
Auf der Suche nach dem wahren Winter: Silvester an der Außenalster

das Sauerland und mehr

Freut euch auf 2012. Im neuen Jahr wird die Welt eine bessere sein.
Im Hochsauerland können die Menschen aufatmen. Es ist Schluss mit dem Anbau von giftigen Weihnachtsbäumen.
Auf den Kyrill-Flächen wird stattdessen das Teletubby-Land nachgebaut.
Der Kreistag wird am 1. April über meinen Antrag abstimmen. Die Stimmen sämtlicher Parteien und Abgeordneter sind bereits mit meinem Januar-Gehalt gekauft.

Immer wenn ich Konsum-Tempel mit gläsernen Fahrstühlen wie die Europa-Passage in Hamburg durchstreife, drängt sich mir der alte Larry Laffer aus der Adventure-Reihe von Sierra „Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards“ in den Sinn.
Das erste Spiel der Reihe wurde 1987 mit einfacher EGA-Grafik und einem Textparser veröffentlicht. Wenn ich mich recht erinnere, gingen die Raubkopien auf 5,25-Zoll Floppy-Disks von Hand zu Hand durch die Büros der Yuppies.
Ein Männer-Spiel durchtränkt von unbeholfenem Sexismus, in seiner ergreifenden Schlichtheit dann doch wieder ganz sympathisch.
„Mit der Tastatur steuert man im ersten Teil der Serie den Protagonisten Larry Laffer im weißen Leisure-Anzug durch verschiedene Orte wie eine Bar, ein Casino oder einen Supermarkt auf der stetigen Suche nach seiner Traumfrau. Für den Mitvierziger, der Single ist und (1989) immer noch im Geiste der 1970er Jahre lebt, ist jede Frau, die er ‚ins Bett bekommt‘, eine Traumfrau. Ins Spiel sind erotische und witzige Elemente eingestreut, wobei immer wieder das Scheitern des Protagonisten im Mittelpunkt steht.“
„Spätere Teile sind als Point & Click Adventures umgesetzt. Allen Spielen ist die stilsichere Parodie der billigen Softsexfilmchen der 1970er und 1980er Jahre gemein. Neben der durchaus vorhandenen Erotik steht Larrys peinliches Scheitern bei den Versuchen, attraktive, erfolgreiche Frauen zu erobern, im Mittelpunkt des Spiels.“ (wikipedia)
Ich weiß, dass Larry Laffer lebt und als ich heute im IV. Stock den gläserenen Fahrstuhl betrat, drehte ich mich unwillkürlich um, weil ich Larry ganz dicht hinter mit spürte.
Doch wie all die Jahre seit 1987 war die Enttäuschung unmittelbar. Mit mir hinunter fuhr doch wieder nur eine dieser 08/15 Shopping-Mall Schönheiten, die man bestenfalls an der Marke ihrer Handtäschchen zu unterscheiden vermag.

Heute Morgen sprang mich diese Schlagzeile der Bild-Zeitung am Eingang zur Hamburger U-Bahn an. Irgendwann habe ich mich dann erbarmt und bin aus der U-Bahn wieder ausgestiegen, um die Elbphilharmonie zeitnah in Augenschein zu nehmen.
Nur keine Aufregung, wenn das nicht sofort was wird, mit Ole von Beusts großem Plan. Als nächster Eröffnungstermin wird heute das Jahr 2014 genannt. Wir halten das mal für unsere Chronik fest.
Beust ist inzwischen zurückgetreten und für den Kölner Dom hat’s auch ein paar Jahrhunderte gebraucht.
Vor mehr als einem Jahr hatte unser Autor Chris Klein das Hamburger Bauwerk unter dem Titel „Der Hamburger Haushalt und das Elend der Kultur“ schon einmal gewürdigt.
Diese Bild bot sich mir heute:



Der Wohnungswald zwischen Dinslaken und Voerde am Niederrhein beherbergt auf einem Hektar Waldfläche zu jeder beliebigen Zeit im Jahr mehr Joggerinnen und Jogger als die Gesamtheit der Fichtenwälder Winterbergs, Olsbergs, und Hallenbergs im Hochsauerland im späten Mai.

Aus der Diaspora kommend machen mich diese gefühlten Massenaufläufe von sportsüchtigen Städtern stets nervös, wobei dieses Unwohlsein nach kurzer Aufwärmphase einem heimeligen Gefühl weicht.
Ist doch schön, anonym in der Masse zu schwimmen. Na ja – zu joggen.
Die Wohnungswaldjogger sind auch gar nicht so kalt und abweisend, wie ich vermutet habe, jedenfalls nicht zur Weihnachtszeit.

Ich finde es toll, auf dem Weg zum Rhein laufend von Ursel, Heinz, Sabine und all den anderen gegrüßt zu werden. Ehrlich! Nächstes Jahr versuche ich, erneut vorbeizukommen – vorbeizulaufen 😉


Vor der Bescherung wird traditionell ein kleiner Weihnachtslauf rund um’s Dorf (den Ort Siedlinghausen) absolviert.
Heute ging es über die Ennert, hinunter in Negertal, dann über den Hömbergsattel, die Altenfelder Staße querend zum Kreuz auf dem Käppelchen und durchs Industriegebiet zurück in den Ort und zum Schluss hoch auf den Meisterstein.
Die heutigen Farben der Landschaft erinnerten mich an einen Song von New Model Army aus dem letzten Jahrtausend: „Green and Grey“. Hier eine Version von 2010, aufgenommen in der Markthalle, Hamburg.

Ich weiß nicht, wie das Sauerland tickt, aber die Reklame-Zeitung „Sauerland-Kurier“, die jeden Mittwoch und Sonntag in sämtliche Briefkästen unseres konservativen Landesteils gestopft wird, druckt für Geld den letzten Scheiß ab.
Ansonsten ist es nicht zu erklären, aus welchem Grund auf der Rückseite für die „extra scharfen Weihnachten“ mit Vibrator, Lustspiel-Finger, Polyamid Strings und mehr geworben werden kann.
Es ist einfach geil, dass die Messdiener in der Frühe im Gottesdienst die Moral orchestrieren und hernach die Werbung für den Vibrator-Pretty Pearl austragen, oder umgekehrt?
Der wahre Aufklärungsunterricht beginnt bei uns zwischen Bergen von Schnee, wenn der Zeitungsjunge in einer Ecke verdruckst liest, was „der kleine lustvolle Freund“ so alles kann und wem er dient. Wenn der Prae-Pubertant von seiner Runde nach Hause kommt, wird er seine Mutter mit ganz anderen Augen sehen.
Was lesen wir gemeinsam mit unseren Kindern im kostenlosen Reklameblatt, welches jedem Hauhalt ungefragt zugestellt wird:
„Selbstbewusste Frauen lieben den kleinen Freund mit dem schönen Perlenglanz. Dieser kleine kraftvolle Vibrator in verschiedenen Trendfarben kann FRAU überall mit ins Spiel bringen. Ultra-schlank und zierlich bei nur 14 Zentimeter Länge und 3, 8 cm Breite ist dieser Vibrator Allzeit bereit.“
Dazu: „TOP Preis, je 3,95 Euro“
Tja, Männer – bevor ihr weiterlest, geht mal messen. Die 3,95 Euro könnt ihr sowieso nicht toppen.
Das tollste Weihnachtsgeschenk für eure Frau ist allerdings der X-Mas Damenstring. Sie wird sich freuen:
„Dieser X-Mas String ist die Verführung pur für das Fest der Liebe … macht jede Weihnachtsfrau zum sinnlichen Weihnachtsengel. In der Front des Strings ist ein Musik-Clip versteckt, welcher auf Knopfdruck den Klassiker Jingle Bells erklingen lässt. Wenn da keine Weihnachtsstimmung aufkommt … 100% Polyamid“
Soweit erst einmal. Wir hoffen, dass ihr die Fragen eurer Kinder zur Reklame souverän beantworten könnt – wenn sie euch noch konsultieren – beim Thema „Sex-Spielzeuge“.