Was tun mit dem ganzen alten Kram?

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Briefmarkensammlung (scan: chris)

Ich räume auf. Nicht ein bisschen hier oder da, nein, ich räume ein Zimmer leer.

Mir fallen alte Kassetten in die Hände. Sie fliegen in den Müll. Der letzte Kassettenrekorder ist schon lange aus unserem Haushalt verschwunden. Ich schmeiße Bedienungsanleitungen von Geräten weg, die ich gar nicht mehr kenne und trenne mich von alten unansehnlichen Büchern.

Dann stoße ich auf eine unscheinbare Plastiktüte und darin finde ich kleine Sammelbücher mit ordentlich einsortierten Briefmarken. In der Tüte liegen kleine Pappkartons mit Briefmarken aus dem Deutschen Reich, der DDR, Polen, der Mongolei und Ceylon, ich finde eine Tabakdose “Dunhill’s Standard Mixture, Mild”, 50 g Pfeifentabak für DM 4,-. Auch hierin liegen Briefmarken.

Und nun? Ich habe keine Ahnung von Briefmarken, aber es sollen nur Marken ohne Stempel einen Wert haben. Meine Marken sind alle gestempelt.

Die Sammlung ist Nachkriegskollektion, damals, als mit Wasserdampf die Briefmarken von den Briefen aus exotischen Länder abgetrennt wurden. Möglichst unversehrt sollten die kleinen Bilder mit gezacktem Rand bleiben. 60er und 70er Jahre Jahre, damals, als die meisten Deutschen höchstens bis Ostsee, Nordsee oder die Alpen reisten. Mit Hilfe der Briefmarken war man überall in der Welt unterwegs.

Heute ist alles anders. Wir schreiben keine Briefe mehr, denn wir sind im Internet unterwegs. Da benötigen wir keine Briefmarken. Die Welt ist nicht mehr exotisch, sie ist nur noch einen Klick entfernt. Briefmarken sammeln als Volkssport für den kleinen Mann und die kleine Frau ist mausetot.

Oder gibt es noch jemanden, der oder die Briefmarken sammelt? Und was soll ich mit den Briefmarken machen? Sie sind sicher nicht viel wert. Aber irgendjemand hat sie gesammelt, ordentlich einsortiert und sich daran erfreut.

Wegschmeißen oder aufheben? Irgendwelche Tipps?

Urlaubsmodus ON: Der Emscherradweg ist eine Abfolge von Baustellen, netten Abschnitten und Umleitungen.

Gesperrte Abschnitte und Umleitungen erlebe ich  beim Emscherradweg seit Jahren. (fotos: zoom)
Gesperrte Abschnitte und Umleitungen erlebe ich beim Emscherradweg seit Jahren. (fotos: zoom)

Seit einigen Jahren radele ich den Emscherradweg entlang. Jede Tour war und ist leider von Baustellen und Umleitungen geprägt. Dazwischen gibt es zwar immer wieder nette Abschnitte, aber man muss den Radweg mit Geduld und Nachsicht befahren, sonst wird das nichts.

Eigentlich ist der Emscher Radweg ein Spiegel des Ruhrgebiets – viel Scheiße, aber da findest auch ’ne Menge Gold drin. Musst Du nur suchen.

Die Folgen des letzten Sturms kann man im  Emscherbruch -hier ein Tierheim mit jaulenden Hunden- immer noch sehen.
Die Folgen des letzten Sturms kann man im Emscherbruch -hier ein Tierheim mit jaulenden Hunden- immer noch sehen.

Auf dem Weg von Dortmund nach Duisburg bin ich erst in Herne auf den Emscher-Radweg gestoßen. Das Ding oszilliert zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Man landet mal hier und mal dort.

Das Ruhrgebiet ist kein komplett totes Industriemuseum. Manchmal wird hier auch noch Dampf abgelassen.
Das Ruhrgebiet ist kein komplett totes Industriemuseum. Manchmal wird hier auch noch Dampf abgelassen.

Der Radweg führt entlang des Kanals am CentrO in Oberhausen und am Gasometer vorbei. High Times für einen notorischen Konsumverweigerer wie mich.

Der Radweg führt entlang des Kanals am CentrO in Oberhaausen und am Gasometer vorbei.
Der Radweg führt entlang des Kanals am CentrO in Oberhausen und am Gasometer vorbei.

Die Brücke zum Kaisergarten schwankt und macht den Fußgängern deswegen Spaß. Ein Gimmick über dem Rhein-Herne-Kanal.

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Fußgängerbrücke zum Kaisergarten über den Rhein-Herne-Kanal.

Politik war heute auch, aber dafür habe ich jetzt keine Zeit mehr, weil in der Jugendherberge Duisburg-Meiderich eine Stunde Internet 1,50 € kostet.

Nur soviel: Mein Vater hatte im Rhein Herne Kanal schwimmen gelernt und auch heute waren wieder viele Schwimmerinnen am und im Wasser. Die werden vielleicht nicht so leicht in der Ostsee ertrinken.

Guckt mal! Da war ich heute auch …

Guck mal! Wo dieses Graffiti ist, weiß doch jedes Kind ... (foto: zoom)
Guck mal! Wo dieses Graffiti ist, weiß doch jedes Kind … (foto: zoom)

Heute bin ich mit dem Fahrrad von Neheim-Hüsten nach Dortmund gefahren. Ich verschweige mal, dass ich die Strecke von Siedlinghausen bis Neheim-Hüsten selbst mit dem Zug überbrückt habe.

Von Neheim-Hüsten aus werde ich noch öfter nach Dortmund fahren, denn es macht Spaß. Spätestens ab Wickede besticht die Auswahl der Strecken.

Heute bin ich, Google Maps sei Dank, statt des Prozessionswegs mal über den Hellweg jenseits des Bergrückens gefahren. Gut – den musste ich erst einmal „überwinden“, aber dann war es autofrei und flach auf dem soliden Asphalt der Landwirtschaftswege.

Mir hat das Fahrrad fahren  hier ziemlich viel Laune gemacht.
Mir hat das Fahrrad fahren hier ziemlich viel Laune gemacht.

Zwischendurch habe ich für die Kultur gebremst.

Eigentlich war ich schwer im Schwung, aber eine Hinrichtungsstätte muss man einfach mitnehmen.

Der Fortschritt lässt sich durch einen Blick in die Vergangenheit ermessen. Leute, studiert Geschichte!
Der Fortschritt lässt sich durch einen Blick in die Vergangenheit ermessen. Leute, studiert Geschichte!

Ich war am Mittelpunkt von Unna angelangt.

Wer von euch war schon am Mittelpunkt von Unna?

Der Mittelpunkt von Unna kann mit dem Fahrrad erreicht werden.
Der Mittelpunkt von Unna kann mit dem Fahrrad erreicht werden.

Alles war eigentlich prima. Die Einfahrt nach Dortmund, die Jugendherberge mitten in der Stadt.

Wäre ich nicht während des Duschens beklaut worden. Das ganze Bargeld weg. Zum Glück hatte und habe ich nie viel Bargeld du alter Arsch von Dieb. Sauf Dir einen von den 60 Euro!

Bei dem Zimmerausblick hätte ich schon vor dem Duschen misstrauisch sein müssen: Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen.

Man muss halt wissen, wann man sich in einer unsicheren Umgebung befindet.
Blick aus dem Fenster meines Zimmers. Man sollte ein Gespür für seine Umgebung haben.

Schicke Fahne vor unserer Hütte, oder?

Die Fahne weht ziemlich schick vor unserem Haus, aber ich war's nicht (foto: zoom)
Die Fahne weht ziemlich schick vor unserem Haus, aber ich war’s nicht (foto: zoom)

Ich gebe zu, ein Schützenbruder bin ich nicht. Als wir allerdings heute nach 13 Stunden Autofahrt in unseren Ort Siedlinghausen zurückkehrten, wehte diese hübsche Fahne vor dem Haus.

Schützenfest in Siedlinghausen; so ist es halt bei uns im Sauerland – mit den Fahnen.

In der Waschmaschine dreht sich die Urlaubswäsche, aus dem Ort schallt die Musik vom Auto-Scooter hinauf, das Juchzen der Festbesucher steht in der warmen Sommerluft.

Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich … aber so muss das Krombacher aus dem Kühlschrank reichen.

Die Motten flattern um die Terrassenlampe, der Auto-Scooter juchzt und stampft. Das Schützenfest 2014 in Siedlinghausen wird ein tolles Fest.

Update: Prost!

Lieber Patrick, ich habe mich dann doch gegen die Schreibmaschine entschieden …

Schreibmaschinen waren ja mal coole Tools, aber heute kommuniziere ich lieber so ... (foto: zoom)
Schreibmaschinen waren ja mal coole Tools, aber heute kommuniziere ich lieber so … (foto: zoom)

Kaum macht man mal einen Kurzurlaub in Nachbarland, dreht der heimische Bundestagsabgeordnete völlig durch und faselt irgendwas von Geheimdiensten und Schreibmaschinen, die fortan wegen der Geheimhaltung eingesetzt werden sollten.

Patrick Sensburg hat, während ich mir im Schutze der dänischen Dünen Sonnenuntergang um Sonnenuntergang und dann noch einen Sonnenuntergang anschaue, sein Ziel, den NSA-Untersuchungsausschuss zur Lachnummer zu machen, zur vollsten Zufriedenheit -von wem auch immer- erreicht.

Gleichzeitig ist er im sogenannten linken Wochenblatt „Der Freitag“ zu einem hochrangigen Militär befördert worden:

Verwunderlich ist, dass mit Roderich Kiesewetter und Patrick Sensburg zwei hochrangige Militärs im Ausschuss vertreten sind …

Quelle: https://www.freitag.de/autoren/daniel-luecking/liebe-nsa-wir-geben-auf

Herzilein, was willst du mehr?

Gewählt ist gewählt. Wiederholen ist gestohlen. Macht’s gut! Schreibmaschine zu verkaufen – bin mal weg ins Internet …

Fundstücke: Wer liest schon Zeitschriften? Eine Antwort aus dem Jahre 1966.

Zu viele ... (foto: zoom)
Zuviel Buchstaben, viel zu hartes Papier, und es rußt im Ofen … (foto: zoom)

Eigentlich habe ich in einem alten rororo-Band mit Stücken von Bertold Brecht gestöbert, Ausgabe 1966. Rundköpfe, Spitzköpfe und diese Sachen.

Auf den letzen Seiten ist mir aber außerhalb des inhaltlichen Bezugs die oben abgebildete Anzeige für die Zeitschrift „deutsches panorama“ [1] aufgefallen:

“ … Zuviel Buchstaben, viel zu hartes Papier, und es rußt im Ofen. Daher – nicht empfehlenswert!“ (jedenfalls nicht für Analphabeten!)

Könnte man heute den Werbetext nicht großmundig oder listig verwenden, um Printerzeugnisse zu bewerben?

Historisch gesehen keine gute Idee. Im Spiegel 23/1967 findet man das Schicksal von „Deutsches Panorama“ verzeichnet [2]:

Anfang letzten Jahres erschien die erste Nummer von „Deutsches Panorama“ — eines Blattes, „das kein Blatt vor den Mund“ nehmen wollte. Letzte Woche machte das Blatt den Mund wieder zu.

Hochmut kam auch schon 1966 vor dem Fall, und so empfehle ich die historische Anzeige NICHT zur Wiederverwendung für heutige Printprodukte.

Es sei denn, man sei (historischer) Analphabet:

[1] http://de.m.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Panorama

[2] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46409349.html

 

Deutschland Weltmeister – Sprachgerumpel in Dänemark: Gött sei Dank

Heute an der Supermarktkasse: Super-Mario (foto: hannah)
Heute an der Supermarktkasse: Super-Mario (foto: hannah)
Was gibt es denn noch so, außer „Gött sei Dank“?

Ganz schlimm wäre „Götzendienst“ oder „Götzes Dienst“, aber diese Wendung habe ich noch nicht entdeckt. Kommt vielleicht noch.

Alles ist möglich. Sprachlich. Denn Deutschland ist Weltmeister – im Fußball.

Zur Überbrückung der inneren Leere ohne WM 2014 empfehlen wir ab sofort die stets des Dopings verdächtigen Radler der Tour de France; und dann im Herbst geht es ja auch schon mit der Qualifikation für die EM 2016 weiter. Deutschland in der Todesgruppe D mit Gibraltar 😉

Erstes Spiel am 7. September 2014 gegen Schottland in Dortmund. Weniger als zwei Monate. Haltet durch!

Urlaub ist da, wo du der Herrscher über die Waschmaschinen bist.

Zehn Waschmaschinen, fünf Tümmler und zwei Schleudern (fotos: zoom)
Zehn Waschmaschinen, fünf Tümmler und zwei Schleudern (fotos: zoom)

Urlaub ist da, wo du in Ruhe über eine Armada von Waschmaschinen, Tümmlern und Schleudern verfügen kannst. „Ich muss mal eben die Wäsche machen!“, eine exquisite Ausrede, um dem Ferienhausterror zu entkommen.

Zwei Satteltaschen vollgestopft, Kleingeld in die Vordertasche und gemächlich Richtung Waschsalon radeln. Unterwegs die Süddeutsche kaufen. Dann läuft die Zeit.

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Selfie im Tumble Dryer

Alle Wäsche, ob weiß, bunt oder schwarz in die 10 kg Maschine: 30 Minuten bei 40°, vier Minuten Schleudern, 40 Minuten tümmeln und zehn Minuten zusammenlegen, in die Satteltaschen stopfen und als Held der Arbeit zurück zum Ferienhaus radeln.

Hier Jammern und Wehklagen nicht vergessen.

Nicht verraten, dass du die 70 Minuten „Waschen & Tümmeln“ ganz für dich und deine Zeitung hattest. Bei Bedarf minus zehn Minuten für den Eissalon: Softeis, mittlere Portion, zum Mitnehmen.

Der Waschsalon im Urlaub – das ist harte Hausmännerarbeit.

Aber wie ist das eigentlich mit dem Kochen und Spülen? Da gibt es auch ein paar Tricks. Verrate ich jetzt aber nicht – harte Hausmännerarbeit!

Und ihr so?

Depressed Mode: Genital Jesus – always look on the white side of life …

Genital Jesus - always look on the white side of life (foto: zoom)
Genital Jesus – always look on the white side of life (foto: zoom)
Das kann kein Zufall sein. Der Genagelte an der weißen Wand neben der Bibliothek, in der wir uns das Leben des Brian samt einem Depeche Mode Remix ausgeliehen hatten.

Der „Personal Jesus“ wummert als Ohrwurm durch die Hütte. Vom Plasmabildschirm pfeift das „Always look on the bright side of life“.
Es besteht kein Zusammenhang. Pure Koinzidenz. Am Wegesrand.

Der letzte Siedlinghauser Bäcker wandert nach Neuseeland aus: Bäckerei Kräling schließt am 31. August.

Meinolf und Ulla Kräling wollen nach Neuseeland auswandern. Die Bäckerei schließt. (foto: zoom)
Meinolf und Ulla Kräling wollen nach Neuseeland auswandern. Die Bäckerei schließt. (foto: zoom)

Meinolf und Ulla Kräling schließen ihre Bäckerei zum 31. August. Der letzte in Siedlinghausen verbliebene Bäcker will mit seiner Frau nach Neuseeland auswandern. Damit verliert Siedlinghausen seine letzte traditionelle Backstube.

Ulla Kräling stand auch heute Nachmittag wieder im Laden der Bäckerei an der Sorpestraße, dort wo unsere Familie immer gern das Leinsamenbrot und die leckeren Nussecken einkauft.

Bäckerei Kräling: noch kein Nachfolger gefunden. Es droht ein herber Verlust für Siedlinghausen. (foto: zoom)
Bäckerei Kräling: noch kein Nachfolger gefunden. Es droht ein herber Verlust für Siedlinghausen. (foto: zoom)

Im Urlaub hätten sie beide Neuseeland kennengelernt und schon seit drei Jahren über die Auswanderung nachgedacht und schließlich: „Wenn wir es jetzt nicht machen, werden wir es vielleicht später bereuen.“ Neuseeland braucht Fachkräfte, insbesondere gute Bäcker. Ulla Kräling ist optimistisch. In der Mitte der Nordinsel werde ihr Mann anfangs arbeiten, für die Eingewöhnung wollen sich die beiden Zeit lassen, nach und nach die Hürden für eine endgültige Emigration nehmen.

Für die Bäckerei ist noch kein Nachfolger gefunden. Es droht ein herber Verlust für Siedlinghausen.