
Fernost Blick: Hafen von Hong Kong 1996

das Sauerland und mehr


Gestern wurde die kleine Inselschule auf der nicht ganz so großen Insel Neuwerk 100 Jahre alt. Wir schickten unsere Küstenreporterin los. Hier ihr Bericht.
Am 19. September 2012 wurde die Neuwerker Inselschule 100 Jahre alt. Sie liegt rund 100 km von Hamburg entfernt und gehört zum Schulbezirk Hamburg-Mitte.
Momentan gibt es hier eine Schülerin, die von der Lehrerin Meike Müller-Toledo unterrichtet wird.
Aus Anlass des 100 jährigen Bestehens der Schule wurden ehemalige Schüler, Lehrer und auch Behördenvertreter eingeladen.
Schon die Anreise war für unerfahrene Neuwerkbesucher ein Abenteuer. Bei Nord-West-Wind, 10 Grad und Regen ist die Überfahrt mit dem Wattwagen ein durchaus besonderes Erlebnis. Der starke Wind (4-5Bf) pustete uns ordentlich durch. Bei heftigem Regen und ohne Überdachung schaukelten uns die Pferde durchs Watt.

Nach der Ankunft mussten wir uns erst einmal aufwärmen. Das geht am besten im Anker.
Um 14 Uhr begann die offizielle Veranstaltung. Leider konnte Olaf Scholz nicht kommen, da er zusammen mit Angela Merkel bei der Taufe der Desy-Röntgen-Experimentierhalle Petra III war.
Für viel Spaß sorgten die Döser Speeldeelkids, die das plattdeutsche Stück „Nahsitten“ (hochdeutsch: Nachsitzen) aufführten.
Ein besonderes Highlight war wie immer das von Lüder Griebel gespielte Lied: „Einmal Neuwerk noch seh`n“

Fazit: Neuwerk ist auf jeden Fall eine Reise wert.
Hola a todos!
Zum Beginn eine Zahl: 27 199. Diese Zahl gab vor ein paar Tagen das Nationale Statistik- und Geografie-Institut in Mexiko heraus. Im Jahre 2011 sind 27 199 Morde in Mexiko registriert worden – in einem Jahr. Das heißt durchschnittlich sterben pro Tag 74 Menschen durch Gewalteinwirkung. Alle 20 Minuten wird durchschnittlich ein Mensch in Mexiko ermordet. Bei den 15- bis 29jährigen steht ermordet zu werden bei den Todesursachen an erster Stelle. Noch vor Verkehrsunfällen.
Mais statt Drogen
Ob dieses Schicksal auch den Bauern im Tal von Batopilas im Süden des Bundesstaates Chihuahua widerfährt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls überkam mich der Gedanke, ob sie das überleben werden, als ich kürzlich folgenden Artikel las.

In diesem Artikel wurde beschrieben, dass vor einem Jahr ein Regierungsprogramm des Bundesstaates für die Bauern dieser Region gestartet wurde. Es geht darum, dass die Felder anders bewirtschaftet werden sollen. Plakativ könnte man sagen: Mais statt Marihuana. Die Regierung verteilte umsonst Samen für Avocados, Bohnen, Birnen, Pfirsiche, Zucchini und eben für Mais, das Lebenskorn der Mexikaner. Nun sollen die ersten Ernten eingefahren werden von den Feldern, auf denen seit über 50 Jahren Marihuana angebaut worden ist.
Rafael Hernández, ein 60jähriger Bauer aus Batopilas, wird in dem Artikel zitiert. Er fände es schon in Ordnung zu den alten Zeiten davor zurückzukehren, seit 45 Jahren lebe er vom Drogenanbau. Doch ob das seine ehemaligen Abnehmer auch so locker sehen? Zuversichtlich zeigt sich jedenfalls das Entwicklungsministerium des Bundesstaates, das dieses Projekt angeschoben hat: Die Voraussetzungen – sei es der Boden oder das Klima- seien in dieser Region hervorragend.
Touristische Eisenbahnstrecke durch den Barranca del Cobre
Dass diese Region tatsächlich etwas ganz Besonderes ist, davon konnte ich mich persönlich vor einem Monat überzeugen: Es gibt eine Eisenbahnlinie, die ursprünglich mal als Transportlinie zwischen den südlichen USA bis zum Atlantik gedacht war. So wurde unter unvorstellbaren Strapazen der Landschaft eine einspurige Eisenbahnspur von Chihuahua nach Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa abgestrotzt, die sich aber ökonomisch nie richtig ausgezahlt hat.
Insgesamt 80 Jahre hat der Bau der 650 Kilometer langen Linie gedauert, die einen Höhenunterschied von 2400 Metern überwindet. Mal kam eine Revolution dazwischen, mal war kein Geld war und als 1961 die erste Bahn die komplette Strecke fuhr, war das Flugzeug längst das Transportmittel Nummer Eins.
Heute wird die Linie fast nur noch touristisch genutzt und nur noch ab und an wird noch eine Lieferung Holz verladen. 11 Stunden lang schaukelt man von Los Mochis nach Creel, einem Dörfchen auf 2300 Meter Höhe und rund 300 Kilometer von Chihuahua entfernt. Und die Landschaft wird stündlich spektakulärer. Es werden zahlreiche Tunnel passiert (in einem macht der Zug eine Wendung um 180 Grad), die so eng sind, dass man meint jeden Moment schrammt die Bahn an den Felsen. Man passiert die Sierra Tarahumara mit ihren steilen Schluchten und bizarren Felsformationen.

Der Kupferfelsen (Barranca del Cobre) ist das Herzstück der Sierra Tarahumara – der Zug hält hier zum schnellen Fotoshooting. Der Río Urique hat sich hier seinen Weg gesucht, der Tourist blickt 1200 Meter tief in die Schlucht und auf ein unglaubliches Felspanorama. Das einen unwillkürlich an den Grand Canyon denken lässt. Dort kann man am South Rim zwar noch 200 Meter tiefer blicken und die rötliche Färbung des Gesteins ist kontrastreicher, hier ist man aber am größten Schluchtensystem Nordamerikas. Es breitet sich über 1500 Kilometer aus.
Creel – ein bisschen Schweiz und ein wenig USA in Mexiko

Wenn der mitteleuropäische Tourist dann die Bahn in Creel verlässt und nicht bis zu ihrem Endziel Chihuahua weiterfährt, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen:
Das hier soll noch Mexiko sein? Saftige Wiesen, bewaldete Hügel, schroffes Gestein. Ist das nicht die Schweiz? Auch das Örtchen selbst erweckt nicht den Eindruck, dass es sich noch in Mexiko befindet: Es sieht zwar nicht aus wie in der Schweiz, aber auch nicht mexikanisch. Eher wie ein saubergefegtes US-Provinznest in Utah oder Arizona.

Die Tarahumara – eine Indigena-Gruppe
Nur die Menschen hier erinnern einen daran, dass man sich doch nicht weiter nördlich befindet. Es gibt hier eine Indigena-Gruppe, die das Straßenbild bestimmt: die Tarahumara. Die nicht nur ihre eigene Sprache, sondern auch ihre Bräuche pflegen. Einst zogen sie sich immer weiter vor den spanischen Eroberern in die Schluchten der Sierra Tarahumara zurück. Und konnten sich vieles ihrer ursprünglichen Lebensformen bewahren:
Rarámuris nennen sie sich selbst und das bedeutet so viel wie „die Leichtfüßigen“. Laufen nimmt nach wie vor eine zentrale Rolle in ihrem Leben ein, oft legen sie – teils als Halbnomaden in Familienverbänden lebend – Strecken bis 100 Kilometer zu Fuß zurück. Ritualisiert wird das Laufen in Stammeswettbewerben, bei denen die Männer bis zu 2 Tage lang Holzbälle durchs Gelände schießen. Daneben gibt es noch Trinkgelage, so dass die anderen Einwohner von Creel dem Touristen kurz erklären, warum eine Gruppe Männer schwer betrunken unter einem Baum liegt.
Einige Familien leben noch in Höhlen, aber der Großteil der Tarahumara lebt in einfachen Holzhäusern. Was wahrscheinlich schon deswegen etwas angenehmer sein wird, da es im Winter hier bis zu minus 20 Grad kalt werden und der Schnee bis zu 70 cm hoch sein kann. Der Schnee sei allerdings zu leicht, um hier Wintersport zu machen, erklärt Jesús, der, wenn er nicht gerade auf dem Hauptplatz von Creel mit seinen Freunden abhängt, mit seiner Camioneta Taxidienste anbietet. Der Schnee pappe nicht und sei deswegen nicht zum Skilaufen geeignet. Dennoch kämen auch im Winter häufig Leute aus den großen mexikanischen Städten: Um das erste Mal im Leben Schnee zu sehen.
Im Sommer gibt es hier eine angenehme Bergluft, die sich mit dem Duft der Pinienwälder vermischt. Und die einem regelrecht Lust auf längere Wanderungen macht. Man denkt sich noch, man kann sie verstehen, die Tarahumara mit ihrem Laufen. Doch eigentlich hat man mal wieder nichts verstanden – da man sich doch nicht vorstellen kann, wie es ist, in so festen Stammesstrukturen zu leben. Vom Leben der anderen Mexikanern grenzen sie sich ab – ihre Kinder besuchen nicht die staatlichen Schulen, sondern ihre eigenen. Die Bundesstaatregierung lässt sie gewähren.

Dennoch: Richtig herzlich erscheint einem nicht das Verhältnis der Einwohner Creels mit den Tarahumara. Sie hätten keinen Ehrgeiz, etwas aus ihrem Leben zu machen, erklärt die Frau im kleinen Dorfmuseum. Es reicht ihnen, wenn sie genug zum Essen hätten. Mehr wollen sie eigentlich nicht. Geld oder andere materielle Werte interessiere sie nicht. Ob das so stimmt? Auf dem Hauptplatz versuchen jedenfalls Tarahumara-Frauen ihr Kunsthandwerk an den Touristen zu bringen. Und auch im Museumsladen wird ihr Kunsthandwerk angeboten: Allerdings fiel dort bei einem Schal das Etikett „Made in China“ auf.
Einige der Tarahumara sollen vom Drogenanbau in den Tälern ringsherum profitiert haben. Und nicht nur für den Eigenbedarf Felder bestellt haben. Auch sie sollen in den Felder-Umstrukturierungsplan der Regierung aufgenommen worden sein. Die schöne heile Tarahumara-Welt gibt es natürlich nicht. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie wie auch die anderen Bauern in der Umgebung von möglichen Rachefeldzügen der ehemaligen Abnehmer verschont bleiben. Und nicht in der Mordstatistik des Jahres 2012 enden.
Chihuahua war 2011 der Bundesstaat mit der höchsten Mordrate. Hier wurden offiziell 17 699 Menschen im Jahre 2011 ermordet. Denn im Norden des Staates liegt Ciudad de Juárez. Im Süden hingegen wirkt das Land wie eine Idylle aus einem Johanna-Spyri-Roman. Aber leider täuscht das – und lässt einen wieder einmal ratlos zurück, in welche Richtung dieses Land gehen wird. Vorgestern ist der neue Präsident vereidet worden – doch davon demnächst mehr.
Ich hoffe, euch allen geht es gut!
Muchos saludos,
Marion

Wir reisen an die Ostsee. Zum ersten Mal soll es in diesem Sommer an die deutsche Küste gehen. Wir fahren zügig gen Norden und freuen uns schon auf die Weite des Meeres.
Unterwegs überlegen wir: „Was machen wir zuerst, wenn wir am Meer ankommen?“ Die Vorschläge lauten: Steinchen titschen, mit nackten Füßen am Strand oder im Wasser spazieren gehen oder auch nur an den Strand setzen.
Mittags kommen wir in einem Badeort an der Ostsee an. Doch aus unserem Vorhaben wird nichts. Zwischen uns und dem Strand steht ein Schild und ein Kassenhäuschen: Drei Euro sollen wir zahlen, um unserer Wünsche wahrzumachen.

Jeder Erwachsene zahlt drei Euro
Ich nenne sie Strandbetretungsgebühr. Nur wer diese entrichtet oder ein Quartier gebucht und darüber eine ‚OstseeCard‘ erwirbt, darf den Strand betreten. Zumindest im Sommer.
Es wird also nichts mit Strandspaziergang und Steinchen titschen. Wir können allenfalls auf der Promenade flanieren, konsumieren und sehnsüchtige Blicke auf das Wasser werfen.
Mit der OstseeCard an den Strand
Am Nachmittag endlich checken wir in unserem Quartier ein, erhalten die OstseeCard und sind nun berechtigt, den gebührenpflichtigen Strand zu betreten.
Nein, das gefällt mir nicht. Wenn ich an die Küste fahre, dann möchte ich an den Strand, ohne Gebühr und ohne Abgabe. Und wenn das in deutschen Badeorten nicht geht, nun, dann bleiben ja noch die langen, herrlichen und vor allem gebührenfreien Strände in Skandinavien, Großbritannien und Südeuropa.

Wenn man mit dem Fahrrad von Südwesten nach Hamburg will, ist die Fahrt mit der Fähre von Finkenwerder zu den Landungsbrücken ziemlich entspannend.
Eine zweite Möglichkeit wäre es noch, durch den Freihafen und schließlich den Alten Elbtunnel einzurollen.
Die Jugendherberge am Stintfang sitzt über den Landungsbrücken. Der Blick auf den Hamburger Hafen ist nicht schlecht.

Abends auf dem Balkon der Jugendherberge am Stintfang in Hamburg.Der wirklich einzige Nachteil dieses Hauses sind die horrenden Preise für das WLAN.
Unverschämte*** 5 Euro pro Stunde(!) verlangt der Hamburger Jugendherbergsverband via externem Dienstleister für den Internetzugang, zahlbar mit Kreditkarte.
Zum Vergleich: im Nachbarverband Niedersachsen erhielten wir für 3 Euro 24 Stunden WLAN, das auch im tiefen Wald von Zeven fluppte.
Merkwürdig ist es schon, dass gerade die Großstadt Hamburg, das Tor zur Welt, seinen internationalen Gästen solch ein jämmerliches Angebot macht.
Empfehlung: boykottieren und stattdessen den UMTS-Stick einsetzen. Diese Verbindung klappt jedenfalls hervorragend und kostet mich beispielsweise 1,99/24h.
*** wegen der Nähe zur Reeperbahn wahlweise der Ausdruck „sündhaft“

Lecker, dieser Proteinbomber vom Meer. Mit so unglaublich vielen Krabben, dass die gegarten Tierchen an allen Ecken rausrutschen.
Wer in diesem Jahr noch keine Gelegenheit hatte, eine solche Köstlichkeit zu verspeisen, der sei vorerst mit diesem Bild getröstet…

In den Niederlanden kann es für den Radfahrer oder auch die Radfahrerin an einem Tag die Hölle und das Paradies auf Erden geben oder auch umgekehrt, aber niemals gleichzeitig.
Alles hängt von der Kombination von Wind- und Fahrtrichtung ab.
Die Situation auf dem Bild stellt das Paradies dar:
Der Radweg verläuft rechts des Kanals in Richtung Enschede (Westen), der Wind bläst heftig aus SWW.
Muss ja auch mal sein, denn ein Radfahrer verbringt im Durchschnitt gefühlte 95 Prozent seiner Touren im Gegenwind.
Normalerweise hätten wir also, gemäß der Radfahrer-Regel***, heute Ostwind haben müssen. Aber was ist schon normal an diesem Sommer 2012?
*** Der Wind kommt immer von vorn!

3000 undichte Schweißnähte. Mit dem Bau des Blocks 10 des Dusburg-Walsumer Kraftswerks wurde 2007 begonnen. Der Betrieb wird für Ende 2013 angestrebt.
Radtouren durch das Ruhrgebiet – hier der westliche Teil – sind spannend und mindestens so erholsam wie eine Mosel-, Donau- oder Maintour.
Dabei hat das Ruhrgebiet mit Ausnahme seines namensgebenden südlichen Teils einen unschätzbaren Vorteil: man kann ohne mühsame Aufstiege links und rechts der Tour beliebig abweichen.


Die Rolladen sind runter, die Kunden sind weg. Der Verkaufshalle fehlt das soziale Umfeld der alten Zeche Walsum.
Links nebenan ist der industrielle Wandel des Ruhrgebiets zu besichtigen.
Muss man diese Veränderung „Niedergang“ nennen? Oder ist es einfach nur das Ende einer Industriekultur, die keinen Neuanfang kennt?
Was wird hier in 10, 20, 30 oder 40 Jahren stehen? Ein Industrie-Wohlfühlpark? Brachland? Ein Neubaugebiet? Hightech-Buden?

Inverness mit Blick flussabwärts 1982 (archiv: chris)
Inverness ist die nördlichste Stadt des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und die Hauptstadt der schottischen Highlands.
Nördlich und westlich von Inverness lockt die Einsamkeit: Berge, Fjorde, Lochs, kleine Dörfer und das Meer.

„This Castle hath a pleasant seat,
The air nimbly and sweetly recommends itself
Unto our gentle senses.“
So spricht der begeisterte King Duncan in Shakespears Drama, als er sich dem Schloss seines Gefolgsmannes Macbeth in Inverness nähert.
Doch der Schein trügt: für Duncan hat dieser Besuch bekanntlich einen höchst unerfreulichen Ausgang.
Das mittelalterliche Schloss aus dem 11. Jahrhundert konnte 1745 dem Angriff mit Sprengstoff nicht standhalten. Heute dominiert am Ufer der Ness eine Rekonstruktion aus dem frühen 19. Jahrhundert.