Pausenbild: Hoffnung – Silencio

Was war ursprünglich und was ist später hinzugefügt worden? (foto: zoom)

Noch kann ich mir keinen Reim auf das Wandbild im Raum für urbane Experimente, vulgo Unterführung Hopla, machen.

Ich vermute, dass drei Elemente erst später hinzugefügt wurden: das jetzt halb aberissene Plakat, die Worte „NICHT WAHR?“ und die beiden orange-roten (?) Kreise mit dem Punkt in der Mitte.

Der weiße Balken mit SILENCIO (Steille, Ruhe, Schweigen) vor dem Mund ergibt Sinn, auch zusammen mit der HOFFNUNG über der Stirn.

Das blaue Band (Pflaster?) quer über dem Nasenrücken verdeckt vermutlich eine Verletzung.

Hohe Wangenknochen, der einäugige Blick drückt Angst, Verzweiflung (warum vermute ich das?) aus.

Ich könnte einen hypothetischen Zusammenhang konstruieren. Indigen, Lateinamerika, Unterdrückung, Kolonialismus. Mehr Vorurteil als Urteil?

Leider ist mir das Bild erst beim Durchsehen der Fotos stärker aufgefallen. Ich müsste noch einmal zurück in den Tunnel und schauen, ob es in einem größeren Kontext steht.

Es geht mir übrigens mit vielen Fotos so, dass ich im Nachhinein bedauere, nicht genauer hingeschaut zu haben.

Gut Ding will Weile haben.

Oder ist es noch banaler und das Graffiti ist einfach nur die Kopie eines bekannten Bildes, welches nur einer nicht kennt? Und das wäre ich. Traurig.

Katzencontent, Helau und Alaaf, Corona, mütend.

Begegnung beim Spaziergang (foto: zoom)

Ich bin mütend. Bei 50.196 Neuinfektionen starten wir mit Helau und Alaaf in die Karnevalszeit. Maskenlos, singend, schunkelnd und alles Ungesagte treibend, surfen wir die vierte Corona-Welle. Gut, dass ich kein Jeck bin.

Könnt ihr euch noch erinnern, wie uns Angela Merkel im letzten Jahr die unglaubliche Zahl von 19.200 Neuinfektionen zu Weihnachten vorgerechnet hat? So viele konnten wir kaum glauben. 19.200 – unfassbar.

Die letzten vier Tage in Deutschland: 15.513 | 21.832 | 39.676 | 50.196

Die Politik macht genau nichts, um den Anstieg wirkungsvoll zu dämpfen, stattdessen Lockerungen. In den Schulen Masken runter, Karneval in Köln.

Impfappelle fruchten nicht. Diejenigen, die sich bisher nicht haben impfen lassen, bleiben weiterhin stur. Die Zahl der ein und zwei Mal Geimpften bleibt nahezu konstant knapp unter 70%.

Selbst wenn sich ab heute der Rest der Bevölkerung impfen lassen würde, hätte das kaum Einfluss auf die aktuelle Welle, da der Schutz erst nach zwei Monaten voll ausgebildet wäre.

Die 235 Todesfälle von heute, sind Folge der Infektionen von vor zwei oder drei Wochen. Jeder Tag, an dem die Politik nichts oder das Falsche tut, kostet Menschenleben.

Wir brauchen konsequenten Abstand, Maskenpflicht in Innenräumen, insbesondere in den Schulen, dort evtl. Wechselunterricht mit kleineren Lerngruppen, Home-Office soweit wie möglich, keine Feiern, Konzerte, Theater. Regionale Lockdowns. Impfflicht für Lehrer*innen, Erzieher*innen, Pfleger*innen …

Was soll man tun? Warten bis die Sterbenden keinen Platz mehr auf den Intensivstationen finden und auf die Wirkung schrecklicher Bilder in den Medien „hoffen“?

Oder mit Mistgabeln vor die Landtage ziehen?

Ich bin mütend. Müde und wütend.

Manchmal mache ich Katzenbilder. Das beruhigt.


Update: Zu spät, aber endlich. Ethikrat empfiehlt Prüfung einer Impfpflicht gegen Covid-19 für Mitarbeitende in besonderer beruflicher Verantwortung.

https://www.ethikrat.org/mitteilungen/mitteilungen/2021/ethikrat-empfiehlt-pruefung-einer-impfpflicht-gegen-covid-19-fuer-mitarbeitende-in-besonderer-beruflicher-verantwortung/

Tschüss Sonntag

Eine Regenlücke zum Spaziergang genutzt. Die Holzstämme links sind der Sauerländer Fichtenwald. (foto: zoom)

Ich weiß nicht, aus welchen Gründen dieser Sonntag ziemlicher Mist war. Lag es an den Covid-19-Aussichten für die nächsten Wochen?

Die Politik stolpert durch die Pandemie, als gäbe es die Erfahrungen der letzten zwei Jahre nicht. Mit Sprechblasen, Unwahrheiten und irren Entscheidungen (Maskenpflicht in der Schule weg), haben sie es sich im Machtvakuum zwischen alter GroKo und künftiger Regierung eingerichtet. Denk ich an Gebauer in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Nein diese Ehre tue ich ihr nicht an. Schaut sie morgens in den Spiegel und begrüßt sich mit „Moin, Du alte Bildungsrampensau“? Wer schreibt ihre Reden, die sie so brav aufsagt? Was weiß ich?

Die Summe der Fehl- und Nichtentscheidungen in der Pandemiepolitik kostet Menschenleben.

Ich versuche mich im Hochsauerland hinter den Fichten vor dem Virus zu verstecken. Vielleicht findet es mich nicht. Hoffentlich bekomme ich bald eine Booster-Impfung und die Gebauer-Truppe den Laufpass.

Zehn Kilometer durch das vermatschte Sauerland. Das Adrenalin ist zwar unten, aber die Laune immer noch mies.

Gute Nacht!

Am Abend: Fern sehen im Hochsauerland

Blick vom Feldstein (756 m) (foto: zoom)

Ich habe schon lange nicht mehr die Bruchhauser Steine besucht.

Heute Abend hat es mich nicht mehr im Dorf gehalten und ich bin zur Feuereiche gefahren. Von dort sind es gut zwei Kilometer bis zum Feldstein, dem einzigen öffentlich zugänglichen der vier riesigen Vulkanfelsen Bornstein, Feldstein, Goldstein und Ravenstein.

Es lohnt sich, auf den Felsen zu klettern. Der Blick von dort oben ist fantastisch. Das wissen auch die vielen anderen Menschen, denen man begegnet, wenn man in der Hauptwanderzeit dorthin läuft/geht/wandert. Es empfiehlt sich im Umkehrschluss, die Bruchhauser Steine zu besuchen, wenn niemand anderes „Bock  darauf hat“, sonst wird es eng am Gipfelkreuz.

Vorhang auf (foto: zoom)

 

Pausenbild: Spaziergang im Herbstlaub

Von der Schlade zum „Familiengrab“ (foto: zoom)
Die letzten Oktobertage geben noch einmal alles.

Sonne, blauer Himmel, buntes Laub und angenehme Temperaturen. Heute haben wir die ISS um 6:23, 13 Feldlerchen, einen Wanderer mit Jagdhund und zwei Rehe gesehen.

Das Sauerland – aufregend wie immer. Beta-Blocker für die Seele.

Guten Morgen! Sind Gartenzwerge nicht mehr en vogue?

Entenküken statt Gartenzwerge als Zeichen der neuen Urbanität? (foto: zoom)

Guten Morgen! Genießt den Tag und arbeitet fleißig. Wo ist der deutsche Gartenzwerg geblieben?

Statt der fröhlichen mit Schubkarren, Schaufeln, Eimern, Besen und Harken ausgestatten bunten Zipfelmützenfiguren, besiedeln immer mehr rostige Flachmetall-Figuren die deutschen Vorgärten. Schmutzigbraune Rehe, Vögel und haste nich‘ gesehen.

Das kleine farblose Entenküken-Trio ist ein Zwischenschritt der Evolution vom bunten Kerlchen zum korrodierenden Beet. Oxidierendes Metall als Symbol des Niedergangs der Postmoderne?

Entwarnung!

Ich erwarte quasi täglich die Rückkehr der putzigen Kerlchen ergänzt um praefeministische Gartenzwerginnen. In einer Zeit, in der uns die neue Heimatfühligkeit in die Synapsen gespült wurde, ist auch die Rückkehr des deutschen Gartenzwerges überfällig.

Bis dahin: Sind sie nicht süß, die kleinen Entenküken im Herbstlaub? Ein herzerwärmendes Vademecum gegen die soziale Kälte der Gegenwart und die Ungewissheiten der Zukunft.

Mist, da kommt der Laubbläser um die Ecke.

Vom glücklichen Bergschweinchen zu Volker Kriegel

Zum glücklichen Bergschweinchen: Vöner – der vegane Döner(foto: zoom)

Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich auf Holzpaletten sitzend vor einer umgebauten alten Tankstelle in Kassel mit Genuss einen veganen Döner essen werde, hätte ich verächtlich schnaufend in eine fetttriefende Teigtasche mit überwürzten Fleischschnipseln gebissen.

Was die Erziehung der Eltern durch die Kinder doch alles ausmachen kann. Von wegen, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Nun, ich will aus der Ernährung keine Religion machen, aber vegetarisch ist nicht schlecht und vegan geht auch ab und zu. Außerdem bleiben keine Fleischfasern zwischen den Zähnen hängen.

Vöner = veganer Döner mit fancy Getränk. (foto: zoom)

Wir sind autofrei zu unserem Imbiss an der Weserstraße gelangt. Die Beschilderung am Parkplatz gefiel mir trotzdem ausgesprochen gut.

Korrekt (foto: zoom)

Zum Nachtisch gab es beim Scheibenbeisser in der Fünffensterstraße die Doppel-LP Inside: Missing Link von und mit Volker Kriegel – wenig überraschend, da tags zuvor in einem Kommentar angekündigt: https://www.schiebener.net/wordpress/freestyle/

Mit Inside: Missing Link vor dem Scheibenbeisser. (Foto: Hannah)

Ein perfekter Tag.

Freestyle

Spaziergang im Sauerland (foto: zoom)

Bevor der Regen heute niederprasselte, gab es ein kleines trockenes Zeitfenster. Schuhe an und raus.

Die Stunden danach erschöpft auf dem Sofa fläzen und über Lesestoff nachdenken. Chimamanda Ngozi Adichies Americanah oder Thomas Ebermanns Linke Heimatliebe?

Es wird weit vor dem Sonnenuntergang dunkel und ich drehe Platten um. Embryo, Sweet Smoke, Unplaces, tangerine dream, The United Jazz + Rock Ensemble. Ab 20 Uhr gibt es Böhmermann in der ZDF-Mediathek.

Die Krimi-Trilogie von Mercedes Rosende um die bemerkenswerte Ursula Lopez Platten drehend abgeschlossen. Nette Unterhaltung.

Böhmermann – jetzt!

Es weht der Herbst mit Storm und Wind…

Die Wandergans mit hartem Schrei… (foto: zoom)

Bis gestern habe ich im subjektiven Spätsommer gelebt, eine kleine Radtour durch das Hochsauerland gemacht und in einem Café ohne zu frieren draußen gesessen, um Kalorien nachzutanken. Leckerer Himbeerkuchen.

Heute erkläre ich den Herbst für eröffnet.

Die Wandergans mit hartem Schrei…

Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei … Laub-Sauger Stop! (foto: zoom)

Statt Sonne auf den Radwegen, Chlor im Winterberger Hallenbad, Regen auf den Wanderwegen.

Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei…

Über welchen Themen werden wir bis zum Jahresende brüten dürfen?

  • Pandemie – es geht wieder los.
  • Rot/Grün/Gelb – was kommt auf uns zu?
  • Klimawandel/Klimakatastrophe – nicht (allein) auf die Parteien vertrauen.
  • Schwurbler – wobei der Begriff zu harmlos ist.
  • Rassismus, Nationalismus, Kolonialismus – wo verlaufen die Bögen?
  • Antisemitismus – stirbt nicht aus.
  • Soziale Frage – wird brennender.
  • Nazis und ihre Netzwerke – erschreckend.
  • Medien – ihr Zustand.

Die positiven Dinge des Lebens nicht vergessen!

  • Musik – live und auf dem Plattenteller.
  • Theater – hoffentlich bald wieder „in echt“.
  • Bücher – Bibliotheken und kaufen, Hauptsache lesen.
  • Filme – bis ich mich wieder ins Kino traue, Mediathek und DVDs.
  • Bewegung – Hauptsache draußen.
  • Freunde – hoffentlich geimpft.
  • Familie – gehört nach ganz oben.
  • Ausflüge – irgendwie nach irgendwo.
  • Fotografieren – als Angewohnheit.

Was habe ich vergessen?

Die Stadt

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.

Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai
Kein Vogel ohn Unterlaß;
Die Wandergans mit hartem Schrei
Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei,
Am Strande weht das Gras.

Doch hängt mein ganzes Herz an dir,
Du graue Stadt am Meer;
Der Jugend Zauber für und für
Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir,
Du graue Stadt am Meer.

Theodor Storm: Gedichte