Ehrenamt – “Viel Amt, wenig Ehr'”

ehrenamt20161003Viel Amt, wenig Ehr’, kommt immer noch in die Köpfe – zurecht – wenn es um den Begriff Ehrenamt geht.

(Unsere Gastautorin Marita Rauchberger ist Kulturmittlerin, Galeristin und Künstlerin. Sie engagiert sich in der “Galerie Eifel Kunst” gegen “Rechts, gegen Ausgrenzung, gegen Rassismus, gegen braunes Gedankengut und Neonazis”. Ihr Beitrag ist ein Kommentar zu unserem gestrigen Artikel “Ehrenamt-BusfahrerIn“)

Viel Amt, wenig Ehr, kommt immer noch in die Köpfe – zurecht – wenn es um den Begriff Ehrenamt geht.„Gott-sei-Dank-ManagerIn“ versuchten die Kirchen den Begriff Ehrenamt einmal schön zu reden.

Es gab auch Zeiten, da sich die Politik damit beschäftigte, ehrenamtliche Arbeit ins Steuer- und Rentenrecht einfließen zu lassen. Aber es gab zu viele Eigentore und die gute Idee verlor sich im Nirvana der Diskussionen.

“Ehrenamt” wird gerne bei Sonntagsreden benutzt, bei Lippenbekenntnissen, es zu fördern, anzuerkennen und es attraktiv zu machen. Es ist wenig attraktiv, die meisten bringen neben ihrer freien Zeit auch noch ihr Geld mit. Auslagen werden kaum erstattet. Welche in einer Erwerbsarbeit tätigen Frauen oder Männer zahlen beispielsweise das Porto für die Briefe, die dienstlich verschickt werden? Ehrenamtliche zahlen es meist aus eigener Tasche.

Ja, ich höre jetzt schon den Aufschrei: Es gibt doch den Tag des Ehrenamtes, die Ehrenamtsauszeichnungen, die Ehrenamtskarte oder auch, was die wenigsten wissen, den Nachweis der Bundesländer über freiwillig und unentgeltlich geleistete Arbeit, der u.a. dazu dienen soll, Inhaber eines solchen Nachweises mit Priorität in einer Erwerbsarbeit einzustellen.

Urkunden kann man sich an die Wand nageln, sie bringen letztendlich nichts anderes, als das Wissen, dass andere sich mit der Arbeit brüsten und Geld einsparen, das sie für die gleiche Arbeit hätten bezahlen müssen, gäbe es das Ehrenamt nicht.

Doch, ich bin auch ehrenamtlich tätig! Weil ich glaube, dass eine Gesellschaft nicht existieren kann, ohne dass es Menschen gibt, die freiwillig und ohne Bezahlung Arbeiten verrichten. Aber Ehrenamtliche Arbeit kann und darf keine Erwerbsarbeit ersetzen oder ablösen. Das müssen sich die Verantwortlichen hinter die Ohren oder noch besser in ihren Verstand schreiben.

Es ist an der Zeit, den Arbeitsbegriff neu zu definieren. Und es ist an der Zeit, zu begreifen, dass jede Art von Arbeit wertgeschätzt werden muss. Nicht nur durch Lobreden und einen Tag im Jahr.

Da muss man eben drüber nachdenken, wie man ehrenamtliche Arbeit im Steuer- und Rentenrecht einfließen lässt. Und wie man ganz klar regelt, dass Fahrkosten und andere Auslagen auch erstattet werden.

Und jetzt soll mir niemand mit dem Totschlagargument kommen, es sei nicht zu finanzieren.

Ehrenamt-BusfahrerIn fährt ökonomisch attraktive Gäste durch Winterberg. Wer verdient?

Wertschöpfender Mensch in der Loipe (foto: beuermann)
Wertschöpfender Mensch in der Loipe (foto: beuermann)

Ich versuche seit 19 Jahren die Winterberger Politik zu verstehen. Gebt mir noch 19 Jahre und ich erkläre sie euch.

Im Mitteilungsblatt der Stadt Winterberg Nr. 19 [sic!] lese ich auf Seite 3, dass die Winterberger ihr lückenhaftes öffentliches Personennahverkehrsnetz (ÖPNV) durch Bürgerbusse stopfen wollen.

“Neuer Bürgerbus  erschließt bald die Höhendörfer”, heißt es in einem Artikel auf Seite 3. Was noch fehle, seien “ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer”. Diese benötigten keine besonderen Voraussetzungen. “Er oder sie … sollte mindestens 21 Jahre alt sein und einen Führerschein der Klasse 3 besitzen.”

Auf Seite 8 entwickelt Tourismusdirektor Michael Beckmann “Die unverwechselbare Marke ‘Winterberg'”.

“Ökonomisch attraktive, wertschöpfungsstarke Gäste mit längerer Aufenthaltsdauer” sollen Winterberg und Hallenberg entdecken, also in der Region möglichst viel Geld ausgeben.

Ich habe nichts dagegen, dass die “Schlüsselakteure” des Tourismus weiterhin viel Geld und noch mehr Geld verdienen, aber aus welchen Gründen sollen dann andere für umsonst arbeiten?

Wo fängt das an, und wo hört das auf?

BusfahrerIn? Nennen wir jetzt Bürgerbus – kostet nichts.

AltenpflegerIn? Nennen wir ab jetzt Bürgerpflege – kostet nichts.

PolizistIn? Nennen wir ab jetzt Bürgerwehr – kostet nichts. (Aufgepasst! Höchstens unsere Demokratie)

Arzt/Ärztin? Nennen wir Bürgerheiler – kostet nichts.

Dieser Blog – kostet nichts, und das ist gut so.

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SPD-Veranstaltung Bürgerschaftliches Engagement im demografischen Wandel: “Das Ehrenamt ist unverzichtbar.”

Foto v.l.: Margit Hieronymus (Vorsitzende SPD-Hüsten), Dirk Wiese (MdB) Willi Brase (MdB) Marita Gerwin (Fachstelle Zukunft Arnsberg) (foto: spd)
v.l.: Margit Hieronymus (Vorsitzende SPD-Hüsten), Dirk Wiese (MdB) Willi Brase (MdB) Marita Gerwin (Fachstelle Zukunft Arnsberg) (foto: spd)

Hüsten. (spd_pm) Der Einladung zur Veranstaltung „Bürgerschaftliches Engagement im demografischen Wandel“ zu der im Rahmen der Reihe „Bundestagsfraktion vor Ort“ der heimische SPD-Abgeordnete Dirk Wiese eingeladen hatte, folgten zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger in den Speisesaal der Schützenhalle Hüsten.

Der Vorsitzende des Bundestags-Unterausschusses „Bürgerschaftliches Engagement“, Willi Brase, MdB aus Siegen, berichtete: „Der Hochsauerlandkreis wird bis 2020 voraussichtlich rund 10 000 Einwohner verlieren, bis 2040 werden es wahrscheinlich mehr als 40 000 sein. Die Menschen werden immer älter, gleichzeitig nimmt der Anteil der Single-Haushalte deutlich zu.

Das sind gewaltige Herausforderungen“, betonte Brase. „Daher brauchen wir dringend Ehrenamtliche. Bürgerschaftliches Engagement trägt zur Stärkung der Demokratie bei. Die Politik müsse auch über die Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf nachdenken. Ohne das Ehrenamt würden unsere Kommunen und unsere Gesellschaft in der Zukunft große Probleme bekommen.

Sehr gut aufgestellt in diesem Bereich ist die Stadt Arnsberg, für die Marita Gerwin in der Fachstelle Zukunft seit vielen Jahren tätig ist. „Die Generationen müssen sich begegnen. Wir müssen jede Gelegenheit nutzen, um den Dialog der Generationen anzustoßen“, betonte sie leidenschaftlich; experimentieren sei wichtig, besonders vor dem Hintergrund, dass lebenslanges Lernen notwendig ist.

In der anschließenden regen Diskussion wurde nochmals deutlich, dass ohne Ehrenamt die Kommunen große Probleme bekommen werden, die bürokratischen Hürden aber dringend abgebaut werden müssten.

Abschließend betonte Dirk Wiese: „Die SPD bleibt hier weiter am Ball, das Ehrenamt liegt uns sehr am Herzen.“

Aktuelle Informationen über die SPD im Hochsauerland und vom Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese befinden sich im Internet unter www.hsk-spd.de und www.dirkwiese.de