Wieder im Lande … there ain’t no Cure for the Sauerland Blues

Pause an den Windrädern bei Einhaus (foto: zoom)

Nach den entspannten Tagen in Hannover können wir unsere Räder wieder im Hochsauerland rollen lassen. Das Wetter ist fantastisch, der Himmel ist blau und die Höhenunterschiede macht der kleine Akku im Vorderrohr wett.

Der Kauf eines EBikes war eine der besten Entscheidungen der vergangenen zwei Jahre. Der Bewegungsradius pro Zeit ist fast doppelt so hoch wie bei meinem Rad ohne Elektromotor. Es sind verschiedene Welten, und das kann ich für mich beurteilen, weil ich mein altes Fahrrad ohne E immer noch benutze. Nur nicht gerade, um mal eben 90 Kilometer am Morgen durch das Sauerland zu radeln.

Dabei ist mir kurz vor Wennemen der alte Eddy Cochran Titel durch den Kopf gegangen, und der Summertime-Blues verwandelte sich in den Sauerland-Blues.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=1C38Zevwyx4

Mich wundert immer, wie wenige Windräder es bei uns trotz günstiger Bedingungen für WEAs gibt. Die Zahl der fetten Elektroautos hat in den letzten beiden Jahren enorm zugenommen, aber „Windräder – Nein Danke“.

Platz wäre vorhanden, aber der Widerstand gegen Windräder scheint enorm. Ich kenne keine/n Lokalpolitiker:in, der oder die sich traut, offen für Windenergie im Hochsauerland einzutreten, dabei ist die Klimakatastrophe die Krise des 21. Jahrhunderts.

Vielleicht sind die Klimakatastrophenleugner:innen und Windkraftgegner:innen auch gar nicht so viele, sondern nur lauter und vernetzter als die FFF-Freunde?

Gerade als ich wieder Trübsal blasen wollte, spülte mir der Zufall ein Doktor-Whatson-Video auf den Bildschirm. Sehr optimistisch wird dort der Weg zu einem klimaneutralen Deutschland im Jahr 2045 skizziert. Deutschland müsse (und könne) klimaneutral werden. Aber, wie werde es konkret aussehen mit unserer Stromversorgung im Jahr 2045? Wie erzeugen wir Strom mit erneuerbaren Energien, aber ohne Blackout?

Ich habe es mir angeschaut. Ja, da geht was.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=mbI5WJ_Kv0Y&t=835s

Es schwimmt ein Biber-Butzemann…

Am letzten Abend kam ein Biber (oder ist es eine Nutria? kA) . (foto: zoom)

Am letzten Abend unseres Aufenthalts hat das urbane Ökosystem noch einmal alles gegeben, was Mitte April drin ist. Biber, Sonnenuntergang, Vogelgezwitscher und eine Spiegelung in der Leine.

Wenn man die richtige Stadt erwischt, ist die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen bei weitem höher als beispielsweise bei uns im Hochsauerland.

Als ich heute ein letztes Mal durch die wunderbaren Stadtbuchenwälder Hannovers geradelt bin, ist mir der elende Zustand der Sauerländer Monokulturen noch einmal schmerzlich bewusst geworden.

Ok, die Kirschen in Nachbars Garten schmecken immer am besten, aber ich kann es drehen wie ich’s will: Schöner ist das Sauerland in den 25 Jahren, die ich nun schon dort oben lebe, nicht geworden.

Abend an der Leine (foto: zoom)

Schluss mit der Nestbeschmutzung. Vielleicht entwickelt sich das Hochsauerland in den nächsten 25 Jahren zu einem wunderbaren, lebenswerten Fleckchen Erde mit richtigen Radwegen und einem schönen Wald. Ich bin skeptisch, aber das darf man ja sein, woll?

„Die drei warmen Brüder“: Heizkraftwerk Linden

Idyllisches Hannover: das Heizkraftwerk Linden

Auf der Kulturseite der Stadt Hannover lese ich:

Wegen der drei Blöcke mit den drei Schornsteinen heißt das 1962 in Betrieb genommene Heizkraftwerk Linden „die drei warmen Brüder“.

https://www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Architektur-Geschichte/Industriekultur/Linden,-Leine,-Limmer/Station-3-Die-drei-warmen-Br%C3%BCder-Heizkraftwerk-Linden

Wikipedia:

Wegen seiner drei Kesselhäuser mit den 125 m hohen Schornsteinen wird das Werk im Volksmund Drei warme Brüder genannt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heizkraftwerk_Linden

Bin ich zu kritisch, wenn ich diesen „Volksmund“ einfach nur homophob nenne? Na ja, der sogenannte „Volksmund“ darf alles, denn er ist gewissermaßen kulturell zertifiziert.

Wessen Stimme spricht da aus dem „Volksmund“ in Hannover. Wer hat es zum ersten mal gesagt und wer hat es dann „Volksmund“ genannt?

Eigentlich ganz einfach: wenn ich einen rassistischen/antisemitischen/homophoben Witz machen möchte, nenne ich es „Volksmund“ und bin raus aus der Verantwortung.

Denn wer will schon die Weisheit des „Volkes“ als Sprachautorität anzweifeln?

Bin mal kurz weg, auf der Suche nach weiteren hannoveraner Eigentümlichkeiten.

Ab zum Deister und ein Sonnenuntergang bei Hannover

Regen in der Vorhersage und dann dieser Blick zum Deister (foto: zoom)

Ich bin froh, dass wir heute nur eine kleine 58-km-Radtour zum und nicht übern Deister gemacht haben, denn sonst hätte ich mich verpflichtet gefühlt, die Redewendung „übern Deister gehen“ zu erläutern.

Die Runde mit Start am Sportpark in Hannover hatte ich bei Komoot herausgesucht. Sie sah ziemlich harmlos aus, was sich im Nachhinein als Irrtum erwies, denn erstens führte sie über einige holprige Waldwege und über alles, was zwischen Hannover und Deister an Bergen und Hügeln zur Verfügung stand.

Glücklicherweise ist der angekündigte Regen ausgeblieben. So blieben wir nicht im Matsch stecken und konnten auf einigen der zahlreichen Bänke am Wegesrad unsere Süßigkeitenvorräte verputzen.

Über Hannover wird noch einiges zu erzählen sein, aber für heute ist Schluss, denn die Müdigkeit ist groß.

Was bleibt ist ein Sonnenuntergang wenige Schritte von unserem Quartier entfernt. Viel weiter hätten mich die Beine auch nicht mehr getragen. Na, ja vielleicht noch zu Burger und Flammkuchen im Biergarten.

Gute Nacht!

Hannoveraner Sonnenuntergang (foto: zoom)

Der Frühling kommt – was ändert sich im Blog?

So sieht es aus, wenn die Natur im Hochsauerland explodiert. (foto: zoom)

Gestern habe ich an einem ganztägigen Online-Seminar des „Reporter[sic!]-Forum“ teilgenommen. Es waren, anders als der Name es vermuteten lässt, sehr viele kluge freie und feste Journalistinnen dabei.

Auf vier je anderthalbstündigen Zeitschienen konnte man jeweils zwischen vier bis fünf Workshops wählen.

Ich war bei folgenden Themen dabei:

  • Wie Klimajournalismus im Lokalen funktionieren kann
  • Lokalmedien und Audio-Formate
  • Über Querdenker recherchieren und berichten
  • Neugründungen von Lokalmedien

Jetzt wisst ihr, warum ich den ganzen Tag im Keller gehockt habe. Zum Glück war das Wetter schlecht.

Die Wahl der Themen zeigt, in welche Richtung meine Gedanken schweifen. Über zwei Jahre lang habe ich – „aus Gründen“, wie man so schön sagt – das Blog schleifen lassen. Jetzt will ich prüfen, ob ich ohne erhöhten Zeitaufwand ein paar neu Dinge anstoßen kann.

„Ich will häufiger die lokale Brille aufsetzen“ und dabei die „großen Fragen“ nicht aus den Augen verlieren, wäre ein gutes Credo.

Die größte der „großen Fragen“ ist imho, trotz Pandemie und Krieg in der Ukraine, die Klimakatastrophe, und diese spiegelt sich auch im Lokalen wider.

Winterberg, das Hochsauerland, NRW, Deutschland, Europa und die Welt werden sich um den Preis des Untergangs verändern. Klimagase auf Null oder „der Arsch ist ab“.

Das Thema werde ich an anderer Stelle genauer aufdröseln. Hier wollte ich nur grob ein paar Punkte aufschreiben, auf die ihr mich im nächsten Jahr gerne festnageln könnt.

Das war’s eigentlich schon.

Ich werde auf keinen Fall mehr Zeit als bisher ins Blog stecken. Ich bastele gerne mit Medien herum, darum der Workshop „Audioformate“. Muss aber nicht, wenn es zu aufwändig wird.

Eine Neugründung kommt auf keinen Fall in Frage. Alles andere als das kleine selbstbestimmte, nichtkommerzielle, reklamefreie „zoom … das Sauerland und mehr“-Blog überstiege meine Ressourcen. Man soll ja nie „Nie“ sagen, aber das, was ich beim Workshop „Neugründungen von Lokalmedien“ gehört habe war: viel Zeit, viel Arbeit, wenig Geld.

In den über 13 Jahren seiner Existenz ist mir das Blog ans Herz gewachsen. Ich freue mich über die Artikel der Mitautor*innen (* oder : ? Das ist hier die Frage!). Viele sind schon sehr lange dabei, manche tauchen ab, manche wieder auf. Das Leben ist ein Wechselbad.

Am wichtigsten sind mir allerdings die Familie, Spaziergänge, Radtouren sowie kleine und große Reisen.

Ich habe vor ein paar Tagen ein paar Pflanzen und Tiere am Wegrand in der Nähe – im Umkreis von 500 m – fotografiert. Lungenkraut, Regenwurm und Pestwurz. Zu Beginn des Frühlings ist das hohe Hochsauerland sehr übersichtlich.

Pausenbild: Der 2. April lädt ein. Nehmen Sie Platz!

Die Party kann steigen. Es sind noch Plätze frei. (foto: zoom)

Auf meinem Dorfspaziergang habe ich heute ein Rotkehlchen, drei Stühle, einen Tisch und eine Feuerschale gesehen. Heute ist nicht der 1. April.

Der Grillplatz am Wegrand sieht einladend aus, wenn man sich den Schnee hinweg und die warme Sonne dazu denkt.

Die geplanten Radtouren nach Kassel, durch das Ruhrgebiet oder an der Rhein müssen noch ein wenig warten.

Oder würdet ihr losfahren? Dann schimpft mich Weichei.

Der Tag heute war für den A….

Letzten Sonntag in Kassel: andere Perspektive, anderer Allerwertester, sonst wie vor vier Jahren (foto: zoom)

Menno, war das heute ein hektischer Tag. Behördenkram, Telefonate, Papiere, Einkaufen, in der Apotheke die vierte Impfung in die Corona-Warn-App eingelesen. Zwischen zwei Erledigungen noch schnell zum Hallenbad in Winterberg.

Zwischendurch runterkommen, Bahnen schwimmen. Doch der Beutel mit den Schwimmsachen stand noch friedlich im Hausflur in Siedlinghausen. Mist. Also zurück, weitermachen. Noch mehr Telefonate, noch mehr Listen. Wäsche zusammensuchen und in die Maschine stopfen. Jetzt aber spazierengehen. Oh, nee! Was für ein Wetter.

Wenn ich jetzt doch noch mal nach Winterberg fahre und ein paar Einkäufe bei ALDI erledige, kann ich doch noch schwimmen.

Badehose? Check! Handtuch, Seife, Schwimmbrille? Check!

So stand ich dann mit meinem Beutel und den Impfnachweisen (Check!) vor dem Oversum. Überall bunte Bilder an Glastüren, Scheiben und am Kassenautomaten.

Wegen unvorhergesehenem Personalausfall heute Nachmittag geschlossen.

Ich schöre es, ich hatte vorher auf der Schwimmbad-Website nachgeguckt. Da stand nix von Krankheit, geschlossen oder unvorhergesehen.

Das Hallenbad ist extra hier im Blog verlinkt, damit ich mich immer schnell über die Öffnungs- und Belegungszeiten informieren kann.

Könnte mal jemand den Winterberger Touristiker:innen und Badefreund:innen im Rathaus verraten, dass man solche plötzlichen Ereignisse genau so schnell wie sie eintreten in diesem Internet veröffentlichen kann? Irgendeine Zeile „Aktuelles“ oder „Brandaktuelles“ oder in echtem Deutsch „Achtung!“ wird der Webmaster doch fix hinbasteln können. Die kann nach Bedarf von den netten Menschen in der Tourist-Info befüllt werden.

Aber was weiß ich schon vom Internet?

22 Kilometer mit dem Auto umsonst gefahren. Das bisschen ALDI-Kram hätte ich auch beim NETTO in Siedlinghausen als Beifang auf einem Dorfspaziergang bekommen.

Wann bleibt Zeit zum Schreiben? Das Blog-Paradox

Sie ist ein Model und sie sieht gut aus – die japanische Kirsche, gestern in Kassel (foto: zoom)

In den letzten Tagen habe ich so viel erlebt, dass es in meinem Kopf wie Kraut und Rüben aussieht. Klasse Veranstaltungen, tolle Menschen, prima Wetter.

Es gäbe viel zu erzählen, aber es bleibt einfach keine Zeit zum Bloggen. Also muss ich auf langweiligere Tage hoffen. Hoffentlich sind die ganzen schönen Schreib-Ideen bis dahin nicht verblasst oder vergessen. Drei Dinge liegen auf jeden Fall auf dem Schreibtisch. Neheim, Meschede und ein Briefwechsel.

Falls ihr mich dort gesehen gesehen habt und euch fragt, warum hier im Blog nichts folgt – gemach, gemach, es kommen bald wieder öde Schlechtwetter-Tage, und dann kann man ja schreiben.

Bis dahin …

Am Kreuzweg in Bödefeld

Warten auf die Karwoche (foto: zoom)

Kreuzwege im Sauerland führen meist hinauf. Besonders steil ist der Kreuzweg in Bödefeld. Ich weiß gar nicht, wie es ältere Menschen bis zur letzten Station oben auf dem Kreuzberg schaffen können.

Gnadenlos und strack geht es hinauf. Die einzelnen Stationen bieten wohl die nötigen Erholungspausen.

Ich bin in diesem Winter drei Mal zur Kreuzbergkapelle gewandert. Im Schnee, im Matsch, im Sonnenschein. Kurz, knackig , steil und atemlos, aber auch gemütlich in langen Serpentinen.

Bis zur Karwoche sind die Holzfiguren an den einzelnen Stationen mit Holzbrettern vernagelt, damit Feuchtigkeit und Kälte ihnen nicht den Garaus macht.

Der betende Jesus(?) kniet noch mit Plastikfolie überzogen in seiner Grotte.

Zur Karwoche sollen, so hat es mir ein anderer Wanderer vor der verschlossenen Kapellentür erklärt, die Stationen enthüllt und herausgeputzt werden. Zur Bekräftigung zog er eine kleine Broschüre mit farbigen Abbildungen aus der Tasche.

Nur noch wenige Meter, dann bin ich oben. (foto: zoom)

Auch die Kapelle würde dann wieder offen stehen. Da seien jetzt wahrscheinlich die anderen Figuren verstaut.

Die Musikkapelle müsse beim Kreuzgang der Gemeinde einen leichteren Weg nehmen als die anderen Gläubigen. „Stellen Sie sich das vor, mit ihren Blasinstrumenten würde ihnen auf dem Anstieg die Luft ausgehen.“

Ihr seht, dass ich alter Agnostiker und Atheist noch mindestens ein viertes Mal den Gang hoch zum Kreuzberg antreten werde. Die Wiederauferstehung lokalen, religiös geprägten Kunsthandwerks werde ich mir nicht entgehen lassen.

Aussicht vom Kreuzberg. (foto: zoom)

Selbst an einem dunstigen Nachmittag ist die Aussicht vom Kreuzberg sehr interessant. Ganz im Vordergrund Bödefeld, dahinter Westernbödefeld und wäre es klarer, könnte man die vier Windräder auf der Höhe bei Einhaus sehen.