Zwei Neuerscheinungen „Mundart Sauerland“

Die neue Sauerländische Mundart-Anthologie ist erschienen. (bild: buchcover)
Die neue Sauerländische Mundart-Anthologie ist erschienen. (bild: buchcover)

Sehr geehrte Damen und Herren,

nachfolgend weisen wir auf zwei Neuerscheinungen hin:
a) 5. Buch-Band der „Sauerländischen Mundart-Anthologie“
b) Die neue Internetsammlung zu Jupp Balkenhol vom Möhnesee.

DANKSAGUNG: All die vielen Frauen & Männer, die durch Zusendungen, Hinweise und eigene Beiträge unser plattdeutsches Literaturprojekt bislang gefördert haben, sollten die Verleihung des Rottendorf-Preises 2016 ebenfalls als Würdigung ihrer Beiträge betrachten. Persönlich bedanke ich mich von Herzen für alle Glückwünsche, Zeichen der Mitfreude und Ermutigungen.

Mit bestem Gruß – guettgohn
peter bürger
www.sauerlandmundart.de

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DER NEUE BUCHBAND

Sauerländische Mundart-Anthologie.
Fünfter Band:
Verstreute und nachgelassene Gedichte 1919-1933.
Buchfassung ISBN: 978-3-7412-7153-3
(Paperback, 472 Seiten; 15,90 €)
Norderstedt: BoD 2016.

Überall im Buchhandel – ohne Portokosten – bestellbar.

Eine regionale ‚Mundartliteraturgeschichte‘ sollte nicht nur entlang der einschlägigen Buchveröffentlichungen geschrieben werden. Ein Großteil der plattdeutschen Schreibkultur hat sich in Zeitungen, Zeitschriften und Kalendern niedergeschlagen. Zahlreiche Manuskripte im Archiv verweisen außerdem auf das große Feld von Sprachzeugnissen, die zu Lebzeiten der Verfasser nie zum Druck gelangten.

Der fünfte Band der ‚Sauerländischen Mundart-Anthologie‘ erschließt „verstreute und nachgelassene Gedichte“ der Weimarer Zeit. Insgesamt 255 Texte von über 80 Autoren und Autorinnen aus dem Kreis Olpe, dem Hochsauerland, dem Märkischen Kreis und dem Kreis Soest enthält die vorliegende Sammlung. Der Blick auf die südwestfälische Dichterlandschaft weitet sich. Liebhaber der plattdeutschen Lyrik werden Verse entdecken, die sie nicht mehr missen möchten.

Die Herausgabe dieses Bandes ist der Mundartautorin Anna Feldmann aus Bremscheid bei Eslohe anlässlich ihres 95. Geburtstages gewidmet.

Die Erarbeitung wurde gefördert mit 500,- Euro durch die „Carl Toepfer-Stiftung – Hamburg“.

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IM INTERNET:
DAS NEUE „DAUNLOT“ MIT TEXTEN VON JUPP BALKENHOL

Jupp Balkenhol vom Möhnesee: Plattdeutsche Zeitungsbeiträge vom
17. Dezember 2014 bis zum 28. Oktober 2016. = daunlots. internet-beiträge des christine-koch-mundartarchivs am museum eslohe. nr. 85. Eslohe 2016.
http://www.sauerlandmundart.de/pdfs/daunlots%2085.pdf

Zur Einleitung enthält diese neue Sammlung ein Interview mit dem Mundartautor.

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peter bürger
peter@friedensbilder.de
www.sauerlandmundart.de
www.friedensbilder.de

Dirk Wiese im Gespräch: Schule, SPD, Wahlkreis sowie die Ruinen des Empires und Black Sabbath.

Der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese. (foto: spd)
Im Gespräch: Der heimische Bundestagsabgeordnete Dirk Wiese. (foto: spd)

Am Rande einer Veranstaltung der SPD zur Finanz- und Steuerpolitik habe ich mit dem heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese ein Gespräch zu den Themen „Schule“, „SPD“ und seiner eigenen Politik vor Ort geführt.

Der Briloner Dirk Wiese ist 33 Jahre alt und verheiratet. Das Ehepaar hat ein Kind (Junge). Wiese hat in Marburg und Münster Jura studiert. Er ist Volljurist mit Erstem und Zweitem Staatsexamen. Zu seinen Hobbys gehören Fußball, Lesen und Joggen.

1. Herr Wiese, wo sehen Sie die Schulen des HSK in 10 Jahren?

Wir haben uns gerade erst In Berlin darauf geeinigt das Kooperationsverbot zu lockern und damit den Weg frei gemacht 3,5 Milliarden Euro des Bundes in die schulische Bildung in den Ländern zu investieren. Hierzu ist allerdings eine Grundgesetzänderung nötig, denn eine solche Kooperation ist nach derzeitiger Rechtslage nicht möglich, unabhängig davon wie dringend sie gebraucht wird. Ich hoffe, dass CDU/ CSU jetzt auch zu dieser Vereinbarung stehen. Politische Spielchen dürfen nicht auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler betrieben werden. Wichtig ist auch die demografische Entwicklung gerade im ländlichen Raum im Auge zu behalten. Hier wünsche ich mir „Kurze Beine – kurze Wege“, gerade für die Grundschulen.

2. Der HSK ist der einzige Kreis NRWs ohne Gesamtschule. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass sich das ändert?

Über Gesamtschulen wird vor Ort entschieden. Es kann sich ergeben, aber erst einmal müssen wir Ruhe ins System bringen. Dies zeigen die aktuellen Diskussion um G8/ G9. Ich bin persönlich für eine Entzerrung des Schulalltags. Die Belastungen für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrer, sind enorm geworden. Das war zu meiner Schulzeit in Brilon noch anders.

3. Welche Folgen hat das zersplitterte deutsche Schulsystem auf die Bildung vor Ort?

Mir ist wichtig, dass kein Schüler ohne Abschluss bleibt. Es muss für Schüler und auch später in der Ausbildung nach einem Scheitern eine zweite, dritte oder sogar vierte Chance geben. Kurzum, kein Kind darf zurückgelassen werden, das ist und bleibt die Maxime sozialdemokratischer Bildungspolitik.

4. Die Wähler(innen)basis der SPD schrumpft. Die <20% sind nicht mehr nur eine ferne Dystopie. Ihr Plan?

Das sehe ich anders. Es kommt darauf an, wie aktiv und präsent die SPD vor Ort ist. Schauen Sie nach Rheinland-Pfalz, dort hat die SPD mit einer hervorragenden Kandidatin sogar noch zugelegt und klar gewonnen. In NRW sind wir ebenfalls vor Ort präsent und gut aufgestellt, denn wir haben mit Hannelore Kraft auch eine hervorragende Ministerpräsidentin, die vor allem glaubwürdig und nah bei den Menschen ist. Kurzum: Wir kümmern uns.

5. Ein Funktionär der SPD hat mir gegenüber davon gesprochen, dass in der SPD ca. 30% Sarrazin-Anhänger zu finden seien.

Bei Mutmaßungen bin ich stets vorsichtig. Es gab und gibt aber natürlich auch Diskussionen innerhalb der SPD, insbesondere während der Flüchtlingskrise. So ist das nun mal. Klar ist aber allen Mitgliedern, wofür die SPD steht. Für eine freie und offene Gesellschaft, in der jeder seinen Beitrag zur Allgemeinheit leistet, soweit ihm das möglich ist. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus haben bei uns keinen Platz.

6. Die AfD gräbt augenscheinlich die klassische Stammwählerschaft der SPD (Arbeiter, Angestellte, Geringverdiener …) ab. Was tun?

Auch wenn die AfD ihr Hauptpotential aus den Reihen der Nichtwähler und von CDU und CSU mobilisiert, verliert natürlich auch die SPD Wähler an die AfD. Man darf aber nicht alle Menschen, die diese Partei wählen über einen Kamm scheren. Es gibt dort einen harten rechtsnationalen Kern, aber eben auch viele Denkzettelwähler, die den etablierten Parteien in der Wahlkabine eins auswischen wollen. Mit letzteren müssen wir ins Gespräch kommen. Wir laufen Ihnen aber auch nicht hinterher. 85 bis 90 % der Bürgerinnen und Bürger wählen nämlich nicht AfD. Wir müssen aber bei zentralen Themen wie „Steuergerechtigkeit“ und „Altersarmut“ vorankommen. Kurzum, die Themen, die die Leute bewegen aufgreifen, diskutieren und Probleme lösen.

7. Agenda 2010, Hartz IV, Riester-Rente – die SPD wird nicht mehr als „Partei der kleinen Leute“ gesehen.

Wir müssen als Partei unsere Entscheidungen selbstkritisch aufarbeiten. Die Riester-Rente sehe ich persönlich sehr kritisch. Ein Zwei-Säulenmodell aus umlagefinanzierter Rente und Betriebsrente wäre ein möglicher Weg. Die Österreicher haben beispielsweise ein Rentenniveau von 70 %, da zahlen alle, nicht nur die Arbeitnehmer, ein.

Ein Fehler war sicherlich bei der Leih- und Zeitarbeit Missbrauchsmöglichkeiten nicht von vornerein auszuschließen. Die Zeitarbeit war eigentlich gedacht, um Betriebe ohne große Entlassungswellen durch die Finanzkrise zu bekommen und das hat auch gut funktioniert. Jobs konnten erhalten werden und die Arbeitnehmer gingen wieder in die Vollzeit zurück. Dass einige daraus aber ein Geschäftsmodell gemacht haben und obendrein Werkverträge missbrauchen, um die arbeitsrechtlichen Regelungen zu umgehen, hat damals leider niemand in dieser Form für möglich gehalten.

Wir haben zwar vergleichsweise gute Arbeitslosenzahlen. Klar ist aber auch, dass Hartz-IV-Empfänger, die nicht mehr oder nur sehr schwer zu vermitteln sind, eine Perspektive bekommen müssen. Deshalb muss hier ein sozialer Arbeitsmarkt geschaffen werden.

8. Das Personal: Schröder (Gazprom), Steinbrück (IngDiba), ein zappeliger Sigmar Gabriel eine Belastung für die SPD?

Ich bin froh, dass Gerhard Schröder „Nein“ zum Irak-Krieg gesagt hat. Peer Steinbrück hat in der Finanzkrise einen guten Job gemacht. Sigmar Gabriel wird oft zu Unrecht kritisiert. Er macht aus meiner Sicht gute Arbeit. Viele haben offenbar schon vergessen, dass die vielen in dieser Wahlperiode umgesetzten Kernthemen der SPD, wie flächendeckender Mindestlohn und Rente mit 63 nicht zuletzt auch sein Verdienst sind.

9. Die drei wichtigsten Punkte/Felder in denen sie sich von Ihrem Gegenspieler Sensburg (CDU) unterscheiden?

Ich denke Arbeit und Wirtschaft zusammen, mit qualifizierten Arbeitnehmern und starken Gewerkschaften. Ohne diese wäre Südwestfalen nicht so eine erfolgreiche Industrieregion. Ich stehe für ein weltoffenes Sauerland. Für ein Sauerland, dass den sozialen Zusammenhalt lebt. Das Sauerland ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier leben meine Familie, meine Freunde. Ich möchte, dass es auch in Zukunft liebens- und lebenswert bleibt.

10. Was hat Ihr Bundestagsmandat dem Hochsauerland gebracht?

Es ist gut, dass unser Wahlkreis nicht nur von einer Partei repräsentiert wird. Vielfalt ist wichtig. Was es gebracht hat? Ich glaube, das sollten die Bürgerinnen und Bürger beurteilen. Jedenfalls konnte man vieles seit September 2013 voranbringen. Im Großen, aber auch insbesondere im Kleinen. Sich kümmern, um die Belange der Bürgerinnen und Bürger vor Ort.

11. Welches sind Ihre Ziele als Bundestagsabgeordneter für die nächste Legislaturperiode?

Ich will dazu beitragen, das Sauerland als lebens- und liebenswert zu erhalten. Das unsere Heimat weiter wirtschaftlich erfolgreich bleibt, Arbeitsplätze vorhanden sind und die vor uns liegenden Herausforderungen in vielen Bereichen, sei es bei der Gesundheitsversorgung, der Verkehrsanbindung auf Straße und Schiene oder beim Breitbandausbau voran kommt.

12. Welche Koalition würden Sie bevorzugen?

SPD 50% und eine Stimme. Geht es am Wahlabend anders aus, so müssen wir schauen.

13. Angenommen den Fall, dass Sie nicht wieder in den Bundestag einziehen. Melden Sie sich dann arbeitslos oder haben Sie einen Plan B?

Ich will ein starkes Ergebnis erzielen. Alles Weitere fragen Sie mich am Wahlabend.

14. Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

1. Wolfgang Hetzer, Ist die Deutsche Bank eine kriminelle Vereinigung?
2. Pankaj Mishra – Ruinen des Empires
3. Marcel Fratzscher – Verteilungskampf

15. Ihr Musikgeschmack?

Alles, was mit Gitarren zu tun hat, dabei darf es gerne auch mal laut sein: Metallica, Deep Purple, Hendrix, Iron Maiden, Black Sabbath, Toten Hosen.

I, Robot … was bleibt?

Einige Eselsohren und Knicks im Cover später: I, Robot von Isaac Asimov (foto: zoom)
Einige Eselsohren und Knicks im Cover später: I, Robot von Isaac Asimov (foto: zoom)

Das hat sich gezogen wie Gummi, nicht weil I, Robot von Isaac Asimov langweilig wäre, sondern weil ich aus Zeitmangel immer nur häppchenweise lesen konnte.

Dieses Leseverhalten muss sich in der kommenden dunklen Jahreszeit ändern.

Ein Eselsohr habe ich oben rechts in die Seite 179 geknickt:

When Susan Calvin entered the fantastically guarded vault that held The Brain, one of the current shift of technicians had just asked it:

„If one and a half chickens lay one and a half eggs in one and a half days, how many eggs will nine chickens lay in nine days?“

The Brain had just answered, „[… .]“

Was hat das Superhirn geantwortet?

I did not tell Facebook

Gestern Morgen habe ich ein paar Dinge auf dem Frühstückstisch gefunden. (foto: zoom)
Gestern Morgen haben ein paar Dinge auf dem Frühstückstisch gelegen. (foto: zoom)

Ich bin zwar kein eingefleischter Bruce Springsteen Fan, aber die Autobiographie interessiert mich sehr. „Born to Run“ – bin gespannt, ob ich als Flaneur und Drifter mithalten kann.

Rolf Fischer, New York
Die Gegenüberstellung von bekannten New York Motiven früher und heute hat mich besonders berührt, weil die Fotos der heutigen Ansichten sehr bodenständig sind, nicht die super perfekten überwältigenden Metropolen-Perspektiven, sondern Bilder bei denen ich dachte, dass ich sie auch hätte aufnehmen können, aber wie das Leben spielt, ist mir Rolf Fischer zuvorgekommen. Zurecht. Ein Wohlfühlbildband.

Slaves & Peace
Die Musik-Gruppen Slaves und Peace kannte ich bis gestern Morgen überhaupt nicht. Peace – Happy People, neue „Hippie-Mucke“ habe ich gleich abends auflegen und genießen können. Slaves – Are you satisfied kommen gleich noch dran. New Punk. Dreht sich. Passt!

Fargo
Fargo hatte ich gesehen als Filme noch auf Video-Kassetten in die Geschäfte kamen. Es war meine erste Bekanntschaft mit den Coen-Brothers – heute bin ich Fan und freue mich auf Season 1 der TV-Staffel. Es muss ein Leben neben oder jenseits von Braking Bad geben.

Einladung zur Autorenlesung am 23. Oktober in der Galerie Eifel Kunst: Ulrike Schelhove, Seelentote

ulrikeschelhove
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Galerie Eifel Kunst,

ich darf Sie/Euch herzlich zu einer Autorenlesung am 23. Oktober 2016 in die Galerie Eifel Kunst einladen. Ulrike Schelhove wird aus ihrem neusten Werk „Seelentote“ lesen.

Im Mittelpunkt von Ulrike Schelhoves Buch „Seelentote“ steht die fiktive Geschichte um zwei unbegleitete minderjährige Geschwister aus Syrien, deren Eltern auf der Flucht gestorben sind. Mit Hilfe von Schleppern haben sie sich über das Mittelmeer bis nach Deutschland durchgeschlagen. Vom Jugendamt werden sie schließlich in einer Gastfamilie untergebracht. Doch Leyla und Amar kommen auch in der Eifel nicht zur Ruhe.

Auch wenn das Buch nur eine erfundene Geschichte ist, so stellt es doch dar, wie die heftig die Reaktionen mancher Menschen auf Geflüchtete sind. Vielleicht kann Ulrike Schelhove mit ihrem Buch Seelentote mithelfen, dass Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit gegenüber asylsuchenden Menschen abgebaut werden und Flüchtlinge nicht als Bedrohung sondern als Bereicherung gesehen werden.

Ulrike Schelhove ist 41 Jahre alt, lebt mit ihrem Mann und ihren drei Jungen in Kall in der Eifel. Sie schreibt Bücher für Erwachsene und Kinder. Schelhove hat einige Jahre als freie Mitarbeiterin für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet und das Handwerk des Schreibens an der Fernakademie Hamburg weiter vertieft.

Die Lesung findet am Sonntag, dem 23. Oktober 2016 um 15 Uhr in der Galerie Eifel Kunst, Schleidener Straße 1, 53937 Gemünd statt.

Der Eintritt ist frei.

Mit freundlichen Grüßen

Marita Rauchberger

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Galerie Eifel Kunst/Eifeler Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt
www.eifel-kunst.de

Kleine Blogpause IV: am Wasser, bei Theodor Heuss und bei Tschick

So sieht es aus, zumindest zeitweise (foto: zoom)
So sieht es aus, zumindest zeitweise (foto: zoom)
Am Wasser fühle ich mich immer wohl. Blogpause hält. Immer noch keinen eigenen Beitrag geschrieben.

Stattdessen Schwimmen im Lübecker Zentralbad, Tschick im Kino gesehen und im Willy-Brandt-Haus eine kleine Theodor Heuss Sonderausstellung angeschaut.

Mehr schreibe ich jetzt nicht, denn es ist Blogpause.

Vielleicht nur eine Sache: Guckt euch Tschick an. Fatih Akin hat Wolfgang Herrndorfs Buch kurzweilig und auf den Punkt verfilmt.

Bester Road-Movie seit langem für alle, die sich der Pubertät immer noch verbunden fühlen.

Politisch alle Male.

Alles, was Eltern wissen müssen: das 1×1 des Schulerfolgs – ein Buch von Detlef Träbert, auch für Lehrerinnen und Lehrer geeignet.

Detlef Träbert hat einen Ratgeber geschrieben, den nicht nur Eltern lesen sollten. (bild: buchcover beltz verlag)
Detlef Träbert hat einen Ratgeber geschrieben, den nicht nur Eltern lesen sollten. (buchcover: beltz verlag)

Ich kenne Detlef Träbert schon seit vielen Jahren. Wir haben telefoniert und per Email diskutiert. Meist ging es um das System Schule und die ihm innewohnenden Widersprüche und Probleme.

Einige Bücher und Aphorismen von Detlef Träbert haben wir im Blog besprochen.

Detlef Träbert ist darüber hinaus Autor dieses Blogs.

Vor kurzem haben wir uns in Winterberg verpasst, wohin er in die Grundschule eingeladen worden war.

Jetzt wisst ihr Bescheid und kennt meine Befangenheit.

„Das 1×1 des Schulerfolgs“ ist eines von zwei Büchern über Schule, die ich dieses Jahr mit Gewinn gelesen habe. Das andere ist Heinz Bude, Bildungspanik.

Ich habe das neue Buch von Detlef Träbert sehr schnell lesen können, denn es ist in einem angenehm verständlichen, dabei aber niemals naiven Stil geschrieben. Mit der rötlichen Schrift auf weißem Grund habe ich mich als Schwarz-Weiß-Leser nach einer kurzen Schrecksekunde angefreundet.

„Das 1×1 des Schulerfolgs“ will „den Eltern helfen, Ängste zu verlieren und Gesicht zu gewinnen“[S. 9]. In 44 Kapiteln behandelt Träbert Fragen aus seiner Praxis und seinen Gesprächen als Elternberater. Träbert weiß, wovon er spricht und schreibt.

Die 44 kleinen Kapitel -einige werde ich gleich noch ansprechen- hat der Autor in vier Oberthemen einsortiert: Klassenzimmer, Pausenhof, Hausaufgaben und Schulwechsel.

Spontan nenne ich jeweils vier Themen, die mich besonders interessiert haben.

Klassenzimmer:

  • Wenn Noten ungerecht sind
  • Respekt auf beiden Seiten
  • Müssen Lehrer Kinder wirklich mögen?
  • Ab in die Ecke?

Pausenhof

  • Schülermobbing – die „kleine Gewalt“
  • Erziehung zur Selbstwirksamkeit
  • „Du Streber!“
  • Eltern sind keine Taxis

Hausaufgabe

  • Raus aus der Förderfalle
  • Abenteuer Lesen
  • Diktatur der Diktate
  • Gelassen zum Schulerfolg

Schulwechsel

  • Grundschüler unter Druck
  • Besser lernen in schönen Räumen
  • Ganztagsschule – auch für mein Kind?
  • Noten sind Nebensache

Allein die oben aufgezählten Überschriften reichen bei mir aus, eine kleine Assoziationskette in Gang zu setzen. Ich beginne, auch ohne den Autor, mir meine eigenen Gedanken zu machen. Träbert trifft.

Am Beispiel des knapp vierseitigen Kapitels „Wenn Noten ungerecht sind“ möchte ich die Herangehensweise von Detlef Träbert beschreiben.

Der Einstieg:

In einer schwäbischen Kleinstadt legte eine Realschülerin ihrem Kunstlehrer eine Zeichnung zur Beurteilung vor. Sie erhielt eine Drei dafür. Was der Lehrer nicht wusste: Die Zeichnung stammte von der Mutter des Mädchens, die sie ihm vor dreißig Jahren als seine Schülerin abgeliefert hatte. Damals hatte er das Bild mit einer Eins bewertet. Welche Note ist nun gerecht?[S.15]

Gibt es gerechte Noten?

So kann dieselbe Mathematikarbeit eines Schülers von dreißig verschiedenen Lehrern Noten zwischen Zwei und Fünf erhalten, wie ein Erziehungswissenschaftler schon vor Jahrzehnten feststellte. Selbst bei zentralen Abschlussprüfungen gibt es Unterschiede zwischen Erst- und Zweitkorrektor von bis zu drei Notenstufen.

Und jetzt?

Nicht die Lehrer sind das Problem, sondern die Vorstellung, Leistungen messen und mit exakten Zahlen bewerten zu können. Die Objektivität von Noten ist grundsätzlich begrenzt; sie haben einen eingebauten Messfehler. Aber Lehrer müssen benoten, weil darüber Abschlüsse und Qualifikationen zugeordnet werden.

Und weiter?

Lehrer haben einen pädagogischen Spielraum

Aber:

Widerspruch gegen Noten ist kein Tabu

Interessant bei Träbert ist nun, dass er versucht, im Interesse des Kindes, dabei auch auf Seiten der Eltern und mit Verständnis für die Lehrer, die Situation, den Konflikt, den Widerspruch aufzulösen.

Wenn dann alle Bemühungen nichts nützen, kann man als Eltern auch weitergehende Schritte einbeziehen.

Elternhaus und Schule sollen als Partner im gemeinsamen Interesse des Kindes zusammenwirken. Jede Konfrontation schadet dieser Partnerschaft. Aber wo es geboten ist, sollten Eltern juristische Schritte nicht scheuen, denn für Schulen in einer demokratischen Gesellschaft gelten die gleichen Rechtsgrundsätze wie für alle anderen Lebensbereiche.

Wer sollte das Buch lesen?

Eltern mit Kindern im Kindergartenalter kurz vor der Einschulung, Eltern von Grundschulkindern und auch Eltern der Sekundarstufe I, insbesondere 5./6. Klasse.

Außerdem Lehrerinnen und Lehrer, denn in fast jedem Kapitel spielen sie eine Rolle. Es ist kein bösartiger Spiegel, den ihnen Detlef Träbert vorhält, und es schadet nicht, hineinzusehen.

Mein Einstiegs-Tipp für LehrerInnen ist das allerletzte Kapitel: Eltern machen Schule. Das beginnt mit dem Elternabend.

Elternabende sind der – weithin unterschätzte – Klassiker unter den Mitwirkungsmöglichkeiten, die Mütter und Väter in der Schule haben.

»O nein, nicht schon wieder!«, stöhnt Rebekka Heim, als sie die Einladung zum Elternabend aus der Schultasche ihrer Tochter fischt. Sie hat noch die erste Sitzung vom Anfang des Schuljahres in Erinnerung – das peinliche Schweigen, als es um Vorschläge zur Wahl von Elternvertretern ging, die vielen Informationen, die ihr den Kopf schwirren ließen, und so manche Äußerung anderer Eltern, über die sie innerlich den Kopf schüttelte. Sie, eine erwachsene Frau und Mutter, berufstätig und mit guter Bildung, hatte Herzklopfen gehabt, als sie sich zu Wort melden wollte! Muss sie da wirklich wieder hin? Was Rebekka Heim nicht ahnt: Manche Lehrerinnen und Lehrer haben vor Elternabenden die gleichen unguten Gefühle. Auch für sie sind es zusätzliche Termine. Auch sie empfinden die vielen Formalien als lästig. Auch sie haben oftmals Angst vor Kritik oder gar persönlichen Angriffen. In der Lehrerausbildung lernt man nichts über Elternarbeit und Gesprächsführung. Trotzdem sind solche Veranstaltungen sinnvoll und wichtig – und natürlich können sie auch so durchgeführt werden, dass alle Beteiligten sie als hilfreich und bereichernd erleben. »Elternabend« ist übrigens ein zwar gebräuchlicher, aber nur inoffizieller Begriff für Klassenelternversammlungen, der in den Schulgesetzen und Erlassen der Bundesländer nicht vorkommt.

Dem, der mich persönlich kennt, sei gesagt, dass ich mein Exemplar des  „Das 1×1 des Schulerfolgs“ im Rucksack bei mir trage. Fragt mich, wenn ihr es durchblättern wollt.

Ansonsten empfehle ich euch/Ihnen den örtlichen Buchhändler. Der hat es genauso schnell oder sogar noch schneller als „Amazon & Co“.

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Detlef Träbert, Das 1×1 des Schulerfolgs, Weinheim 2016
http://www.traebert-materialien.de/pdf/Flyer-Bestellung-1×1.pdf

Platt wie eine Flunder … Blogpause

Vor dem großen Regen in Bigge (foto: zoom)
Vor dem großen Regen in Bigge (foto: zoom)
Die Zeitdiebe sind wieder unterwegs. Das Blog muss hintenanstehen.

Ein paar Themen hätte ich schon, aber die grauen Herren lassen das Schreiben nicht zu.

Ich sollte Momo erneut lesen und hoffen, dass dort ein Rezept gegen den Zeitdiebstahl verraten wird.

Bis dahin … Blogpause.

„Was sind gute Schulen?“ – Neues Grundlagenwerk in vier Bänden.

Vier Bände zum Thema: "Was sind gute Schulen?" (fotomontage: zoom)
Vier Bände zum Thema: „Was sind gute Schulen?“ (fotomontage: zoom)

Ich habe schon seit einiger Zeit auf der Website des Prolog-Verlags gestöbert und von dort auch Pressemitteilungen erhalten. Die Informationen haben mich stets erschlagen, obwohl mich die Themen sehr interessieren. Kurz vor dem Schulbeginn in NRW veröffentliche ich heute ein Interview mit Prof. Dr. Klaus Moegling[1], geführt von Monika Sprenger[2] zum Thema „Was sind gute Schulen?“.

Auch wenn das Interview eine Verlagsveröffentlichung, also PR ist, halte ich es inhaltlich für sehr lesenswert. Vielleicht kann die ein oder andere LehrerIn oder pädagogisch Interessierte dem Text etwas abgewinnen.

Prof. Dr. Klaus Moegling Redaktion von Schulpädagogik-heute (verantwortlich) (foto: moegling)
Prof. Dr. Klaus Moegling
Redaktion von Schulpädagogik-heute (verantwortlich) (foto: moegling)

Frage (Monika Sprenger): Sie haben mit Ihren Redaktionsteams ein vierbändiges Grundlagenwerk im Prolog-Verlag zur Frage „Was sind gute Schulen?“ herausgegeben. Was ist die zentrale Botschaft der vier Bände?

Klaus Moegling: Man könnte leichtfertig – aber auch nicht völlig falsch – sagen: In guten Schulen findet guter Unterricht statt. Jedoch muss sich die Beantwortung der Frage nach der Qualität von Schule vor einem zu flachen schulpädagogischen Populismus hüten. Erstens ist mit dieser Aussage noch nicht geklärt, was denn guter Unterricht überhaupt ist und zweitens kann es ja kein Zufall sein, dass sich in der einen Schule nur selten guter Unterricht vorfinden lässt und in der anderen Schule guter Unterricht der Regelfall ist.

Frage: Wie lässt sich dann diese Frage differenzierter beantworten?

K. M.: Die Sicht auf das jeweilige Gute an Schulen ist sehr relativ, hängt also im starken Maße von der historischen Situation und dem gesellschaftlichen Kontext ab. Hierbei kommen auch Betroffene und Beobachter jeweils zu unterschiedlichen Urteilen, was denn das Gute an einer Schule sei. Bei den einen ist dies vor allem die Einübung in gesellschaftliche Normen und Werte, bei anderen die solide Vermittlung der Naturwissenschaften oder die ästhetische Bildung und bei anderen wiederum die besondere Berücksichtigung des Menschen als Ganzen, also in seiner subjektiven Verfasstheit, was immer das auch sein mag.

Daher muss die eigene Sichtweise in Bezug auf das Gute an Schulen im Hinblick auf ihre erziehungswissenschaftlichen und schulpädagogischen Prämissen transparent werden: Die Sichtweise der Herausgeberteams der vier Bände geht von einem bildungstheoretisch begründeten Anspruch an Schulen und Unterricht in einer sich entwickelnden Gesellschaft mit demokratischem Selbstanspruch aus.

Eine gute Schule ist in diesem Sinne eine Bildungsinstitution, die Kinder und Jugendliche auf ein Leben vorbereitet, in dem der Einzelne seinen kompetenten Beitrag zur Lösung politischer, ökologischer, ökonomischer, kultureller, technischer, sozialer und natürlich auch persönlicher Probleme leisten kann. Für diesen Lernprozess, auch im Interesse der Schüler, ist es notwendig, dass sich die Lernenden in der Schule wohl fühlen, sich akzeptiert und geachtet wissen.

Eine gute Schule bietet also nicht nur in der Breite ihres Angebots einen kompetenzfördernden Unterricht sondern auch ein subjektfreundliches Lernmilieu im Rahmen einer entsprechenden Schulkultur an. Schüler lernen in einer solchen Schule gern und selbstbestimmt und erhalten von qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern vielfältige Anregungen zur Bildung im Sinne einer Initiierung zur Selbstbildung.

Oberstes Ziel dieses Bildungsverständnisses ist die Förderung von Mündigkeit im Sinne einer kritischen Selbstreflexions-, Urteils- und an Partizipation orientierten Handlungsfähigkeit, so dass hierdurch der gesellschaftliche Demokratieanspruch und die Qualität von Schule zusammenkommen.

Frage: Was ist das Neue an diesem Verständnis guter Schulen?

K. M.: Zunächst einmal: Etwas ist nicht dann erst gut, wenn es neu ist. Insbesondere die Bildungsreform der 70-er Jahre, Vorarbeiten z.B. von Rolff, v. Hentig, Tillmann und Klafki sind unbedingt bei der Konzipierung des Verständnisses guter Schulen zu beachten. So ist das hier vorliegende Verständnis guter Schulen auch deutlich an das Konzept demokratischer Leistungsschulen angelehnt und natürlich entsprechend weiterentwickelt.

Vorbildschulen gibt es auch mit der Laborschule Bielefeld oder dem Oberstufenkolleg Bielefeld oder anderen reformorientierten Schulen, z.B. die Blick-über-den-Zaun-Schulen oder die im Rahmen des Deutschen Schulpreises ausgezeichneten Schulen, von deren Entwicklung sich Innovatives lernen lässt.

Doch gibt es auch neue Herausforderungen, wie z.B. der Anspruch auf inklusive Bildung sowie die Alphabetisierung und Förderung von Migranten- bzw. Flüchtlingskindern, die pädagogische Gestaltung von Ganztagsschulen, neue zeitliche Strukturen oder die zumindest partielle Auflösung der Fächergrenzen, die zu veränderten institutionellen Lösungen herausfordern. Hier gibt es in den vier Bänden zahlreiche Modelle und praktische Anregungen, wie eine Schule hierauf sinnvoll reagieren kann.

Frage: Welche Entwicklungsschritte müssen in diesem Sinne Schulen hin zur guten Schule durchlaufen?

K. M.: Zunächst ist ein Blick in das kooperative Innenleben einer Schule zu richten. Eine zentrale Bedingung einer positiven Entwicklung von Schulqualität ist das professionelle Zusammenwirken von Schulleitung und Kollegium im Rahmen einer an institutioneller

Weiterentwicklung interessierten Kooperationskultur. Qualifizierter Unterricht in der Breite, im Rahmen dessen sorgfältig diagnostiziert und binnendifferenziert gefördert wird, sowie ein gut abgestimmtes Wechselspiel von unterrichtlichen und außerunterrichtlichen schulischen Angeboten hängt mit einer positiven Entwicklung in der Kooperationskultur zusammen. Der Beitrag von Massenkeil/ Rothland im ersten Teilband der vier Bände bietet hier einen umfassenden Überblick und eine Systematisierung bisheriger Befunde. Im dritten Teilband, dem Forschungsband, finden sich weitere eigenständige Untersuchungen zur schulischen Kooperationskultur.

Im ersten Schritt muss also zunächst einmal an dem Verhältnis von Schulleitung und Kollegium gearbeitet werden. In einem zweiten Schritt sind die Lernenden und die Eltern in die Kooperation partizipatorisch einzubeziehen. In einem dritten Schritt sind die Kooperationsbeziehungen nach außen, also z.B. zur Bildungsverwaltung, regionaler Schulverbünde oder z.B. zu einheimischen Betrieben zu stärken und zu nutzen.

Gegenstand dieser Kooperation könnten die Fragen nach der konzeptionellen und schulprogrammatischen Weiterentwicklung der Schule und die Organisation von konkreten Schritten innerhalb dieser Konzeption sein, wie z.B. Epochalunterricht, Zusammenspiel von Lehrgängen und Projekten, Zusammenwirken von Unterricht und informellen Lernprozessen, das Verhältnis von Anspannung und Entspannung, das Zusammenspiel der verschiedenen Fächer beim Lernen, Berufsorientierung und Einbezug von Experten, Deutsch als Zweitsprache für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund oder Aspekte der Inklusion im engeren und im erweiterten Sinne.

Der zweite Band gibt hier zahlreiche Beispiele, wie dies umgesetzt werden kann. Der vierte Band mit dem besonderen Schwerpunkt auf der Qualität von Ganztagsschulen macht hierüberhinaus deutlich, wie unter zeitlich günstigeren Bedingungen einer gebundenen Ganztagsschule Hausaufgaben sinnvoll betreut werden können, Bewegung, Sport und Spiel integriert werden können sowie soziales Lernen auf günstigere Bedingungen stößt.

Frage: Ist denn die gegenwärtige Lehrerbildung geeignet, einen Professionalisierungsprozess anzulegen und zukünftig ein hierfür qualifiziertes pädagogisches Personal hervorzubringen, so dass guten Schulen auch ausreichend entsprechende Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung stehen?

K. M.: Die Lehrerbildung in den verschiedenen Bundesländern ist tatsächlich ein großes Problem. Die Qualität und die Konzeptionen sind von Bundesland zu Bundesland, von Universität zu Universität ja sogar von Fachbereich zu Fachbereich innerhalb einer Universität – trotz KMK- und HRK-Beschlüssen – sehr unterschiedlich. Auch ist der Bologna-Prozess für die Lehrerbildung z.T. in Ansätzen stecken geblieben, z.B. in Hessen oder sogar zurück entwickelt worden, z.B. in Sachsen. Die verschiedenen Phasen, wie universitäre Ausbildungsphase, Vorbereitungsdienst und Fort- und Weiterbildung, sind hier voneinander systemisch getrennt, Theorie, Forschung und Praxis haben nur vereinzelt Kontakt zueinander. Die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer werden in solchen Fällen also nur unbefriedigend auf ihre schulische Tätigkeit vorbereitet.

Frage: Gibt es denn auch positive Beispiele für gelungene Ansätze in der Lehrerbildung?

K. M.: In NRW beispielsweise oder in Hamburg und Rheinland-Pfalz gibt es vielversprechende Versuche, die ersten beiden Phasen der Lehrerbildung stärker zu integrieren, indem die umfangreichen Erfahrungen der Fachleiter/innen bzw. der Studienseminare in die Betreuung, Beratung und Reflexion von zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern bereits in der universitären Phase der Lehrerbildung nutzbar gemacht werden. Gleichzeitig bleibt über den Kontakt zur Universität das Personal der Studienseminare bzw. der Pädagogischen Ausbildungszentren anschlussfähig an die aktuelle Entwicklung des wissenschaftlichen Diskurses.

Diese Schritte gilt es im Sinne einer Theorie-Forschung-Praxis-integrierten Lehrerbildung mit dem Ziel der Entwicklung und der Unterstützung von Schulqualität weiterzugehen.

Auch könnte eine gestufte Studiengangstruktur, die zur Zeit z.B. noch in Bayern, Hessen und Sachsen weitgehend aussteht, dabei helfen, nach dem Bachelor of Education noch einmal die Berufswahlentscheidung genau zu überprüfen und eventuell einen alternativen Weg der Professionalisierung zu gehen. Das Masterstudium sollte dann die fachdidaktische Vertiefung, die schulpädagogische Spezialisierung und ein Praxissemester zum Inhalt haben.

Hierbei muss dem Praxissemester ein systematischer Aufbau gut betreuter schulpraktischer Studien im BA vorausgehen.

Auch eine entlastete Berufseinstiegsphase könnte helfen, über das Angebot von Supervision, Team-Teaching und kollegialer Fallberatung sowie weitere professionelle Spezialisierungen beizutragen, dass Impulse der bisherigen Ausbildung nicht unter dem Druck einer vollen Stelle versiegen.

Die meisten Lehrerinnen und Lehrer sind natürlich schon im Schuldienst. Hier müsste der Ressourcenabbau in den meisten Bundesländern gestoppt werden, so dass eine u.a. von den Universitäten und den Institutionen der Vorbereitungsphase zu leistende Fort- und Weiterbildung für das bereits eingestellte Personal angeboten wird. Am effektivsten ist dies wieder in der Vermittlung von Theorie, Forschung und Praxis, am besten ausgehend und begleitend zu eigenem Unterricht der Kolleginnen und Kollegen.

Wenn derartige entschieden angepackte Reformen der Lehrerbildung vorgenommen werden, können am ehesten gut professionalisierte Lehrerinnen und Lehrer einen konstruktiven und andauernden Beitrag zur Weiterentwicklung zur guten Schule leisten.

Mein eigener Beitrag zur Reform der Lehrerbildung im ersten Teilband führt dies weitergehender aus („Gute Schulen benötigen eine gute Lehrerbildung“).

Frage: Wie sind die vier Bände „Was sind gute Schulen?“ aufgeteilt und was sind ihre inhaltlichen Schwerpunkte?

K. M.: Der erste Band (Schriftenreihe Theorie und Praxis der Schulpädagogik, Band 35) gibt eine theoretische Einführung, bietet mehrere grundlegende Artikel von erfahrenen Schulpädagogen und Erziehungswissenschaftlern zu Fragen der Schulqualität. Neben dem grundlegenden Einführungsbeitrag finden sich hier u.a. Beiträge von Prof. Jörg Schlömerkemper (Universität Frankfurt), Prof. Rudolf Messner (Universität Kassel) und Prof. Robert Schneider (Pädagogische Hochschule Salzburg) zu grundsätzlichen erziehungswissenschaftlichen Überlegungen zur Qualität guter Schulen. Anschließend werden in einem zweiten Teil dieses Bandes grundlegende Fragen zur Entwicklung von Schulqualität z.T. durchaus mit unterschiedlichen Einschätzungen kontrovers diskutiert. Hervorzuheben ist auch das E-Mail-Interview mit Prof. Jürgen Oelkers (Universität Zürich), das einen anderen methodischen Zugang zur Frage nach der Qualität von Schule bietet: „‘Gute Schulen‘ der Zukunft: ‚Ich würde die Hausaufgaben abschaffen ebenso wie das Sitzenbleiben‘.“

Nach diesem unverzichtbaren theoretischen Einstieg bietet der zweite Band (Band 36) zahlreiche schul- und unterrichtspraktische Beispiele und Anregungen für Profile, systemische Strukturen, Szenarien und Unterrichtssettings in guten Schulen. Hierbei ist anzumerken, dass sowohl Schulen im deutschsprachigen Raum als auch Modellschulen aus anderen Ländern und Erdteilen im Hinblick auf ihre systemische Leistungsfähigkeit vorgestellt werden.

Es wird weltweit an der Qualität von Schule gearbeitet und es gilt im globalen Kontext voneinander zu lernen. Es wäre eine Form westlicher Arroganz zu glauben, nur in Europa oder in Nordamerika gäbe es spannende Schulversuche. Daher werden hier auch Schulbeispiele aus Indien, Israel, Ecuador und Kenia vorgestellt.

Der dritte Band (Band 37) stellt aktuelle Forschungsergebnisse zur Qualität von Schule vor. Hierbei werden die empirischen Daten adressatenorientiert und gut verständlich dargestellt. Auch werden Einseitigkeiten vermieden und sowohl quantitative als auch qualitative sowie triangulativ ermittelte Ergebnisse präsentiert.

Es ist zu wünschen, dass nicht nur Forscher diesen Band lesen werden sondern auch möglichst viele Lehrerinnen und Lehrer, damit die Praxis in den Schulen anschlussfähig an die wissenschaftliche Forschung bleibt bzw. Forscher auch ein Feedback aus der Praxis erhalten.

Der vierte Band (Band 38) fokussiert nun insbesondere die Ganztagsschulen als sich zunehmend entwickelnde und verbreitende Schulform. Inzwischen sind z.B. in Deutschland bereits 60% der Schulen Ganztagsschulen, allerdings mit unterschiedlichen Verbindlichkeiten für das Ganztagsangebot.

In diesem vierten Band werden jeweils zu einem ausgewählten Themenkomplex Theorie, Forschung und Praxis miteinander verbunden, z.B. zur Frage der zeitlichen Rhythmisierung der Ganztagsschule, zur Frage des Verhältnisses von Pflicht- und Wahlunterricht sowie informellen Lernzeiten, zur Frage nach den Bedingungen für soziales Lernen, zur Frage der Hausaufgabenbetreuung und Aufgabenorientierung oder zur Qualität der Bewegten Ganztagsschule.

Frage: In welcher Reihenfolge sollten die Bände am besten gelesen werden? Gibt es prioritäre Beiträge?

K. M.: Das muss natürlich jeder selbst entscheiden. Aus dem Überblick über die vier Bände heraus würde ich allerdings empfehlen, zuerst den grundlegenden, ca. 30-seitigen Einführungsbeitrag im ersten Teilband (Band 35 der Schriftenreihe) zu lesen: „Was sind gute Schulen? Eine Einführung zu einer schwer zu beantwortenden Frage“ (Moegling/ Hadeler/ Hund-Göschel). Arbeitet der/ die lesende/r Kollege/in an einer Ganztagsschule, würde ich natürlich im zweiten Schritt den Beitrag von Fischer/ Kuhn/ Tillack im vierten Teilband (Band 38) lesen: „Warum können Ganztagsschulen besonders gute Schulen sein? – Spezifische Qualitätsmerkmale der Ganztagsschule“.

Die weitere Vorgehensweise dürfte sich daran orientieren, ob eher ein Forschungsinteresse (dritter Teilband, Band 37), ein praktisches Interesse (zweiter Teilband, Band 36) oder ein Wunsch nach theoretischer Vertiefung vorliegt (erster Teilband, Band 35).

Im Forschungsband finden sich hochinteressante Ergebnisse zu Leistungsüberprüfungen, zur Beziehung zwischen Schülern und Lehrern, zur Kooperationskultur und zur guten Schule aus der Sicht von Schülern und Lehrern. Hier kann man je nach Interessensschwerpunkt die gut gebündelten Themenkomplexe ansteuern.

Im Praxisband finden sich so viele interessante Beiträge zu Schulprofilen und Schulversuchen im nationalen und internationalen Kontext, dass man einfach den Band von vorn nach hinten durchstöbern und lesen sollte.

Frage: Woher ist der Impuls zu dem vierbändigen Grundlagenwerk mit ca. 1050 Seiten gekommen – also die Frage nach dem Entstehungsprozess?

K. M.: Die Beiträge der vier Herausgeberbände sind auf der Basis der bis vor kurzem noch online gestandenen Ausgabe der Online-Zeitschrift www.schulpaedagogik-heute.de entstanden und z.T. erheblich weiterentwickelt, überarbeitet und mit neuen Beiträgen ergänzt worden. Es sind über 100 Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Ländern beteiligt und die nun neuen vorliegenden Bände sind Ausdruck einer intensiven dreijährigen Vorbereitungszeit.

Die Forschungsbeiträge wurden einem Peer-Review-Verfahren (zwei Gutachter/innen, double-blind-Verfahren) unterzogen. Die weiteren Beiträge wurden sorgfältig redaktionell und im Herausgeberteam diskutiert und geprüft.

Dieses vierbändige Werk ist so angelegt, dass es zu einem aktuellen Grundlagenwerk in allen drei Phasen der Lehrerbildung werden, aber auch interessierten Eltern helfen kann, sich tiefergehend über heutige Qualitätsmaßstäbe für Schulen zu informieren.

Frage: Wie kann man die vier Bände erhalten?

K. M.: Die Bände können am leichtesten per E-Mail (info@prolog-verlag.de) beim Verlag unter Nennung der Bandzählung bestellt werden (Schriftenreihe Theorie und Praxis der Schulpädagogik: Bände 35-38). Auch die Online-Bestellung über die Verlagshomepage www.prolog-verlag.de ist leicht möglich. Ansonsten können die Bände natürlich auch über Amazon oder über den Buchhandel bezogen werden.

Es lohnt sich auch, einmal die gesamte Schriftenreihe „Theorie und Praxis der Schulpädagogik“ mit ihren inzwischen 38 publizierten Bänden auf www.prolog-verlag.de durchzusehen. Hier sind alle großen schulpädagogischen Themen, wie z.B. Kompetenzorientierung, Diagnostik und Förderung, Binnendifferenzierung, forschendes Lernen, Inklusion, Lernen und Geschlecht, digitale Medien, außerschulische Lernorte, Beziehungen oder fächerübergreifendes Lernen Theorie-Forschung-Praxis-integriert aufbereitet. Insgesamt ist diese Reihe auf 40 Bände konzipiert und liegt dann als abgeschlossenes schulpädagogisches Gesamtwerk vor. Die Reihe wird von Prof. Dr. Dorit Bosse (Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Kassel) und mir in einem sich dann über ein Jahrzehnt hinweg erstreckenden Kooperationsprozess mit großen Teilen der deutschsprachigen Schulpädagogik und Erziehungswissenschaft herausgegeben.

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[1] Prof. Dr. Klaus Moegling
Redaktion von Schulpädagogik-heute (verantwortlich), pädagogische und wissenschaftliche Arbeit in Schule, Universität, Studienseminar und Fortbildung, Habilitationen in Sportwissenschaften (Universität Hamburg) und in Politikwissenschaften (Universität Frankfurt), Privatdozent und apl. Professur an der Universität Marburg, seit 2008 apl. Professur am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel, Lektorat Prolog-Verlag

[2] Monika Sprenger ist Lehrerin mit dem Schwerpunkt auf dem naturwissenschaftlichen Bereich in der Sekundarstufe I an einer Schule in Starnberg (Bayern)