Nie werde ich mehr „Iserlohn“ hören oder lesen können, ohne diese Sterbeurkunde vor mir zu sehen (foto: nadja thelen-khoder)
Schon einmal habe ich länger aus der Akte „E 162: Vorschrift über die Behandlung und den Arbeitseinsatz der Ostarbeiter“ im Stadtarchiv Warstein zitiert.[2] Es war diese Akte, die mir verdeutlichte, daß Bürger der Sowjetunion eben ganz anders als andere „ausländische Arbeitskräfte“ behandelt wurden.
Je mehr ich lese, desto unbegreiflicher werden mir manche Behauptungen, Fragen und Worte; um nur drei zu nennen: die Behauptung „Davon haben wir nichts gewußt“, die Frage „Wie konnte das passieren?“ und das Wort „tragisches Schicksal“.
Schrecklich und schmerzhaft für mich ist zur Zeit, daß sich die „Vorschrift über die Behandlung und den Arbeitseinsatz der Ostarbeiter“ aus der Akte „E 162“ jetzt immer mehr mit Namen und Bildern füllen und mit Sätzen, die mir anderswo schon einmal begegnet sind. Alles wird so menschlicher und unmenschlicher, logischer und entsetzlicher …
Entwicklung der Studierendenzahlen in NRW (grafik: it.nrw)
Düsseldorf (IT.NRW). Im Wintersemester 2016/17 waren in NRW 36.677 Studierende in Studienbereichen des Gesundheitswesens eingeschrieben.
Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als amtliche Statistikstelle des Landes anlässlich der internationalen Medizin-Fachmesse „MEDICA” in Düsseldorf (13. bis 16. November 2017) mitteilt, waren das 4,8 Prozent aller 768.353 Studierenden im Land. Die Studierendenzahlen stiegen in den Gesundheitsbereichen in den letzten fünf Jahren stärker als die Gesamtzahl der Studierenden. Zuletzt war der Anstieg zum Vorjahressemester in den Gesundheitsbereichen mit 5,6 Prozent fast doppelt so hoch wie der der Gesamtstudentenzahl (+3,1 Prozent).
Im Wintersemester 2016/17 arbeiteten von den 36.677 Studierenden der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften 19.566 (53,3 Prozent) an Lehrinhalten des Studienbereichs Humanmedizin, 14.002 (38,2 Prozent) belegten ein Fach im Studienbereich Gesundheitswissenschaften und 3.109 (8,5 Prozent) in der Zahnmedizin.
Mit einem Anteil von 67,4 Prozent sind Frauen bei den medizinischen bzw. gesundheitswissenschaftlichen Studienfächern überrepräsentiert.
Die Zahl der Studierenden wird von den Statistikern zu Beginn des jeweiligen Wintersemesters gezählt. Alle Angaben beziehen sich auf Einschreibungen als Haupthörer und auf das erste Studienfach.
„Unser Wunsch ging in Erfüllung“, aber welcher war es nur? (foto: zoom)
Rainer Trampert, Grünen-Funktionär: Rainer Trampert gehört zur ersten Generation der Grünen – er gründete die Partei mit und war fünf Jahre lang ihr Vorstandssprecher – bis er den Streit zwischen Fundis wie ihm und Realos aufgab und nicht mehr kandidierte … wdr5
Hintergrundgespräche im Journalismus: Ein Journalist will über Hintergrundrunden von Geheimdiensten und Bundesregierung schreiben – Gerichte haben mehr Verständnis als Kollegen … taz
Bestechung im Lokaljournalismus: In einem Debattenbeitrag für kress.de warnt Benjamin Piel, Redaktionsleiter der „Elbe-Jeetzel-Zeitung“, Lokaljournalisten davor, in die „Eitelkeitsfalle“ zu tappen. Dabei gehe es nicht um Geld … kress
„media partisans schmieren ab“: Das New Publishing Unternehmen media partisans, in das sich die Funke Mediengruppe mit ordentlich Bimbes im letzten Jahr eingekauft hatte, schmiert nach neuesten IVW-Online Zahlen bei den einst noch üppigen visits gerade ordentlich ab … medienmoral
Wolfgang Blau: Die Zukunft des Journalismus … wwwagner
G-20-Verfahren: überfordert ein junger Italiener die Hamburger Justiz? … ndr
Der Geschmack von Migration: Der nigerianische Künstler Emeka Ogboh nimmt die deutsche Leitkultur aufs Korn. Mit Lederhosen, Dirndl – und Schwarzbier[!] … dfkultur
„Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“: Erkleckliches über die deutsche Wissenschaft, Angela Merkel und Annette Schavan stand kurz vor der Bundestagswahl – und begründet mit der anstehenden Bundestagswahl – in der Zeitschrift „Nature“ … erbloggtes
Stuttgart heute: Betonbratzen, Bordellbesitzer und Bürgermeisterversagen … welchering
Scheitert der Aufbau islamischer Verbände in Deutschland? Vortrag von Michael Blume vor der IGBD – Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland … scilogs
Make It Strange: Geschichte als Mythos, nicht als Reflexion … publicHistory
Warum Lehrer mehr über Bildung diskutieren sollten: „Immer wieder höre ich: Diskussionen darüber, was Bildung ist, seien Zeitverschwendung. Statt zu reden, solle man doch lieber aktiv etwas verändern. Dabei ist es genau anders herum: Wer im Schulsystem etwas verändern will, muss über Bildung diskutieren. Vier gute Gründe für mehr statt weniger Debatten“ … bildungslücken
Aktionsbündnis dämmert langsam vor sich hin: Das Aktionsbündnis klammer Kommunen „Für die Würde unserer Städte“ stirbt offenbar einen langsamen Tod. Das 2008 gegründete Bündnis – Hagen ist seitdem Mitglied – hatte von Anfang an auf die zentrale Ursache der Verschuldung der Städte hingewiesen: Das Abwälzen von Ausgaben, für die eigentlich der Bund zuständig ist, auf die Gemeinden … doppelwacholder
Was kosten Abschiebungen und Abschiebeversuche? Die SBL/FW auf der Suche nach Antworten … sbl
Helles Malz, Aroma-Hopfen, weiches Wasser: Vor 175 Jahren erfand der Bayer Josef Groll in Böhmen das Pilsener Bier … revierpassagen
Zu guter Letzt: Als der Dehydrogenasen-Hase einmal den Dehydratasen-Rasen betreten hatte … endoplast
Paradise Papers: Im Schattenreich der Steueroasen … ndr
Streit innerhalb der SPD: Sigmar Gabriel warnt die EU-Kommission in einem Brief vor einer zu strengen Verschärfung der Abgasvorschriften. Barbara Hendricks reagiert empört … handelsblatt
Vorgehen gegen G20-Randalierer: Polizei soll rechtswidrig Granatpistole eingesetzt haben … spiegel
Mietspiegel: falsche Berechnungsgrundlage auf Kosten der Mieter … dasErste
Statt Jamaika eine Ohrfeige für die Wähler? Die Unterhändler der vier Jamaika-Parteien sind nicht zu beneiden. Einerseits müssen sie dem Wahlergebnis und dem Verfall der SPD Rechnung tragen … postvonhorn
WAZ.de, NRZ.de, WP.de und WR.de: Neue Onlinechefin der Funke-Zeitungen … medienmoral
Wie viele Türken in Deutschland wählten 2015 die AKP von Präsident Erdogan? – Eine Leserfrage zu “Islam in der Krise” … scilogs
Wie funktionieren deutsche Hochschulen? Gemeinhin, und nicht ganz zu Unrecht, herrscht nämlich die Meinung vor, unbefristet gäbe es an der Universität nur etwas zu holen, wenn man eine Professur ergattert. Tatsächlich lässt sich das deutsche Hochschulsystem relativ gut mit einem feudalistischen System vergleichen dem Verständnis vom Feudalismus vergleichen, das ich als nicht-Historiker habe und in das die Marx’schen Implikationen nicht eingepreist sind … texperimentales
Ein Ruhri als Arbeitsmigrant in Istanbul: burlesker Musikabend des Bochumer Schauspiels mit Liedern von Sezen Aksu … revierpassagen
Hagen: Über 400.000 Euro für den Sparkassen-Chef … doppelwacholder
Kunsttagebuch: Offenheit, Inspiration, Assoziation – über den Wert von Einflüssen in der Kunst … endoplast
Rundweg Silbersee: Unweit des Ortsteils Brilon-Wald liegt eine der schönsten Stellen von Brilon versteckt: der „Schmala Stausee“, im Volksmund auch „Silbersee“ genannt … jahobris
Biologische Station jetzt in Brilon: 24 Jahre lang befand sie sich in Bödefeld: Die Biologische Station Hochsauerlandkreis. Das bisher genutzte Gebäude, ein ehemaliges Schwesternhaus, war jedoch marode … sbl
Plagiatorin übernimmt Leitung der Konrad Adenauer Stiftung: Bei der heiligen Annette der Begabtenförderungswerke! Kleine Fehler vergibt der liebe Gott sofort … erbloggtes
Lokalzeitungen verursachen 56 Tonnen Altpapier weniger: Immer weniger Hagener wollen die örtliche Ausgabe der WPWR lesen. Selbstinszenierte Wahlen von Schützenfestköniginnen, Berichte über von der Redaktion organisierte Busausflüge und kaum kaschierte PR-Artikel zu Heißluftgrillstationen sind anscheinend nicht das, was die Hagener von ihrer Zeitung erwarten … doppelwacholder
Funke verliert Auflage: In Nordrhein-Westfalen heißen die größten Verlierer Express und Westdeutsche Zeitung. Doch auch die Funke-Mediengruppe liegt mit 5,5% deutlich im Minus … meedia
An Realschulen und Gymnasien wurden mit 22,7 bzw. 25,8 Prozent die wenigsten Kinder ganztags betreut. (grafik: it.nrw)
Düsseldorf (IT.NRW). 48,2 Prozent der 1,7 Millionen Schülerinnen und Schüler in der Primarstufe und der Sekundarstufe I der allgemeinbildenden Schulen in NRW nahmen im Schuljahr 2016/17 ein Ganztagsangebot und weitere 5,4 Prozent sonstige Betreuungsmaßnahmen an ihren Schulen in Anspruch.
Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als amtliche Statistikstelle des Landes mitteilt, hatten die Anteile fünf Jahre zuvor bei 34,8 bzw. 9,1 Prozent gelegen.
An den in der Regel als gebundene Ganztagsschule angelegten Gesamt- und Gemeinschaftsschulen nahmen alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend am Nachmittagsangebot teil.
An Realschulen und Gymnasien wurden mit 22,7 bzw. 25,8 Prozent die wenigsten Kinder ganztags betreut.
Im Primarbereich boten die meisten Schulen eine offene Ganztagsbetreuung an, d. h. nur ein Teil der Schülerinnen und Schüler nahm verpflichtend ein Ganztag teil. An Grundschulen nahmen im abgelaufenen Schuljahr 44,1 Prozent der Schüler ein Ganztagsangebot wahr.
64 192 (20,8 Prozent) der 308 860 Realschüler und 83 525 (24,6 Prozent) der 339 790 Gymnasiasten in der Sekundarstufe I wurden entweder ganztags unterrichtet oder sie nahmen Betreuungsangebote, wie beispielsweise die Übermittagsbetreuung, wahr.
Schulen, die nicht zu den Ganztagsschulen gehören, boten zum Teil sonstige Betreuungsangebote an. Hierzu zählen Maßnahmen wie z. B. „Schule von acht bis eins” und „Übermittagbetreuung”.
Unsere Autorin Nadja Thelen-Khoder forscht zu Zwangsarbeitern, Lagern und Nachkriegsgeschichte in und um Meschede.
Insbesondere mit Hilfe des ITS in Bad Arolsen hat sie viele „unbekannte“ Gräber auf dem sogenannten „Franzosenfriedhof“ entziffert und Personen – zu Grunde gerichtete und ermordete Zwangsarbeiter- zugeordnet.
Ich habe einen Traum: Ein Schulklasse fährt ins ITS nach Bad Arolsen, jeder schnappt sich einen Namen und versucht, möglichst viel über ihn herauszufinden. Bei manchen Namen kann man mehrere Schüler ansetzen; „Iwan Kuzmin“ etwa ist so häufig, daß man eine ganze Schulklasse auf ihn allein ansetzen könnte, um den „Mescheder“ herauszufischen.
(Siehe auch Teil 1 und Teil 2 dieser dreiteiligen Artikelserie.)
Wenn man von Arnsberg, Meschede, Eversberg, Warstein oder Suttrop nach Bad Arolsen fährt, kommt man quasi an der Wewelsburg bzw. dem Vernichtungslager Niederhagen vorbei. Davon gibt es nur noch wenige erhaltene Bauten in einem jämmerlichen Zustand, aber ein großes Denkmal auf dem ehemaligen „Appellpatz“. Als ich Photos machte, kam der Ortsvorsteher vorbei und war so freundlich, mich auf die jährlichen Gedenkfeiern am 2. April aufmerksam zu machen, die an den Tag der Befreiung erinnern.
Das Museum in der Wewelsburg bietet alles, was Herz und Verstand begehren. Neben vielen Ausstellungsstücken kann man viel Material erwerben, darunter Bücher (z.B. Andreas Pflocks „Gerrit Visser (1894-1942). Von Hengelo nach Wewelsburg. Lebensstationen und Briefe des niederländischen Gewerkschafters aus nationalsozialistischer Gefangenschaft“[1]) und CD-ROMs mit Begleitheften (z.B. Wulff E. Brebeck / Karl Hüser / Kirsten John-Stucke: „Die Wewelsburg 1933-1945. SS-Größenwahn und KZ-Terror“[2]). Der Begleitband zur ständigen Ausstellung „Endzeitkämpfer. Ideologie und Terror der SS“[3] enthält auf 464 großformatigen Seiten die Exponate und ihre Erklärungen und ist eine wahre Fundgrube.
Als ich die DVD „Kriegsgefangen. Bilder aus dem Lager Hemer“ (hrsg. vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, LWL-Medienzentrum für Westfalen) sah, dachte ich wieder an meinen Großvater und seinen polnischen Patienten Benjamin Wiesliczko, der schon maximal zwei Monte nach seiner Verschleppung am 23. November 1939 mit 23 Jahren im Krankenhaus Maria Hilf in Warstein an „Flecktyphus“ starb; das Sterbebuch der Stadt von 1939 (Nr. 59) vermerkt „wohnhaft im Gefangenenlager Sichtigvor“ und als Todesursache „Sepsis“, und die Amtsverwaltung Hemer teilt am 27. Januar 1950 mit: „Wieliczko ist auf dem Waldfriedhof der Stadt Hemer im Grab Nr. 30 beigesetzt“.
Lager Sichtigvor, Lager Belecke, Lager Rüthen, Lager Herrenberg, Lager Stillenberg, Lager Siepmann-Werke, Lager Honsel-Werke, Lager Waldstraße … – zig Lager sind mir begegnet, in Geburts- und Sterbeurkunden und den zahlreichen Namenslisten der „Arbeitgeber“, Krankenkassen und und und.
Natascha Wodin schreibt in „Sie kam aus Mariupol: „Je länger ich recherchierte, auf desto mehr Ungeheuerlichkeiten stieß ich, von denen bisher kaum jemand gehört zu haben schien. Nicht nur ich selbst war in vielem immer noch ahnungslos, auch von meinen deutschen Freunden, die ich für aufgeklärte, geschichtsbewusste Menschen halte, wusste niemand, wie viele Nazi-Lager es früher auf deutschem Reichsgebiet gegeben hatte. Die einen gingen von zwanzig aus, andere von zweihundert, einige wenige schätzten zweitausend. Nach einer Studie des Holocaust Memorial Museums in Washington belief sich die Zahl aber auf 42000, die kleinen und die Nebenlager nicht mitgerechnet. 30000 davon waren Zwangsarbeiterlager. In einem Interview mit der ,ZEIT’, das am 4. März 2013 erschien, sagte der amerikanische Historiker Geoffrey Megargee, der an der Studie mitgearbeitet hatte: Die horrende Zahl der Lager betätige, dass nahezu allen Deutschen die Existenz dieser Lager bekannt gewesen sei, selbst wenn sie das Ausmaß des Systems dahinter nicht begriffen oder nicht in jedem Fall über die Umstände in den Lagern Bescheid gewusst hätten. Obwohl das mit 42 000 und mehr Lagern überzogene Land ein einziger Gulag gewesen sein muß.“[4]
„Vernichtung durch Arbeit“ heißt eine Überschrift der großartigen Ausstellung im Museum Wewelsburg, und einige Photos geben einen Eindruck davon, was die Arbeit in Steinbrüchen mit Menschen machte.
KZ-Häftlinge arbeiten im Steinbruch unterhalb der Wewelsburg 1939-1943 [5]„KZ-Häftlinge arbeiten im Steinbruch unterhalb des Wewelsburg 1939-1943
Die Arbeiten in den Steinbrüchen unterhalb der Wewelsburg, am Bahnhof, im SS-Lager und im Nachbarort Ahden gehörten für die KZ-Häftlinge zu den mühevollsten Arbeitskommandos. Die Häftlinge mussten ungeschützt bei jeder Witterung, zum Teil ohne festes Schuhwerk und Handschuhe, die Steine brechen und zu den Baustellen transportieren. Sprengwerkzeuge waren Mangelware. Im Steinbruch unterhalb der Burg wurde Kipploren eingesetzt. Die Häftlinge mussten die mit Steinen gefüllten Loren über Gleise den Berg bis zur Wewelsburg hinaufschieben. Dies führte zu zahlreichen schweren Unfällen.
Ebenso wie im Kommando Straßenbau litten die Häftlinge in den Steinbruch-Kommandos unter extremer körperlicher Anstrengung und Auszehrung. Nicht selten wurden Tote und Schwerverletzte ins Lager zurückgebracht. (Kreismuseum Wewelsburg, Fotoarchiv)“[6]
Und ich denke wieder an die 19jährige Nina und ihre „Gleisbauarbeiten“ …
Das erzähle ich deshalb so ausführlich (siehe Teil 1), um zu veranschaulichen, daß dies nur ein kleiner Anfang für weitere Recherchen sein kann. Hunderte Namenslisten gälte es durchzuackern, um weitere Informationen über die Toten zu bekommen, die in zig Lagern in und um Meschede leben mußten und „verstorben“ sind:
in Stockhausen „nach kompl. Unterschenkelbruch“, in Meschede im „Ostarbeiterlager Waldstr.“ an „Krämpfen“ oder im „Ostarbeiterlager Haus Dortmund“ oder „im Ostarbeiterlager Wiebelhaus“ oder „im Ostarbeiterlager der Honsel-Werke“ oder in Bestwig „im Ostarbeiterlager“ oder in Bigge im „Lager Talblick“ oder in Heinrichstal „im Ostarbeiterlager“ oder „in Ramsbeck“ oder in „Hoppecke im Lager Bremecke“ oder „in Dörnbeck bei Ramsbeck im Ostarbeiterlager“ „an einer „Kopfverletzung“, an einer „Benzinvergiftung“, „Tuberkulose, Hüftgelenksentzündung“, an „Hitzschlag, Lungenentzündung, Herzschwäche“, an einer „schweren Beinverletzung“, an „Flecktyphus“ (= „Lagerfieber“), an „Lungentuberkulose“, an „Schwere Lungentuberkulose, allgemeine Entkräftung, Versagen des Kreislaufs“, an „Doppelseitige Lungentuberkulose“ oder „Schädelbruch“, „auf der Flucht erschossen“ oder durch „Freitod“.
Namenslisten der Arbeitgeber auch von Warstein und Eversberg geben weitere Hinweise, und nach manch einem sind die Lager benannt. Ein Beispiel aus Warstein:
„Die Industrie- und Handelskammer für das südöstliche Westfalen verleiht durch ihren Präsidenten, Generaldirektor Fritz Honsel, nach erfolgter Zustimmung des Beirats dem Fabrikbesitzer HUGO SIEPMANN den Titel eines Ehrenpräsidenten, weil er sich in über 25jähriger Arbeit um die Wirtschaft seiner westfälischen Heimat und damit um das Vaterland sehr verdienst gemacht hat.
Arnsberg im September 1939“
Diese „Ehrenurkunde“ mit der Unterschrift „Die Ehrenurkunde mit der Ernennung Hugo Siepmanns zum Ehrenpräsidenten der Industrie- und Handelskammer anläßlich seines 70. Geburtstages“ wird stolz abgedruckt in dem Buch „60 Jahre Gesenkschmiede“ bzw. „1891-1951. 60 Jahre Siepmann-Werke, Aktiengesellschaft Belecke-Möhne“, einer Festschrift von 1951, das auch zum Erbe meiner Mutter gehört. Ich fand es zwischen ihren Büchern. Eine Heftchen in DIN A 5 u.a. mit Photos von der Beerdigung einer Jenni Siepmann (9.7.1906- 4.6.1959) lag darin; wahrscheinlich war mein Opa auf der Beerdigung.
Reich war die Kirche und das Grab geschmückt, und auf der Karte steht:
„Wir dürfen Gott danken für alles, was er der Verstorbenen an Gütern des Leibes und der Seele geschenkt hat. Wir dürfen danken für alles, was Gott an uns allen durch die Verstorbene gewirkt hat. Ja, wir dürfen danken, daß wir als Christen angesichts des Todes diese Botschaft vom Leben haben und bezeugen dürfen. ,Ich betrachte meine Wege und kehre meine Füße zu Deinen Zeugnissen!’ Möge Euch, Ihr lieben Angehörigen, und uns alle das trösten und aufrichten, daß wir von uns weg auf Gott blicken dürfen, auf Jesus Christus, auf das Kreuz! Amen.“
Da war diese Urkunde und diese Karte, die mir zuerst auffielen. Und dann las ich weiter:
„Aus Anlaß des 60jährigen Bestehens unseres Unternehmens erlauben wir uns, Ihnen eine Festschrift, die die Entwicklung und den heutigen Stand unseres Betriebes darstellt, zu überreichen. Wir holen damit eine Verpflichtung nach, die uns beim 50jährigen Bestehens unserer Firma im Jahre 1941 erwachsen ist und sich infolge der damaligen Verhältnisse nicht verwirklichen ließ.
Es ist unser aufrichtiger Wunsch, daß diese Festschrift dazu beiträgt, die Beziehungen zu allen Freunden unseres Hauses zu vertiefen und zu festigen.
Unser Jubiläum bietet uns die willkommene Gelegenheit, allen denen, die uns innerhalb und außerhalb unseres Betriebes in guten und in schlechten Tagen die Treue hielten, von Herzen Dank zu sagen und die Bitte auszusprechen, uns ihr Wohlwollen und Vertrauen auch weiterhin zu schenken.
Siepmann-Werke
Aktiengesellschaft
Belecke (Möhne)
Der Vorstand“
„Zum Geleit
Das Schicksal hat es gefügt, daß das 25jährige Bestehen der Siepmann-Werke (1916) wie auch ihr 50jähiges Jubiläum (1941) in die Mitte zweier Weltkriege fiel. Beide Male waren die Zeiten nicht dazu angetan, sich festlicher Freude hinzugeben. Nur im engsten Familienkreise wurden die Festtage kurz gewürdigt.
Anläßlich des 60jährigen Bestehens des Werkes soll das Versäumte nachgeholt werden. Die Freude wird allerdings gedämpft durch den Tod der beiden Gründer des Unternehmens, der Brüder Emil und Hugo Siepmann, Ende des Jahres 1950. Beiden sollte es nicht mehr vergönnt sein, die Feier des 60jährigen Bestehens ihres Lebenswerkes mitzuerleben. Damit wird diese Festschrift ein Gedenk- und Ehrenbuch für diese beiden Männer.
Sie will zunächst die Grundlagen zeigen, auf denen das Werk aufgebaut wurde, und den Weg schildern, den es in den vergangenen sechzig Jahren genommen hat.
Sie soll künden vom Geist verpflichtenden Unternehmertums und Stolz und Freude wecken über das Geleistete.
Sie will darüber hinaus allen ein Dankeswort zurufen, die ihre besten Kräfte an das Werk gesetzt haben.
Sie will nicht zuletzt die Brücke von Mensch zu Mensch schlagen, nicht nur innerhalb des Betriebes, sondern auch nach außen zu allen unseren Geschäftsfreunden.
Endlich soll sie in den Herzen der jetzigen Generation wie der kommenden den Entschluß festigen, es den Vorgängern gleichzutun.
Der Vorstand der Siepmann-Werke Aktiengesellschaft
Alfred Siepmann[1]
Walther Siepmann
Ernst Siepmann
Belecke (Möhne), im Sommer 1951“
WALDFRIEDHOF FULMECKE – DER FRIEDHOF WURDE IM I. WELTKRIEG ANGELEGT UND DIENTE ALS RUHESTÄTTE FÜR KRIEGSGEFANGENE MEHRERER NATIONEN (INSBES. FRANZOSEN), DIE IM MESCHEDER KRIEGSGEFANGENENLAGER VERSTORBEN WAREN. FRANZÖSISCHE, BELGISCHE UND ITALIENISCHE KRIEGSTOTE WURDEN NACH DEM I. WELTKRIEG IN IHRE HEIMAT ÜBERFÜHRT. FÜR DIE RUSSISCHEN UND POLNISCHEN KRIEGSTOTEN DES I. WELTKRIEGES BLIEB DER WALDFRIEDHOF DIE LETZTE RUHRSTÄTTE.
IM JAHRE 1964 WURDEN 121 UNBEKANNTE RUSSISCHE TOTE AUS DEN GEMEINDEN SUTTROP UJND WARSTEIN NACH HIER ÜBERFÜHRT. IN DEN JAHREN 1965/66 ERFOLGTE DIE VÖLLIGE NEUGESTALTUNG DES FRIEDHOFES. HEUTE RUHEN HIER 287 RUSSISCHE UND POLNISCHE KRIEGSTOTE.
DAS SCHMIEDEISERNE TOR MIT DEN SANDSTEINFLÜGELMAUERN SOWIE DIE FIGUR DES FRANZÖSISCHEN SOLDATEN SIND ARBEITEN UNBEKANNTER FRANZÖSISCHER KRIEGSGEFANGENER.
DIE STELE IM HINTEREN BEREICH DES FRIEDHOFES WURDE NACH DEM II. WELTKRIEG DURCH DIE SOWJETUNION ERRICHTET.
So steht es auf der schmiedeeisernen Tafel im Eingangsbereich des „Waldfriedhofs Meschede-Fulmecke“ an der Waldstraße, und die sowjetische Stele ganz hinten in der Ecke sagt:
HIER RUHEN RUSSISCHE BÜRGER, BESTIALISCH ERMORDET IN FASCHISTISCHER GEFANGENSCHAFT. EWIGER RUHM DEN GEFALLENEN DES GROSSEN VATERLÄNDISCHEN KRIEGES 1941 – 1945
Und was sagen die Grabsteine?
Inzwischen habe ich etwas über die Namen finden können; durch den wunderbaren „International Tracing Service (ITS)” in Bad Arolsen fand ich zunächst folgende Listen:
„Gräberliste von Bürgern der Vereinten Nationen nach Zivilisten, U.S.S.R., Waldfriedhof Meschede“, ITS Bad Arolsen, 2.1.2.1 / 70792345;
„Bürger der Vereinten Nationen, die seit dem 4.9.1939 hier ortsansässig geworden und hier verstorben sind, Waldfriedhof Meschede“, ITS Bad Arolsen, 2.1.2.1 / 70792343;
„Nachweis über die im Amte Meschede verstorbenen russischen Staatsangehörigen“, ITS Bad Arolsen, 2.1.2.1 / 70792351 und 2.1.2.1 / 70792352;
„Gemeinde Meschede, Nationalität Russen, Sterbeurkunde ja, Waldfriedhof“, ITS Bad Arolsen, 2.1.2.1 / 70689395
„Grablagen von sowjetrussischen Staatsangehörigen; Originale beim Bundesvertriebenenministerium“ = „Az.: WASt-Gräberliste“, ITS Bad Arolsen, 2.3.2.1 („Grablagen von sowjetrussischen Staatsangehörigen; Originale beim Bundesvertriebenenministerium“, heute im Bundesarchiv in Koblenz)
Durch diese Listen bekam ich viele Geburts- und Sterbedaten, mit denen ich weiter nach den Toten suchen konnte. Und so fand ich manche Geburts- und Sterbeurkunde, Vermerke vom Oberstaatsanwalt in Arnsberg und Hinweise auf zahlreiche „Ostarbeiterlager“ und „Kriegsgefangenenlager“, in denen auch die Ermordeten der drei Massaker vom
am 20. März 1945 im Langenbachtal (Warstein, damals Landkreis Arnsberg),
am 21. März 1945 im Körtlinghausener Forst (Suttrop, damals Landkreis Lippstadt)
und am 22. März 1945 auf der Kuhwiese (Eversberg, damals Landkreis Meschede) leben mußten.
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