Dankbarkeit

Um es mal klar und deutlich zu sagen: Ich bin dankbar für mein Leben. Es währt nun schon mehr als sieben Jahrzehnte. Ganz allmählich nähere ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung für Männer im heutigen Deutschland an, die bei 78,5 Jahren liegt. Ich habe eine Menge kennenlernen und erleben dürfen und hoffe auf noch einige weitere Erlebnisse in den nächsten Jahren. Aber es ist auch ganz offensichtlich, dass ich mich dem Ziel eines jeden Lebens annähere: dem Tod.

(Ein Beitrag von Detlef Träbert)

Wie ich an dieses Ziel gelangen werde, ist für mich wie für jeden Menschen völlig offen. Auch wie weit es noch bis zu diesem Ziel ist, ist für mich wie für fast alle Menschen unklar. Wir wissen nur, dass wir es irgendwann erreichen werden. Jeder von uns. Was danach kommt? Darüber gibt es die unterschiedlichsten Meinungen, Vermutungen, Hoffnungen. Aber eines ist auf jeden Fall sicher: Materiellen Reichtum werden wir nicht mitnehmen können. Warum ist er uns dann so wichtig? Wichtig ist doch nur, ein gutes Leben zu führen. Aber was ist das, ein gutes Leben? Viel Vermögen anzuhäufen? Tolle Reisen zu unternehmen? Oder ist nur ein sehr langes Leben ein gutes Leben? Ein Leben ohne schwerwiegende Krankheiten? Viel „gutes“ Essen, was genussvoll sein mag, dann aber oft genug das Leben auch wieder verkürzt?

„Dankbarkeit“ weiterlesen

Das Geisterrad an der Ehlener Straße

Das Ghost-Bike für Mike Suchanka an der Ehlener Straße kurz vor dem Abzweig zum Herkules (foto: zoom)

Als ich am 31. Januar den Blogbeitrag „Kassel/Pforzheim – zwei Radfahrer von Autofahrer*innen getötet“ schrieb, hatte der verstorbene Radfahrer für mich noch keinen Namen und kein Gesicht.

„Das Geisterrad an der Ehlener Straße“ weiterlesen

Kassel/Pforzheim – zwei Radfahrer von Autofahrer*innen getötet.

Das Licht am Ende des Tunnels täuscht. Für Radfahrende sieht es im Straßenverkehr häufig sehr düster aus. (foto: zoom)

Während ich die Bilder meiner Vorfrühlingsradtouren am Montag/Dienstag sortiere und mir einen launigen Texteinstieg überlege, erreichen mich über Mastodon traurige Meldungen bzw. Tröts. Zwei Radfahrer wurden unabhängig voneinander am Dienstagabend durch Autofahrer*innen getötet, der eine bei Kassel, der andere bei Neuhausen im Enzkreis/Pforzheim.

Die Polizei stellt die Unfälle folgendermaßen dar:

„Kassel/Pforzheim – zwei Radfahrer von Autofahrer*innen getötet.“ weiterlesen

Schwere und Leichtigkeit: Mit meinem Tod endet mein Ich. Wie geht ihr mit dem Gedanken an eure eigene Sterblichkeit um?

Prof. Christian Spannagel aka Dunkelmunkel (fotos: dunkelmunkel)
Prof. Christian Spannagel aka Dunkelmunkel (fotos: dunkelmunkel)

Unser Gastautor Christian Spannagel ist Professor für Mathematik an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg. In seinem Blog „CSPANNAGEL, DUNKELMUNKEL & FRIENDS“ erläutert Professor Spannagel aka Dunkelmunkel sein Verhältnis zum Tod.

In den letzten Monaten haben mich verschiedene Dinge gedanklich beschäftigt, ohne bislang zu “mentalen Blogartikeln” herangereift zu sein. Dazu zählen unter anderem die Themen Menschenbild, Persönlichkeitsentwicklung und Reflexion.

Demnächst werde ich ein paar Artikel dazu schreiben, und beginnen möchte ich heute mit einem Thema, das wunderbar zur Atmosphäre des Wave-Gotik-Treffens passt.

Das Thema lautet: Tod.

Das Thema Tod ist für mich eine ganz wesentliche Grundlage, weil die eigene Sterblichkeit letztlich alles bedingt. Denn: ich bin Atheist. Ich glaube an keinen Gott. Ich habe ein stofflich geprägtes Weltbild, eine Seele gibt es nicht. Meine eigene Gehirnaktivität und damit auch mein Denken und Fühlen enden mit meinem Tod. Mich selbst gibt es nur bis zu diesem Zeitpunkt. Mit meinem Tod endet mein Ich.
„Schwere und Leichtigkeit: Mit meinem Tod endet mein Ich. Wie geht ihr mit dem Gedanken an eure eigene Sterblichkeit um?“ weiterlesen

Henry van Dyke: And that is dying.

Dieses Gedicht hat keinen aktuellen Anlass. Ein Freund hat es mir heute geschickt, als wir uns über den Tod einer nahen Angehörigen in der fernen Vergangenheit austauschten.

Bis heute kannte ich Henry van Dyke überhaupt nicht. Ich werde seine Zeilen einem Menschen vorlesen oder vortragen, der einen Verlust erlitten hat. Vielleicht werde ich ihm auch nur die gedruckte Seite in die Hand legen und sagen: „Hier für Dich. Wenn Du Lust hast, übersetze es Dir. Es könnte Dir etwas sagen.“

Für mich selbst, sollte ich einmal sterben (wovon ich ausgehe), ist die Grundidee zu religiös, auch wenn sie das christliche Denken transzendiert. Anrührende Poesie ist es allemal.

"Dying" von Henry van Dyke (scan: tom)