Back in Town: Fauna und Flora

Die Große Eintagsfliege (foto: zoom)

Zurück im Sauerland kann ich mich wieder der heimischen Fauna und Flora widmen. Enzian ist auf Dauer auch ermüdend.

Die Große Eintagsfliege spiegelt sich im Fenster und wartet auf eine Lebenspartnerin. Das sieht eitel aus, aber welche Gefühle kann eine Eintagsfliege schon haben? Immerhin war sie Insekt des Jahres 2021.

Mit nur einem Unfallstau haben wir es zurück ins Sauerland geschafft. Ein Auffahrunfall auf der A7 bei Malsfeld. Der Grund ist noch unklar.

Im Urlaub hatte ich einen Alptraum, in welchem die Gräser und krautigen Blütenpflanzen, oft abschätzig Unkraut genannt, den Balkon überwucherten.

Glücklicherweise ist es trotz hoher Gräser und der prächtigen Wucherblumen nicht zum Alleräußersten gekommen. Dem Löwenzahn in den Pflasterritzen werde ich an den Kragen gehen, aber die Margeriten bleiben stehen. Die Gräser will ich auch noch bestimmen, obwohl das nicht zu meinen Lieblingstätigkeiten in der Pflanzenwelt gehört. Aber Blüte ist Blüte. Und gemäht wird erst später im Juni.

Es sind nicht die einzigen Margeriten in der wuchernden Wiese. (foto: zoom)

Soweit die ersten atemberaubenden Eindrücke. Es wird sicherlich demnächst wieder spannender.

Ein deutscher Urlaub endet

Die sogenannte „Hindenburglinde“ oberhalb von Ramsau (foto: zoom)

Solange Antidemokraten wie Hindenburg in Deutschland mit Ehrenbürgerschaften, Straßennamen und Bäumen wie der sogenannten Hindenburglinde geehrt werden, stimmt etwas nicht in unserem Land.

In den 1930er Jahren wurde die Deutsche Alpenstraße direkt an der Linde vorbeigeführt. Im Rahmen der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Ramsau an den damaligen Reichspräsidenten Feldmarschall Paul von Hindenburg am 26. März 1933 erhielt der bis dahin unter dem Namen Große Linde bekannte Baum seinen heutigen Namen; der benachbarte Gasthof Lindenhäusl wurde 1950 zu einem Berggasthof und Hotel erweitert und in Hindenburglinde umbenannt.

https://www.wikiwand.com/de/Hindenburglinde

Große Linde erschiene mir als Name passend.

Dies ist die Tafel, die die Große Linde beschreibt. Kein Wort über die unrühmliche Rolle Hindenburgs in der deutschen Geschichte. (foto: zoom)

Fort von dem großen Baum. Sehen wir uns die aktuellen Auswirkungen der Klimakatastrophe an. Auf zum Blaueisgletscher.

Blick von der Blaueishütte zum unteren Teil des Gletschers. (foto: zoom)

Im letzten Jahr wurde die Situation beim Bayerischen Rundfunk folgendermaßen beschrieben:

Noch gibt es fünf Gletscher in den bayerischen Alpen: Den Nördlichen und Südlichen Schneeferner auf der Zugspitze, den Höllentalferner im Wettersteingebirge, den Watzmanngletscher und den Blaueisgletscher in den Berchtesgadener Alpen. Doch wo einst die Eiszungen bis hinunter ins Tal reichten, ist nicht mehr viel geblieben. Bayerns Gletscher, von Hause aus eher kleine Gletscher, sind inzwischen auf Reste zusammengeschmolzen. Und an diesen Resten nagt jeder Temperaturrekord vergangener Jahre.

https://www.br.de/klimawandel/gletscher-bayern-alpen-schmelzen-klimawandel-100.html

Vom Blaueisgletscher waren 2015 nur noch 15 Prozent des Eisvolumens von 1950 geblieben und die Schmelze geht munter weiter.

In der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft werden die Ergebnisse einer aktuellen Studie beschrieben:

„Der Klimawandel macht die Alpen grüner – eine Veränderung, die sogar aus dem Weltraum zu sehen ist. Das berichten Forscherinnen und Forscher um Sabine Rumpf von der Universität Basel. Sie haben nachgewiesen, dass in den zurückliegenden vier Jahrzehnten die Schneedecke in den Alpen geschrumpft ist und dort stattdessen mehr Pflanzen wachsen. Das habe weit reichende Folgen für Mensch und Natur.“

https://www.spektrum.de/news/klimawandel-weniger-schnee-und-mehr-gruen-in-den-alpen/2026810

Gletschersterben und falsche Heldenverehrung. Ist das noch Urlaub? Klar, ihr fahrt schließlich auch mit dem 9-Euro-Ticket über den Hindenburgdamm nach Sylt.

Die Escape-Route aus dem Elend war zum Abschluss eine Wanderung vom Jenner ins Umland. Noch einmal auf den Watzmann gucken und vorbehaltlos den Rundumblick genießen.

Rast oberhalb des Pfaffenkegels (links unten im Bild). (foto: zoom)

Die nächsten Berge werden wieder etwas kleiner sein. Ich denke da zum Beispiel an die Halde an der Beckstraße in Bottrop. Aber das wird wiederum ein anderes Kapitel.

Er hatte es auf unsere Müsli-Riegel abgesehen. (foto: zoom)

„Milliardengrab Atomkraft“ – ARD radiofeature über die Kosten der Kernenergie

Das „ARD radiofeature“ begibt sich auf Spurensuche. Recherchiert Hintergründe und Zusammenhänge, sucht nach der Wahrheit hinter der Wirklichkeit. (Bild: © WDR/picture alliance/imageBROKER)

Eigentlich sollen in Deutschland Ende 2022 die letzten drei Atomkraftwerke vom Netz gehen – das Ende eine Ära. Doch jetzt könnte es eine Kehrtwende geben. Wachsende Spannungen in Europa haben die Debatte um die Versorgungssicherheit auch in Deutschland neu eröffnet. Start-ups tüfteln bereits weltweit an neuen Formen der Kernenergie.

(Pressemitteilung ARD/WDR)

Wie teuer ist Atomkraft wirklich und welche Kosten müssen die nachfolgenden Generationen tragen? Autor Tom Schimmeck hat zu diesen und weiteren Fragen recherchiert und mit Experten, Befürwortern und Gegnern gesprochen. „Milliardengrab Atomkraft – Doku über unkalkulierbare Kosten“ heißt das ARD radiofeature, das ab Mittwoch, 08. Juni 2022, in acht Wort- und Kulturwellen der ARD zu hören und im Internet unter www.ardaudiothek.de als Podcast verfügbar ist.

Einst galt die Kraft der Kernspaltung auch in Deutschland als Garant für Wachstum, Wohlstand und Fortschritt. Der erste Atomreaktor lieferte ab 1961 Strom für die Bundesrepublik. Milliarden flossen über die Jahrzehnte in die Forschung und den Bau der Reaktoren. Bei der Beseitigung des strahlenden Mülls halfen Behörden großzügig – bis an die Grenzen der Legalität.

Durch den Super-GAU von Tschernobyl 1986 wuchsen die Zweifel an der Sicherheit der Atomkraft; die dreifache Kernschmelze von Fukushima 2011 zementierte den deutschen Ausstieg.

Der Abriss der Atomruinen wird Jahrzehnte dauern. Und weitere Milliarden verschlingen. Das größte Problem: der hoch radioaktive Müll. Wenn Ende dieses Jahres das letzte deutsche AKW abgeschaltet wird, dürften nach Schätzungen etwa 27 000 Kubikmeter – circa 1.900 Behälter mit Abfällen – übrig und noch viele hunderttausend Jahre gefährlich bleiben. Ein kostenintensives und nicht kalkulierbares Erbe an unsere Nachfahren.

Tom Schimmeck war Mitgründer der „taz“ und Redakteur bei Magazinen wie dem Spiegel. Als Reporter berichtete er aus Afrika, Asien, Europa und den USA. Seit 2004 produziert er Radio-Feature für die ARD und den Deutschlandfunk. Seine Arbeiten wurden u.a. mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Ernst-Schneider-Preis, dem Deutschen Sozialpreis, dem DRK-Medienpreis und dem RIAS Radio Award ausgezeichnet.

Sendetermine:
MDR Kultur Mittwoch, 08. Juni 2022, 22:05 Uhr
SWR Freitag, 10. Juni 2022, 15:05 Uhr
BR 2 Samstag, 11. Juni 2022, 13:05 Uhr
SR 2 Samstag, 11. Juni 2022, 09:05 Uhr
Bremen Zwei (RB) Samstag, 11. Juni 2022, 18:05 Uhr
NDR Info Sonntag, 12. Juni 2022, 11:05 Uhr
WDR 5 Sonntag, 12. Juni 2022, 13:04 Uhr
hr2-kultur Sonntag, 12. Juni 2022, 18:04 Uhr

Ein deutscher Urlaub Teil IV

In der Wimbachklamm (foto: zoom)

Gestern war grausames Sonnenbrandwetter für Menschen mit empfindlicher Haut. Ich habe mir angewöhnt, bei schönem Wetter lange Hosen und langärmelige Hemden zu tragen. Auf den Kopf kommt eine Schirmmütze.

Heute merke ich, dass der Nacken ein Schwachpunkt ist. Der Kragen muss höher oder die Sonnencremeschicht dicker werden. Inklusives Oder.

Das frühe Aufstehen hat uns eine fast menschenleere Wimbachklamm beschert. Zeit, um ein wenig mit den Kameraeinstellungen zu experimentieren. Keine Raketenwissenschaft, aber immerhin habe ich es ohne Graufilter geschafft, dass das rauschende Wasser ein milchig fließendes Aussehen bekam.

Hinter der Klamm wurde das Wimbachtal zu einem Geröll- bzw. Griesfeld.

Nur Geäst, kein Kadaver (foto: zoom)

Wir haben uns noch bis hinter die Wimbachgriesalm hochgeschlagen und dort ein alkoholfreies Weizenbier gezischt. Als wir am frühen Nachmittag die Bushaltestelle ereichten, waren gut 20 Kilometer „auf dem Zähler“.

Was sonst noch passiert? Nicht viel. Lesen und eine Investigativ-Doku beim MDR gucken:

Vergifteter Boden, verseuchtes Wasser – Wie Chemie-Altlasten Generationen belasten

„Die bittere Erkenntnis der investigativen Recherche: Viele Umweltschäden durch Altlasten werden bis heute vor der Öffentlichkeit geheim gehalten.“

https://www.mdr.de/investigativ/video-608010_zc-f80c8d3a_zs-0fdb427d.html

Schwerpunkt der Recherche sind Bitterfeld und der Kölner Raum. Nach der Sendung hat man das unbestimmte Gefühl, dass es noch weitere „vergiftete Orte“ in Deutschland geben könnte. Ein Erbe unserer 140-jährigen Industriegeschichte, wie es ein Experte im Film ausdrückt.

Kann man die Umweltvergiftung im Berchtesgadener Land wandernd vergessen? Kann man, aber man sollte sich im echten Leben, jenseits der touristischen Märchenwelten, öfter in den Arm zwicken und sich daran erinnern.

Ein weiteres fortgesetztes Erbe des Industriezeitalters sind die Klimagase Kohlenstoffdioxid und Methan. Und da muss man in der Perspektive sagen:

Bitterfeld und Köln überleben wir, die Klimakatastrophe unter Umständen nicht.

Gibt es auch gute Nachrichten? Die Wettervorhersage war heute tiptop. Das Unwetter war für 17:48 angekündigt, um 12 Minuten vor Sechs fielen die ersten Regentropfen und der Donner grollte. Ein Hoch auf die Wetter-Wissenschaft.