Über Kriegsgewinner und Patriotismus

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Hamburg Barmbek 1943 (archiv: chris)

„Es mag wohl in allen Staaten Kriegsgewinner geben, die wirklich nur daran denken, daß der Krieg gewonnen werde, und die, fern jeglichem Wunsch nach einer Bereicherung, größere Menschenopfer nur schweren Herzens und in der Hoffnung hinnehmen, späterhin dadurch doch größeren Geldopfern zu entgehen. Diese aufopfernde Gesinnung, aus der sie sich nicht selbst, sondern einander den größten Vorwurf machen, nennt man in allen Staaten Patriotismus.“

Karl Kraus, 1917

Weihnachtsbaumkulturen: Giftspritzen im Sauerland

Weihnachtsbaumkultur am Kreuzberg (foto: zoom)
Weihnachtsbaumkultur am Kreuzberg in Winterberg (archivfoto: zoom)

Endlich regen sich die Zeitungen, die Menschen und die Gemüter! Der Grund der Aufregung: Gift in unserer Nachbarschaft, genauer gesagt um Gift in Weihnachtsbaum- (un)kulturen. (update: http://www.giftfreies-sauerland.de/)

Wir werden jetzt wiederholt konfrontiert mit solchen Horrorschlagzeilen wie:

„Angst vor Gift auf Christbäumen“ und „Angst vor Chemiekeule im Sauerland“.

Die Sauerländer Bürgerliste (SBL) geht diesem Thema nun schon seit 5 Jahren, seit dem Entstehen ihrer Wählergemeinschaft nach. 2006 wurden wir alle mit der Formel „PFT“ konfrontiert.

Perfluorierte Tenside „PFT“ sind hochtoxische Stoffe, die u.a. im Raum Bestwig auf die Weihnachtsbaumäcker aufgebracht wurden. Als Folge sind Böden, Fluss-, Grund- und Trinkwasser verseucht. Die Wasserwerke im Einzugsbereich der Ruhr reagierten nach und nach auf das Problem mit dem Einbau von entsprechenden Spezialfiltern (Aktivkohlefilter).

Im Oktober 2009 unternahm die SBL zusammen mit einem „Insider“ einen Spaziergang über die öden PFT-„gedüngten“ und „anderweitig behandelten“ Monokulturen in und um Bestwig.

Wir wunderten uns damals nicht nur über den traurigen Zustand der Böden, sondern auch darüber, dass sich augenscheinlich nur wenige Bürgerinnen und Bürger gegen die Spritz- und „Dünge“-Gewohnheiten der Weihnachtsbaumproduzenten zur Wehr setzten. Hier unser in die Jahre gekommener und doch noch aktueller Bericht:

http://sbl-fraktion.de/?p=440

PFT ist nur ein Problem von vielen. Sogenannte „Pflanzenschutzmittel“ wie „Round up“ tragen ganz legal zur Ruinierung unserer Umwelt und wahrscheinlich auch unserer Gesundheit bei. Wie wir lesen und hören und manchmal zufällig sogar selbst beobachten können, wird das Zeug anscheinend hemmungslos auf Weihnachtsbaumflächen gepulvert. Wir Sauerländer werden quasi damit eingenebelt (zum Wohle der Tannenbaumproduzenten und deren zum Teil weit entfernt lebender Kundschaft). „Nein, danke! Mir kommt kein Weihnachtsbaum mehr ins Haus, egal wie gerade und makellos er gewachsen ist!“ Der Christbaum ist für mich ein Symbol für Umweltsünden!

Die vielen Presseartikel und Leserbriefe der letzten Tage sagen mir: Es gibt etwas Hoffnung!

Hier als Beispiel die Zuschrift von Herrn Nieder, der einen weiteren Aspekt des Dilemmas beleuchtet:

„Giftspritzerei im Focus der Öffentlichkeit

Es ist für mich als Bürger der Gemeinde Bestwig sehr erfreulich zu sehen, daß der großflächige Weihnachtsbaumanbau mit seiner Giftspritzerei nun in den Focus der Öffentlichkeit kommt. Mit Brief vom 10. Mai 2011 an unseren obersten Bürgervertreter, Herrn Péus, habe ich explizit unter Angabe zweier Studien auf die Roundup (Glyphosat)-Problematik hingewiesen (u.a. Krebsgefahr, Kreuzresistenzen, Verseuchung des Trinkwassers). Bis zum heutigen Tage habe ich von ihm keine Antwort erhalten.

Daher schrieb ich in einem zweiten Versuch ähnliches an den Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Gemeinderat, Herrn Gerold. In seiner Antwort versuchte er auf arrogante Art und Weise die bekannte Unterschriftenaktion mit „lediglich“ (O-Ton) 136 Unterschriften herunterzuspielen. Weiterhin wäre er hinsichtlich der Spritzthematik kein Biologe und kein Chemiker und das sei eher die Aufgabe von Fachleuten. Ich bin weder das eine noch das andere, dennoch war es mir mit Engagement und Interesse möglich, mich vertieft in das mir fremde Gebiet einzuarbeiten. Das sollten schnellstens auch diejenigen tun, die meinungsbildend in der Politik tätig sind.

Meines Erachtens ist für die heutigen erschreckenden Zustände die Verflechtung von Politik und Wirtschaft mitverantwortlich. Weshalb befinden sich unter den Parteikollegen der oben genannten Personen bzw. unter den Gemeinderatsmitgliedern einige der am Weihnachtsbaumgeschäft Beteiligten (sei es als Anbauer oder als Verpächter)? Davon können auch die eventartigen Politikaktionen (ständige Medienpräsenz, Parteiwerbeblättchen) nicht ablenken, denn das berechtigte Bürgerinteresse auf eine gesundheitlich unbedenkliche Umwelt hört in Bestwig anscheinend dort auf, wo die finanziellen Einzelinteressen anderer beginnen.“

In der Ausgabe der WR vom 18.10.2011 geht eine Leserin aus Meschede auf die hohe Krebsrate im Raum Bestwig ein. In der Tannenbaum-Hochburg Heringhausen sei inzwischen in jedem Haus mindestens ein Bewohner an Krebs erkrankt. Außerdem weist sie darauf hin, dass wir das Problem „Gift“ exportieren und beendet ihren Leserbrief mit dem Hinweis: „In diesem Zusammenhang weise ich den Einsatz von überwiegenden polnischen Arbeitskräften hin, die diese Gifteinsätze durchführen und durch die Kontaminierung hohe Krebsraten aufweisen“.

Update: http://www.giftfreies-sauerland.de/

Mitgliederinnenwerbung: Jungen-Union Winterberg (Vorsicht, Satire!)

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Mitgliederwerbung der Jungen Union Winterberg (screenshot: 22.10.2011 um 20:12 Uhr)

Liebe Junge Union Winterberg,

ich komme selten auf Eure Website. Diesmal allerdings blieb ich hängen. Ich dachte, ich hätte mich verguckt, aber nein, das war ernst gemeint. Ja, ich rede von eurer Mitgliederwerbung.

Wisst ihr eigentlich, in welcher Zeit ihr lebt? Habt ihr schon gemerkt, dass die Bundeskanzlerin – Mitglied eurer Mutterpartei – eine Frau ist? Und dass Frauen mehr sein können als Gespielinnen in euren Betten? Mehr als Putzfrauen, Waschfrauen, Köchinnen, Erzieherinnen eurer Kinder, Gärtnerinnen und „Rückenfreihalterinnen“?

Und dann wollt ihr gleich zwei Frauen im Bett, ihr Jungen der Jungen Union! Wo beibt denn da die christliche, insbesondere die katholisch-christlich-monogame-keusche Moral? Oder soll es dieses Spiel mit dem Verbotenen sein, welches neue Mitglieder in eure Reihen treibt? Geschickte Strategie!

Ihr scheint noch nicht zu merken, dass auch Frauen mehr sein möchten, als die schöne Frau an eurer Seite, an der Seite eines erfolgreichen Mannes.
Aber die Frauen im Hochsauerland haben gemerkt, dass es in dieser Welt für sie noch einen anderen Platz geben kann. Sie gehen einfach weg aus dem Sauerland. Und sie treten auch nicht ein in die Jungen-Union Winterberg.

Dabei macht ihr so tolle Mitgliederwerbung.

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Website der Jungen Union Winterberg (screenshot vom 22.10.2011, 20.12 Uhr)

Das “Kernabitur” soll kommen. Sechzehn Bundesländer und „270 Minuten Einheit“.

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In Bildungsfragen sind uns die Briten immer schon einen Schritt voraus - mindestens. Herbstliches Cambridge (foto: chris)

Im Jahr 2018 ist es so weit. Dann werden deutsche Abiturientinnen und Abiturienten an einem nationalen Testtag in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch eine je 90 Minuten lange Prüfung ablegen. Alle zur selben Zeit, alle dieselben Aufgaben.

Dies fordern zumindest, so die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe, “Experten” des “Aktionsrats Bildung”, ein von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft initiiertes Gremium.

Ankreuzaufgaben beim Abitur?

Zunächst soll das Kernabitur lediglich zu 10% in die Abiturnote einfließen. Die Aufgaben dieser neuen Prüfung orientieren sich am PISA-Test. Multiple-Choice nun auch im Abitur, das ist jetzt also der neueste Clou! Eine Frage, fünf mögliche Antworten, von denen nur eine richtig ist. Außerdem weitere „geschlossene“ Aufgaben, also Fragen, auf die es nur jeweils eine richtige Antwort gibt.

Bisher sehen die Richtlinien der verschiedenen Bundesländer solche Aufgabentypen in der Gymnasialen Oberstufe kaum oder gar nicht vor. Damit Tests jedoch schnell und möglichst von Maschinen korrigiert werden können, muss ganz eng abgefragt werden.

Britische Erfahrungen mit standardisierten Prüfungen

Angelsächsischer Länder verfügen bereits über langjährige Erfahrungen mit standardisierten Prüfungen: Der Unterricht orientiert sich zunehmen an den Tests, „Teaching To The Test“ heißt diese verdummende Unsitte. Das Niveau sinkt, gleichzeitig verbessern sich die Noten.

Dieses Zusammenspiel hat System: Die Politik will gute Ergebnisse, um ihre bildungspolitischen Bemühungen zu legitimieren. Schulen und Lehrer tun ihren Teil, um die Testergebnisse zu verbessern. Sie bereiten Schüler intensiv auf die zentralen Prüfungen  vor. Zunehmend wurden die Gehälter von Lehrern und deren Beförderungschancen an die Leistungen der Schüler, an deren „performance“ in den standardisierten Tests gekoppelt. Andere Fähigkeiten, die der Test nicht abfragt, werden zwangsläufig vernachlässigt, so die britische Erfahrung.

„Ranking“ in Deutschland

In Deutschland bieten sich große Verdienstmöglichkeiten für Schulbuchverlage:  Sie könnten ihre „Übungsmaterialien für das Kernabitur“ bundesweit absetzen. Politik und Wirtschaft erlangten weitere „Evaluationsmöglichkeiten“ von Schülern und Lehrern. Endlich könnten, neben dem „Ranking“ von Bundesländern, auch Regionen, Schulen, Lehrer, Schüler und Klassen „gerankt“ werden und so in direkte Konkurrenz zueinander treten.

Nationale Schülerrangliste

Im Königreich ist man – natürlich – schon weiter: Letzte Woche warf der britische Bildungsminister Michael Gove den Vorschlag einer nationalen Rangliste aller Schüler mit A-level (vergleichbar mit dem Abitur) in den Raum. Da kann dann jeder und jede sehen, ob sie auf Platz  1 oder Platz  23765 oder irgendwo dazwischen steht.  Schöne neue Welt.

Bürgerversammlung der Siedlinghauser CDU Teil II: Warum Winterberg besser ist als Olsberg, aus welchen Gründen es sich lohnt, in Siedlinghausen zu wohnen und was aus den Neubauplänen für den Oberen Meisterstein geworden ist

Bürgerversammlungen auf denm Lande sind eben auch gemütlich ... (foto: zoom)
Versammlungen auf dem Lande sind eben auch oder gerade so ... mein Weizen steht oben links (foto: zoom)

Gestern hatte ich über die dreistündige Bürgerversammlung der CDU Siedlinghausen berichtet. Heute gibt es nun den Nachschlag und dann ist von meiner Seite aus auch „gutt“, wie es hier im Sauerland sehr gerne heißt.

Ortsvorsteher Bruno Körner hielt aus dem Publikum heraus eine sehr begeisterte Rede auf die Vorzüge unseres Winterberger Ortsteils Siedlinghausen und appellierte daran, die die gute Struktur des Ortes zu erhalten.

Sehr gute Infrastruktur
Freibad, Hallenbad, Sportplatz, Turnhalle, Grund- und Verbundschule, 34 Vereine; für einen 2000-Einwohner Ort angesichts des demografischen Wandels eigentlich nicht zu glauben. Vom Supermarkt über viele Einzelhandelsgeschäfte bis zum Döner verfügt Siedlinghausen  in der Tat  über eine unvergleichbare gute Infrastruktur.

Dazu kommen viele kleine, mittlere  und große  Handwerksbetriebe und mit der Firma Leiße eine Maschinenbaufirma mit überregionalem, vielleicht sogar europäischem, Niveau.

Arbeitsplätze nicht ausreichend besetzt
Allerdings, so Bürgermeister Eickler, könnten die Arbeitsplätze in den hochqualifizierten Betrieben Winterbergs nicht mehr ausreichend besetzt werden: „Die guten Leute werden aus der Region von den großen Konzernen abgeworben.“

Um für ihre hochspezialisierte Technik qualifizierte Mitarbeiter zu halten und zu gewinnen, sei man, so ein Mitarbeiter der Firma Leiße, dazu übergegangen, gute Leute nebenbei studieren zu lassen.

„Hier können Familien mit Kindern gut aufwachsen“, beschwor Werner Eickler.

Trotz alledem, die Stadt verliere (siehe Teil I) Einwohner.

Wie weiter am Meisterstein?
Von den ursprünglich 2003/2004 geplanten 30 Baugrundstücken am „Oberen Meisterstein“ werden, so Ratsmitglied Johannes Hellwig, nur 10 bis 15 Grundstücke realisiert. Die Zufahrt zum Neubaugebiet werde nicht wie geplant über eine Anbindung zur Straße „Am Meisterstein“ oder zum „Allenberg“ erfolgen. Die Kosten mitsamt einer Brücke an der Schnickemühle von geschätzten 300.000 Euro könne Winterberg nicht aufbringen. Die Erschließung erfolge also über den Oberen Meisterstein mit Zufahrt wie bisher über die Ennertstraße.

Was Winterberg geschafft hat, muss Olsberg noch ohne Zuschüsse erledigen
Trotz aller finanziellen Engpässe, so Bürgermeister Eickler, sei Winterberg mit seiner Infrastruktur im Kanalbau, bei den Wasserwerken und Abwasserbereich sehr gut aufgestellt. Man habe die Wasserwerke und Kanäle im Stadtgebiet erneuert, als es noch 80 Prozent Zuschuss vom Land gegeben hätte. Diese Sanierung hätten andere Städte wie beispielsweise Olsberg noch vor sich – leider würden heute keine Zuschüsse mehr gewährt.

1 Euro Verkauf kurbelt Bürger-Engagement an
Die Stadt Winterberg, so Eickler, habe rechtzeitig ihre Verwaltungsstruktur verschlankt und darüber hinaus beispielsweise Sportbetriebe für den symbolischen Wert von 1 Euro an die Vereine verkauft. Durch den so entfesselten  Enthusiasmus der Bürger verfüge Winterberg heute über allein vier Sportplätze mit modernem Kunstrasen.

Verbundschule steht
Die ehemaligen Hauptschulen Winterberg und Siedlinghausen würden schneller als ursprünglich geplant schon zum Schuljahr 2012/2013 zu einer Verbundschule mit zwei Standorten umstrukturiert – entgegen einer geplanten längeren Übergangszeit.

Zukunft Südwestfalen
Wirtschaftlich könne Winterberg langfristig nicht als eigener Standort konkurrieren. Die Zukunft sei die Region „Südwestfalen.

Soweit mein Bericht. Vieles ist weggelassen, verkürzt oder anders betont als es vielleicht die anderen Anwesenden akzentuiert oder berichtet hätten.

Hinweis: Bei Bedarf bitte in den Kommentaren austoben 😉

Britischer Premier für Prügelstrafe an Schulen

Premier Cameron
David Cameron, hier in Wachs und Würde. (foto:chris)

Strenge und Disziplin sind David Camerons Antwort auf alle Fragen dieser Welt. Er wird in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung mit den Worten zitiert:

„Der wichtigste Wert, den wir in die Klassen zurückbringen müssen, ist Strenge.“

Er plädiert für die Wiedereinführung körperlicher Züchtigung von Schülern durch die Lehrer.

Eltern von Schulschwänzern aus sozial schwachen Familien will er die staatlichen Zuschüsse kürzen.

Wie es Cameron, privilegierter Spross einer wohlhabenden Familie, mit der eigenen Strenge und Disziplin hält, war eindrucksvoll in der Unterhausdebatte der vergangenen Woche zu sehen, „where he lost it“.  Die britische Presse sprach von Macho-Gehabe und dem Gelächter von Schuljungen.

Ernst Barlach – noch zeitgemäß?

Der Bettler von Ernst Barlach
Der Bettler von Ernst Barlach im Garten des Ateliers in Güstrow (foto: chris)

Zeitgeist: Die Menschen sind beschäftigt, ständig erreichbar. E-Mail checken am Strand, Telefonate in der Bahn, Smartphone auf der Toilette, mit dem Laptop vorm Fernseher. Früher gab es Orte und Zeiten, an denen wir mit uns und für uns waren.

Ernst Barlach, der norddeutsche Bildhauer, Zeichner und Dramatiker, hat Menschen dargestellt, die über sich, über das Leben nachdenken. In seinen Kunstwerken werden Gefühle sichtbar: Die Liebe, die Trauer, die Verzweiflung, Wut, Hass, Glaube. All dies kann Ernst Barlach mit scheinbar einfachen Formen ausdrücken.

Ernst Barlachs Kunst galt den Nationalsozialisten als „artfremd“ . So kritisierte der NS-Gauleiter von Mecklenburg und Lübeck Friedrich Hildebrandt , „der deutsche Mensch kennt nicht den Bauern als einen faul auf die Erde gestreckten Menschen, sondern als den harten, selbstbewußten Mann, der gewillt ist, alle Schwierigkeiten zu überwinden, der mit brutaler Faust, mit dem Schwert in der Hand sich den Weg bahnt.“

Ein Mensch, der nachdenkt und innehält ist nach Hildebrandts Verständnis“ „faul“ . Im Nationalsozialistischen Staat war kein Raum für Denker, Zweifler, Fragende und Trauernde. Die NS-Ideologen wollten Macher und Kämpfer.

In der heutigen Zeit scheint es fast so, als würden wir uns selber die Zeit, die Ruhe und Muße zum Denken, zum Zweifeln und zum Fühlen nehmen. Ständig sind wir beschäftigt, wir haben immer etwas zu tun. Wir horchen kaum noch in uns hinein. Wie geht es uns? Was fühlen wir? Was denken wir? Keine Zeit. Zeitgeist.

Barlachs Figuren wirken wie aus einer anderen Zeit. Sie strahlen Ruhe aus. Sie sind fröhlich, sie singen, sie sind verzweifelt, sie hungern, sind arm oder mit dem Tod ihrer Liebsten konfrontiert. Aber die dargestellten Menschen sind bei sich, sie sind eins mit sich. Sie lassen sich auf diese Empfindungen ein und geben sich ihnen hin.

Ernst Barlach hat Skulpturen geschaffen, die auch in unserer schnelllebigen und oft oberflächlichen Zeit eine Menschlichkeit und Tiefe darstellen, die berührt.

Das Glück mancher Eltern in Sundern: Das tatsächlich beitragsfreie Kita-Jahr

Im folgenden Text geht es in erster Linie um bürokratische Entscheidungen und um den „kleinen Unterschied“ bei der Beitragsfreiheit im letzten Kindergartenjahr. Die Regelung im Hochsauerlandkreis ist nur mit einer Ausnahme im Sinne des Erfinders.

Die Politik feiert(e). Sie feiert(e) die Verabschiedung des Gesetzes:

„Letztes Kindergartenjahr in NRW ist beitragsfrei“! Die Neuregelung gilt ab dem 01.08.2011.

„Super!“ dachten sich auch viele Eltern. „Unser knappes Haushaltsbudget wird jetzt etwas entlastet!“ Leider mussten ganz schnell manche Eltern feststellen, das war ein „Fall von Denkste“.

Mütter und Väter im Hochsauerlandkreis sind durch das Gesetz „gekniffen“. Und zwar die, die mehr als ein Kind haben. Warum? Weil der Hochsauerlandkreis als Jugendhilfeträger –vorsorglich- bereits vor Verabschiedung des Gesetzes eine Satzung geändert hat. Am 01.07. 2011 entschied der Kreistag, dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu folgen, und ab 01.08.2011 die Beitragsbefreiung des 1. Geschwisterkindes (für den Besuch von Tageseinrichtungen, Tagespflegestellen oder Ganztagsschulen) aufzuheben.

Das gut gemeinte Gesetz der rot-grünen Landesregierung wird somit also konterkariert.

Auf telefonische Nachfrage der Sauerländer Bürgerliste (SBL) beim zuständigen Ministerium in Düsseldorf hieß es, das Vorgehen des HSK und anderer Jugendhilfeträger sei nicht im Sinne der Landesregierung. Leider hätten Regierung und Ministerium darauf aber keinen Einfluss.

Und das, obwohl der Hochsauerlandkreis vom Land eine Ausgleichszahlung für die Kosten des beitragsfreien Kindergartenjahres erhalten wird. Laut Auskunft des Ministeriums entscheiden die Kommunalen Spitzenverbände in Kürze  über die Höhe der Zahlung. Derzeit erhielten die Jugendhilfeträger bereits Abschlagzahlungen. Kann es also sein, dass der HSK Dank des beitragsfreien letzten Kita-Jahr sogar Plus machen wird? Er vereinnahmt ja schließlich die Ausgleichszahlungen des Landes plus Elternbeiträge für das bisher beitragsfreie erste Geschwisterkind. Warten wir mal ab, wie hoch die Ausgleichszahlung letztendlich ausfallen wird?! Das Kreisjugendamt hat dem Kreistag offensichtlich eine falsche Entscheidungsgrundlage geliefert. In der Beschlussvorlage für die Kreistagssitzung am 01.07.2011 steht:

“Angesichts der erheblichen finanziellen Mehrbelastung durch das KiBiz empfiehlt die Verwaltung, von einer doppelten Elternbeitragsbefreiung abzusehen und den Satzungstext neu zu formulieren.”

Übrigens, die Städte Arnsberg, Schmallenberg und Sundern, die eigene Jugendämter haben, agieren bei den Geschwisterbeiträgen unterschiedlich. Arnsberg verfährt wie der Hochsauerlandkreis, und Schmallenberg wartet, laut Auskunft eines Mitarbeiters, auf das Votum des nächsten Jugendhilfeausschusses. Glück haben die Eltern in Sundern. Die Stadt hat die Satzung bzgl. der Geschwisterkinder nicht geändert. Dort gibt es also in vielen Fällen die „doppelte Elternbefreiung“ und damit ein wirkliches Plus in der Haushaltskasse so mancher Familie mit kleinen Kindern!