisch geführte Mediendebatten weden dabei nicht hilfreich sein, denn „das Computerproblem ist im Kern gar kein technisches Problem. Es ist ein Problem des kuturellen Wandels. Es ist ein Beziehungsproblem. Und letzten Endes ein Problem bezüglich des Umgangs mit uns selbst“ (ebd.).
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*) Georg Milzner: Digitale Hysterie. Warum Computer unsere Kinder weder dumm noch krank machen, Weinheim (Beltz) 2016, 255 S., € 18,95
Köln. (ahs_pm) Es scheint so, als würden immer mehr Menschen in der Schule unter Stress leiden. 30 Prozent aller Lehrkräfte sind nach einem Gutachten des Aktionsrates Bildung im Auftrag der bayerischen Wirtschaft von psychischen Problemen betroffen.
Die Zahl ihrer Krankheitstage hat sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt – Burnout ist ein Zeichen für emotionale Überforderung und betrifft auch Schülerinnen und Schüler in zunehmendem Maße.
In der neuen „Humane Schule“, der Zeitschrift des Bundesverbandes Aktion Humane Schule e.V. (AHS), geht es um dieses Problemfeld.
AHS-Vorsitzender Jonas Lanig fordert in seinem Leitartikel „Zeit zum Ankommen“ besonders für Flüchtlingskinder. Außerdem hat er Simone Fleischmann interviewt, die neue Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV). Ihr Statement: „Gute Bildung braucht drei Dinge: Zeit, Zeit und noch einmal Zeit.“ Angelika Klaska berichtet aus Schleswig-Holstein über geänderte Stundenzeiten als Maßnahme gegen Unterrichtsstress. Auch in Bayern ist Entschleunigung möglich, wie Bert Schmid zeigt; er plädiert für ein Lernen mit Herz, Hirn und Verstand statt Lernens in Kästchen.
Weitere Beiträge zum Themenschwerpunkt, ein Interview mit Autor Georg Milzner („Digitale Hysterie“), etliche Buchbesprechungen (u.a. über Jesper Juul: Leitwölfe sein) sowie eine Glosse über „soziale Kuckuckskinder“ vervollständigen das absolut werbefreie Heft.
Erhältlich ist die „Humane Schule“ zum Thema „Langsamer ist schneller“ für € 4,- je Expl. zzgl. Versand gegen Rechnung bei: Bundesverband Aktion Humane Schule e.V. Geschäftsstelle: Dutzendteichstr. 24, 90478 Nürnberg Bestellt werden kann auch per Telefon (09 11 / 98 03 45 84) oder per E-Mail: ahs@aktion-humane-schule.de