Das Mescheder Sühnekreuz – die Geschichte eines Fotos

Das „Mescheder Sühnekreuz“ zum Gedenken an 80 ermordete „russische Zwangsarbeiter“ nach seiner Ausgrabung im November 1964 mit den Spuren von Äxten, Feuer, Erdlagerung seit 1947 sowie verwitterter Inschrift (Foto: Franz Petrasch jun., Archiv Andreas Evers/Peter Bürger).

Vor etwas mehr als sieben Jahren hatte ich hier im Blog eine Presseinformation des Christine-Koch-Archivs am Museum Eslohe veröffentlicht: „70 Jahre danach: MASSENMORDE AN ZWANGSARBEITERN IM SAUERLAND VOR KRIEGSENDE” – Dokumentation über die Massaker im Raum Meschede/Warstein (20.-22 März 1945) und die Geschichte des „Mescheder Sühnekreuz“.

In dem Beitrag war das oben abgebildete Foto des Mescheder Sühnekreuzes kurz nach seiner Ausgrabung im Jahr 1964 veröffentlicht. Die Bildunterschrift war die gleiche, mit einem Unterschied: Der Fotograf Franz Petrasch jun. fehlte beim Bildnachweis. Ich habe seinen Namen inzwischen ergänzt, und das kam so:

Franz Petrasch jun. hat sich vor einigen Tagen bei mir gemeldet und mir die Geschichte des Fotos erzählt, die auch ein Teil seiner eigenen Geschichte ist, und sie hat mich sehr bewegt.

„Das Foto bezieht sich auf das liegende Kreuz, von vorn ist es mit einem Stock abgestützt. Es geht mir nicht um die Rechte. Ich habe das Negativ ca. 1 Jahr nachdem wir das Kreuz ausgegraben haben, ich glaube, an Familie Rode, abgegeben. Und von da aus nahm es den Weg bis hin zur dem Buch von Herrn Hahnwald und Bürger, ohne dass mein Name jemals genannt wurde, wahrscheinlich wußte auch niemand, dass ich es war, der es geknipst hatte.

Auch ich selbst hatte es lange Jahre vergessen. Früher hat man einfach Dinge weitergegeben, ohne sich Gedanken zu machen, um Urheber, und ähnlichem. Von mir aus können Sie das Bild verwenden, Sie könnten ja meinen Namen dazuschreiben. vielleicht noch „jun.“ dazu.

Ich hoffe, sie kennen die Geschichte um das Sühnekreuz. Mein Vater hat nach Auffinden der Gräber die erschossenen Menschen untersuchen müssen. Er hieß auch Franz. Er hat selten darüber gesprochen, er unterlag ja auch der ärztlichen Schweigepflicht. Einmal las ich unter dem abgebildeten Foto als Quelle : Westfalenpost. Und dann dachte ich, es wäre an der Zeit, dass ich mich ins Spiel bringe. Es geht mir um die Sache.

Bei der Ausgrabung mit dabei waren Ivo Rode, Martin Stankowski, Reinhard Wegener und ich, Franz Petrasch, von einer katholischen Jugendgruppe in Meschede und Herr Heidingsfelder, der uns den Platz gezeigt hat, etwa 100 m oberhalb des Weges. Herr Heidingsfelder hat ja seinerzeit das Kreuz mit eingegraben. Nach diesen 15 Jahren hat sich der Platz vom Bewuchs her nicht groß verändert. Herr Heidingsfelder zeigte uns einen Platz, und nach kurzer Zeit des Grabens in diesem sumpfigen Gelände stießen wir auf Holz. Es war tatsächlich das Sühnekreuz.

Die Oberfläche war ein bißchen vermodert, aber der Kern war fest. Wir säuberten es etwas und stellten es an den Baum. Ich machte das Foto. Ich machte aber nur dieses eine Foto. Was dann später mit dem Kreuz geschah, wer es abgeholt hat, und getrocknet und vielleicht bearbeitet hat, weiß ich heute nicht mehr. Ich denke, Familie Rode hat sich sehr darum bemüht. Wahrscheinlich haben sie auch später das Negativ des Fotos bekommen.

Mir persönlich geht es nicht um die Rechte daran, aber ich möchte genannt werden. Wollen wir hoffen, dass derartige Verbrechen niemals wieder ( in Deutschland ) passieren.

Im Grunde passieren sie ja ständig, aber wir Deutschen haben die größten Verbrechen der Menschheit begangen. Wenn man jetzt die zerschossenen Häuser in der Ukraine sieht, zerbombte Kliniken und anderes, dann ist das übel und Gott sei Dank haben wir eine wunderbare Außenministerin, die endlich Klartext spricht. Unsere deutschen Vorfahren haben aus Lust und Laune die Menschen auf der Straße erschossen.

1967 war ich mit einer Gruppe junger Christen in Polen und Auschwitz. Berge von Haaren, Brillengestelle, Kinderschuhe. Es ist ein Grauen, wie Menschen miteinander umgehen können. Jetzt engagiere ich mich für Sinti und Roma , die ja bis heute verfolgt werden.

Herr Schiebener, ich könnte ein Buch über mein Leben schreiben, in Briefen. Da habe ich oft dran gedacht, aber es ist vergangener Ruhm, wollen wir daran arbeiten, dass unsere Nachkommen in einer menschenfreundlichen Welt leben können. Ich sage immer: Das Beste liegt immer vor uns, aber manchmal ist es schwer, das zu verinnerlichen.

Mit freundlichen Grüßen. Franz Petrasch.“


Wer die Geschichte des Mescheder Sühnekreuzes noch nicht kennt, sollte sie in der eingangs genannten Darstellung von Peter Bürger / Jens Hahnwald / Georg D. Heidingsfelder nachlesen. Zum Einstieg das Kapitel II ab Seite 51. Nachfolgend als kostenlose PDF:

http://www.sauerlandmundart.de/pdfs/daunlots%2076.pdf



Bachmann-Preisträgerin Tanja Maljartschuk begibt sich im Sauerland auf literarische Spurensuche.

Autorin residiert im NRW-Literaturprojekt stadt.land.text ab März in der Region

Bachmannpreis-Gewinnerin Tanja Maljartschuk recherchiert im Rahmen des NRW-Literaturprojekts stadt.land.text im Sauerland. (Pressefoto HSK)

Die in Wien lebende gebürtige Ukrainerin Tanja Maljartschuk ist eine der zehn Autorinnen und Autoren, die mit ihrer Projektskizze die Jury des Literaturprojektes stadt.land.text NRW hat überzeugen und sich einen der Residenzplätze für die dritte Ausgabe sichern können: Es ist beinahe eine kleine Sensation, dass ihr dreimonatiger Aufenthalt sie ins Sauerland führen wird.

Hier wird die Autorin sich vom 1. März bis 30. Juni 2022 auf literarische Spurensuche begeben und sich mit der Geschichte osteuropäischer Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter beschäftigen. Ihre Eindrücke aus dem Sauerland wird sie in Essays auf Ukrainisch und Deutsch veröffentlichen, auch online auf der neuen Website www.stadt-land-text.de.  Tanja Maljartschuk, 1983 in Iwano-Frankiwsk/Ukraine geboren, studierte Ukrainische Philologie an der Prykarpattia National Universität und arbeitete einige Jahre als Fernsehjournalistin in Kiew. Seit 2011 lebt sie in Österreich.

Ihr jüngster Roman in deutscher Sprache, „Blauwal der Erinnerung“, erschien 2019 im Verlag Kiepenheuer & Witsch.  Sie veröffentlichte zahlreiche Essays, unter anderem in der FAZ, der Wochenzeitung „Die Zeit“ und im der österreichischen Wochenzeitung  „Falter.“

Tanja Maljartschuk wurde 2018 für ihren Text „Frösche im Meer“ mit dem 42. Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Darin thematisiert Maljartschuk das fehlende Interesse der jüngeren Generation an ihren betagten Verwandten und die Probleme einer sozial ungleichen, fremdenfeindlichen Gesellschaft. Der Preis gilt als eine der renommiertesten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

„Goldener Herbst im Sauerland“ – Dirk Wiese schreibt Fotowettbewerb aus.

Beispielfoto (Quelle: Dirk Wiese/SPD)

Waldspaziergänge, Kastanien sammeln, Kürbisse schnitzen und natürlich Drachen steigen lassen. Das ist der Herbst im Sauerland. Auch die Herbstmonate bieten in der Sauerländer Landschaft jede Menge Möglichkeiten für abwechslungsreiche Aktivitäten. Unter dem Motto: „Goldener Herbst im Sauerland“ ruft der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese wie schon in den vergangenen Jahren zu einem Fotowettbewerb über das Sauerland auf.

(Pressemitteilung Dirk Wiese/SPD)

Entsprechend des diesjährigen Mottos geht es diesmal nicht um Schützenfest und Fachwerkhäuser, sondern es ist eine fotografische Darstellung des herbstlichen Sauerlandes gefragt. Was ist besonders schön an der Heimat im Herbst? Wie und wo zeigt sich das Sauerland von seiner besten Seite?

Bei der Umsetzung sind alle Freiheiten gegeben: Möglich sind originelle Schnappschüsse, atmosphärische Inszenierungen und Collagen… Auf die Kreativität kommt es an, daher sind alle Techniken erlaubt: Smartphone, Spiegelreflex, Computer und Fotogramm. Hauptsache die Bilder sind originell, vermitteln eine interessante Stimmung und zeigen das Sauerland.

Den Gewinnern winken attraktive Preise. Die zwei besten Aufnahmen aus dem Wahlkreis werden ab Frühjahr im Wahlkreisbüro von Dirk Wiese ausgestellt. Außerdem winkt den zwei Gewinnern eine viertägige Reise nach Berlin für jeweils zwei Personen im nächsten Jahr.

Die Bilder können an folgende Adresse geschickt werden:

Dirk Wiese, MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin
dirk.wiese@bundestag.de

Einsendeschluss ist der 15. November 2019. Dirk Wiese freut sich auf mehr Sauerland in Berlin.

Das hätte ich nicht gedacht: Sauerland verliert Gäste. Winterberg stagniert.

Das Sauerland wird von anderen Regionen abgehängt. (grafik: it.nrw)

Düsseldorf (IT.NRW). Im ersten Halbjahr 2019 besuchten über 11,6 Millionen Gäste die 5 100 nordrhein-westfälischen Beherbergungsbetriebe und Campingplätze (Betriebe mit mindestens zehn Gästebetten bzw. Stellplätzen); sie verbuchten insgesamt 25,3 Millionen Übernachtungen.

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, stieg die Zahl der Besucher um 2,5 Prozent und die der Übernachtungen um 2,0 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2018.

Bei den Gästen aus dem Inland stieg die Zahl der Ankünfte von Januar bis Juni auf über 9,1 Millionen (+2,7 Prozent) und die der Übernachtungen auf nahezu 20,2 Millionen (+1,9 Prozent). Auch die Zahl der Gäste aus dem Ausland (rund 2,5 Millionen; +1,5 Prozent) und deren Übernachtungen (rund 5,1 Millionen; +2,1 Prozent) waren im ersten Halbjahr 2019 höher als ein Jahr zuvor.

Gute Nachrichten für NRW, schlechte Nachrichten für das Sauerland und Winterberg.

Das Sauerland verliert gegen den landesweiten Trend im Zeitraum von Januar bis Juni 2019 gegenüber der Vorsaison Gäste und Übernachtungen und ist der größte Verlierer im NRW-Tourismus.

Das hätte ich wirklich nicht vermutet, denn Winterberg scheint zu allen Jahreszeiten voller Touristen. Die Fülle ist manchmal geradezu unangenehm. Gut, das Sauerland ist noch nicht Winterberg.

Wie sieht es in Winterberg aus?

Winterberg stagnierte in den beiden letzten Halbjahren, jeweils Jan-Jun. (Tabelle: it.nrw)

Weniger Gästeankünfte, wenngleich ein leichtes Plus bei den Übernachtungen.

Ich würde die Entwicklung noch nicht dramatisieren, aber auf jeden Fall von einer Stagnation sprechen.

Was wundert mich daran?

Die großen Investitionen (Bike-Park, Skigebiet) scheinen nicht mehr Gäste zu ziehen. Das ist noch keine Katastrophe, aber zumindest ein Menetekel.

Die Frage ist, aus welchen Gründen weniger Gäste kommen. Spontan fallen mir die „schlechten“ Winter (wenig Naturschnee) ein.

Wer hat weitere Antworten?

Der Name der Heimat-Wurst … – Hui oder Pfui ?

Zoom schrieb am 02.01.2018 über Büdchen- resp. Kioskkultur im Ruhrgebiet.

Seine die „Moralvorstellungen“ (**) der damaligen Zeit treffend beschreibende Formulierung

„Ich musste manchmal Binden einkaufen, Camelia. Die wurden dann in Zeitungspapier eingewickelt und ins Einkaufsnetz gepackt. Binden durften nicht öffentlich gezeigt werden.“

erinnert mich an eine Begebenheit aus den 1970ern.

Wir lebten anno 1976 ff. in Bochum. Direkt neben der „Bude des Vertrauens“ – („Vollsortiment“: 1-Pfennig-Bonbons bis St. Pauli Nachrichten als „Bückware“ …) – befand sich eine familiär geführte Metzgerei.

Eines Tages hatten wir Sauerländer richtig Schmacht auf was heimisches. Ich also spätnachmittags in die Metzgerei … – Bude voll, weil nach Feierabend wurde für nächsten Tag eingekauft.

Verkaufsgespräch (wie in etwa in Erinnerung):

Junge Frau (vermutlich Lehrling): „Sie wünschen …?“
B.S.: „Haben Sie Rinderpümmel?“
Junge Frau: „Was bitte …?“
B.S.: „Na, Rinderpümmel.“

Dieser Dialog wiederholte sich – verbunden mit fortschreitender Verunsicherung und zunehmender Errötung des Kopfes der Verkäuferin – mehrfach.

Mittlerweile schauten weitere anwesende Kunden mich durchaus fragend an …!

Plötzlich öffnet sich die Pendeltür zwischen Wurstküche und Verkaufsraum. Es erschien eine Dame der „Tana Schanzara-Klasse“:

„Elfie, ich habe eben mitgehört. Der Mann will nix schlimmes. Der kommt aus dem Sauerland und möchte Rinderwurst kaufen.“

Hmmm, die Situation des Verkaufsgesprächs ins Twitter/facebook/FakeNews-Zeitalter transformiert:

„Verkäuferin verstört. Langhaariger Kunde will in Bochumer Metzgerei Rinderp(?)mmel kaufen.“

» Rinderpümmel und Bundespolitik – Der Spiegel, 1984

——

(**) Die öffentlich lautstark gestellte Frage „Tina, wat kosten die Kondome?“ war noch ganz weit weg.

Die Wahlen im Blick – Sauerländer SPD auf der Landesdelegiertenkonferenz

Die sechs Delegierten aus dem HSK: Katja Bettsteller, Jennifer Lipke, Pascal Rickes, Dirk Wiese, Irmgard Sander und Peter Newiger (Foto: Privat )

Münster. (spd_pm) Die Delegierten der Sauerländer SPD waren mit dem Verlauf der Landesdelegiertenkonferenz der NRW SPD am vergangenen Samstag in Münster sehr zufrieden.

Nachdem der neue Parteivorsitzende Martin Schulz die Delegierten mit kämpferischer Rede auf die bevorstehenden Wahlen eingestimmt hatte, wurde der SPD-Kanzlerkandidat einstimmig auf den ersten Listenplatz für die Bundestagswahl gewählt.

Dass die Arbeit des heimischen Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese mit Listenplatz 13 belohnt wurde, sorgte für gute Stimmung bei den Delegierten: „Damit wird ganz klar die hervorragende Arbeit von Dirk Wiese im Bundestag, Wahlkreis und für die ganze Region Südwestfalen honoriert“, so Peter Newiger, Kandidat aus dem Sauerland für die NRW-Landtagswahl. Der Listenplatz mache zuversichtlich, dass der Hochsauerlandkreis auch in Zukunft durch einen sozialdemokratischen Abgeordneten im Bundestag vertreten sein werde.

Der heimische Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Sauerländer SPD Dirk Wiese freute sich über das gute Ergebnis und das in ihn gesetzte Vertrauen. Jetzt heiße es, so Wiese „die Ärmel hochzukrempeln“ damit NRW im Mai eine sozialdemokratische Ministerpräsidentin behalte und Deutschland im September einen sozialdemokratischen Bundeskanzler bekomme.

Fotowettbewerb des heimischen Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese: „Schneevergnügen im Sauerland“- Die Gewinner stehen fest

Marion Oppermann aus Brilon
Meschede. (spd_pm) Unter dem Motto: „Schneevergnügen im Sauerland“ hatte der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese im Winter zu einem Fotowettbewerb aufgerufen.

„Mich haben schöne und abwechslungsreiche Fotos in meinem Berliner Büro erreicht. Mehr als 170 Bilder aus meiner Heimat dem Sauerland sind eingegangen.“

Die Gewinner sind Marion Oppermann aus Brilon und Frank Wulf aus Schmallenberg. Die beiden Fotografen haben eine viertägige Reise nach Berlin für jeweils zwei Personen gewonnen.

Frank Wulf aus Schmallenberg
Ihre Bilder werden ab der nächsten Woche im Wahlkreisbüro von Dirk Wiese in Meschede ausgestellt.

Bei allen anderen Teilnehmern bedankt sich Dirk Wiese herzlich für die Teilnahme am Wettbewerb: „Es war keine einfache Entscheidung, denn alle Bilder haben die besonderen Seiten des Sauerlands auf verschiedene Art und Weise –egal, ob schneebedeckte Berge oder abgelegene Wanderwege – wunderbar dargestellt.“

Pressemitteilung: Ländliche Räume jetzt auch digital unter die Lupe nehmen – interaktiver Landatlas ist da

Dirk Wiese auf seiner Landwirtschaftstour 2015. (foto: spd)

Berlin. (spd_pm) Etwa 90 Prozent der Fläche Deutschlands sind ländlich geprägt und mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt auf dem Land. Auch das Sauerland ist ländlich geprägt, wirtschaftlich stark und äußerst vielfältig.

Das Thünen-Institut hat im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums einen Landatlas online gestellt, der ländliche Regionen unter die Lupe nimmt (http://www.landatlas.de). Dieses interaktive Kartenwerk bietet Informationen zu verschiedene Lebenssituationen in ländlichen Regionen auf einen Blick.

„Mit dem Landatlas besteht jetzt die Möglichkeit, sich ein genaueres Bild über Fragen der demografischen und sozialen Situation, die Erreichbarkeit von Nahversorgern, über Wohnungs- und Arbeitsmärkte, die Wirtschaftsentwicklung oder die Landnutzung zu verschaffen- von meiner Heimatregion, dem Hochsauerland, bis zum bundesweiten Vergleich“, so der heimische Bundestagsabgeordnete Wiese in seiner Presssemitteeilung.

In welchen Regionen Deutschlands ist der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss besonders hoch? Wo befinden sich die wissensintensiven Industrien? Wie steht es um die ärztliche Versorgung, die Apothekendichte oder die Erreichbarkeit von Tankstellen und Lebensmittelläden?

Fragen dieser Art beantwortet der Landatlas auch für den Hochsauerlandkreis. Interaktive Karten im Landatlas geben detailliert Auskunft über die Lage in Gemeinden und Landkreisen.

Wetter und Klima – Rückblick und Ausblick: Unvergessene Winterimpressionen aus damaliger Zeit und der heutige Klimawandel.

Die Klimaveränderung geht immer schneller vor sich; und auch die 2 Grad-Marke ist für sich genommen schon ein extremer Wert, der Hitze- und Dürreperioden, Orkane, Überschwemmungen und Sturzfluten immer katastrophalere Ausmaße annehmen läßt.
„Die Klimaveränderung geht immer schneller vor sich; und auch die 2 Grad-Marke ist für sich genommen schon ein extremer Wert, der Hitze- und Dürreperioden, Orkane, Überschwemmungen und Sturzfluten immer katastrophalere Ausmaße annehmen läßt.“ Winterberg im Januar 2016. (foto: zoom)

Bevor wir uns mit der kalten Jahreszeit der letzten Jahrzehnte beschäftigen, möchte ich im Folgenden einmal kurz auf den soeben zu Ende gegangenen Winter 2015/16 hier in NRW eingehen und die wichtigsten Daten präsentieren, auch um zu verdeutlichen, wie sich durch den menschengemachten Klimawandel Frost, Schnee und Eis auf dem Rückzug befinden.

Ferner soll bei dieser Gelegenheit das Ergebnis der Klimakonferenz in Paris vom vergangenen Dezember einer Beurteilung unterzogen werden.

Um mit der Konferenz in der französischen Hauptstadt zu beginnen: Das Ergebnis wurde euphorisch als großer Durchbruch gefeiert. Aber war es wirklich ein Erfolg?

Meiner Ansicht nach nur ein scheinbarer. Denn obwohl sich alle Staaten dazu verpflichtet hatten, den Klimaschutz nach vorne zu bringen, drohen bei Nichteinhaltung des Vertrags keine Konsequenzen in Form von Strafen.

Außerdem werden die nationalen Klimaziele weiterhin von den einzelnen Staaten selbst festgelegt. Auch Moritz Lehmkühl, der Gründer von Climatepartner(führender Anbieter für Business-Lösungen im Klimaschutz), kritisiert an dem Abkommen, daß keine verbindlichen Maßnahmen definiert wurden, durch die das Ziel einer klimaneutralen Weltwirtschaft erreicht werden soll. Er ist zwar trotz z. T. berechtigter Kritik überzeugt, daß die Vereinbarung von Paris das Beste ist, was für das Weltklima seit der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls 1997 getan wurde.

Dennoch: Umsetzungs- und Kontrollmechanismen fehlen. Statt verbindlicher Verpflichtungen enthalte das Abkommen eher Aufforderungen und Empfehlungen. Sieht man es einmal ganz nüchtern, dann handelt es sich doch wieder nur um die berühmten Absichtserklärungen.

Die bittere Erkenntnis lehrt aber, daß freiwillige Vereinbarungen, – wo auch immer – noch nie gefruchtet haben. Also kein Grund, von einem historischen Ereignis zu sprechen. Der ökonomisch motivierte Egoismus beherrscht nach wie vor das Denken der Staatengemeinschaft. Dies ist der Grund dafür, daß die Staatschefs aller Länder ihre Verantwortung für ein Leben erhaltendes Klima noch immer längst nicht ausreichend wahrnehmen.

Wie lange ertönt beispielsweise schon der berühmte, zum entschlossenen Handeln mahnende Spruch „Es ist fünf vor zwölf – oder gar zehn nach zwölf?“ Seit nahezu 30 Jahren.

Doch die Zeit ist weitergegangen. Weder Deutschland noch ein anderes EU-Land hat wirklich einen Grund sich seiner umwelt- und klimapolitischen Taten zu rühmen. Um bei unserer Regierung anzusetzen:

Frau Merkels Fähigkeiten wurden schon immer maßlos überschätzt, sei es als ehemalige Umweltministerin oder erst recht in ihrer über zehnjährigen Amtszeit als Bundeskanzlerin. Das Problem ist, daß es ihrer schwarz-roten Regierung an dem unbedingten Willen und an Courage fehlt, die erforderlichen Maßnahmen durchzusetzen, um den Klimaschutz hierzulande zu einem Erfolg werden zu lassen. Zu eng ist die Verflechtung mit den Lobbyverbänden aus der Wirtschaft, die hierzulande die Richtlinien der Politik maßgeblich bestimmen.

Die einzige und letzte Chance aus diesem Dilemma herauszukommen, sehe ich in einem Dreierbündnis mit einer völlig neu aufgestellten SPD zusammen mit Grünen und Linkspartei. Nur von einer solchen Koalition könnte erwartet werden, daß sie den Kampf gegen eine übermächtige Industrielobby entschlossen aufnimmt und deren Einflußnahme auf die Politik zurückdrängt.

Fest steht für mich, daß das viel beschworene 2- oder gar 1,5 Grad Ziel aus heutiger Sicht nur noch sehr schwer – wenn überhaupt – zu erreichen ist. Dazu müßten weltweit alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, und zwar sofort.

Die Klimaveränderung geht immer schneller vor sich; und auch die 2 Grad-Marke ist für sich genommen schon ein extremer Wert, der Hitze- und Dürreperioden, Orkane, Überschwemmungen und Sturzfluten immer katastrophalere Ausmaße annehmen läßt.

Diese sehr beunruhigende Tatsache veranlasste den Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif dazu, den in Paris am Verhandlungstisch sitzenden Regierungschefs und Ministern zu bescheinigen, sie wüßten in Anbetracht des verbal reichlich strapazierten 2-Grad-Ziels nicht, worüber sie überhaupt reden.

Zum Winter 2015/16: Dieser war – wie viele seiner Vorgänger – deutlich zu warm, erneut ein untrügliches Zeichen für den Klimawandel. Die Durchschnittstemperatur der Wintermonate lag nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes 3,5 Grad(!) über dem vieljährigen Mittel. Damit gehört der Winter 2015/16 zu den 5 mildesten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1881, sagte Gerhard Lux vom DWD.

Rekordhalter ist der Winter 2006/2007, der um 4,4 Grad zu warm ausfiel. Der Dezember 2015 lag satte 5,6 Grad(!) über dem Normalwert. So warm war kein Dezember seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Durchschnittstemperatur in Deutschland lag mit 3,6 Grad C um 3,4 Grad über der international gültigen Referenzperiode bzw. Normalperiode 1961 – 1990; im Vergleich zum Zeitraum 1981 – 2010 war die Abweichung mit 2,7 Grad nur unwesentlich geringer.

Bei uns in NRW präsentierte sich der Winter 2015/2016 mit 5,0 Grad C (1,7°) als das wärmste und mit gut 235 l/m² (223 l/m²) als ein eher nasses Bundesland. Darüber gehörte es mit annähernd 190 Stunden (151 Stunden) zu den sonnenscheinreichen Regionen. In Duisburg-Baerl wurden im Winter 2015/16 nur 16 Frosttage gezählt. Der Dezember blieb in zahlreichen Orten, wie Köln, Düsseldorf und Münster praktisch frostfrei.

Nun aber zu der kalten Jahreszeit früherer Jahrzehnte, in deren Verlauf ich das Wettergeschehen bereits als Kind ziemlich genau unter die Lupe genommen hatte.

Obwohl der meteorologische Winter erst Anfang Dezember beginnt (1.12.), zeigte sich schon der Herbstmonat November häufig von seiner winterlichen Seite. So wurden z. B. in der 2. Novemberhälfte des Jahres 1985 in Altenstadt (Bayern) Temperaturen von nahezu minus 25 Grad(!) gemessen; dazu auch noch reichlich Schnee. Genauso kalt war es in Teilen Bayerns Ende November 1973.

Während meiner Kindheit und auch noch viel später trug man wie selbstverständlich im Oktober warme Strickjacken und Strickpullover. Und erst recht galt dies für den November, wo die Leute eigentlich nur mit Wintermantel unterwegs waren.

Im Herbst letzten Jahres machte der bayerische „Wetterprophet“ Sepp Haslinger aus Benediktbeuern (Südbayern) wieder einmal von sich reden. Er sagte für 2015/16 einen grimmigen Winter voraus. Am Blütenstand der kleinen Königskerze ist seiner Meinung nach zu erkennen, wie der kommende Winter wird. Er hatte schon jenen von 2014/2015 am Verhalten der Blüte richtig prognostiziert, wenn dieser auch nicht so mild ausgefallen war, wie der vorhergehende. Nur diesmal erlag Haslinger einem Irrtum.

Ebenfalls grimmige Verhältnisse prophezeiten manche Ornithologen, die ihre Vorhersage mit dem gut 3 Wochen früher einsetzenden Wegzug der Zwergschwäne aus der nördlichen Tundra in die Winterquartiere begründeten. Von Meteorologen und Klimaforschern war wiederum zu hören, daß wir uns – gestützt auf langjährige Beobachtungen bzw. Meßreihen – erneut auf einen insgesamt milden Winter einstellen müssen.

Nun ist es laut der Alpenschutzkommission CIPRA und des Deutschen Alpenvereins (DAV) offiziell: 2015 war noch einmal 0,16 Grad C wärmer als das bisherige Rekordjahr 2014.

Grund sind das Klimaphänomen El Nino und der Klimawandel. Millionen Afrikaner hungern.

Wir Europäer leisten uns dagegen eine gigantische Verschwendung von Energie und Rohstoffen. Hier die Zahlen: 38.000 Schneekanonen stehen heute in den Alpen. Sie brauchen so viel Energie wie eine 130.000-Einwohner-Stadt und so viel Wasser wie eine Millionen-Metropole. Auch wenn es immer mehr werden: Die Schneesicherheit sinkt. In den Bayerischen Alpen wird es bis Mitte des Jahrhunderts wohl nur noch 3 verlässliche Skigebiete geben. Und wer hier im Sauerland trotz solcher Aussichten immer noch von „klimagerechter Beschneiung“ faselt, ist und bleibt ein Traumtänzer. Das hat keinerlei Bezug zur Wirklichkeit.

Ich habe die kalte Jahreszeit – wie viele meiner Altersgenossen – noch ganz anders in Erinnerung. Neben milden Wintern oder gar solchen mit sehr wenig oder gar keinem Schnee (z. B. 1964), die insgesamt jedoch ziemlich rar gesät waren, gab es wiederholt längere Frostperioden mit Temperaturen z. T. weit unter minus 10 Grad. Diese wurden oft nicht von deutlich milderer Atlantikluft abgelöst, sondern durch aufkommende Schneefälle lediglich unterbrochen. Sodann nahm der Frost abermals an Schärfe zu.

Die Begriffe „Frostabschwächung“ oder „Frostmilderung“ waren zu damaliger Zeit regelmäßiger Bestandteil der WDR-Wetterberichte (Wetteramt Essen). Heute sind sie aus dem Vokabular der Meteorologen weitgehend verschwunden, weil es derartige Konstellationen – zumindest über einen längeren Zeitraum – gar nicht mehr gibt.

Bezeichnenderweise spricht man heute eher von kühlen Luftmassen. Meistens erleben wir doch nur noch einen Hauch von Winter, der mal für ganz wenige Tage vorbeischaut und dann schnell wieder milden bzw. sehr milden Luftmassen die Regie überläßt. Das ist auch darauf zurückzuführen, daß die unser Wetter maßgeblich bestimmende Westdrift stärker geworden ist und das Westwindband sich ostwärts verlagert hat. Diese Erkenntnis war jedenfalls eine Zeitlang Stand der Wissenschaft. Allerdings muß man damit rechnen, daß sich durch den fortschreitenden Klimawandel die großräumige Zirkulation erneut grundlegend ändert und dies eine Neubewertung der Lage erforderlich macht.

Früher konnte man jederzeit damit rechnen, daß sich der Winter kurz- oder mittelfristig zurückmeldete.

Beispiel 60er Jahre: Seinerzeit lagerte kontinentale Kaltluft weniger weit östlich als heutzutage. Sie erwies sich als Bollwerk gegen die aus Westen herbeiströmenden milden atlantischen Luftmassen. Prallte nun diese mit einer Menge Feuchtigkeit angereicherte Luft auf die über Deutschland festsitzende kontinentale Kaltluft, so kam es zu ergiebigen Schneefällen. Anschließend kräftigte sich das östlich positionierte Kältehoch wieder und sorgte häufig für mäßigen bis starken Dauerfrost.

Es bleibt also festzuhalten, daß die (zunehmend ausbleibenden) Winter von heute, welche immer öfter Plusgrade im zweistelligen Bereich aufweisen, nicht mit denen von anno dazumal auf eine Stufe zu stellen sind.

Vor einigen Jahrzehnten war der morgendliche Gang zur Kirche oft mühsam; man mußte sich durch den Schnee hindurchkämpfen. Wenn auch nur ausnahmsweise in tieferen Regionen, so doch ganz bestimmt in den höher gelegenen, damals per Kfz meistens schwer erreichbaren Dörfern.

Um sich als naturverbundener Mensch an der Idylle kalter und schneereicher Winter zu erfreuen, wie sie einst häufig auftraten, bieten die alten Schwarz-Weiß-Filme aus den fünfziger und sechziger Jahren reichlich Gelegenheit. Man sieht dort allenthalben unverbrauchte bzw. sehr dünn besiedelte Landschaften, überzogen mit makelloser, weißer Pracht, auf die kaum jemand seinen Fuß, oder besser gesagt Ski gesetzt hatte.

Das Bayerische Fernsehen sendete mal einen Film, der den Titel trug: „Winter im Berchtesgadener Land“. Dieser Beitrag enthielt auch höchst eindrucksvolle Impressionen aus der Zeit vor 50 Jahren. Er zeigte tief verschneite Landschaften von den Gipfellagen bis ins Tal auf 570 m Seehöhe herab. Dazu überall frostig kalt.

Der Meteorologe und Klimaforscher Prof. Dr. Hartmut Grassl, aufgewachsen in der Ramsau (nicht nur Nationalparkgemeinde, sondern jetzt auch erstes Bergsteigerdorf in Bayern), erzählte einmal von den Wintern, wie er sie als junger Bub erlebt hatte. Zitat: „Man war ringsherum von Schneemassen regelrecht eingemauert.“

Und heute? Schneefall oder Schneeschauer gibt es zwar noch. Aber die Schneeflocken besitzen wegen zu hoher Temperaturen in den allermeisten Fällen einen so hohen Wassergehalt, daß sie in ihrer Dimension fast die Größe von Bettlaken annehmen, ereiferte sich mal ein Bekannter von mir. In der Tat verhält es sich so: Massive, gehäuft auftretende Schneefälle, entladen ihre Fracht – zumal in den Niederungen – meistens nur noch in Form von Naßschnee, der fragile Gebäude und Kunstwälder einstürzen läßt, also ganz neue Gefahren mit sich bringt. Eine Beobachtung, die man weltweit machen kann.

Gegen Ende des Winterhalbjahres 2012/2013 wurde in der Presse darüber berichtet, daß einige Skigebiete nicht mehr so schneesicher sind wie vor 40 Jahren.

Im Berchtesgadener Land etwa sind die negativen Folgen des Klimawandels für den Wintertourismus am deutlichsten spürbar. Die Zahl der für den Skibetrieb so wichtigen Tage mit ausreichender Schneehöhe ging seit 1970 im Mittel von damals rund 110 auf 77 pro Jahr zurück. Im Skigebiet Tegernsee-Schliersee beobachtet der DWD heute im Durchschnitt nur noch 103 Tage mit 30 cm Schneehöhe – 1970 waren es noch 118. Die Zugspitzregion muß einen Rückgang von 111 auf 102 Tage pro Jahr verkraften. In den übrigen Skigebieten konnte der DWD noch keine auffälligen Veränderungen feststellen (Stand Februar 2013).

Die Klimaforscher des nationalen Wetterdienstes gehen allerdings davon aus, daß sich diese Trends in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen und dann weitere deutsche Wintertourismusregionen betroffen sein dürften. Aber schon die Winter nach 2012/13 haben gezeigt, daß die Klimaerwärmung mit all ihren negativen Auswirkungen für den Wintersport schneller vor sich geht als mancher Experte sich das vorgestellt hat.

Noch bis weit in die 80er Jahre hinein gab es auch um die Karnevalszeit Mitte Februar häufig Kaltlufteinbrüche, so daß die Narren bei den Umzügen auf ihren Wagen zweistelligen Minusgraden zu trotzen hatten. Und am Faschingsdienstag bibberten die Weiber auf dem Münchner Viktualienmarkt bei nahe – 20 Grad und schunkelten sich bei Grog und Glühwein warm. Doch das ist Vergangenheit. Früher galt der Februar als klassischer Schneemonat. Oft zeichnete er sich durch Schneereichtum aber auch strenge Fröste aus.

Von tief verschneiten Landschaften kann gegenwärtig nur noch selten gesprochen werden. Selbst am Großen Arber im Bayerischen Wald (1.456 m) betrug die maximale Schneehöhe lange Zeit nicht mehr als 85 cm, nur kurzzeitig mal etwas über 1 m, gemessen im Monat Februar.

Am 2. April 1944 wurde auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze (2.968 m) die Rekordschneehöhe von 8,30 m gemessen. Und im Jahre 1977 kamen auch noch beachtliche 7 m und darüber zusammen. Solche Schneemengen wurden seitdem nicht mehr annähernd erreicht. 4 bis 5 m sind aber nach wie vor möglich. Auch in den Hochlagen des Sauerlandes gab es in früheren Jahrzehnten Schnee en masse. Gut im Gedächtnis geblieben ist mir z. B. der März 1970, wo auf dem Kahlen Asten an die 2 Meter von der weißen Pracht gemessen wurden.

Einer der strengsten Nachkriegswinter war 1962/63. Autos fuhren über „das bayerische Meer“, den Chiemsee.

Solche Meldungen verkünde ich nun keineswegs mit Euphorie.

Gewässer für Autofahrten freizugeben, betrachte ich als hirnlosen, unüberlegten Schwachsinn, als brutalen Eingriff in das hoch sensible natürliche Gefüge einer Seenlandschaft. Und das geschieht dann auch noch zur „staden Zeit“, wie man in Bayern und Österreich sagt, in der alle Tiere am störungsanfälligsten sind! Das Ganze taugt nur als Sensationsereignis.

Der lange Winter 1962/63 begann, ich erinnere mich noch sehr genau – mit dem Feiertag Buß- und Bettag Mitte November. Bei Temperaturen von minus 4 Grad C kam es zu mäßigem Dauerschneefall. Mein Elternhaus lag oberhalb des Stadtgebiets von Meschede. Um dorthin zu kommen, mußte erst einmal der „Krankenhausberg“, wie die recht anspruchsvolle Steigung am St. Walburga-Krankenhaus allgemein genannt wurde, bewältigt werden. Per Kfz verlief das bei winterlichen Verhältnissen recht abenteuerlich.

Zu jener Zeit waren – zumal auf den Nebenstrecken – kaum Fahrzeuge unterwegs. Und ehe mal Räumdienste zur Stelle waren, dauerte seine Zeit. Fing es für mehrere Stunden ergiebig zu schneien an, bildete sich oft im Nu eine geschlossene Schneedecke. Das vergleichsweise geringe Verkehrsaufkommen zu jener Zeit führte sehr rasch zu Schnee- und Eisglätte. Doch man passte sich den schwierigen Verhältnissen an. Nur ganz wenige hatten es so eilig wie heutzutage. Der Begriff Rücksicht galt vielen Autofahrern noch nicht als Fremdwort.

Aber zurück zu diesem unvergessenen Winter:

Zunächst hieß es noch mit Blick auf das bevorstehende Fest: „Grüne Weihnachten sind die Regel“ – Weiße Weihnachten erwarten wir nur in den Bergen.“ Allen Unkenrufen zum Trotz kam es anders. An Heiligabend wehte – wie bereits zuvor – ein eisiger Ostwind bei etwa – 10 Grad. Und rundherum eine Winterlandschaft wie aus dem Märchenbuch. Der Schnee knirschte unter den Füßen.

Erst Mitte März, wenige Tage vor dem astronomischen Frühlingsbeginn, setzte starkes Tauwetter ein. Der Wechsel vollzog sich quasi von heute auf morgen. Ein Wärmeeinbruch mit 20 Grad C und die Kraft der Sonne machten es möglich, daß die vorhandene Schneedecke binnen kurzer Zeit aufgezehrt wurde. Einen derart abrupten Übergang zu frühlingshaften Verhältnissen kennt man sonst nur von Gegenden, in denen kontinentales Klima herrscht.

Noch strengere Winter als 1962/63 oder auch 1984/85 (einer der härtesten in Skandinavien – hierzulande begann er nach einem noch milden Dezember Anfang Januar, wobei die Temperaturen selbst im Rheinland auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt blieben) traten während des Krieges in den 40er Jahren auf. Darunter befand sich einer mit dem bislang nie wieder erreichten Januarmittel von minus 7,5 Grad C (!).

Heute dagegen haben wir es immer öfter mit außergewöhnlich milden Wetterlagen zu tun. So lag 4 Tage vor Weihnachten 2015 selbst auf 1.000 m Seehöhe kein Fleckchen Schnee. Und sogar auf 1.500 – 1.700 m Höhe waren zum kalendarischen Winteranfang (21.12.) nur Schneeflecken vorhanden. Das ist schon sehr extrem und ein weiterer Hinweis, daß sich unser Klima in eine Richtung mit immer mehr Wärmerekorden und immer weniger Kälterekorden verändert – was natürlich auch eventuelle zukünftige kalte Winter nicht ausschließt, aber eben immer seltener macht.

Nun ist die persönliche Erinnerung der Menschen und das, was objektiv von Wetterstationen gemessen wurde, nicht immer übereinstimmend. Da muß man schon, – wie unsereiner es seit Jahrzehnten tut – sehr aufmerksam beobachten. Zweifellos verändert sich etwas beim Wettergeschehen. Vieles deutet darauf hin, daß der Rückgang des arktischen Eises massive Auswirkungen auf unser Wetter hat, denn das verändert den Temperaturgradient zwischen Nord und Süd und damit eben auch das Verhalten der planetaren Wellen (Rossbywellen). Der Jetstream schwächt sich ab und mäandriert stärker. Wir spüren das, indem die Jahreszeiten starke Schwankungen aufweisen. In dem nach 2015 zweitwärmsten Jahr 2014 seit Meßbeginn gab es an 43 von 92 kalendarischen Sommertagen Unwetterwarnungen. Rekord!

Das Problem für viele Menschen wird bleiben, den Zusammenhang zwischen dem, was wir an unsichtbaren und geruchlosen Gasen in die Atmosphäre pumpen und dem veränderten Wettergeschehen (das aber eben parallel auch durch die Natur stets verändert wird) zu erkennen. Und viele folgen auch einer diese Zusammenhänge ablehnenden Argumentation, weil das für sie selbst die Welt einfacher erscheinen lässt.

Glaubt man nicht an unseren Einfluß, so muß man an der eigenen Lebensweise nichts verändern. Schön, aber eben falsch.

Fakt ist, daß der Klimawandel permanent voranschreitet. Seine Auswirkungen bekommt unser Globus Tag für Tag zu spüren. In immer kürzeren Abständen erreichen uns aus allen Teilen der Welt, in zunehmendem Maße auch aus Teilen Europas, entsprechende Hiobsbotschaften.

Nun ist es (leider) eine Tatsache, daß – wie der Meteorologe Sven Plöger in seinem Buch „Gute Aussichten für morgen“ schreibt – „weltweite Verhaltensänderungen auf allen Ebenen nur in einem sehr langen Zeitraum erfolgen können“. Ich fürchte aber, daß dann der Zug längst abgefahren ist. Ökologische Zerstörungen, verursacht durch jahrelange rücksichtslose Verbauung, etwa des Hochgebirges, rächen sich bitter. Aufgrund der durch den Klimawandel herbeigeführten extremen Wetterereignisse wirken sich brutale Eingriffe in die Natur umso verheerender aus.

Dazu paßt auch folgende Meldung aus dem Reiseteil der „Westfälischen Rundschau“ vom Sommer 2015: Überschrift: „Schweiz: Wolkenkratzer in den Alpen“. Im Bergdorf Vals soll das höchste Haus Europas nach den Plänen des „Stararchitekten“ Mayne entstehen. Geplant ist ein Hotel mit 83 Etagen und insgesamt 107 Zimmern und Suiten – und dies natürlich auch zu schwindelerregenden Preisen. Die Gäste sollen per Helikopter anreisen und je Nacht zwischen 1.000 und 23.000 Franken zahlen; das sind umgerechnet 950 bis 23.800,– €.

Der absolute Gipfel des Größenwahnsinns!

Das zumindest ist die Vision zweier Unternehmer, die dort aufgewachsen sind. Kosten des Mega-Projektes rund 285 Millionen SFR. Der Turm, der auf Bildern wie eine überdimensionierte Nadel in die Höhe ragt, soll der zentrale Ausgangspunkt für Leute werden, die Europa besuchen und in der Regel im Hubschrauber unterwegs seien, zitiert die „Thurgauer Zeitung“ einen Unternehmer. Eine neue reiche Klientel soll angesprochen werden anstelle der Masse. Zwar bestehen schon ernsthafte Pläne und Bildmontagen. Noch fehlt allerdings bis heute die Zustimmung der Dorfbewohner. Erst wenn die rund 1.000 Einwohner der Graubündner Gemeinde bei einer Abstimmung in diesem Jahr überwiegend dafür sind, kann der Spatenstich für den Wolkenkratzer erfolgen. „Femme de Vals“ – der Name des Turms lehnt sich an die Filigrane Figur „Femme de Venise“ des 1966 verstorbenen Künstlers Alberto Giacometti an – wäre nach seiner Fertigstellung auf den Meter genau so hoch wie der berühmte Skyscraper der Welt: Das Empire State Building in New York in den Vereinigten Staaten.

Der menschliche Größenwahn und die Profitgier kennen offenbar keine Grenzen.