Wenn mich nicht alles täuscht, ist uns vor zwei Tage die Raupe des Zimtbären (Phragmatobia fuliginosa) vor die Linse des Smartphones gekrochen.
Der Falter selbst, der von Mai bis August zu finden ist, hat zimtbraune Vorderflügel, daher der Name. Vögel spucken ihn wegen seines schlechten Geschmacks wieder aus.
Es gibt zwei Generationen des Zimtbären. Die Raupen der zweiten Generation überwintern und verpuppen sich im Vorfrühling in einem graubraunen Gespinst zwischen Blättern und Pflanzenteilen in Bodennähe, auch unter Steinen und in Spalten auf dem Boden.
Ich bin mir sicher, dass in anderen Teilen Deutschlands die Schneeglöckchen schon längst von anderen Frühblühern abgelöst worden sind, aber im hohen Hochsauerland sind wir noch nicht so weit.
Da sich die Pandemie Dank der Lockerungsversprechen und falschen Hoffnungen noch hinziehen wird – wir steigen gerade wieder ins exponentielle Wachstum der Neuinfektionen ein -, suche ich mir eine Beschäftigung, die es mir ermöglicht den Menschen aus dem Weg zu gehen: Spazieren gehen und die Abfolge der Blütenpflanzen im Verlauf der Vegetationsperiode beobachten, dabei ab und an einen Vogel anhand des Gesangs bestimmen.
Heute blieb mir nur Zeit für einen kurzen Corona-Spaziergang entlang des Hesborner Wegs in Winterberg.
Ein paar Gedanken. Ich habe das dumme Gefühl, dass uns eine dritte COVID-19-Welle bevorsteht. Die Zahlen sinken nur noch zögerlich. Ich hoffe, dass ich mich irre, sonst könnten die bevorstehenden Lockerungen ins Desaster führen.
In Berlin sollen tausende Impfdosen von Astra Zeneca ungenutzt herumstehen. Bevor das Zeug verdirbt, würde ich stante pede vom Sauerland in die Hauptstadt fahren und mich der Nadel entgegenwerfen, vorausgesetzt ich bekäme einen Termin.
Das unpassende Gefährt habe ich am Wegrand entdeckt.
Schön-Wetter-Morgen stimmen mich häufig melancholisch, zwingen sie mich doch anzunehmen, dass sämtliche Aspekte des Tages außergewöhnlich werden müssten.
Locker bleiben, das Leben genießen oder verfluchen, je nachdem. Keine Zwänge. Abgerechnet wird am Abend.
Update am Abend:
Es war ein netter Tag mit schönen Spaziergängen und Begegnungen. Die Abrechnung ist im Plus geblieben.
Auch bei Kälte auf der Wiese bei Siedlinghausen.
Kurz vor Sonnenuntergang reichte der Blick von Winterberg bis weit nach Hessen.
Besprühtes „VEW-Häuschen“. Das müsste doch besser gehen.
Siedlinghausen ist aus dem Dorfentwicklungsprozess als „Künstlerdorf“ hervorgegangen. „Nomen est Omen“, und sollte der Name ein Zeichen oder Programm sein, könnte sich die Dorfgemeinschaft überlegen, ob das „VEW-Häuschen“ am Ortsende nicht bessere Graffiti verdient hätte.
Der Gedanke ist mir auf einem meiner Corona-Spaziergänge, die mich schon mehrmals an dem grünen Gebäude vorbei geführt haben, gekommen. Die jetzige Graffiti entspricht imho nicht dem Anspruch, den ein „Künstlerdorf“ haben sollte.
In vielen Städten gibt es inzwischen Amateur- oder auch Profi-Graffiti, die nicht nur schön anzuschauen ist, sondern oft auch etwas „zu sagen“ hat.
Sie sind Männer, arbeiten nicht als Intensivpfleger*innen oder Ärzt*innen, sind jünger als 80 Jahre, und sie sind gegen COVID-19 geimpft, obwohl sie nicht zur laut Impfplan privilegierten Gruppe gehören. Privilegiert sind sie durch ihre „Stellung“ in der Gesellschaft.
Ich gönne ihnen die Impfung, finde aber, dass jeder, der sich an der Impfschlange vorbeimogelt, der politischen Stimmung in Deutschland einen Bärendienst erweist, zumal die Impfkampagne zur Zeit alles andere als rund läuft.
Das Verhalten der Kommunalpolitiker ist Wasser auf die Mühlen der Populisten, schwächt das Ansehen der öffentlichen Institutionen und hat ein Gschmäckle.
Liebe Bürgermeister*innen, auch wenn die frühe Immunität gegen das fiese Virus lockt, bedenkt das Ende eures Handelns.
Der Kahle Asten gestern Nachmittag. Der Kahle Asten lohnt sich bei fast jedem Wetter, am liebsten bei Sonnenschein und ohne Touristen.
Gestern konnte man auf dem verharschten Altschnee herumstapfen und die kahlen Bäume sowie einen einzelnen Skilangläufer bestaunen.
Auf meinen Corona-Spaziergängen habe ich über die „No-Covid-Strategie“ nachgedacht. Am Anfang der Diskussion war ich skeptisch, doch inzwischen halte ich einen Harten Lockdown mit einem klaren Ziel für sinvoller und letzendlich wirksamer als dieses ganze Hin-und Her von halbherzigen Maßnahmen und vorzeitigen Lockerungen.
Aber was weiß ich schon?
Lest als einfachen Einstieg den Bericht über das Spiegel-Interview (Bezahlschranke) mit der Virologin Melanie Brinkmann beim NDR.
Virologin Brinkmann warnt vor Corona-Lockerungen
»Der Wettlauf ist längst verloren. Es wird kommen wie in England«
Melanie Brinkmann beklagt das zögerliche Handeln der Politik gegen das mutierte Coronavirus. Die Virologin fordert eine konsequente Eindämmungsstrategie, um einen Dauer-Shutdown zu vermeiden. (Quelle: Spiegel)
Brinkmann bezeichnete Lockerungen ab einem Inzidenzwert von knapp weniger als 50 in einem Interview im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ als „fatal“. Die Wissenschaftlerin des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig warb in dem Gespräch hingegen erneut für eine „No Covid“-Strategie, die sie und weitere renommierte Forscher verschiedener Fachbereiche vorgeschlagen hatten. Das Ziel müsse sein, die 7-Tages-Inzidenz mit einer „konsequent durchgesetzten Kontaktvermeidungsstrategie“ zügig unter den Wert 10 zu drücken. „Dieses Larifari des ‚Hier ein bisschen Homeoffice, dort ein improvisiertes Hygienekonzept‘, das muss aufhören.“, sagte Brinkmann. (Quelle: NDR)
Aus dem Schnee gefischt: ein PolfilterMein auf unzähligen Corona-Spaziergängen geschulter Blick für die kleinen Details am Wegrand hat heute einen Polfilter im Schnee auf dem Loipenweg oberhalb der Umgehungsstraße in Winterberg erspäht.
Vielleicht finde ich morgen das passende Objektiv, denn der Filter kostet Pi mal Daumen 50 Euro.
Wer das Teil vermisst, kann sich gerne melden, denn ernsthaft glaube ich nicht an einen Objektivfund, und außerdem bräuchte ich zusätzlich ein entsprechendes Kamera-Gehäuse. Das würde teuer.
Der oder die Besitzer*in möge mich von meinem Fund erlösen.
Bald jährt sich der Startschuss für die kleinen und großen Corona-Spaziergänge. Frühling, Sommer, Herbst und Winter – es gab keinen Tag, an dem es nicht möglich gewesen wäre, durch die Sauerländer Landschaft zu trotten.
Menschen meiden, Abstand halten, nicht durchdrehen. Ich verhalte mich im Großen und Ganzen nicht anders als zu Beginn der Pandemie. Nur vorsichtiger bin ich geworden. Auf dem Weg zur Impfung nur nicht nach all den Monaten doch noch das Virus einfangen. Risikogruppe. Schon die letzte normale Grippe war „kein Spaß“ gewesen.
Auf der Höhe
Der Schnee ist fast verschwunden, warten auf den Frühling. Über das „Impfchaos“ rege ich mich nicht auf.
In einer Radiosendung (WDR 5?) hat heute Mittag ein SPD-Politiker – nein, es war nicht Karl Lauterbach – selbstsicher gesagt, dass wir in Deutschland bis zum Ende des Sommers Herdenimmunität erreicht hätten, das Impfen sah er sehr optimistisch. Sein Wort in wessen Ohr auch immer.
Bis zur Spritze wird weitergewandert und gegangen. Es gibt noch genügend schöne Ecken im Sauerland zu entdecken. Nur nicht durchdrehen oder leichtsinnig werden.
Blick zurück und wieder hinunter in den Ort.
Die gestrige kleine Runde bei Bödefeld, von der die Bilder stammen, war bei Licht, Schatten, Sonne und blauem Himmel ganz nett. Noch ein Monat bis zum meteorologischen Frühlingsbeginn.
„Bedürfnisanstalt“ ist eines der Wörter, die an der Grenze zum Vergessen in unserer Sprache überleben, kaum präsent im aktiven Wortschatz, untot in der gesprochenen Sprache.
Sollte noch eine Anstalt leben, dann die Badeanstalt oder die geschlossene Anstalt.
Wer demnächst ein Bedürfnis verspürt, möge als Reise in die Vergangenheit unserer Sprache die Bedürfnisanstalt auf dem Dortmunder Hauptfriedhof besuchen.
Man erlebt ja sonst nichts mehr, in Zeiten der Pandemie.