Winterberg: SPD löst Ortsverbände auf

Seit ein paar Tagen pfeifen die Spatzen in Siedlinghausen von den Dächern, dass die SPD Winterberg ihre Ortsverbände auflösen werde. Dieses Gerücht wurde mir auch  aus den Reihen der SPD bestätigt. Eine Neuausrichtung stehe an und es werde demnächst eine Pressemitteilung geben.

Ich bin auf die Begründung gespannt.

Auf der Website der SPD Winterberg wird die jetzige Organisation des Stadtverbandes folgendermaßen erklärt:

„Politik und Partei.
Stadtverband
Der Stadtverband Winterberg umfasst den gesamten Bereich der Ferienwelt Winterberg. Organisatorisch sind alle fünf SPD-Ortsvereine im Stadtgebiet in den Stadtverband eingebunden.

Ortsvereine
Wenn von der vielzitierten „Basis“ gesprochen wird, ist damit die politische Arbeit im Ortsverein gemeint.“

An anderer Stelle:

„Ortsverein Kahler Asten
Altastenberg, Elkeringhausen, Langewiese, Lenneplätze, Mollseifen, Neuastenberg & Winterberg

Ortsverein Hilletal
Grönebach, Hildfeld & Niedersfeld

Ortsverein Silbach
Bergfreiheit Silbach

Ortsverein Siedlinghausen
Altenfeld & Siedlinghausen

Ortsverein Züschen
Züschen“

In meinen Gesprächen mir Bürgerinnen und Bürgern aus Siedlinghausen habe ich in letzter Zeit Unzufriedenheit über die fehlende Präsenz der Orts-SPD im Vereinsleben gespürt. Zu mehreren Jahreshauptversammlungen seien keine Vertreter der Partei erschienen.

Zu Zeiten von Richard Hassenpflug wäre das nicht passiert.

Nun, die Zeiten ändern sich und die SPD scheint vor Ort kaum in Erscheinung zu treten. Als Opposition im Rathaus der Stadt Winterberg arbeitet sie geräuschlos mit der CDU zusammen.

Quo vadis, SPD?

Warten auf die Pressemitteilung, auf ein paar kluge Kommentare hier im Blog oder auf Godot?

Freie Wähler aus Medebach, Winterberg und Bürger für Hallenberg gemeinsam für „Abschaffung von Straßenausbaubeiträgen in NRW“

Die Freien Wähler aus Medebach, Winterberg und Bürger für Hallenberg beim letzten Treffen. (foto: FreieWähler)

Mit einem gemeinsamen Flyer „Abschaffung von Straßenausbaubeiträgen in NRW“ starten die Freien Wähler aus Medebach, Winterberg und Bürger für Hallenberg jetzt ihre erste städteübergreifende Aktion.

(Pressemitteilung der Freien Wähler Medebach/Hallenberg sowie Bürger für Hallenberg)

So trafen sich jetzt die Wählergemeinschaften in Hallenberg unter dem Motto „gemeinsam stark“ um auch für die Zukunft gemeinsame Aktionen zu planen.

Die aktuell laufende „openPetition STRABS“ wird u.a. mit einem gemeinsamen Flyer unterstützt = Änderung des § 8 Kommunalabgabengesetz für das Land Nordrhein-Westfalen, so dass die Rechtsgrundlage für Straßenausbaubeitragssatzungen in Nordrhein-Westfalen abgeschafft wird und somit generell die Kommunen keine Ausbaubeiträge von den Anliegern fordern dürfen.

So wollen die Freien Wähler in den kommenden Wochen noch vor Ort an diversen Stellen Unterschriften sammeln. Natürlich kann der Bürger auch z.B. online auf der Webseite www.fw-winterberg.de oder www.buerger-fuer-hallenberg.de an dieser Petition teilnehmen. Weitere Informationen und Links finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten der Bürger & Freien Wähler.

WARUM SOLLTEN SIE UNBEDINGT TEILNEHMEN?

Die FW NRW und aus oben genannten Städten setzen sich dafür ein, dass die aus der „Kaiserzeit“ stammenden Straßenausbaubeiträge (Strabs) nach § 8 Kommunalabgabengesetz (KAG) flächendeckend in ganz Nordrhein-Westfalen abgeschafft werden. Denn diese Beiträge sind in ganz Europa einmalig – kein anderes Land belastet seine Bürger in diesem Maße!

Die Kommunen im Hochsauerlandkreis regeln die Kostenbeteiligung höchst unterschiedlich. Konkrete Angaben seitens der Stadtverwaltungen zu den doch sehr großen Differenzen sucht der Bürger vergebens. Hier ist die gesamte Bandbreite zwischen 50 und 80 % vertreten.

• 50% = Brilon, Marsberg, Medebach, Schmallenberg
• 65% = Arnsberg, Bestwig, Eslohe
• 70% = Meschede, Sundern
• 80% = Hallenberg, Olsberg, Winterberg

Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus können in einigen Kommunen leicht Kosten in fünfstelliger Höhe auf die Grundstückseigentümer zukommen.

In vielen Bundesländern wie Berlin, Hamburg, Baden-Württemberg und zuletzt in Bayern sind die „Strabs“ bereits Geschichte.

Die Straßen und deren Infrastruktur dienen generell der Allgemeinheit und gehören damit zur allgemeinen Daseinsvorsorge. Damit sind auch der Unterhalt und die Erneuerung von der Allgemeinheit zu finanzieren. Auch Mieter sind indirekt betroffen. Zwar dürfen Vermieter die Beiträge eigentlich nicht umlegen, aber indirekt werden die Straßenausbeiträge in vielen Fällen durch anderweitig begründete Mietsteigerungen weitergereicht. Die Erneuerung einer Straße kommt grundsätzlich nach Ablauf der üblichen Nutzungsdauer in Betracht. Diese beträgt in der Regel 25 bis 30 Jahre. Ist dieser Zeitrahmen noch nicht erreicht – und wurde die Straße bislang auch noch nicht repariert – geht dieser so genannte aufgestaute Reparaturbedarf nicht zu Lasten der Anlieger.

Die FW fordern auch in diesem Fall mehr Transparenz: Die den Gemeinden zufließenden Fördermittel müssen mit dem gesamten Vorhaben verrechnet werden, nicht nur mit dem Eigenanteil der Gemeinde.

Es besteht die Gefahr, dass die Anlieger/innen durch diese hohen Belastungen u.a. ihre Altersvorsorge verlieren und sogar in ihrer Existenz gefährdet sind. Gerade junge Familien und Senioren mit einer geringen Rente sind hier besonders gefährdet und benachteiligt. Dass mit den hohen Anliegergebühren quasi eine Enteignung billigend in Kauf genommen wird, ist ungerecht und höchst unsozial.

Durch den Wegfall der Straßenausbaubeiträge in NRW könnten (müssen) für die NRW-Kommunen die Einnahmeausfälle durch höhere allgemeine Zuweisungen (z.B. Schlüsselzuweisungen oder Investitionspauschalen bzw. besondere Bedarfszuweisungen) durch das Land NRW kompensiert werden. Die Kommunen können die Einnahmeausfälle nicht alleine stemmen.

Eine gerechte Systemumstellung und Finanzierung ohne Steuererhöhung ist möglich.

Man muss es nur wollen! – Dafür setzen sich die Freien Wähler ein!

Am 11. April 2018 wurde hierzu eine Online-Petition (www.nrw-petition.de) ins Leben gerufen – weitere Infos finden Sie auch auf den jeweiligen Webseiten.

Gefährlicher Zebrastreifen in Siedlinghausen: Ortsvorsteher will Ideen sammeln

Ortsvorsteher Michael Mingeleers (3. von rechts) wollte heute Abend Ideen zur Entschärfung des Zebrastreifens sammeln. (foto: zoom)

Ortsvorsteher Michael Mingeleers (CDU) hatte heute Abend zu einer Bürgerversammlung eingeladen. Es sollten Ideen zur Entschärfung der Gefahren rund um den Zebrastreifen in der Ortsmitte gesammelt werden.

Schon SPD-Politiker Jochen Hiller habe vor 25 bis 20 Jahren für eine sicher Überquerung der Hochsauerlandstraße im Ort gekämpft. Aber erst vor gut fünf Jahren hätten Verkehrszählungen die Notwendigkeit eines Zebrastreifens bestätigt.

Der Zebrastreifen, so die einhellige Meinung der Anwesenden, sei zwar ein Fortschritt, aber viele Bürger hätten auf Schwächen und Gefahren hingewiesen.

Aus Richtung Winterberg liege die Fußgängerquerung hinter einer Kurve. Das Hinweisschild 100 Meter davor sei zu unauffällig. Lastwagen, insbesondere aus dem Steinbruch, näherten sich häufig mit überhöhter Geschwindigkeit und würden dann kaum bremsen.

Ruhe am Zebrastreifen in Siedlinghausen. Blickrichtung Winterberg. Wenn der Verkehr rollt, wird es für die Fußgänger gefährlich. (foto: zoom)

Aber auch PKW, dabei nicht wenige Ortsansässige, würden die Fußgänger „übersehen“ und nicht anhalten.

Parkverbote vor dem Zebrastreifen würden nicht beachtet.

„Ich habe über 70 Fotos von Verkehrsverstößen gemacht“, berichtet ein Anwohner, die Polizei werde allerdings von sich aus nicht aktiv. Er solle Anzeige erstatten, sei ihm gesagt worden.

Der Bezirksbeamte, so eine andere Stimme, lasse „sich nur einmal die Woche blicken.“ Das reiche nicht, um Verstöße konsequent zu ahnden.

Was aber, so Michael Mingeleers, solle er dem Hochsauerlandkreis vorschlagen?

Die Ideen reichten von „anzeigen“ bis zu im Ort „bekannte Mitbürger auf ihr Fehlverhalten ansprechen“. Die Firmen der LKW seien leicht zu identifizieren. Da müsse man einfach anrufen.

Weitere Vorschläge:

  • Das Warnschild sichtbarer versetzen
  • 3-D-Zebrastreifen
  • Blinklicht
  • Warnbanner über die ganze Straßenbreite spannen
  • Aufmaler „Vorsicht Zebrastreifen“ auf der Straße
  • Weißes Plakat in Höhe der Schützenhalle „Vorsicht Zebrastreifen in 200 Meter“
  • Fake-Polizisten-Figur aufstellen
  • Geschwindigkeitsanzeige, Kosten ca. 2500 Euro, wie in Küstelberg installieren
  • „Rüstige Rentner“ansprechen, ob sie zeitweise Lotsenfunktion übernehmen können/wollen

Michael Mingeleers will nun alle Vorschlägen der Verkehrsbehörde vorlegen und in einer weiteren Bürgerversammlung über das Ergebnis berichten; hoffentlich, so der Ortsvorsteher, mit Beteiligung der vielen besorgten Eltern, die heute nicht anwesend gewesen seien.

Sauerländer Herbst …

Blick aus dem Fenster: Am Sonntag war der Sommer vorbei … Fahrrad einmotten! (foto: zoom)

Am Sonntag um 3:54 hat der kalendarische Herbst offiziell begonnen und die Regentropfen klopften an unser Fenster. Lange genug hatte der Sommer gedauert.

Immer nur Sonne – kann ja niemand aushalten. Und die Dürre. Was ist eigentlich aus dem Hype um die notleidenden Landwirte geworden, die ja unbedingt mit viel Geld aus der Trockenheit erlöst werden sollten. Die Medien überschlugen sich auf dem Höhepunkt der trockensten der regenlosen Tage.

Ich gehe zum Googlen: „Rewe und Penny verkaufen Obst und Gemüse mit Makeln

Okidoki, aber wie werden die 340 Millionen verteilt? Das ist alles noch im Schwange: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/V/_startseite/Artikel2018/III/180924_Duerrehilfen.html

Man achte auf die vielen Kriterien und den Papierkram. Vielleicht sind die Bauern das ja gewohnt. Sind Subventionen nicht ihr tägliches Brot?

Glücklicherweise kann ich morgen mein Fahrrad wieder aus dem Keller holen. Der Sommer ist zurückgeschlichen. Nicht kalendarisch, sondern so:

Blick aus dem Fenster: Rückkehr des Sommers? Fahrrad wieder entstauben! (foto: zoom)

Oscar Romero, Stimme der Armen und Fürsprecher einer anderen Globalisierung – Zwei Neuerscheinungen

ABER ES GIBT EINE STIMME, DIE STÄRKE IST UND ATEM …
Ein Hörbuch von Peter Bürger (bild: Cover)

Am 24. März 1980 lässt die winzige Minderheit der Reichen in El Salvador in der Hauptstadt Erzbischof Oscar Romero ermorden. Die von ihm vertretene Kirche der Armen wird als Angriff auf die herrschenden Besitzverhältnisse und Privilegien verstanden.

(Pressemitteilung von Peter Bürger)

Heute ist Romero Fürsprecher einer anderen Globalisierung unter dem Vorzeichen von Empathie, Solidarität und Gerechtigkeit: Teilen, nicht töten oder „absaufen“ lassen!

Die zentralen Botschaften der Predigten Romeros lassen uns aufhorchen ob ihrer drängenden Aktualität in einer Welt, in der wenige Individuen über mehr Besitztümer verfügen als die ärmere Hälfte der gesamten Menschheit.

Nachfolgend werden zwei Neuerscheinungen vorgestellt, die mit Blick auf die offizielle „Kanonisation“ in Rom am 14. Oktober den ungezähmten – politischen – Romero und dessen „Heiligsprechung durch die Armen“ in den Mittelpunkt stellen.

OSCAR ROMERO -
ABER ES GIBT EINE STIMME, DIE STÄRKE IST UND ATEM ...
Ein Hörbuch von Peter Bürger. – Onomato-Verlag
Gesamtspielzeit 78 Min. - ISBN 978-3-944891-67-5
Preis 10,- € [Auslieferung ab 01.10.2018]
https://www.onomato.de/detail/index/sArticle/432/number/SW10136?number=SW10136 
Autor & Textredaktion: Peter Bürger; Aufnahmetechnik & Gestaltung: Axel Grube; Sprechende: Gabriele Inhetvin, Peter Bürger, Peter Wege, Axel Grube; Musik: Detlef Klepsch und Axel Grube.

Mit freundlicher Unterstützung durch: Christliche Initiative Romero; Institut für Theologie und Politik; Solidarische Kirche im Rheinland; Wir sind Kirche; Bodo Bischof, Willem Lueg, Marco A. Sorace, Christian Weisner.

Das neue Hörbuch vermittelt die Geschichte Oscar Romeros, seinen Weg zur Kirche der Armen und Unterdrückten. Zeugnisse über den „Märtyrer der Gerechtigkeit“ und Selbstaussagen ermöglichen es, seine Wandlung und den Weg einer Pastoral an der Seite der Unterdrückten nachzuvollziehen.

Papst Franziskus will den Klerikalismus überwinden und sehnt sich nach einer Kirche der Armen. Auch an diesem Punkt kann Romero als Vorbild für einen neuen Aufbruch betrachtet werden. Der ehedem verschlossene und ängstliche Seelsorger erkannte seine Berufung, Sprachrohr zu sein für jene, die keine Stimme haben. Seine Predigten entstanden im Dialog. Er lernte das Zuhören und ließ sich von den kleinen Leuten stark machen. So wurde Romero trotz Todesdrohungen zu einem glücklicheren Menschen und glaubwürdigen Anwalt der Armen.

Hörprobe aus dem 10. Kapitel

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=-TGvnCbxcL0

 
 
„Sie wollen nicht, dass auch nur eine Stimme von der Stimme der Mächtigen abweicht, sie wollen keine Worte, die für die eintreten, die keine Stimme haben, und erst recht keine Taten, die die Schutzlosen und Verfolgten in Schutz nehmen.“
(Oscar Romero, 27. Juli 1977: Brief an Bischof Leonidas Proaño in Ecuador)

„Aber es gibt eine Stimme, die die Wahrheit im Namen dieses ganzen leidenden Organismus fordert und ausspricht, eine Stimme, die Stärke ist und Atem. Und ich fühle, meine Schwestern und Brüder, dass ich diese Stimme bin und dass wir ganz bestimmt eine Mission erfüllen.“
(Oscar Romero: Predigt vom 8.5.1977)

„Transzendenz bedeutet, sich auf das Kind, auf den Armen, auf den in Lumpen Gekleideten, auf den Kranken einzulassen, in die Elendshütten und Häuser zu gehen und mit ihnen allen zu teilen. Transzendenz bedeutet, aus der Mitte des Elends selbst diese Lage zu überschreiten, den Menschen zu erheben, ihn voranzubringen und ihm zu sagen: Du bist kein Abfall. Du gehörst nicht an den Rand. Das Gegenteil ist der Fall: Du hast eine große, große Bedeutung.“
Oscar Romero

„Es gibt keinen Gegensatz zwischen dem Bild Gottes und dem Menschen. Wer einen Menschen foltert, wer einen Menschen beleidigt, der beleidigt das Bild Gottes.“
Oscar Romero

Romero-Hoerbuch-Infoblatt (PDF)

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„Gedenkt der Heiligsprechung von Oscar Romero durch die Armen dieser Erde“ (Buchcover)

„Wer stört, wird umgebracht!“ predigte Oscar Romero, um die Unterdrückung in El Salvador zur Sprache zu bringen. Ihn selbst traf bald darauf die Kugel eines Auftragskillers.

Die Besitzlosen des Kontinents, „Gottes Lieblinge“, sprachen den Bischof sofort heilig. Jahrzehnte später wird unter Bischof Franziskus von Rom jetzt auch die kirchenamtlichen Kanonisation (2015/2018) nachgeholt. An das „Lehramt von unten“ erinnert der im vorliegenden Buch dokumentierte Ökumenische Aufruf zum 1. Mai 2011:

„Wir bitten Euch, der Heiligsprechung des Märtyrers San Oscar Romero durch die Armen Lateinamerikas und durch Freundinnen und Freunde Jesu auf dem ganzen Erdkreis zu gedenken. (…) Diese ‚Beatifikation‘ ohne ein teures Verfahren von Kirchenbehörden verbreitet eine frohe Kunde unter dem Wehen des Gottesgeistes: ‚Das Beispiel unseres Bruders San Oscar Romero zeigt uns, wie schön und mutig wir Menschen werden können, wenn wir beginnen, der Botschaft Jesu zuzuhören‘.“

Der neue Buchband erschließt alle Begleittexte, Zuschriften und Sprachversionen zum internationalen Aufruf „San Romero“, die Namen der unterzeichnenden Christinnen & Christen und Organisationen aus über 20 Ländern sowie die Impulse eines Ermutigungsabends.

Über Romeros Weg und Bedeutung informiert ein „Lesesaal“ mit Beiträgen von Norbert Arntz, Andreas Hugentobler, Willi Knecht, Martin Maier SJ, Paul Gerhard Schoenborn, Stefan Silber u.a. – Vertreter einer basiskirchlichen Perspektive zeigen auf, dass Establishment und Traditionalisten das Zeugnis Romeros zähmen wollen. Doch dieser Märtyrer ruft uns zum Aufbruch in einer Kirche der Armen.

„Gedenkt der Heiligsprechung von Oscar Romero
durch die Armen dieser Erde“
Dokumentation des Ökumenischen Aufrufes zum 1. Mai 2011 – Zuschriften – Lesesaal

Herausgegeben von Christian Weisner, Friedhelm Meyer & Peter Bürger.
Mit Beiträgen von Norbert Arntz, Andreas Hugentobler, Willi Knecht, 
Martin Maier SJ, Paul Gerhard Schoenborn, Stefan Silber u.a.

ISBN: 978-3-7460-7979-0
(Paperback, 268 Seiten, mit farbigen Abbildungen, Preis: 9,99 €)
Mit Angabe der ISBN-Nummer überall im Buchhandel bestellbar.
Leseprobe/Inhaltsverzeichnis (oben links anklicken) beim Verlag:
https://www.bod.de/buchshop/gedenkt-der-heiligsprechung-von-oscar-romero-durch-die-armen-dieser-erde-9783746079790

AfD will Schülerinnen und Schüler als Spitzel und Denunzianten missbrauchen – eine alte Masche

Deutsch: „Löwenmaul“ am Dogenpalast, dort konnte man anonyme Denunziationen einwerfen. Der italienische Text lautet übersetzt: „Geheime Denunziationen gegen diejenigen, die Gefallen und Pflichten verheimlichen oder sich im Geheimen absprechen, um deren wahren Gewinn zu verbergen“ (foto: Berthold Werner [1])
Mehrere Tages- und Wochenzeitungen berichten von bundesweiten Versuchen der AfD, SchülerInnen als Spitzel gegen ihre LehrerInnen zu gewinnen.

Zeit-Online meldet, dass die Hamburger AfD SchülerInnen und Eltern dazu aufrufe, linke Lehrkräfte auf einer Website zu denunzieren. Auch die Berliner AfD wolle sich, so der Tagesspiegel, der Hamburger Partei anschließen.

„Mutmaßliche Verstöße gegen das Neutralitätsgebot können uns anonym über das folgende Kontaktformular oder über eine Nachricht an die unten angegebene E-Mail-Adresse gemeldet werden“, heißt es bei der AfD Hamburg. Der Spiegel kommentiert: „Kinder und Jugendliche sollen ihre Lehrer bei der AfD anschwärzen.“

Die AfD, so der Spiegel weiter, wende eine alte Masche von Extremisten an: Sie konstruiere ein Problem, ohne nachzuweisen, dass dieses Problem existiere – und biete sich selbst als Problemlöser an: „Zunächst werden Allgemeinplätze formuliert, denen jeder zustimmen kann – Unterricht soll politisch neutral sein, wer würde dem widersprechen? Dann wird so getan, als würde immer wieder gegen diese Regel verstoßen und niemand schenke den Opfern dieser Regelverstöße Gehör – in diesem Fall angeblich politisch indoktrinierten Schülern. Auftritt AfD: Meldet Euch bei uns! Gemeinsam sorgen wir für Gerechtigkeit und stellen die Ordnung wieder her.“

Wer – wie die Hamburgische AfD-Fraktion – zu anonymen Meldungen aufrufe, so die Zeit, habe kein aufrichtiges Interesse an Klärung, sondern wolle den Lehrkräften, die eine AfD-ablehnende Haltung artikulieren, einen Maulkorb verpassen. Wenn die AfD sich aber an Verstößen gegen die „Verpflichtung zur politischen Neutralität“ und gegen den Beutelsbacher Konsens reibe, offenbare sie überdies, dass sie die Aufgaben der Politiklehrer und -lehrerinnen falsch verstehe.

Der Beutelsbacher Konsens ist neben dem Grundgesetz eine wichtige Richtschnur und Verpflichtung der Politiklehrerinnen und Lehrer:

„[Er] ist das Ergebnis einer Tagung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg zusammen mit Politikdidaktikern unterschiedlicher parteipolitischer oder konfessioneller Herkunft im Herbst 1976 in Beutelsbach. Der Konsens legt die Grundsätze für die politische Bildung fest.“

„Der Konsens legt drei Prinzipien für den Politikunterricht fest.

Überwältigungsverbot

Gemäß dem Überwältigungsverbot (auch: Indoktrinationsverbot) dürfen Lehrende Schülern nicht ihre Meinung aufzwingen, sondern sollen Schüler in die Lage versetzen, sich mit Hilfe des Unterrichts eine eigene Meinung bilden zu können. Dies ist der Zielsetzung der politischen Bildung geschuldet, die Schüler zu mündigen Bürgern heranzubilden.

Kontroversität

Das Gebot der Kontroversität (auch: Gegensätzlichkeit) zielt ebenfalls darauf ab, den Schülern freie Meinungsbildung zu ermöglichen. Der Lehrende muss ein Thema kontrovers darstellen und diskutieren können, wenn es in der Wissenschaft oder Politik kontrovers erscheint[1]. Seine eigene Meinung und seine politischen wie theoretischen Standpunkte sind dabei für den Unterricht unerheblich und dürfen nicht zur Überwältigung der Schüler eingesetzt werden. Beim Kontroversitätsgebot handelt es sich allerdings nicht um ein Neutralitätsgebot für die Lehrkraft.

Schülerorientierung

Das Prinzip Schülerorientierung soll den Schüler in die Lage versetzen, die politische Situation der Gesellschaft und seine eigene Position zu analysieren und sich aktiv am politischen Prozess zu beteiligen sowie „nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen.““

Lehrkräfte sind darüber hinaus verpflichtet, das Grundgesetz zu verteidigen.

Die Zeit nennt folgendes Beispiel:

Lehrerinnen und Lehrer sollen grundgesetzwidrige und demokratiegefährdende Entwicklungen erkennen und dürfen diese auch im Klassenzimmer benennen. Auch für die Schule gelte: Wer Alexander Gaulands Bemerkung, die zwölf Jahre Nazizeit seien nur ein „Vogelschiss“ in der 1.000-jährigen Geschichte Deutschlands, unwidersprochen lasse, bahne völlig abwegigen Geschichtsdeutungen den Weg.

Wenn AfD-Politiker den Mord an sechs Millionen Juden und 50 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg relativierten, dürften Lehrkräfte das nicht nur im Unterricht kommentieren, sondern müssten es sogar tun, um der ahistorischen Relativierung oder möglicherweise gar der strafrechtlich relevanten Leugnung des Holocaust zu begegnen.

Lehrkräften müsse es also erlaubt sein, gegen Hetze, Stimmungsmache und Falschbehauptungen von Björn Höcke, Beatrix von Storch und André Poggenburg Stellung zu beziehen. Wer den Einsatz von Schusswaffen gegen Geflüchtete an der Grenze erwäge (von Storch), das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichne (Höcke) oder die hier lebenden Türken als „Kameltreiber“ diffamiere (Poggenburg), bewege sich längst nicht mehr auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundwerte.

Die AfD verfolge, so der Spiegel, mit ihrer populistischen Strategie nicht die Interessen von Schülern, sondern ihre eigenen. Sie eröffne eine Scheindebatte, mit der sie sich Aufmerksamkeit verschaffe, inszeniere sich als Retter gesellschaftlicher Werte – und erzeuge gleichzeitig Druck, um in den Schulen Kritik an den eigenen Positionen zu verhindern. Also im Kern das zu verhindern, was sie ausdrücklich selbst einfordere: freie Meinungsäußerung im Unterricht.

Niemand dürfe darauf hereinfallen – weder Schüler, Eltern, Lehrer, noch irgendjemand sonst.

Was also tun?

Die Zeit:
„Um der AfD mit ihrer von Demokratiefeindlichkeit, Demagogie und Denunziation geprägten Politik entgegenzutreten, sind mehr denn je in der bundesrepublikanischen Geschichte Lehrkräfte gefragt, die sich vom Aufruf der AfD zur Denunziation nicht abschrecken lassen – und den Kampf um die Köpfe der Kinder im Klassenzimmer nicht denen überlassen, die historische und politische Fakten verzerren und das gesellschaftliche Klima vergiften. Es ist höchste Zeit, dass sich die Hüterinnen und Hüter der Demokratie auf den Weg machen. Andernfalls läuft sie davon.“

Der Spiegel:
„Es bleibt nur, den Lehrern in Deutschland den Rücken zu stärken und sie zu ermutigen, noch mehr als bisher politische Themen im Unterricht kontrovers zu diskutieren. Denn: Lehrer sind nicht nur zur Neutralität verpflichtet, sie müssen auch für die freiheitlich-demokratische Grundordnung dieses Landes eintreten. Ihr Auftrag ist es, Kinder im Geiste der Menschenwürde, Demokratie, Toleranz und Gleichberechtigung zu erziehen. Sie müssen dabei gegen Menschenverachtung und Rassismus Position beziehen.“

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[1] Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Venedig_BW_1.JPG

„Sonderberater“ Maaßen – Installiert Seehofer einen „Consigliere“ ?

Eben daheim aufgeschlagen und – weil einige Stunden offline – Nachrichtenlage bzgl. „GroKo-Maaßen-Komplex“ gecheckt.

Die Welt titelt

Maaßen wird jetzt Sonderberater im Innenministerium

SPON-Headline

Maaßen wird Sonderberater im Innenministerium – ohne Beförderung

Tagesschau berichtet unter

Sonderberater statt Staatssekretär

Sorry GroKo, es wird immer peinlicher. Der Herr aus Ingolstadt steckt den Koalitionären den Finger in den Allerwertesten und spielt mit ihnen Kasper …

» Eine Lösung im Fall Maaßen, die keine ist
Kommentar DLF, 23.09.2018

btw:
Aktuell (23.09.2018 – 23:09 Uhr) berichtet die von dem „Journalisten“ Julian Reichelt geleitete Gazette über „Nahles dementiert Seehofer-Aussagen zu Maaßen-Deal“

Was bitte geht da ab?
So denn drei Parteivorsitzende in einem Gespräch/einer Verhandlung auf „einen Nenner kommen“, sollte dieser nicht wenige Stunden später negiert werden.

Und ja, von diesem unsäglichen Herrn Maaßen scheinen offensichtlich nur Fotos mit „Mir kann keiner was“-Attitüde zu existieren.

Er hat sich vermutlich bzgl. visueller (Selbst)Darstellung an Personen „Aus Großer Zeit“ orientiert.

Abenteuer Antiquariat
Grandiose Werke zum 1. Weltkrieg und zur Revolution 1918 ff.

Jaroslav Hašek 1922

Vorweg dies: Der heiße Sommer 2018 trieb mich (und treibt mich noch) an die Küsten der Nord- und Ostsee, und auch hier zumeist in den kühleren Schatten. Dabei entdeckte ich eine Leidenschaft wieder, das freie Lesen. Das auch vor dicken Schwarten nicht zurückschreckt, wenn der Hunger erst einmal geweckt ist.

(Der Artikel von Christian Gotthardt ist im September zuerst im Harbuch erschienen.)

Wenn allein die Spürnase und der Magen des Trüffelschweins regieren. Eine Freundin nannte das einst treffend „entpragmatisiertes Lesen“, Lesen ohne Zeit und Raum, ohne Zwecksetzung eigener oder äußerer Herkunft. Von Erlebnissen, die dabei entstehen, soll diese neue Rubrik der Website nun hin und wieder berichten.

 

Jaroslav Hašek: Die Abenteuer des braven Soldats Schwejk. 2 Bände, zusammen rund 730 Seiten, geschrieben 1921 bis 1923. In Versandantiquariaten zu haben für 4-5 Euro.

Eigentlich sollte dieses Werk ja jeder längst gelesen haben, und eine Empfehlung wäre demnach Unsinn. Es mag die Schuld Fritz Muliars (und seiner Drehbuchautoren, Regisseure und Produzenten) gewesen sein, dass dem vermutlich nicht so ist. Muliar hatte in den 1970er Jahren in einer ZDF-Serie einen wachsweichen Schwejk gegeben, kauzig, verschmitzt, aber doof. Ich jedenfalls habe den Kasten damals ausgeschaltet und das Werk nicht angefasst.

Nun doch. Und siehe da: Nach 100 Seiten Eingewöhnung merkte ich, dieser Text bietet keine ermüdenden Schelmen-Geschichten a la Muliar, sondern eine knallharte, aufrüttelnde, oft blutige Kritik der österreichischen Gesellschaft zur Zeit der KuK-Monarchie. Hašek wusste, worüber er schrieb. Er war 1914, da seine Heimat Böhmen damals zu Österreich gehörte, in dessen Armee eingezogen worden und kam an die Ostfront. Dort lief er zu den Russen über, kämpfte als Soldat der Tschechischen Legion auf der Seite der Entente gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich. 1918 ging er in die Rote Armee, wurde Mitglied der KP Russlands und Politkommissar. 1920 kehrte er nach Prag zurück.

Hašek schildert die schreiende Inhumanität des österreichischen Militärs, zugleich ihre Unfähigkeit im selben Ausmaß. Konkrete Verbrechen, die historisch belegbar sind, zum Beispiel Massaker an der serbischen Bevölkerung in der Anfangsphase des Krieges. Das alles gestaltet in der Sprache eines „kleinen Mannes“, der gewiss keine Mitschuld trägt. Der nämlich Widerstand leistet, und sogar Solidarität mit Leidensgenossen beweist, in den seltenen Momenten, in denen dies in einem repressiven Staat überhaupt möglich ist. Brecht hat diesen Text geliebt, ich verstehe jetzt warum.

Der Text ist die bewegende Studie einer korrupten Gesellschaft. Er zeigt, dass die Flucht einer solchen Gesellschaft in den Krieg nur der letzte Akt des Niedergangs ist. Was für Niederlagen! Eine Wiederholung des Desasters von Louis Bonapartes Feldzug 1870 gegen Deutschland: In den Krieg ziehen und nach kurzer Zeit untergehen.

 

Alfred Döblin, November 1918, 4 Bände. Zusammen rund 2200 Seiten, geschrieben 1938 bis 1942 im Exil in Frankreich und in den USA. Die in der DDR von Rütten und Loening hervorragend besorgte gebundene Ausgabe von 1981 ist in Versandantiquariaten ab 50 Euro zu haben, die dtv-Taschenbuchausgabe von 1978, die ich in den 1980ern für 15,- DM geschossen habe, im Moment gar nicht mehr. Wegen des anstehenden Jubiläums?

Ja, Döblin, ich hatte immer schon eine Leidenschaft für ihn. Wegen Franz Biberkopf sowieso, und dann wegen seines lebenslangen Bekenntnisses zum Berliner Osten, zum Proletariat, zu den Armen. Er war dort Jahrzehnte Armenarzt wie mein Vater im Harburger Phoenixviertel. Döblins Berliner Kiez – Kreuzberg-Neukölln, zwischen Urban Krankenhaus am Landwehrkanal im Norden, Mehringdamm im Westen und Karl Marx Allee im Süden – kenne ich gut. Da habe ich mal gewohnt. Und mich sauwohl gefühlt, als Harburger. Denn das Quartier war im Grunde nichts anderes als Harburg hoch 2.

Aber diese Revolutionstetralogie, diese unendlich vielen Seiten, wo ich doch als Historiker sowieso eine kräftige Abneigung habe gegen historische Romane. Und alles sowieso besser weiß. Das lag wie Blei im Bücherregal, oft angeblättert, und immer wieder weggestellt.

Jetzt endlich gelesen und – Plop! – gefangen. Döblin ist eben Döblin, ein magischer Erzähler. Allein die Idee, den Roman in der Provinz, im Elsass beginnen zu lassen, im Mikrokosmos eines Militärlazaretts, er hatte dort seinen Kriegsdienst abgeleistet und kannte sich aus, darin die Gewalt der Niederlage Deutschlands zu schildern, genial. Dann der Sprung nach Berlin, die Einfühlung in die Würstchen Ebert, Scheidemann, Noske, die wirklich finale Abrechnung mit dem Verrat der deutschen Sozialdemokratie.

Und mehr noch: eine ebenso kundige Schilderung der Revolutionäre, vor allem ihres Führungspersonals, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg. Sie waren Zauderer aus Döblins Sicht, Liebknecht als Idealist und Dandy, Luxemburg als Dogmatikerin. Wie sich in einer tatsächlichen Revolution verhalten? Lenin scheint als Alternative durch, ohne dass Döblin sich zu ihm bekennt. Nun, die deutsche Revolution war eben auch kraftloser als alle zuvor, die französischen und die russischen allemal. Insgesamt ein sehr realistischer, zugleich sehr offener Text. Der einlädt zum Prüfen konservierter Einschätzungen und zum Lernen neuer Sichtweisen. Seine erzählerische Einfühlung in die Psyche der herausragenden Akteure wie ebenso in die der Massen bestätigten und klärten viele der Gedanken, die mir beim Studium der Revolutionszeit in den letzten Jahren in den Kopf kamen.

Manches aber will man nicht lernen. Die Vollendung des Manuskripts „November 1918“ fiel zusammen mit der Konversion des Ehepaares Döblin zum Katholizismus. Den Hintergrund bildete ein Erweckungserlebnis Alfreds im französischen Exil. Resultat war, wie sein Freund Ludwig Marcuse urteilte, dass sich zu den großartigen Passagen des Romans solche auf dem Niveau religiöser Traktätchen mengten. Beschäftige sich damit, wer es mag, ich habe diese Passagen überblättert.

Brecht, Döblins Nachbar in Los Angeles damals, äußerte sich dazu verständnisvoll: Sorge um zwei der vier Söhne, verschollen in Frankreich, Krankheit und Verzweiflung auf der Flucht, eine zuweilen bedrückende Ehe (aus BB Sicht). Doch er hat sich auch fremdgeschämt für diese Konversion, in erheblichem Maße. Wir verdanken dieser Episode Brechts treffendes Wort von der „Verletzung der irreligiösen Gefühle“ seiner Freunde und Gefährten, die Döblin damit begangen habe.

Kurzum und trotzdem: Ein Riesenwerk, überwältigend, Stoff für langes Verdauen.

Dazu, als historisches Nebenwerk zum Nachlesen der Ereignisgeschichte und zum tieferen Verständnis der Gestaltungsweise Döblins, sei das seit kurzem bei der Bundeszentrale für politische Bildung erhältliche Buch von Mark Jones: Am Anfang war Gewalt, Bonn 2017, empfohlen (432 Seiten, 4,50 Euro). Es ist exakt der gleichen Zeitspanne gewidmet wie Döblins Kernerzählung: den Wochen von Anfang November 1918 bis Ende März 1919 in Berlin. Stone folgt darin einem sehr engen, politologisch eingehegten Gewaltbegriff, den ich nicht teile. Aber er arbeitet, wie bei britischen Historikern üblich, sehr souverän und bietet aussagekräftige Quellen in reichhaltiger Darbietung. Und er zerlegt meisterhaft (vielleicht ohne es zu wollen) die sozialdemokratische Revolutionslegende, die wir alle schlucken mussten als Schüler und auch späterhin: dass Ebert damals einen Spartakusputsch bekämpfen musste, und dass er damit die Demokratie gerettet habe. Nein, es war kein Spartakusputsch, und nein, Ebert hat nicht die Demokratie gerettet, sondern die Macht des preußischen Militarismus und damit die Basis des deutschen Faschismus. Das genau war auch Döblins Sicht.

Lustig aktuell: Die SPD löst ihre historische Kommission auf. Die wollte eigentlich Ende 2018 eine dicke Konferenz zur Revolution 1918 machen. Was der Parteivorstand wohl kapiert hat: Wenn man schon eine Scheißgeschichte hat, dann besser nicht drüber reden.

 

Zum Schluss noch ein kurzer Hinweis auf eine Autobiographie, die sich wie eine Fortsetzung des Döblinschen Romans lesen lässt: Franz Jung, Der Torpedokäfer, Neuwied und Berlin 1972 (499 Seiten, antiquarisch erhältlich inzwischen für rund 20 Euro. Alternativ sind textgleiche Ausgaben unter dem ursprünglichen Titel „Der Weg nach unten“ für 9 bis 15 Euro zu haben). Der Schriftsteller und Journalist Jung, bei den Berliner Kämpfen Anfang 1919 selbst beteiligt, schildert die revolutionären Nachfolge-Aktionen der Jahre bis 1922 aus Sicht der von ihm mitgegründeten „Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ KAPD, einer linken Abspaltung der KPD mit zeitweilig erheblichem Massenanhang.

 

Bildnachweis

Die Titelphotographie von J. Hašek entstammt Wikipedia und ist gemeinfrei, alle übrigen Aufnahmen Archiv Gotthardt.

22.09.1978: „Bursting Out“-LP von Jethro Tull erscheint

Bursting Out ist das erste Live-Album der britischen Rockband Jethro Tull.

https://www.youtube.com/watch?v=RvHrUaobrKI
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Jethro Tull spielte das Album mit Ian Anderson, Martin Barre, John Evan, Barriemore Barlow, David Palmer und John Glascock ein. Die meisten Texte und Kompositionen stammen, wie bei Jethro Tull üblich, von Ian Anderson, der das Album auch produzierte. Martin Barre komponierte Conundrum und mit Barriemore Barlow zusammen Quatrain. Bourée stammt ursprünglich von Johann Sebastian Bach, während God Rest Ye Merry Gentlemen ein von Jethro Tull adaptiertes Traditional ist. The Dambusters March wurde von Eric Coates komponiert.

Leider ist bei YouTube keine authentische „Full Album“-Version hinterlegt bzw. ich habe sie nicht gefunden. Unter diesem Link ist eine unvollständige (nicht chronologische) Playlist abrufbar.

btw:
Jüngeren LiebhaberInnen einer erstklassig gespielten Rockgitarre sei an dieser Stelle noch die Arbeit von Jethro Tull Gitarrist Martin Barre – einem „unsung Hero“ des Genres – zur aufmerksamen Beachtung empfohlen.
(U.a. in „Aqualung“ = o.g. YouTube-Clip)

Gitarrist Martin Barre – Befreit vom Joch der Flöte
Deutschlandfunk, 23.09.2018 , 15:05 bis 16:00 Uhr

21.09.1973: Gentle Giant veröffentlicht „In a Glass House“-LP

In a Glass House ist das fünfte Studioalbum der britischen Progressive-Rock-Band Gentle Giant. Es erschien am 21.09.1973 bei Vertigo Records.

https://www.youtube.com/watch?v=S1HyOz-y8UI&list=PLA35B3CAC4A5FF4DA
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Hab‘ Erscheinungsdatum der Platte fast übersehen.
Udo Gerhards‘ (Babyblaue Seiten) Einschätzung ist bis auf den heutigen Tag gültig:

Mit „In A Glass House“ präsentieren sich „Gentle Giant“ auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft. Ohne hörbare Anstrengung vermengen sie straighten Rock, Vokal-Akrobatik, extravagante Instrumentierung, Renaissance-Anleihen und kontrapunktische Spielereien zu einer aufregenden Mischung.