
Rettungsschirme anno 1986

das Sauerland und mehr


Wer sagt es denn. Es gibt trotz Gentrifizierung und steigender Mieten doch noch echte Schnäppchen auf dem Hamburger Wohnungsmarkt.
„Einkaufsmöglichkeiten sind gut zu erreichen. Der nahegelegene Stadtpark sowie die Alster laden zum Spazierengehen, Radfahren, Wandern oder einfach nur zum Erholen ein“, und das Schätzchen ist für lumpige 135,80 € zu mieten.
Kleiner Pferdefuß: 17.62m² Wohnfläche, dafür aber „keine Dusch-/Bademöglichkeit“.
Weitere Add-Ons: … ausgestattet mit elektischer(sic!) Warmwasserversorgung, Zentralheizung, Kabelanschluss, Wohnungswasserzählern und Rauchwarnmeldern.“
Der Vermieter meint: „Preislich unschlagbar günstige Wohnung, besonders für Pendler geeignet.“
Wir meinen: Reicht doch zum Schlafen, und immer aus Tokio einpendeln macht doch auch keinen Spaß.
Unter der Leitung des umtriebigen japanischen Dirigenten Kasuo Kanemaki bietet die Laeizhalle am Samstag, dem 23. Juni 2012 ein sehr hochkarätiges Konzert mit professionellen Musikern und erfahrenen Laien.
Es singen und spielen die Hamburger Kammerphilharmonie, der Kinderchor der Japanischen Schule Hamburg e.V., der Kanemaki-Chor Hamburg, das Chorensemble Goethe Hamburg, der Philharmonische Chor Essen und der Johannes-Brahms-Chor Hamburg.
Drei dieser Chöre leitet der in Tokio geborene Kasuo Kanemaki. Eine erfahrene Chorsängerin nennt Kanemaki „den besten Chorleiter, den ich bisher hatte“. Er verbinde „japanische Sanftheit mit konsequenter Probenarbeit“.
Die Solisten sind die in New York wohnhafte Pianistin Klara Min, Shihoko Higashida Sopran, Hendrik Lücke Tenor und Kei Kondo Bassbariton.
Carmina Burana
Carmina Burana ist eine der erfolgreichsten klassischen Kompositionen des 20. Jahrhunderts. Carl Orff schuf bombastische Musik voller Emotionalität, Erotik, Leidenschaft und Traurigkeit. Es kommt somit all das vor, was das Leben bereithält.
Der Text, der eine grandiose Harmonie mit der Musik eingeht, stammt aus der gleichnamigen lateinischen und mittelhochdeutschen Liedersammlung des 11. und 12. Jahrhunderts. In diesem Konzert werden die Lieder gleich von mehreren Chören vorgetragen.
Carl Orff
Carl Orff war ein sehr anpassungsfähiger Künstler. Die Uraufführung der szenischen Kantate fand 1937 in Frankfurt statt. Orff wirkte unangefochten die gesamte NS-Zeit hindurch in Deutschland, während andere bekannte Komponisten, Dirigenten und Musiker das Land verlassen mussten. Nach 1945 wiederum fügte sich Orff nahtlos in den Kulturbetrieb der Bundesrepublik ein.
Johannes Brahms und Frédérick Chopin
Neben Carmina Burana stehen zwei weitere Stücke auf dem Programm des Konzertabends:
Die Chöre singen das Schicksalslied des in Hamburg geborenen Johannes Brahms und die Musiker spielen das 1. Klavierkonzert E-Moll des polnisch-französischen Komponisten Frédéric Chopin.
Wir empfehlen einen Besuch dieses Konzertes, denn es wird einfach gut werden. Zudem findet es am ersten Wochenende der Hamburger Schulferien statt. Somit könnte es ein schöner Ferieneinstieg für die ganze Familie sein.
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HÖRTIPP mit Verfallsdatum: Zeitzeichen bei WDR5 über Entstehung, Wirkungsgeschichte und Inhalt von Carmina Burana.

Wir berichteten hier im Blog über die vor einigen Jahren eingestellte Fährverbindung zwischen Harwich und Hamburg.
Als es diese Schiffsroute von England nach Hamburg und wieder zurück noch gab, stieg regelmäßig bei Brunsbüttel ein Lotse zu.
Dieser erfahrene Kenner der Elbe half, das Passagierschiff sicher an seinen Anleger an den St. Pauli Landungsbrücken zu bringen.
Am 2. Juni 2012 wird der CANTO GENERAL, der Große Gesang des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis mit Texten des chilenischen Dichters und Schriftstellers Pablo Neruda im Klinkerwerk der KZ-Gedenkstätte Neuengamme aufgeführt.
Lateinamerikanische Exildichtung trifft auf griechische Musik, auch sie im Exil entstanden.
In den Texten zum Canto General bewundert Pablo Neruda die schillernde Natur seiner Heimat, ihre Vielfalt und Mehrdeutigkeit. Gleichzeitig kritisiert er die gewalttätige Eroberung und Unterdrückung Lateinamerikas durch die Kolonialmächte Europas und die USA. Nerudas Poesie ist sentimental, politisch und kämpferisch.
Dies gilt ebenso für die Musik von Mikis Theodorakis. Die griechischen Rhythmen gehen eine manchmal etwas schroffe Einheit mit der eher kantigen spanische Sprache ein. Die daraus entstandene Musik bewegt, sie kann aufrütteln und Mut machen.
Bevor Theodorakis in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts seinen CANTO GENERAL in Chile zur Aufführung bringen kann, wird die Regierung von Salvador Allende mit Hilfe des US-Geheimdienstes geputscht. Die Griechen hingegen befreien sich von den Obristen und kehren zur Demokratie zurück. Statt im Chile Pablo Nerudas, erlebt der CANTO GENERAL zunächst in Paris sein Uraufführung. 1975 kann das Werk endlich in Theodorakis Heimat gespielt werden, im demokratischen Griechenland.

Das Konzert am 2. Juni 2012 findet im Klinkerwerk der KZ-Gedenkstätte Neuengamme statt. Dies ist das größte erhaltene Gebäude des damaligen Konzentrationslagers. Ein Ort der Verfolgung und auch des Widerstands. In Neuengamme mit seinen zahlreichen Außenlagern inhaftierte die SS mehr als 100.000 Menschen aus ganz Europa. Nicht einmal die Hälfte von ihnen überlebte.
Am 2. Juni 2012 wird der Große Gesang zum zweiten Mal von dem Chor „Hamburger Singakademie“ in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme aufgeführt. Die Solisten sind Julia Schilinski und Matthias Lüderitz. Instrumentale Unterstützung erhalten die Sängerinnen und Sänger durch ‚Elbtonal‚ (dem einen oder anderen Sauerländer vielleicht noch vom Sauerlandherbst 2010 in Erinnerung). Der bekannte Hamburger Schauspieler Rolf Becker wird den Text sprechen.
Als wollten sie die Aktualität des Widerstands gegen Nazismus, Rassismus und Intoleranz unterstreichen, rufen Rechtsradikale in Hamburg für den 2. Juni 2012 euphemistisch zu einem Tag der Zukunft auf. Zahlreiche Gegenveranstaltungen sind geplant. Wie sagte noch Bertholt Brecht: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.
Das Konzert am 02. Juni 2012 um 18.00 Uhr wird sicherlich ein außergewöhnliches Kulturereignis werden, dessen Besuch auf jeden Fall lohnt.

Beim Sortieren und Ausmisten im Keller stieß ich auf dieses Foto. Es könnte sich um das Freibad im Hamburger Stadtpark handeln, vielleicht. Wann? 50er Jahre so ungefähr.

Das bekannte Hamburger ‚Streit’s‘-Kino liegt mitten in der Stadt am Jungfernstieg. Es wurde 1957 eröffnet und zeigt aktuelle Filme im Original ohne Untertitel. Ich hatte von Schließungsplänen gehört und wollte das Programmkino noch einmal besuchen, vielleicht zum letzten Mal.
Im Foyer des Kinos befindet sich eine Bar. Besucher können am Tresen stehend Kaffee oder Bier trinken und es sich auf den Sofas bequem machen. Kinogänger wählen zwischen Sitzplätzen im Parkett oder im Rang. Das Lichtspielhaus wurde vor 55 Jahren eröffnet und atmet den Charme dieser Zeit. Am heutigen Nachmittag, mitten in der Woche, sitzen wir gemeinsam mit 30 weiteren Besuchern in bequemen blauen Doppelsitzern.
Mit meiner Nachbarin komme ich ins Gespräch: Sie sei aus Bergedorf und fahre extra in die Stadt, um ins Streit’s zu gehen. Es gefalle ihr, dass hier die Originalfilme ohne die störenden deutschen Untertitel gezeigt werden. Dafür nehme sie auch gern den längeren Weg in Kauf.

Im Anschluss an den Film frage ich die Kassiererin nach den Schließungsplänen: ‚Bis Ende März 2013 gibt es uns noch, was dann wird, wissen wir nicht. Es fehlt das Geld.“
Beim Verlassen des Kinos sehe ich mich um. Ein Markler würde von einer ‚Toplage‘ sprechen. Das Kino befindet sich am Jungfernstieg in direkter Nachbarschaft zum Alsterhaus und dem Apple Store. Da lässt sich doch sicher mit anderen Nutzern mehr Geld verdienen. So jedenfalls spekuliert zur Zeit die jetzige Eigentümerin, die Streit’s Grundstücksgesellschaft.

Für Hamburgs Kinofans wäre die Schließung des Streit’s ein herber Verlust. In keinem anderen Kino können sie so zentral die aktuellen Filme im Original ohne Untertitel sehen. Außerdem strahlt dieses Kino Gemütlichkeit und Charme aus, die einem Kinokomplex wie dem Cinemaxx völlig fehlen.

Von Oktober 1997 bis März 2000 fräste sich die größte Schildvortriebsmaschine der Welt, genannt TRUDE, unter der Elbe durch. So entstand die vierte Elbtunnelröhre.
Viel genützt hat es nicht. Wer nach Hamburg kommt oder wieder raus möchte, steht meist vor dem Elbtunnel im Stau.
Heute kann das Schneidrad mit einem Außendurchmesser von 14,20 Meter im Museum der Arbeit bewundert werden. Für Technikfreunde gibt es auf der Seite des Museums ein informatives Infoblatt (pdf) über TRUDEs Tätigkeit.

Sind Sie am Hamburger Hafen auf der Suche nach einem kühlen Bier und einer leckeren Portion Pommes in etwas ungewöhnlichem Ambiente?
Dann wäre vielleicht dies kleine, rote Feuerschiff das Richtige für Sie. Es liegt an den Vorsetzen im Hamburger Hafen, direkt an der U-Bahn Station Baumwall. Die Preise sind recht moderat, der Ausblick auf die Elbe einfach schön. Neben Essen und Trinken bietet das stillgelegte Leuchtfeuer Übernachtung und Räumlichkeiten für Feiern.
