„Ein Grabstein erzählt“ – Teil 2: … nur ein kleiner Anfang für weitere Recherchen

Das erzähle ich deshalb so ausführlich (siehe Teil 1), um zu veranschaulichen, daß dies nur ein kleiner Anfang für weitere Recherchen sein kann. Hunderte Namenslisten gälte es durchzuackern, um weitere Informationen über die Toten zu bekommen, die in zig Lagern in und um Meschede leben mußten und „verstorben“ sind:

in Stockhausen „nach kompl. Unterschenkelbruch“, in Meschede im „Ostarbeiterlager Waldstr.“ an „Krämpfen“ oder im „Ostarbeiterlager Haus Dortmund“ oder „im Ostarbeiterlager Wiebelhaus“ oder „im Ostarbeiterlager der Honsel-Werke“ oder in Bestwig „im Ostarbeiterlager“ oder in Bigge im „Lager Talblick“ oder in Heinrichstal „im Ostarbeiterlager“ oder „in Ramsbeck“ oder in „Hoppecke im Lager Bremecke“ oder „in Dörnbeck bei Ramsbeck im Ostarbeiterlager“ „an einer „Kopfverletzung“, an einer „Benzinvergiftung“, „Tuberkulose, Hüftgelenksentzündung“, an „Hitzschlag, Lungenentzündung, Herzschwäche“, an einer „schweren Beinverletzung“, an „Flecktyphus“ (= „Lagerfieber“), an „Lungentuberkulose“, an „Schwere Lungentuberkulose, allgemeine Entkräftung, Versagen des Kreislaufs“, an „Doppelseitige Lungentuberkulose“ oder „Schädelbruch“, „auf der Flucht erschossen“ oder durch „Freitod“.

Namenslisten der Arbeitgeber auch von Warstein und Eversberg geben weitere Hinweise, und nach manch einem sind die Lager benannt. Ein Beispiel aus Warstein:

„Die Industrie- und Handelskammer für das südöstliche Westfalen verleiht durch ihren Präsidenten, Generaldirektor Fritz Honsel, nach erfolgter Zustimmung des Beirats dem Fabrikbesitzer HUGO SIEPMANN den Titel eines Ehrenpräsidenten, weil er sich in über 25jähriger Arbeit um die Wirtschaft seiner westfälischen Heimat und damit um das Vaterland sehr verdienst gemacht hat.
Arnsberg im September 1939“

Diese „Ehrenurkunde“ mit der Unterschrift „Die Ehrenurkunde mit der Ernennung Hugo Siepmanns zum Ehrenpräsidenten der Industrie- und Handelskammer anläßlich seines 70. Geburtstages“ wird stolz abgedruckt in dem Buch „60 Jahre Gesenkschmiede“ bzw. „1891-1951. 60 Jahre Siepmann-Werke, Aktiengesellschaft Belecke-Möhne“, einer Festschrift von 1951, das auch zum Erbe meiner Mutter gehört. Ich fand es zwischen ihren Büchern. Eine Heftchen in DIN A 5 u.a. mit Photos von der Beerdigung einer Jenni Siepmann (9.7.1906- 4.6.1959) lag darin; wahrscheinlich war mein Opa auf der Beerdigung.

Reich war die Kirche und das Grab geschmückt, und auf der Karte steht:

„Wir dürfen Gott danken für alles, was er der Verstorbenen an Gütern des Leibes und der Seele geschenkt hat. Wir dürfen danken für alles, was Gott an uns allen durch die Verstorbene gewirkt hat. Ja, wir dürfen danken, daß wir als Christen angesichts des Todes diese Botschaft vom Leben haben und bezeugen dürfen. ,Ich betrachte meine Wege und kehre meine Füße zu Deinen Zeugnissen!’ Möge Euch, Ihr lieben Angehörigen, und uns alle das trösten und aufrichten, daß wir von uns weg auf Gott blicken dürfen, auf Jesus Christus, auf das Kreuz! Amen.“

Da war diese Urkunde und diese Karte, die mir zuerst auffielen. Und dann las ich weiter:

„Aus Anlaß des 60jährigen Bestehens unseres Unternehmens erlauben wir uns, Ihnen eine Festschrift, die die Entwicklung und den heutigen Stand unseres Betriebes darstellt, zu überreichen. Wir holen damit eine Verpflichtung nach, die uns beim 50jährigen Bestehens unserer Firma im Jahre 1941 erwachsen ist und sich infolge der damaligen Verhältnisse nicht verwirklichen ließ.
Es ist unser aufrichtiger Wunsch, daß diese Festschrift dazu beiträgt, die Beziehungen zu allen Freunden unseres Hauses zu vertiefen und zu festigen.
Unser Jubiläum bietet uns die willkommene Gelegenheit, allen denen, die uns innerhalb und außerhalb unseres Betriebes in guten und in schlechten Tagen die Treue hielten, von Herzen Dank zu sagen und die Bitte auszusprechen, uns ihr Wohlwollen und Vertrauen auch weiterhin zu schenken.
Siepmann-Werke
Aktiengesellschaft
Belecke (Möhne)
Der Vorstand“

„Zum Geleit
Das Schicksal hat es gefügt, daß das 25jährige Bestehen der Siepmann-Werke (1916) wie auch ihr 50jähiges Jubiläum (1941) in die Mitte zweier Weltkriege fiel. Beide Male waren die Zeiten nicht dazu angetan, sich festlicher Freude hinzugeben. Nur im engsten Familienkreise wurden die Festtage kurz gewürdigt.
Anläßlich des 60jährigen Bestehens des Werkes soll das Versäumte nachgeholt werden. Die Freude wird allerdings gedämpft durch den Tod der beiden Gründer des Unternehmens, der Brüder Emil und Hugo Siepmann, Ende des Jahres 1950. Beiden sollte es nicht mehr vergönnt sein, die Feier des 60jährigen Bestehens ihres Lebenswerkes mitzuerleben. Damit wird diese Festschrift ein Gedenk- und Ehrenbuch für diese beiden Männer.
Sie will zunächst die Grundlagen zeigen, auf denen das Werk aufgebaut wurde, und den Weg schildern, den es in den vergangenen sechzig Jahren genommen hat.
Sie soll künden vom Geist verpflichtenden Unternehmertums und Stolz und Freude wecken über das Geleistete.
Sie will darüber hinaus allen ein Dankeswort zurufen, die ihre besten Kräfte an das Werk gesetzt haben.
Sie will nicht zuletzt die Brücke von Mensch zu Mensch schlagen, nicht nur innerhalb des Betriebes, sondern auch nach außen zu allen unseren Geschäftsfreunden.
Endlich soll sie in den Herzen der jetzigen Generation wie der kommenden den Entschluß festigen, es den Vorgängern gleichzutun.
Der Vorstand der Siepmann-Werke Aktiengesellschaft
Alfred Siepmann[1]
Walther Siepmann
Ernst Siepmann
Belecke (Möhne), im Sommer 1951“

S. 80f:

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„Ein Grabstein erzählt“ – Teil 1: Nina Worowina, 21 Jahre, verheiratet, „Ostarbeiterlager“, gest. 24.8.1944.

Nina Worowina, 21 Jahre, verheiratet, „Ostarbeiterlager“, gest. 24.8.1944. Ein Grabstein erzählt. (alle fotos: thelen-khoder)

WALDFRIEDHOF FULMECKE – DER FRIEDHOF WURDE IM I. WELTKRIEG ANGELEGT UND DIENTE ALS RUHESTÄTTE FÜR KRIEGSGEFANGENE MEHRERER NATIONEN (INSBES. FRANZOSEN), DIE IM MESCHEDER KRIEGSGEFANGENENLAGER VERSTORBEN WAREN. FRANZÖSISCHE, BELGISCHE UND ITALIENISCHE KRIEGSTOTE WURDEN NACH DEM I. WELTKRIEG IN IHRE HEIMAT ÜBERFÜHRT. FÜR DIE RUSSISCHEN UND POLNISCHEN KRIEGSTOTEN DES I. WELTKRIEGES BLIEB DER WALDFRIEDHOF DIE LETZTE RUHRSTÄTTE.

IM JAHRE 1964 WURDEN 121 UNBEKANNTE RUSSISCHE TOTE AUS DEN GEMEINDEN SUTTROP UJND WARSTEIN NACH HIER ÜBERFÜHRT. IN DEN JAHREN 1965/66 ERFOLGTE DIE VÖLLIGE NEUGESTALTUNG DES FRIEDHOFES. HEUTE RUHEN HIER 287 RUSSISCHE UND POLNISCHE KRIEGSTOTE.

DAS SCHMIEDEISERNE TOR MIT DEN SANDSTEINFLÜGELMAUERN SOWIE DIE FIGUR DES FRANZÖSISCHEN SOLDATEN SIND ARBEITEN UNBEKANNTER FRANZÖSISCHER KRIEGSGEFANGENER.

DIE STELE IM HINTEREN BEREICH DES FRIEDHOFES WURDE NACH DEM II. WELTKRIEG DURCH DIE SOWJETUNION ERRICHTET.

So steht es auf der schmiedeeisernen Tafel im Eingangsbereich des „Waldfriedhofs Meschede-Fulmecke“ an der Waldstraße, und die sowjetische Stele ganz hinten in der Ecke sagt:

HIER RUHEN RUSSISCHE BÜRGER, BESTIALISCH ERMORDET IN FASCHISTISCHER GEFANGENSCHAFT. EWIGER RUHM DEN GEFALLENEN DES GROSSEN VATERLÄNDISCHEN KRIEGES 1941 – 1945

Und was sagen die Grabsteine?

Inzwischen habe ich etwas über die Namen finden können; durch den wunderbaren „International Tracing Service (ITS)” in Bad Arolsen fand ich zunächst folgende Listen:

  1. „Gräberliste von Bürgern der Vereinten Nationen nach Zivilisten, U.S.S.R., Waldfriedhof Meschede“, ITS Bad Arolsen, 2.1.2.1 / 70792345;
  2. „Bürger der Vereinten Nationen, die seit dem 4.9.1939 hier ortsansässig geworden und hier verstorben sind, Waldfriedhof Meschede“, ITS Bad Arolsen, 2.1.2.1 / 70792343;
  3. „Nachweis über die im Amte Meschede verstorbenen russischen Staatsangehörigen“, ITS Bad Arolsen, 2.1.2.1 / 70792351 und 2.1.2.1 / 70792352;
  4. „Gemeinde Meschede, Nationalität Russen, Sterbeurkunde ja, Waldfriedhof“, ITS Bad Arolsen, 2.1.2.1 / 70689395
  5. „Grablagen von sowjetrussischen Staatsangehörigen; Originale beim Bundesvertriebenenministerium“ = „Az.: WASt-Gräberliste“, ITS Bad Arolsen, 2.3.2.1 („Grablagen von sowjetrussischen Staatsangehörigen; Originale beim Bundesvertriebenenministerium“, heute im Bundesarchiv in Koblenz)

Durch diese Listen bekam ich viele Geburts- und Sterbedaten, mit denen ich weiter nach den Toten suchen konnte. Und so fand ich manche Geburts- und Sterbeurkunde, Vermerke vom Oberstaatsanwalt in Arnsberg und Hinweise auf zahlreiche „Ostarbeiterlager“ und „Kriegsgefangenenlager“, in denen auch die Ermordeten der drei Massaker vom

  • am 20. März 1945 im Langenbachtal (Warstein, damals Landkreis Arnsberg),
  • am 21. März 1945 im Körtlinghausener Forst (Suttrop, damals Landkreis Lippstadt)
  • und am 22. März 1945 auf der Kuhwiese (Eversberg, damals Landkreis Meschede) leben mußten.

Dies ist meine Ausbeute nach zwei Wochen im ITS:

„„Ein Grabstein erzählt“ – Teil 1: Nina Worowina, 21 Jahre, verheiratet, „Ostarbeiterlager“, gest. 24.8.1944.“ weiterlesen

NRW-Hochschulen: 17.646 neue Lehramtsstudierende im Jahr 2016

Düsseldorf (IT.NRW). Im Studienjahr 2016 haben 17.646 Männer und Frauen ihr erstes Fachsemester in einem Lehramtsstudium begonnen.

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als amtliche Statistikstelle des Landes zum Weltlehrertag am 05.10.2017 mitteilt, waren das 7,9 Prozent mehr als im Jahr 2015. Mehr als die Hälfte der Studienstarter (9.584) strebten einen Abschluss als Lehrkraft in der Sekundarstufe II an.

7.715 von ihnen wollten später in allgemeinbildenden Schulen tätig werden (+11,8 Prozent gegenüber 2015), 1.869 Studierende im Erstsemester belegten ein Studium für die spätere Arbeit in der Sekundarstufe II an den berufsbildenden Schulen (+5,6 Prozent).

Den geringsten Zulauf verbuchten die Studiengänge für die Primarstufe an Grund- und Hauptschulen mit 2.809 Anträgen (+2,7 Prozent) für das erste Fachsemester.

Die Gesamtzahl der Studierenden in Lehramtsstudiengängen lag zum Wintersemester 2016/17 mit 60.673 Einschreibungen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (?0,2 Prozent).

Der größte Standort für Lehramtsstudiengänge war im Studienjahr 2016 die Universität Köln mit 13441 Studierenden, gefolgt von den Universitäten Duisburg-Essen mit 8.295 und Paderborn mit 7.111 Einschreibungen.

Wie die Statistiker weiter mitteilen, umfasst ein Studienjahr das Sommersemester des entsprechenden Kalenderjahres sowie das darauf folgende Wintersemester. Die Zahl der Studienanfänger im ersten Fachsemester bezieht sich auf das gesamte Studienjahr – die Zahl der Studierenden wird jeweils zu Beginn des jeweiligen Wintersemesters gezählt.

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Ergebnisse für einzelne Hochschulen

Umleitung: vom Lob der negativen Kritik bis zum Mythos 1968

Vor dem Sonnenuntergang noch schnell eine Runde drehen (foto: zoom)

Lob der negativen Kritik: Wenn man sich in aktuellen Debatten ablehnend zu Vorschlägen aus dem Bereich der Bildung unter den Bedingungen der Digitalität (kurz: „digitale Bildung“) äußert, d.h. wenn man z.B. das Konzept des FlippedClassrooms, den Einsatz von Kahoot, H5P etc. kritisiert, trifft man immer häufiger auf das folgende argumentative Muster … axelkrommer

Projekt-Ende Flipped Classroom – ein Fazit: „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.“ Dieser Auszug aus einem Liebesgedicht von Goethe passt für mich in einer augenzwinkernden Weise zur aktuellen Diskussion um den Flipped Classroom … flippedmathe

Lafontaine und Wagenknecht liegen falsch: Die sächsische LINKE-Politikerin Juliane Nagel fordert einen kosmopolitischen Kurs für ihre Partei ein – die nicht trotz, sondern wegen ihrer Flüchtlingspolitik gewählt wird … neuesdeutschland

Oberbürgermeister Burkhard Jung: Sachsen nach der Wahl – Der Musterknabe hat sich verrechnet … leipzig

AfD – doppelter Boden: Wenn schon blaumachen, dann auch richtig. Der Schmierenkomödiant Pretzell und sein völkisches Wurfgerät Petry haben vorgesorgt und mehren ihren Besitz. Mit diversen Doppelmandaten … zynaesthesie

Was hat Ihnen die Wahlkampfsprache gesagt? „Es wird Zeit“ oder „Warten wir nicht länger“ – wir möchten heute mit Ihnen über Worte, Worthülsen und Politik sprechen … rbb

Medien: David Schraven reagiert auf Studie über Correctiv … turi2

Es dreht sich alles um die Uhr: Die Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie stehen fest … scilogs

Neuerscheinung zur Geschichte der Berliner Secession: Die Berliner Secession, als deren wesentlichen Exponenten Max Liebermann, Walter Leistikow, Lovis Corinth und Max Slevogt, gelten, spaltete sich 1913 … berlinerarchive via planethistory

Politik im (polnischen) Fussball-Stadion: Charakteristisch für das polnische Fanmilieu ist, dass sich die Fans nicht direkt in der politischen Szene engagieren – sich sogar konsequent und demonstrativ von ihr abgrenzen, indirekt jedoch einen wachsenden Einfluss auf das politische Leben in Polen ausüben … publicHistory

Dortmund: Gedenken an ZwangsarbeiterInnen im Zweiten Weltkrieg. Rat beschließt Bau einer Gedenkstätte am Phoenix See … nordstadtblogger

Mythos 1968: Mit großem Interesse erlebe ich, wie die Zeit meiner Jugend auf verschiedene Art und Weise und zu unterschiedlichen Themen in Museen und Ausstellungen präsentiert wird … oelderanzeiger

Brilon – Willingen: Wenn Schüler an (Landes-)Grenzen stoßen …

Ungefähr 100 Schülerinnen und Schüler aus Brilon besuchen die Uplandschule in Willingen. Und eine der Kreistagsfraktion Sauerländer Bürgerliste (SBL/FW) unbekannte Zahl von Schülerinnen und Schülern pendelt von Willingen zu den Berufskollegs in Brilon und Olsberg. Für sie alle gibt es leider keinen einheitlichen Schülertarif, der “grenzenübergreifend” ist und sowohl in der Bahn als auch im Bus gilt.

(Der Artikel ist in ähnlicher Form heute zuerst auf der Website der Sauerländer Bürgerliste erschienen.)

Die SBL/FW hätte sich gerne bei der RLG nach deren Überlegungen und Absichten hinsichtlich einer Problem-Lösung erkundigt. Doch bei ihren mehrfachen telefonischen Nachfragen am 12.09.2017 sahen sich weder die RLG-Mitarbeiter/innen in Brilon noch in Soest in der Lage, eine Auskunft zum Schülerverkehr zu geben.

Die Briloner verwiesen die Geschäftsführerin SBL/FW nach Soest, die Soester nach Brilon. Als sie schlussendlich die Telefonnummer des zuständigen Mitarbeiters in Soest erhalten hatte, war dieser leider konsequent nicht erreichbar.

Darum wandte sich die SBL/FW am gleichen Tag noch an Landrat Dr. Karl Schneider und fragte den Verwaltungschef:

  • Welche Möglichkeiten bestehen aus Ihrer Sicht, gemeinsam mit der RLG und ggf. anderen Beteiligten, eine praktikable und preiswerte Lösung für die betroffenen Schülerinnen und Schüler zu finden?
  • Welche Verbesserungen hinsichtlich der Tarife für den Schülerverkehrs zwischen Brilon und Willingen und umgekehrt könnten Ihrer Meinung nach umgesetzt werden?
  • Gibt es konkrete Pläne, und falls “Ja”, welche?

Dann sehen wir mal weiter …

IT.NRW: 2016 lag das Durchschnittsalter der Lehrkräfte in NRW bei 45,2 Jahren

Grafik: IT.NRW

Düsseldorf (IT.NRW). Das Durchschnittsalter der 157 970 hauptamtlichen und hauptberuflichen Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in NRW lag im Schuljahr 2016/17 bei 45,2 Jahren. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als amtliche Statistikstelle des Landes anlässlich des Weltbildungstages (8. September 2017) mitteilt, waren Lehrkräfte damit durchschnittlich eineinhalb Jahre jünger als fünf Jahre zuvor (Schuljahr 2011/12: 46,7 Jahre).

Im Vergleich zu 2011/12 gab es im Schuljahr 2016/17 insbesondere bei den unter 50-jährigen Lehrkräften Zuwächse: Bei den unter 35-Jährigen stieg der Anteil der Lehrkräfte an der gesamten Lehrerschaft von 18,3 auf 22,8 Prozent und in der Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen von 34,6 auf 39,9 Prozent. Bei den über 49-Jährigen war hingegen ein Rückgang des Anteils von 47,1 auf 37,3 Prozent zu verzeichnen.

Lehrerinnen waren im Schuljahr 2016/17 mit 44,7 Jahren knapp zwei Jahre jünger als ihre männlichen Kollegen mit 46,6 Jahren. Die jüngsten Lehrkräfte hatten die Gemeinschaftsschule (40,5 Jahre), die PRIMUS-Schule (40,7 Jahre) sowie die Sekundarschule (42,5 Jahre). Die Lehrer/-innen an Grundschulen waren im Schnitt 43,8 Jahre, an Gymnasien 44,3 Jahre, an Gesamtschulen 45,4 Jahre, an Realschulen 47,6 und an Hauptschulen 49,4 Jahre alt.

208 ermordete sowjetische und polnische Zwangsarbeiter, ein besonderes Erbe und die Grabsteine auf dem „Franzosenfriedhof“ in Meschede-Fulmecke.
Teil 2 einer persönlichen Dokumentation.

Dokumentation der  Massenmorde an sowjetischen und polnischen Zwangsarbeitern im Sauerland (screenshot, zum Lesen auf das Bild Klicken.)

Wenige Monate vor ihrem Tod erzählte mir meine Mutter, in ihrem Geburtsort, den ich nur von Erzählungen und zwei Beerdigungen her kannte, seien wenige Tage vor Kriegsende russische Zwangsarbeiter im Wald ermordet und „verbuddelt“ worden.

Fortsetzung des ersten Teils.

(Dies ist Teil II eines mehrteiligen Artikels von Naja Thelen-Khoder. Unsere Autorin hat sich intensiv mit der Geschichte der russischen Zwangsarbeiter im Sauerland beschäftigt. Ihre Dokumentation liegt als PDF vor und kann hier als Gesamtdokument heruntergeladen und gelesen werden.)

Das zweite Buch ist Peter Bürgers „Zwischen Jerusalem und Meschede“, das auf 217 Seiten so viele Informationen und Materialien zusammenträgt, daß ich ihm nur auf Knien dafür danken kann; daß er es zum Download zur Verfügung stellt, ist einfach großartig.

Auf S. 23 benennt er kurz und knapp, was das Stichwort „Langenbachtal“ meint: „Die Anklage lautete auf Mord und Mordversuch. Wetzling wurde vorgeworfen, 71 Menschen heimtückisch und grausam getötet zu haben und zur Tötung von weiteren 80 Menschen Beihilfe geleistet zu haben. Die anderen Beschuldigten wurden der Beihilfe zu heimtückischen und grausamen Tötungen in einer jeweils unterschiedlichen Zahl beschuldigt.

Es ging um drei miteinander verbundene Tatkomplexe:

  • Im Langenbachtal bei Warstein wurden 14 Männer, 56 Frauen und 1 Kind getötet. Dort starben also 71 Zwangsarbeiter. Hauptbeschuldigter war der Angeklagte Wetzling. Beteiligt waren daran auch Anhalt und Klönne.
  • In einem Wiesengrund bei Eversberg wurden 80 männliche Zwangsarbeiter ermordet. In diesem Fall war der Angeklagte Gaedt der Hauptbeschuldigte. Weitere Beschuldigte waren Wetzling und Miesel.
  • In einem Wald bei Suttrop wurden 35 Männer, 21 Frauen und ein Kind ermordet. An der Tat beteiligt war von den Angeklagten im Prozess nur Zeuner. Daran maßgeblich beteiligt war vermutlich auch der frühere Hauptmann Schmoller, der vor Gericht lediglich als Zeuge auftrat.“

„Langenbachtal“ meint also eines von drei innerhalb von wenigen Tagen begangenen „Endphaseverbrechen“, den Mord an 208 meist russischen Zwangsarbeitern im Raum Warstein im Arnsberger Wald. Und Ernst-Moritz Klönne saß unter dem Vorwurf der Beihilfe mit auf der Anklagebank.

(Ausschnitt aus der Westfalenpost vom Neujahrstag 1958 (screenshot: Bürger a.a.O.)

„Am Morgen des 20. März 1945 rief Wetzling bei Klönne an und bat ihn, bei der Auswahl eines geeigneten Erschießungsplatzes zu helfen. Sie fuhren zu dem von Klönne schon früher erwähnten Platz im Langenbachtal. Der Mordplatz war eine Lichtung, etwas von der durch das Tal führenden Straße entfernt.

Gegen Abend befahl der Angeklagte Anhalt, dem Hauptwachtmeister der Stabsbatterie, ein etwa 15 Mann starkes bewaffnetes Sonderkommando zusammenzustellen. Dieses hatte sich gegen 22 oder 23 Uhr beim Amtsgericht in Warstein zu melden. Beim Eintreffen der Kommandos waren Wetzling, Klönne und eine untergeordnete SS-Charge anwesend. Den Soldaten wurde der Tötungsbefehl verkündet.

Dabei wurde auf die angebliche Gefahr, die von den Zwangsarbeitern ausgehen würde, hingewiesen. Die Tötung diente demnach dem Schutz der Bevölkerung. Hingewiesen wurde auch auf die schlechte Ernährungslage. Wetzling versäumte nicht, auf die ,Greueltaten der Roten Armee’ und die schweren Luftangriffe der Alliierten hinzuweisen. Lobend erwähnte er die Bereitschaft von Klönne, sich der Aktion freiwillig anzuschließen.

Gegen den Protest Klönnes, der durch die Nähe der Straße, eines Försterhauses und eines Müttergenesungsheimes wohl die Entdeckung fürchtete, wurde der Erschießungsort etwas verlegt. Wetzling verpflichtete die Beteiligten zur Geheimhaltung.

Irgendeinen Widerspruch hat es nicht gegeben. [Fußnote: LG Arnsberg 12.2.1958, 3 Ks 1/57 S. 579f.] Ein Teil des Kommandos begab sich zum Mordplatz. Dem schloss sich auch Klönne an. Der andere Teil mit Wetzling und Anhalt fuhren zur Schützenhalle. Mit einer Dolmetscherin betraten sie gegen Mitternacht die Halle.

Es wurde den dort anwesenden bis zu 1000 Zwangsarbeitern gesagt, wer arbeiten wolle, solle sich melden, er komme dann in ein anderes, besseres Lager. Eine beträchtliche Gruppe von Internierten – unter ihnen viele Frauen, eine sogar mit einem Kind – meldeten sich.

Mit Blick darauf, dass ein Großteil der Opfer Frauen waren, sagte Wetzling später: ,Ich habe dann auch sehr darauf geachtet, dass bei der nächsten Exekution nur Männer erschossen wurden, damit die Parität wieder hergestellt war …’.

Mit einem Lastkraftwagen wurden die Zwangsarbeiter in mehreren Transporten ins Langenbachtal gefahren. Bei der Mordstätte handelte es sich um eine Weide in einer Talmulde, etwa vier Kilometer von Warstein entfernt. Die Zwangsarbeiter des ersten Transports wurden nach ihrer Ankunft aufgefordert, ihre Habseligkeiten abzulegen. Klönne wurde aufgefordert, sich zu entfernen. Zwei Posten hatten die Aufgabe, das Gelände vor dem Hinzukommen fremder Personen abzuschirmen.

Die Zwangsarbeiter verhielten sich während der Geschehnisse sehr ruhig. Ihnen wurde befohlen, sich zu zweit oder dritt nebeneinander zu stellen. Die Soldaten traten links neben die Zwangsarbeiter. So wurde die Gruppe von der Straße an den eigentlichen Tötungsort geführt.

Auf ein Signal hin eröffneten die Soldaten das Feuer auf die neben ihnen befindlichen Menschen. In kurzer Zeit war der Befehl ausgeführt.

Nach vollbrachter Tat marschierte das Erschießungskommando wieder zur Straße zurück. In ähnlicher Weise erfolgte auch die Ermordung der Angehörigen der folgenden Transporte.

Beim letzten Transport löste sich vorzeitig ein Schuss. Dies führte bei den Gefangenen zu Unruhe. Sie schrien, und einige versuchten vergeblich zu fliehen. Ein Zwangsarbeiter, der in Richtung der Straße flüchten wollte, wurde auf Zuruf Wetzlings vom Angeklagten Anhalt mit seiner Dienstpistole erschossen.

Nach dem Ende der Tat hoben die Soldaten unter dem Kommando von Anhalt Massengräber aus. Während der Bestattung fanden die Soldaten ein Mädchen von etwa 18 Jahren, das noch lebte. Sie kamen dem Befehl, dieses zu töten, nicht nach, worauf Anhalt sie als ,Feiglinge’ bezeichnete und das Opfer durch einen Genickschuss zu Tode brachte.

Die Gräber wurden zugeschüttet, und man versuchte die sonstigen Tatspuren zu verwischen. Noch brauchbare Habseligkeiten der Getöteten wurden auf den LKW geladen. Auch etwa 1000 Reichsmark an Bargeld wurden eingesammelt.“

Zu Ernst-Moritz Klönne: „Nicht zur Division z.V. gehörte der Angeklagte ERNST MORITZ KLÖNNE. Dieser stammte aus einer bekannten Dortmunder Unternehmerfamilie. Er war Sohn des Unternehmers und früheren Reichstagsabgeordneten Moritz Klönne. Als mehrfach ausgezeichneter und verwundeter Wehrmachtsangehöriger war er 1943 vom aktiven Frontdienst zur Führerreserve genommen worden. Als solcher war er als Ausbilder tätig und diente bei der Organisationsabteilung des Oberkommandos des Heeres. 1944 wurde er zum Hauptmann der Reserve ernannt. Anfang 1945 wurde er zur Unterstützung der Leitung des Familienunternehmens unabkömmlich gestellt. Zum Tatzeitpunkt lebte er bei seinen Eltern in deren Wochenendhaus in der Nähe Warsteins. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft kehrte er bereits 1945 nach Dortmund zurück, wo er Teilhaber des Familienunternehmens wurde. Auch er war verheiratet und hatte Kinder.“

Sauerländische Zivilisten heben Einzelgräber aus für die am 3.5.1945 im Suttroper Massengrab aufgefundenen 57 ermordeten Menschen aus der Sowjetunion. (bild: U.S. Signal Corps – United States Holocaust Memorial Museum Photograph 8047)

Bis 1964 stand die Stele Nahe am Ort des Geschehens. Dann aber wurden die Toten samt Stele nach Meschede überführt, wie alle Bürger der Sowjetunion, die in Warstein, Eversberg und in Suttrop ermordet worden waren, nachts im Wald und auf einer Kuhwiese.

Teil 3 folgt in Kürze

lit.RUHR: Nick Hornby, Zadie Smith, Irene Disch und Martin Suter lesen im Ruhrgebiet.

Die MacherInnen von rechts nach links: Rainer Osnowski (Festivalleiter lit.RUHR), Jolanta Nölle (Mitglied des Vorstandes Stiftung Zollverein), Dr. Traudl Bünger (Künstlerische Leiterin lit.RUHR), Daniela Berglehn (Pressesprecherin der innogy Stiftung), Eva Schuderer (Programm lit.RUHR), Bettina Böttinger (Moderatorin), Dr. Thomas Kempf (Mitglied des Vorstandes der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung), Tobias Bock (Programm lit.RUHR) (bild: (c)Heike Kandalowski, lit.RUHR)

Köln/Essen. (lit.ruhr_pm) Vom 4. bis zum 8. Oktober 2017 präsentiert die erste lit.RUHR in 82 Veranstaltungen internationale literarische Größen wie Nick Hornby, Zadie Smith, Irene Dische, Donna Leon und Cecelia Ahern und deutschsprachige Literatur-Stars wie Martin Suter, Uwe Timm, Ulla Hahn, Robert Menasse, Alexander Kluge, Sven Regener und Heinz Strunk.

Außerdem mit dabei: Bjarne Mädel, Mariele Millowitsch, Cordula Stratmann, Ulrich Noethen, Joachim Król, Sophie Rois, Senta Berger, Nina Kunzendorf, Hannelore Hoger, Corinna Harfouch, Peter Lohmeyer und Elke Heidenreich.

Das Internationale Literaturfestival lit.RUHR wird veranstaltet von dem gemeinnützigen Verein lit e.V. Die Initiatoren des Festivals verantworten auch das Internationale Literaturfestival lit.COLOGNE.

Ihre Premiere feiert die erste lit.RUHR im Rahmen einer großen Gala am 4. Oktober 2017 um 19.30 Uhr im Alfried KruppSaal der Philharmonie Essen – auf der Bühne an diesem Abend: Iris Berben, Christoph Maria Herbst, Kirsten Fuchs, Wladimir Kaminer, Max Mutzke und Bettina Böttinger.

Neben dem Erwachsenenprogramm gibt es auch zahlreiche Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche. Die großen und kleinen Besucher der lit.kid.RUHR können hier spannenden Texten, Neuerscheinungen und zeitlosen Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur begegnen.

Lebendiger Festival-Mittelpunkt ist das UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen, zudem finden Veranstaltungen im Grammatikoff in Duisburg, auf der Zeche Bochum, im Orchesterzentrum Dortmund, im Fußballmuseum Dortmund, auf der Messe Essen, in der Stadtbibliothek Essen, im Museum Folkwang sowie in der Villa Hügel statt.

Tickets für die lit.RUHR sind unter www.lit.ruhr, der Rufnummer 0211-274000, den örtlichen WAZ-Leserläden und dem Ticketshop www.westticket.de sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Barrierefreie Angebote sind ein Anliegen der lit.RUHR, deswegen werden bereits im ersten Jahr 20 Veranstaltungen in Gebärdensprache übersetzt. Alle weiteren Informationen und ein ausführliches Programm zum Download unter www.lit.ruhr.

208 ermordete sowjetische und polnische Zwangsarbeiter, ein besonderes Erbe und die Grabsteine auf dem „Franzosenfriedhof“ in Meschede-Fulmecke.
Teil 1 einer persönlichen Dokumentation.

Der Waldfriedhof Fulmecke (fotos: thelen-khoder)

Wenige Monate vor ihrem Tod erzählte mir meine Mutter, in ihrem Geburtsort, den ich nur von Erzählungen und zwei Beerdigungen her kannte, seien wenige Tage vor Kriegsende russische Zwangsarbeiter im Wald ermordet und „verbuddelt“ worden.

(Unsere Autorin Nadja Thelen-Khoder hat sich intensiv mit der Geschichte der russischen Zwangsarbeiter im Sauerland beschäftigt. Ihre Dokumentation liegt als PDF vor und kann hier als Gesamtdokument heruntergeladen und gelesen werden.)

Wenige Wochen nach der Befreiung hätte man sie gefunden, und die Bevölkerung habe an den Leichen vorbeigehen müssen. Sie, ihre Schwester und ihr zukünftiger Schwager seien dabei gewesen, wirklich schlimm.

Mein damals 17-jähriger Onkel habe sehr geweint. Richtig und auch gut sei es von den Amerikanern gewesen, die Menschen dazu zu zwingen, Wahrheiten zur Kenntnis zu nehmen. Niemand hätte sagen können, er habe „von all dem nichts gewußt“.

Der Ort des Geschehens, so meine Mutter, hieße Langenbachtal. Langenbachtal also – ein besonderes Erbe meiner Mutter. Von russischen Zwangsarbeitern hatte sie ihr ganzes Leben lang erzählt, und davon, daß es unmöglich gewesen war, „von all dem nichts gewußt“ zu haben. Sie jedenfalls habe im Alter 18 Jahren eine Menge gewußt.

Ihr Vater, der ein halbes Jahr nach meiner Geburt starb, war damals Arzt, und sie habe ihm mehrfach geholfen, die eiternden Geschwüre „auszuschaben“; sie habe oft die Arme oder Beine festgehalten, während mein Großvater die kranken Zwangsarbeiter behandelte. Aber daß russische Zwangsarbeiter noch wenige Tage vor Kriegsende im Langenbachtal ermordetet worden waren, hatte sie nicht erzählt.

Sobald ich konnte, fuhr ich in den Arnsberger Wald und fand die Toten nach einigem Suchen in Meschede auf dem Waldfriedhof, der auch „Franzosenfriedhof“ genannt wird, weil er im Ersten Weltkrieg für die etwa 20000 Kriegsgefangenen aus Frankreich angelegt worden war.

Eigentlich hätte ich keine Chance gehabt, die ermordeten der Massaker vom 20. bis zum 23. März 1945 zu finden. Nichts deutete darauf hin, daß die Opfer der drei „Massenerschießungen“ von Suttrop (57 Menschen), Eversberg (80 Menschen) und dem Langenbachtal (71 Menschen) alle hier lagen. Nicht die Bezeichnung des Ortes als „Kriegsgräberstätte“, nicht der Eingang mit dem großen Tor, nicht die Tafel hinter dem Eingang und auch nicht die sechs steinernen Platten mit den verschiedenen Angaben, wie viele Tote an der jeweiligen Stelle liegen:

Sechs steinerne Platten (fotos: thelen-khoder)

Woher hätte ich beispielsweise wissen können, daß hier die 80 Ermordeten von Eversberg liegen?

 

„HIER RUHEN 80 SOWJETISCHE BÜRGER, DIE IN DER SCHWEREN ZEIT 1945 FERN VON IHRER HEIMAT STARBEN.“ (foto: thelen-khoder)

Es war nur die angekündigte Stele ganz, ganz hinten in der Ecke, die etwas erzählte. Zuerst habe ich sie gar nicht gesehen;

„Zuerst habe ich die Stele nicht gesehen.“ (foto: thelen-khoder)

ganz, ganz hinten stand sie,

Kreuz und Stele (foto: thelen-khoder)

und erst, als ich dicht davor stand, erfuhr ich, was in etwa „passiert“ war:

HIER RUHEN RUSSISCHE BÜRGER, BESTIALISCH ERMORDET IN FASCHISTISCHER GEFANGENSCHAFT. EWIGER RUHM DEN GEFALLENEN DES GROSSEN VATERLÄNDISCHEN KRIEGES 1941 – 1945 (foto: thelen-khoder)

Gott sei Dank hatte die Sowjetunion damals daran gedacht, daß die meisten Deutschen kein Russisch können und hatte den Text auch übersetzt anbringen lassen, sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch.

Diese Stele besteht aus drei Seiten, und auf jeder steht der Text in einer der drei Sprachen. Leider konnte ich nur Teile so photographieren, weil mir das Gebüsch im Nacken saß. Aber man erkennt es ja auch so.

Die drei Seiten der Stele sind hier zu erkennen. (foto: thelen-khoder)

Daß auf dem „Franzosenfriedhof“ keinerlei Hinweis auf Französisch zu finden war, fand ich außerordentlich bedauerlich. Gott sei Dank gibt es wunderbare Bücher, und aus zweien möchte ich hier zitieren: Das erste ist die zweibändige Dokumentation „Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus“3 der Bundeszentrale für politische Bildung von 1995 mit Artikeln über „Warstein“ und „Meschede“. Auf S. 631f fand ich das gesuchte Massaker im Langenbachtal:

Dokumentation „Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus“3 der Bundeszentrale für politische Bildung von 1995 mit Artikeln über „Warstein“ und „Meschede“. (screenshot: thelen-khoder))

„In den Tagen des 20./23. März 1945 wurden in Warstein im Langenbachtal, in dem heute zu Warstein zählenden Ort Suttrop im Kattensiepen sowie in der Eversberger Heide insgesamt 208 überwiegend russische Zwangsarbeiter ermordet. Die Täter waren in Warstein stationierte SS-Truppen, die Opfer stammten aus Zwangsarbeiterlagern in der Schützenhalle in Warstein sowie in einer Suttroper Schule.

Nach der Befreiung mußten auf Veranlassung der alliierten Truppen ortsansässige Nationalsozialisten die Leichen exhumieren und die Einwohner der Orte an den Toten vorbeidefilieren. Die 71 in Warstein erschossenen Menschen wurden ursprünglich unweit des Tatortes im Langenbachtal beerdigt – man spricht heute noch von den ,Russengräbern’ – und 1964 auf den ,Franzosenfriedhof’ in Meschede überführt, wo schon 1947 die Mordopfer aus der Eversberger Heide beigesetzt worden waren. Ebenso wurden die Toten aus Suttrop nach dem Krieg exhumiert und auf den Mescheder Friedhof überführt. Ein damals von der Sowjetunion errichteter Obelisk ist heute auf dem Friedhof der Westfälischen Kliniken in Warstein zu finden, ebenso ein ähnlicher zweiter Obelisk auf dem Mescheder Friedhof.“

Teil 2 folgt in Kürze

Umleitung: Die Nazi-Sprache der AfD, Trumps täglicher Irrsinn, Rechtsextremismus in der Elitetruppe, Mobbing in Redaktionen, Nitrate im Trinkwasser und mehr.

Der Obelisk in KasseI auf dem Königsplatz: I was a stranger and you took me in (foto: zoom)

Obelisk in Kassel – AfD spricht von „entstellter Kunst“: „Die Wortwahl weckt Erinnerung an den Begriff „entartete Kunst“, mit dem in der NS-Zeit Kunst diffamiert und verboten wurde, die nicht in das nationalsozialistische Welt- und Menschenbild passte“ … spiegel

AFD-Petry darf angeklagt werden: Verdacht des Meineids. Der Sächsische Landtag hebt den Abgeordnetenschutz der AfD-Frontfrau auf … taz

Rechtsextremismus und KSK-Eliteeinheit: Hitlergruß und fliegende Schweineköpfe … zeit

Trump responds to Barcelona attack by reviving debunked myth: Donald Trump responded to the Barcelona attack by reviving an already debunked anecdote about a US general dipping bullets in pig’s blood to fight Islamic militants over a hundred years ago … guardian

Charlottesville: Trump’s Full Remarks on the Violence in Charlottesville, Virginia … haaretz

NRW und das Funke Medien Imperium: Bielefelder Staatsrechtler Gusy hält Medienminister Holthoff-Pförtner für nicht tragbar … nw

Niedersachsens Grüne warfen die SPD aus der Bahn: Schulz und Weil – Wahlkampf als Traumtanz … postvonhorn

Schulsystem: Inklusion gibt es nicht zum Nulltarif … fr

Die Stimmung in Redaktionen ist an einem neuen Tiefpunkt: „Eine gehörige Zahl von Redakteuren, mit denen ich seit Jahren über digitale Themen streite, zucken nur noch mit den Schultern. Statt darüber zu streiten ob und wie sich mit Journalismus im Internet Geld verdienen lässt, demonstrieren sie Fatalismus. Quer über mehrere Verlagskonzerne berichten sie von despotischen Vorgesetzten, die Mitarbeiter weg haben wollen – und weil das Geld für Abfindungen nicht mehr da ist werden Mittel eingesetzt, die mit Mobbing beschrieben werden dürfen“ … indiskretion

Hohe Nitrat-Werte in Marsberg? Im Stadtgebiet von Marsberg sollen die Nitrat-Werte im Vergleich zu anderen Kommunen im HSK überdurchschnittlich hoch sein. Das ist keine Neuigkeit. Darüber ist schon mehrfach in den Medien berichtet worden … sbl

Zu guter Letzt Punkrock Holiday 1.7 – oder: Scheißegal, wer mit wem schlief … endoplast