Der rechte Teil des Claassen ist schon weg. (fotos: zoom)
Die Ruine des Hotel Claassen ist zugegebenermaßen nicht so chick wie eine stillgelegte Zeche oder ein ausgemustertes Stahlwerk im Ruhrgebiet, aber für einen Ort der Größe Winterbergs doch einigermaßen imposant.
Nach einer kleinen „Radtour de Ruhr“ mit vielen ästhetischen Industrie-Ruinen, bin ich daher gestern Abend flugs zu unserer Vorzeige-Ruine, dem Hotel Claassen am Waltenberg, geeilt.
Es geht voran. Der rechte Teil des Klotzes ist schon verschwunden und man kann auch von außen in die Hotelzimmer des linken Gebäudes sehen.
Der Anblick der Zimmerhöhlen brachte Assoziationen zu „Themroc“ hervor.
Als ich in die leeren Höhlen starrte, hatte ich Assoziation zu einem Film mit Michel Piccoli. Wenn mich meine Erinnerung über die Jahrzehnte nicht täuscht, handelt es sich um „Themroc“, einen französischen Spielfilm aus dem Jahr 1973.
Fand ich damals ziemlich langweilig. Aber guckt selbst:
Landwirtschaft und Kohlekraftwerk in Möllen am Niederrhein (fotos: zoom)
Es ist schon merkwürdig, wie sich die zweckgebundenen, funktionalen äußeren Formen der Energiewirtschaft in die ästhetisch-kulturelle Sphäre einschleichen.
Während die toten Formen der Industrialisierung im Inneren des Ruhrgebiets heute unter der Marke „Industriekultur“ tertiär-touristisch vermarktet werden, püffert das Kohlekraftwerk in Möllen am Niederrhein friedlich vor sich hin und wandelt chemische Energie aus fossilen Rohstoffen in elektrische Energie.
Unabhängig von seiner Funktion finde ich den Bau heute beeindruckend „schön“.
Industrie-Ruinen lösen hingegen bei mir zwiespältige Emotionen und Gedanken aus. Ich habe das gestern bei meinem Eintrag zu Dortmund-Hörde beschrieben.
Verwertung der Industrie-Ästhetik im Nordsternpark.
Die Ruhrpott-Zechen sind Geschichte, die Kohle wird über Rotterdam den Rhein hinauf angeliefert.
Die Bergarbeiter sind als soziale Schicht schneller verschwunden als die Landarbeiter im Laufe der industriellen Revolution.
Die „Buden“, die das Ruhrgebiet prägten, verschwinden aus dem Nahraum in dem Maße in dem die Menschen einerseits aufhören zu Fuß zum Einkaufen zu gehen und andererseits die Geschäfte bis spät am Abend geöffnet haben.
Die „Emma-Bude“ gibt es nicht mehr, die „Augusta-Bude“ neben der Martha-Straße hat nach langem Krampf den Kampf aufgegeben. Die „grüne Bude“ hat viele Besitzerwechsel durchgemacht. Die „Fenster-Bude“ etwas weiter oben ist dicht.
Wenn ich mich recht erinnere, nannten wir diese Bude „Rote Bude“.
Aus Trotz habe ich heute Abend in der „roten Bude“ eingekauft, obwohl Edeka, ein paar hundert Meter weiter, noch geöffnet hatte und mein Warenkorb dort preiswerter gewesen wäre.
„Trotz“ wird die Buden allerdings nicht retten -Konsumenten kaufen nicht aus Trotz-, sondern nur eine Marktnische, aber welche?
Man(n) kann den Vatertag auch in Bochum enden lassen (fotos: zoom)
Ich wusste ja bis vor ein paar Jahren nicht, dass Männer an einem Tag wie heute mit dem Bollerwagen oder klimpernden Rucksäcken durch die Gegend ziehen.
Rechtzeitig zum sogenannten Vatertag hatte mir früher meine Mutter stets zuverlässig eine Flasche Rasierwasser gekauft, die ich dann am Morgen meinem Vater von Herzen schenkte.
Das war es aber dann auch mit dem Vatertag. Und das wird für mich so bleiben, denn an 365, manchmal 366 Tagen im Jahr bin ich Vater, und das reicht.
Ich nehme mir am Vatertag oft das Tourenrad, packe die Satteltaschen voll und fahre irgendwohin.
Hochofen Dortmund Hörde. Phoenix-West.
Gerne radele mit dem Rad durch das Ruhrgebiet, weil es dort sehr grün ist. Die Vegetation ist vielfältiger als im Hochsauerland und trotzdem gibt es an jeder Ecke einen Kiosk.
Die Industrie-Ruinen wie Phoenix-West in Dortmund Hörde reizen mich zwar, sind aber auf unwiederbringliche Weise Vergangenheit. Nicht mehr das, was ich kannte: Stahlwerke in Aktion, laut, fauchend und stinkend.
Meine Sentimentalität hält sich in Grenzen.
Dortmund lebt und macht Spaß. Blick auf das BVB-Stadion.
Ein weitere Vatertag neigt sich jetzt dem Ende zu. Das Bier im Bermuda3Eck von Bochum ist bezahlt, und die anderen Geschichten von heute erzähle ich vielleicht, wenn wir wieder einen normalen Tag haben.
Waiting for the man: Harry Rowohlt im Ruhrfestspielhaus. (fotos: zoom)
Es war eine sehr gute Idee, heute zur Lesung von Harry Rowohlt nach Recklinghausen zu fahren.
Den Notizblock ließ ich zu Hause, das Tablet im Auto. Einfach nur sitzen, sehen, hören und genießen war die Devise.
Rowohlt liest Ringelnatz, trinkt Wasser und erzählt zwischendurch kleine Geschichten.
Rowohlt las Ringelnatz -das Seltenere- und erzählte zwischendurch kleine Anekdoten aus dem wahren oder erdachten Leben. Erlebt, erdacht – wer weiß das schon? Die neunzig Minuten flogen jedenfalls vorüber.
Nur mit der kleinen Pocket-Kamera ausgestattet, ohne Internet und soziale Medien, ist man ja gezwungen, selber mitzufühlen und mitzudenken.
Rowohlt-Autogramm mit Rätsel
Ich habe beschlossen, dem Ringelnatz zu glauben und dem Rowohlt die Stories nicht ohne Weiteres abzunehmen. Mal schauen, was ich in dem Buch „In Schlucken-zwei-Spechte“ an Erzähltem wiederfinde.
Ein Autogramm habe ich mir brav abgeholt. Der Verschreiber M ist mehr wert als alles andere. Den sogenannten Namenszug kann jeder hinbekommen und meinen Namen kenne ich selbst.
Aber wer weiß schon, was das durchgestrichene „M“ bedeutet? Ein weites Feld für Tiefenpsychologen.
Was soll ich reinschreiben? Harry Rowohlt nahm sein Publikum sehr gelassen und ohne Allüren.
Der Außenabriss des Hotel Claassen ist ein kleines Spektakel. (foto: zoom)Nach dem Innenabriss hat der Außenabriss des Hotel Claassen begonnen und scheint ein kleines Spektakel zu werden.
Heute Nachmittag hatten sich schon einige Zuschauer eingefunden, um dem Abrissbagger bei der Arbeit zuzusehen. Kleiner Tipp: NICHT mit dem Auto auf die Rückseite des Gebäudes fahren und dort parken. Die kleine Anwohnerstraße ist schon jetzt zu Genüge mit Containern und Baufahrzeugen belastet. Zu Fuß ist es nur ein kleiner Spaziergang vom Waltenberg. Nehmt die Kinder mit. Der Abbruch schlägt Reality-TV um Längen 😉
Blick von der Rückseite des Kahlenbergs auf das Neger- und Ruhrtal. Ganz links das Elpetal. (foto: zom)
Meine eigenen Blog-Artikel werden zum großen Teil mit Laufschuhen, auf dem Fahrrad und beim Schwimmen geschrieben. Beim Sport entstehen die meisten meiner Artikel. Der Rest entwickelt sich in Gesprächen mit Freunden, Nachbarn und Bekannten oder durch Beobachtungen auf Wegen, die ich sowieso gehen oder fahren muss – mit oder ohne Blog.
Für das Blog insgesamt ist das nur die halbe Wahrheit, denn sehr viele Artikel werden inzwischen von ständigen Autorinnen oder Gastautoren verfasst.
Oft liefern darüber hinaus die Kommentatorinnen und Kommentatoren sehr viel zusätzliche Informationen und Hinweise.
Nicht zuletzt sind die verlinkten Blogs und Websites wichtig für Anregungen, Hilfe und sonstigen Input.
Noch wen vergessen? Klar, die Leserinnen und Leser, die es wirklich gibt. Meist sind es ein paar Hundert pro Tag, manchmal ein paar Tausend.
So, jetzt wird es aber wieder Zeit zum Laufen.
Das Gipfelbuch ist wasserdicht in der Plastikflasche.Heute war mal wieder das Gipfelbuch am Kahlenberg an der Reihe. Viele Wanderer, Läufer und MTBler scheint es in letzter Zeit nicht mehr dorthin verschlagen zu haben. Die Einträge sind spärlich. Den Blick über das Ruhr- und Negertal hat man etwa 200 Meter vom Gipfel entfernt. Nette Gegend, nette Stelle. Lohnt sich.
War das nicht mal der „Krusenstommel“? (foto: zoom)
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Kumpel vor Kohle 1938/39 (archiv: zoom)Irgendwann muss man auch die letzten Kisten des Nachlasses auspacken. Ein paar Bilder, alte Rechenschieber, Schuhputzzeug, Heimwerkernadeln, Scheren, Messer, Uhren, vier funktionsfähige AAA Batterien und zwei Anstecknadeln der Mannesmann Werke.
Das Bild des Kumpels mit Presslufthammer vor Kohle hatte mein alter Herr mit kleinen Nägelchen, Rückwandpappe und Kleber ziemlich unzugänglich im Bilderrahmen verbarrikadiert. Ich erinnere mich, dass es in den letzten Jahren über seinem Bett hing. Aus dem Zimmer konnte man den Förderturm der Zeche Lohberg sehen.
Ich hatte Vater immer im Verdacht, dass er das Bild vor nicht allzu langer Zeit in einem Anfall von Alterssentimentalität aus irgendeinem Magazin wie dem Stern ausgeschnitten hatte, denn obwohl er ein ziemlich guter Hobby-Fotograf war, habe ich ihm dieses Bild nicht zugetraut.
Heute Abend habe ich die Fotografie mühsam aus dem Rahmen gepult. Kein Zeitungspapier. Solider Karton, etwas dicker als normales Fotopapier. Hinten drauf hatte er in seiner kleinen, runden Schrift „1938-39“ notiert. Kein Autor, kein Ort. Nichts.
Irgendeine Verpackung? Plakat? Buch-Einband? Mit neun Jahren war er bestimmt nicht unter Tage gefahren, um den Kumpel vor Kohle zu fotografieren.
Ich hätte ihn ja mal fragen können. Zeit war genug. Die „1938-39“ wird stimmen, denn penibel war mein Vater immer, in solchen Dingen.