Marion bei den Mexis, Teil 29: Chiapas – auf den Spuren der Zappatisten und ihres “Subcommandante Marcos” …

Dieser Artikel ist der 29. Teil einer persönlichen Serie über das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute berichtet unsere Autorin über eine Reise nach Chiapas, wo sie unter anderem die Spuren der Zappatisten und ihres “Subcommandante Marcos” sucht. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Hola a todos!

Als am 01. Januar 2004 etwa 800 bewaffnete und maskierte Männer die Rathäuser von San Cristobal de las Casas und Oconsingo und sieben weiteren Orten im Bundesstaat Chiapas besetzten, wurde die Weltöffentlichkeit auf diesen Teil Mexikos aufmerksam. Die Zapatisten überfielen die Orte, um auf die brennenden Probleme und die Diskriminierung der indigenen Bevölkerung aufmerksam zu machen. Besonders umkämpft war Oconsingo. Bei der Rückeroberung durch die Regierungstruppen gab es viele Tote und dies radikalisierte Teile der Rebellen, die sich im Zapatistischen Nationalen Befreiungsheer (EZLN) organisiert hatten.

Pyramiden und EZLN
Gegenwart und Vergangenheit – Vor der Maya-Pyramide wird einem ganz deutlich gesagt, wer hier das Sagen hat. Ist sonst nicht so oft wie erwartet in Chiapas zu sehen. (fotos: koerdt)

Reist man fast 20 Jahre später durch Chiapas, muss das Touristenauge lange suchen, bis es Spuren des Aufstandes wahrnimmt. Dachte ich vorher noch, dass an mindestens jeder zweiten Hauswand Parolen zu entdecken seien, wurde ich vor Ort eines Besseren belehrt. Fast nichts weist auf die Unruhen und Aufstände hin. Lediglich vor der archäologischen Zone Toniná in der Nähe Oconsingos hängt ein Plakat mit der aufständischen Dreifaltigkeit: Neben Emiliano Zapata und Che Guevara guckt Subcomandante Marcos entschlossen durch die Sehschlitze seiner schwarzen Kapuze, die sein Gesicht bis auf Augen und Mund verdeckt. Sein Haupt bedeckt eine Kappe. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, wer sich hinter Subcomandante Marcos, der in geschliffenen Reden nicht nur Teile der indigenen Chiapas-Bevölkerung, sondern auch die Intellektuellen in der Hauptstadt in seinen Bann zog, verbirgt. „Marion bei den Mexis, Teil 29: Chiapas – auf den Spuren der Zappatisten und ihres “Subcommandante Marcos” …“ weiterlesen

Marion bei den Mexis, Teil 28: Lehrergewerkschaftsführerin reich und korrupt, Hugo Chávez tot und ein Drogenboss verschwindet aus der Forbes-Liste.

Dieser Artikel ist der 28. Teil einer persönlichen Serie über das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute berichtet unsere Autorin unter anderem über eine korrupte Gewerkschaftsführerin, den Tod von Hugo Chávez sowie über allerlei reiche Leute, mit und ohne Drogen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

¡Hola a todos!

Lässt man die Rechtschreibkorrektur über einen deutschsprachigen Text laufen, in dem der mexikanische Präsident Peña Nieto erscheint, kommt als erster Verbesserungsvorschlag für Nieto “Niete”.

Ob er aber wirklich eine Niete ist, lässt sich nach 100 Tagen Regierungszeit natürlich noch nicht sagen. Was sich aber jetzt schon zeigt, ist, dass er sich seiner politischen Macht sehr bewusst ist.

Frau Gordillo und Herr Peña Nieto konnten scheints auch herzlich miteinander lachen. Vielleicht hat sie ihm auch gerade nur für seine Frau ihren Schönheitschirurgen empfohlen und er dachte, das sei ein guter Witz.
Vorher: Frau Gordillo und Herr Peña Nieto konnten scheint’s auch herzlich miteinander lachen. Vielleicht hat sie ihm auch gerade nur für seine Frau ihren Schönheitschirurgen empfohlen und er dachte, das sei ein guter Witz.

Überaus deutlich wurde dies, als er vor zwei Wochen die Lehrergewerkschaftsführerin Elba Esther Gordillo nach ihrer Rückkehr aus den USA am Flughafen verhaften ließ. Nun gut, das hatte aber auch einen Grund: Frau Gordillo soll aus Gewerkschaftsgeldern umgerechnet zwischen 155 und 170 Millionen Euro unterschlagen haben. Mir ist bei der Summe erst einmal die Sprache weggeblieben. Dann dachte ich wiederum: Na ja, die stand ja schließlich auch 24 Jahre an der Spitze der Gewerkschaft. Einer meiner Deutschschüler klärte mich auf: Die Summe bezöge sich nur auf die letzten drei, vier Jahre. Da hat es mir wieder die Sprache verschlagen. „Marion bei den Mexis, Teil 28: Lehrergewerkschaftsführerin reich und korrupt, Hugo Chávez tot und ein Drogenboss verschwindet aus der Forbes-Liste.“ weiterlesen

Marion bei den Mexis, Teil 27: ein Einbruch, ein Drogentunnel und ein langer Ritt zum Vulkan.

Dieser Artikel ist der 27. Teil einer persönlichen Serie über das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute berichtet unsere Autorin über einen Einbruch in ihre Wohnung, einen Drogentunnel in Uruapan und einen langen, schmerzhaften Ritt zum Vulkan Paricutín. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

¡Hola a todos!

Nun ist ja schon wieder ein Monat im neuen Jahr rum und ich kann nur mit Wilhelm Busch sagen, die Zeit geht im Sauseschritt und wir gehen mit.

Also, an dieser Stelle noch einmal an alle alles Gute für die kommenden Monate.

Dass ich mich solang nicht aus Mexiko gemeldet habe, hat den banalen Hintergrund, dass ich -wie einige von euch mitbekommen haben- in Deutschland war. Und meine Rückkehr hatte auch sofort eine böse Überraschung: Bei uns ist eingebrochen worden. Aber: Es wurde fast nichts entwendet – außer einem schwarzen Hut von mir.

Eine böse Überraschung
Die Vermutung liegt nahe, dass die Einbrecher gestört worden sind, denn sie haben in dem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite vier Wohnungen ausgeräumt und waren wohl schon einige Zeit beschäftigt gewesen. Hier wurde lediglich noch an der Wohnungstür der Nachbarin rumgefummelt, sie sind wohl dort gar nicht in die Wohnung gekommen und wie gesagt, in unserer Wohnung hält sich der Schaden auch mehr als in Grenzen. Nur das Wohnungsschloss sowie der Türrahmen mussten ausgetauscht bzw. repariert werden.

Die Erfüllung eines Mädchentraums
Nun liegt ein anderes Ereignis auch schon nun wieder etwas zurück, aber ich wollte trotzdem noch davon berichten. Denn es ging um die Erfüllung eines Mädchentraums von mir.

Beruhigen oder beunruhigen - das ist hier die Frage. Rund um den Zócalo von Uruapan nahm die Polizeidichte enorm zu. Von einer angeblichen Polizeikonferenz wusste niemand etwas. Dafür wurde ein paar Tage später ein Drogenschmuggeltunnel unter dem Platz ausgehoben. (fotos: koerdt)
Beruhigen oder beunruhigen – das ist hier die Frage. Rund um den Zócalo von Uruapan nahm die Polizeidichte enorm zu. Von einer angeblichen Polizeikonferenz wusste niemand etwas. Dafür wurde ein paar Tage später ein Drogenschmuggeltunnel unter dem Platz ausgehoben. (fotos: koerdt)

Seitdem wir in Mexiko sind, wollte ich immer zum Vulkan Paricutín im Bundesstaat Michoacán. Nun gab es ein paar freie Tage und wir machten uns auf den Weg nach Uruapan, der zum Vulkan nächstgelegenen Stadt. Das erste, das dort auffiel, war eine überdeutliche Polizeipräsenz am Hauptplatz, an dem wir nach einem Hotel Ausschau hielten.

Alles voller Polizisten: der Drogentunnel
Im ersten Hotel, das wir uns anschauten, wollte man uns weismachen, dass eine Polizeikonferenz in der Stadt sei. Von der aber in dem Hotel, in dem wir letztlich eincheckten, niemand etwas wusste. Jedenfalls waren die vier Hotels, die wir davor besichtigt haben, voll mit Polizisten. Und man nicht recht weiß, ob das nun einen beruhigen oder eher beunruhigen soll. Eine Woche später las ich dann die passende Meldung: Unter dem Kulturzentrum am Hauptplatz hatte man einen Tunnel entdeckt, durch den Drogen geschleust worden sind. Welches Kartell nun letztlich dafür verantwortlich war, weiß ich nicht.

Der jüngste Vulkan der Welt
Nun deswegen waren wir ja auch nicht dort, sondern um besagten Vulkan zu besteigen, der als der jüngste der Welt gilt. Ich hatte als Mädchen einen Kinderatlas, in dem von diesem Vulkan berichtet wurde.

Das Objekt der Begierde - der Vulkan Paricutín, der jüngste seiner Art weltweit. Hier noch in weiter Ferne und zu dem Zeitpunkt lediglich wolkenverhangen.
Das Objekt der Begierde – der Vulkan Paricutín, der jüngste seiner Art weltweit. Hier noch in weiter Ferne und zu dem Zeitpunkt lediglich wolkenverhangen.

Im Februar 1943 entdeckte ein Bauer auf seinem Feld Rauchwolken und schon ein paar Tage später, war dort ein beachtlicher Hügel von 10 Metern entstanden. Und die Gefahr wurde im wahrsten Sinne des Wortes ruchbar. Der Kegel wuchs um knappe 400 Meter an, dampfendes Geröll und Asche in die Luft schleudernd.

Da die ausgestoßende Lava sehr langsam floss, konnten die Dörfer San Juan Parangaricutiro und San Salvador Paricutín rechtzeitig evakuiert werden. Es mussten zwar keine Personenschäden beklagt werden, die Menschen hatten aber ihre Häuser und Felder hinter sich gelassen und die Regierung unterstützte sie keineswegs beim Aufbau eines neuen Lebens außerhalb der Gefahrenzone.

Neun Jahre spuckte der Vulkan und begrub dabei die beiden Dörfer unter sich. Jahrelang war der Himmel rußbedeckt und die Leute vom Stamme der Tarasken versuchten ohne jegliche staatliche Hilfe wieder Tritt zu fassen. Der Stolz der Tarasken darauf ist auch heute noch im Dorf Angahuan spüren, von dem aus die Touren zum Vulkan aus starten. Es bleibt eine gewisse Skepsis gegenüber dem Staat und auch dem Fremden begegnet man recht distanziert. Untereinander sprechen sie ausschließlich ihre Sprache: Purépecha.

Ein schmerzhafter Ritt zum Vulkan
Ich hatte mich frohgemut auf eine Wanderung eingestellt, als uns dort mitgeteilt wurde, der Vulkan läge 16 Kilometer entfernt und man könne eigentlich nur dorthin reiten und uns wurde unser Führer José vorgestellt. Ein Vorschlag, der mich regelrecht begeisterte. Nach einer halben Stunde im Sattel dann nicht mehr.

Jede Berührung mit dem Sattel tat ab da nur noch höllisch weh. Wir waren bis dahin um ein Lavafeld geritten, aus der die Kirchturmspitze herausragte, die ich bereits von Bildern aus meinem Kinderatlas kannte. Eine halbe Stunde später fragte ich José, wie weit es denn noch sei und er meinte, zum Vulkan seien es noch so drei Stunden. Ich biss mir auf die Zähne und blickte gen Horizont: Der Vulkan war wie ein Scheinriese, der nicht näher kam.

Der Scheinriese kommt nicht näher
José muss mir mein Leiden angesehen haben, denn er bot mir netterweise sein Pferd an. Dessen Sattel war um ein Vielfaches weicher, wenn auch nicht richtig weich. So trabten wir weiter.

Ross und Reiter - schon bald sollte sich zeigen, wer hier die Zügel in der Hand hatte
Ross und Reiter – schon bald sollte sich zeigen, wer hier die Zügel in der Hand hatte

Christophers Pferd hatte ziemlich schnell spitz gehabt, dass der Typ auf ihm überhaupt keine Ahnung vom Reiten hatte und so machte es eigentlich, was es wollte. José durfte das Pferd in regelmäßigen Abständen von Wiesen holen, wohin es zwecks Pausen-Snacks immer wieder hin verschwand.

Ein weiterer Blick auf den Vulkan verhieß nichts Gutes: Hinter ihm hatten sich riesige, schwarze Wolken aufgetürmt, die José lediglich mit einem “oh! oh!” kommentierte.

Der Regen macht (fast) alles zunichte
Es kam, was kommen musste: Ein Regenschauer, der unsere Sicht auf ungefähr zwei Meter begrenzte. Und noch zwei Stunden bis zum Vulkan. Resignation überkam mich, die sich noch steigerte, als José meinte, bei dem Wetter könne man den Vulkan nicht mehr besteigen. Die Windböen seien zu heftig. Wir beschlossen umzukehren, um wenigstens noch das Lavafeld mit der Kirche zu erkunden.

Grau, grauer, am grausten - der sagenumwobene Kirchturm der Kirche San Juan vom Dorf Parangaricutiro. Mein Kinderatlas hatte allen Ernstes behauptet, es sei ein Wunder, dass ausgerechnet die Kirche der Lava standgehalten hätte. Die Wahrheit ist, wie so oft, viel banaler.
Grau, grauer, am grausten – der sagenumwobene Kirchturm der Kirche San Juan vom Dorf Parangaricutiro. Mein Kinderatlas hatte allen Ernstes behauptet, es sei ein Wunder, dass ausgerechnet die Kirche der Lava standgehalten hätte. Die Wahrheit ist, wie so oft, viel banaler.

Eine Angelegenheit, deren Spaß sich bei den Witterungsverhältnissen auch etwas in Grenzen hielt. Dort wurde mit der Legende aufgeräumt, die mein Kinderatlas (schließlich ein aufgeklärtes Buch vom Ende der siebziger Jahre) verbreitet hatte: Allein die Kirche sei von den Lavamassen verschont geblieben – ein Wunder? Wohl kaum, denn die Häuser drum herum waren nicht aus Stein gebaut gewesen, sondern einfache Holzhütten, so José. Und die konnten wohl kaum der Lava standhalten. Warum hatte mir mein Kinderatlas das verschwiegen? Jedenfalls war José sehr auskunftsfreudig und entsprach so gar nicht den Vorurteilen, die den Tarasken vorauseilen.

Nichts für “Warmduscher” – der Schmerz geht weiter
Nach vier Stunden im Sattel kamen wir völlig durchweicht am Ausgangspunkt zurück. Es war einer der Tage, an denen ich mich auf eine heiße Dusche gefreut habe. Doch auch diese Freude wurde getrübt: Erst unter dem heißen Wasser bemerkte ich, dass sich die Haut unterhalb meines Pos völlig aufgescheuert hatte. Und ich auch noch in den kommenden zwei Wochen bei jeder Sitzgelegenheit an den Ausflug erinnert wurde. Ja, ich hatte einen Mädchentraum …

Mexiko-Stadt aktuell: PEMEX-Direktor Lozoya Austin spricht von bislang 32 Tote bei der Explosion im PEMEX-Tower.

Der Pemex-Tower (foto***: romantm)
Der Pemex-Tower (foto***: romantm*)

Mexiko-Stadt –  PEMEX-Direktor Emilio Lozoya Austin gab am Freitagmorgen bekannt, dass die Zahl der Toten bei der gestrigen Explosion auf dem PEMEX-Gelände auf 32 gestiegen sei. 20 Frauen und 12 Männer seien bei dem Unglück ums Leben gekommen. 20 von ihnen sind bislang identifiziert worden. Unter ihnen auch ein 13jähriges Mädchen. Von den 121 Verletzten würden noch 52 in Krankenhäusern behandelt. Die Suche nach der Explosionsursache hält an.

(Unsere Autorin Marion Koerdt berichtet aus Mexico-City.)

Tag Zwei nach der Katastrophe. Auch heute kreisen Hubschrauber über der mexikanischen Hauptstadt und Menschen suchen verzweifelt in Krankenhäusern nach ihren Angehörigen. Straßen sind weiterhin gesperrt. Im Internet wurden Suchlisten veröffentlicht.

Am Donnerstagnachmittag war es gegen 15.40 Uhr im Keller des Gebäudes B2 auf dem Gelände der PEMEX-Zentrale im Zentrum der Metropole zu einer Explosion gekommen. Die Detonation ereignete sich nicht im 214 Meter hohen Hauptturm, sondern in einem Nebenturm. Von den 13 Stockwerken wurden vier schwerbeschädigt. Das Gelände wurde umgehend evakuiert und die umliegenden Straßen gesperrt.

Zeugen berichten von zwei Detonationen. Es hätte Erschütterungen gegeben, das Licht sei ausgegangen, Glasscheiben seien zersplittert, überall sei weißer Rauch gewesen. In diesem Gebäude sollen 225 Mitarbeiter beschäftigt sein, von denen aber viele bereits vor dem Unglück nach Hause gegangen seien.

Von offizieller PEMEX-Stelle hieß es zunächst, eine Überhitzung der Kühlanlage könne die mögliche Ursache gewesen sein. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Erdöl-Techniker, Moisés Flores, sprach von einer mangelhaften Wartung der Heiz- und Kühlanlage. Einer der ersten Feuerwehrmänner, die vor Ort waren, berichtete dem Nachrichtensender CNN, er hätte Gasgeruch wahrgenommen, als er das Gebäude betrat.

PEMEX-Direktor Lozoya Austin erklärte jedoch am Freitagmorgen, die Gutachten seien sehr komplex. Ein Verhängnis wie das gestrige ließe sich nicht in ein paar Stunden klären, so Lozoy Austin.

Isaac Oxenhaut G., Katastrophenkoordinator des nationalen Roten Kreuzes, erklärte die Rettungsarbeiten und die Suche nach möglichen weiteren Verschütteten würden auch heute fortgesetzt. Es bestünde jedoch keine Einsturzgefahr des Turmes. Ob es noch weitere Tote und Verletzte in den Trümmern gebe, könne er nicht sagen.

Präsident Enrique Pena Nieto sowie Regierungschef des Bundesdistrikts Mexiko-Stadt, Miguel Àngel Mancera, waren gestern sofort zur Unglücksstelle gekommen. Pena Nieto versprach eine gründliche Untersuchung und warnte vor verfrühten Spekulationen. Erst am Mittwoch hatte er eine mögliche Privatisierung des staatlichen Mineralölkonzerns im Rahmen einer möglichen Energiepolitikreform dementiert. Am Freitagmorgen besuchte der Präsident die Verletzten im Krankenhaus Picacho.

Das Unternehmen PEMEX gehört mit einem Umsatz von 32 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr zu den größten Erdölkonzernen der Welt. Der 1984 errichtete PEMEX Tower ist das zweithöchste Gebäude der mexikanischen Hauptstadt und gilt als erdbebensicher. Er selbst soll bei dem gestrigen Unglück nicht beschädigt worden sein.

***cc creative commons by *romantm

Marion bei den Mexis, Teil 26: Schüsse auf Paco und eine geklaute Leiche

Und noch etwas Neues aus unserem Barrio: Seit kurzem stehen Leihfahrräder an den Straßen. Einmal registrieren lassen und schon kann es losgehen. Vielleicht ist das auch eine Form der natürlichen Bevölkerungsregulierung: Denn Radfahren ist hier eher lebensbedrohlich als gesundheitsfördernd. (fotos: koerdt)
Neues aus unserem Barrio: Seit kurzem stehen Leihfahrräder an den Straßen. Einmal registrieren lassen und schon kann es losgehen. Vielleicht ist das auch eine Form der natürlichen Bevölkerungsregulierung: Denn Radfahren ist hier eher lebensbedrohlich als gesundheitsfördernd. (fotos: koerdt)

Dieser Artikel ist der 26. Teil einer persönlichen Serie über das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute berichtet unsere Autorin über die Gewalt in Mexico und wie der designierte Präsident Enrique Peña Nieto der Kanzlerin Angela Merkel auf Augenhöhe begegnet. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Hola a todos!

„Dabei habe ich noch nicht einmal ein Handy.“ Die Fassungslosigkeit hatte mir bereits Tränen in die Augen getrieben. Doch nach diesem Satz merkte ich, dass die Wut immer stärker wurde. Wut darauf, dass es keine Antwort darauf gibt, warum auf Paco, unseren informellen Hausmeister, geschossen worden ist.

Paco war seit über einen Monat nicht zur Arbeit erschienen. Sämtliche Nachfragen in der Umgebung wurden mit einem Schulterzucken beantwortet. Niemand wusste etwas. Bis ich jetzt nach Hause kam und Paco im Treppenhaus stand.

Paco, der bislang wirklich nicht mit großen Gefühlswallungen aufgefallen war, kam auf mich zu und wollte mich umarmen. Ich konnte das mit einem freundlichen Handschlag abwehren und fragte, ob er wieder zur Arbeit da sei. Nein, er solle noch mindestens zwei weitere Wochen zu Hause bleiben. Aber er wolle unbedingt sehen, wie es seinen Leuten geht. Ob er denn Probleme mit seiner Epilepsie gehabt hätte, fragte ich. Ich hätte öfter versucht, etwas in Erfahrung zu bringen. Doch niemand hätte etwas gewusst.

Der Tod beschwert sich bitterlich darüber, dass man ihm sein Arbeitsmaterial geklaut hat.
Der Tod beschwert sich bitterlich darüber, dass man ihm sein Arbeitsmaterial geklaut hat.

Nein, nein, keine Probleme mit der Epilepsie. Auf ihn sei geschossen worden. Wie bitte? Paco zog seinen Hemdkragen zur Seite und zeigte mir eine frische Narbe, die quer über seine linke Halsseite ging. Dann zeigte er auf seine rechte Hüfte. Dort hätte man ihm eine zweite Kugel herausoperiert. Er sei an diesem Montagmorgen auf dem Weg zur Metro gewesen. Fast direkt bei seinem Haus wurde er niedergeschossen. Er kann sich an nichts erinnern. Er weiß nicht, ob es nur einer war oder mehrere. Er sei nicht aufgefordert worden, seine Sachen herauszugeben.

Als er wieder bei Bewusstsein war, war er längst im Krankenhaus und bereits operiert. Er muss wohl direkt gefunden und in ein Krankenhaus eingeliefert worden sein. Sonst hätte er das nicht überlebt. Ein ganz normaler Raubüberfall im Nordosten der Stadt? Sein Rucksack war jedenfalls weg. Und damit vielleicht umgerechnet 3 Euro, Metrotickets im Wert von vielleicht 2 Euro sowie Taschentücher und eine Flasche Cola. Nun konnte ich seine Euphorie verstehen. Womöglich reagiert man so, wenn man ein zweites Leben geschenkt bekommen hat. Für denjenigen ist es womöglich auch ein Wunder, dass alles noch so ist wie im ersten Leben, an das man wieder anschließen möchte.

Ob El Lazca noch lebt, lässt sich hingegen nicht so leicht klären. Heriberto Lazcano Lazcano, genannt El Lazca, der führende Kopf des Kartells “Los Zetas” soll vor zwei Wochen im Bundesstaat Coahuila bei einer Schießerei mit der Polizei ums Leben gekommen sein. Warum sich die Identität nicht einfach klären lässt? Ganz einfach, der angebliche Leichnam ist aus dem Bestattungsinstitut geklaut worden. Und die Wiederbeschaffung wird nicht gerade dadurch erleichert, da sich die Behörden auf keine konkrete Personen- bzw. Leichenbeschreibung einigen können:

Der noch amtierende Präsident Felipe Calderón merkt an, dass man zu den bereits vorhandenen Kategorien „Tote“ und „Verschwundene“ in seiner Amtszeit nun auch noch die „verschwundenen Toten“ zufügen muss.
Der noch amtierende Präsident Felipe Calderón merkt an, dass man zu den bereits vorhandenen Kategorien „Tote“ und „Verschwundene“ in seiner Amtszeit nun auch noch die „verschwundenen Toten“ zufügen muss.

So schwankt El Lazcas Körpergröße zwischen 1,60 und 1,80 Meter. Vielleicht einigt man sich auf die Mitte: Die Drug Enforcement Adminstration, die US-amerikanische Drogenbekämpfungsbe-hörde, behauptet auf ihrer Webseite, El Lazca sei 1,72 Meter groß gewesen. Etwas näher liegen die Schätzungen zum Geburtsjahr: Da werden lediglich 1974 oder 1975 vorgeschlagen. Sachdienliche Hinweise nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Wenn die Polizisten nicht gerade selbst in dem Fall verwickelt sind.

Hinlänglich bekannt ist hingegen die Körpergröße des designierten Präsidenten Enrique Peña Nieto. Meist wird das auf Fotos geschickt kaschiert, dass er einen halben Kopf kleiner ist als seine dailysoapdarstellende Gattin, die –ungewöhnlich für eine Mexikanerin- nun meist ohne Stöckelschuhe das öffentliche Leben betritt (und erinnert damit ein wenig an das Ex-Präsidentenpaar eines deutschen Nachbarlandes).

Doch auf der gerade zu Ende gegangenen Europa-Reise des mexikanischen Politikers konnte man auf den Bildern sehen, dass Angela Merkel ihm auf Augenhöhe begegnet. Und das ist in diesem Zusammenhang nicht wörtlich gemeint: Die Europa-Reise wurde in den hiesigen Zeitungen seitenweise ausgewälzt und analysiert. Was insofern nicht verwundert, da deutsche Unternehmen in Mexiko rund acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften. In den deutschen Medien war hingegen nichts zu finden. Und Frau Merkel wird wohl froh gewesen sein, dass Mexiko keinen Aufnahmeantrag in die EU stellen kann.

Ich hoffe, euch allen geht es gut!!!

Muchos saludos,
Marion

Marion bei den Mexis, Teil 24: durch den Barranca del Cobre über Creel nach Chihuahua

Hola a todos!

Zum Beginn eine Zahl: 27 199. Diese Zahl gab vor ein paar Tagen das Nationale Statistik- und Geografie-Institut in Mexiko heraus. Im Jahre 2011 sind 27 199 Morde in Mexiko registriert worden – in einem Jahr. Das heißt durchschnittlich sterben pro Tag 74 Menschen durch Gewalteinwirkung. Alle 20 Minuten wird durchschnittlich ein Mensch in Mexiko ermordet. Bei den 15- bis 29jährigen steht ermordet zu werden bei den Todesursachen an erster Stelle. Noch vor Verkehrsunfällen.

Mais statt Drogen

Ob dieses Schicksal auch den Bauern im Tal von Batopilas im Süden des Bundesstaates Chihuahua widerfährt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls überkam mich der Gedanke, ob sie das überleben werden, als ich kürzlich folgenden Artikel las.

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Blick auf den Kupfercanyon vom Aussichtspunkt Divisadero. Das zerklüftete Gebirge ist flächenmäßig viermal so groß wie der Grand Canyon – und dafür um einiges unbekannter. (Fotos: Marion Koerdt)

In diesem Artikel wurde beschrieben, dass vor einem Jahr ein Regierungsprogramm des Bundesstaates für die Bauern dieser Region gestartet wurde. Es geht darum, dass die Felder anders bewirtschaftet werden sollen. Plakativ könnte man sagen: Mais statt Marihuana. Die Regierung verteilte umsonst Samen für Avocados, Bohnen, Birnen, Pfirsiche, Zucchini und eben für Mais, das Lebenskorn der Mexikaner. Nun sollen die ersten Ernten eingefahren werden von den Feldern, auf denen seit über 50 Jahren Marihuana angebaut worden ist.

Rafael Hernández, ein 60jähriger Bauer aus Batopilas, wird in dem Artikel zitiert. Er fände es schon in Ordnung zu den alten Zeiten davor zurückzukehren, seit 45 Jahren lebe er vom Drogenanbau. Doch ob das seine ehemaligen Abnehmer auch so locker sehen? Zuversichtlich zeigt sich jedenfalls das Entwicklungsministerium des Bundesstaates, das dieses Projekt angeschoben hat: Die Voraussetzungen – sei es der Boden oder das Klima- seien in dieser Region hervorragend.

Touristische Eisenbahnstrecke durch den Barranca del Cobre

Dass diese Region tatsächlich etwas ganz Besonderes ist, davon konnte ich mich persönlich vor einem Monat überzeugen: Es gibt eine Eisenbahnlinie, die ursprünglich mal als Transportlinie zwischen den südlichen USA bis zum Atlantik gedacht war. So wurde unter unvorstellbaren Strapazen der Landschaft eine einspurige Eisenbahnspur von Chihuahua nach Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa abgestrotzt, die sich aber ökonomisch nie richtig ausgezahlt hat.

Insgesamt 80 Jahre hat der Bau der 650 Kilometer langen Linie gedauert, die einen Höhenunterschied von 2400 Metern überwindet. Mal kam eine Revolution dazwischen, mal war kein Geld war und als 1961 die erste Bahn die komplette Strecke fuhr, war das Flugzeug längst das Transportmittel Nummer Eins.

Heute wird die Linie fast nur noch touristisch genutzt und nur noch ab und an wird noch eine Lieferung Holz verladen. 11 Stunden lang schaukelt man von Los Mochis nach Creel, einem Dörfchen auf 2300 Meter Höhe und rund 300 Kilometer von Chihuahua entfernt. Und die Landschaft wird stündlich spektakulärer. Es werden zahlreiche Tunnel passiert (in einem macht der Zug eine Wendung um 180 Grad), die so eng sind, dass man meint jeden Moment schrammt die Bahn an den Felsen. Man passiert die Sierra Tarahumara mit ihren steilen Schluchten und bizarren Felsformationen.

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De Zoch kütt – Zweimal am Tag hält die Bahn in Creel. Einmal aus dem Norden kommend, einmal aus Süden. Das Großereignis des Tages im Ort. Schon lange vorher positionieren sich die Händler und Hotelschlepper. In der Hoffnung auf mögliche Kundschaft.

Der Kupferfelsen (Barranca del Cobre) ist das Herzstück der Sierra Tarahumara – der Zug hält hier zum schnellen Fotoshooting. Der Río Urique hat sich hier seinen Weg gesucht, der Tourist blickt 1200 Meter tief in die Schlucht und auf ein unglaubliches Felspanorama. Das einen unwillkürlich an den Grand Canyon denken lässt. Dort kann man am South Rim zwar noch 200 Meter tiefer blicken und die rötliche Färbung des Gesteins ist kontrastreicher, hier ist man aber am größten Schluchtensystem Nordamerikas. Es breitet sich über 1500 Kilometer aus.

Creel – ein bisschen Schweiz und ein wenig USA in Mexiko

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Das ist kein kleines US-Städtchen, sondern die Hauptstraße in Creel. Die Männer hier tragen mit Vorliebe Cowboyhüte und -stiefel, so dass man sich öfter mal fragt, ob man sich noch in Mexiko befinde.

Wenn der mitteleuropäische Tourist dann die Bahn in Creel verlässt und nicht bis zu ihrem Endziel Chihuahua weiterfährt, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen:

Das hier soll noch Mexiko sein? Saftige Wiesen, bewaldete Hügel, schroffes Gestein. Ist das nicht die Schweiz? Auch das Örtchen selbst erweckt nicht den Eindruck, dass es sich noch in Mexiko befindet: Es sieht zwar nicht aus wie in der Schweiz, aber auch nicht mexikanisch. Eher wie ein saubergefegtes US-Provinznest in Utah oder Arizona.

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Eine Tarahumara-Frau an der Bahnlinie. Die Frauen tragen bunte, prachtvolle Gewänder. Dafür, dass behauptet wird, die Tarahumara seien nicht an materielle Werte interessiert, sieht man auffallend oft Frauen, die alle möglichen Formen von Kunsthandwerk anbieten.

Die Tarahumara – eine Indigena-Gruppe

Nur die Menschen hier erinnern einen daran, dass man sich doch nicht weiter nördlich befindet. Es gibt hier eine Indigena-Gruppe, die das Straßenbild bestimmt: die Tarahumara. Die nicht nur ihre eigene Sprache, sondern auch ihre Bräuche pflegen. Einst zogen sie sich immer weiter vor den spanischen Eroberern in die Schluchten der Sierra Tarahumara zurück. Und konnten sich vieles ihrer ursprünglichen Lebensformen bewahren:

Rarámuris nennen sie sich selbst und das bedeutet so viel wie “die Leichtfüßigen”. Laufen nimmt nach wie vor eine zentrale Rolle in ihrem Leben ein, oft legen sie – teils als Halbnomaden in Familienverbänden lebend – Strecken bis 100 Kilometer zu Fuß zurück. Ritualisiert wird das Laufen in Stammeswettbewerben, bei denen die Männer bis zu 2 Tage lang Holzbälle durchs Gelände schießen. Daneben gibt es noch Trinkgelage, so dass die anderen Einwohner von Creel dem Touristen kurz erklären, warum eine Gruppe Männer schwer betrunken unter einem Baum liegt.

Einige Familien leben noch in Höhlen, aber der Großteil der Tarahumara lebt in einfachen Holzhäusern. Was wahrscheinlich schon deswegen etwas angenehmer sein wird, da es im Winter hier bis zu minus 20 Grad kalt werden und der Schnee bis zu 70 cm hoch sein kann. Der Schnee sei allerdings zu leicht, um hier Wintersport zu machen, erklärt Jesús, der, wenn er nicht gerade auf dem Hauptplatz von Creel mit seinen Freunden abhängt, mit seiner Camioneta Taxidienste anbietet. Der Schnee pappe nicht und sei deswegen nicht zum Skilaufen geeignet. Dennoch kämen auch im Winter häufig Leute aus den großen mexikanischen Städten: Um das erste Mal im Leben Schnee zu sehen.

Im Sommer gibt es hier eine angenehme Bergluft, die sich mit dem Duft der Pinienwälder vermischt. Und die einem regelrecht Lust auf längere Wanderungen macht. Man denkt sich noch, man kann sie verstehen, die Tarahumara mit ihrem Laufen. Doch eigentlich hat man mal wieder nichts verstanden – da man sich doch nicht vorstellen kann, wie es ist, in so festen Stammesstrukturen zu leben. Vom Leben der anderen Mexikanern grenzen sie sich ab – ihre Kinder besuchen nicht die staatlichen Schulen, sondern ihre eigenen. Die Bundesstaatregierung lässt sie gewähren.

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Diese drei netten Herren sammelten mich bei einer Wanderung mit ihrem Tourguide und Pick-Up auf, als die Gewitterwolken bedrohlich näher kamen. Im Hintergrund die kleine Kirche von San Joaquin, einem Dörfchen, das ausschließlich von Tarahumara bewohnt wird. Bis heute sollen sie eine eigene Auslegung des Katholizismus haben.

Dennoch: Richtig herzlich erscheint einem nicht das Verhältnis der Einwohner Creels mit den Tarahumara. Sie hätten keinen Ehrgeiz, etwas aus ihrem Leben zu machen, erklärt die Frau im kleinen Dorfmuseum. Es reicht ihnen, wenn sie genug zum Essen hätten. Mehr wollen sie eigentlich nicht. Geld oder andere materielle Werte interessiere sie nicht. Ob das so stimmt? Auf dem Hauptplatz versuchen jedenfalls Tarahumara-Frauen ihr Kunsthandwerk an den Touristen zu bringen. Und auch im Museumsladen wird ihr Kunsthandwerk angeboten: Allerdings fiel dort bei einem Schal das Etikett “Made in China” auf.

Einige der Tarahumara sollen vom Drogenanbau in den Tälern ringsherum profitiert haben. Und nicht nur für den Eigenbedarf Felder bestellt haben. Auch sie sollen in den Felder-Umstrukturierungsplan der Regierung aufgenommen worden sein. Die schöne heile Tarahumara-Welt gibt es natürlich nicht. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie wie auch die anderen Bauern in der Umgebung von möglichen Rachefeldzügen der ehemaligen Abnehmer verschont bleiben. Und nicht in der Mordstatistik des Jahres 2012 enden.

Chihuahua war 2011 der Bundesstaat mit der höchsten Mordrate. Hier wurden offiziell 17 699 Menschen im Jahre 2011 ermordet. Denn im Norden des Staates liegt Ciudad de Juárez. Im Süden hingegen wirkt das Land wie eine Idylle aus einem Johanna-Spyri-Roman. Aber leider täuscht das – und lässt einen wieder einmal ratlos zurück, in welche Richtung dieses Land gehen wird. Vorgestern ist der neue Präsident vereidet worden – doch davon demnächst mehr.

Ich hoffe, euch allen geht es gut!
Muchos saludos,
Marion

Mexiko wählt den Schritt zurück: Peña Nieto offiziell zum nächsten Präsidenten Mexikos erklärt. Demonstration auf dem Zócalo am 9. September.

Demonstationen in Mexico City (foto: Marion Koerdt)
Anti-Pena-Nieto-Demos gibt es seit über zwei Monaten zuhauf landauf- und -abwärts. Hier eine Demo im Juli in Ensenada im Bundesstaat Baja California. (foto: Marion Koerdt)

Ciudad Mecico. Nun ist es offiziell: Enrique Peña Nieto wird am 01. Dezember zum nächsten Präsidenten Mexikos vereidigt.

Rund zwei Monate beschäftigte sich das Oberste Gericht Mexikos mit der Frage, ob die Wahlen am 01. Juli rechtens seien. Es kam zu dem Ergebnis: Ja, alles in Ordnung. Dabei gab es die überschaubaren Unregelmäßigkeiten am Wahlsonntag: So wurden in mehreren Bundesstaaten Wahlurnen geklaut, in Cancún sowie am Internationalen Flughafen in Mexiko-Stadt waren nicht ausreichend Wahlzettel vorhanden und in einigen Stadtvierteln der Hauptstadt wurden Leute beim Stimmenkauf erwischt.

Am Wahlabend waren zwar erst knapp 43% der Stimmen ausgezählt, aber Pena Nieto von der Partido Revolucionario Institucional/ PRI (Partei der Institutionellen Revolution) erklärte sich mit 36, 74% zum Wahlsieger. 3,5% hinter ihm lag Andrés Manuel López Obrador von der Partido de la Revolution Democrática/ PRD (Partei der Demokratischen Revolution). Der sofort erklärte, er würde diesen Wahlsieg nicht anerkennen. Auf den dritten Platz kam Josefina Mota Vazquez von der regierenden Partido Acción Nacional/PAN (Partei Nationale Aktion). Sie konnte lediglich 25,3% der Stimmen auf sich vereinen und schaffte zum ersten Mal, dass die Regierungspartei auf den dritten Rang zurückfiel. Der amtierende Präsident Felipe Calderón hatte sich vorher von ihr abgewandt: Die 51jährige Politikerin war vor 3 Jahren aus ihrem Amt als Bildungsministerin entlassen worden.

Das Wort Revolution ist im Parteinamen der PRI wörtlich zu nehmen: Revolvere heißt zurückwälzen. Und mit dem 45jährigen Politiker aus dem Bundesstaat Mexiko wird es wohl eine Hinwendung zum Ausgangszustand geben. Die Partei stellte von 1929 bis zum Jahre 2000 immer die Präsidenten und herrschte über das Land in einer Gutsherrenart, deren Folgen im Land nach wie vor sichtbar sind. „Mexiko wählt den Schritt zurück: Peña Nieto offiziell zum nächsten Präsidenten Mexikos erklärt. Demonstration auf dem Zócalo am 9. September.“ weiterlesen

Umleitung: so eine Art “potluck” …

Am Wegesrand ... (foto: zoom)
Am Wegesrand ... (foto: zoom)

Das beschleunigte Universum des Brian Schmidt: Thematisch holte Schmidt zum Rundumschlag aus und gab einen Abriss der gesamten Kosmologie …  wissenslogs

“Im Arsch” – kein Bericht zu Jan Delay: Akkreditierungsbedingungen schränken Pressefreiheit ein … ladenburgblog

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Meilensteine der Popmusik:
Aretha Franklin … revierpassagen

Von Wahlkämpfern, reichen Frauen und Peco: Marion bei den Mexis, Teil 23

Dieser Artikel ist der 23. Teil einer persönlichen Serie über das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute berichtet unsere Autorin über den Wahlkampf in Mexico, Lehrer, Epileptiker und reiche Frauen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Hola a todos!

schmierig
Und bei diesem schmierig grinsenden Mann wird es bald keine Lehrerverträge mehr geben. Dafür aber umso mehr Privatisierungen. (fotos: koerdt)

Wahlkampf

Der PRI-Präsidentschaftskandidat Peña Nieto verspricht auf seinen Wahlplakaten Medizin für alle. Und keine Schulgebühren. Beide Versprechen stehen wohl im eklatanten Widerspruch zur Wirklichkeit.

Wenn er Präsident werde, hat er verkündet, werde er sämtliche Lehrerverträge aufkündigen. Seine Begründung: Viele Lehrkräfte seien für den Schuldienst überhaupt nicht qualifiziert. Dem kann man nicht direkt widersprechen.

Auf dem Lande werden Lehrerstellen wohl gerne vom Vater an den Sohn vererbt oder es wird einfach jemand vor die Klasse gestellt, der sich dafür bereit erklärt hat. Die Befürchtung aber ist: Peña Nieto will das Bildungswesen komplett privatisieren. Wie das ohne Gebühren gehen soll, ist mir schleierhaft.

Die Sache mit Paco

Und Medizin für alle? Die gibt es -jedenfalls in den Städten- bereits in gewisser Weise schon heute. Zum Beispiel bietet das “Centro Medico” in der Innenstadt Epileptikern jeden Samstag eine kostenlose Beratung und Behandlung an. Warum ich das nun weiß, hat einen Hintergrund:

Unser informeller Hausmeister und Parkplatzeinweiser Paco ist Epileptiker. Das hat in der Vergangenheit öfter mal dazu geführt, dass er auf der Straße zusammengeklappt ist. Nach einem Anfall ist er dann auch nach Hause gefahren. Nicht so in der letzten Woche. Bis zum frühen Nachmittag hatte er-laut Salvatore, der unten in unserem Haus ein Geschäft für Küchengeräte und-zubehör hat- bereits drei Anfälle gehabt.

Nun lag er wieder auf dem Bürgersteig und Salvatore wurde langsam sauer. Denn ein umgekippter, winselnder Mann vor dem Laden ist ja nicht gerade geschäftsfördernd. Den ersten Anfall hätte er wohl schon morgens in der Metro gehabt. Jedenfalls hatte Paco dort seinen Rucksack verloren, in dem seine Medikamente waren. Ob er ihn vergessen hatte oder ob er ihm geklaut wurde, konnte Paco nicht mit Gewissheit sagen.

Nun lag er wieder dort und als wieder bei Bewusstsein war, redeten wir auf ihn ein, nach Hause zu fahren. Doch Paco fuhr nicht und bekam kurz darauf den nächsten Anfall. Nun wurde ein Krankenwagen gerufen. Doch Paco wehrte sich. Er wollte auf keinen Fall ins Krankenhaus. Verwirrt irrte er über den Bürgersteig, stürzte wieder. Die Sanitäter rückten wieder ab.

Die Mitarbeiter im Geschäft und wir alle aus dem Haus waren ratlos. Was nun? Paco war offensichtlich verletzt und verwirrt. Ein Geschäftsmitarbeiter setzte ihn in seinen Wagen und dort schlief Paco sofort ein. Gegen Abend sah ich wie Paco seine Sachen zusammenräumte und ich war froh, dass er nun endlich nach Hause fahren würde. Doch dann hörte ich einen ohrenbetäubenden Knall unten im Hausflur. Als ich nachschaute, lag dort Paco in seinem Blut.

Wieder wurde ein Krankenwagen gerufen. Wieder weigerte sich Paco, der mittlerweile wieder bei Bewusstsein war, mitzufahren. Wir Hausbewohner versuchten ihn zu beruhigen und zu überreden, sich in ärztliche Behandlung zu geben. Unsere Nachbarin, die “Drogenbaronin”, hatte ein Epilepsie-Medikament aus der Apotheke geholt. Ein Sanitäter wollte ihm das geben. Paco wehrte sich. Die Sanitäter rückten unverrichteter Dinge ab.

Hätten sie ihn gezwungen mitzukommen, wäre das als Entführung ausgelegt worden. Paco schlief auf einem Stuhl im Flur ein. Er sah schrecklich aus: eingepinkelt, die Klamotten verschmutzt, Blut im Gesicht, verschrammt, total verschwitzt. Wir waren ratlos. Letztendlich riefen wir ein Taxi, denn Paco war wieder bei Bewusstsein und konnte uns seine Adresse nennen.

Dann hörten weder die Leute im Geschäft noch wir im Haus etwas von Paco. Zwischenzeitlich beschlich mich das ungute Gefühl, dass der Taxifahrer Paco einfach ausgesetzt und mit seinem Geld abgehauen ist. Doch gestern stand er auf einmal wieder auf der Straße, als sei nichts gewesen. Als ich auf ihn zugehen wollte, spürte ich, er weicht mir aus und grüßte lediglich.

josefina
Die Dritte im Bunde ist Josefina (der Nachname wird im allgemeinen Sprachgebrauch, besonders von Frauen, unterschlagen). Dieses Plakat will uns weismachen, dass sie Worte hat. Welche? Keine Ahnung.

Die Sorgen reicher Mütter

Entschieden dagegen bin ich, dass Deutschland die Kosten für das mexikanische Gesundheitssystem übernehme. Wie ich auf diesen Unsinn komme? Vor eineinhalb Wochen war ich zu einem Essen eingeladen worden. Dort saßen auch Mütter, deren Kinder aufs Colegio Alemán gehen. Merke wohl, mexikanische Mütter. Und ich rutschte in ein Gespräch über die anstehenden Wahlen.

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Falls dieser freundlich lächelnde Mann Präsident wird, wird es eine Auswanderungswelle der Reichen geben. Schließlich sei er Kommunist, so die Ansicht einer mexikanischen Schicht. Damit lässt sich wohl heute kein Staat mehr machen – außer in Kuba und Nordkorea.

Die Frauen waren sich einig: Alles ist korrupt in diesem Land. Und eine Frau wusste auch schon, was passieren wird, wenn der linke Präsidentschaftskandidat López Obrador die Wahlen gewänne. Dann würden ihr Mann und sie das Land verlassen. Und sie seien bestimmt nicht die einzigen. Auch eine Lösung.

Doch wenn die Reichen das Land verlassen, wer soll dann die Bekämpfung des Drogenhandels bezahlen? Denn das erkannten die Frauen als drängendes Problem. Auch hier hatte eine Frau die Lösung: Das könnten ja dann die Deutschen bezahlen. Allgemeines Gelächter – nur ich stand kurz vor einem Wutanfall.

Da kann ich tatsächlich nur EU-Kommissionspräsident Barroso zustimmen. Er hatte an diesem Montag beim G-20-Treffen in Los Cabos gesagt, dass sie sich von niemanden Lektionen erteilen lassen. Damit hatte er zwar nicht direkt die Mexikaner angesprochen. Aber wenn ich hier die eine oder andere Bemerkung aufschnappe, denke ich auch manchmal, eure Meinung ist bestimmt nicht meine Meinung.

Ich hoffe euch allen geht es gut!

Muchos saludos,
Marion

Von Drogen, Dichtern, Päpsten und Piraten: Marion bei den Mexis, Teil 22

Dieser Artikel ist der 22. Teil einer persönlichen Serie über das Leben in Mexico und Mexico-City. Heute berichtet unsere Autorin von Problemen mit den Nachbarn und denkt über Papst, Parteien und den kürzlich verstorbenen mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes nach. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

¡Hola a todos!

Stell dir vor, du öffnest nachmittags deine Wohnungstür und davor liegt ein Brief. Du hebst ihn auf. Auf dem Umschlag steht “Dringender Warnruf an alle Bewohner dieses Hauses” (handschriftlich), du öffnest den Umschlag und liest auf einem Blatt (wieder handschriftlich), dass die neue Nachbarin von der Wohnung gegenüber der Kopf eines Drogenkartells sei, die unter dem Deckmäntelchen einer Immobilienfirma agiert.

Die Sanchez-Schwestern hätten schon unzählige, unschuldige Menschenleben auf dem Gewissen und würden nun die Abstellkammern auf dem Flachdach für ihre Drogen nutzen. Was würdest du mit diesem anonymen Brief machen?
a) zur Polizei gehen
b) denken, das ist ja toll, dann brauche ich nicht einmal mehr das Haus verlassen, wenn ich mal was brauche
c) als Fake abtun

So ein Brief lag letzte Woche vor unserer Tür und wir sind damit erst einmal zu unserem Parkplatzpatron Agustin gegangen (Vorschlag a) ist in diesem Land eigentlich immer die schlechteste Idee). Denn wenn es in unserem Bekanntenkreis einen Experten für uns unverständlich mexikanisches Verhalten gibt, ist es Agustin.

Der war in den letzten Wochen damit beschäftigt seinen 23jährigen Sohn untertauchen zu lassen, da er im Internet Leute erpresst haben soll. Als wir sagten, dass das doch eine Unterstellung sei, blickte Agustin uns mit seinen langbewimperten Dackelaugen an und schüttelte fast unbemerkt seinen Kopf. Er merkte dazu an, dass daran nur die schwierige familiäre Situation zu Hause schuld sei. Ich dachte nur, der Typ ist 23, irgendwann ist doch auch mal Schluss mit der elterlichen Fürsorge.

Alles ruhig in Mexico City?
Wohnen in Mexico. (fotos: koerdt)

Racheakt und Rufmord?

Na ja, jedenfalls konnte Agustin den Brief zielgerecht einordnen: Scheint ein Racheakt zu sein. Typischer Rufmord. Entweder eine geschasste Muchacha oder jemand aus dem Haus.

Da Agustin meinte, es sei eine Frauenschrift, grenzte sich der Personenkreis im Haus sehr stark ein. Dann könnte es nur die Mutter von Flachdachkantatensänger Rodrigo sein. Wenn man daran glaubt, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, könnte das sogar passen. Denn ganz frisch wirken ja beide nicht auf mich.

Die neue Nachbarin ist mittlerweile eingezogen und mir sind noch keine weiteren Details aufgefallen, die darauf hinweisen könnten, dass sie eine Drogenbaronin sein könnte. Das Einzige, was auffällt, ist, dass sie wohl einige unglücklich verlaufene Liftings hinter sich und mindestens sechs Schlösser an ihre Wohnungstür angebracht hat.

Ansonsten ist sie nicht gerade die sympathischste Erscheinung: Während ihrer Wohnungsrenovierung hatten wir einige eher unerfreuliche Aufeinandertreffen (einmal hatten ihre Elektriker einfach unser Hauptstromkabel abgeknipst, einmal hatte der Installateur einfach die Wasserrohre mit Zeitungen zugestopft, so dass unsere Küche unter Wasser stand). Aber auf die Idee, die Alte könne eine Kartellchefin sein, wäre ich im Leben nicht gekommen.

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Carlos Fuentes ist tot – doch anstatt sich die ganzen Fotoreihen in den Zeitungen anzuschauen, sollte ich endlich einmal seine Bücher lesen.

Carlos Fuentes im Alter von 83 Jahren gestorben

Die sonstige Nachrichtenlage gibt leider auch sonst nicht viel Erfreuliches her:

Wieder mehrere Massaker im Norden, die letzten drei Senatoren des Bundesstaates Tamaulipas werden beschuldigt mit einigen Drogenkartellen gemeinsame Sache gemacht zu haben, zwei hochrangige Militärs sind mit dem gleichen Vorwurf in der letzten Woche festgenommen worden (was hier eine absolute Ausnahme darstellt) und dann ist am Dienstag auch noch Carlos Fuentes im Alter von 83 Jahren gestorben. Seitdem schaue ich mir in den Zeitungen eine Fotostrecke nach der anderen an, im Palacio Bellas Artes wurde der Schriftsteller aufgebahrt und alles, was Rang und Namen hat, war vor Ort.

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Hier im Palacio Bellas Artes im historischen Zentrum wurde am letzten Mittwoch Carlos Fuentes aufgebahrt. Zum Glück war der Sarg -im Gegensatz zur Aufbahrung Pius XII.- geschlossen

Ich jedenfalls muss nun seit Tagen schamvoll gestehen, dass ich (noch) nichts von ihm gelesen habe. Habe mir aber sagen lassen, dass „Aura“ ganz toll sein soll. Vergleiche sind ja immer schwierig, aber ich habe mir Herrn Fuentes als eine Art mexikanischer Günter Grass vorgestellt. Jedenfalls, was seine öffentliche Wirkung betrifft. Ob ich damit richtig liege? Man darf mich korrigieren.

Wenn der Papst kommt und die Drogenkartelle halten Waffenstillstand von drei Tagen ein

Auch sonst ist in letzter Zeit einiges losgewesen: Der Papst war da. Zum Glück nicht in der Stadt, sondern 300 Kilometer weiter im Norden, in Guanajuato und Umgebung.

Mexiko-Stadt läge ihm zu hoch. Und dann noch die Befürchtung, er könne die Luft nicht vertragen. In diesem Punkt hat er sogar mein Verständnis, das sich ansonsten ziemlich in Grenzen hält.

Passend zum Papstbesuch habe ich eine Biographie Pius XII. (John Cornwell: Pius XII. – Der Papst, der geschwiegen hat, Verlag C.H. Beck, München 1999) gelesen. Falls jemand noch ein paar Gründe braucht, um aus der katholischen Kirche auszutreten, in diesem Buch wird er fündig.

Meine Lieblingsstelle ist übrigens die, wie geschildert wird, dass sich der windige Leibarzt nach dem Ableben des Papstes einer “neuen” Methode bei der Einbalsamierung bedienen wollte und deswegen nicht die Organe entfernte. In der sommerlichen Hitze zerplatzten diese dann im Leichenwagen und bei der Aufbahrung im Petersdom verfärbte sich das Gesicht des toten Papstes von grün-gelb zu purpurrot. Zu guter Letzt verfärbte sich die Nase schwarz und fiel vor der Beisetzung ab.

Ach ja, die Drogenkartelle haben während des Papstbesuches ihre Kämpfe eingestellt und damit den Lösungsweg für das hiesige Dilemma aufgezeigt: Der Papst muss einfach den Vatikan nach Mexiko verlegen. Vielleicht würden dann diese Scheinheiligen auch länger als drei Tage das Morden sein lassen.

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Wie unschwer zu erkennen ist, war der Papst in Mexiko. Da wir uns nicht persönlich begegnet sind, muss ein Zeitungsfoto herhalten.

Piraten – Partei ohne Programm

Zwischenzeitlich überkam mich das Gefühl aus dem politischen Alltagsgeschäft Deutschlands raus zu sein. Vor kurzem war ein längerer Artikel über die Piraten in der Tageszeitung “La Jornada”, woraufhin mich mehrere mexikanische Bekannte fragten, was denn diese neue Partei in Deutschland wolle. Ich konnte daraufhin nur mit den Schultern zucken. Soweit ich weiß, hat sie noch nicht einmal ein Programm. Unglaubwürdiges Staunen bei meinen Gegenübern. Eine Partei ohne Programm und dann so erfolgreich, wie geht denn das? Vielleicht ist ja gerade das der Erfolg.

Aber ehrlich gesagt, konnte ich das Phänomen nicht erklären. Dass sie wohl ein Phänomen sein muss, sehe ich an den Wahlergebnissen zur NRW-Wahl. Selbst im Hochsauerlandkreis konnten die Piraten punkten. Und das will schon was heißen.

Präsidentschaftswahlkampf in Mexiko

Der hiesige Präsidentenwahlkampf hat auch begonnen. Doch mehr als ein tägliches Foto der Präsidentschaftskandidaten bei irgendwelchen Veranstaltungen in irgendwelchen Bundesstaaten in den Zeitungen ist mir noch nicht aufgefallen. Vielleicht ist es doch wie bei den Piraten, dass keiner der drei ernstzunehmenden Kandidaten ein Programm hat.

Es gibt auch noch einen vierten Kandidaten, Gabriel Quadri de la Torre von der “Partido Nueva Alianza”, die sich von der “Partido Revolucionario Institucional/ PRI” (“Institutionelle Partei der Revolution”) und der “Partido Verde” (“Grüne Partei”) abgespaltet hat. In Deutschland würde man seine Positionen wohl “grün” nennen (Umweltschutz, Eintreten für die Homo-Ehe etc.). Aber da die Grünen hier u.a. für die Todesstrafe plädieren, hinkt jeder Vergleich zwischen den Grünen hier und in Deutschland.

Wie dem auch sei: Quadri erscheint eigentlich als Alternative, aber bei einer Wahlveranstaltung in der letzten Woche von Studierenden Hitlerismus (was soll das sein?) vorgeworfen. Habe ich nicht verstanden, vielleicht tritt er auch für Fleischverzicht ein und Hitler war ja Vegetarier.

Eindeutiger ist da wohl die bewegte Vergangenheit des PRI-Kandidaten Enrique Peña Nieto: Jedenfalls liegt zur Zeit in jeder Buchhandlung das Buch “Las mujeres de Peña Nieto” (“Die Frauen des Peña Nieto” ) aus (aktuell ist er mit einer Schauspielerin verheiratet).

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Momentan kann man sich mit Büchern über die Präsidentsschaftskandidaten eindecken. Wobei die Bücher über den PRI-Kandidaten Enrique Pena Nieto wohl die meiste Unterhaltung bieten – – schließlich lauten die Titel u.a. “Die Frauen des Pena Nieto” oder “Seine dunklen Seiten”.

Von “Merkel und ihren Männern” habe ich zum Glück bislang nichts gehört. Aber wer weiß, welche Überraschungen uns noch vor der nächsten Bundestagswahl erwarten.

Nur eins ist wohl gewiss: Röttgen wird wohl nichts mehr. Aber vielleicht überrascht er uns bald mit einem Buch: “Der Röttgen-Ratgeber- Wie zerstöre ich meine Karriere innerhalb einer Woche?”.

Ich hoffe, euch allen geht es gut!

Muchos saludos,
Marion