Der Spaziergang vor der Radtour

Der Himmelsstürmer am Alten Bahnhof in Kassel (foto: zoom)

Die kleine Novemberradtour entlang Fulda, Eder und Lahn hat in Kassel begonnen, aber am Vorabend haben K1 und ich erst einmal einen ausgedehnten Spaziergang durch die sogenannte Documenta-Stadt gemacht.

Alter Bahnhof, Karlsaue, BuGa, Fritze … außerdem nebenbei alles einkaufen, was es in Siedlinghausen nicht in die Satteltaschen geschafft hat. Zahnpasta, Rasierzeug, Luftpumpe. Just in case.

Unbedingt auch zur Fuldabrücke und aufs Wasser starren. Beruhigend. Die erste mehrtägige Radtour seit Jahren, dank der Pandemie.

Abenddämmerung an der Fulda in Kassel (foto: zoom)

Schluss jetzt, es wird dunkel. Radfahren kostet Kalorien. Ab zum Döner Anadolu gegenüber dem Scheibenbeißer, da wo ich in letzter Zeit meine Schalllplattensammlung aufgestockt hatte. Dürüm vegetarisch und ein alkoholfreies Weizenbier. Ich bin so leicht auszurechnen. Immer das gleiche, und immer schmeckt es mir hervorragend.

Reiselektüre: James Baldwin, The Fire next Time, und ich frage mich, warum erst jetzt?

Die Radtour kann beginnen. Aber nicht mehr heute Abend hier im Blog.

Vom Ende her gesehen

Abriss der Jugendherberge in Marburg (foto: zoom)

Bin wieder im Lande. Unsere coole Novemberradtour, die in Kassel begonnen hatte, endete heute in Marburg an der Lahn, gerade rechtzeitig, um den Abriss der Jugendherberge zu beobachten.

Der Abriss ist keine schlechte Nachricht, denn das Haus war in die Jahre gekommen, und an derselben Stelle neben der Lahn soll in den nächsten Jahren eine neue Jugendherberge entstehen. Ich bin gespannt.

Mit Kindern, ohne Kinder, mit der gesamten Familie, mit Freunden, alleine, aber meist mit dem Fahrrad – ich habe dort in den letzten Jahren (Jahrzehnten?) häufig übernachtet.

Heute mit einem kleinen sentimentalen Seufzer Abschied genommen; Vorfreude auf die nächste Radtour.

Die Edermündung bei Grifte (foto: zoom)

Blühende Kräuter im November

Malven am Wegrand (foto: zoom)

Wenn mir vor Jahren jemand erzählt hätte, dass ich im November im Hochsauerland Blütenpflanzen bestimmen werde, hätte ich gelacht.

Da sind wir heute. Ich habe gequält gelacht. Kaum fünfhundert Schritte aus dem Haus und mal eben mehr als zwei Hände voller blühender Kräuter entdeckt und ich weiß nicht, ob das normal ist, weil ich noch nie im November im Hochsauerland spazieren gegangen bin, um Blütenpflanzen zu bestimmen.

Kleine Blüte – Ehrenpreis (foto: zoom)

Gänsedistel, Rot-Klee, Springkraut, Wassermiere, Kamille, Feinstrahl, Malve, Storchenschnabel, Ehrenpreis, Pippau, Hahnenfuß, Labkraut … irgendwann habe ich nicht mehr hingeschaut, sonst wäre ich vor lauter Bestimmerei nicht nach Hause gekommen.

Ist das die Wassermiere? (foto: zoom)

Die Luft war drückend schwül. Derart unangenehm, dass ich meinen Plan, eine Runde mit dem Rad zu drehen, wegen Mattheit verworfen habe.

Stattdessen bin ich am Waldrand entlanggeschlichen. Mein Gefühl kann ich nicht in Worte fassen: Erstaunen, Verwunderung, Entsetzen? Von allem etwas mit einer Prise Hysterie?

Unverwüstlich – der Storchschnabel (foto:zoom)

Früher hätte ich das, was mich heute bewegte, schönes Wetter genannt und mich gefreut. Heute habe ich kurz aufgelacht und den Kopf geschüttelt.

Ratlos.

Und bei euch so?

Stockrosenblüte heute morgen (foto: zoom)

Also bei uns blühen draußen immer noch die gelben Stockrosen, was ich im November schon erstaunlich finde. Die Blütezeit dieser Zierpflanzen ist eigentlich, laut Pflanzenratgeber, Juli bis September.

Vielleicht ist die gelbe Sorte außergewöhnlich zäh oder hat vergessen auf den Kalender zu gucken. Was weiß ich schon? Heute scheint wieder die Sonne und es ist warm. Fahrrad fahren? Schwimmen gehen? Ich kann mich gar nicht entscheiden.

Heute Morgen wollte ich um elf Uhr die Flutung der neuen Emschermündung live auf Youtube verfolgen. Ich hatte selbst hier im Blog von „Dienstag“ gesprochen.

Laptop hochgefahren, mit HDMI Kabel an den Fernseher angeschlossen und nichts passierte auf der Live-Seite der Emschergenossenschaft.

Tja, self inflicted pain, bis ich dann merkte, dass der Fehler auf meiner Seite lag. Wie bin ich nur auf Dienstag gekommen?

Ein Gutes hatte die ganze Hockerei vor dem TV-Set: ich habe endlich bemerkt, dass die Batterien der Fernbedienung ausgelaufen waren. Raus damit, gereinigt und die restlichen Fernbedienungen ebenfalls kontrolliert.

Diese Remote-Controls haben sich über die Jahre wie die Karnickel vermehrt. Vier sind es allein am Sofa-TV-Zoo. Einfach Knopf drücken und gucken geht nicht mehr.

Aber ich gehe jetzt – nämlich schwimmen. Die Würfel sind gefallen.

Am Mittwoch (!) live: Flutung der neuen Emschermündung

Gestern an der alten Emschermündung. Der Weg zur neuen Mündung ist von hier versperrt. Im Hintergrund das stillgelegte Kohlekraftwerk Möllen. (foto: zoom)

Am Dienstag Mittwoch wird mein persönliches „langes 20. Jahrhundert“ zu Ende gehen. Die alte Emschermündung am Stapp wird Geschichte sein, die längst ausgebaggerte neue Mündung etwas weiter flussabwärts wird geflutet.

Als ich gestern das Foto aufgenommen habe, kam ich mit einem älteren Walsumer Ehepaar ins Gespräch: der süßlich scharfe Geruch der alten Emscher, Rollhockey in Walsum, das Ausflugslokal am Stapp, die Rheinauen …

Der Ort hat augenblicklich alte Erinnerungen ausgelöst oder wie es neudeutsch heißt „getriggert“. Und schon purzeln weitere Bruchstücke der Vergangenheit in die Tastatur. Die spontanen Feten in den Rheinwiesen – auf dem Bild rechts der alten Mündung -, die Radtouren nach Orsoy, die Rheinfähre dort und die alte Hubbrücke. Das Walsumer Kohlekraftwerk gab es damals noch nicht, aber die Zeche Walsum existierte noch. Gegen das Kraftwerk Möllen wehrte sich eine Bürgerinitiative. Es wurde trotzdem gebaut und ist heute stillgelegt.

Mein „langes 20. Jahrhundert“ geht zu Ende.

Die Flutung der neuen Emschermündung wird am Dienstag im Internet übertragen. Vielleicht schaffe ich es, zumindest den Anfang zu verfolgen.

Die Emschergenossenschaft schreibt auf iher Website:

Dinslaken/Voerde. Der Umschluss der Emscher-Mündung in Dinslaken/Voerde findet nun am Mittwoch, 9. November, ab 11 Uhr statt.

Die Emschergenossenschaft überträgt die Flutung und Inbetriebnahme live auf ihrem Facebook- und Youtube-Kanal, damit alle Interessierten den Umschluss des Flusses begleiten können. Wer das Ereignis auf diesen Kanälen verfolgen will, kann dies auch ohne ein eigenes Facebook-Konto tun – eine Anmeldung ist nicht erforderlich!

Aufgrund der beengten Platzverhältnisse und der noch immer vorhandenen Baustellensituation musste die Emschergenossenschaft das Konzept eines größeren Bürgerfestes leider verwerfen – dieses soll jedoch in jedem Fall nachgeholt werden, sobald die Bauarbeiten vollständig fertiggestellt sind! Der Wasserwirtschaftsverband bittet um Verständnis.

Für die unmittelbaren Anwohnerinnen und Anwohner hatte die Emschergenossenschaft bereits am 27. Oktober eigens eine Bürgerinformationsveranstaltung im Hof Emschermündung durchgeführt, bei der die zurückliegenden Arbeiten genauso wie die bevorstehende Flutung detailliert von der Projektleitung erläutert wurden. Der Einladung waren rund 50 interessierte Menschen gefolgt.

Zu sehen sein wird der Akt des Umschlusses am 9. November auf den Kanälen der Emschergenossenschaft auf Youtube und Facebook: facebook.com/EGLV.de und https://www.youtube.com/user/EGLVde.



Guten Morgen!

Gestern Abend auf dem Kahlen Asten (foto: zoom)

Ein schnelles „Guten Morgen!“ aus dem Hochsauerland. Der Himmel ist blau. Große Wolken lauern hinter den Bergrücken. Der nächste kurze Herbsttag fordert mich heraus.

„Heraus!“ – Was soll ich bei diesem Wetter „in der Bude hocken“!?

Eine dicke Jacke gegen die Kälte überwerfen und den Tag beginnen.

So wird es sein.

Und tschüss!

Herbst: Grippeimpfung

Ein weiter Blick Richtung Hessen vom Schmantel-Rundweg in Winterberg. Blauer Himmel, ein paar Wölkchen. Im Vordergrund der Hang einer Weide, hinten Berge.
Die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Herbstspaziergang am Schmantel in Winterberg. (foto: zoom)

Nur noch 48 Mal schlafen, dann werden die Tage wieder länger. Da müssen wir jetzt durch. Ich versuche jeden Sonnenstrahl zu erhaschen, um die Laune einigerermaßen über Null zu halten. Seit der Zeitumstellung am vergangenen Wochenende ist der Nachmittag zum Abend geworden. Lesezeit. Lernzeit.

Gestern fix die Grippeimpfung abgeholt. Kaum Schmerzen im „Impfarm“; heute gönne ich mir die verordnete Schonung. Beim Gedanken ans Schwimmbad fröstele ich.

Ein Paradox: obwohl die Corona-Zahlen sehr stark abfallen, die Welle verebt, der R-Wert [1] weit unter 1 (heute 0,78) gesunken ist, stecken sich in meinem Wahrnehmungsbereich viele Menschen zum ersten Mal mit dem Corona-Virus an. Liegt das an meiner verzerrten Wahrnehmung? Werden von der Statistik nicht mehr alle Fälle erfasst?

Wie dem auch sei versuche ich weiterhin dem Virus auszuweichen, denn so viel habe ich gelernt: eine Infektion schützt nicht vor erneuten Infektionen. Long Covid wäre kein Zuckerschlecken und ausssuchen darf ich mir den Verlauf nicht. Hätten Sie es lieber mild oder mit Schmackes? Wir hätten On Top noch die Wintergrippe à la Saison im Angebot.

Bleibt oder werdet gesund.

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[1] Unter dem „R-Wert“ wird die „Reproduktionszahl R“ verstanden. Die Reproduktionszahl beschreibt, wie viele Menschen eine infizierte Person im Mittel ansteckt, und wird regelmäßig durch das RKI mithilfe eines „Nowcastings“ geschätzt und veröffentlicht.

Quelle: https://www.corona-in-zahlen.de/r-wert/

Fundstücke: Halloween in Welleringhausen

Skelett auf dem Vulkanpfad bei Welleringhausen (foto: zoom)

Als ich gestern zwei Plastikkürbisse links und rechts des Vulkanpfads in Welleringhausen gleich hinter der Abrahamskirche sah, habe ich mir nichts dabei gedacht.

Doch nach ein paar Schritten in den Wald hinein, tauchten unter den Buchen merkwürdige Installationen auf: Feuerstellen, Skelette, ein kleines Puppentheater, Hexen … und es dämmerte mir, dass sich die Welleringhausener Bürgerinnen und Bürger auf Halloween vorbereiteten. Ein Gruselkabinett im Wald – nette Idee.

Wegen Halloween waren wir allerdings nicht in den kleinsten Ortsteil der Gemeinde Willingen (Upland) im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg gefahren, sondern zum Spazierengehen auf dem Vulkanpfad; das ist eine schöne Wanderung mit weiten Aussichten und kurzen Anstiegen über ca. sechs Kilometer in einem alten Vulkangebiet.

Gestern am Vulkanpfad: sommerliche Temperaturen, Herbstfarben (foto: zoom)

Der Vorteil: während Gott und die Welt den Touristenort Winterberg überlaufen, kann man auf dem Vulkanpfad in Ruhe die Seele baumeln lassen. Außerdem sind die Wege noch intakt und nicht wie einige Trails im Hochsauerland von den Forstarbeiten zerstört.

Welleringhausen ist schnell von Düdinghausen aus zu erreichen, und dort liegt oberhalb auch ein anderes schönes Wandergebiet, die Kahle Pön, eine interessante Hochheide, die den Kahlen Asten imho weit in den Schatten stellt.

Genug der Nestbeschmutzung – ich wohne ja in einem Winterberger Ortsteil – , falls ihr mal was anderes als die Niedersfelder Hochheide oder den Kahlen Asten sehen wollt: Spazieren geht über Studieren.

Pausen-Ausblick vom Hirzstein

Blick vom Aussichtspunkt am Hirzstein (foto: zoom)

Am Aussichtspunkt Hirzstein ist es laut, denn der Verkehrslärm der A 44 wird vom Wind den Habichtswald hinaufgetragen. Der Blick allerdings entschädigt für die Lärmbelästigung.

Die Windräder auf dem Bild rechts stehen rund um den 486 Meter hohen Lindenberg. In der linken Mitte liegt der Ort Hoof am Fuße des Burgbergs (500 m).

Trotz des bedeckten Himmels herrschte am vergangenen Sonntag angenehmes Herbstwetter, ein Hauch von Indian Summer in Hessen.

Pausen-Pilz: Giftpilz, Kultpilz, Glückspilz

Fliegenpilz mit Rotstich (foto: zoom)

Momentan sind zahlreiche Fruchtkörper des Fliegenpilzes an der Flanke des Olsbergs zu finden. Stehen lassen, nicht essen!

Die weißen Punkte auf dem Hut sind die Reste einer Hülle, die den jungen Pilz umgeben.

Der Fliegenpilz ist von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres 2022 ernannt worden. Auf der Website der Gesellschaft wird er als Giftpilz, Kultpilz und Glückspilz beschrieben:

https://www.dgfm-ev.de/pilz-des-jahres/2022-fliegenpilz