Heute ist ein anstrengender Tag, draußen in der Wildnis namens Realität.
Das Blog muss ruhen.
Das Bild habe ich auf meinem Streifzug durch Nord-Holland aufgenommen. Ich bin mir 98% sicher, dass am Eingangsbereich des Kulturzentrums K 19 der Uni Kassel war. Sollte es nicht so sein, bitte ich die 2% sich zu melden.
Nach den ersten Kilometern schaut man ins Tal der Namenlose. (foto: zoom)
Eine Wanderung im Winter? Das kannte ich in den Anfangsjahren im Hochsauerland nicht.
Der Schnee ging oft bis zum Knie oder sogar bis zur Hüfte. Zum Joggen oder Wandern, musste man sich geräumte Winterwanderwege oder tief liegende Talwege, wie beispielsweise entlang der Orke, suchen.
Ende Januar 2020 spazieren wir von Siedlinghausen nach Winterberg. Kein Schnee auf den Wegen, dunkel-grüne Fichten und auf den Minenplätzen ein spärlicher Naturschneebelag.
Es war warm und sonnig. An den Minenplätzen habe ich meine Winterjacke ausgezogen. (foto: zoom)
Es war ruhig im Wald, obwohl die Kernstadt mit ihren (zur Zeit) überwiegend mit Kunstschnee bedeckten weißen Pistenbändern im grünen Wald nicht weit entfernt liegt.
Stundenlang konnten wir unseren Gedanken nachhängen.
Kaum waren wir am Nordhang des Kahlen Asten, begann der Trubel. Skitourismus dank Schneekanonen.
Blauer Himmel, grüne Bäume, Wiese und weißer Kunstschnee (foto: zoom)
Winterberg erscheint wie ein riesiger Parkraum. Menschen schieben sich den Waltenberg hoch und runter. Wuselig, obwohl das Skigebiet nicht ausgelastet war.
Mit dem Sessellift hoch zum Brembergkopf. Es ist noch viel Platz. (foto: zoom)
Die Winterberger Hektik und Fülle werde ich ein anderes Mal fotografieren. Wir wollten einen ruhigen Samstag verbringen und haben uns am frühen Nachmittag in den Bus S50 zurück nach Siedlinghausen gesetzt.
Für die achteinhalb Straßenkilometer haben wir zu zweit 8,20 Euro bezahlt. Ein Preis für den wir in Kassel von Freitag 14 Uhr bis Sonntag Nacht die öffentlichen Verkehrsmittel nach Lust und Laune benutzen können, und es bleibt dann sogar noch etwas übrig.
Das MultiTicket für zwei Erwachsene kostet dort 7,80 Euro und umfasst die Stadt Kassel, Ahnatal, Baunatal, Calden, Espenau, Fuldabrück, Fuldatal, Habichtswald, Kaufungen, Lohfelden, Nieste, Niestetal, Schauenburg, Staufenberg und Vellmar.
Ach ja, das Hochsauerland und der öffentliche Nahverkehr! Von den Radwegen will ich erst gar nicht anfangen …
Schluss mit dem Gejammer. Es war eine schöne Wanderung an einem wunderschönen milden Wintertag im Januar.
Blick auf Hallenberg am eher trüben Montag dieser Woche. (foto: zoom)
Am Montag hatte ich mit Sonne gerechnet, aber es wurde dann leider ein bedeckter Tag mit blauen Himmelsflecken.
In Hallenberg habe ich einen Standpunkt gesucht, um in die Ortsmitte hinein zu fotografieren. Auf die Schnelle nicht so einfach, auch wenn Hallenberg von vielen Hügeln umgeben ist.
Mein Ziel war die Eder zwischen Allendorf, Rennertehausen und dem Bauernhof an der Straße nach Birkenbringhausen.
Wer meinen Radtouren von Siedlinghausen nach Marburg folgt, weiß, dass hier der Ederradweg verläuft. Zu Fuß – im Winter – eine entspannte Alternative.
An Baum und Aussichtsplattform habe ich schon häufiger mit dem Rad gerastet. (foto: zoom)
Vom Turm herab bieten sich auch bei schlechtem Wetter interessante Perspektiven.
Blickrichtung Frankenberg: Turm, Entwässerungsgraben, Radweg und Wiesen bei Rennertehausen. (foto: zoom)
Der Vulkanpfad Welleringhausen ist 6,6 km lang und vertreibt schlechte Gedanken. (foto: zoom)
Am 2. Weihnachtstag hat sich das Wetter erbarmt. Sonne ersetzte den Regen. Ich konnte endlich meinen lang gehegten Plan umsetzen und in Welleringhausen den 6,5 km langen Vulkanpfad erforschen.
Die Landschaft östlich des Hochsauerlandes hat mich streckenweise an Derbyshire erinnert. Sanft skulpturierte teils baumlose Hügel, weite Blicke über wellige Landschaften, Schafsköttel.
Zur Erläuterung: Ich poste alle Blog-Artikel nach Erscheinen bei Twitter und FB. Vorteil: mehr Leute sehen die Artikel. Nachteil: die Diskussionen finden an verschiedenen Orten statt, nicht unbedingt im Blog.
Die Frage von Rainer: „Haben die ein Finanzamt auf der Platte?“
Ich: „Ja, anscheinend. Habe den Brand aber dieses Jahr nicht gesehen. War zu sehr mit meiner falschen Fotoausrüstung beschäftigt.“
Michael Kronauge, Bürgermeister von Hallenberg, besuchte zufällig gemeinsam mit mir am 24. Dezember die Modelleisenbahn, dabei seine drei Enkel. Er mache das schon seit vier Jahren so. Im letzten Jahr habe einer der Enkel erschrocken ausgerufen: „Opa! Das Rathaus brennt!“
Er habe, so der Bürgermeister, den Enkel beruhigen können. Es sei nicht das (sein?) Rathaus, sondern das Finanzamt.
Glück für den Bürgermeister-Opa, und die Geschichte hat mir sehr gefallen.
Weiter mit Rainer: „Weil die Webseite teils veraltet war, teils nicht mehr funktionierte, hatte ich gleich zur Geschichte verlinkt. Ja, da steckt sehr viel Arbeit drin. Wird es denn noch was mit der Verbindung über zwei Etagen?“
Ich: „Zwei Räume! in der zweiten Etage, einer links und einer rechts vom Treppenhaus.
In der Geschichte kommen einige verstorbene und einige lebende Personen vor.
Wenn ich morgen Zeit habe, schaue ich nach, ob die Öffnungszeit von 11 bis 12.30 am 2. Weihnachtstag stimmt.“
Die Öffnungszeiten stimmen. Und ich habe nachgeschaut, ob die Verbindung inzwischen steht.
Die Bahn vor dem Tunnel, der sie in den anderen Raum bringen wird. (foto: zoom)
Auf der Website der Eisenbahnfreunde Siedlinghausen lese ich:
„Als Fernziel ist geplant, beide Anlagen miteinander zu verbinden, wobei dann im Treppenhaus die Modellbahn durch eine Glasröhre fahren soll.“
Fernziel erreicht! Guck mal Rainer, und nächstes Jahr vor Ort am Heiligabend in Siedlinghausen 🙂
Die Verbindung steht! Alles nur eine Frage der Programmierung. (foto: zoom)
Vor der Bescherung bei den Eisenbahnfreunden in Siedlinghausen (foto: zoom)
Der 24. Dezember 2019 war ein trüber Tag. Kein Fetzen Blau am Himmel. Dauerregen. Schwimmen im AquaOlsberg. Wo ist Licht?
Als die Kinder noch klein waren, haben wir in manchen Jahren zum „Warten auf’s Christkind“ die Modellbahn der Eisenbahnfreunde Siedlinghausen besucht.
Gute Idee! Leider hatte ich nur mein 105-mm-Makro dabei. Schlechte Idee! Die Schärfentiefe ist gering. Am Schienenbus ist gerade noch das Fenster in der Fahrerkabine vorn einigermaßen scharf abgebildet.
Trotzdem hat es Spaß gemacht, den Zügen zuzusehen, und auch das Finanzamt soll wieder gebrannt haben.
Hinaus in den Dauerregen. Die Remmeswiese in Winterberg war fest in niederländischer Hand. Gelbe Nummernschilder allerorten. Ich war erstaunt, wie viele Menschen sich im Regen bei 4°C auf der Kunstschneepiste tummelten.
Die Menschen warten auf den nächsten Lift. (foto: zoom)
Meine kleine Kamera war in Null-Komma-Nix nass und ich habe die Suche nach dem Licht beendet. Zu Hause warteten die drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Obwohl der Film ein Weihnachtsdauerbrenner ist, hatte ich ihn bis gestern noch nie gesehen.
Meine positiven Erwartungen wurden erfüllt. Spoiler: Aschenbrödel bekommt den Prinzen, und beide reiten auf weißen Pferden im Schnee in den blauen Himmel mit den großen weißen Wolken.
Es weihnachtet auf unserer Fensterbank. (foto: zoom)
Weihnachten kommt näher. Gestern hat es in Dortmund wie verrückt geschüttet.
Eigentlich wollte ich ein paar „weihnachtliche“ Bilder knipsen, aber dann habe ich mich doch lieber eine Stunde früher als geplant in den Zug zurück nach Bestwig gesetzt.
Zu Hause aus Langeweile den Weihnachtsmarkt in Dortmund auf der Fensterbank kompensiert. Montag ist wirklich ein blöder Tag, um nach Dortmund zu fahren. Das „U“ ist zu. Die Bibliothek ebenso.
Auf dem Westenhellweg habe ich meist einen Igel in der Tasche.
Blick vom Panoramaweg Richtung Obermarsberg und das Eggegebirge. (foto: zoom)
Wandern oder lange Spaziergänge helfen mir, den Kopf frei zu bekommen. Heute habe ich mich vom Wanderparkplatz Florenbicke bei Helmeringhausen am Diemelsee auf den 9,7 Kilometer langen Panoramaweg (PW) begeben.
Am Anfang geht es steil nach oben, und ich bin ab und zu auf dem Laub der Eichen ausgerutscht. Die Anstrengung lohnt. Blick auf den Diemelsee, teilweise durch knorrige Eichenstämme verdeckt, irgendwann ist der höchste Punkt der Stadt Marsberg erreicht.
Details am Wegesrand (foto: zoom)
Das erste Drittel des Wegs verläuft auf der Kante oberhalb des Diemelsees, kleinteilig, scharfkantig, überraschende Momente. Die letzten sechs Kilometer bewegt man sich im Hinterland mit weiten Flächen, Scheunen, Hochsitzen und großkronigen Bäumen.
Ein netter Kollege hatte mir den Wandertipp gegeben. Das kleine quadratische Booklet „Sauerland-Wanderdörfer“ habe ich mir daraufhin bei der Touristeninformation Olsberg besorgt. Kostet nichts, enthält aber 39 Wandertouren quer durch meine jetzige „Heimat“. Unbezahlbar.
Weg, Baum, Feld, Wald … das „Hinterland“ (foto: zoom)
Für die etwas mehr als 9 Kilometer habe ich knapp drei Stunden benötigt und damit die im Büchlein angegebene Wanderzeit von 2 bis 2,5 Stunden um eine halbe Stunde überschritten.
Vielleicht habe ich zu oft innegehalten und über das Leben nachgedacht, vielleicht habe ich zu oft die Kamera gehoben, aber vielleicht ist die Zeitangabe auch nur irgendwie abstrakt berechnet.
Nehmt euch Zeit, macht mal Pause, geht vom Wege ab und vergesst die Brotzeit nicht. Plant gemütliche vier Stunden ein. Essen, Trinken und die Kamera nicht vergessen.
Kurz vor Sonnenuntergang Spaziergang am Kuhlenberg – der Zusammenhang zum Text ist … (foto: zoom)
Oh, was für eine Ansage: „Stream of consciousness“. Gerade noch bin ich durch die Wohnung getigert und habe versucht, meine Gedanken zu sortieren.
Vom gestrigen Mozart-Klavierabend im Konzerthaus Dortmund bis zum heutigen Schwimmen im Winterberger Hallenbad („Oversum“). Ich wollte Mozart retten und während meiner 1000 Meter eine Revolution ausrufen.
Ich habe sie sogar ausgerufen, aber im Wasser hat niemand auf mich gehört, am wenigsten ich.
Ich bin keinesfalls ein Mozart-Fan, aber auf den Klavierabend mit Sergei Babayan hatte ich mich riesig gefreut. Es war ein wunderschöner Abend. Nicht nur wegen Mozart, sondern weil das Programm genial zusammengestellt war.
Zwei Stunden Mozart hätte ich (Musikbarbar) nicht ausgehalten, aber eingestreut waren Fremdkompositionen von Gija Kontescheli, Vladimir Ryabov, Kit Armstrong. Frederic Rzewski und Arseny Gusev.
Eine Stunde vor Beginn des Konzerts hat uns ein cooler, gediegener Herr, dessen Namen ich nicht hätte vergessen dürfen, in den Abend eingeführt, also Mozart, den Solisten und die Komponisten erklärt.
Ich finde diese Einführungen, seitdem ich sie bei den Ruhrfestspielen zum ersten Mal erlebt habe, sehr hilfreich: 30 Minuten Vortrag ersetzen locker 10 Jahre Herumdümpeln im Keller des Bildungsbürgertums.
Erstaunt hat mich, dass das Konzert nicht ausverkauft war. Was heißt „nicht ausverkauft“? Der hintere Teil des Saals war durch einen Vorhang abgetrennt und auch auf den Balkonen sowie im Parkett bleiben viele Plätze frei.
Was ist mit Dortmund los? Irgendetwas stimmt da nicht. Selbst das Konzert von Igor Levit im Januar ist noch nicht ausverkauft. Igor Levit. DER Igor Levit.
Zur gleichen Zeit schoben sich die Menschenmassen durch die Einkaufszone. Dortmund Westhellen- und Osthellenweg: Thy name is Claustrophobia.
Um 23 Uhr auf der Autobahn Richtung Winterberg. Voller Musik, Gedanken und Gefühle.
Weit nach Mitternacht haben wir noch zusammengesessen und das Konzert Revue passieren lassen. Ich bin schon ganz nervös wegen Igor Levit. Das Konzert ist an einem Donnerstag, und ich muss am Freitag arbeiten. Schaffe ich das mit drei Stunden Schlaf?
Heute jedenfalls hatte ich Glück und musste nicht arbeiten. Ich bin dann, um aufzuwachen, zum Winterberger Hallenbad gefahren, und was ich da sah, trieb mir den Schweiß auf die Stirn[1] … darüber berichte ich besser unaufgeregt ein anderes Mal.
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[1] Einem typischen Aufreißer von „Der Westen“ nachempfunden, meiner Hassseite aus dem Hause Funke Medien.
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