Ab durch den Wald: von Winterberg nach Siedlinghausen

Die Schneekanonen haben in der kurzen Kälteperiode ganze Arbeit geleistet. Bei leichten Plusgraden wurde heute am Rauhen Busch meist Niederländisch gesprochen. (foto: zoom)

Man soll stets das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Heute habe ich meinen „Ältesten“ zur Toyota-Werkstatt in Winterberg gefahren. Er hat nach über 20 Jahren schon einmal „Dit und Dat“.

Wie dem auch sei, hatte mir der Wetterbericht trockenes Wetter und Temperaturen über Null vorhergesagt, zwar ohne Sonnenschein, aber ideal zum „Wandern“.

Disclaimer: ich weiß nie, ob ich meine bummelnde Fortbewegung durch den Sauerländer Wald derart sportlich bezeichnen sollte.

„Gehen“ träfe es ebenfalls.

Seit 2006 ein offizielles Naturdenkmal – die über 200 Jahre alte Buche am Rauhen Busch. (foto: zoom)

Streckenbeschreibung: Autohaus Pöllmann in der Remmeswiese, Skilift Rauher Busch, Golfplatz, Minenplätze, Marktplätze, Ennert und ab nach Hause.

Überall stehen geblieben. Geguckt, geknipst und im Laufe der Strecke zwei „Dubbels“ mit Käse gegessen.

Auf dem Golfplatz war nichts los. Die Gaststätte öffnet laut Aushang erst wieder im Frühjahr.  Kein Kaffee. So blieb mir nur der flache Golfer an der Einfahrt zu Shop und Restauration.

Ein einsamer Flachkamerad am Eingang zum Golfplatz (foto: zoom)

Zwei Stunden lang sind mir keine Menschen begegnet, die Schuhe knirschten in der dünnen pappigen Schneeauflage. Ohne Wasserspeicher und Schneekanonen wäre heute kein Wintersport möglich gewesen. Bis Weihnachten bleibt es wohl bei Plusgraden und Regen.

Eine Wärmeperiode bis Silvester ist jedenfalls nicht ungewöhnlich. Danach darf nichts mehr schief gehen, denn die Marke „Winterberg“ hängt vom Schnee ab.

An der Technik wird es nicht scheitern.

Die Abwärtsspirale der Deutschen Bahn hat uns nach Willingen geführt

Der Bahnhof in Willingen hat sich für uns zum Anker nach Osten entwickelt. (foto: zoom)

Seit die Deutsche Bahn sich in einer beschleunigenden Abwärtsspirale -Unpünktlichkeit, Zugausfälle, Streckenschäden- befindet, ist der kleine Bahnhof Willingen im hessischen Upland für uns zum Tor nach Kassel geworden.

Zu oft sind auf der Ruhrschiene Richtung Warburg mit Umstieg nach Kassel die Züge ausgefallen oder waren verspätet, so dass wir unsere Anschlüsse nicht erreichen konnten. Die Gründe waren vielfältig: kein Grund genannt, kein Personal, betriebsbedingte Störungen, Personen im Gleisbett etc.

Das Resultat war stets Stress bei stolzen Preisen im Nahverkehr, wo die Bahncard nichts gilt.

Ich habe einige Freunde und Kollegen, die die Bahn regelrecht hassen. Stets habe ich dagegen argumentiert: umweltfreundlich, kein Stress auf der Autobahn, lesend und entspannt die Landschaft genießen.

Vergesst es! Teuer, unzuverlässig, unpünktlich, privatisiert und heruntergewirtschaftet.

Zuverlässig waren stets die Preiserhöhungen und die kaputten Toiletten. Dritte Welt.

Vor über 40 Jahren haben wir davon geträumt, wie die Bahn sich mit dem Nahverkehr und dem Radverkehr vernetzt. Alles schien möglich.

Jahrzehnte sind vergangen. Alles ist teuer. Alles zerfällt. Die Bahn ist im Arsch.

Sorry! Dieser Hass 🙁

Winterberg-Siedlinghausen: Bahnhof des Jahres 2018

Schon aus der Ferne lädt der Bahnhof Siedlinghausen zum Verweilen ein. (foto: zoom)

Weil in diesem Jahr der Hauptbahnhof Winterberg den Preis „Bahnhof des Jahres 2018“ abgestaubt hat, möchte ich daran erinnern, dass auch die Bahnhöfe Winterberg-Siedlinghausen und Winterberg-Silbach einen Preis verdienen sollten, denn sie stellen einen nicht unwesentlichen Teil des Gesamtensembles „Winterberger Bahnhofslandschaft“ dar.

Als langjähriger, fast schon jahrzehntelanger, Einwohner des Winterberger Ortsteils Siedlinghausen, schlage ich meinen Bahnhof als „Schienenschrottimmobilie des Jahres 2018“ vor.

Begründung: Der Bahnhof Siedlinghausen war auch bislang schon ein Objekt ausgesprochener Hässlichkeit und Dysfunktionalität, doch mit den neuen baulichen Erweiterungen und den architektonischen Verschlankungen  schlägt er den Bahnhof Schwerte oder Duisburg um Längen.

Modisches Gedöns wie Barrierefreiheit ist nun konsequent geschliffen.

Rollstuhlfahrer*innen – Nein Danke!

Der imposante Rindenmulchberg verkörpert einerseits symbolisch und mit physischer Wucht die heimische Holzwirtschaft, andererseits dürfen sich auch Autofahrer dem maroden Bahnhof nicht mehr nähern.

Der Regenunterstand mit Sitzbank über dem Ticketautomaten wurde endlich abgebaut. Der Reisende/die Reisende muss sich heute nicht mehr über das undichte,  tropfende Dach ärgern. Das war gestern.

Der Weg zum Ticket ist konsequent durch Zäune gesichert. Niemand kann mehr nach links oder rechts abweichen und versehentlich in das Bahnhofsgebäude eindringen.

Nicht links, nicht rechts, sondern geradeaus wird der Kunde mit Zäunen zum Ticket geführt. (foto: zoom)

Die Siedlinghäuser Hausbesetzerszene steht vor dem Zaun, also vor dem Aus.

Wer in Siedlinghausen aussteigen will, muss bei der Anfahrt auf den Bahnhof rechtzeitig im Zug den roten Knopf „Bedarfshalt“ finden und drücken.

„Bedarfshalt“ heißt nicht, dass, weil die Zugtoiletten auf unserer Strecke meist defekt sind, man/frau in Siedlinghausen sein Bedürfnis verrichten dürfte.

Es gibt selbstverständlich, entsprechend dem Standard der Deutschen Bahn, keine öffentlichen Toiletten an der „Schienenschrottimmobile des Jahres 2018“.

Bitte nominiert Siedlinghausen! Die Formalien können bei der Allianz pro Schiene online erledigt werden. Ich bin optimistisch. Heimatliebe. Beim Hauptbahnhof Winterberg hat es doch auch geklappt. Woll!?

Pinkeln am Zaun sowie auf dem Mulchhaufen verboten!

Siedlinghäuser Dreiklang: Zaun, Mulch, Bahnhof (foto: zoom)

Der Hennesee und das Einkaufscenter

Am Hennesee klarte das trübe Wetter kurz auf. Das Staubecken ist nach der langen Trockenperiode kaum gefüllt. Die Fähre liegt weit unterhalb des asphaltierten Zuwegs (foto: zoom)

Bei echtem „Sauwetter“ mussten wir unserem Besuch aus dem Norden das Sauerland zeigen. Was tun?

Der Plan war: Schwimmen im Aqua Olsberg, Regenspaziergang auf dem Staudamm des Hennesees, Inspektion des neuen Einkaufscenters in Meschede, Bummel durch die Fußgängerzone, Kaffee im Café, die Dunkelheit abwarten und im Landgasthof Albers (Bödefeld) zu Abend essen.

Das Wasser ist weg, die Pegel stehen frei am Ufer. (foto: zoom)

Mehr konnten wir beim besten Willen aus dem trüben Regentag nicht herausholen.

Mit eiserner Disziplin haben wir den Plan umgesetzt.

Aus allen kleinen Beobachtungen greife ich mir unsere Besichtigung des neuen Einkaufscenters in Meschede, welches Mitte November eröffnet worden ist, heraus.

Kurz: Ich hatte etwas anderes erwartet.

Der „Schiffsbug“ des neuen Einkaufscenters samt Stadthalle in Meschede sieht imposant aus. (foto: zoom)

Ich habe drei große Läden (Klamotten, Schuhe, Drogerie) gezählt. Diese ragen wie Schläuche in das Gebäude hinein. Sie sind untereinander nicht verbunden.

Vorne rein in den Schlauch(-laden) – vorne raus aus dem Schlauch(-laden) und rein in den nächsten Schlauch. Der Klamottenladen erstreckt sich über zwei Etagen, die durch eine Rolltreppe miteinander verbunden sind.

Erwartet hatte ich eine Galerie mit einem Innenraum, ähnlich anderer Einkaufsgalerien in Dortmund, Oberhausen, Kassel, Dinslaken usw., nur kleiner, also etwa die Größenordnung der Galerie in Dinslaken, für die das dortige „Hertie-Kaufhaus“ komplett abgerissen worden war.

Besonders anfreunden konnte ich mich mit dem neuen Center nicht, aber ich bin auch nicht als großer „Shopping-Liebhaber“ bekannt, eher als ein Einkaufsmuffel.

Es wird an einigen Ecken noch gebaut, das Fitness-Center und der „Kult“-Laden sind noch nicht eröffnet. Das Gebäude machte auf mich einen unfertigen Eindruck.

Der „Henne-Ruhr-Markt“ als neuer Einkaufsmagnet für Meschede? Bin gespannt.

Unserem Besuch aus dem Norden hat die kleine Sauerländer Besichtigungstour gut gefallen, und wir haben bewiesen, dass wir jedenfalls eines auch können:

Hamburger Schietwetter!

Souvenirs from Hamburg: viele Eindrücke, einige Bilder und eine fette Erkältung

Psychedelisch oder die 100 Augen der Schlange Kaa: Verner Pantons Kantine für das SPIEGEL-Verlagsgebäude – ein Designklassiker der 1960er Jahre. Zum Vergrößern aufs Bild klicken. (foto: zoom)

Mit einem kleinen Schnupfen nach Hamburg gefahren, mit einer großen Erkältung zurückgekommen. Der Matratzengruft entkommen, auf dem Wege der Besserung, sortiere ich meine Eindrücke und Bilder.

Das „Programm“ reichte vom „Pop und Protest 68“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe bis zur Abschiedsvorstellung von Henning Venskes „Summa Summarum“ auf der Kabarett-Bühne von „Alma Hoppe“; vom Bummel über den DOM zu Streifzügen durch das Karo- und Schanzenviertel. Auf der Suche nach Graffiti ließen wir uns durch die Straßen von St. Pauli treiben.

Außerdem … ach, das wird jetzt zu viel. Ich belasse es vorerst dabei und berichte über etwas Nebensächliches: die ehemalige Kantine im SPIEGEL-Verlagsgebäude.

Aus der Beschreibung des Museums auf einer Wandtafel:

„1968 beauftragt der SPIEGEL-Verlag den dänischen Architekten und Designer Verner Panton mit der Innenausstattung des neuen Verlagsgebäudes in Hamburg.

Panton dekliniert die Farbskala des Regenbogens stockwerkweise durch: Konsequent gestaltet er alles einheitlich in jeweils einem Ton – von der Wandfarbe bis zum Aschenbecher.

Die Reaktion der Mitarbeiter ist gespalten: Die einen sind begeistert von der Modernität der Einrichtung, die andern hadern mit ihrer Umgebung und kreieren immer neue Wortschöpfungen für die ungewöhnliche Raumgestaltung. Im Laufe der Jahre allerdings werden die Farben der Redaktionsräume [im Original „Reaktionsräume“] und Konferenzzimmer weiß übermalt, einerseits, weil sich der Geschmack ändert, andererseits, weil sich so mancher Mitarbeiter nie wirklich mit „seiner Farbe“ hat anfreunden können.

Allein die Kantine bleibt vor Eingriffen verschont. Hier wird nur ersetzt, was abgenutzt oder beschädigt ist.

2008 stellt die Hamburger Denkmalschutzbehörde den Raum als letztes noch verbliebenes Element des Gesamtkunstwerkes unter Denkmalschutz.

2011 – anlässlich des Umzugs des SPIEGEL an die Ericusspitze – werden Mobiliar, Leuchten, Vorhänge, Teppich, Decken- und Wandverkleidung ab – und als Schenkung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg wieder aufgebaut.“

Wir haben eine Weile in dieser Kantine gesessen und Farben sowie Design auf uns wirken lassen: unruhig, verstörend, nervös. Ich frage mich, ob ich es 1968 genauso gefühlt hätte.

Vielleicht nicht, denn – so meine laienhafte Meinung – während wir heute von Außenreizen geflutet werden, war die damalige Zeit „ärmer“ an optischen und anderen medialen Reizen. These: was heute abstoßend wirkt, wurde damals aufgesogen. Es war die Zeit als die „Reizsenke“ sich schlagartig zu füllen begann.

Vorsicht! Familienausflüge können happy machen.

Auf dem Weg zum Karo- und Schanzenviertel wuselten wir uns durch den Dom. (foto: zoom)

Die Reiselust und das Heimweh haben uns wieder einmal nach Hamburg getrieben.

Der Zug war erstaunlich pünktlich, die Karten für Henning Venske samt Buch für die Widmung liegen bereit.

Morgen ist der große Schwimm-, Museums- und Kabarett-Tag.

Gute Nacht!

Pausenbild: Lippstadt

Eisenbahnbrücke über die Lippe (foto: zoom)

Der Samstag war grau, trübe. Kein Fotowetter. Ohne Sonne waren die herbstbunten Blätter der Laubbäume im „Grünen Winkel“, dem Park an der Lippe, fahl. Ich war zum ersten Mal in Lippstadt.

Die alte Eisenbahnbrücke über die Lippe führt Richtung Autoteilehersteller HELLA GmbH & Co. KGaA. Dort habe ich mein Fotomotiv gefunden. Ein Jogger, bemerkte mich und sagte zu seiner ebenfalls joggenden Begleiterin: „Hier stehen sie oft mit der Kamera.“

Also doch nur ein Allerweltsfoto bei Allerweltswetter.

Ich habe gelernt, dass Lippstadt auf der Römer-Lippe Radroute liegt. Dieser Radfernweg verläuft zwischen Detmold und Xanten. Mit dem Rad sollte man/frau besser von Xanten nach Detmold fahren. Oder wie der Wind weht.

Gerade in ebenen Gebieten entscheidet der Gegenwind alles, und so spricht vieles für die West-Ost Richtung.

Die Stadt selbst erschien mir wie eines der üblichen Mittelzentren. Der Kern hat allerdings noch viele alte hübsche Gebäude, das Stadtzentrum lädt zum Schlendern ein. Auch bei trübem Wetter saßen viele Menschen draußen, vor Kneipen und Cafés.

Resumee: Das Städtchen Lippstadt werde ich mir auch ein zweites Mal anschauen, denn hinter die Kulissen konnte ich am Samstag nicht schauen.

Pausenbild mit Stausee in Olsberg und ein kleiner Rant über die nachhaltige Ferienwelt Winterberg.

Mit dem Rad auf dem Weg zurück von der Arbeit am Stausee in Olsberg (foto: zoom)

Das Jahr 2018 wird mir unheimlich. Woche für Woche, Tag für Tag fahre ich immer noch mit dem Rad zur Arbeit.

Es ist November. Die Temperaturen sind spätsommerlich. Die Luft ist klar. Schon vor einem Monat hatte ich mental mit der Radsaison abgeschlossen, aber es geht weiter und weiter und weiter …

Der Stausee in Olsberg ist wegen der anhaltenden Trockenheit nur noch eine große Pfütze. Die Wasservögel müssen nicht mehr schwimmen. Die Fischreiher stehen im Schlick.

Mal angenommen die Trockenheit hielte an, und die Winterkälte käme. Gäbe es dann genug Wasser für die Schneekanonen in Winterberg? Oder müsste das Trinkwassernetz in besonderem Maße angezapft werden?

Die Pistenpräparation kostet Energie und Wasser. Ressourcen werden genutzt, um den Skitourismus am Laufen zu halten und die Wintersportler nach Winterberg zu locken.

Und sie werden kommen und an Winterwochenenden in kilometerlangen Staus auf der B 480 stehen und die Ausweichrouten verstopfen. Der Verkehrsfunk wird es melden.

Trotz alledem will sich Winterberg als „nachhaltig“ zertifizieren lassen und rechnet mit Schmetterlingen, E-Bikes und folgenden Zahlen:

„Für eine Skipiste in der Wintersport-Arena Sauerland ( ca. vier Hektar = 1 km Länge, 40 m Breite) brauchen die Schnee-Erzeuger im Durchschnitt 37.000 kWh pro Saison. Im Vergleich dazu der Jahresverbrauch anderer Freizeiteinrichtungen:

  • Öffentliche Sauna : ca. 350.000 kWh

  • Drei Sterne Hotel mit 50 Betten: ca. 650.000 kWh

  •  Eisstadion: ca. 2.600.000 kWh

  •  Hallenbad: ca. 2.100.000 kWh“

Nun ja, der Sommer will zwar nicht gehen, aber der Winter kommt bestimmt. Ich bin gespannt, ob der Winterberger Werbetraum auch nur ansatzweise Wirklichkeit wird:

„Die gute Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel an die Ferienregion lassen die Anreise per Bus und Bahn zu einer echten Alternative werden. Lass Deinen Urlaub schon während der Anreise beginnen, lehne Dich entspannt zurück und spare Co2 Emissionen. In Winterberg heißt Dich der neue Bürgerbahnhof herzlich willkommen.“

Mein sarkastischer Werbe-Slogan: „Winterberg heißt Dich in den kilometerlangen Bürgerstaus rund um unsere Ferienwelt willkommen. Die Skipässe hast Du hoffentlich online gekauft, dann ist wenigstens Dein Geld weg, bevor Du bei uns ankommst.“