Umleitung: Sprache und Programm der AfD, Donna Leon, Sachbesitz, Funke Medien, Ramadan, Hütchenspiele, Todenhöfer und mehr …

Trübe Luft kurz vor dem Gewitterregen am Hillebachsee in Niedersfeld. (foto: zoom)
Trübe Luft kurz vor dem Gewitterregen am Hillebachsee in Niedersfeld. (foto: zoom)

Semantik der AfD: “Es ist gut, dass man in diesem Land eben nicht alles sagen darf!” … deutschlandfunk

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Wie viele Dinge? Sachbesitz und Materialität: Zu unterschiedlichen Zeiten und auf verschiedenen Kontinenten verfügen Menschen über jeweils ganz andere Ausstattungen an Sachbesitz. Diese Differenzen sind nur zum Teil durch “Armut“ oder “fehlende Technologie“ zu erklären … publicHistory

„Beschädigtes“ Mädchen: „Ewige Jugend“ – Donna Leons 25. Brunetti-Krimi … revierpassagen

Ramadan: Gesegnete und friedliche Zeit … scilogs

WAZ, NRZ und Westfalenpost: Die Funke Mediengruppe startet ihre redaktionelle Transformation der Regionalzeitungen ins digitale Zeitalter. Unter der Bezeichung „Redaktion 2018“ beginnt der Prozess in den NRW-Redaktionen … funkemedien

Hütchenspiele: Er trägt es hoffentlich mit Fassung, dass er nun der neue „Doktor“ ist, an dem sich das Blog Causa Schavan reibt … erbloggtes

Satire: Im Tunnel … zynaesthesie

Blogspektrogramm 22/2016: soziale Variation, Migration & Übersetzung, Synchronisation, historische Semantik und Mohammed Alis Beitrag zur Poesie … sprachlog

Seehofer hat den Bogen überspannt: Biegt der CSU-Chef im Unionsstreit bei? … postvonhorn

Wenig huldvolles in Essen: Jürgen Todenhöfer, selbsternannter Islam-Experte … prinzessinnenreporter

Dortmund: So viel Terror steckt im „TddZ“ … ruhrbarone

Ausstellung „Drei Steine“ in der Steinwache: Lesungen zum Comic-Roman über rechte Gewalt in Dortmund … nordstadtblogger

Best of Ruhrpoeten! Musikalische Lesung der Bibliothek der FernUniversität … doppelwacholder

Neheims-Netz: nicht mehr erreichbar – schade :-( … neheimsnetz

Nachtrag: “Dann bin ich ja ein Mörder!” – Film und Diskussion in der Gedenkstätte Steinwache

Am vergangenen Donnerstag wurde in der Dortmunder Gedenkstätte Steinwache die gut einstündige Dokumentation “‘Dann bin ich ja ein Mörder!’ – Adolf Storms und das Massaker an Juden in Deutsch Schützen” gezeigt.

Der österreichische Politikwissenschaftler Walter Manoschek[1] war aus Wien angereist, um Fragen zur Geschichte seiner Recherchen und zum Film selbst zu beantworten.

Walter Manoschek (links) beantwortet Fragen zu Recherche und Film. (foto: zoom)
Walter Manoschek (links) beantwortet Fragen zu Recherche und Film. (foto: zoom)
Den Film habe ich oben verlinkt, er liegt als DVD dem gleichnamigen Buch[2] von Walter Manoschek bei. Einfach angucken, dann können wir in den Kommentaren weiter diskutieren.

Zum Inhalt des Films und des Buchs (Klappentext hinten):

Am 29. März 1945 erschossen drei Angehörige der Waffen-SS-Division “Wiking” mindestens 57 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter im burgenländischen Deutsch Schützen. Einer der mutmaßlichen Täter hieß Adolf Storms. 63 Jahre nach dem Massenmord gelang es Walter Manoschek, mit Storms und zwei weiteren beteiligten HJ-Führern zu sprechen.

Was mich beeindruckt hat:

    die Hartnäckigkeit, mit der Adolf Storms jegliches Erinnerungsvermögen an sein Verbrechen in Deutsch Schützen abstreitet

    die Art der Interviewführung durch Manoschek und seinen Kameramann

Konfrontiert mit den erdrückenden Beweisen für dein Verbrechen äußert (Klappentext Buch) der SS-Mann Storms (Telefongespräch 28.7.2008):

Storms: Wenn das stimmt, dann bin ich ja ein Mörder!

Manoschek: Wenn das stimmt, sind Sie ein Mörder.

Storms: Ja, dann kann man ja nicht mehr leben. Nein …

Manoschek: Das sind die Aussagen von einigen HJ-Angehörigen. Ich kann das nicht verifizieren, ob es stimmt.

Storms: Ich auch nicht. Aber wenn es stimmt, bin ich ein Mörder. Das waren doch Wehrlose dann. Das waren doch Wehrlose!

Manoschek: Das waren wehrlose Juden.

Seit 1946 war Adolf Storms zur Fahndung ausgeschrieben, doch eine Verfolgung unterblieb. Erst 63 Jahre nach der Tat stieß im Frühjahr 2008 der Student Andreas Foster beim Studium von Prozessakten auf den Namen Adolf Storms (Manoschek, S. 9).

Manoschek schreibt: “Es war nicht schwer, Adolf Storms zu finden. Der Name des ehemaligen SS-Unterscharführers stand im deutschen Telefonbuch. Er lebte seit 60 Jahren unbehelligt an derselben Adresse in einer Kleingartensiedlung am Rande von Duisburg” (S. 7).

Sowohl in der Diskussion als auch im Vorwort des Buches (S. 8) beschreibt Walter Manoschek, was danach geschah.

Manoschek20150402Er sei 2008 nach Duisburg geflogen, habe an der Haustür von Adolf Storms geläutet, habe gefragte ob dieser bereit wäre, ein Interview über seine Kriegsvergangenheit zu führen undwsei verblüfft über dessen Zustimmung gewesen(ebda).

Auf der Veranstaltung in Dortmund schilderte Manoschek, wie er vorsichtshalber ein Krankenzimmer in Duisburg habe reservieren lassen, “falls Storms unter der Last der Schuld zusammengebrochen wäre.”

Doch der einzige emotionale Satz, den Manoschek als Interviewer von Storms gehört habe, wäre im Telefongespräch gefallen: “Wenn das stimmt, dann bin ich ja ein Mörder!”

Auf die Frage einer Besucherin, wie er es ausgehalten habe, mit einem mutmaßlichen Mörder zu sprechen ohne emotional überwältigt zu werden, antwortete Walter Manoschek:

“Ganz einfach – durch professionelle Herangehensweise. Distanz. Ernst nehmen. Wir beide hatten ein Arbeitsbündnis geschlossen.”

Die simple Frage ‘Warum spricht er mit mir?’, sei nicht leicht zu beantworten. Im Buch habe er einige Thesen aufgestellt, die ihn aber selbst nicht restlos überzeugten.

Storms habe sich gut an diejenigen Ereignisse erinnern können, bei denen er selbst in Gefahr war.

Er, Walter Manoschek, sei sicher, dass es nicht die einzige Tat Storms war. “Er war wahrscheinlich an anderen Tötungen und Morden beteiligt.”

“Lachend, plaudernd und kaltblütig” seien die SS-Männer nach Zeugenaussagen zum Mord geschritten. “So verhält man sich nicht, wenn es das erste Mal ist.”

[1] Walter Manoschek, geb. 1957; Außerordentlicher Professor für Politikwissenschaft an der Universität Wien, 1995-1999 Mitgestalter der Ausstellung “Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944”.

[2] Walter Manoschek, “Dann bin ich ja ein Mörder!” Adolf Storms und das Massaker an Juden in Deutsch Schützen, Wallstein Verlag, Göttingen 2015