An welche Platte erinnert mich das Graffito? (foto: zoom)
Als ich heute dieses Bild an der Wand einer Unterführung sah, begann ich augenblicklich ein Lied zu pfeifen. Ich weiß leider nicht, ob es das richtige war.
Wo kommt dieses verzerrte (Mond?)-Gesicht vor?
Wäre ich jetzt zu Hause, würde ich meine Plattensammlung ausräumen, aber ich bin hier:
Aufstieg zum Hohen Dörnberg: Blick zurück auf die Helfensteine (foto: zoom)
Kunsttagebuch: Unbewusstheit und die Notwendigkeit des Bewusstseins … endoplast
„Greta-Jünger“, „Weltuntergangssekte“? Ist die Klimastreikbewegung eine Säkularreligion? … hpd
Wie lange wissen wir um den drohenden Klimawandel? Wenn man die aufgeregten Debatten um wirksame Maßnahmen zu Klimaschutz in jüngster Zeit verfolgt, so kann einen der Verdacht beschleichen, hier würden ganz brandaktuelle Erkenntnisse behandelt … scilogs
Klimaproteste: Wie sich der Erfolg von Sitzblockaden auf Google Maps überprüfen lässt … netzpolitik
Feiertagskinder, der Norden und literarische Hasstiraden: drei Neuerscheinungen von Gewicht … revierpassagen
Hauptlernform Projektlernen: Wie geht das? Anstatt das seit Jahrzehnten bekannte und bewährte Projektlernen in der Lehrerbildung zu lehren und aus Dauer-Nische und -Randständigkeit in der Schulpraxis herauszuholen, wurde das Rad neu erfunden. Und das kam dann oft dabei heraus… shift
Der Georg-Viktor-Turm ist von Mai bis Oktober geöffnet. (foto: Larissa)
Der Georg-Viktor-Turm bei Goldhausen zwischen Medebach und Korbach befindet sich direkt neben der Burgruine Eisenberg – umgeben von Wall und Graben – auf rund 560 Meter. Die Öffnungszeiten sind Mai bis Oktober von 9 bis 18 Uhr.
Beeilt euch, damit ihr noch den wunderbaren Ausblick genießen könnt. Ich hatte im März diesen Jahres nicht so viel Glück wie Larissa und Patrick und stand vor der verschlossenen Tür zur Plattform.
Vom Turm aus hat man einen herrlichen Rundblick. Man erkennt den Desenberg, den Dörnberg, den Herkules bei Kassel, das Hohe Gras, die Eder- und die Lahnberge, die Berge des Sauerlandes und den Dommel bei Rattlar.
Noch bis Oktober kann man, wie hier Patrick, den Ausblick vom Turm genießen. (foto: Larissa)
In den USA war ich nie und werde ich nie sein. Aber ich habe, neben meiner unrettbar USA-dominierten Musiksammlung, drei USA-Ecken in meinem Bücherschrank, die mir viel bedeuten. Zum einen die literarischen Realisten von Twain über Dos Passos und Lewis bis Faulkner, dann die frühen Comics von Feininger, Herriman und, ja, auch Disney, schließlich die Reiseberichte europäischer Intellektueller über ihre Wahrnehmungen im Land. Um letztere soll es hier gehen.
(Der Artikel von Christian Gotthardt ist im September zuerst im Harbuch erschienen.)
Arthur Holitscher: Amerika heute und morgen, Berlin 1912. Im Versandantiquariat zu haben für ca. 30 €, Neuauflagen teilweise deutlich günstiger.
Arthur Holitscher: Amerika heute und morgen
Ihn kennt heute kaum noch jemand. Von etwa 1900 bis in die 1920er und 1930er Jahre hinein war er dagegen einer der bekanntesten und erfolgreichsten „Reiseschriftsteller“.[1] Wie der muntere Kommunist Egon Erwin Kisch, aber eher von bürgerlich-liberaler Seite. Er brachte seinen Lesern das Alltagsleben der neuen großen Mächte nahe, der Sowjetunion und eben auch der USA. Lesern, die damals absehbar keine Chance hatten, jemals selbst dorthin zu gelangen. Es sei denn in Uniform.
Holitschers großes Talent waren die psychologische Einfühlung und der Wortschatz seiner Beschreibungen. Franz Kafka soll, nur auf Basis der Lektüre Holitschers, die grandiosen New York-Schauplätze in seinem Roman „Amerika“ gestaltet haben. Und das Lebensgefühl in dieser Stadt.
Der Autor geht, nach den im Übrigen von allen der hier erwähnten Autoren gewissenhaft absolvierten Stationen Ellis Island, Wolkenkratzer usw., ganz eigensinnige Wege. Seine sensiblen Beobachtungen über pädagogische Reformversuche, über die Multikulturalität Kanadas, über das brutale Leben in Chicago sind unbedingt lesenswert.
Als befremdlich stoßen Holitschers Bemerkungen zur sog. Rassenfrage auf. Er ist zwar um eine humane Sicht bemüht, kolportierte aber zahllose rassistische Stereotype. Dies ist lehrreich, zeigt es doch, wie wenig geübt auch offene, gebildete, liberale Europäer zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Umgang mit diesem Thema waren. Hier hatte der Kolonialismus offenbar ein Problem aufgeworfen, das aus dem Gefühls- und Kenntnishorizont des Alte-Welt-Establishments nicht zu lösen war. Wie ich in einem anderen Kontext lernen konnte: Erste, wirklich überzeugende antirassistische Positionen entstanden erstmals in den linksradikalen Seeleutegewerkschaften, die mit der kommunistischen Internationale kooperierten (so z.B. auf dem „Ersten Internationalen Kongress der Hafenarbeiter und Seeleute“ in Hamburg 1931).
Arthur Holitscher: Wiedersehen mit Amerika, Berlin 1930. Das Buch ist derzeit knapp und leider nur zu unangemessenen Preisen erhältlich. Abwarten…
Arthur Holitscher: Wiedersehen mit Amerika
18 Jahre später, der Versuch einer Fortsetzung des Bestsellers. Vielleicht aber auch, oder vor allem, eine Art Widerruf der ehedem eher euphorischen Sicht. Der Text ist weit weniger ausladend, abstrakter und sehr konzentriert und kritisch.
Simone de Beauvoir: Amerika Tag und Nacht, Hamburg 1950. Im Versandantiquariat zu haben für 2 bis 10 Euro.
Simone de Beauvoir: Amerika Tag und Nacht Hierbei handelt es sich um das Reisetagebuch einer USA-Vortragstournee vom 25. Januar bis zum 20. Mai 1947. De Beauvoir, in Frankreich bereits gefeierte Erzählerin und Essayistin, ließ sich auf Vermittlung des französischen Kulturministers an den amerikanischen Universitäten herumreichen und nahm an zahlreichen Diskussionsrunden teil. Im Vordergrund standen die großen Themen der Welt-Nachkriegsordnung, kulturelle Gemeinsamkeiten diesseits und jenseits des Atlantiks, das Verständnis von Nation und Demokratie usw. Die engagierte Diskutantin tagte, in dichtem Zigarettenqualm und mit stets gefülltem Wiskeyglas, mit ihren amerikanischen Gesprächspartnern aus Wissenschaft und Literaturbetrieb meist bis spät in die Nacht, wobei dann auch heiklere Themen wie Rassismus oder Sexismus zur Sprache kamen.
Was mir an diesem Buch gefällt, ist vielleicht in den Augen anderer sein größter Mangel: De Beauvoir geht mit einer stets störrisch aufgesetzten europäischen Schutzbrille an die USA heran, und setzt sie niemals ab. Genauer gesagt, einer französischen, humanistischen, laizistischen Schutzbrille. Sie mag einfach nicht akzeptieren, das Schlimmes in den USA passiert, weil es immer schon so passiert sei. Dies Argument lässt sie nicht gelten. Sie erinnert mich an einen von mir geschätzten Lehrer in meiner Schülerzeit. Als ich auf seine frustrierte Feststellung, die von der Schulleitung veranlasste Aufteilung der Pausenräume in Raucher und Nichtraucher würde nicht befolgt, antwortete, in dem einen Raum träfe sich die Junge Union und in dem anderen die Linken, und beide würden rauchen, sagte er: Wenn die Realität falsch ist, muss man sie ändern. Klassischer maoistischer Voluntarismus, aber manchmal ein fruchtbarer Denkanstoß. Selige 1970er Jahre.
Bei De Beauvoir beweist sich dies vor allem in der Darstellung ihrer Gespräche mit Literaten und Aktivisten im Umfeld der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, die sie konsequent suchte und ausführlich schildert.
Volkhard Brandes: Good bye, Uncle Sam, München 1971. Im Versandantiquariat zu haben für 3 bis 15 Euro.
Volkhard Brandes: Good bye, Uncle Sam
Dieses Buch habe ich 1974 gelesen, wir hatten es damals in unserer (vor dem Schulgelände verkauften) Schülerzeitung empfohlen. Es brachte meine in der Kindheit und beim Heranwachsen entstandenen USA-Wahrnehmungen auf einen plausiblen Nenner. Der meinen Blick bis heute prägt.
Meine Wahrnehmungen hatten viel mit dem Vietnam-Krieg zu tun. Ich erinnere mich an zwei Schlaglichter: Die legendäre Fotoserie des „Stern“ über die Ausbildung von Kommandoeinheiten der US-Marines, und die allsonntägliche Berichterstattung des ARD-Magazins „Weltspiegel“ über die Kampfhandlungen. Das war alles stark erklärungsbedürftig, und ich war dankbar, dass mein großer Bruder, als „68er“, da war, mir beim Verstehen zu helfen.
Bei Brandes lernte ich dann die Gesellschaft kennen, die hinter diesem Krieg stand. Er hatte Englisch und Amerikanistik studiert und war mehrfach durch die USA getrampt, hatte an Protesten gegen den Krieg teilgenommen und war auch abgeschoben worden. Sein Bericht ist nicht systematisch. Er gibt verstörende Snapshots preis, die vor allem deshalb verstörend sind, weil sie das, was wir geneigt sind für unsere europäischen Kulturstandards zu halten, massiv unterlaufen: Amerikanische Nazis, Slums in New York, Polizeikorruption und -gewalt, Truthahn-Wahnsinn der Mittelschicht bei Thanksgiving, Hire and Fire usw.
Vielleicht damals eine vorurteilsbedingte Wahrnehmung eines deutschen Linken? Aber wenn wir die derzeit vom Trump-Aufstieg in den USA bzw. AfD-Aufstieg in Deutschland ausgehenden Tabubrüche bedenken, vielleicht doch eher eine gespenstische Weissagung. The times they are a`changing.
Düsseldorf (IT.NRW / zoom). In den ersten sieben Monaten des Jahres 2019 besuchten über drei Millionen ausländische Gäste die nordrhein-westfälischen Beherbergungsbetriebe und Campingplätze (Betriebe mit mindestens zehn Gästebetten bzw. Stellplätzen); sie verbuchten insgesamt 6,2 Millionen Übernachtungen.
Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt anlässlich des Welttourismustages am 27. September 2019 mitteilt, stieg die Zahl der Besucher aus dem Ausland um 2,0 Prozent und die der Übernachtungen um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt stieg die Zahl der Gäste in Nordrhein-Westfalen um 2,8 Prozent auf rund 13,8 Millionen und die der Übernachtungen um 2,3 Prozent auf rund 30,2 Millionen an.
Rund ein Fünftel der ausländischen Besucherinnen und Besucher in Nordrhein-Westfalen kam aus den Niederlanden: Auf sie entfielen im Zeitraum von Januar bis Juli 2019 rund 1,5 Millionen Übernachtungen (+3,1 Prozent) im Vergleich zum Januar bis Juli 2018. Auf den weiteren Plätzen folgten Gäste aus dem Vereinigten Königreich (rund 414 000 Übernachtungen; ?1,5 Prozent) und Belgien (rund 381 000 Übernachtungen; ?0,7 Prozent).
Das Sauerland schneidet im Vergleich am schlechtesten ab.
Ich habe mir die einzelnen Ferienregionen NRWs (PDF) angeschaut. Am schlechtesten abgeschnitten hat beim Vergleich mit den anderen Regionen das Sauerland, wobei das Sauerland in der Statistik nicht weiter aufgefächert wird. Man kann also nicht erkennen, welcher Kreis oder welche Kreise für das Abschneiden verantwortlich sind.
Hier ein Auszug aus dem oben verlinkten PDF – ein Plus für Gesamt-NRW:
Zuwächse in NRW
Wir sehen für Gesamt-NRW in allen Bereichen ein Plus.
Nun die Kopfzahlen für das Sauerland:
Das Sauerland verliert auch aufgrund der stark gesunkenen Auslandsübernachtungen.
Wesentlich attraktiver als das Sauerland werden beispielsweise das Ruhrgebiet (+5,3% Gästeankünfte) und die Region Bonn/Rhein-Sieg-Kreis (+6,6% Gästeankünfte).
Wer ist schuld am Niedergang des Sauerlandes?
Das kann man der Statistik noch nicht entnehmen. Dazu müssen wir auf die Zahlen der einzelnen Kreise und Gemeinden warten. Im hohen Hochsauerland warten wir insbesondere auf Statistiken über die Entwicklung der Tourismushochburg Winterberg.
Das Sauerland wird von anderen Regionen abgehängt. (grafik: it.nrw)
Düsseldorf (IT.NRW). Im ersten Halbjahr 2019 besuchten über 11,6 Millionen Gäste die 5 100 nordrhein-westfälischen Beherbergungsbetriebe und Campingplätze (Betriebe mit mindestens zehn Gästebetten bzw. Stellplätzen); sie verbuchten insgesamt 25,3 Millionen Übernachtungen.
Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, stieg die Zahl der Besucher um 2,5 Prozent und die der Übernachtungen um 2,0 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2018.
Bei den Gästen aus dem Inland stieg die Zahl der Ankünfte von Januar bis Juni auf über 9,1 Millionen (+2,7 Prozent) und die der Übernachtungen auf nahezu 20,2 Millionen (+1,9 Prozent). Auch die Zahl der Gäste aus dem Ausland (rund 2,5 Millionen; +1,5 Prozent) und deren Übernachtungen (rund 5,1 Millionen; +2,1 Prozent) waren im ersten Halbjahr 2019 höher als ein Jahr zuvor.
Gute Nachrichten für NRW, schlechte Nachrichten für das Sauerland und Winterberg.
Das Sauerland verliert gegen den landesweiten Trend im Zeitraum von Januar bis Juni 2019 gegenüber der Vorsaison Gäste und Übernachtungen und ist der größte Verlierer im NRW-Tourismus.
Das hätte ich wirklich nicht vermutet, denn Winterberg scheint zu allen Jahreszeiten voller Touristen. Die Fülle ist manchmal geradezu unangenehm. Gut, das Sauerland ist noch nicht Winterberg.
Wie sieht es in Winterberg aus?
Winterberg stagnierte in den beiden letzten Halbjahren, jeweils Jan-Jun. (Tabelle: it.nrw)
Weniger Gästeankünfte, wenngleich ein leichtes Plus bei den Übernachtungen.
Ich würde die Entwicklung noch nicht dramatisieren, aber auf jeden Fall von einer Stagnation sprechen.
Was wundert mich daran?
Die großen Investitionen (Bike-Park, Skigebiet) scheinen nicht mehr Gäste zu ziehen. Das ist noch keine Katastrophe, aber zumindest ein Menetekel.
Die Frage ist, aus welchen Gründen weniger Gäste kommen. Spontan fallen mir die „schlechten“ Winter (wenig Naturschnee) ein.
Der Maler hatte die mit Eisschollen bedeckte Elbe sehr genau studiert. (foto: zoom)Als ich am Dienstag meinen bildungsbürgerlichen Horizont in der Hamburger Kunsthalle zwischen Alten Meistern und Moderne erweiterte, sah ich das Cover einer meiner Langspielplatten an der Wand hängen.
Gut geklaut. Der Mann ist also auch heute noch, nicht nur mit diesem Bild, anschlussfähig.
Frage: Wer hat die Cover-Illustration für welche Band geliefert? Ok, anders herum: Wer hat sich das Bild für sein Postpunk-Album geklaut?
Tipp: Im Blog habe ich ca. 2015 die Musikgruppe mit einem Bild aus Travemünde in Verbindung gebracht.
Liebevolle Zuwendung oder Aggression: Sonnenblumen im Teletubby-Taubertal. (foto: zoom)
Unsere Sommerradtour 2019 ist beendet, und sie war gut. Mit E-Bike und M-Bike sind wir die Flüsse – manchmal auch Berge – unserer weiteren Umgebung hinunter- und hinaufgeradelt.
Die Flüsse und Flüsschen: Namenlose, Orke, Eder, Fulda, Sinn, Main, Tauber, Weser, Diemel.
Die Städte: Korbach, Fritzlar, Rotenburg an der Fulda, Fulda, Burgsinn, Wertheim, Bad Mergentheim, Rothenburg ob der Tauber, Ochsenfurt, Karlstadt, Fulda, Bad Hersfeld, Kassel, Bad Karlshafen, Warburg.
Das Wetter: kühl, Regen, Sonne, Hitze, große Hitze.
Gesamtkilometer laut E-Bike: 870.
An digitalem Schnickschnack hatten wir ein Tablet/Smartphone plus eine Pocketkamera dabei. Mal gab es WLAN, mal nicht. Ab und zu konnte ich Artikel und Kommentare freischalten. Wenige kurze Beiträge sind umständlich mit dem Tablet entstanden.
Wir haben verschiedene Lehren aus dieser Radtour gezogen.
Eine will ich hier nennen: Das nächste Mal werden wir nur noch ein Notfall-Telefon mitnehmen und ALLES Digitale zu Hause lassen.
Kein Internet.
Kann mensch eigentlich noch ohne Internet verreisen?
Jedenfalls spränge uns nicht jeden Morgen der twitternde Narzisst in die Timeline. Hier ein Vorgriff auf unsere analoge Radtour ohne Donald Trump:
Wenig Grün, viel Stein – nicht nur die Hitze machte den Aufenthalt in den kleinen bayerischen Städten ungemütlich. (foto: zoom)
Es ist seit Tagen zu heiß, um mehr als ein paar zerstreute Gedanken zu fassen. Unsere Radtour hat sich zu einem Kampf mit der Hitze entwickelt.
Um den höchsten Tagestemperaturen zu entkommen, haben wir unsere letzten drei Etappen jeweils bis 14 Uhr abgeschlossen. Die Quartiere kühlten sich allerdings nicht ausreichend ab.
Bei weit geöffneten Fenstern schlichen sich in Bayern andere Unannehmlichkeiten in den Schlaf.
Kirchenglocken.
Die Glocken schlugen ohne nächtliche Pause nicht nur die Stunden, sondern auch die Viertelstunden, also beispielsweise um drei Uhr vier Mal für die Viertel und anschließend drei Mal mit noch kräftigerem Ton die Stunde.
In manchen Orten gab es zudem mehrere konkurrierende Kirchen, die zeitversetzt das gleiche Glockenspiel betrieben.
Der Störenfried vor meinem Fenster. (foto: zoom)
In Ochsenfurt waren es drei: eine sehr laute, eine leise und eine laute Kirche. Ich habe jede Stunde ab Mitternacht sehr intensiv erlebt.
Wer Lust hat kann die Gesamtzahl der Glockenschläge für 5 Uhr ausrechnen.
Ab morgen ist die Hitze vorbei. Dann werden wir Blitze und Donnerschläge zählen.
Tauberbischofsheim gilt als romantisch, mir gefällt die Pflastersteinwüste nicht. (foto: zoom) Unsere skizzenhaft geplante Radtour hat sich zu einer Kombination von Flussauf- und -abfahrten entwickelt.
Namenlose, Orke, Eder, Fulda, Sinn, Main, Tauber … mal runter, mal hoch.
Als sich heute die Tour de France von Limoux nach Prat d’Albis bei Foix quälte, rollten wir gemütlich mit Rückenwind das Taubertal nach Bad Mergentheim hinauf. Die Windrichtung ist wichtiger als die Frage, ob es hoch oder runter geht.
Gestern mainabwärts mit Gegenwind – eine Quälerei.
Der Kompass zeigt grob Richtung Nördlingen, aber wir sind zu spontanen Planwechseln bereit, zumal, wenn wir den Wetterberichten trauen, eine neue „Horrorhitzewelle“ auf uns zurollt.
Vielleicht vegetieren wir dann tagelang in einem bayerischen oder schwäbischen Freibad vor uns hin: 1000 m schwimmen, Kaffee, 1000 m schwimmen, Eis, schwimmen, Schatten und am Ende Weißbier.
Bad Mergentheim hat uns ein wenig verstört. Wo immer wir auch saßen, unterhielten sich zwei oder drei Kurschatten über ihre körperlichen und psychischen Macken.
Der Kurpark ist riesig und lädt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Die Kurkapelle spielte schluchzende Weisen – „morgens Fango abends Tango“.
Wir hörten und schauten uns im Publikum um, und wir alterten binnen fünf Minuten um 20 Jahre.
Morgen früh allerdings sind wir wieder jung und treten in die Pedalen. Tauberaufwärts, der Hitze trotzen.
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